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  • Gabrielle Vaillant

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Gabrielle Vaillant
    Lebensdaten:
    geb. um
    gest. in London,

    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Lady violinists are becoming very numerous, but there are few among those who appear on the Concert platform who possess stronger artistic qualifications than Miss Vaillant. Her technical abilities were well tested in her solos, which included one of Veracini’s Sonatas and a difficult Study by Ferdinand Hiller, and her command of taste and expression in Macfarren’s Quintet in G minor for piano and strings.“


    „Weibliche Violinisten werden immer mehr, doch nur wenige derjenigen, die auf der Konzertbühne erscheinen, besitzen stärkere künstlerische Fähigkeiten als Fräulein Vaillant. Ihr technisches Vermögen wurde in ihren Soli, darunter eine Sonate von Veracini und eine anspruchsvolle Etüde von Ferdinand Hiller, ebenso unter Beweis gestellt wie ihre Sicherheit in Geschmack und Ausdruck in Macfarrens Klavierquintett in g-Moll.“


    („The Musical Times“ vom 1. August 1887, S. 483).


    Profil

    Die Geigerin Gabrielle Vaillant konnte sich bereits während ihres Studiums an der Royal Academy of Music sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin im englischen Musikleben etablieren. Sie beteiligte sich häufig an Konzerten anderer Musikerinnen und Musiker und veranstaltete zudem eigene Konzerte, u. a. gemeinsam mit der Sängerin Adele Vernon. Dabei konzentrierte sie sich im Wesentlichen auf das klassisch-romantische Repertoire mit Werken von Ludwig van Beethoven, Charles de Bériot, Ferdinand Hiller und Antonín Dvořák. Von 1888 bis mindestens 1890 unterrichtete sie zudem als Violinpädagogin an der Church of England High School for Girls in London, die auf das Fach Musik spezialisiert war. Ab 1894 zog sich Gabrielle Vaillant aus dem öffentlichen Musikleben zurück, vermutlich aus gesundheitlichen Gründen; 1898 bot sie ihre Stradivari-Geige zum Verkauf.

    Orte und Länder

    Gabrielle Vaillant wurde in Frankreich geboren. Sie kam als Jugendliche nach London, wo sie an der Royal Academy of Music studierte. Anschließend ließ sie sich in Kew, im Großraum London nieder und konzertierte in London sowie in mehreren englischen Städten.

    Biografie

    Gabrielle Vaillant wurde in Frankreich geboren und kam als Jugendliche nach England. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Von 1873 bis 1876 studierte sie an der Royal Academy of Music das Fach Violine bei Prosper Sainton und wurde wenige Jahre nach ihrem Studienabschluss, 1879, zur Associate of the Royal Academy of Music (A.R.A.M.) ernannt.


