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    von Claudia Maurer Zenck
    Namen:
    Gladys Nordenstrom
    Geburtsname: Gladys Mercedes Nordenstrom
    Ehename: Gladys Krenek
    Varianten: Gladys Nordenstrom Krenek
    Lebensdaten:
    geb. in Pokegama Township/Pine County (Minnesota), USA
    gest. in Palm Springs/CA, USA
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Lehrerin, Mäzenin, Nachlassverwalterin
    Charakterisierender Satz:

    Martin Bernheims Charakterisierung von Gladys Nordenstroms Elegy als „big, splashy, well-crafted essay in abstract theatricality“ (Los Angeles Times, 15.12.1985) lässt sich auf ihre Werke überhaupt anwenden, die sich durch Dramatik, Kontraste, Farbenreichtum und experimentellen Zugriff auszeichnen.


    Profil

    Gladys Nordenstrom verstand sich als Komponistin, konnte sich aber nie ausschließlich dem Komponieren widmen. Sie trug als Lehrerin jahrelang entscheidend zum Lebensunterhalt der Familie bei, begleitete und unterstützte ihren Mann in dessen Karriere, die mit vielen Reisen nach Europa verbunden war, und kümmerte sich seit seinem Tod Ende 1991 tatkräftig um sein Werk.

    Orte und Länder

    Gladys Nordenstrom arbeitete nach ihrem Studium vorzugsweise in den USA (Kalifornien), nahm aber in Begleitung ihres Mannes Ernst Krenek Anregungen bei zahlreichen europäischen Festivals Neuer Musik auf. Sie setzte sich mit europäischer Lyrik und Kunst auseinander, und ihre Kompositionen wurden auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz (ur)aufgeführt.

    Biografie

    Gladys Nordenstrom wurde in Pokegama Township/Pine County im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota geboren und wuchs als fünftes von sieben Kindern auf der Farm ihrer Familie auf. Ihre Großeltern waren im 19. Jahrhundert aus Schweden und Deutschland eingewandert. Der Großvater väterlicherseits hatte einen der von Henry Ford seit 1926 im ganzen Land veranstalteten „oldtime fiddling“-Wettbewerbe gewonnen, und sein Sohn spielte ebenfalls Geige. Gladys Nordenstrom wählte mit 10 oder 11 Jahren allerdings die Trompete als ihr Instrument und spielte bereits als 13-Jährige in einer Jazz- und Tanzkapelle in der kleinen Stadt Mora, wo sie auf die Highschool ging. Damit verdiente sie sich auch das Geld für Gesangsstunden. Ihre Lehrerin Ruth Leaf bestärkte sie in dem Wunsch, Sängerin zu werden, und das junge Mädchen gab daraufhin die Trompete auf. Während ihrer Schulzeit auf dem Land und in der Kleinstadt hatte sie keine Gelegenheit, sinfonische Werke oder gar Opern des klassischen und romantischen Repertoires zu hören. Sie meinte später, dadurch sei sie ohne Vorurteile gegenüber Neuer Musik gewesen (Oral History Interview vom 27.2.1976. In: Bailey 1980, S. 505). Das erwies sich für ihr späteres Studium als Vorteil.

    Nach dem Highschool-Abschluss ging Gladys Nordenstrom 1942 an die kleine, methodistische Hamline University in St. Paul, der Twin City von Minneapolis. Sie gab später mehrfach an, ihre Schulabschlussnoten seien völlig unzureichend gewesen, sie sei aber vermutlich dennoch aufgenommen worden, weil zu der Zeit der größte Teil der männlichen Studierenden nicht mehr an der Universität, sondern bereits im Krieg war. In den Sommerferien besuchte sie Kurse in Literatur und Philosophie an der University of Minnesota.

