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  • Gabrielle Plateau

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Gabrielle Plateau
    Lebensdaten:
    geb. in , verm. Belgien
    gest. in Ixelles, Belgien
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin, Mezzosopranistin
    Charakterisierender Satz:

    „Le Concert donné samedi dernier par le Cercle Fétis laissera le meilleur souvenir dans le monde artistique de notre ville; Mlle Marie Graux, Gabrielle Plateau et un pianiste montois, M. Batiste, s’y sont fait entendre. Mlle Gabrielle Plateau est une toute jeune artiste violoncelliste, que joint à une délicatesse exquise de jeu, une vigueur d’archet surprenante.“


    „Das Konzert, das der Cercle Fétis vergangenen Samstag gegeben hat, hinterlässt in der Kunstwelt unserer Stadt die besten Erinnerungen; Mlle. Marie Graux, Gabrielle Plateau und ein Pianist aus Mons, M. Batiste, ließen sich hören. Mlle. Gabrielle Plateau ist eine sehr junge Künstlerin am Violoncello, die eine besondere Feinheit im Spiel mit einer überraschenden Energie in der Bogenführung verbindet.“


    („Le Guide musical“ vom 8. Dezember 1870, o.P.)


    Profil

    Die Violoncellistin Gabrielle Platteau galt bereits während ihres Studiums bei Adrien François Servais am Brüsseler Conservatoire Royal de Musique als herausragende Violoncellistin. Nach ihrem Abschluss 1872 konnte sie sich rasch im Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren. Ihr früher Tod im Alter von ca. 23 Jahren wurde international vermerkt.

    Orte und Länder

    Gabrielle Platteau wurde vermutlich in Belgien geboren und wuchs in Anvers auf. Von ca. 1869 bis 1872 studierte sie am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel. Konzertreisen führten sie u. a. nach Köln, Löwen, Arnheim, Mons und London. Sie starb 1875 in Ixelles, nahe Brüssel.

    Biografie

    Gabrielle Platteau wurde ca. 1852 geboren und wuchs vermutlich in Anvers auf. Über ihre Herkunft ist nichts bekannt. Eine Schwester von ihr, Céline Platteau, wurde ebenfalls als professionelle Musikerin ausgebildet und trat in späteren Jahren als Pianistin auf.


    Die erste musikalische Ausbildung erhielt Gabrielle Platteau von Henri Possoz (vgl. Grégoir 1874, S. 85), vermutlich in den Fächern Gesang und Violoncello. Possoz wirkte ab 1854 in Anvers als Lehrer für Violoncello und Gesang sowie als Chorleiter. Er organisierte zudem in Anvers Kammermusikkonzerte und große Musikfeste. Von ca. 1869 bis 1872 studierte Gabrielle Platteau das Fach Violoncello am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel bei dem zu seiner Zeit bekanntesten Violoncellopädagogen der belgischen Schule, Adrien François Servais, und erhielt im Sommer 1870 in den Jahresprüfungen des Conservatoire den ersten Preis in ihrem Fach. Bereits während ihres Studiums trat sie regelmäßig öffentlich auf. So spielte sie z. B. im Oktober 1870 in einem Orchesterkonzert in Gent Felix Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“ D-Dur op. 109 sowie Adrien François Servais’ „Souvenir de Spa“ op. 2, beide für Violoncello und Klavier, wie die Zeitschrift „Le Guide musical“ berichtete: „Mlle Gabrielle Plateau, premier prix de violoncelle du Conservatoire royal de Bruxelles, a dit avec beaucoup de sentiment et de justesse la romance sans paroles de Mendelssohn et le ‚Souvenir de Spa’, de Servais wieder.“ („Mlle. Gabrielle Plateau, erste Preisträgerin in Violoncello am Conservatoire Royal de Bruxelles, gab mit sehr viel Gefühl und Genauigkeit das Lied ohne Worte von Mendelssohn und das „Souvenir de Spa“ von Servais.“; „Le Guide musical“ vom 20. Oktober 1870, S. 2) Wenige Monate später, im Dezember 1870, konzertierte Gabrielle Platteau in Mons in einem Orchesterkonzert des „Cercle Fétis“, einer philharmonischen Gesellschaft, unter der Leitung von Pierre Laigle. „Le Guide musical“ schrieb über die Violoncellistin und ihr Spiel: „Le Concert donné samedi dernier par le Cercle Fétis laissera le meilleur souvenir dans le monde artistique de notre ville; Mlle Marie Graux, Gabrielle Plateau et un pianiste montois, M. Batiste, s’y sont fait entendre. Mlle Gabrielle Plateau est une toute jeune artiste violoncelliste, que joint à une délicatesse exquise de jeu, une vigueur d’archet surprenante.“ („Das Konzert, das der Cercle Fétis vergangenen Samstag gegeben hat, hinterlässt in der Kunstwelt unserer Stadt die besten Erinnerungen; Mlle. Marie Graux, Gabrielle Plateau und ein Pianist aus Mons, M. Batiste, ließen sich hören. Mlle. Gabrielle Plateau ist eine sehr junge Künstlerin am Violoncello, die eine besondere Feinheit im Spiel mit einer überraschenden Energie in der Bogenführung verbindet.“; „Le Guide musical“ vom 8. Dezember 1870, o.P.)


