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    von Silke Wenzel
    Hélène de Katow
    Namen:
    Hélène de Katow
    Geburtsname: Helene Fürstin Polowna Potkin
    Ehename: Helene Zagowitz von Katow
    Varianten: Hélène de Polowna Potkin, Hélène de Zagowitz von Katow, Hélène de Catow, Hélène de Ségowitz von Katow, Hélène de Kattow, Hélène de Katoff, Hélène Helene Fürstin Helene Katow, Hélène Helene Fürstin Helene Polowna Potkin, Hélène Helene Fürstin Helene Zagowitz von Katow, Hélène Helene Fürstin Helene Catow, Hélène Helene Fürstin Helene Ségowitz von Katow, Hélène Helene Fürstin Helene Kattow, Hélène Helene Fürstin Helene Katoff, Hélène Hélène Fürstin Hélène Katow, Hélène Hélène Fürstin Hélène Polowna Potkin, Hélène Hélène Fürstin Hélène Zagowitz von Katow, Hélène Hélène Fürstin Hélène Catow, Hélène Hélène Fürstin Hélène Ségowitz von Katow, Hélène Hélène Fürstin Hélène Kattow, Hélène Hélène Fürstin Hélène Katoff
    Lebensdaten:
    geb. nach in Riga,
    gest. nach

    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Jeune, jolie, excellente musicienne, et comme telle, premier prix du Conservatoire royal de Bruxelles; de plus, élève du célèbre violoncelliste Servais tant de fois applaudi à Paris, Mlle Hélène de Katow ne pouvait manquer de trouver à son tour un bon accueil. Aussi avait-elle réuni un nombreux et brillant auditoire dans le beau concert qu’elle a donné dernièrement salle Herz. Jouer du violoncelle est chose rare pour une femme, mais en jouer avec un talent réel est plus rare encore; la curiosité était donc vivement excitée. Hâtons-nous de dire qu’elle n’a pas été déçue. Mlle de Katow possède un jeu large et brillant; son style pur, toujours élevé, rappelle bien les qualités de son maître. Douée au suprême degré de cette grâce et de ce sentiment exquis, apanage de la femme, et qui, sans exclure la vigueur et la puissance, ajoutent un charme infini à l’exécution, elle domine son instrument et en lise les plus beaux effets. Aussi Mlle de Katow a-t-elle obtenu dans ce premier essai un succès véritable et dont elle doit être fière; car elle est adoptée désormais par le public parisien, et nous l’entendrons sans doute fréquemment la saison prochaine.“


    „Jung, hübsch, eine hervorragende Musikerin und als solche Trägerin des ersten Preises des Conservatoire Royal de Bruxelles, zudem eine Schülerin des berühmten Violoncellisten Servais, dem man so oft in Paris Beifall gezollt hat, musste Mlle. Hélène de Katow herzlich willkommen geheißen werden. Außerdem hatte sich ein zahlreiches und schillerndes Publikum in ihrem schönen Konzert versammelt, das sie kürzlich in der Salle Herz gab. Violoncello zu spielen ist ungewöhnlich für eine Frau, ist selten, aber es dann auch noch mit wirklichem Talent zu spielen ist noch seltener; die Neugierde war also lebhaft geweckt. Beeilen wir uns zu sagen, dass sie nicht enttäuscht wurde. Mlle. de Katow besitzt ein großes und brillantes Spiel, ihr klarer Stil, stets erhaben, erinnert an die Qualitäten ihres Meisters. Reichlich bedacht mit Anmut und jenem erlesenen Gefühl, das das Vorrecht der Frauen ist, und das, ohne Stärke und Kraft auszuschließen, der Ausführung einen besonderen Charme verleiht, beherrscht sie ihr Instrument und entlockt ihm die schönsten Effekte. Mlle. de Katow konnte bei diesem ersten Versuch einen wirklichen Erfolg verbuchen, auf den sie stolz sein kann; denn von nun an ist sie vom Pariser Publikum angenommen und wir werden sie sicherlich in der nächsten Saison häufig hören.“


    („Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Mai 1863, S. 141)


    Profil

    Hélène de Katow gehörte zu jener ersten Generation von Violoncellistinnen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Kammermusikerinnen und als Solistinnen im internationalen Musikleben etablieren konnten. Ab Mitte der 1850er Jahre studierte Hélène de Katow Violoncello bei dem Pariser Violoncellisten Léon Jacquard und trat ab 1856 in Salons als Violoncellistin auf. Gemeinsam mit der Pianistin Mlle. Moritz-Reuchsel und den Geigerinnen Julienne André und Clara Morello gründete sie ein Damen-Klavierquartett, das zunächst in mehreren Pariser Salons auftrat und im Mai 1859 einen Konzertabend in der Pariser Salle Herz veranstaltete. Zudem gab Hélène de Katow eigene Konzerte in Paris und beteiligte sich an jenen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Von 1860 bis 1862/63 setzte Hélène de Katow ihr Studium bei dem Begründer der belgischen Violoncelloschule Adrien François Servais am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel fort. Dort erhielt sie 1862 einen ersten Preis in den jährlichen Abschlussprüfungen und konzertierte mehrfach öffentlich; 1863 kehrte sie nach Paris zurück.

    Im Jahr 1865 unternahm Hélène de Katow eine größere Tournee durch die USA und Kanada, bei der sie u. a. in New York, Chicago und Québec auftrat. Nach ihrer Rückkehr gründete sie Ende des Jahres 1865 gemeinsam mit den Geigerinnen Caterina Lebouys und Jenny Clauss sowie mit Fanny Clauss (Viola) ein Damenstreichquartett. Bis mindestens 1875 konzertierte Hélène de Katow regelmäßig in Paris und trat dabei u. a. gemeinsam mit den Geigern Emil Sauret und Camillo Sivori, der Organistin Charlotte Dreyfus und der Pianistin Marie Jaël auf. Hélène von Katow heiratete um 1873/74 und nannte sich anschließend Hélène Zegowitz de Katow.

    Orte und Länder

    Hélène de Katow wurde Anfang der 1830er Jahre in Riga geboren. Während ihrer Kindheit floh ihre Familie aus politischen Gründen nach Frankreich und ließ sich im Elsass nieder. Ab Ende der 1850er Jahre studierte Hélène de Katow Violoncello bei Léon Jacquard in Paris und setzte von 1860 bis 1863 ihr Studium bei Adrien François Servais in Brüssel fort. Anschließend kehrte sie nach Paris zurück und ließ sich dort nieder. Konzertreisen führten Hélène de Katow u. a. nach Deutschland und England sowie 1865 durch die USA und Kanada.

    Biografie

    Hélène de Katow wurde Anfang der 1830er Jahre im zu dieser Zeit russischen Riga geboren. Einer biografischen Notiz zufolge, die 1865 im „Dwight’s Journal of Music“ veröffentlicht wurde, war ihr Großvater Fürst Potkin und hatte zum politischen Umfeld des Zaren Nikolaus I. gehört. Der Geburtstitel Hélène de Katows lautete demnach „Fürstin Polowna Potkin“. Im Zuge der polnisch-russischen Auseinandersetzungen floh die Familie Anfang der 1830er Jahre nach Paris, und Hélène de Katows Vater setzte dem Familiennamen den Verweis auf die polnische Stadt Katowitz hinzu (vgl. „The Dwight’s Journal of Music“ vom 15. April 1865, S. 8). In den folgenden Jahren ließ sich die Familie im Elsass nieder. Hélène de Katow erhielt ab dem Alter von elf Jahren eine fundierte Ausbildung in Musik und Literatur. Von ca. Mitte der 1850er Jahre bis 1860 studierte sie Violoncello bei Léon Jean Jacquard in Paris und setzte von 1860 bis 1862/63 ihr Studium in Brüssel am Conservatoire Royal de Musique bei Adrien François Servais fort. Im August 1862 schloss sie das Studium mit dem ersten Preis des Konservatoriums ab.