    Nach zwei Jahren beschloss Gladys Nordenstrom, das Hauptfach Gesang aufzugeben: "I didn't have a voice, never would have a voice. [...] So I gave up singing, took up smoking, stayed up all night, and started composing." („Ich hatte keine Stimme, würde auch nie eine haben. [..] So gab ich das Singen auf, begann zu rauchen, blieb die ganze Nacht über auf und fing an zu komponieren.“; Oral History Interview vom 27.2.1976. In: Bailey 1980, S. 504) Ausschlaggebend dafür dürfte der 1942 berufene Leiter des Music Departments gewesen sein, den ihre schlechten Noten nicht interessiert hatten; er war auch der Lehrer, der sie in ihrem zweiten Studienjahr in Harmonielehre unterrichtet hatte: der Komponist Ernst Krenek. Sein charismatischer Unterricht faszinierte nicht nur sie, sondern auch ihre KommilitonInnen, wie sie 1976 für eine Studie in Interviews zu Protokoll gaben (vgl. Bailey 1980). In den Twin Cities kamen die Studierenden ständig mit Neuer Musik in Berührung: Ernst Krenek und Dimitri Mitropoulos hatten eine Ortsgruppe der ISCM (International Society for Contemporary Music, IGNM, Internationale Gesellschaft für Neue Musik) gegründet und es gab dort und im Minneapolis Symphony Orchestra zahlreiche Aufführungen, in die gelegentlich auch die Studierenden (beispielsweise im Chor mit dem MSO) einbezogen wurden. Gladys Nordenstrom lernte dadurch eine große Anzahl von Kompositionen Neuer Musik kennen. Außerdem wurde beständig über die neuesten Werke und Kompositionstechniken diskutiert. Krenek lobte ihre ersten Kompositionsversuche (Lieder) 1944 in der Einführung zu einem Konzert seiner Studierenden als „more than remarkable“.

    Nachdem Nordenstrom 1946 ihren Bachelor of Arts gemacht hatte, studierte sie weiter Komposition bei Krenek (Master of Arts 1947 mit einem Klavierkonzert als Abschlussarbeit), verdiente sich Geld als seine Sekretärin und brachte ihm Badminton, Schwimmen, Rad- und Autofahren bei. 1947-1949 besuchte sie Kreneks Sommerkurse an der University of New Mexico in Albuquerque. 1948/49 absolvierte sie in Los Angeles noch eine pädagogische Ausbildung zur Volksschullehrerin.

    Nach der Scheidung von seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Berta Hermann, heirateten Ernst Krenek und Gladys Nordenstrom am 8. August 1950. Als ihr Ehemann am nächsten Tag zu seiner ersten Europareise nach Beginn seines Exils 1938 aufbrach, konnte seine junge Frau ihn nicht begleiten, da sie als Lehrerin an der Stonehurst Elementary School in Los Angeles arbeitete und mit diesem Brotberuf entscheidend zum Lebensunterhalt beitrug. Erst ein Jahr später, 1951, war Gladys Nordenstrom dann zum ersten Mal mit ihrem Mann in Europa, mit Aufenthalten in Deutschland, Belgien, der Schweiz und Österreich, 1954 besuchte sie auch die Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt, wo Ernst Krenek wieder, wie schon 1950, einen Kompositionskurs gab. 1955/1956 verbrachte das Ehepaar sogar ein knappes Jahr in Deutschland (Köln) und Österreich (Wien); es begann mit der Vorbereitung der Uraufführung von Kreneks neuer Oper „Pallas Athene weint“ im Oktober 1955 in der neueröffneten Hamburgischen Staatsoper und endete im Juli 1956 mit den Darmstädter Ferienkursen. Dort spielten Severino Gazzelloni und David Tudor die Europäische Erstaufführung von Gladys Nordenstroms Rondo für Föte und Klavier von 1948.

