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  • Gertrude Ess

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Gertrude Ess
    Lebensdaten:
    geb. um in Newcastle-upon-Tyne, England
    gest. um in , England
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Miss Gertrude Ess, a young violoncellist, aged nineteen, from Newcastle-on-Tyne, made a most successful début at Steinway Hall on the 18th ult. Miss Ess is a pupil of Signor Pezze, and her playing in two movements, ‚Adagio’ and ‚Allegro moderato’ from a ‚Concerto Patetico’ by Charles Schubert [...] and in Tschaikovsky’s ‚Variations on a Theme Rococo’ showed exceptional abilities that entitle her to an esteemed position in the musical world, and should carry her to the summit of her profession.“


    „Miss Gertrude Ess, eine junge, 19jährige Violoncellistin aus Newcastle-on-Tyne, gab am 18. des vergangenen Monats ein äußerst erfolgreiches Debüt in der Steinway Hall. Miss Ess ist eine Schülerin von Signor Pezze, und ihr Spiel von zwei Sätzen, ‚Adagio’ und ‚Allegro moderato’ aus einem ‚Concerto Patetico’ von Charles Schubert [...] und in Tschaikowskys ‚Rokoko-Variationen’ offenbarten außergewöhnliche Fähigkeiten, die sie in eine beachtenswerte Position bringen und sie an die Spitze ihres Berufes tragen werden.“


    („The Musical Times“ vom 1. April 1903, S. 256)


    Profil

    Die Violoncellistin Gertrude Ess wurde in den 1900er Jahren von Alessandro Pezze an der Royal Academy of Music ausgebildet. Nach ihrem Studium konnte sie sich im Londoner Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren. Zu ihrem Repertoire gehörten u. a. Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Peter I. Tschaikowsky, Charles Schuberth, Robert Schumann, Frédéric Chopin und César Franck sowie Werke zeitgenössischer britischer Komponisten wie Norman O’Neill, Algernon Ashton und Susan Spain-Dunck. Als Kammermusikerin spielte Gertrude Ess u. a. im Damenstreichquartett der Joseph Joachim-Schülerin Nora Clench, gründete 1908 gemeinsam mit der Pianistin Louise Aumonier und der Geigerin Dorothea Walenn das „Albion-Trio“ und trat, ebenfalls 1908, in den bekannten „Twelve o’clock“ Concerts der Pianistin Mathilde Verne auf, wo sie gemeinsam mit der Konzertgeberin und der Geigerin Marjorie Hayward Werke von Robert Schumann aufführte. Gertrude Ess starb mit 27 Jahren in England.

    Orte und Länder

    Gertrude Ess wurde in Newcastle-upon-Tyne im Nordosten Englands geboren. Sie studierte Anfang der 1900er Jahre an der Royal Academy in London und trat anschließend vorwiegend im Londoner Musikleben auf.

    Biografie

    Gertrude Ess wurde ca. 1883/84 in Newcastle-on-Tyne geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Anfang der 1900er Jahre studierte sie das Fach Violoncello bei Alessandro Pezze an der Royal Academy of Music in London, wo u. a. die Violoncellistin Ethel Beningfield zu ihren Kommilitoninnen zählten.


    Am 18. März 1903, noch als Studentin, debütierte Gertrude Ess in der Londoner Steinway Hall. Dabei spielte sie zwei Sätze aus dem „Concerto Patetico“ op. 26 von Charles Schubert und Peter I. Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ op. 33, beide für Violoncello und Orchester. „The Musical Times“ schrieb über die Violoncellistin und ihr Debüt: „Miss Gertrude Ess, a young violoncellist, aged nineteen, from Newcastle-on-Tyne, made a most successful début at Steinway Hall on the 18th ult. Miss Ess is a pupil of Signor Pezze, and her playing in two movements, ‚Adagio’ and ‚Allegro moderato’ from a ‚Concerto Patetico’ by Charles Schubert, not previously heard in London, and in Tschaikovsky’s ‚Variations on a Theme Rococo’ showed exceptional abilities that entitle her to an esteemed position in the musical world, and should carry her to the summit of her profession.“ („Miss Gertrude Ess, eine junge, 19jährige Violoncellistin aus Newcastle-on-Tyne, gab am 18. vergangenen Monats ein äußerst erfolgreiches Debüt in der Steinway-Hall. Miss Ess ist eine Schülerin von Signor Pezze, und ihr Spiel von zwei Sätzen, ‚Adagio’ und ‚Allegro moderato’ aus einem ‚Concerto Patetico’ von Charles Schubert, das bislang in London nicht aufgeführt worden war, und in Tschaikowskys ‚Rokoko-Variationen’ offenbarten außergewöhnliche Fähigkeiten, die sie in eine beachtenswerte Position bringen und sie an die Spitze ihres Berufes tragen werden.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1903, S. 256)