    Bereits während ihres Studiums trat Hélène de Katow regelmäßig in Pariser Salons und in öffentlichen Konzerten auf und war dabei auch eine gefragte Kammermusikerin. Ein erster Auftritt in einem Damen-Streichquartett lässt sich bereits im Herbst 1856 belegen. „La Gazette de Champfleury“ beschrieb einen Abend im Salon eines Colonel Jomard in Saint Germain, bei dem vier Musikerinnen auftraten, die teilweise aus Deutschland stammten. Dabei wurden nicht nur die musikalischen Fähigkeiten der Instrumentalistinnen hervorgehoben, sondern auch ihr Zusammenspiel gelobt: „Quatre jeunes Allemandes viennent de jouer un quatuor dans un concert donné à Saint Germain par le colonel Jomard; elles ont tiré au sort quelle partie elles feraient dans le quatuor. Le hasard a désigné Hélène Katow pour jouer le violoncelle; j’ignore malheureusement le nom du premier violon, du second violon et de l’alto. [...] Toutes les quatre sont excellentes musiciennes, à en juger par la certitude et le jeu élégant du premier violon par hasard; toutes les quatre suivaient la mesure dans les regards l’une de l’autre. Ce n’étaient pas quatre hommes fronçant le sourcil, clignotant des yeux, pinçant les lèvres, s’appliquant à l’exécution d’une œuvre compliquée, mais quatre têtes souriantes, roses et enjouées, que seul pourrait rendre le pinceau de Lawrence. Hélène Katow a joué du violoncelle en sainte Cécile. Entendrons-nous jamais à Paris ce ravissant quatuor? Pour moi ces jeunes Allemandes peuvent jouer ce qui leur plaira: toute musique jouée par elles prendra le charme des plus aimables mélodies, même la musique de M. Berlioz.“ („Vier junge Deutsche haben in einem Konzert, das von Colonel Jomard in St. Germain veranstaltet wurde, ein Quartett gespielt. Es war dem Schicksal überlassen, welchen Platz sie im Quartett einnehmen sollten. Der Zufall hat Hélène Katow dafür vorgesehen, das Violoncello zu spielen; leider kann ich mich nicht mehr an die Namen der ersten Violine, der zweiten Violine und der Viola erinnern. [...] Alle vier sind hervorragende Musikerinnen, wenn man sie anhand der Sicherheit und dem eleganten Spiel der ersten Violine beurteilt; alle vier folgen dem Takt, indem sie einander ansehen. Da saßen nicht vier Männer mit hochgezogenen Augenbrauen, blinzelnden Augen und verkniffenen Lippen, die sich der Ausführung eines komplexen Werkes hingaben, sondern vier lächelnde, rosige, heitere Gesichter, die nur der Pinsel von Lawrence hätte einfangen können. Hélène Katow spielte das Violoncello wie die heilige Cäcilia. Werden wir dieses hinreißende Quartett jemals in Paris hören? Für mich könnten diese Deutschen spielen, was immer sie möchten: alle Musik, die von ihnen gespielt wird, würde den Charme gefälliger Melodien ausstrahlen, selbst die Musik von M. Berlioz.“; „La Gazette de Champfleury“, 1. November 1856, S. 97f.)

    Zwei Jahre später, 1858, trat Hélène de Katow mit viel Erfolg im Seebad Dieppe in der Normandie auf. „Graham’s illustrated magazine“ berichtete im November 1858: „Jules, and Juliette Delequerre, respectively aged five and six years, have recently excited an unwonted enthusiasm in France, by their matchless execution of Paganini’s ‚Carnaval de Venise’ [...]. Mlle. Helen de Katow, a youthful sister in art to these wonderful children, has also excited an intense furor by her artistic performances on the violincello [sic].“ („Jules und Juliette Delequerre, ungefähr fünf und sechs Jahre alt, haben kürzlich mit ihrem unvergleichlichen Spiel von Paganinis ‚Carnaval de Venise’ einen ungewohnten Enthusiasmus in Frankreich hervorgerufen [...]. Mlle. Helen de Katow, eine jugendliche Kunstschwester der beiden wunderbaren Kinder, hat ebenfalls mit ihren künstlerischen Darbietungen auf dem Violoncello für großes Aufsehen gesorgt.“; „Graham’s illustrated magazine“, November 1858, S. 447)


    Im Winter 1858/59 gehörte Hélène de Katow zu den Gründungsmitgliedern eines Damen-Klavierquartetts, das die Pianistin und Komponistin Mlle. Moritz-Reuchsel (Vorname konnte nicht ermittelt werden) unter dem Namen „Quator féminin“ in Paris ins Leben rief und dessen Konzerte von Publikum und Presse ungeduldig erwartet und ausführlich besprochen wurden. Neben der Pianistin Mlle. Moritz-Reuchsel und der Violoncellistin Hélène de Katow gehörten dem Ensemble die Geigerinnen Julienne André und Clara Morello (bzw. Clara Morelli, Marello, Marelle, Marelli) an. Am 17. Februar 1859 berichtete „Le Guide musical“: „On s’entretient beaucoup en ce moment, à Paris, d’un évènement musical tout exceptionnel. C’est un quator féminin, fondé et organisé par Mlle Moritz Reuchsel, dont le talent comme pianiste et compositeur est réputé en Allemagne. Le premier violon sera tenu par Mlle Clara Marelle, élève de Robberechts et de Teresa Milanollo. Le second violon ou alto-solo est une jeune fille de la Bohême et qui a étudié avec les meilleurs maîtres d’Allemagne. Mlle de Katow tiendra le violoncelle. Ces dames [...] se feront entendre dans les salons avant de donner un concert public.“ („Man spricht derzeit in Paris viel über ein gänzlich ungewöhnliches musikalisches Ereignis, und zwar über ein weibliches Quartett, gegründet und organisiert von Mlle. Moritz-Reuchsel, deren Talent als Pianistin und Komponistin in Deutschland bekannt ist. Die erste Violine wird von Mlle. Clara Marelle, einer Schülerin von Robberechts und Teresa Milanollo, gespielt. Die zweite Violine bzw. Viola ist ein junges Mädchen aus Böhmen, die in Deutschland bei den besten Lehrern studiert hat. Mlle. de Katow wird das Violoncello übernehmen. Die Damen [...] werden sich in den Salons hören lassen, bevor sie ein öffentliches Konzert geben.“; „Le Guide musical“ vom 17. Februar 1859, S. 3; vgl. auch „Le Ménestrel“ vom 20. Februar 1859, S. 95; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 6. Februar 1859, S. 47) Tatsächlich trat das Ensemble zunächst in mehreren Salons auf, bevor es am 2. Mai 1859 als „Trio féminin“ – Clara Morello war kurz zuvor schwer erkrankt – ein erstes öffentliches Konzert in der Salle Herz gab. Neben dem Trio, bestehend aus Mlle. Moritz-Reuchsel (Klavier), Julienne André (Violine) und Hélène de Katow (Violoncello), traten dabei auch die Sängerinnen und Sänger Anne Caroline de LaGrange und Felice Varesi sowie die Organistin und Harmoniumspielerin Charlotte Dreyfus auf. Das Konzert wurde mit Spannung erwartet. „Le Ménestrel“ wünschte „à cette piquante exhibition le succès qu’elle a obtenu dans les salons“ („ [...] der pikanten Zurschaustellung den Erfolg, den sie in den Salons hatte“), und schrieb, es sei „l’une des soirées les plus intéressantes de la saison“ („ [...] einer der interessantesten Abende der Saison“; „Le Ménestrel“ vom 24. April 1859, S. 167). Die „Revue et Gazette musicale de Paris“ kündigte an: „Ce concert promet d’être des plus brillants.“ („Dieses Konzert verspricht eines der brilliantesten zu werden.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 24. April 1859, S. 138). Auf dem Programm standen u. a. Ludwig van Beethovens Klaviertrio B-Dur op. 11, Werke für Violine und Klavier von Henri Vieuxtemps und Giuseppe Verdi, eigene Kompositionen von Mlle. Moritz-Reuchsel für Klavier sowie mehrere Gesangsstücke. Hélène de Katow spielte als Solostücke eine Bearbeitung von Franz Schuberts „Ave Maria“ D 839 und die „Berceuse“ von Henri Reber op. 15. Die „France Musicale“ rezensierte: „Ce concert [...] offrait, comme on le voit, presque exclusivement des femmes pour virtuoses, et ce qui est surtout à noter, des virtuoses instrumentistes. [...] Le concert a commencé par le trio de Beethoven op. 11, dédié à la comtesse de Thun, œuvre délicieuse, à laquelle un critique du temps (1790) reprochait d’être maniérée. [...] La difficulté de l’exécution ne consistait pas dans la quantité des notes prodiguées par Beethoven, ni dans les exigences du rhythme. Il fallait avoir l’intelligence de ce style spécial et d’intentions si variées. Les puristes du genre n’auraient eu qu’à applaudir, avec toute la salle, à une interprétation aussi fidèle. [...] Mlle Hélène de Katow, toute jeune aussi, s’est fait vivement applaudir dans l’Ave Maria, de Schubert, et la Berceuse de Reber.“ („Das Konzert bot, wie man sehen kann, fast ausschließlich Frauen als Virtuosinnen, und – was besonderes betont werden muss – virtuose Instrumentalistinnen. [...] Das Konzert begann mit einem Trio von Beethoven op. 11, das der Comtesse de Thun gewidmet ist, einem heiklen Werk, dem ein zeitgenössischer Kritiker 1790 vorgeworfen hatte, affektiert zu sein. [...] Die Schwierigkeit der Ausführung lag weder in der verschwenderischen Quantität der Noten, die Beethoven vorgesehen hatte, noch in den rhythmischen Anforderungen, sondern man muss diesem besonderen Stil und den wechselnden Intentionen folgen können. Die Puristen der Gattung konnten einer derart werkgetreuen Interpretation nur applaudieren, gemeinsam mit dem ganzen Saal. [...] Mlle. Hélène de Katow, ebenfalls noch sehr jung, erhielt für ihr Spiel des ‚Ave Maria’ von Schubert und der ‚Berceuse’ von Reber lebhaften Beifall.“; „La France Musicale“ vom 8. Mai 1859, S. 212; vgl. auch „Le Ménestrel“ vom 8. Mai 1859, S. 182; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 8. Mai 1859, S. 155) Das „Trio féminin“ wurde spätestens mit dem Umzug Hélène de Katows nach Brüssel im Herbst 1860 sowie durch den Tod von Mlle. Moritz-Reuchsel im November 1860 aufgelöst.


