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  • Hedwig Hertz

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Hedwig Hertz
    Lebensdaten:
    geb. unbekannt in , verm. Deutschland
    gest. vor in , Deutschland

    Die Lebensdaten der Komponistin Hedwig Hertz sind nicht bekannt; ihre Wirkungszeit lag ungefähr in den Jahren von 1840 bis 1875; Alfred Michaelis zufolge verstarb sie „in hohem Alter“ in Berlin (Michaelis 1888).
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin

    Orte und Länder

    Die Kompositionen von Hedwig Hertz erschienen in Dresdener, Leipziger, Hamburger und Berliner Verlagen. Hedwig Hertz lebte zumindest zeitweise in Berlin; in den Adressbüchern Berlins der Zeit ist sie jedoch nicht nachweisbar.

    Biografie

    Über die Biografie der Komponistin Hedwig Hertz ist nahezu nichts bekannt; sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts geboren.


    Von Hedwig Hertz sind zahlreiche Liedkompositionen für eine Singstimme mit Klavier, u. a. nach Texten von Ludwig Uhland, Rudolf Löwenstein und Heinrich Heine erhalten. Zudem schrieb sie ein Melodram, eine verschollene Oper sowie mehrere Klavierkompositionen, die sich teilweise an Kinder richteten. Die Kompositionen wurden in verschiedenen Musikverlagen veröffentlicht, u. a. bei A. Brauer in Dresden, Fritz Schuberth in Hamburg und Leipzig sowie in den Berliner Verlagen Schlesinger, Hirsch & Co., Bote & Bock und E. Challier & Co.

    Die frühest erhaltenen Kompositionen von Hedwig Hertz sind ihre beiden Lieder op. 2, „Bienengesumme“ und „Hans und Grete“. Im Jahr 1843 folgte eine Sammlung mit sechs Liedern, u. a. nach Texten von Ludwig Uhland, die in Berlin bei Bote & Bock verlegt wurde, und 1853 erschienen „Drei Lieder“ nach Gedichten von Gustav Rasmus und Rudolf Löwenstein (op. 13). Die „Neue Zeitschrift für Musik“ rezensierte: „Es scheinen diese Lieder die Erzeugnisse einer strebsamen Dilettantin zu sein. Die Melodien sind sangbar und leicht gehalten, die Begleitung theilweise nicht gewöhnlich. Eine zuweilen nicht ganz sinngemäße Declamation und häufige Textwiederholungen sind die Hauptmängel der Lieder, die bei alle dem aber als leichte und angenehme Unterhaltung zu empfehlen sind.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 26. August 1853, S. 95)


    Zehn Jahre später riefen die beiden Lieder op. 26 nach Gedichten von Ludwig Uhland („Frühlingsahnung“ und „Lob des Frühlings“) in Musikzeitschriften ein geteiltes Echo hervor. Die „Neue Berliner Musikzeitung“ schrieb: „Beide Lieder verrathen das bekannte Auffassungstalent der Componistin, aber tragen zugleich den Stempel der gekünstelten Ausführung. In dem melodischen Bau ist wenig Natur und gerade der Hang nach dem Originellen verdirbt das Gute des Opus.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 3. Juni 1863, S. 177) Der Rezensent der „Allgemeine musikalischen Zeitung“ besprach die Lieder op. 26 in einer Sammelrezension, in der er zudem Lieder von Georg Goltermann, Eugen Petzold, Oscar Paul, Julius Tausch und Richard Wüerst vorstellte: „Der einzigen Dame der Gesellschaft, Hedwig Hertz, machen wir selbstverständlich eine tiefe Verbeugung und bemerken verbindlich, dass viel Gesang in ihren Liedern ist. [...] dem Publikum aber empfehlen wir, jene Lieder ohne die ihrer nicht ganz würdigen Uhland’schen Texte, sondern auf ‚Scala’, ‚Ave’ oder dergl. zu singen. Erst dann kommen diese kleinen Coloraturen, diese weitgreifenden Melodiegänge, der zweitaktige Triller und ebenso die guitarrenartige Begleitung in ihr rechtes Licht.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. Juli 1863, Sp. 516) Über die „kleinen Charakterstücke“ für Klavier von Hedwig Hertz, die ein Jahr später unter dem Titel „Jugendleben“ (op. 31) bei Fritz Schuberth in Hamburg und Leipzig erschienen, hieß es: „Diese ein, zwei bis drei Seiten langen Stückchen plaudern in alt herkömmlicher Weise sehr wenig ihre Devisen aus. Der Notenmarkt ist mit derartigen Erzeugnissen mehr wie reichlich versorgt. Dies ist aber kein Grund, warum die Sachen nicht gespielt werden sollten.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 23. November 1864, S. 369)