    Bereits während ihrer Studienzeit trat Gabrielle Vaillant regelmäßig als Solistin in den großen Orchesterkonzerten der Royal Academy of Music unter der Leitung von Walter Macfarren auf. In diesem Rahmen spielte sie im Juli 1874 in den Londoner Hanover Square Rooms als Prüfungskonzert das Violinkonzert A-Dur ihres Lehrers Prosper Sainton, und die „Musical Times“ berichtete: „The rendering of Sainton’s Violin Concerto in A, by Madlle. Gabrielle Vaillant elicited, as it deserved, a storm of applause [...].“ („Die Wiedergabe von Saintons Violinkonzert in A-Dur durch Fräulein Gabrielle Vaillant löste verdientermaßen einen stürmischen Applaus aus […].“; „The Musical Times“ vom 1. August 1874, S. 577) Bei dieser Gelegenheit erhielt sie die Bronzemedaille der jährlichen Abschlussprüfungen im Fach Violine (vgl. ebd., S. 578). Am 19. Dezember 1874 trat sie, wiederum in den Hanover Square Rooms, mit Ludwig van Beethovens Violinromanze Nr. 2 F-Dur op. 50 auf („The Musical Times“ vom 1. Januar 1875, S. 744) und spielte in demselben Rahmen im Juli 1875, diesmal in der St. James’s Hall, das Adagio aus Louis Spohrs Violinkonzert Es-Dur op. 17. Dabei erhielt sie als einzige Studentin der Violinabteilung die Auszeichnung, als Solistin mit dem Orchester auftreten zu dürfen, wie die „Musical Times“ notierte, die zudem ihr Spiel überaus positiv rezensierte: „[...] although the violin was entirely represented by one pupil, and that a lady (Mdlle. Gabrielle Vaillant), her performance was marked by such excellent intonation, such facile execution, and so much depth of expression, as to call forth the warmest marks of approbation.“ („[…] obwohl die Violine gänzlich von einem Schüler, und zwar einer Dame [Fräulein Gabrielle Vaillant], vertreten war, war ihr Spiel durch solch eine exzellente Intonation gekennzeichnet, solch mühelose Ausführung und so viel Ausdruckstiefe, um den wärmsten Ausdruck der Anerkennung hervorzurufen.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1875, S. 170) Bei einem weiteren Orchesterkonzert der Royal Academy of Music am 18. März 1876 in der St. James’s Hall konzertierte Gabrielle Vaillant mit Ludwig van Beethovens Violinromanze Nr. 1 G-Dur op. 40, und die „Musical Times“ schrieb über ihre Interpretation: „Miss Gabrielle Vaillant’s rendering of Beethoven’s Romance in G, for violin, was remarkable, not only for purity of tone, but for an intelligent perception of the composer’s intention scarcely to be expected from a student.“ („Fräulein Gabrielle Vaillaints Wiedergabe von Beethovens Violinromanze in G-Dur war nicht nur wegen der Reinheit der Töne bemerkenswert, sondern auch wegen einer intelligenten Auffassung der Intention des Komponisten, wie sie kaum von einem Studierenden zu erwarten ist.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1876, S. 428) Zum Abschluss ihres Studiums erhielt Gabrielle Vaillant als einzige im Fach Violine das „Certificate of Merit“, eine der höchsten Auszeichnungen, die in den Prüfungskonzerten vergeben wurde (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1876, S. 557).


    Parallel zu ihren Auftritten in den Studierendenkonzerten der Royal Academy of Music konnte sich Gabrielle Vaillant als Solistin wie als Kammermusikerin im britischen Musikleben etablieren. Sie beteiligte sich regelmäßig an Konzerten anderer Musikerinnen und Musiker in London sowie in weiteren Städten Englands und veranstaltete zudem eigene Konzerte. So trat sie z. B. im November 1874 bei einem Konzert im mittelenglischen Rugby in der Grafschaft Warwickshire auf, das die Pianistin und Komponistin Emily M. Lawrence dort veranstaltete, und spielte dabei Beethovens Violinromanze Nr. 2 F-Dur op. 50 sowie – gemeinsam mit Emily M. Lawrence – ein Duett über Motive aus Gioachino Rossinis Oper „Guillaume Tell“ (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1874, S. 723). Im Dezember 1874 beteiligte sie sich in Maidstone in der Grafschaft Kent an einem Konzert, das ein Mr. Henniker dort veranstaltete. Sie spielte eine „Fantasia de Concert“, möglicherweise ihrer eigenen Komposition, und die „Musical Times“ notierte: „The great success of the evening was the violin solo, ‚Fantasia de Concert,’ by Mdlle. Vaillant, which was [...] encored.“ („Der große Erfolg des Abends war das Violinensolo, ‚Fantasia de Concert’, von Fräulein Vaillant, das [...] wiederholt wurde.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1875, S. 755) Im April 1875 wirkte sie an einem Konzert der Choral Society in Uxbridge mit, wo sie Andante und Rondo aus Charles de Bériots Violinkonzert Nr. 2 op. 32 sowie Ludwig van Beethovens Violinsonate G-Dur op. 30 Nr. 3 spielte: „The great attraction, however, was the fine performance by Madlle. Gabrielle Vaillant, of the andante and rondo from De Bériot’s Second Concerto for violin, and [...] of Beethoven’s Sonata in G, Op. 30, No. 3, for violin and pianoforte.“ („Die große Attraktion war jedenfalls die ausgezeichnete Vorstellung von Fräulein Gabrielle Vaillant von dem Andante und dem Rondo aus De Bériots zweitem Violinkonzert und […] Beethovens Violinsonate in G-Dur op. 30 Nr. 3.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1875, S. 90) Gabrielle Vaillant beteiligte sich im Februar 1878 an einem Konzert, das die Pianistin Cecile S. Hartog in den Londoner Willis’ Rooms veranstaltete; sie trat im März 1878 bei einem Konzert von Mr. T. Loder Childerstone in der Ladbroke Hall in Notting Hill auf, und wirkte im Juni 1878 an einem Konzert des Organisten und Chorleiters Frederick G. Edwards in der Londoner Hawkstone Hall mit (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1878, S. 158; vom 1. April 1878, S. 213; vom 1. Juli 1878, S. 396). Bei einem Konzert der Pianistin Emily M. Lawrence im November 1878 in Rugby spielte Gabrielle Vaillant gemeinsam mit der Konzertgeberin und dem Violoncellisten Hugo Daubert Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (B-Dur op. 97) und Sterndale Bennett (op. 26) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1878, S. 686) und beteiligte sich ebenfalls im November 1878 an einem Konzert, das die Pianistin Ada Blanchard in den Assembly Rooms in Pool veranstaltete. Dabei spielte sie gemeinsam mit Ada Blanchard Franz Schuberts Sonatine für Violine und Klavier D-Dur op. 137 Nr. 1 D 384, die Cavatine D-Dur op. 85 für Violine und Orchester von Joseph Joachim Raff sowie Charles de Bériots „Rondo Russe“ (aus dem Violinkonzert op. 32). Die „Musical Times“ rezensierte: „There was a large and select audience. The Concert commenced with Schubert’s Sonata in D (pianoforte and violin) by Miss Blanchard and Mdlle. Vaillant, which was exceedingly well executed. The rendering of Raff’s Cavatina in D, and De Bériot’s ‚Rondo Russe’ by Mdlle. Vaillant, reflected the greatest credit upon the performer.“ („Ein großes und erlesenes Publikum war dort. Das Konzert begann mit Schuberts Sonate in D-Dur (Klavier und Violine) von Fräulein Blanchard und Fräulein Vaillant, die außerordentlich gut ausgeführt wurde. Die Wiedergabe von Raffs Cavatina in D-Dur und De Bériots ‚Rondo Russe’ durch Fräulein Vaillant spiegelte das größte Ansehen der Künstlerin wieder.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1878, S. 686)