    Nach ihrem Abschluss 1872 konnte sich Gabrielle Platteau innerhalb kürzester Zeit im Musikleben etablieren und galt als eine herausragende Violoncellistin, die rasch international wahrgenommen wurde. In den folgenden zwei Jahren trat sie u. a. in Löwen, Köln, Brüssel, Arnheim und London sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin auf. So berichteten die „Signale für die musikalische Welt“ 1872: „Die junge, unlängst vom Brüsseler Conservatorium entlassene Violoncellistin Mlle. Gabrielle Platteau wird ihre Carrière mit der Mitwirkung in einem Wohlthätigkeits-Concert beginnen, welches zu Löwen seitens der Gesellschaft ‚Mélodie’ am 3. Februar gegeben wird. Um die Mitte des genannten Monats wird sie alsdann nach London gehen.“ („Signale für die musikalische Welt“, Jg. 30 [1872], S. 137) Am 27. Februar 1872 trat Gabrielle Platteau in einem Kammermusikkonzert in Brüssel auf und musizierte dabei gemeinsam mit der Geigerin Emilie Bernstein, einer Schülerin von Henri Vieuxtemps, und ihrer Schwester, der Pianistin Céline Platteau (vgl. „Signale für die musikalische Welt“, Jg. 30 [1872], S. 185). Ebenfalls 1872 konzertierte Gabrielle Platteau, wiederum gemeinsam mit ihrer Schwester, in der Arnheimer „Société des Beaux-Arts“ mit Stücken von Adrien François Servais und Peter Cornelius. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ berichtete: „Arnheim (Belgien). Am 3. Concert der Société des Beaux-Arts, in welchem eine mit dem ersten Preise des Brüsseler Conservatoriums gekrönte Violoncellistin Gabrielle Plateau Concertstücke von Servais und Cornelius vortrug und großen Beifall erhielt. Einer gleich günstigen Aufnahme in demselben Concert hatte sich auch deren Schwester, Celina Plateau als Pianistin mit Litolff’s ‚Spinnerlied’ und einem Chopin’schen Impromptu zu erfreuen.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ Jg. 39 [1872], S. 386) 1873 trat sie in der Brüsseler „Société chorale“ auf: „In einem jüngst stattgehabten Concert der Brüsseler Société chorale producirte sich mit vielem Glück eine Violoncellistin, Mlle. Gabrielle Platteau. Die Künstlerin behandelte dieses so selten von weiblichen Händen gespielte Instrument mit eben so viel Grazie als Talent.“ („Signale für die musikalische Welt“, Jg. 31 [1873], S. 169) Im Herbst 1873 reiste Gabrielle Platteau nach London, wo sie in mehreren Konzerten mitwirkte. Unter anderem spielte sie am 11. Oktober 1873 im Rahmen der Crystal Palace Concerts, die zu dieser Zeit unter der Leitung von August Manns standen, eine „Air et Variations“ von Adrien François Servais, wie die „Musical Times“ vermerkte: „At the same concert much effect was produced by Madlle. Plateau’s violoncello solo – an air with variations, by Servais – her clever performance being rewarded by the warmest applause at its conclusion, and a recall.“ („Im selben Konzert erregte Madlle. Plateau mit ihrem Soloauftritt mit dem Violoncello großes Aufsehen – Air et Variations von Servais. Ihre hervorragende Ausführung wurde mit herzlichem Applaus und einem weiteren Hervorruf am Ende belohnt.“; „The Musical Times“ vom 1. November 1873, S. 280) Am 21. April 1874 veranstaltete Gabrielle Platteau ein eigenes Orchesterkonzert in Brüssel, bei dem sie eines der Violoncellokonzerte von Georg Goltermann spielte und gemeinsam mit dem Pianisten Franz Rommel und dem Geiger Oscar Jokisch mit Klaviertrios von Ludwig van Beethoven und Joseph Joachim Raff (D-Dur op. 158) auftrat: „Am 21. April philh. Concert der Mlle. Gabrielle Platteau mit den HH Jokisch und Rommel: Liszt’s Carneval von Pest, Trio in D von Raff etc. Frl. Platteau erntete als Violoncellistin sowohl in Goltermann’s Concert wie in den Trios von Beethoven und Raff nebst ihren Genossen ehrenvolle Anerkennung.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 1. Mai 1874, S. 182)