    Auch solistisch trat Hélène de Katow bereits zu dieser Zeit regelmäßig auf: Im März 1860 spielte sie im Rahmen einer Veranstaltung der „Société des Beaux-Arts“ im Pariser Rathaus und erhielt anschließend die Mitgliedschaft der Société (vgl. „Dwight’s Journal of Music“ vom 15. April 1865, S. 8). Einen Monat später, Anfang April 1860, präsentierte sie sich dem Pariser Publikum mit einem eigenen Konzert in den Salons Pleyel. Dabei spielte sie u. a. gemeinsam mit dem Geiger Richard Hammer und dem Pianisten und Komponisten Brandt ein Klaviertrio, das von Brandt geschrieben worden war. Diesmal konnte sie selbst den Kritiker der Zeitschrift „Le Ménestrel“ begeistern: „Une fort habile élève de M. Léon Jacquard, Mlle Hélène de Katow, violoncelliste, a donné tout récemment un concert dans les salons de Pleyel, avec le concours de Mme Cambardi, MM. Hammer, Marochetti, etc. Nous avions déjà eu occasion d’apprécier la grâce et la distinction de la bénéficiaire, ainsi que la façon remarquable dont elle sait manier l’instrument de sainte Cécile et de Batta. Les progrès de Mlle de Katow, sont encore plus sensibles cette année, et les plus sympathiques bravos lui ont été prodigués dans cette soirée.“ („Eine sehr talentierte Schülerin von M. Léon Jacquard, Mlle. Hélène de Katow, Violoncellistin, hat kürzlich ein Konzert in den Salons Pleyel gegeben, bei dem Mme. Cambardi, die Herren Hammer, Marochetti u. a. mitgewirkt haben. Wir hatten bereits die Gelegenheit, die graziöse und vornehme Haltung der Konzertgeberin zu bewundern, ebenso wie die bemerkenswerte Art und Weise, mit der sie das Instrument der heiligen Cäcilie und [Alexander] Battas handhabt. Die Fortschritte von Mlle. de Katow sind dieses Jahr noch mehr zu spüren, und sie wurde an diesem Abend mit den freundlichsten Bravos reichlich bedacht.“; „Le Ménestrel“ vom 22. April 1860, S. 167) Auch ein Musikkritiker der „Revue et Gazette musicale de Paris“ rezensierte das Konzert überaus positiv: „[...] nous avons entendu cette semaine, dans les salons Pleyel-Wolff, une jeune violoncelliste de talent. Mlle de Katow, élève de Léon Jacquard, joue avec beaucoup de grâce et de charme; elle enlève même les difficultés avec une certaine vigueur. M. Brandt, pianiste-compositeur, a exécuté avec Mlle de Katow et Hammer un trio de sa composition.“ („[...] wir haben diese Woche in den Salons Pleyel-Wolff eine junge, talentvolle Violoncellistin gehört. Mlle. de Katow, Schülerin von Léon Jacquard, spielt mit sehr viel Anmut und Charme; zugleich überwindet sie die Schwierigkeiten mit einer gewissen Kraft. M. Brandt, Pianist und Komponist, führte mit Mlle. de Katow und [Richard] Hammer ein Trio seiner Komposition auf.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 8. April 1860, S. 126)


    Im September 1860 konzertierte Hélène de Katow in dem belgischen Kurbad Spa und trat dort im Rahmen eines Musikfestes an der Seite von herausragenden Musikerinnen und Musikern auf. Unter den Mitwirkenden des Konzertes waren der Geiger Hubert Léonard, dessen Frau, die Sängerin Antonia Léonard, und der Pianist Louis Brassin. Die „Revue et Gazette musicale de Paris“ berichtete u. a. über das Spiel Hélène de Katows: „Une brillante fête musicale a été offerte au public de Spa; rarement les salons de la Redoute avaient réuni un pareil ensemble d’artistes remarquables [...]. Chacun des morceaux du programme [...] a soulevé de chaleureux bravos; les auditeurs étaient dans le ravissement [...]. On n’est guère habitué à voir un violoncelle entre les mains d’une jeune fille; cependant Mlle de Katow possède d’autres mérites que celui d’une innovation étrange, et ses trois morceaux ont été très favorablement accueillis.“ („Ein wunderbares Musikfest wurde dem Publikum von Spa geboten; nur selten war bislang in den Salons de la Redoute ein derartiges Ensemble bemerkenswerter Künstler vereint. [...] Jedes Stück auf dem Programm [...] rief wärmsten Beifall hervor; die Zuhörer waren hingerissen [...] Man ist es überhaupt nicht gewohnt, ein Violoncello in den Händen eines jungen Mädchens zu sehen; allerdings besitzt Mlle. de Katow noch andere Qualitäten, als jene einer seltsamen Neuerung, und ihre drei Stücke wurden sehr positiv aufgenommen.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 30. September 1860, S. 347)

    Im Oktober 1860 spielte Hélène de Katow in Brüssel auf der „Exposition des Beaux-Arts“ („Les Beaux-arts“, Bd. 1 [1860], S. 412) und gab dort im gleichen Monat ein eigenes Konzert, bei dem sie wiederum Publikum und Presse begeisterte: „Mlle de Katow, excellente violoncelle, vient de donner un concert qui a été très-brillant.“ („Mlle. de Katow, herausragende Violoncellistin, hat ein sehr brilliantes Konzert gegeben.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 21. Oktober 1860, S. 371) Nach ihren Auftritten in Brüssel bot ihr der Violoncellist François Servais einen Studienplatz am Conservatoire Royal de Musique an.


    Hélène de Katow studierte von Herbst 1860 bis Herbst 1862 Violoncello bei François Servais in Brüssel. Bei den Abschlussprüfungen des Konservatoriums und den damit verbundenen Wettbewerben erhielt sie 1862 gemeinsam mit einem Violoncellisten namens Knugely den ersten Preis, und die „Revue et Gazette musicale de Paris“ berichtete: „Parmi les instruments à archet, nous aurions bien des noms à citer, mais nous sommes obligé d’abréger. Servais a eu un concours étourdissant: deux premiers prix, le jeune Knugely [...] et Mlle Katow, qui a été charmante de grâce et de distinction.“ („Unter den Streichern hätten wir viele Namen aufzuführen, aber wir müssen uns beschränken. Servais hatte einen umwerfenden Erfolg im Wettbewerb: zwei erste Preise, der junge Knugely [...] und Mlle. Katow, die mit Anmut und Vornehmheit bezauberte.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 10. August 1862, S. 260) Beim daran anschließenden Preisträgerkonzert spielte Hélène de Katow u. a. „Le Désir“ für Violoncello und Orchester op. 4 von Adrien François Servais und erhielt vom belgischen König Leopold I. eine Goldmedaille (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 23. November 1862, S. 383; „Dwight’s Journal of Music“ vom 15. April 1865, S. 8).