    Ab 1878 veranstaltete Gabrielle Vaillant zudem regelmäßig eigene Konzerte in der Londoner Steinway Hall, die insgesamt überaus positiv angenommen und rezensiert wurden. So schrieb z. B. die „Musical Times“ über eines der Konzerte, das am 4. Juli 1878 stattfand und an dem u. a. der Tenor Henry Augustus Louis Seligmann und die Klarinettistin Frances Thomas beteiligt waren: „Mdlle Gabrielle Vaillant gave an excellent Concert on the 4th ult. at the Steinway Hall, assisted by the Misses Arthur and Damien and Mr. H. Seligmann as vocalists, and by serveral eminent instrumentalists, including Miss Frances Thomas, of the Royal Academy of Music, who is rapidly making her way as a clarinet-player. The artistic violin performance of the bénéficiaire was of course the principal attraction; and all her solos were warmly and deservedly applauded. She also took part in several concerted pieces with equal success.“ („Fräulein Gabrielle Vaillant gab am 4. des Vormonats in der Steinway Hall ein exzellentes Konzert, unterstützt durch die Fäulein Arthur und Damien sowie Herrn H. Seligmann als SängerInnen und durch einige hervorragende Instrumentalisten, darunter Fräulein Frances Thomas von der Royal Academy of Music, die rasch ihren Weg als Klarinettistin geht. Die kunstvolle Vorstellung der Begünstigten auf der Violine war natürlich die Hauptattraktion und all ihren Soli wurde warm und verdientermaßen applaudiert. Sie nahm mit gleichem Erfolg auch an einigen Kammermusikwerken teil.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1878, S. 451) Bei einem von ihr im Juli 1887 veranstalteten Kammermusikkonzert standen u. a. eine Violinsonate von Francesco Veracini, eine Etüde von Ferdinand Hiller sowie Georg Alexander Macfarrens Klavierquintett g-Moll auf dem Programm, und die „Musical Times“ rezensierte: „Among the Chamber Concerts which found place in the concluding weeks of the season that of Miss Vaillant may claim prominent mention. This was not the first appeal made by the young lady to the public, and it would seem that she has already secured a number of admirers, for the Steinway Hall was well filled on the 9th ult. [...]. Lady violinists are becoming very numerous, but there are few among those who appear on the Concert platform who possess stronger artistic qualifications than Miss Vaillant. Her technical abilities were well tested in her solos, which included one of Veracini’s Sonatas and a difficult Study by Ferdinand Hiller, and her command of taste and expression in Macfarren’s Quintet in G minor for piano and strings.“ („Unter den Kammerkonzerten, die in den abschließenden Wochen der Saison stattfanden, kann das von Fräulein Vaillant besondere Erwähnung beanspruchen. Dies war nicht der erste öffentliche Anklang der jungen Dame und es schien, als habe sie bereits eine Anzahl an Verehrern gesichert, da die Steinway Hall am 9. des Vormonats gut gefüllt war […]. Weibliche Violinisten werden immer mehr, doch nur wenige derjenigen, die auf der Konzertbühne erscheinen, besitzen stärkere künstlerische Fähigkeiten als Fräulein Vaillant. Ihr technisches Vermögen wurde in ihren Soli, darunter eine Sonate von Veracini und eine anspruchsvolle Etüde von Ferdinand Hiller, ebenso unter Beweis gestellt wie ihre Sicherheit in Geschmack und Ausdruck in Macfarrens Klavierquintett in g-Moll.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1887, S. 483).