    Den größten Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erfuhren vermutlich die „Zwölf Lieder“ nach Heinrich Heine, die 1867 bei Bote & Bock in Berlin erschienen, darunter „Du bist wie eine Rose“, „Vergiftet sind meine Lieder“ und „Im wunderschönen Monat Mai“. Exemplare des Drucks befinden sich heute sowohl in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin als auch in der British Library in London. 1870 wurde das Melodram „Der Gang um Mitternacht“ für Deklamation und Klavier (op. 35) nach einem Gedicht von Georg Herwegh bei C. A. Challier in Berlin verlegt. Eine Oper, die Hedwig Hertz für das Stadttheater in Stettin (heute Szczecin in Polen) geschrieben hatte, ging verloren (vgl. Tappert 1871, S. 828).


    In seinem Aufsatz über „Die Frauen und die musikalische Komposition“ schrieb Wilhelm Tappert 1871 zusammenfassend über die Komponistin: „Gutes und Unbedeutendes bunt durch einander schrieb Hedwig Hertz: Lieder, Tänze, auch eine Oper; dieselbe ging aber auf dem Wege zum Theaterdirector in Stettin meuchlings verloren und ward nicht mehr gesehen.“ (Tappert 1871, S. 828)


    Alfred Michaelis zufolge verstarb Hedwig Hertz „in hohem Alter, unverheiratet in Berlin“ (Michaelis 1888, S. 17).

    Würdigung

    Obwohl über Hedwig Hertz biografisch nahezu nichts bekannt ist, war sie mit ihren Kompositionen mehrere Jahrzehnte lang im Musikleben Deutschlands präsent. Ihre Werke wurden u. a. von der „Neuen Zeitschrift für Musik“, der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ und der „Neuen Berliner Musikzeitung“ rezensiert. Wilhelm Tappert berichtete 1871 in seinem Aufsatz über „Die Frauen und die musikalische Komposition“ über Hedwig Hertz (Tappert 1871), und Alfred Michaelis nahm sie 1888 in sein biografisches Lexikon über „Frauen als schaffende Tonkünstler“ auf (Michaelis 1888). Ihre Kompositionen wurden teils in den Hofmeisterschen Musikalienkatalogen verzeichnet (Datenbank Hofmeister XIX) und in Franz Pazdíreks „Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker“ von 1904 ff. gelistet (Pazdírek 1904-1910). Noch 1914, bei der Leipziger Ausstellung über „Die Frau im Buchgewerbe“, die im Rahmen der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik stattfand, wurden Lieddrucke von Hedwig Hertz gezeigt, darunter ihre „Drei Lieder“, op. 27, die im Musikverlag Fritz Schuberth Jun. in Leipzig erschienen waren (vgl. Die Frau im Buchgewerbe, S. 46).

    Rezeption

    Die Kompositionen von Hedwig Hertz werden derzeit nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“ und „Würdigung“.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Das vorläufige Werkverzeichnis von Hedwig Hertz wurde nach Michaelis 1888, Pazdírek 1904ff. und der Datenbank „Hofmeister XIX“, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, erstellt. Es weist etliche Lücken in den Opuszahlen auf.


    Zwei Duette, op. 2, o. O. o. D.

    1. Das Bienengesumme – 2. Hans und Grete.


    Sechs Lieder für eine Singstimme mit Klavier, Berlin: Bote & Bock, 1843.

    1. Du schönes Schiffermädchen – 2. Fischerknab steht allein – 3. Ich bin vom Berg der Hirtenknab’ – 4. Mein Liebchen bist du – 5. Was wecken aus dem Schlummer – 6. Jacob der schönste Bursch’ im Tal.


    Hertz, Hedwig. Vier Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 6, Berlin: Hirsch & Co., ca. 1848.

    1. Meine Harfe – 2. Zwiegesang – 3. „Die Mitternacht ist kalt und stumm“ – 4. „O brich nicht, Steg“


    Drei Lieder für eine Singstimme mit Klavier nach Gedichten von Gustav Rasmus und Rudolf Löwenstein, op. 13, Berlin: Schlesinger, 1853.