    Nach dem Abschluss ihres Studiums konnte sich Hélène de Katow noch weitreichender im internationalen Musikleben als Violoncellistin etablieren und konzertierte dabei auch weiterhin als Solistin und Kammermusikerin. Am 22. März 1863 gab sie ein viel beachtetes Konzert in der Pariser Salle Herz, bei dem sie u. a. gemeinsam mit der Pianistin Aline Mallet und dem Geiger Vincent Sighicelli im Klaviertrio auftrat. „Le petit journal“ bezeichnete das Konzert als „l’un des plus brillante de la saison“ („... eines der brilliantesten der Saison“) und erläuterte: „Il y avait tout d’abord un intérêt assuré de curiosité à entendre chanter sous des mains féminines un instrument essentiellement viril comme le violoncelle; mais cette étrangeté s’oublie immédiatement devant le jeu plein de puissance et de sentiment de Mlle de Katow. Elle a été admirablement soutenue d’ailleurs par Mlle Aline Mallet au piano, et par le violon de Sighicelli.“ („Es gab dort als erstes sicherlich ein neugieriges Interesse zu hören, wie ein derart männliches Instrument in den Händen einer Frau zum Singen gebracht wird; aber diese Befremdlichkeit wurde sofort vergessen, angesichts des kraft- und gefühlvollen Spiels von Mlle. de Katow. Sie wurde zudem wunderbar von Mlle. Aline Mallet am Klavier und Sighicelli an der Geige unterstützt.“; „Le petit journal“ vom 4. April 1863, S. 1) Wenige Tage später wurde das Konzert, mit einigen Änderungen in den Ateliers des Fotografen Nadar wiederholt, die hierfür reichlich ausgeschmückt wurden: „Samedi dernier, notre spirituel photographe Nadar avait transformé ses ateliers en salons champêtres et en jardins: lumières à profusion, verdure, fleurs, grottes et cascades, rien n’y manquait; c’était un spectacle féerique, y compris les jolies femmes. Dans cet Éden improvisé, Nadar donnait une belle et bonne soirée musicale. Les artistes étaient la basse chantante Gassier (de passage à Paris), le violoniste Sighicelli, Mmes Ch. Dreyfus, Hélène de Katow, violoncelliste, Mlle Mallet, pianiste distinguée, et enfin [le mandolinist] M. Vailati [...]. Jamais on n’avait entendu éclater autant de bravos dans un atelier de photographie. Quel riant album si le collodion pouvait reproduire l’enthousiasme !“ („Letzten Samstag hatte unser genialer Fotograf Nadar seine Ateliers in ländliche und gartenähnliche Salons verwandelt: Lichter in Fülle, Grünes, Blumen, Grotten und Kaskaden, nichts fehlte; es war ein feengleiches Spektakel, schöne Frauen mit eingeschlossen. In diesem improvisierten Eden gab Nadar eine schöne und gute musikalische Soirée. Die Künstler waren der Bariton Gassier (auf der Durchreise in Paris), der Geiger Sighicelli, die Damen Ch. Dreyfus, Hélène de Katow, Violoncellistin, Mlle Mallet, hervorragende Pianistin und schließlich [der Mandolinist] M. Vailati [...]. Niemals zuvor waren so viele Bravos im Atelier eines Fotografen zu hören. Was für ein lustiges Album wäre das, wenn man den Enthusiasmus auf einer Fotoplatte wiedergeben könnte.“; „Le Ménestrel“ vom 12. April 1863, S. 150) Hélène de Katow spielte dabei die „Berceuse“ op. 15 von Henri Reber sowie eines der Violoncellokonzerte von Georg Goltermann und wurde beide Male von Aline Mallet am Klavier begleitet (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 12. April 1863, S. 118f.). Zusammenfassend veröffentlichte die „Revue et Gazette musicale de Paris“ Anfang Mai 1863 einen begeisterten Artikel über die Violoncellistin und ihr musikalisches Spiel: „Nous avons déjà parlé, à propos d’une charmante soirée musicale donnée par Nadar, de Mlle Hélène de Katow. Jeune, jolie, excellente musicienne, et comme telle, premier prix du Conservatoire royal de Bruxelles; de plus, élève du célèbre violoncelliste Servais tant de fois applaudi à Paris, Mlle Hélène de Katow ne pouvait manquer de trouver à son tour un bon accueil. Aussi avait-elle réuni un nombreux et brillant auditoire dans le beau concert qu’elle a donné dernièrement salle Herz. Jouer du violoncelle est chose rare pour une femme, mais en jouer avec un talent réel est plus rare encore; la curiosité était donc vivement excitée. Hâtons-nous de dire qu’elle n’a pas été déçue. Mlle de Katow possède un jeu large et brillant; son style pur, toujours élevé, rappelle bien les qualités de son maître. Douée au suprême degré de cette grâce et de ce sentiment exquis, apanage de la femme, et qui, sans exclure la vigueur et la puissance, ajoutent un charme infini à l’exécution, elle domine son instrument et en lire les plus beaux effets. Aussi Mlle de Katow a-t-elle obtenu dans ce premier essai un succès véritable et dont elle doit être fière; car elle est adoptée désormais par le public parisien, et nous l’entendrons sans doute fréquemment la saison prochaine.“ („Wir haben bereits anlässlich einer bezaubernden Soirée musicale bei Nadar von Mlle Hélène de Katow gesprochen. Jung, hübsch, eine hervorragende Musikerin und als solche Trägerin des ersten Preises des Conservatoire Royal de Bruxelles, zudem eine Schülerin des berühmten Violoncellisten Servais, den man in Paris so oft mit Beifall bedacht hat, musste Mlle Hélène Katow herzlich willkommen geheißen werden. Außerdem hatte sich ein zahlreiches und schillerndes Publikum in ihrem schönen Konzert versammelt, das sie kürzlich in der Salle Herz gab. Violoncello als Frau zu spielen, ist selten, aber es dann auch noch mit wirklichem Talent zu spielen, ist noch seltener; die Neugierde war also lebhaft geweckt. Beeilen wir uns zu sagen, dass sie nicht enttäuscht wurde. Mlle. de Katow besitzt ein großes und brillantes Spiel, ihr klarer Stil, immer erhaben, erinnert an die Qualitäten ihres Meisters. Reichlich bedacht mit Anmut und jenem erlesenen Gefühl, das das Vorrecht der Frauen ist, und das, ohne Stärke und Kraft auszuschließen, der Ausführung einen besonderen Charme verleiht, beherrscht sie ihr Instrument und entlockt ihm die schönsten Effekte. Mlle. de Katow konnte bei diesem ersten Versuch einen wirklichen Erfolg verbuchen, auf den sie stolz sein kann; denn nun ist sie vom Pariser Publikum angenommen und wir werden sie sicherlich in der nächsten Saison häufig hören.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Mai 1863, S. 141) Im Sommer 1863 trat Hélène de Katow wiederum in den Salons de la Redoute in Spa an der Seite des Pianisten Louis Brassin auf; die Organisatoren des Festivals hatten ihre Mitwirkung explizit gefordert (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 20. September 1863, S. 302). Dabei spielte Hélène de Katow mit Begleitung des Orchesters eine Bearbeitung von François Servais’ „Le Désir“ op. 4 sowie dessen „Fantaisies brillantes“ über Motive aus Daniel-François-Esprit Aubers „La muette de Portici“ o. op.: „Le public a été vivement impressionné par le style large, toujours élevè et gracieux en même temps de Mlle de Katoff, et, en entendant ces sons pleins de charme, de sentiment et de chaleur qu’elle sait tirer de son instrument, il a battu des mains avec enthousiasme.“ („Das Publikum war sehr beeindruckt von dem großen, immer erhabenen und gleichzeitig anmutigen Spiel von Mlle. de Katoff, und applaudierte angesichts des zauberhaften, gefühlvollen und warmen Klangs, den sie ihrem Instrument zu entlocken weiß, mit Begeisterung.“; ebd.)