    Nach diesem Jahr entschied sich Krenek, doch nicht dauerhaft nach Europa zurückzukehren; Gladys Nordenstrom dagegen hätte gern dort gelebt. Das Ehepaar kaufte 1956 ein Haus in Tujunga (Greater Los Angeles), wo es bis zur Übersiedlung nach Palm Springs zehn Jahre lang lebte, unterbrochen nur von ausgedehnten Konzert- und Vortragsreisen nach und durch Europa. Den Einfluss, den die Verbindung mit ihrem Mann und die Reisen beruflich auf sie hatten, beschrieb sie später so: „I have been exposed to all of his new works, all of his music, especially the operas. [...] That of course influences my attitude tremendously. And I hear so much new music, especially when we travel, that I have a completely different perspective on tonal music, that I get a little impatient with some of it. It’s not that Beethoven isn’t great, it’s just that I want to hear the newer things. [...] There are dimensions in the music, if you can perceive it, that are of our period.“ („Ich bin all seinen neuen Werken, all seiner Musik, besonders den Opern ausgesetzt gewesen. [...] Natürlich beeinflusst das meine Haltung ungemein. Und ich höre so viel neue Musik, besonders auf unseren Reisen, dass ich eine ganz andere Sichtweise auf tonale Musik habe, dass mich einiges davon ein bisschen ungeduldig macht. Es geht nicht darum, dass Beethoven nicht groß wäre, es ist nur, dass ich die neueren Sachen hören möchte. [...] Es gibt Dimensionen in der Musik – wenn man sie wahrnehmen kann –, die unserer Zeit angehören.“; Oral History Interview 27.2.1976. In: Bailey 1980, S. 510)

    In den Jahren von 1949 bis zu ihrem Umzug nach Palm Springs im Jahre 1966, als Ernst Krenek endlich die finanzielle Unabhängigkeit erreicht hatte und Gladys Nordenstrom ihre Tätigkeit als Lehrerin aufgeben konnte, komponierte sie aus Zeitmangel nur ein einziges Werk: 1964 die „Antithesen“ für Chor und Orchester auf einen eigenen Text. Doch seit 1966 konnte sie sich wieder stärker ihrem eigenen Komponieren widmen, auch wenn sie weiterhin die Arbeit Kreneks kontinuierlich und intensiv unterstützte: So sorgte sie für den reibungslosen Ablauf des Alltags inclusive der Verpflichtungen, die der Status ihres Mannes mit sich brachte. Sie erarbeitete mit ihm zusammen englische Übersetzungen seiner Libretti zu „Jonny spielt auf“, „Leben des Orest“ und „Der Goldene Bock“ (unter dem Titel „Chrysomallos“) und realisierte nicht zuletzt die Tonbandaufnahmen und Zuspielbänder zu seinem Œuvre, die in seinem kleinen, 1967 eingerichteten elektronischen Studio in ihrem Haus in Palm Springs entstanden. Aber Nordenstrom nutzte 1970 und 1973 das elektronische Studio auch für zwei ihrer eigenen Kompositionen („Signals from Nowhere“ und das später zurückgezogene „Blocks and Beans“). Umgekehrt erfuhr sie die Unterstützung ihres Mannes: Er dirigierte einige ihrer Werke vor allem in Europa.

    Motivierend für ihr Schaffen waren auch die Aufträge, die sie gelegentlich erhielt: So wurde gleich das erste Orchesterwerk, die „El Greco Fantasy“ für Streichorchester, 1966 für die IGNM in Mannheim komponiert und dort bei einem Konzert, das den neuen Werken von vier Komponistinnen gewidmet war, vom Rheinischen Kammerorchester Köln unter der Leitung von Thomas Baldner uraufgeführt (Gerhard Koch. Kritik. FAZ. 11.10.1966: „das kühnste und fesselndste Werk des Abends“), und für das Musikkollegium Winterthur komponierte sie 1974/75 das „Work for Orchestra Nr. 3“. 1969 wurde Nordenstrom, wie auch Luigi Dallapiccola, Roberto Gerhard, Walter Piston und Roger Sessions, als „visiting composer“ zum Congregation-of-the-Arts Festival des Dartmouth College in Hanover/NH eingeladen, wo die von ihr als „dramatic statement” konzipierte „Elegy for Robert F. Kennedy“ uraufgeführt wurde. Gladys Nordenstrom verstand sich dezidiert als “composer”, nicht als “woman composer”.

