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    von Katharina Larissa Paech
    Hortense Parent, Porträt.
    Namen:
    Hortense Parent
    Geburtsname: Charlotte Francis (Francèse) Hortense Parent
    Lebensdaten:
    geb. in London, Großbritannien
    gest. in Paris, Frankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Klavierpädagogin, Begründerin und Leiterin einer Schule zur Ausbildung von Klavierlehrerinnen, Verfasserin musikpädagogischer Bücher und Lehrwerke, Pianistin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Simplifier le travail par la méthode; développer l’initiative de l’élève par l’étude raisonnée; donner à l’intelligence un rôle prépondérant.“


    („Die Arbeit durch die Methode vereinfachen; die Eigeninitiative des Schülers entwickeln durch das durchdachte Üben; dem Verstand eine maßgebliche Rolle zuweisen.“)


    Hortense Parent, „Répertoire encyclopédique du pianiste…“, Bd. 1, S. 314.


    Profil

    Hortense Parent widmete ihr Leben der Klavierpädagogik: Sie unterrichtete selbst über fünf Jahrzehnte lang, verfasste Bücher und Lehrmaterial und leitete eine Schule für angehende Klavierlehrerinnen. Dabei war es ihr Anliegen, einerseits das pädagogische Niveau des elementaren Klavierunterrichts anzuheben, andererseits die Voraussetzungen für eine finanzielle Absicherung alleinstehender Frauen oder Witwen zu schaffen, die nach dem Besuch ihrer Schule ein Zertifikat vorweisen konnten und so bessere berufliche Chancen hatten.

    Des Weiteren entwickelte Hortense Parent durch kritische Reflexion der traditionellen Vermittlungsweise neue Lehrmethoden für die Notenlehre und Musiktheorie sowie für das Erlernen und Üben von Klaviertechnik und –repertoire, die auf einem rationalen und systematischen Zugang basieren.

    Orte und Länder

    Hortense Parent wurde in London geboren. Sie erhielt ihre musikalische Ausbildung in Paris. Nach einer kurzen Periode als konzertierende Pianistin (u.a. London, Straßburg) war sie in Paris als überaus erfolgreiche und respektierte Klavierpädagogin und Leiterin einer privaten Ausbildungsstätte tätig.

    Biografie

    Kindheit und Studium


    Hortense Parent wurde am 22. März 1837 als Tochter französischer Eltern in London geboren. Der Vater arbeitete beim Militär. Hortense Parent hatte mehrere Geschwister. Sie wuchs zunächst in Schottland auf. Ob sie dort bereits eine musikalische Ausbildung erhielt, lässt sich nicht feststellen. Spätestens 1850 zog die Familie nach Paris um, da Hortense Parent dort nach eigenen Angaben ab ihrem 13. Lebensjahr Klavierunterricht bei Félix Le Couppey erhielt („Répertoire Encyclopédique du Pianiste“, Bd. 2, S. 172). Im Januar 1853 begann sie ihr Studium am Pariser Conservatoire. Ihre Professorinnen waren Louise Farrenc (Klavier) und Mme Dufresne (Catherine Cécilia Caroline Emma Demay; Harmonielehre und Begleitung). Die Beurteilungen in den Semesterberichten zeigen, dass Hortense Parent mit eher niedrigem pianistischem Niveau ihr Studium begann, aber – ihren Lehrern zufolge – fleißig und genau arbeitete. Jedoch scheinen häufige Erkrankungen ihren Lernfortschritt behindert zu haben. In Harmonielehre und Begleitung erhielt sie nach einem „Premier Accessit“ (1854) einen „Premier Prix“ im Jahr 1855. Ebenso erlangte sie nach einem „Premier Accessit“ (1855) und einem „Second Prix“ (1856) schließlich 1857 einen „Premier Prix“ im Fach Klavier. Im September 1858 verließ Hortense Parent offiziell das Conservatoire.