    Im Frühjahr 1864 konzertierte Hélène de Katow mehrfach in Paris. So beteiligte sie sich z. B. an einem Konzert des Pianisten Alexandre Billet in der Pariser Salle Herz, bei dem sie nochmals François Servais’ „Fantaisie brillante“ über Motive aus „La muette de Portici“ spielte: „Dans cette soirée, on a entendu et applaudi légitimement Mlle Hélène de Katow, cette charmante élève de Servais, qui joue du violoncelle de manière à rendre jaloux bien des virtuoses de l’autre sexe.“ („In dieser Soirée hat man Mlle. Hélène de Katow gehört und ihr verdienten Beifall entgegengebracht, jener charmanten Schülerin von Servais, die das Violoncello in einer Art und Weise spielt, dass Virtuosen des anderen Geschlechts neidisch werden könnten.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 13. März 1864, S. 84; vgl. auch „La Comédie“ vom 20. März 1864, S. 2) Anfang April 1864 gab sie, wie schon im Jahr zuvor, ein eigenes Konzert in der Salle Herz gemeinsam mit den beiden Sängern, den Herren Guidon frères, der Sängerin Laure Cynthie Damoreau-Weckerlin sowie dem Pianisten Louis Diémer und dem Organisten August Durand (vgl. „Le Ménestrel“ vom 27. März 1864, S. 136). Dabei spielte Hélène de Katow die „Fantaisie brillante“ über „La Muette de Portici“ und „Fantaisie et Variations sur des motifs de l’opéra ‚La fille du régiment’ de Donizetti“ op. 16 von Adrien François Servais und übernahm den Violoncellopart in der „Méditation sur la Prière des Bardes“ für Violoncello, Klavier und Orgel von Félix Godefroid (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 10. April 1864, S. 116f.; vgl. auch „Le Ménestrel“ vom 10. April 1864, S. 151). Wenige Tage später beteiligte sich Hélène de Katow an einer Soirée Musicale des Pianisten Antoine-François Marmontel, bei der sie gemeinsam mit der Pianistin Mlle. Soulé und der Geigerin Mlle. Castelian zwei Sätze aus dem zweiten Klaviertrio g-Moll op. 48 von Berthold Damcke und – gemeinsam mit der Pianistin Mlle. Jane Hulmann – das „Duo sur des motifs de l’opéra La Traviata“ von François Servais aufführte. Das besondere des Abends lag darin, so die Zeitschrift „Le Ménestrel“, dass ausschließlich Interpretinnen auftraten: „Une des plus belles et des plus intéressantes soirées musicales de la semaine a été celle donnée vendredi par M. Marmontel. [...] Le concert a offert ceci de remarquable, qu’il n’y figurait que des artistes ou amateurs du sexe féminin. [...] Mlle de Katow joue avec infiniment de grâce et de sentiment [...].“ („Eine der schönsten und interessantesten musikalischen Soiréen der Woche fand Donnerstag Abend bei M. Marmontel statt. [...] Das Konzert war bereits insofern etwas besonderes, als ausschließlich Künstlerinnen und Amateure weiblichen Geschlechts auftraten. [...] Mlle. de Katow spielt mit unendlicher Anmut und Empfindung [...].“; „Le Ménestrel“ vom 24. April 1864, S. 167) Vor 1865 hatte Hélène de Katow zudem mehrere Konzerte in Berlin gegeben und war dort vom preußischen König zur Kammervirtuosin ernannte worden (vgl. „Dwight’s Journal of Music“ vom 15. April 1865, S. 8).


    Im Januar 1865 begann Hélène de Katow gemeinsam mit dem „einhändigen Pianisten“ James Wehli eine größere Tournee durch die USA und Kanada, die von dem Konzertunternehmer Max Strakosch organisiert wurde. In der ersten Jahreshälfte traten die beiden u. a. in New York, Boston, Chicago, Montréal und Québec auf. Bereits Ende Januar 1865 notierte die „New York Times“ die Ankunft in New York: „Mlle. Helena de Katow, the celebrated Russian violincellist [sic], and Mr. James M. Wehli, the great pianist, arrived in the steamer Cuba, yesterday, and will shortly make their first appearance in America in a series of grand concerts, under the direction of Mr. Max Strakosch, who arrived in company with them.“ („Mlle Helena de Katow, die berühmte russische Violoncellistin, und Mr. James Wehli, der große Pianist, kamen gestern auf dem Dampfer „Cuba“ an und werden in Kürze ihr Debüt in einer Reihe großer Konzerte unter der organisatorischen Leitung von Mr. Max Strakosch geben, der mit ihnen ankam.“; „The New York Times“ 29. Januar 1865) Hélène de Katow und James Wehli debütierten am 13. Februar 1865 in Niblo’s Saloon in New York und traten dort bis Ende März insgesamt zehn Mal auf (am 15., 16., 24., 25. Februar und am 1., 2., 13., 24. und 25. März, meistens gemeinsam mit einer Sängerin, darunter Celestine Huntley und Laura Harris (vgl. Brown 1903, Bd. 2, S. 14). In den Zwischenzeiten konzertierten Hélène de Katow und James Wehli u. a. in Boston, im dortigen Tremont Temple: „We have little taste for virtuoso concerts, generally, but we must own to having spent a pleasant evening in listening to the fair Russian violoncellist and the English pianist, in the Tremont Temple, on Wednesday evening [...]. We were chiefly interested in the Russian lady, as being the most unique and, we may say, musically possessed phenomenon. [...] She discourses excellent music; the tone not the strongest and broadest, but rather feminine, and true, musical, searching and expressive. The movements of her hands and arms, as well as the vibrating strings, seem instinct with the music in her soul.“ („Wir finden im allgemeinen wenig Geschmack an Virtuosenkonzerten, aber wir müssen gestehen, dass wir beim Hören der russischen Violoncellistin und dem englischen Pianisten im Tremont Temple am Mittwoch Abend einen schönen Abend verbrachten. [...] Wir waren sehr neugierig auf die russische Dame, als einzigartiges und, man kann sagen, musikalisch besessenes Phänomen. [...] Sie spielt hervorragend Musik; der Ton ist nicht der kräftigste und größte, sondern eher weiblich, aufrichtig, musikalisch, suchend und ausdrucksstark. Die Bewegungen ihrer Hände und Arme ebenso wie die vibrierenden Seiten scheinen in Einklang mit ihren musikalischen Empfindungen zu sein. „Dwight’s Journal of Music“ vom 18. März 1865, S. 415; s. a. „Dwight’s Journal of Music“ vom 1. April 1865, S. 5) Anfang April trat Hélène de Katow mit anderen Musikerinnen und Musikern in der New Yorker Irving Hall auf, „playing troughout with great delicacy and grace“ („... durch und durch mit großer Feinsinnigkeit und Anmut spielend“) – so die „New York Times“ am 4. April 1865. Im April und Mai 1865 konzertierten Hélène de Katow und James Wehli in Crosby’s Opera House in Chicago und gaben dort u. a. vom 25. bis 27. April 1865 drei Abende gemeinsam mit der Sängerin Henriette Behrens (vgl. Cropsey 1999, S. 101). Der Journalist George Putnam Upton erzählte rückblickend über eines der Konzerte: „The first concert in the new opera house was given May 25 [1865], under the management of Max Strakosch by Mademoiselle Behrens, soprano; Wehli, the ‚left-hander’, pianist; and Hélène de Katow, one of the feminine artists who have had the courage to master the cello and utilize it as a solo instrument. I particularly remember her refined playing of Offenbach’s ‚Musette’ and the Servais fantasia on themes from ‚The Daughter of the Regiment’“ („Das erste Konzert im neuen Opernhaus fand am 25. Mai [1865] unter dem Management von Max Strakosch statt und wurde von Mademoiselle Behrens, Sopran, Wehli, dem linkshändigen Pianisten und Hélène de Katow, einer Künstlerin, die den Mut hatte, Violoncello zu lernen und es als Soloinstrument zu gebrauchen, gegeben. Ich erinnere mich besonders an ihr ausgefeiltes Spiel von Offenbachs ‚Musette’ und von Servais’ Fantasie über ‚The Daughter of the Regiment’“; Upton, S. 239f.). Von Chicago aus reiste die Gruppe weiter nach Québec und Montréal, wo sie im Juni/Juli 1865 auftraten (vgl. „Le Guide musical“ vom 6./13. Juli 1865, o. S.; „Le Foyer Canadien“, Jg. 4 [1866], S. 134f.).

