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  • Hermine Bovet

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Hermine Bovet
    Lebensdaten:
    geb. in Höxter, Deutschland
    gest. unbekannt

    Das Geburtsdatum von Hermine Bovet wird teilweise auch mit 3. April 1842 angegeben (vgl. z. B. Frank/Altmann 1926). Sterbedatum und Sterbeort von Hermine Bovet sind bislang unbekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Klavierpädagogin, Gesangspädagogin, Schriftstellerin
    Charakterisierender Satz:

    „Neben dem vorzüglich geordneten technischen Material füllen die Schule eine Menge eigens komponirter Stückchen; sie sind von der Komponistin ganz der Eigenart ihrer Schule angepaßt und stützen sich auf die gegebenen Erklärungen, um eine musikalische Grammatik mit Nutzanwendung zu liefern.“


    (Anna Morsch über Hermine Bovets „Theoretisch-praktische Klavierschule“ von 1888, in: Anna Morsch: Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893, S. 47)


    Profil

    Die Musikpädagogin und Komponistin Hermine Bovet wurde Ende der 1880er Jahre mit verschiedenen musikpädagogischen Werken und Kompositionen überregional bekannt und ist in mehreren Musiklexika ihrer Zeit verzeichnet (vgl. z. B. Michaelis 1888, Morsch 1893, Riemann 1919, Müller 1929). Ihre Schulwerke und Kompositionen wurden ab 1895 vom Kölner Musikhaus Tonger verlegt, das sich auf musikpädagogische Literatur spezialisiert hatte.

    Orte und Länder

    Hermine Bovet wurde in Höxter, Westfalen, geboren. Sie studierte Musik in Köln, teils privat, teils am Konservatorium, und unterrichtete anschließend für kurze Zeit in Bernburg/Saale. Ab 1867 lebte sie als Klavier- und Gesangspädagogin in Schwelm und unterrichtete auch in angrenzenden Städten. Im Jahr 1929 hatte Hermine Bovet ihren Wohnsitz in Honnef, Westfalen.

    Biografie

    Hermine Bovet wurde am 3. Januar (3. April) 1842 in Höxter, Westfalen, als Kind eines Beamten geboren. Über ihre weitere Herkunft sowie ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts bekannt. Hermine Bovet studierte am Kölner Konservatorium bei dem Pianisten Eduard Mertke Klavier und wurde von den Komponisten Gustav Jensen und Samuel de Lange in Kontrapunkt und Harmonielehre sowie von der Sängerin und Schriftstellerin Elise Polko in Gesang unterrichtet. Der Unterricht fand vermutlich teils am Konservatorium, teils privat statt.


    Nach dem Studium arbeitete Hermine Bovet zunächst für kurze Zeit als Musiklehrerin in Bernburg/Saale (vgl. Artikel Riemann 1919) und ließ sich anschließend, im Jahr 1867, in Schwelm nieder. Dort sowie in den angrenzenden Städten Barmen, Elberfeld, Gevelsberg, Milspe, Altenvörde und Honnef unterrichtete sie als Klavier- und Gesangspädagogin.


    Bekannt wurde Hermine Bovet durch ihre musikpädagogischen Werke und Kompositionen (vgl. Michaelis 1888, Morsch 1893). Ihre Werke erschienen größtenteils im renommierten Kölner Verlag Peter Josef Tonger, der zu dieser Zeit auf musikpädagogische Literatur spezialisiert war. Die „Theoretisch-praktische Klavierschule“ wurde ab 1888 mehrfach rezensiert und neu aufgelegt. Sie enthielt neben technischen Übungen und Erklärungen auch zeitgenössische Kompositionen, darunter Stücke ihrer Lehrer Samuel de Lange und Eduard Mertke (die zudem das Vorwort verfasst hatten) sowie ein „Klavierstückchen in der phrygischen Tonart“ von Louise Adolpha Le Beau. Die als op. 2 und op. 3 erschienenen Schulwerke „Leichte Anregungen in Liedern, Tänzen und Übungen für Anfänger in progressiver Folge“ und „Musikalische Fibel für kleine Kinder“ enthalten überwiegend eigene Kompositionen.


    Die Kompositionen Hermine Bovets, darunter die Oper „Loreley“ nach einem eigenen Libretto (Manuskript verschollen) sowie das Werk „Vier Jahreszeiten“ für Gesang, Klavier und Deklamation (Köln: Tonger, verschollen) lassen vermuten, dass Hermine Bovet zu Komponistinnen und Musikern ihrer Zeit in engem Kontakt stand und damit die Möglichkeit hatte, ihre Kompositionen mindestens in privatem Rahmen aufzuführen. Neben ihren klavierpädagogischen Tätigkeiten widmete sie sich vermutlich auch intensiv dem Gesang. So verfasste sie z. B. eine „Theoretisch-praktische Syllabier-, Gesangs- und Liederschule“ (vgl. Müller 1929). Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erschienen zwei patriotische Kompositionen von Hermine Bovet: das „Kriegs-Marschlied 1914“ nach einem eigenen Text sowie „Drei Vaterlandslieder“; beide Werke wurden bei Tonger in Köln veröffentlicht.


    Im Deutschen Musiker-Lexikon von 1929, einem Vorläufer von Kürschner’s Musiker-Kalender, ist Hermine Bovet nach wie vor als Klavierpädagogin mit dem Wohnort Honnef (Westfalen) eingetragen (vgl. Müller 1929). Über ihren weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.