    Erste Publikationen, Konzerte und Lehrtätigkeit


    Bereits 1856, also noch während der Studienzeit, veröffentlichte Hortense Parent erste Kompositionen: den Walzer „Souvenir d’Ecosse“ und die Polka „Emily“. Die beiden Klavierwerke entsprachen dem Zeitgeschmack nach gefälliger, nicht zu anspruchsvoller Musik für den Salon. Der Titel „Souvenir d’Ecosse“ könnte eine Anspielung auf ihre Kindheit in Schottland sein.

    Ihr Debüt als Pianistin gab Hortense Parent 1858 in Strasbourg mit Werken von Henri Herz und Julius Schulhoff. In London verbrachte sie eine Konzertsaison, während der sie u.a. im Cambridge House unter der Patronanz von Lord und Lady Palmerston auftrat.

    Danach wandte sich Hortense Parent spätestens ab 1861 intensiv der Lehrtätigkeit zu. An der privaten Schule von Félix Le Couppey arbeitete sie als Klavierlehrerin. Daneben sind zumindest kurzzeitige Anstellungen an anderen musikpädagogischen Institutionen nachweisbar (Le Ménestrel, 28.12.1862, 15.10.1876). Hortense Parent unterrichtete bald auch selbstständig eine eigene Klavierklasse. Ihre Schülerkonzerte veranstaltete sie in der Salle Erard. Sie konnte schnell ihren Ruf als ausgezeichnete Klavierpädagogin in Paris festigen.

    1872 erschien ihr erstes Buch, „L'Etude du piano, manuel de l'élève, conseils pratiques“ („Klavierüben, Handbuch des Schülers, praktische Ratschläge“), das zugleich zu ihren bedeutendsten Schriften zählt. Sie widmete es Félix Le Couppey, dessen pädagogischen Einfluss auf ihre eigene Arbeit sie auch in späteren Jahren immer wieder betonte. „L'Etude du piano“ richtet sich direkt an die Lernenden und gibt in Dialogform Ratschläge zum Üben aller wesentlichen Elemente der Klaviertechnik, thematisiert aber auch allgemeine Themen wie Auswendigspiel oder Ausdrucksfähigkeit. Es ist eine der ersten Publikationen überhaupt, die sich mit dem Thema Üben beschäftigen.

    Außerdem erschienen in diesen Jahren zwei weitere Kompositionen von Hortense Parent, ein „Menuet“ für Klavier und „Quatre Mélodies“ für Singstimme und Klavier.



    Die Schule für Klavierlehrerinnen


    1882 entschloss sich Hortense Parent, eine Schule zur Ausbildung von Klavierlehrerinnen zu gründen, welche vermutlich die erste dieser Art in Frankreich war. Hortense Parent hatte beobachtet, dass elementarer Klavierunterricht oft von wenig qualifizierten Frauen erteilt wurde, die gezwungen waren, sich z.B. nach dem Tod des Ehemannes oder Vaters selbst zu ernähren. Mit einer guten Ausbildung wollte Parent sowohl das Niveau des Unterrichts heben als auch den Frauen eine Zukunftssicherung ermöglichen. In einer kleinen Schrift „Création d’une école préparatoire au professorat du piano“ („Gründung einer Schule zur Vorbereitung auf die Tätigkeit als Klavierlehrer“) stellte sie ihr Konzept vor und warb um finanzielle Unterstützung. Träger der Schule war ein neugegründeter Verein, die „Association pour l’enseignement professionnel du piano“ (Verein für professionellen Klavierunterricht), dem anfangs Félix Le Couppey und Mme Erard vorstanden. Die Frauen konnten Parents Schule zu geringen Kosten besuchen oder sogar Stipendien bekommen. Die Schule nahm am 31. Oktober 1882 im 6. Arrondissement (Luxembourg) ihren Lehrbetrieb auf. Neben der eigenen pianistischen und musiktheoretischen Weiterbildung enthielt der Lehrplan Vorlesungen zu Klavierpädagogik, Hospitationen in Parents Klavierunterricht und eigene lehrpraktische Übungen: „La pédagogie et la virtuosité sont deux branches distinctes qu’il faut cultiver parallèlement“ („Die Pädagogik und die Virtuosität sind zwei unterschiedliche Zweige, die man parallel ausbilden muss.“ „Notice historique…“, S. 10). Um hierfür ideale Bedingungen bieten zu können, bestand ab 1891 ergänzend zur „Ecole préparatoire“ eine „Ecole d'application“, in der die Frauen während ihrer Ausbildung in einem einjährigen Praktikum umfassende Lehrerfahrungen mit Schülern sammeln konnten. Aufgrund der großen Schülerzahl wurde 1893 eine weitere „Ecole d’application“ auf der anderen Seite der Seine (9. Arrondissement) eröffnet. Für die Eltern der Schüler stellten die „Cours Hortense-Parent“ eine Möglichkeit dar, ihren Kindern eine günstige und gute Klavierausbildung zu bieten. Des Weiteren wurde an der „Ecole préparatoire“ eine umfangreiche Bibliothek mit entleihbaren Lehrbüchern und Noten eingerichtet, sodass die Frauen das Material nicht selbst anschaffen mussten.