    Auch in Frankreich wurde regelmäßig von der Amerika-Tournee und den dortigen Erfolgen Hélène de Katows berichtet. So notierte z. B. die „Revue et Gazette musicale de Paris“ im März 1865: „La Compagnie artistique engagée par Max Strakosch pour donner des concerts dans le nord de l’Amérique, et dont font partie le pianiste compositeur Wehli et l’excellente violoncelliste Hélène de Katow, est arrivée à New-York. Dans le premier concert qui y a été donné, la charmante artiste s’y est fait entendre, et son talent si neuf et si original, sa manière de phraser si pleine de sentiment, ont excité un véritable enthousiasme parmi les dilettanti de New-York. Son début a été un immense succès.“ („Die Künstlertruppe, die Max Strakosch für Konzerte in Nordamerika engagiert hat und zu der der Pianist und Komponist Wehli und die herausragende Violoncellistin Hélène de Katow gehören, ist in New York angekommen. Im ersten Konzert, das dort gegeben wurde, ließ sich die charmante Künstlerin hören, und ihr neuartiges und originelles Können und ihre gefühlvolle Art zu phrasieren haben einen wahren Enthusiasmus unter den New Yorker Musikliebhabern ausgelöst.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 5. März 1865, S. 78; s. a. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 12. März 1865, S. 86) Sechs Wochen später schrieb die selbe Zeitschrift: „Les journaux et les correspondances qui nous arrivent de New-York sont unanimes à constater le succès que continuent d’y obtenir Mlle de Katow et James Wehli. Les concerts donnés par M. Strakosch sont de plus en plus suivis par la haute société de la ville, et les deux brillants artistes reçoivent d’elle le meilleur accueil. [...] Quant à Mlle de Katow elle justifie largement les recommandations de son maître Servais, et la réputation qu’elle s’est faite en Europe. A présent qu’elle est familiarisée avec notre public, elle donne libre carrière à sa belle exécution, et chaque fois qu’elle se fait entendre elle provoque les plus chaleureux applaudissements. Ce n’est pas seulement à New-York que s’est affirmé le succès de Mlle de Katow, mais dans les principales villes des Etats-Unis, et tout récemment à Boston, son succès a été jusqu’à l’enthousiasme.“ („Die Zeitungen und Briefe, die uns aus New York erreichen, bestätigen einmütig den anhaltenden Erfolg, den Mlle. de Katow und James Wehli dort haben. Die von Max Strakosch veranstalteten Konzerte werden mehr und mehr von der vornehmen Gesellschaft der Stadt besucht, und die beiden brillanten Künstler werden von ihr herzlich willkommen geheißen. [...] Was Mlle. de Katow betrifft, rechtfertigt sie gänzlich die Empfehlungen ihres Lehrers Servais und den guten Ruf, den sie sich in Europa erworben hat. Seit sie sich mit unserem Publikum angefreundet hat, lässt sie ihrer guten musikalischen Darstellung freien Lauf und ruft jedes Mal, wenn sie sich hören lässt, den warmherzigsten Applaus hervor. Nicht nur aus New York wird der Erfolg von Mlle. de Katow bestätigt, sondern aus größeren Städten der Vereinigten Staaten, zuletzt aus Boston, wo ihr Erfolg bis zum Enthusiasmus reichte.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 23. April 1865, S. 134)


    Nach ihrer Rückkehr nach Paris gründete Hélène de Katow gemeinsam mit den Geigerinnen Catarina Lebouys (Violine 1), Jenny Clauss (Violine 2) und Fanny Clauss (Viola) wiederum unter dem Namen „Quatour féminin“ ein Damen-Streichquartett. Die Schwestern Jenny und Fanny Clauss waren zu diesem Zeitpunkt bereits geübte Kammermusikerinnen, die Anfang der 1850er Jahre gemeinsam mit ihren beiden weiteren Schwestern Marie Clauss (Klavier) und Cécile Clauss (Violoncello) als Klavierquartett in der Öffentlichkeit gestanden hatten. Ergänzend kam die Pianistin Marie-Louise Mongin, eine Schülerin von Louise Farrenc, hinzu. In Frankreich berichteten die Musikzeitschriften regelmäßig von der Entwicklung des neuen Streichquartetts. So kündigte z. B. die Zeitschrift „Le Ménestrel“ das Debütkonzert folgendermaßen an: „C’est le jeudi 18 janvier que doit avoir lieu, à la salle Herz, l’inauguration du quatuor féminin d’instruments à cordes, composé comme suit: Mlle Lebouys, premier violon; Mlle Jenny Clauss, second violon; Mlle Fanny Clauss, alto, et Mlle Hélène de Katow, violoncelle; pianiste, Mlle Mongin. Inutile de faire ressortir l’intérêt spécial qui s’attache à cette innovation dont le succèst est assuré.“ („Am 18. Januar wird in der Salle Herz das Debüt des Damenstreichquartetts stattfinden, das sich wie folgt zusammensetzt: Mlle. Lebouys, erste Violine, Mlle. Jenny Clauss, zweite Violine, Mlle. Fanny Clauss, Viola und Mlle. Hélène de Katow, Violoncello, Pianistin, Mlle. Mongin. Überflüssig das besondere Interesse zu betonen, das dieser Innovation entgegengebracht wird, dessen Erfolg gesichert ist.“; „Le Menestrel“ vom 13. Januar 1866, S. 47; vgl. auch „Le Guide musical“ vom 4. Januar 1866, S. 6) Auch international war ein Damenstreichquartett eine Meldung wert. In den „Signalen für die musikalische Welt“ hieß es: „Paris. Am 18. Jan. wird im Saale Herz das erste Concert eines Damen-Streich-Quartetts stattfinden, in welchem deutsche Kammermusik zu Gehör kommen soll. Fräulein Lebonge [recte Lebouys] spielt die erste, Fräulein Jenny Clauß die zweite Violine, Fräulein Fanny Clauß die Viola und Fräulein de Catow das Violoncell.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom Januar 1866, S. 104; vgl. auch „Le Foyer Canadien“, Jg. 4 [1866], S. 134f.; „The Reader. A Review of literature, science, and art“, Jg. 4, 1866, S. 48)