    In den Jahren 1966–1981 entstanden zwei weitere Orchesterwerke und zehn Werke ganz unterschiedlicher Gattungen, vom Klavierlied bis zum Bläsersextett. Danach begann Gladys Nordenstrom mit der Komposition einer Kammeroper auf ein Libretto Ernst Kreneks, „The Neighbors“, für deren Uraufführung sich unter anderem die Opernschule der University of Indiana, Bloomington, interessierte. Sie konnte jedoch nicht mehr vollendet werden. Dafür gab es mehrere Gründe: Erstens trug Nordenstrom 1983–1988 auch dafür Sorge, dass der halbjährliche Wechsel zwischen dem Haus in Palm Springs und der von der Stadt Wien ihrem Ehrenbürger Krenek zur Verfügung gestellten Wohnung im sogenannten Schönberghaus in Mödling reibungslos vonstatten ging. Zweitens war ihr Mann seit 1989 gesundheitlich in einem labilen Zustand. Drittens reifte in ihr nach seinem Tod im Dezember 1991 langsam die Entscheidung, sich auf die Förderung und Verbreitung seines Werkes zu konzentrieren. Verhandlungen mit den Stadträten für Kultur der Stadt Wien über die Errichtung einer Stiftung kamen zu keinem akzeptablen Ergebnis. Angebote ausländischer Institutionen, Kreneks Nachlass zu übernehmen (Akademie der Künste, Berlin, Paul Sacher Stiftung, Basel, die University of California at San Diego, die schon zu Kreneks Lebzeiten Materialien als Leihgaben erhalten hatte) lehnte Gladys Nordenstrom ab, weil sie die Beziehung zu seinem Geburtsland für entscheidend hielt. 1996 gründete sie die Ernst Krenek Society und 1997 in Wien das Ernst Krenek Institut, das sie 2004 auf die Basis einer Privatstiftung (EKIP) stellte und dem 2008 noch das Krenek-Forum angegliedert wurde; beides ist in Krems angesiedelt und wird vom Land Niederösterreich mitgetragen.

    Nordenstrom stand der EKIP als Ehrenpräsidentin vor und gab bereits zu ihren Lebzeiten den größten Teil von Kreneks Nachlass dorthin. Sie stand in Kontakt mit Festivalleitern, finanzierte CD-Aufnahmen, kaufte die Rechte an einigen Werken Kreneks von amerikanischen Verlagen zurück und erwarb Manuskripte für das Archiv der EKIP. Zehn Jahre lang bis 2015 gehörte Gladys Nordenstrom auch dem Honorary Artistic Board des Virginia Waring International Piano Competition für Klavier an; bei dem Wettbewerb wird stets auch ein Ernst-Krenek-Preis vergeben.

    Bereits 2006 erhielt Gladys Nordenstrom das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Zu ihrem 90. Geburtstag am 23. Mai 2014 wurde sie mit einer Ausstellung über ihr Leben und Schaffen im Krenek-Forum in Krems gewürdigt und mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen des Bundeslandes Niederösterreich ausgezeichnet. Zu der mit großem Beifall im Oktober 2015 beim Festival „Ernst Krenek und die Schweiz“ erfolgten Aufführung von „Zeit XXIV“ für hohe Stimme und Klavier konnte sie, die üblicherweise mindestens einmal pro Jahr die große Entfernung zwischen Kalifornien und Mitteleuropa zurücklegte, wie zuletzt im Mai 2015, nicht mehr in Basel miterleben.


    Gladys Nordenstrom starb am 5. Juli 2016, kurz nach ihrem 92. Geburtstag, in ihrem Haus in Palm Springs, in das sie 50 Jahre zuvor mit Ernst Krenek gezogen war. Sie wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof im Ehrengrab Ernst Kreneks beigesetzt.

    Würdigung

    Den Kompositionen von Gladys Nordenstrom liegen strukturelle Verfahrensweisen zugrunde, die von der Dodekaphonie abgeleitet sind und harmonisch wie rhythmisch-metrisch zu großer Komplexität führen können. Beim Hören fällt sofort der dramatische Zugriff auf, der vorwiegend auf Kontrasten und einer breiten Klangfarben-Palette beruht. So charakterisierte Martin Bernheim 1985 ihre „Elegy“ treffend als einen „big, splashy, well-crafted essay in abstract theatricality“ („großangelegten, auffallenden, handwerklich gut gearbeiteten Versuch abstrakter Theatralität“; Los Angeles Times, 15.12.1985).