    Hortense Parent erwarb sich mit ihrer Ausbildungsstätte schnell einen hervorragenden Ruf und wurde 1884 zum „Officier d’Académie“ ernannt.



    Das pädagogische Lehrmaterial


    In den Jahren 1886-1890 publizierte Hortense Parent mehrere Schriften und Lehrbücher, die auch als Lehrmaterial an ihrer Schule dienten.

    Das Buch „Exposition de ma méthode d’enseignement“ („Darstellung meiner Lehrmethode“) fasst Hortense Parents pädagogische Grundsätze zusammen. In jedem der zwölf Kapitel wird zunächst kurz ein Prinzip fettgedruckt vorgestellt und danach detaillierter erläutert. Hier wird deutlich, wie sehr Parent in ihrer ganzen Lehrmethode großen Wert auf Effektivität und Verständlichkeit in der Vorgehensweise legte. Die dadurch schnell und systematisch erzielbaren Fortschritte sollten zur Motivation der Schüler beitragen. Gleichzeitig betonte sie, dass es Aufgabe der Lehrer sei, beim Schüler Freude und Neugier am Lernen zu wecken und zu erhalten.

    Vier große praktische Lehrbücher, die zusammen den „Cours de piano“ (Klavierschule) bilden, behandeln jeweils einen Aspekt der musikalischen und pianistischen Ausbildung: das Erlernen des Notenlesens („Lecture des notes“), die Grundlagen der Klaviertechnik („Les Bases du mécanisme“), verschiedene Übungen zu rhythmischen Schwierigkeiten („Rhythme et Mesure“) und den Aufbau der pianistischen Technik durch Skalen und Arpeggien („Gammes et Arpèges“). Die Trennung der einzelnen Aspekte sollte das Lernen erleichtern.

    In „Lecture des notes“ präsentiert Hortense Parent einen damals völlig neuen Zugang zur Notenlehre: „Méthode fondée sur la mémoire des yeux“ („auf dem optischen Gedächtnis gegründete Methode“), da der Sehsinn beim Kind am besten entwickelt sei. Analog zu geographischen Karten soll mittels übersichtlicher, großformatiger Darstellungen das Notenlesen vermittelt werden. Jedem der sieben Stammtöne wird eine Farbe zugeordnet, die Noten im Buch sind in den jeweiligen Farben handcoloriert. Zugleich sind alle Abbildungen auch schwarz-weiß enthalten, sodass der Schüler sich nach und nach von den Farben lösen kann. Alterierte Noten haben die gleiche Farbe wie der Stammton, von dem sie abgeleitet werden. Teilweise sind auch Notenschlüssel oder Notenlinien in der Farbe des Tones gehalten, den sie anzeigen.