    1. Frühlingshochzeit – 2. Ständchen – 3. Auftrag.


    Zwei Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op. 15. Berlin: Bahn, 1858.

    1. Hinauf zu des Berges Gipfel – 2. O, sieh’ mich an und blick’ nicht fort.


    Sechs kleine Lieder für eine Sopranstimme mit Klavierbegleitung, op. 16, Berlin: Trautwein, o. J.

    1. Tirolermädchen – 2. Wenn Du zu meinem Schätzchen kommst – 3. Schweizerbub – 4. Veilchen unter Gras versteckt – 5. Wiegenlied – 6. Du bist vergangen.


    „Hexentanz“ für Klavier, op. 17, Berlin: Heinrich Weiss, 1860.


    „Unter der dunkeln Linde“ für eine Singstimme mit Klavier, op. 24, Dresden: A. Brauer, 1863.


    Zwei Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung nach Gedichten von Ludwig Uhland, op. 26, Dresden: A. Brauer, 1863.

    1. Frühlingsahnung – 2. Lob des Frühlings


    Drei Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op. 27 (Pauline Lucca gewidmet), Hamburg und Leipzig: Fritz Schuberth, 1863.

    1. Veilchenschmerz (Eugen Trauttwein von Belle) – 2. Ich liebe dich (Rückert) – 3. Wenn ich in deine Augen sehe (H. Heine)


    „Jugendleben“. Zwölf kleine Charakterstücke für Klavier, op. 31, Hamburg und Leipzig: Fritz Schubert, 1864.


    Zwölf Lieder nach Heinrich Heine für eine mittlere Singstimme mit Klavierbegleitung (o. op.), Berlin: Bote & Bock, 1867.

    Heft I: 1. Verriet mein blasses Angesicht – 2. Die Welt ist so schön – 3. Im Walde wand’l ich – 4. Du bist wie eine Rose [sic]; Heft II: 1. Vergiftet sind meine Lieder – 2. Morgens steh’ ich auf – 3. Aus meinen großen Schmerzen – 4. Ich hab’ dich geliebet.; Heft III: 1. Der Schmetterling ist in die Rose ... – 2. Gekommen ist der Mai – 3. Im wunderschönen Monat Mai – 4. Das ist ein Brausen.


    „Es müssen die Blumen blühen“ für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op. 33, Berlin: Challier & Co., o. J.


    „So hab’ ich endlich Dich gerettet“ (Ludwig Uhland) für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op. 34, Berlin: Challier & Co., o. J.


    „Der Gang um Mitternacht“ für Deklamation und Klavier, op. 35. Melodrama nach einem Gedicht von Georg Herwegh, Berlin: C. A. Challier, 1870.


    Im Herbste: „Seid gegrüßt mit Frühlingswonne“ (Ludwig Uhland) für eine Singstimme mit Klavier, op. 36, Berlin: Challier & Co., 1872.


    Zreczny jezdziec. Mazurka, Warschau: Gebethner und Wolff, o. J.

    Quellen

    Literatur


    Brand, Bettina u. a. (Hg.): Komponistinnen in Berlin. Berlin: Musikfrauen e. V. Berlin, 1987.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig, 1914.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Tappert, Wilhelm. Die Frauen und die musikalische Komposition. In: „Musikalisches Wochenblatt“ vom 22. Dezember 1871, S. 825-831.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk (Stand: 26. Juni 2010)

    Die Datenbank „Hofmeister XIX“, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet auch mehrere Kompositionen von Hedwig Hertz.

    Forschung

    Bettina Brand u. a. haben 1987 in ihrer Dokumentation „Komponistinnen in Berlin“ (Berlin: Musikfrauen e. V. 1987) erstmals wieder auf Hedwig Hertz aufmerksam gemacht. Allerdings ist Hedwig Hertz zwischen 1853 und 1880 in den Adressbüchern Berlins nicht nachweisbar (vgl. Berliner Adressbücher 1799 bis 1943, http://adressbuch.zlb.de, Stand: 26. Juni 2010).


    In der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin befinden sich mehrere Drucke von Kompositionen Hedwig Hertz’. Ein Exemplar der zwölf Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine befindet sich auch in der British Library in London.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Hedwig Hertz umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 67575260
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 130487872

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 23. September 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 01.11.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Hedwig Hertz“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.11.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Hedwig_Hertz