    In den folgenden Jahren veranstaltete Gabrielle Vaillant zahlreiche Konzerte gemeinsam mit der Mezzosopranistin Adela Vernon, so z. B. im Juli 1889 in den Londoner Protman Rooms. Das Programm umfasste neben mehreren solistischen Stücken auch Ludwig van Beethovens Streichquartett B-Dur op. 18 Nr. 6 (vgl. „The Times“ vom 3. Juli 1889, S. 16). Im Juli 1890 fand das Konzert in der Steinway Hall statt, u. a. mit Antonín Dvořáks Sextett A-Dur op. 48, und die „Times“ notierte: „The interesting concert given on Saturday afternoon by Miss Adela Vernon and Mlle. Gabrielle Vaillant attracted a very large audience. The clever violinist led, in thoroughly artistic style, a very creditable performance of Dvorak’s sestet for strings in A, op. 48; [...]. Mlle. Vaillant was heard alone in two violin solos of the usual familiar type-played, it is needless to say, with perfect finish and intelligence.“ („Das interessante Konzert, das Fräulein Adela Vernon und Fräulein Gabrielle Vaillant am Samstagnachmittag gaben, zog ein großes Publikum an. Die geschickte Violinistin zeigte in durchaus kunstvollem Stil eine sehr anerkennenswerte Vorstellung von Dvoraks Streichsextett in A-Dur op. 48; […]. Fräulein Vaillant war in zwei Violinsoli der gewöhnlichen, bekannten Sorte alleine zu hören, und zwar, überflüssig zu erwähnen, mit perfekter Ausführung und Intelligenz.“; „The Times“ vom 8. Juli 1890, S. 13; vgl. a. „The Musical Times“ vom 1. August 1890, S. 492) Auch im Juli 1894 konnten die beiden Musikerinnen den Rezensenten der „Times“ begeistern, u. a. mit Ludwig van Beethovens Violinsonate c-Moll op. 30 Nr. 2, einem Satz aus Benjamin Godards Violinkonzert Nr. 1, dem „Concerto romantique“ op. 35, und der Sérénade op. 124 von Charles de Bériot. Gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern spielte Gabrielle Vaillant zudem eine Auswahl aus Franz Schuberts „Fünf Deutsche Tänze“ für Streichquartett D 90, vermutlich arrangiert für Streichorchester: „Steinway-Hall. As usual, the concert given yesterday afternoon by Miss Adela Vernon and Mlle. Gabrielle Vaillant was interesting and agreeably varied in character, a high artistic standard being maintained throughout. [...] Mlle. Vaillant took part with Mr. Stephen Kemp in an excellent performance of Beethoven’s violin sonata in c minor, and played as her solos a movement from Godard’s ‚Concerto romantique’, and, as an encore, a melodious serenade by De Bériot. She also led a number of her pupils in a selection from Schubert’s ‚Fünf Deutsche,’ in the lower parts of which MM. Szczepanowski and Albert took part.“ („Wie gewohnt, war das Konzert, das gestern Nachmittag von Fräulein Adela Vernon und Fräulein Gabrielle Vaillant gegeben wurde, interessant und im Charakter angenehm abwechslungsreich, ein hoher künstlerischer Standard wurde durchweg behauptet. […] Fräulein Vaillant nahm mit Herrn Stephen Kemp an einer exzellenten Vorstellung von Beethovens Violinsonate in c-Moll teil und spielte als Soli einen Satz aus Godards ‚Concerto romantique’ und als Zugabe eine melodiöse Serenade von De Bériot. Sie führte zudem einige ihrer Schüler in einer Auswahl von Schuberts ‚Fünf Deutschen Tänzen’ an, wobei in den tieferen Stimmen die Herren Szczepanowski und Albert mitwirkten.“; „The Times“ vom 7. Juli 1894, S. 12)