    Am 11. Januar 1866 trat das Streichquartett erstmals im Salon des Fotografen Antoine-René Trinquart auf und spielte dabei gemeinsam mit der Pianistin Marie-Louise Mongin ein Klavierquintett von Luigi Boccherini; Hélène de Katow gab als Solostück ein „Baletto“ von Paul Egide Martini: „Le quatuor féminin de M. Norblin a fait ses débuts cette semaine par un quintette de Boccherini. [...] Ces dames ont fait preuve de verve et même d’ensemble; avec le temps et les répétitions, les détails gagneront en justesse et en pureté d’exécution. C’est, au résumé, une piquante tentative qui prouve, de plus, combien la musique de chambre prend racine en France. Le photographe Trinquart, qui avait ouvert ses salons à là première audition des quatuors féminins, a reproduit très-exactement, sur une petite carte photographique, les quatre gracieuses exécutantes armées de leurs instruments et de leurs archets.“ („Das quatuor féminin von M. Norbelin hat diese Woche sein Debüt mit einem Quintett von Boccherini gegeben. [...] Die Damen bewiesen Schwung und sogar ein Miteinander; mit der Zeit und weiteren Proben werden die Details an Genauigkeit und Reinheit in der Ausführung gewinnen. Insgesamt ist es ein pikanter Versuch, der einmal mehr beweist, wie sehr sich die Kammermusik in Frankreich etabliert. Der Fotograf Trinquart, der seine Salons für das erste Konzert des quatuor féminin geöffnet hat, hat die graziösen Ausführenden mit ihren Instrumenten und Bögen auf einer kleinen fotografischen Karte festgehalten.“; „Le Ménestrel“ vom 20. Januar 1866, S. 55 [Vermutlich handelt es sich bei der erwähnten Fotografie um jene, die der spätere Sohn von Fanny Clauss, Pierre Prins, in einem Buch über seinen Vater, den Maler gleichen Namens, veröffentlichte und dort fälschlich als Streichquartett der vier Geschwister Clauss, aber mit der korrekten Jahreszahl 1865, ausgewiesen hatte. In der Tat sind Instrumente und Bögen ein wichtiger Teil des Bildes. Siehe „Material“, vgl. a. Prins 1949, S. 25]). Auch die Zeitschrift „Le Foyer“ berichtete über das Konzert: „Ces réunions musicales d’un genre tout nouveau ne manqueront pas d’exciter l’intérêt du public et d’offrir un grand attrait aux amateurs. Cette première épreuve nous a permis d’apprécier le mérite des jeunes artistes qui vont être soumises à la critique et au jugement du public, espérons qu’ils triompheront au champ de bataille et qu’elles confirmeront les éloges que nous sommes prêts à leur donner. [...] Mlle de Katow a exécuté sur le violoncelle un Baletto, de Martini, qui a produit un très-bon effet.“ („Diese Konzerte ganz neuer Art werden das Interesse des Publikums nicht verfehlen und werden eine große Attraktion für Musikliebhaber darstellen. Der erste Versuch erlaubt uns, die Verdienste der jungen Künstlerinnen einzuschätzen, die sich der Kritik und dem Urteil des Publikums aussetzen. Hoffen wir, dass sie auf dem Schlachtfeld triumphieren werden und dass sie die Lobeshymnen, die wir bereit sind, ihnen zu geben, bestätigen werden. [...] Mlle. de Katow spielte auf dem Violoncello ein Baletto von Martini, das einen sehr guten Effekt erzielte.“; „Le Foyer“ vom 18. Januar 1866, S. 7) Das für den 18. Januar 1866 avisierte öffentliche Konzert des Ensembles fand allerdings nicht mehr statt. Am 21. Januar 1866 notierte die „Revue et Gazette musicale de Paris“: „Le début du quatuor féminin, à la salle Herz, que nous avions annoncé pour le 18 de ce mois, est remis à quinzaine par suite d’indisposition. Une séance d’essai, qui fait on ne peut mieux augurer du succès, avait eu lieu le jeudi précédent dans les salons de M. Trinquart, photographe.“ („Das Debüt des quatuor féminin in der Salle Herz, das wir für den 18. des Monats angekündig hatten, wurde aufgrund von Krankheit um 14 Tage verschoben. Ein Probekonzert, das den Erfolg ausweitete, fand am vergangenen Donnerstag in den Salons des Fotographen M. Trinquart statt.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 21. Januar 1866, S. 22). Ab April 1866 traten Catarina Lebouys, Jenny Clauss und Fanny Clauss als „Quatuor St. Cécile“ gemeinsam mit der Violoncellistin Eliza de Trye auf (vgl. „La Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 15. April 1866, S. 114).


    Ab 1867 konzertierte Hélène de Katow weiterhin in Paris. Sie trat in verschiedenen Salons auf und gab eigene Konzerte, zumeist in der Salle Herz. So spielte sie u. a. mit der Pianistin Mme. Soulé (Vorname nicht zu ermitteln) und dem Geiger Ernst Sivori im Februar 1867 im Salon der Pianistin: „Mme Soulé, qui tient un rang distingué parmi nos pianistes, à la fois exécutants et professeurs, a réuni l’autre soir, dans son coquet appartement de la rue Chaptal, une élite d’amateurs et d’élèves; elle a exécuté différents morceaux avec beaucoup de charme et d’autorité. Le violon de Sivori et le violoncelle de Mlle Hélène de Katow ajoutaient encore à l’intérêt et à la grâce de cette soirée, heureux prélude du grand concert que Mme Soulé doit donner, le 27 mars, dans les salons d’Érard.“ („Mme Soulé, die als Künstlerin und Professorin einen vornehmen Platz unter unseren Pianisten einnimmt, hat anderen Abends in ihrem hübschen Appartement in der rule Chaptal, eine Elite an Amateuren und Schülern versammelt. Dabei hat sie verschiedene Stücke mit sehr viel Charme und Autorität ausgeführt. Der Geiger Sivori und die Violoncellistin Mlle Hélène de Katow trugen zusätzlich zum Gelingen des Abends bei, ein schönes Vorspiel für das große Konzert, das Mme Soulé am 27. März in den Salons Erard geben wird.“; „Le Ménestrel“ vom 17. Februar 1867, S. 95) Im Mai 1867 gab Hélène de Katow ein weiteres, eigenes Konzert in der Salle Herz (vgl. „La Comedie“ vom 12. Mai 1867, S. 2) und beteiligte sich im Frühjahr 1868 an einem Konzert der Sängerin Emma Matchinska, ebenfalls in der Salle Herz, das von Alexandre Dumas protegiert wurde und bei dem sie u. a. gemeinsam mit Charlotte Dreyfuß und dem Geiger Emile Sauret auftrat (vgl. „La Comedie“ vom 29. März 1868, S. 7). Ein weiteres, selbst veranstaltetes Konzert fand im Mai 1868, diesmal in der Salle du Grand-Orient, 16, rue Cadet, statt (vgl. „Le petit journal“ vom 10. Mai 1868, S. 3).


    Im Frühjahr 1871 konzertierte Hélène de Katow in London. Die „Musical Times“ berichtete am 1. März 1871 von ihrer Beteiligung an einem Konzert, das der Geiger Gustav Küster am 9. Februar 1871 in der Royal Victoria Hall in London veranstaltete. Dabei spielte Hélène de Katow ein Solostück von François Servais sowie den Violoncellopart in Ludwig van Beethovens Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3, das sie gemeinsam mit der Pianistin Christine Michelin und Gustav Küster aufführte: „Herr Gustave Küster gave a concert on the 9th ult., at Victoria Hall, Westbourne Grove [...]. The solo instrumental performers were Madlle. Helene de Katow (violoncello), Madlle. Christine Michelin (pianoforte), and Herr Gustave Küster (violin). The programme was wellselected, and gave thorough satisfaction to the audience, Madlle. de Katow being encored for her excellent performance of a solo by her master, Servais, and Herr Küster receiving well-deserved applause, both for his playing of the Allegro and Andante from De Beriot’s Seventh Concerto, and for his artistic rendering of the violin part in Beethoven’s Trio in C minor, in which he was joined by Madlle. Michelin, and Madlle. de Katow.“ (Herr Gustave Küster gab am 9. vergangenen Monats in der Victoria Hall, Westbourne Grove ein Konzert [...]. Die Instrumentalisten waren Madlle. Helene de Katow (Violoncello), Madlle. Christine Michelin (Klavier) und Herr Gustave Küster (Violine). Das Programm war gut ausgewählt, und für die Zuhörer durch und durch befriedigend, Madlle. de Katow wurde für ihre hervorragende Darbietung eines Solos ihres Meisters Servais mehrmals hervorgerufen, und Herr Küster erhielt wohlverdienten Applaus sowohl für sein Spiel des Allegro und Andante aus De Beriot’s siebtem Konzert als auch für seine künstlerische Wiedergabe des Violinparts in Beethovens Trio c-Moll, bei dem sich Madlle. Michelin und Madlle. de Katow hinzugesellten.“; „The Musical Times“ vom 1. März 1871, S. 10f.)