    Rezeption

    Außer Kritiken nach Aufführungen ihrer Werke und Lexikonartikeln gibt es noch keine Publikationen, die ihr als Komponistin gewidmet sind.

    Werkverzeichnis

    Studienwerke (ungedruckt)


    - Songs, ca. 1944: „I shall not care“ für Sopran und Klavier (Text: Sara Teasdale); „The Ocean at Rest“ für 3 hohe Stimmen und Klavier, Text: J. W. v. Goethe („Meeresstille“)

    - „Hoc Mare“, Motette (im Stil des 16. Jhdts), 1944

    - Fugue (atonal), 1944

    - Theme and Variations für Klavier, 1945?, UA.: WDR Köln Aug. 1954 (Ernst Krenek)

    - „No Leaf is Left“ für Sopran und Klavier, 1945 (Text: Elizabeth Coatsworth)

    - First Sonata für Klavier, ca. 1946

    - Klavierkonzert, 1947 (Abschlussarbeit)


    Werke


    A Vokalmusik


    Oper:

    - The Neighbors, Kammeroper, Text: Ernst Krenek, unvollendet


    Chormusik:

    - Antithesen für Chor und Orchester, Text: Gladys Nordenstrom, 1964, unaufgeführt


    - Parabola of Light für Frauenchor und Klavier, Text: Gladys Nordenstrom, 1979. Auftrag der University of California, Santa Barbara. UA.: Santa Barbara, University of California 1980 (The Dorians, Klavier: Carolyn Horn, Ltg: Michael Ingham)


    Gesang und Klavier:

    - This Life für Mezzo und Klavier, Text: R. M. Rilke („Alles Leben wird gelebt“), 1949

    - Zeit XXIV für hohe Stimme und Klavier, Text: Renata Pandula. 1976, UA.: Los Angeles/CA, Monday Evening Concerts 19.1.1978 (Neva Pilgrim, Ernst Krenek). Weitere Aufführungen: Baton Rouge/LA, Louisiana State University Febr. 1978; Santa Barbara/CA, University of California 1986; San Francisco 1987, Wien 1988?; DLF Köln 1995, Halle 1997, Basel 2015 (auch gesendet im Bayerischen Rundfunk).


    B Instrumentalmusik (z.T. verlegt bei Bärenreiter)


    Orchestermusik:

    - El Greco, Fantasy für Streichorchester, 1966. Auftrag der IGNM Mannheim, UA.: Mannheim, Rheinisches Kammerorchester Köln 7.10.1966 (Ltg.: Thomas Baldner). Weitere Aufführungen: 23.3.1973 Collegium musicum Zürich (Ltg.: Ernst Krenek); Leihmaterial BA 6002-72

    - Elegy „Swift is Death to Strike a Man“. In Memoriam R. F. Kennedy für Orchester, 1968, UA.: Hanover/NH, Dartmouth College, Aug. 1969 (Ltg.: Mario de Bonaventura). Weitere Aufführungen: San Diego/CA, La Jolla Civic Orchestra 1971 (Ltg.: Tom Nee); Los Angeles/CA, Philharmonic Orchestra, 26.5.1972 (Ltg.: Gerhard Sammuel); Collegium Musicum Zürich, 23.3.1973 (Ltg.: Ernst Krenek); Stuttgart, Rundfunkaufnahme, Orchester des SDR Sept. 1971 (Ltg.: Ernst Krenek?).

    - Work for Orchestra III, 1974/75, UA.: Musikkollegium Winterthur 17.9.1975 (Ltg.: Ernst Krenek); Leihmaterial BA 6709-72


    Kammermusik

    - Rondo für Flöte und Klavier, 1948, UA.: Los Angeles/CA, City College 1949 (Joan Ennis, Leonard Stein). Zahlreiche weitere Aufführungen 1956–2000, darunter: Darmstädter Ferienkurse 20.7.1956 (Severino Gazzelloni, David Tudor), St. Paul/MN 9.11.1975; Druck: BA 3336