    Von 1888 bis mindestens 1890 unterrichtete Gabrielle Vaillant als Violinpädagogin an der auf das Fach Musik spezialisierten Church of England High School for Girls in London, an der die Komponistin und Schulmusikerin Clara Angela Macirone das Fach Musik leitete. Eine Zeitungsannonce der Schule lautete: „Pupils wishing to join Violin Class under Mdlle. Gabrielle Vaillant to send in their names to Miss Macirone.“ („Schülerinnen, die in die Violinklasse von Mdlle. Gabrielle Vaillant aufgenommen werden möchten, schicken ihre Namen an Miss Macirone.“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1888, S. 327 und passim bis 1890)


    Nach 1894 sind keine weiteren Konzerte von Gabrielle Vaillant zu belegen. Eine Notiz der „Musical Times“ vom 1. Juli 1898 legt nahe, dass sie ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht länger ausüben konnte und daher ihre Stradivari-Violine zum Kauf anbot: „Violinist, whether professional or amateur, will be interested to hear that the beautiful Stradivarius belonging to Mdlle. Gabrielle Vaillant is to be sold, as the distinguished artist has been compelled by ill-health to retire from the active work of her profession. It is to be seen at Messrs. Hill and Sons’, New Bond Street.“ („Violinsten, ob professionelle oder Amateure, werden mit Interesse hören, dass die wunderschöne Stradivari, die Fräulein Gabrielle Vaillant gehört, zu verkaufen ist, da die herausragende Künstlerin aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist, aus der aktiven Arbeit ihres Berufs auszuscheiden. Sie ist bei Messrs. Hill and Sons’, New Bond Street anzusehen.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1898, S. 483)


    Gabrielle Vaillant starb nach einem Verkehrsunfall am 14. Mai 1899 im Alter von 46 Jahren in London (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1899, S. 484).

    Würdigung

    Gabrielle Vaillant gehörte zweifellos zu den herausragenden Geigerinnen in England, auch wenn sie häufig im Hintergrund stand. Zwanzig Jahre lang, von 1874 bis 1894 trat sie regelmäßig auf, beteiligte sich als Solistin und Kammermusikerin an Konzerten ihrer Kolleginnen und Kollegen und unterrichtete zahlreiche Schülerinnen und Schüler. In ihrem Nachruf würdigte die „Musical Times“ Gabrielle Vaillant wie folgt: „Old Academy students of a quarter of a century ago will recall the familiar form and graceful playing of the [Hvh. im Original] violinist of that time at Tenterden Street – Gabrielle Vaillant. Sharing in this pleasant recollection of a true artist and a winning personality, it is with much regret that we record her death [...]. She possessed a fine musical organisation, complete grasp of good music of all schools, and wide sympathies for both old and new compositions. Her technique was sound, and her style of the purest. Her retiring disposition and natural refinement kept her back from the usual methode of advancement in the estimation of the great public, and she never took the prominent place in the musical world to which her great talents entitled her. But the charm of her personality, her kind heart, and her spirituelle grace in conversation, endeared her to a large circle of friends and pupils, to whom her death has come as a personal loss.“ („Ehemalige Academy Studierende von vor einem Vierteljahrhundert werden sich an die vertraute Art und das anmutige Spiel der [Hvh. im Original] Violinistin der Zeit an der Tenterden Street erinnern – Gabrielle Vaillant. Wer teilhat an dieser angenehmen Erinnerung an eine wahre Künstlerin und eine gewinnende Persönlichkeit, wird es sehr bedauern, dass wir ihren Tod bekannt geben […]. Sie besaß eine ausgezeichnete musikalische Organisation, eine vollkommene Auffassungsgabe guter Musik aller Schulen und breite Sympathien für sowohl alte als auch neue Kompositionen. Ihre Technik war einwandfrei und ihr Stil äußerst rein. Ihre zurückgezogene Wesensart und natürliche Raffinesse hielten sie zurück vor der gewöhnlichen Methode des Aufstiegs in der Wertschätzung der großen Öffentlichkeit und sie nahm nie den bedeutenden Platz in der Musikwelt ein, zu dem ihr großartiges Talent sie befähigt hätte. Doch der Charme ihrer Persönlichkeit, ihr gütiges Herz und ihre spirituelle Anmut in der Konversation machten sie bei einem großen Kreis von Freunden und Schülern beliebt, für die ihr Tod einen persönlichen Verlust darstellt.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1899, S. 484)