    Ergänzend zu diesen Lehrbüchern gab Hortense Parent noch ein Spielbuch für Anfänger mit bekannten Melodien heraus („25 Mélodies populaires transcrites pour le piano“).

    Auf der Weltausstellung 1889 in Paris präsentierte Hortense Parent ihre pädagogischen Veröffentlichungen und erhielt eine Silbermedaille. Ihre Lehrbücher wurden zudem vom Institut de France offiziell anerkannt. Sie erhielt den Titel „Officier de l’Instruction publique“.

    Aufgrund der pädagogischen Tätigkeit, die all ihre Zeit in Anspruch nahm, beendete Hortense Parent nun ihre eigene Konzertkarriere vollständig.



    Auf dem Höhepunkt der Popularität


    Die Schülerzahlen an der „Ecole d’application“ stiegen rasch an: Besuchten 1893 150 Kinder diese Musikschule, so waren es 1897 259 SchülerInnen, die von 75 Frauen in der Ausbildung unterrichtet wurden. Nach 1900 stieg die Zahl bis auf über 300. Der vergrößerte Raumbedarf brachte mehrere Umzüge der Schule mit sich.

    Einmal jährlich veranstaltete Hortense Parent fünf Konzerte in der Salle Erard, bei denen sich alle SchülerInnen präsentieren konnten. In der Presse wurde die hohe Qualität der Darbietungen stets gelobt. Zu ihren bekanntesten Schülerinnen, die sie selbst in dieser Zeit unterrichtete, gehören die spätere Opernsängerin Jane Bathori sowie Victoria Cartier, die in Montréal eine eigene Klavierschule gründete.

    1896 und 1897 wurde ihr die Ehre zuteil, insgesamt sechs musikpädagogische Vorlesungen an der Sorbonne zu halten. Die Texte der ersten beiden, in denen sie ihr Konzept und ihre Schule vorstellte, wurden publiziert („Deux Conférences en Sorbonne sur la pédagogie musicale“).

    Anlässlich der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 fand ein musikgeschichtlicher Kongress statt, auf dem Hortense Parent einen Vortrag über die elementare Klavierausbildung in Frankreich hielt („De l’Enseignement élémentaire du piano en France“).

    In ihrer Schule hielt Hortense Parent einmal wöchentlich eine Vorlesung, in der sie ein Klavierstück nach pädagogischen Aspekten analysierte, über seine Schwierigkeiten und deren Bewältigung sprach. In mehreren Publikationen legte sie diese Ausführungen auch schriftlich nieder: „De la Lecture musicale appliqué au piano“, „La Méthode dans le travail“ und „Onze Analyses de morceaux classiques“.

    Außerdem erstellte Hortense Parent für die Auszubildenden eine Repertoireliste für den Klavierunterricht. Diese erweiterte sie zu einem umfangreichen Nachschlagewerk, dem „Répertoire encyclopédique

    du pianiste“, das in drei Bänden erscheinen sollte, von denen leider aber nur zwei vollendet wurden: Der erste Band (1901) behandelt die „klassischen Meister“ bis einschließlich Geburtsjahr 1810, der zweite (1907) die „modernen“, bis 1905 verstorbenen Komponisten. Der dritte Band sollte die Zeitgenossen enthalten. Zu jedem Komponisten gibt es eine kurze Biographie, an die sich die Liste der Klavierwerke anschließt. Besonders hervorzuheben sind die pädagogischen Hinweise zum Schwierigkeitsgrad der einzelnen Stücke, außerdem gibt es im ersten Band Tabellen von Klavierwerken unterschiedlicher Gattungen, für den Unterricht systematisch geordnet nach Schwierigkeitsstufen. Diese Publikation wurde nicht nur in Frankreich begeistert aufgenommen und erhielt exzellente Rezensionen.

    1900 führte Hortense Parent Urlaubsgeldzahlungen für die in ihrer „Ecole d’application“ angestellten Lehrerinnen ein und ab 1909 gab es eine finanzielle Absicherung im Krankheitsfall.