    Gabrielle Platteau starb in jungen Jahren am 7. März 1875 in Ixelles bei Brüssel (Grégoir 1885). In ihrem Nachruf schrieb die „Revue et Gazette musicale de Paris“: „Une jeune violoncelliste belge, qui possédait aussi une belle voix de mezzo-soprano, dont elle aurait pu se servir avec aventage, Mlle Gabrielle Platteau, a succombé cette semaine à la maladie qui la tenait depuis longtemps éloignée des concerts.“ („Eine junge belgische Violoncellistin, die zudem eine schöne Mezzosopran-Stimme besaß, derer sie sich vorteilhaft bedienen konnte, Mlle. Gabrielle Platteau, ist diese Woche jener Krankeit erlegen, die sie bereits seit längerer Zeit von Konzerten fernhielt.“; „La Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 14. März 1875, S. 87)

    Würdigung

    Obwohl Gabrielle Platteau nur vier Jahre lang öffentlich konzertierte, blieb das Andenken an sie noch viele Jahre bestehen. Fast alle nachfolgenden Publikationen zu Violoncellistinnen und Violoncellisten gingen auf die Faszination ein, die von ihrem Spiel ausging. So wurde sie 1907 in einem anonymen Artikel über „Lady Violoncellists“ in der „Musical Times“ erwähnt, Edmund van der Straeten nahm sie in seine große Monographie „History of the violoncello“ von 1914 auf, und noch 1988 verwies Margaret Campbell auf Edmund van der Straeten, der die Cellistin in Köln gehört, und berichtet hatte, dass sie „an outstandig performer with a fluent and brilliant technique and a sweet tone“ („eine außergewöhnliche Musikerin mit einer fließenden und brillianten Technik und einem warmen Ton“) gewesen war (Campbell 1988 unter Berufung auf van der Straeten 1914, S. 559).

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Gabrielle Platteau kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Den wenigen erhaltenen Konzertrezensionen ist zu entnehmen, dass sie an Solostücken u. a. Fantasien und Variationen von Adrien François Servais (z. B. die „Souvenirs de Spa“ für Violoncello und Klavier op. 2) und das „Lied ohne Worte“ D-Dur op. 109 von Felix Mendelssohn Bartoldy öffentlich spielte, mit einem der Violoncellokonzert von Georg Goltermann auftrat und auch in kammermusikalischen Werken u. a. von Ludwig van Beethoven und Joseph Joachim Raff mitwirkte.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Platteau, Gabrielle“. In: Les artistes-musicien belges au XVIIIe et au XIXe siècle, hg. v. Edouard Georges Jacques Grégoir. Brüssel 1885 (verfügbar in wbis, world biographical information system).


    Boettcher, Wolfgang/Pape, Winfried: Das Violoncello: Geschichte, Bau, Technik, Repertoire. Mainz: Schott, 1996.


    Campbell, Margaret. The great cellists. London: Gollancz, 1988.


    Grégoir, Edouard Georges Jacques: Littérature musicale: Documents historiques relatifs à l’art musical et aux artistes musiciens. 2. Bd., Brüssel, Anvers u. a. 1874.


    Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914, Bd. 2.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    Lady Violoncellists and one in Particular. In: „The Musical Times“ vom 1. Mai 1907, S. 307-308.


    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 14. März 1875, S. 87.


    Le Guide musical vom 20. Oktober 1870, S. 2.

    Le Guide musical vom 8. Dezember 1870, S. 2.


    Neue Zeitschrift für Musik, Jg. 39 (1872), S. 386.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 1. Mai 1874, S. 182.


    Signale für die musikalische Welt, Jg. 30 (1872), S. 137

    Signale für die musikalische Welt, Jg. 30 (1872), S. 185.

    Signale für die musikalische Welt, Jg. 31 (1873), S. 169.


    The Musical Times vom 1. November 1873, S. 280.

    Forschung

    Zu Gabrielle Platteau liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Gabrielle Platteau umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre privaten und künstlerischen Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 23.08.2013


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Gabrielle Plateau“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.8.2013.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Gabrielle_Plateau