    Würdigung

    Die Pianistin, Musikpädagogin und Komponistin Hermine Bovet wurde vor allem durch ihre „Theoretisch-praktische Klavierschule“ bekannt, die – wie auch fast alle ihre Kompositionen – unter dem verkürzten Namen H. Bovet erschien. Alfred Michaelis beschrieb die Schule 1888 wie folgt: „In dem Lehrgange, der im allgemeinen eine ernste Richtung verrät, findet sich mit großem Geschicke das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden, der Choralsatz erscheint wiederholt zur Übung im strengen gebundenen Stile und als Endziel tritt unverkennbar die Vorbereitung auf die Werke Bachs, Händels und Beethovens hervor. Auch namhafte gegenwärtige Meister, wie z. B. E. Mertke und Louise Adolpha Le Beau sind durch Originalbeiträge vertreten.“ (Michaelis 1888, S. 7) Die Musikwissenschaftlerin Anna Morsch erläuterte 1893: „Die Kölner Professoren de Lange und Mertke, denen Hermine [Bovet] ihre Schule zur Revision vorlegte, haben das Werk mit einleitenden Worten versehen und demselben ihre höchste Anerkennung ausgesprochen. Neben dem vorzüglich geordneten technischen Material füllen die Schule eine Menge eigens komponirter Stückchen; sie sind von der Komponistin ganz der Eigenart ihrer Schule angepaßt und stützen sich auf die gegebenen Erklärungen, um eine musikalische Grammatik mit Nutzanwendung zu liefern.“ (Morsch 1893, S. 47). Und in einer Rezension, die der Verlag in einer Werbeanzeige zitierte, heißt es: „Schon wieder eine neue Clavierschule! Wird Mancher denken. Ja, aber eine solche, die auch manches Neue bringt. Ein solches Werk kann nur ein erfahrener, praktischer Mann schreiben. Der echte Pädagoge schreibt Werke, die lückenlos fortschreiten, die neben dem Theoretischen auch gleich das Praktische anstreben, und hierin ist diese Schule ganz unvergleichlich. […] Der Verfasser hat sich in dieser Schule ein unvergängliches Denkmal gesetzt, und sei das Werk Allen empfohlen, die an gründlicher Unterrichtung eine Freude haben.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 22. März 1888, S. 159; als Quelle werden dort die „Musikalischen Tagesfragen“ angegeben)


    Die vielfältigen Tätigkeiten Hermine Bovets können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten von Hermine Bovet findet derzeit (Dezember 2008) nicht statt (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Werkverzeichnis

    Die Kompositionen und Schulwerke von Hermine Bovet erschienen mit abgekürztem Vornamen unter H. Bovet. Die meisten ihrer Werke gelten z. Zt. (November 2008) als verschollen und lassen sich lediglich anhand zeitgenössischer Lexika, Verlagsverzeichnisse und Rezensionen nachweisen.



    Schulwerke und pädagogische Kompositionen


    Bovet, H[ermine]. Theoretisch-praktische Klavierschule. Neues System, bei welchem die Erklärungen dem Fassungsvermögen der Jugend angepasst sind (gedruckt 1888; weitere Auflagen, z. B. Köln: Tonger, Juli 1895; ein Exemplar ist in der Bayerischen Staatsbibliothek München vorhanden)


    Bovet, H[ermine]. Leichte Anregungen in Liedern, Tänzen und Übungen für Anfänger in progressiver Folge für Klavier zu zwei und vier Händen, op. 2 (Köln: Tonger, Juli 1895).


    Musikalische Fibel für kleine Kinder. 26 Anfangsstudien in 5 Tönen und getrennten Schlüsseln, op. 3 (Köln: Tonger, o. J.; nachgewiesen bei Müller 1929 und passim)


    Theoretisch-praktische Syllabier-, Gesangs- und Liederschule. 2 Bände (Köln: Tonger, o. J.; nachgewiesen bei Müller 1929)



    Kompositionen


    Loreley. Oper. Libretto: Hermine Bovet (Manuskript, nachgewiesen bei Müller 1929)


    Kriegs-Marschlied 1914 (Text: Hermine Bovet). Für eine oder zwei Singstimmen oder für Klavier allein, op. 3 (Köln: Tonger, 1914; ein Exemplar ist in der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt a. M. vorhanden)


    Drei Vaterlandslieder für zwei Stimmen und Klavier (Köln: Tonger; nachgewiesen bei Müller 1929)


    Vier Jahreszeiten für Gesang, Klavier und Deklamation (Köln: Tonger, o. J.; nachgewiesen bei Müller 1929)



    Gedichte


    Gedichte. Honnef: J. Schneider (nachgewiesen bei Müller 1929).

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Bovet, Hermine“. In: Musik-Lexikon. Hugo Riemann, Alfred Einstein (Hg.). 9. Auflage. Berlin: Max Hesses Verlag, 1919.


    Artikel „Bovet, Hermine“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon für Musiker und Freunde der Tonkunst. Paul Frank, Wilhelm Altmann (Hg.). 12. Aufl. Leipzig: Merseburger, 1926 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Bovet, Hermine“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). Dresden: Limpert 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 22. März 1888, S. 159.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk (Stand: 8. Dezember 2008)

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet zwei Kompositionen von Hermine Bovet.


    http://www.musik-tonger.de/tonger/de und http://www.tonger/de (Stand: 29. November 2008)

    Das Kölner Musikhaus Tonger besteht bis heute. Das Verlagsarchiv der heutigen Edition Tonger wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört.

    Forschung

    Zu Hermine Bovet liegen derzeit (Dezember 2008) keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Hermine Bovet umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche. Besonders für eine Geschichte der Musikpädagogik könnten ihre Schulwerke und Kompositionen aufschlussreich sein.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 72179041
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117735930
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 6. April 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 07.04.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Hermine Bovet“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 7.4.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Hermine_Bovet