    - Palm Springs Sextett (später: Sextett) für Flöte/ Piccolo, Oboe, B-Klarinette, Bass-Klarinette, Fagott, Horn, 1969. Auftrag des Bamberger Bläserquintetts. UA.: Bamberger Bläserquintett u.a. 28.10.1970 (Ltg.: Ernst Krenek)

    - Bläserquintett für Flöte/ Piccolo, Oboe, B-Klarinette, Fagott, Horn, 1976 (Bearbeitung des Sextetts). UA.: München vermutlich 1977. Weitere Aufführungen: Essex/MD, Contemporary Arts Festival 1977; Druck (Partitur und Stimmen): BA 6055

    - Trio für Violine, Klarinette und Klavier, 1978. Auftrag der California Association of Professional Music Teachers. UA.: Palm Springs/CA, College of the Desert 1978 (Daniel Strang, Al Rice, Charlotte Zelka)

    - Signals from Nowhere (Signale aus dem Nichts) für Orgel und Tonband, 1973. UA.: Claremont/CA, Claremont College 1975 (Marylin Mason). Weitere Aufführungen: Wien 3.7.1981 (Martin Haselböck)

    - Blocks and Beans für Tonband (zurückgezogen)

    mehr zu Werkverzeichnis weniger zu Werkverzeichnis

    Aufführungen ihrer Orchesterwerke fanden sowohl in den USA als auch in Europa statt (s.o.).

    Eine Schallplattenaufnahme von „Zeit XXIV“ wurde 1978 bei Orion Master Recordings gemacht (ORS 79348). Weitere CD- und Tonband-Aufnahmen sowie Mitschnitte sind in der EKIP archiviert.

    Quellen

    Quellen und Literatur (chronologisch)


    Krenek, Ernst. Introductory Remarks at the Concert of compositions by students of Mr. Krenek’s classes in composition. Hamline University, St. Paul/MN. 9.3.1944 (Ms EKIP).


    Koch, Gerhard. Kritik (UA der El Greco Fantasy). In: FAZ. 11.10.1966.


    Neville, Harry. „Cellist Palm featured 2 new works“ (mit Kritik der UA der Elegy). In: Boston Globe. 12.8.1969. S. 15.


    Stinson, Craig. Kritik (UA der Elegy). In: The Boston Herald Traveler. 22.8.1969.


    Kritik (UA von „Werk Nr. 3“). In: NZZ. 25.9.1975.


    [Nordenstrom] Krenek, Gladys. „Oral History Interview“ 27.2.1976. In: Olive Jean Bailey.The Influence of Ernst Krenek on the Musical Culture of the Twin Cities. 2 Vols. PhD Univ. of Minnesota 1980. Vol. 2. S. 503-511.


    Rich, Alan. „Why Jonny can’t swing“. In: New York Magazine. Vol. 9. Nr. 22. 31.5.1976. S. 72.


    Artikel „Nordenstrom, Gladys (Mrs. Ernst Krenek)“. In: Contemporary American Composers. A Biographical Dictionary, compiled by E. Ruth Anderson. Boston 1976. S. 325.


    Szmolyan, Walter. „Die Komponistin Gladys Nordenstrom-Krenek“. In: Österreichische Musikzeitschrift. Vol. 35. Nr. 9. Sept. 1980. S. 445.


    Bernheim, Martin. Bericht über das Krenek-Festival in San Diego 1985 (Kritik der Elegy). In: Los Angeles Times. 15.12.1985.


    Nordenstrom, Gladys: Lebenslauf. April 2006 (ungedruckt).


    Zoidl, Clemens. Gladys Krenek zum 90. Geburtstag. Ausstellung im Krenek-Forum Krems. 23.5.2014.


    Nordenstrom, Gladys. Werk- und Aufführungsverzeichnis (ungedruckt). Anfang 2014.


    Konrad, Ulrich. „Komponistenwitwen. Im Allgemeinen, und im Besonderen: Constanze Mozart“. In: Tonkunst Bd. 8/4. Okt. 2014. S. 474-486.


    Nordenstrom, Gladys. Grußwort. In: Schönheit und Verfall. Beziehungen zwischen Thomas Mann und Ernst Krenek (Thomas-Mann-Studien 27), hg. v. Matthias Henke. Frankfurt a. M. 2015.