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Gabrielle Vaillant kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Violinromanze G-Dur op. 40

    Beethoven, Ludwig van. Violinromanze F-Dur op. 50

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate c-Moll op. 30 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate G-Dur op. 30 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97

    Beethoven, Ludwig van. Streichquartett B-Dur op. 18 Nr. 6


    Bennett, William Sterndale. Klaviertrio op. 26


    Bériot, Charles de. Violinkonzert Nr. 2 op. 32

    Bériot, Charles de. Sérénade op. 124


    Dvořák, Antonín. Sextett A-Dur op. 48


    Godard, Benjamin. „Concerto romantique“ op. 35


    Hiller, Ferdinand. eine Etüde (keine Präzisierung möglich)


    Macfarren, Georg Alexander. Klavierquintett g-Moll


    Raff, Joseph Joachim. Cavatine für Violine und Orchester D-Dur op. 85


    Rossini, Gioachino. Duett über Motive aus der Oper „Guillaume Tell“


    Sainton, Prosper. Violinkonzert A-Dur


    Schubert, Franz. Sonatine für Violine und Klavier D-Dur op. 137 Nr. 1/D 384

    Schubert, Franz. Auswahl aus „5 Deutsche Tänze“ für Streichquartett D 90, vermutlich arrangiert für Streichorchester


    Spohr, Louis. Violinkonzert Es-Dur op. 17


    Veracini, Francesco. Violinsonate (keine Präzisierung möglich)

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Vaillant, Gabrielle“. In: Modern English Biography, hg. v. B. Boase, 1892ff. (verfügbar in wbis – world biographical information system).



    Zeitschriftenartikel und Presserezensionen


    The Times vom 3. Juli 1889, S. 16.

    The Times vom 8. Juli 1890, S. 13.

    The Times vom 7. Juli 1894, S. 12.


    The Musical Times vom 1. August 1874, S. 577.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1874, S. 723.

    The Musical Times vom 1. Januar 1875, S. 744.

    The Musical Times vom 1. Januar 1875, S. 755.

    The Musical Times vom 1. Mai 1875, S. 90.

    The Musical Times vom 1. August 1875, S. 170.

    The Musical Times vom 1. April 1876, S. 428.

    The Musical Times vom 1. August 1876, S. 557.

    The Musical Times vom 1. März 1878, S. 158.

    The Musical Times vom 1. April 1878, S. 213.

    The Musical Times vom 1. Juli 1878, S. 396.

    The Musical Times vom 1. August 1878, S. 451.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1878, S. 686.

    The Musical Times vom 1. August 1887, S. 483.

    The Musical Times vom 1. August 1890, S. 492.

    The Musical Times vom 1. Juli 1898, S. 483.

    The Musical Times vom 1. Juli 1899, S. 484.

    Forschung

    Zu Gabrielle Vaillant liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Gabrielle Vaillant umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre verschiedenen beruflichen und privaten Kontakte im britischen Musikleben.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Gabrielle Vaillant“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Gabrielle_Vaillant