    Späte Publikationen und Lebensabend


    Hortense Parent war bis ins hohe Alter als Pädagogin und Autorin aktiv. Die Inhalte der Publikationen nach 1910 zeigen aber, dass sie nun das Bedürfnis hatte, ihre Ideen und Kenntnisse schriftlich für die kommenden Lehrergenerationen niederzuschreiben, die sie nicht mehr selbst ausbilden würde. Sie verfasste „Analyses des ouvrages de l’enseignement“ („Analysen der Lehrwerke“) zu allen Teilen des in den 1880erJahren veröffentlichten „Cours de piano“.

    Ihre letzte Publikation war der „Atlas musical pour l’étude du solfège“ („Musikatlas für den Solfeggiounterricht“), der das Prinzip der übersichtlichen visuellen Aufbereitung der Lehrinhalte aus „Lecture des notes“ auf die gesamte elementare Musiktheorie überträgt. Ein Schülerheft enthält insgesamt 53 Graphiken, in einem Handbuch für die Lehrer wird die Vorgehensweise für den Unterricht detailliert erläutert.

    1924 lud Hortense Parent Freunde und ehemalige Schüler zu einem privaten Konzert ein, bei dem sie sich letztmalig am Klavier hören ließ, da sie aufgrund von Rheumatismus nicht länger spielen konnte. (Brief an Jane Bathori, Bibliothèque nationale de France, Paris, NLA-10 (274-275))

    Am 12. Januar 1929 starb Hortense Parent im Alter von 91 Jahren. „C’est une vie entièrement et jusqu’au bout consacrée à l’enseignement du piano.“ („Dies ist ein Leben, das vollständig und bis zum Ende dem Klavierunterricht gewidmet wurde.“ Le Ménestrel, 18.1.1929).

    Die Leitung ihrer Schule übernahm ihre ehemalige Schülerin Jeanne Cappelle, die bereits einige Jahre ihre Stellvertreterin gewesen war.

    Würdigung

    Hortense Parent war eine Frau mit bemerkenswerten und für ihre Zeit neuen Ideen, die sie mit großer Tatkraft verwirklichte. Als Pädagogin verfolgte sie einen rationalen Ansatz in der Vermittlung der Kenntnisse durch Systematisierung und „Entmystifizierung“ des Lehrstoffs, so in ihrem praxisnahen Lehrbuch zum Klavierüben „L’Etude du piano“. Sie betonte die Wichtigkeit einer graphisch ansprechenden Darbietung des Lehrmaterials insbesondere in der Musiktheorie. Als vermutlich erste Autorin verfasste sie eine Notenlehre mit farbigen Noten („Lecture des notes“). Ihr „Atlas musical“ stellt auch komplexere theoretische Inhalte in Graphiken dar.

    Sie kritisierte die oft unqualifizierte Tätigkeit alleinstehender Frauen oder Witwen als Klavierlehrerinnen, erkannte aber zugleich deren finanzielle Not. Daher gründete sie die Schule, die in Frankreich vermutlich die erste zur Ausbildung von Musikpädagoginnen war, und folgte dabei dem Vorbild bereits existierender Lehrerbildungsstätten für allgemeine Schulen. Von allen Seiten wurde ihr hierfür großer Respekt entgegengebracht: „…cette création, inspirée par des mobiles de l’ordre le plus élevé : un vif sentiment d’humanité et le culte d’art“ („…diese Gründung, inspiriert von Beweggründen höchsten Ranges: ein starkes Gefühl der Menschlichkeit und die Hochachtung der Kunst.“ Léon Lefébure in: „Notice historique…“, S. 9).

    Hortense Parent wurden zahlreiche Werke für Klavier gewidmet, die Wertschätzung durch andere Komponisten zeigte sich zudem darin, dass sie persönlich Parents Schülervorspiele besuchten.