    In den folgenden Jahren konnte sich Gertrude Ess im englischen Musikleben als Violoncellistin etablieren. Sowohl im Laien- als auch im professionellen Bereich wirkte sie bei zahlreichen Konzerten mit und beteiligte sich an mehreren Kammermusikensembles. So trat sie z. B. im Mai 1903 bei einem Konzert der „Gloucester Choral Society“ in Gloucester auf und spielte im Mai 1905 bei einem Konzert der Sängerin Evelyn Downes gemeinsam mit dem Pianisten Frederick Peachey die „Polonaise brillante“ C-Dur op. 3 für Violoncello und Klavier von Frédéric Chopin „with much effect“ (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1903, S. 409; „The Times“ vom 15. Mai 1905, S. 14). Im März 1906 beteiligte sich Gertrude Ess an einem Konzert der Sängerin Alice Lakin in Birmingham und wurde vom dortigen Korrespondenten der „Musical Times“ wohlwollend aufgenommen: „Miss Alice Lakin gave a recital of English songs at the Masonic Hall on march 8 [...]. She introduced a young lady violoncellist, Miss Gertrude Ess, who made a good impression.“ („Miss Alice Lakin gab am 8. März einen Konzertabend mit englischen Liedern in der Masonic Hall [...]. Sie stellte eine junge Violoncellistin, Miss Gertrude Ess, vor, die einen guten Eindruck hinterließ.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1906, S. 263)


    Ab 1905 trat Gertrude Ess mit mehreren Kammermusikensembles auf. So übernahm sie z. B. Ende des Jahres 1905 bei einem Konzert in Oxford den Violoncellopart im Damenstreichquartett der Geigerin und Joseph Joachim-Schülerin Nora Clench, zu dem auch die Geigerin Lucy Stone (Violine 2) und die Bratscherin Cecilia Gates gehörten. Auf dem Programm standen Joseph Haydns Streichquartett D-Dur op. 64 Nr. 5 und Antonín Dvořáks Klavierquintett A-Dur op. 5 mit Dr. Walker als Pianisten („The Oxford Magazine“ Bd. 23 [1905], S. 325). Auch in gemischten Ensembles trat sie regelmäßig auf. 1906 gründete der Geiger William Henley ein Streichquartett, in dem Gertrude Ess den Violoncellopart an der Seite von Gertrude Crompton (Violine 2) und James Lockyer (Viola) übernahm. Das Ensemble gab im Juni 1906 drei Konzerte in der Londoner Steinway Hall, und die „Musical Times“ rezensierte: „Some time ago the exceptional talent of Mr. William Henley as a violinist was comented upon in these columns, and his formation of a string quartet party is to be hailed with satisfaction. His associates are Miss Gertrude Crompton (second violin), Mr. James Lockyer (viola), and Miss Gertrude Ess (violoncello), whose concerted playing testified to individual ability and careful rehearsal. [...] the three concerts given at Steinway Hall on June 8, 15, and 22 may be said to have established the party in the esteem of musicians.“ („Vor einiger Zeit wurde das außergewöhnliche Talent von Mr. William Henley als Geiger in diesen Spalten hervorgehoben, und seine Gründung eines Streichquartett ist zu begrüßen. Seine Mitspieler sind Miss Gertrude Crompton (Violine 2), Mr. James Lockyer (Viola) und Miss Gertrude Ess (Violoncello), deren Zusammenspiel individuelle Fähigkeiten und sorgfältiges Proben unter Beweis stellen. [...] von den drei Konzerten, die am 8., 15. und 22. Juni in der Steinway Hall stattfanden, kann man sagen, dass sich das Ensemble die Achtung unter Musikern verdient hat.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1906, S. 489) Beim ersten Konzert der Serie standen Streichquartette von Johan Svendsen (a-Moll op. 1), Peter I. Tschaikowsky (F-Dur op. 22) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Es-Dur op. 12) auf dem Programm (vgl. „The Times“ vom 9. Juni 1906, S. 10). Am 26. Oktober 1907 beteiligte sich Gertrude Ess an einem Konzert des Komponisten, Organisten und Pianisten Edward Henry Thorne in der Londoner Queen’s Hall. Auf dem Programm standen u. a. die Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 115 des zeitgenössischen Komponisten Algernon Ashton, Ludwig van Beethovens Sonate g-Moll für Violoncello und Klavier op. 5 und Frédéric Chopins „Polonaise brillante“ C-Dur op. 3. Alle drei Werke spielte Getrude Ess gemeinsam mit dem Konzertgeber (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1907, S. 810). Ein Jahr später, im Herbst 1908, trat Gertrude Ess ein weiteres Mal im Jahreskonzert von Edward Henry Thorne auf und wirkte dabei gemeinsam mit dem Konzertgeber und dem Geiger Hubert Hunt in zwei Klaviertrios von Thorne (c-Moll) und Algernon Ashton (e-Moll) mit (vgl. „The Times“ vom 2. November 1908, S. 12).


