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  • Helene Leubuscher

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Helene Leubuscher
    Ehename: Helene Leubuscher-Burghausen
    Varianten: Helene Burghausen
    Lebensdaten:
    geb. nach
    gest. nach

    Die Lebensdaten Helene Leubuschers sind derzeit nicht bekannt. Bis 1932 blieb sie im Berliner Adressbuch verzeichnet.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „[...] ihre glänzende Virtuosität, verbunden mit einem sympathischen Anschlag und einer durchgeistigten Auffassung, errangen ihr lauten Beifall des Publikums und das höchste Lob der Berliner Presse.“


    (Anna Morsch über Helene Leubuscher, in: dies.: Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893, S. 177)


    Profil

    Die Pianistin Helene Leubuscher studierte in den 1880er Jahren Klavier bei Karl Klindworth und Franz Liszt. Im Jahr 1886 debütierte sie mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und konnte sich anschließend als Pianistin und Kammermusikerin sowie als Klavierpädagogin im Berliner Musikleben etablieren. Gleichzeitig engagierte sie sich in verschiedenen pädagogischen Verbänden und leitete z. B. zwischen 1908 und 1915 die Stellenvermittlung für Musikerinnen im „Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen Verein“.

    Orte und Länder

    Der Geburtsort Helene Leubuschers ist unbekannt. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie in Berlin und studierte an der dortigen Klindworth-Musikschule das Fach Klavier. Anschließend setzte sie ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort. Im Jahr 1893 hatte sie sich in Berlin niedergelassen und wirkte als Pianistin und Klavierpädagogin.

    Biografie

    Helene Leubuscher wurde in den 1860er Jahren geboren, vermutlich in Berlin; über ihre Herkunft ist nichts Näheres bekannt. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie in Berlin von der Pianistin Constanze Heinrich, einer Schülerin Carl Tausigs. Von ca. 1882 bis 1885 studierte sie das Fach Klavier bei dem Pianisten Karl Klindworth in Berlin, der zu dieser Zeit die Klindworth-Musikschule gegründet hatte. Anschließend setzte sie, auf eine Empfehlung Karl Klindworths hin, ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort (vgl. Morsch 1893, S. 177; Lachmund 1970, S. 303).


    Am 29. Januar 1886, zum Abschluss ihres Berliner Studiums, debütierte Helene Leubuscher mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Karl Klindworth in der Berliner Sing-Akademie. Auf dem Programm standen das Klavierkonzert g-Moll op. 60 von Ignaz Moscheles, Carl Maria von Webers Polonaise E-Dur op. 72 in der Orchesterbearbeitung von Franz Liszt, Ludwig van Beethovens Klaviersonate Fis-Dur op. 78 sowie weitere Klavierwerke von Johannes Brahms und Anton Rubinstein (vgl. Muck 1982, S. 15). Die Zeitschrift „Der Klavierlehrer“ rezensierte: „Ein gut besuchtes Konzert gaben die jugendliche Pianistin Fräulein Helene Leubuscher, aus der Schule Klindworth’s und die Sängerin Frau Johanna Wegner. Fräulein Leubuscher ist musikalisch, wie es scheint, gut beanlagt und jedenfalls wohlgebildet; ihre Technik ist vorzüglich entwickelt, und soweit sie nicht ab und zu durch leicht erklärliche Aufregung beeinflusst wurde, auch durchaus zuverlässig, der Ton von gesundem und nüanzenreichem [sic] Klange, und nur im Forte fehlt ihm vorläufig noch die rechte Intensität; endlich phrasirt sie sehr verständig. So gelangen Moscheles’ G-moll-Konzert, Beethoven’s Fis-dur-Sonate und mehrere kleine Klaviersachen sehr gut; weniger war dies mit Weber’s E-dur-Polonaise in Liszt’s Orchesterbearbeitung der Fall.“ („Der Klavierlehrer“ vom 1. März 1886, S. 55) Wenige Monate später, im Mai 1886 wirkte Helene Leubuscher gemeinsam mit einer Sängerin namens Oberbeck und dem Geiger Heinrich de Ahna in einem Konzert ihrer ehemaligen Kommilitonin Auguste Fischer mit; die drei – so „Der Klavierlehrer“ – „unterstützten das Konzert auf das trefflichste.“ („Der Klavierlehrer“ vom 15. Mai 1886, S. 127) In den folgenden Jahren konzertierte Helene Leubuscher regelmäßig in Berlin, Hannover und weiteren größeren Städten (vgl. Morsch 1893, S. 177), auch wenn sich ihre Konzerte bislang nur vereinzelt belegen lassen. So trat sie z. B. Ende 1890 bei einem Liederabend auf, den der Berliner Sänger Adolf Schulze in Hannover veranstaltete, wie das „Musikalische Wochenblatt“ berichtete: „Das Spiel des Frl. Helene Leubuscher ist sauber und elegant, auch fehlt es der Künstlerin nicht an Kraft zum Anschlag, die Vortragsstücke waren hingegen musikalisch nicht so werthvoll, um grössere Wirkung auf die Hörer auszuüben.“ („Musikalisches Wochenblatt“, Jg. 21 [1890], S. 629)