    Rezeption

    Nach der Gründung der Schule für angehende Klavierlehrerinnen erlangte Hortense Parent schnell große Bekanntheit in Frankreich und darüber hinaus. Ihre neuen pädagogischen Ideen (Notenlehre mit Farben etc., systematisches Üben, Grundsätze für den Klavierunterricht) fanden breite Anerkennung. Ihre Veröffentlichungen wurden auch im Ausland rezensiert.

    Henri Thauvin publizierte 1895 ein Buch über Parents Biographie, ihre Ziele und Werke („Biographie de Hortense Parent. Son But. Ses Œuvres“).

    Zwei Werke von Hortense Parent wurden ins Englische und Spanische übersetzt („L’Etude du piano“ und „La Méthode dans le travail“). Auch nach ihrem Tod erschienen weitere Auflagen ihrer Werke, so 1937 „L’Etude du piano“ mit einem Vorwort von Alfred Cortot. In den 1920er Jahren wurden Auszüge aus „L’Etude du piano“ in der kanadische Zeitschrift „La Lyre“ abgedruckt.

    Werkverzeichnis

    A Klavierwerke


    „Souvenir d’Ecosse, Valse“, Paris: Maho, 1856.


    „Emily, Polka“, Paris: Maho 1856.


    „Menuet“, Paris: G. Hartmann, 1871.




    Vokalmusik


    „Quatre Mélodies“ für Singstimme und Klavier, Paris ca. 1870 (kein erhaltenes Exemplar bekannt).




    Pädagogische Veröffentlichungen


    1 Bücher und Aufsätze


    „L’Etude du piano, manuel de l’élève, conseils pratiques“, Paris: Hachette 1872.


    „Création d'une école préparatoire au professorat du piano, fondée par Mlle Hortense Parent“, Paris: Grande Imprimerie, 1882.


    „Exposition de ma méthode d‘enseignement pour le piano“, Paris: Hamelle, 1888.


    „De la Lecture musicale appliquée au piano“, Paris: Hamelle, 1890.


    „Deux Conférences en Sorbonne sur la pédagogie musicale [...], exposition de sa méthode d’enseignement pour le piano“, Paris: H. Thauvin, 1896.


    „La Méthode dans le travail“, Paris: Hachette, 1897.


    „Onze Analyses de morceaux classiques“, Paris: Hamelle 1897.


    „Association pour l'Enseignement professionnel du piano pour les femmes et école préparatoire au professorat du piano, dite Ecole Hortense Parent [...], notice historique sur cette œuvre, compte rendu des travaux et dernière liste des souscripteurs“, Paris 1898.


    „De l’Enseignement élémentaire du piano en France au point de vue de la vulgarisation de la musique“. In: Congrès international d'histoire de la musique [...], Documents, mémoires et vœux, hrsg. von Jules Combarieu, Solesmes 1901, S. 289-295.


    „Répertoire encyclopédique du pianiste, analyse raisonnée d’œuvres choisies pour le piano, du XVIe siècle au XXe siècle, avec renseignements pratiques“, 2 Bände, Paris: Hachette, 1900 und 1907.


    „Analyses des ouvrages d'enseignement de Hortense Parent: Les Bases du mécanisme, Gammes et Arpèges, Rythme et mesure, Lecture des notes dans toutes les clés, 25 Mélodies populaires transcrites“, Paris 1916.


    „Ecole moderne française du piano, œuvres choisies originales et transcrites pour piano seul à tous les degrés de force avec renseignements pratiques de 177 compositeurs vivants ou morts exclusivement français“, Paris: les Presses universitaires, 1922.



    2 Unterrichtsmaterial


    „Lecture des notes dans toutes les clés“, Paris: Hamelle 1886.


    „Lecture des notes en clefs de sol 2e et fa 4e ligne“, Paris: Hamelle, [o.J.].

    „Les Bases du mécanisme, exercices élémentaires pour piano, en cinq parties“, Paris: éditions du Magasin musical Pierre Schneider, 1886.