    Bis 1875 gab Hélène de Katow weiterhin regelmäßige Konzerte in Paris, so z. B. im Mai 1873 in der Salle Herz. Neben Stücken von François Servais spielte sie dabei heute weniger bekannte Werke von Emile Dunkler und Louis Niedermeyer. Unter den Mitwirkenden war u. a. die Pianistin Josephine Martin. „Le Ménestrel“ schrieb über die Violoncellistin: „N’oublions pas non plus le concert donné par Mme Hélène de Katow une violoncelliste de la bonne école qui a interprété différents morceaux de Servais, Dunckler et Niedermeyer avec un talent remarquable.“ („Vergessen wir nicht das Konzert das Mme. Hélène de Katow gegeben hat, eine Violoncellistin aus guter Schule, die verschiedene Stücke von Servais, Dunckler und Niedermeyer mit bemerkenswertem Talent interpretiert hat.“; „Le Menestrel“ vom 11. Mai 1873, S. 191) Zwischen 1873 und 1874 heiratete Hélène de Katow einen Herrn Zegowitz und nannte sich im folgenden Hélène de Katow-Ségowitz oder auch Zegowitz de Katow. Vereinzelte Konzertankündigungen der folgenden Jahre geben nur noch Daten und Hinweise auf künstlerische Kontakte Hélène de Katows. So meldete z. B. „Le Ménestrel“ im April 1874: „Mardi 14 avril, salle Philippe Herz, concert au profit de boursières d’Alsace-Lorraine, avec le concours de Mlles Morio, Holmberg, Mme Alfred Jaël, de Katow-Ségowitz, MM. Prunet, Telésinsky et Emile Bourgeois“ („Dienstag, 14. April, Salle Philippe Herz, Konzert zugunsten der Stipendiaten Elsass-Lothringen, unter Mitwirkung der Fräulein Morio, Holmberg, Mme Alfred Jaël, de Katow-Ségowitz, den Herren Prunet, Telésinsky und Emile Bourgeois.“; „Le Menestrel“ vom 12. April 1874, S. 150). Im Frühjahr 1875 gab Hélène de Katow einen Konzertzyklus mit mindestens drei Konzerten, von denen das erste am 6. März, das dritte am 19. März 1875 stattfand (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 28. Februar 1875, S. 71, vom 7. März 1875, S. 79 und vom 14. März 1875, S. 88).


    Über den weiteren Lebensweg Hélène de Katows ist derzeit nichts bekannt.

    Würdigung

    Die Violoncellistin Hélène de Katow war nach ihrem Studium bei Léon Jacquart in Paris und François Servais in Brüssel mehr als zwei Jahrzehnte lang im internationalen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin präsent. Ihre künstlerisch Tätigkeit und ihre Biografie sind dabei nicht nur im Hinblick auf die Professionalisierung von Violoncellistinnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessant, sondern auch für die Herausbildung von Damen-Ensembles, von denen sich gleich mehrere um Hélène de Katow gruppierten. Hierzu gehörten ein Streichquartett, dessen Mitglieder überwiegend aus deutschen Musikerinnen bestand (Namen unbekannt), und das 1856 im Salon des Colonel Jomard in Saint Germain auftrat, ein Klaviertrio, bestehend aus Mlle. Moritz-Reuchsel (Vorname konnte nicht ermittelt werden, vermutlich stammte sie aus der Leipziger Musikerfamilie Reuchsel), der Geigerin Julienne André und Hélène de Katow, das 1859/60 in Paris konzertierte, und ein Streichquartett aus den Jahren 1865/66, zu dem neben der Violoncellistin die Geigerinnen Catarina Lebouys und Jenny Clauss sowie die Bratscherin Fanny Clauss gehörten. Gleichzeitig trat Hélène de Katow als Kammermusikerin auch mit zahlreichen männlichen Kollegen auf, darunter die Geiger Vincent Sighicelli, Ernst Sivori, Gustav Küster, Richard Hammer und Emil Sauret, die Pianisten André-François Marmontel, Louis Diémer und Louis Brassin. Die von ihr veranstalteten öffentlich Konzerte in Paris und an anderen Orten waren, den Presserezensionen nach zu urteilen, überaus erfolgreich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten der Violoncellistin Hélène de Katow werden derzeit nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Quellen

    Literatur:


    Brown. T. Allston. A history of the New York stage from the first performance in 1732 to 1901. New York: Dodd, Mead and Co., 1903.


    Cropsey, Eugene H. Crosby’s Opera House. Symbol of Chicago’s Cultural Awakening. Massachusetts: Fairleigh Dickinson University Press, 1999.


    Fauquet, Joël-Marie. Les Sociétés de Musique de Chambre à Paris de la Restauration ‘à 1870. Paris: Aux Amateurs de Livres, 1986.


    Hovasse, Jean-Marc. Victor Hugo. Bd. 2: Pendant l’exile I 1851-1864, Paris: Fayard, 2008.


    Prins, Pierre. Pierre Prins et l’époque impressionniste: sa vie, son oeuvre (1838-1913). Paris: Floury, 1949.


    Upton, George Putnam. Musical Memories. My Recollections of Celebrities of the Half Century 1850-1900, Chicago: A. C. McClurg, 1908.



    Zeitschriftenartikel und Konzertkritiken:


    Dwight’s Journal of Music vom 18. März 1865, S. 415.

    Dwight’s Journal of Music vom 1. April 1865, S. 5.

    Dwight’s Journal of Music vom 15. April 1865, S. 8.


    Graham’s illustrated magazine vom November 1858, S. 447.


    La Comédie vom 20. März 1864, S. 2.

    La Comédie vom 12. Mai 1867, S. 2.

    La Comédie vom 29. März 1868, S. 7.


    La France Musicale vom 8. Mai 1859, S. 212.


    La Gazette de Champfleury vom 1. November 1856, S. 97f.


    Le Foyer vom 18. Januar 1866, S. 7.


    Le Foyer Canadien, Jg. 4 (1866), S. 134f.


    Le Guide musical vom 17. Februar 1859, S. 3.

    Le Guide musical vom 6./13. Juli 1865, o. S.

    Le Guide musical vom 4. Januar 1866, S. 6.


    Le Ménestrel vom 20. Februar 1859, S. 95.

    Le Ménestrel vom 24. April 1859, S. 167.

    Le Ménestrel vom 8. Mai 1859, S. 182

    Le Ménestrel vom 22. April 1860, S. 167.

    Le Ménestrel vom 12. April 1863, S. 150.

    Le Ménestrel vom 27. März 1864, S. 136.

    Le Ménestrel vom 10. April 1864, S. 151.

    Le Ménestrel vom 24. April 1864, S. 167.

    Le Ménestrel vom 13. Januar 1866, S. 47.

    Le Ménestrel vom 20. Januar 1866, S. 55.

    Le Ménestrel vom 17. Februar 1867, S. 95.

    Le Menestrel vom 11. Mai 1873, S. 191.

    Le Menestrel vom 12. April 1874, S. 150.


    Le petit journal vom 4. April 1863, S. 1.

    Le petit journal vom 10. Mai 1868, S. 3.


    Les Beaux-arts, Jg. 1 (1860), S. 412.


    Revue et Gazette musicale de Paris vom 6. Februar 1859, S. 47.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 24. April 1859, S. 138.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 8. Mai 1859, S. 155.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 8. April 1860, S. 126.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 30. September 1860, S. 347.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 21. Oktober 1860, S. 371.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 10. August 1862, S. 260.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 23. November 1862, S. 383.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 12. April 1863, S. 118f.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 3. Mai 1863, S. 141.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 20. September 1863, S. 302.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 13. März 1864, S. 84.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 10. April 1864, S. 116f.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 5. März 1865, S. 78.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 12. März 1865, S. 86.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 23. April 1865, S. 134.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 21. Januar 1866, S. 22.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 28. Februar 1875, S. 71.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 7. März 1875, S. 79.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 14. März 1875, S. 88.


    Signale für die musikalische Welt vom Januar 1866, S. 104.


    The Musical Times vom 1. März 1871, S. 10f.


    The New York Times vom 29. Januar 1865.

    The New York Times vom 4. April 1865.


    The Reader. A Review of literature, science, and art, Jg. 4, 1866, S. 48.



    Links:


    http://www.servais-vzw.org/index.php?en-cellist-belgian_cello_school (Stand: 16. Oktober 2010)

    Auf den Seiten der Servais-Society hat Peter François auch einen Hinweis auf Hélène de Katow als Schülerin des Violoncellisten François Servais veröffentlicht.


    http://www.picturehistoryprints.com/product/id/22898

    Die Seite PictureHistory stellt eine Fotografie Helene von Katows online zur Verfügung. Die Fotografie entstand anlässlich des USA-Debüts der Violoncellistin 1865 in den Frederick-Studios in New York.

    Forschung

    Im April/Mai 1861 gehörte Hélène de Katow in Brüssel auch zum Umfeld Victor Hugos. Zu dieser Zeit wohnte sie 42, rue de l’Hôpital in Brüssel (vgl. Hovasse 2008, S. 1126). In der Bibliothèque nationale de Paris befindet sich ein Brief von Hélène de Katow aus dem Jahr 1861.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Hélène de Katow umfasst ihre Biografie und ihre verschiedenen künstlerischen Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 17.03.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Hélène de Katow“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.3.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Hélène_de_Katow