    Interviews und Artikel im Internet


    http://www.capriccio.at/edition-ernst-krenek (zuletzt abgerufen am 26.09.2016)

    http://oe1.orf.at/artikel/214919 (zuletzt abgerufen am 26.09.2016)

    https://en.wikipedia.org/wiki/Gladys_Nordenstrom (zuletzt abgerufen am 26.09.2016)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gladys_Nordenstrom-Krenek (zuletzt abgerufen am 26.09.2016)

    Forschung

    Außer einigen Lexikonartikeln und Aufführungskritiken und den Texten zur Ausstellung in Krems 2014 gibt es noch keine Veröffentlichungen über die Komponistin Gladys Nordenstrom.


    Die Autographe und Drucke befinden sich im Nachlass der Komponistin im Archiv der Ernst Krenek Institut Privatstiftung in Krems.

    Forschungsbedarf

    Zuerst ist es in Anbetracht ihres ganz eigenständigen kompositorischen Zugriffs sinnvoll und notwendig, Gladys Nordenstroms relativ überschaubares Œuvre zu studieren und in den Kontext US-amerikanischer Komponist_innen ihrer Generation zu stellen.

    Zweitens gilt es aber auch herauszuarbeiten, welche Anregungen von europäischen Komponisten, deren Werke sie auf ihren zahlreichen Reisen kennenlernte, sie womöglich aufnahm und für ihre Kompositionen fruchtbar machte.

    Drittens legt ihr mehr als 40 Jahre währendes Zusammenleben mit Ernst Krenek die – bisher in der Musikgeschichte bei Clara und Robert Schumann oder bei den Geschwistern Mendelssohn Bartholdy virulente – Frage nahe, ob (und wenn ja, wie) sich beide kompositorisch miteinander auseinandersetzten und womöglich beeinflussten. Das liegt gerade (und anders als bei den genannten berühmten Paaren aus dem 19. Jahrhundert) bei der ursprünglichen Lehrer-Schülerin-Beziehung nahe; andererseits kann gerade diese auch von vornherein zu Vermeidungsstrategien geführt haben. (Solch eine nicht nur ästhetische Untersuchung ließe sich auf andere, jüngere Komponisten-Paare ausweiten bzw. zum Vergleich heranziehen: z.B. die eine Generation jüngeren Younghi Pagh-Paan und Klaus Huber – ebenfalls von einer Lehrer-Schülerin-Beziehung ausgehend – sowie die eine weitere Generationen jüngeren Carola Bauckholt und Caspar Johannes Walter oder auch Kunsu Shim und Gerhard Stäbler.) Besonders aufschlussreich dafür ist der Vergleich ihrer beider Vertonungen jeweils eines Pandula-Gedichts, die beim Hören diametral entgegengesetzt scheinen und überdies die Zugehörigkeit zu zwei unterschiedlichen Generationen sinnfällig machen.

    Viertens ist Gladys Nordenstroms lange „treuhänderische“ Arbeit für Ernst Kreneks Œuvre und ihr damit verbundenes mäzenatisches Wirken eine Studie wert – gerade auch im Vergleich mit anderen Komponistenwitwen und den „drei Forderungen, über die sie sich implizit oder explizit definieren“ (Anerkennung als „Letztinstanz für verbindliche Aussagen zur Biographie und Persönlichkeit des Komponisten“, „als Hüterin des künstlerischen Nachlasses“ und in ihren „Ansprüchen bei der Pflege des Werkes“) –, deren Wirken vor einigen Jahren zum Thema eines Kongresses gemacht wurde (vgl. die Beiträge in: Tonkunst 8/4. Okt. 2014; Zitat Konrad, Ulrich. „Komponistenwitwen. Im Allgemeinen, und im Besonderen: Constanze Mozart“. Ebd. S. 474-486, hier S. 476).

    Normdaten

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    Library of Congress (LCCN): n79130039
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Claudia Maurer Zenck


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 03.10.2016
    Zuletzt bearbeitet am 05.07.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Claudia Maurer Zenck, Artikel „Gladys Nordenstrom“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.7.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Gladys_Nordenstrom