    „Gammes et Arpèges pour piano en deux parties“, Paris: éditions du Magasin musical Pierre Schneider, 1887.


    „Rythme & mesure, exercices pour piano en quatre parties“, Paris: éditions du Magasin musical Pierre Schneider, 1887.


    „25 Mélodies populaires transcrites pour le piano, extrêmement faciles et très faciles, en quatre livres“, Paris: Hamelle, 1889.


    „Telemann, Fughetta en Ré doigtée, analysée“, Paris: Hachette, 1903.


    „Atlas musical pour l’étude du solfège, éducation de l’oreille avec le concours des yeux“, Paris 1925.








    Quellen

    Dokumente


    Brief von Hortense Parent an Jane Bathori (Bibliothèque nationale de France, Paris, NLA-10 (274-275))


    Dokumente zum Studium von Hortense Parent in den Akten des Conservatoire (Archives nationales de Paris, AJ/37/211, AJ/37/212, AJ/37/272, AJ/37/347, AJ/37/353 2)




    Bücher und Lexika


    „Annuaire des artistes et de l’enseignement dramatique et musical“, Paris 1906, S. 478f.


    Baltzell, Winton James. „Parent, Charlotte Frances Hortense“. In: Baltzell's Dictionary of Musicians, New York (2. Auflage) 1914.


    Bitard, Adolphe. „Parent, Hortense“. In: Dictionnaire général de biographie contemporaine française et étrangère, Paris 1878, S. 223.


    Eschmann, Johann Carl. „Wegweiser durch die Klavierliteratur“, Leipzig 1910, S. XI und 12.


    Fauquet, Joël-Marie: „Parent, Charlotte-Francès-Hortense“: In: Dictionnaire de la musique en France au XIXe siècle, Paris 2003, S. 937.


    Fétis, François-Joseph; Pougin, Arthur. „Parent, Hortense“. In: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. Supplément et complètement, Paris 1878, S. 805.


    Heitmann, Christin: „Parent, (Charlotte-Francès-)Hortense“. In: MGG2, Personenteil, Bd. 13, Kassel 2005, Sp. 108f.


    Thauvin, Henri. „Biographie de Hortense Parent. Son But. Ses Œuvres“. Paris 1895.


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/parent-hortense




    Zeitschriften


    Jankó, Paul von. „Hortense Parent’s Unterrichtswerke für Klavier“. In: Der Klavierlehrer. Nr. 1. 1890. S. 4f. und Nr. 2. 1890. S. 14f.


    „La Lyre, revue musicale et théâtrale“. Nr. 22. 1924. S. 7 und 31. Nr. 24. 1924. S. 10 und 34. Nr. 27. 1925. S. 10.


    „La Revue musicale“. Nr. 3. 1901. S. 125. Nr. 5. 1903. S. 226. Nr. 20. 1907. S. 484.


    „Le Ménestrel, journal de musique“.


    „Revue et gazette musicale“. 1858. S. 435. 1872. S. 198f.


    „Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft“. 1899. S. 391. 1904. S. 332f.

    Forschung

    Die Werke Hortense Parents befinden sich in Paris (Bibliothèque nationale de France) und in Triest (Biblioteca del Civico Museo Teatrale). Ein Teil der Pariser Dokumente ist bereits digitalisiert und online abrufbar.

    Abgesehen von kürzeren biographischen Artikeln erschienen in den letzten Jahren keine Publikationen.

    Forschungsbedarf

    Eine umfassende Publikation zu den pädagogischen Werken von Hortense Parent steht noch aus. Außerdem ist noch ungeklärt, ob bzw. wo offizielle Dokumente und Akten ihrer Schule erhalten sind. Über das weitere Bestehen der Schule nach Parents Tod sind derzeit keine Informationen auffindbar.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 40501940
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 140133356
    Library of Congress (LCCN): nr91034526

    Autor/innen

    Katharina Larissa Paech


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 10.05.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Katharina Larissa Paech, Artikel „Hortense Parent“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.5.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Hortense_Parent