    Ab 1890 wandte sich Helene Leubuscher verstärkt der Klavierpädagogik zu. Sie unterrichtete an der Klindworth-Musikschule bzw. am späteren Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin als Klavierlehrerin der Oberklassen (vgl. Morsch 1893, S. 177) und engagierte sich in mehreren pädagogischen Vereinen. Nach 1893 heiratete sie und nannte sich Helene Burghausen-Leubuscher. Von 1908 bis mindestens 1915 leitete sie die Stellenvermittlung der Musiksektion des „Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins“, der Musiklehrerinnen an Institute, Pensionate und Familien im In- und Ausland vermittelte (vgl. zahlreiche Anzeigen in Fachzeitschriften über mehrere Jahre, z. B. in „Der Klavierlehrer“ Jg. 32 [1909], S. 31). In einem Beitrag über „Einrichtung und Aufgaben der musikpädagogischen Organisation“, den Arnold Ebel 1925 im Rahmen des Ersten musikwissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Musikgesellschaft 1925 in Leipzig veröffentlichte, wurde auch Helene Leubuscher genannt. Demnach gehörte sie zu dieser Zeit zu „den führende[n] Musikpädagogen und bewährte[n] Organisatoren“ und hatte u. a. wesentlich an der Gründung des Dachverbands „Vereinigte Musikpädagogische Verbände“ 1919 mitgewirkt (vgl. Ebel 1925, S. 154).


    Helene Leubuscher blieb bis 1932 in den Berliner Adressbüchern mit dem Eintrag „Burghausen, Helene, geb. Leubuscher, Pianistin, W 30, Luitpoldstr. 43 I“ verzeichnet. Ab 1933 fehlt dieser Eintrag (vgl. Berliner Adressbücher der Jahre 1919-1932). Neben der Möglichkeit, dass Helene Leubuscher um das Jahr 1932 verstarb, wäre auch denkbar, dass sie nach der Machtübergabe 1933 ins Ausland floh bzw. untertauchte. Bereits 1919 war sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Theodor Fritschs antisemitischem „Handbuch der Judenfrage“ diffamiert worden (Fritsch 1919, S. 393).


    Die Sterbedaten Helene Leubuschers sind nicht bekannt.

    Würdigung

    Helene Leubuscher gehörte zu jenen Schülerinnen Karl Klindworths und Franz Liszts, die sich im Anschluss an ihre herausragende Ausbildung als Pianistinnen vorwiegend für einen musikpädagogischen Beruf entschieden. Im Jahr 1893 wurde sie von Anna Morsch in deren Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ aufgenommen, dessen „Biographische Skizzen aus der Gegenwart“ auf der Weltausstellung in Chicago 1893 präsentiert wurden. Mehr als 35 Jahre lang wirkte Helene Leubuscher als Klavierlehrerin in Berlin und engagierte sich darüber hinaus in zahlreichen musikpädagogischen Verbänden.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten Helene Leubuschers findet derzeit nicht statt. Lediglich in den Schülerverzeichnissen Franz Liszts wird sie regelmäßig genannt (vgl. z. B. Lachmund 1970, S. 303).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste Helene Leubuschers kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Lediglich Aufführungen dreier Werke lassen sich konkret belegen:


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Fis-Dur op. 78.


    Moscheles, Ignaz. Konzert für Klavier und Orchester g-Moll op. 60.


    Weber, Carl Maria von/Liszt, Franz. Polonaise brillante E-Dur op. 72 in der Orchesterbearbeitung Franz Liszts.

    Quellen

    Literatur:


    Berliner Adressbücher 1799-1943. Online veröffentlicht unter: http://adressbuch.zlb.de, Stand: 11. Juni 2010.


    Ebel, Arnold. Einrichtung und Aufgaben der musikpädagogischen Organisation. In: Bericht über den I. Musikwissenschaftlichen Kongreß der Deutschen Musikgesellschaft in Leipzig 1925. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1926, S. 150-158.


    Fritsch, Theodor. Handbuch der Judenfrage. Eine Zusammenstellung des wichtigsten Materials zur Beurteilung des jüdischen Volkes. 28. Aufl., Hamburg: Sleipner, 1919 (antisemitische Veröffentlichung).


    Lachmund, Carl V. Mein Leben mit Franz Liszt. Aus dem Tagebuch eines Liszt-Schülers. Eschwege: G. E. Schroeder Verlag. 1970.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Konzertrezensionen und Zeitungsartikel:


    Der Klavierlehrer vom 1. März 1886, S. 55.

    Der Klavierlehrer vom 15. Mai 1886, S. 127.

    Der Klavierlehrer, Jg. 32 (1909), S. 31.


    Musikalisches Wochenblatt, Jg. 21 (1890), S. 629.

    Forschung

    Zu Helene Leubuscher liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Helene Leubuscher umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre Tätigkeiten. Interessant wäre dabei z. B. die Frage, in welcher Weise die Lisztsche Schule die Musikpädagogik in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts prägte, z. B. durch Schülerinnen wie Helene Leubuscher, Ottilie Lichterfeld oder Martha Remmert.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 16.04.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Helene Leubuscher“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.4.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Helene_Leubuscher