    Im Jahr 1908 gehörte Gertrude Ess neben der Pianistin Louise Aumonier und der Geigerin Dorothea Walenn zu den Gründungsmitgliedern eines Damen-Klaviertrios, das sich unter dem Namen „Albion-Trio“ vor allem zeitgenössischen britischen Komponisten zuwandte. Eines der ersten Konzerte im November 1908 in London enthielt zwei Uraufführungen, das Klaviertrio in einem Satz von Norman O’Neill und das „Phantasy Trio“ von Susan Spain-Dunck (möglicherweise eine Vorfassung ihres späteren „Phantasy String Quartet“), sowie die Aufführung eines der Klaviertrios von César Franck. „The Times“ notierte: „The ‚Albion Trio’ are to be warmly commended for their enterprise; to include two ‚first performances’ in a single programme is indeed courageous, though it might have been wiser to supplement them with something of more equal merit than César Franck’s Trio [...]. Of the new works Mr. Norman O’Neill’s Trio in one movement was decidedly interesting [...]. The Phantasy Trio by Susan Spain-Dunck was more straightforward, and showed a decided feeling for rythm [...]. Both works were well and sympathetically played, and the three ladies [...] deserve praise for the warmth and sincerity of their performances.“ („Den Mitgliedern des Albion-Trios kann man zu ihrem Unterfangen nur wärmstens gratulieren. Zwei Uraufführungen in ein einziges Programm einzubeziehen, ist in der Tat mutig, auch wenn es klüger gewesen wäre, sie mit etwas verdienstvollerem als César Francks Trio zu ergänzen. Von den neuen Werken war Mr. Norman O’Neills Trio in einem Satz entschieden von Interesse [...]. Das Phantasy Trio von Susan Spain-Dunck war besser durchdacht, und zeigte ein deutliches Gefühl für Rhythmus [...] Beide Werke wurden gut und gefühlvoll gespielt, und die drei Damen [...] verdienen Lob für die Wärme und Ernsthaftigkeit ihrer Interpretationen.“; „The Times“ vom 7. November 1908, S. 13)


    Ebenfalls Ende des Jahres 1908 trat Gertrude Ess erstmals als Pianistin in den bekannten „Twelve o’Clock“ Concerts auf, die die Pianistin und Clara Schumann-Schülerin Mathilde Verne in der Londoner Æolian Hall veranstaltete. Im Dezember 1908 spielte Gertrude Ess dort gemeinsam mit der Konzertgeberin und der Geigerin Marjorie Hayward Werke von Robert Schumann, darunter die „Fantasiestücke“ a-Moll op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello sowie zwei der „Fünf Stücke im Volkston“ a-Moll op. 102 für Violoncello und Klavier (vgl. „The Times“ vom 18. Dezember 1908, S. 13).


    Gertrude Ess starb 1910 im Alter von 27 Jahren, vermutlich in England (vgl. Forino 1930, S. 428).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Gertrude Ess kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Ashton, Algernon. Klaviertrio e-Moll

    Ashton, Algernon. Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 115


    Beethoven, Ludwig van. Sonate g-Moll für Violoncello und Klavier op.


    Chopin, Frédéric. Polonaise brillante C-Dur für Violoncello und Klavier op. 3


    Dvořák, Antonín. Klavierquintett A-Dur op. 5


    Franck, César. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)


    Haydn, Joseph. Streichquartett D-Dur op. 64 Nr. 5


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquartett Es-Dur op. 12


    O’Neill, Norman. Klaviertrio in einem Satz


    Schubert, Charles. Concerto Patetico für Violoncello und Orchester op. 26


    Schumann, Robert. Fantasiestücke a-Moll op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello


    Schumann, Robert. Fünf Stücke im Volkston a-Moll op. 102 für Violoncello und Klavier


    Spain-Dunck, Susan. Phantasy Trio


    Svendsen, Johan. Streichquartett a-Moll op. 1


    Thorne, Edward Henry. Klaviertrio c-Moll


    Tschaikowsky, Peter I. Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester op. 33.

    Tschaikowsky, Peter I. Streichquartett F-Dur op. 22

    Quellen

    Literatur


    Boettcher, Wolfgang/Pape, Winfried: Das Violoncello: Geschichte, Bau, Technik, Repertoire. Mainz: Schott, 1996.


    Campbell, Margaret. The great cellists. London: Gollancz, 1988.


    Forino, Luigi. Il violoncello. Il violoncellista ed i violoncellisti. Milano: Ulrico Hoepli, 1930.


    Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914, Bd. 2, S. 549.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. April 1903, S. 256.

    The Musical Times vom 1. Juni 1903, S. 409.

    The Musical Times vom 1. April 1906, S. 263.

    The Musical Times vom 1. Juli 1906, S. 489.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1907, S. 810.


    The Oxford Magazine Bd. 23 [1905], S. 325.


    The Times vom 15. Mai 1905, S. 14.

    The Times vom 9. Juni 1906, S. 10.

    The Times vom 2. November 1908, S. 12.

    The Times vom 7. November 1908, S. 13.

    The Times vom 18. Dezember 1908, S. 13.

    Forschung

    Zu Gertrude Ess liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Getrude Ess umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 23.08.2013


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Gertrude Ess“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.8.2013.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Gertrude_Ess