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  • Frida von Kaulbach

    von Natalie von Zadow
    Frida Kaulbach, signiert mit ihrem Künstlerinnennamen
    Namen:
    Frida von Kaulbach
    Geburtsname: Frida Schytte
    Lebensdaten:
    geb. in Kopenhagen, Dänemark
    gest. in Ohlstadt, Detuschland
    Tätigkeitsfelder:
    Geigerin
    Charakterisierender Satz:

    „Der so sehr verehrten Kollegin darf ich aber auch an dieser Stelle nochmals innigst danken für all die fabelhaften Zwiegesänge, die ich mit ihr am Flügel pflegen durfte: wo lebendige, sichere Tradition selbstverständliche Leiterin war.“


    (Hermann Zilcher, Pianist, Komponist und Dirigent, Brief vom 17. September 1924 an Frida von Kaulbach)


    Profil

    Frida von Kaulbach ist in Deutschland v. a. als Geige spielende Ehefrau des Münchner Malers Friedrich August von Kaulbach bekannt, der sie häufig mit Instrument malte oder als Modell für allegorische Sujets wählte. Dieser der Musik, ihrer Familie und zahlreichen künstlerischen Kontakten gewidmete Teil ihres Lebens und ihre rege Musikausübung mit ihren Töchtern und Freunden der Familie ist gut dokumentiert. Zu ihrer Laufbahn als Konzertgeigerin sind dagegen bisher kaum Dokumente bekannt. Vorhandene Informationen, besonders aus ihrem Herkunftsland Dänemark, weisen aber darauf hin, dass sie mit Erfolg Konzertreisen unternahm.

    Orte und Länder

    Ihre erste Ausbildung erhielt Frida von Kaulbach in ihrer Geburtsstadt Kopenhagen, belegt sind außerdem Studien bei Lambert Massart in Paris. Konzertreisen führten die Geigerin nach Dänemark, England, Frankreich, Deutschland und Russland. Nach ihrer Heirat lebte sie in München und in Ohlstadt bei Murnau/Bayern.

    Biografie

    Frida von Kaulbach, geb. Schytte wurde am 31.3.1871 in Kopenhagen geboren. Ersten Violinunterricht erhielt sie in ihrer Geburtsstadt bei Ferdinand Stockmarr und später bei dem Spohr- und Joachim-Schüler Waldemar Tofte vermutlich am Konservatorium in Kopenhagen. Für die Jahre 1889 und 1890 sind Aufenthalte in Paris belegt, wo sie private Unterrichtsstunden bei Lambert Massart nahm und wahrscheinlich auch bei ihm und Henri Berthelier am Conservatoire de Paris studierte (Dansk biografisk Leksikon 1901, S. 420; Nachlass Kaulbach, Monacensia).


    Anfang der 1890er Jahre gab Frida von Kaulbach unter dem Künstlerinnennamen Frida Scotta Konzerte in Dänemark, England, im deutschen Sprachraum und in Russland (1896, vgl. Beckmann 1980, S. 10). Wie für die Ausbildung sind auch für die Konzerttourneen nur wenige Quellen bekannt, diese geben Hinweise auf Konzerte in Kopenhagen, Baden, Karlsruhe, Straßburg oder London (vgl. u. a. Nachlass Kaulbach, Monacensia).


    Vermutlich im Rahmen ihrer Konzertreisen lernte die Violinistin den Münchner Portraitmaler Friedrich August von Kaulbach (1850–1920) kennen, den sie nach dessen Scheidung von seiner ersten Frau 1897 heiratete. Nach der Eheschließung gab Frida von Kaulbach bisherigen Erkenntnissen zufolge keine öffentlichen Konzerte mehr, entfaltete aber ein reges und vielseitiges Musizieren im privaten bzw. halböffentlichen Raum des eigenen Hauses. Die drei Töchter Doris (1898–1950), Hedda (1900–1992) und Mathilde, genannt Hilde (1904–1986) lernten vermutlich alle zunächst Geige bei ihrer Mutter. Doris wechselte später zur Bratsche und Hedda wählte das Cello, so dass mit Hilde und der Mutter als Geigerinnen ein komplettes Streichquartett vorhanden war, das regelmäßig übte und den Äußerungen in Briefen zufolge auch vor Besuchern der Familie spielte (vgl. Nachlass Kaulbach, Monacensia).


    Doch Frida von Kaulbach musizierte nicht nur mit ihren Töchtern. Auch mit einer Reihe anderer Musikerinnen und Musiker v. a. aus München und Umgebung verband sie eine kontinuierliche und vielfältige Musikpraxis. Zu Frida von Kaulbachs Kammermusikpartnerinnen und -partnern gehörten u. a. der Cellist Hugo Becker (1864–1941), die Schriftstellerin und in ihrer Münchner Zeit bis 1916 auch als Pianistin aktive Annette Kolb (1870–1967) und der Pianist und Komponist Hermann Zilcher (1881–1948). Auch bestanden Beziehungen zum Ehepaar Pauline Strauss-de Ahna und Richard Strauss, zu Carl Flesch, zu dem Cellisten Paul Grümmer oder zu Ingeborg Bronsart, geb. Starck (1840–1913) und ihrem Ehemann Hans Bronsart von Schellendorf (1830–1913).


    Nach dem Tod ihres Ehemannes 1920 lebte Frida von Kaulbach zunehmend zurückgezogen auf dem Landsitz der Familie in Ohlstadt bei Murnau.

    Würdigung

    Frida von Kaulbachs Biografie weist zwar die bei Instrumentalistinnen des 19. und noch Anfang des 20. Jahrhunderts oft zu beobachtende Zweiteilung in eine öffentliche Konzertkarriere vor der Eheschließung und einen anschließenden Rückzug von Auftritten auf, allerdings kann hier nicht von einem Abbruch der künstlerischen Tätigkeit gesprochen werden. Die gerade für den zweiten Lebensabschnitt umfangreiche Quellenlage offenbart, dass Frida von Kaulbach ihr Violinspiel weiter als einen zentralen und selbstverständlichen Teil ihres Lebens betrachtet haben muss. Von ihr selbst existieren nur wenige direkte Äußerungen über ihre Musikausübung, aber in den Briefen ihres Mannes und ihrer Töchter und auch der verschiedenen Kammermusikpartner wird deutlich, wie vielseitig, umfangreich und kontinuierlich sie ihre künstlerische Tätigkeit auch nach dem Abschied von der öffentlichen Bühne fortgesetzt hat.

    Rezeption

    Eine ganz wesentliche Rezeption als Musikerin und Geigerin erfuhr Frida von Kaulbach schon zu Lebzeiten in den Gemälden ihres Mannes. Er wählte seine Frau immer wieder als Modell für seine Bilder, auf denen sie häufig als Geigerin, gelegentlich auch mit einer Laute dargestellt ist. Viele dieser Bilder sind ausgewiesene Porträts, in anderen fungiert Frida von Kaulbach als allegorische Darstellung der Musik oder der Kunst allgemein, wird aber im Bildtitel nicht namentlich genannt. Auch das Damenstreichquartett hat Friedrich August von Kaulbach im Bild festgehalten (vgl. Zimmermanns 1980, S. 100 und 232).

    Repertoire

    Zum Repertoire von Frida von Kaulbach aus der Zeit ihrer öffentlichen Auftritte und Konzertreisen fehlen bislang gesicherte Informationen. In den Jahren nach ihrer Eheschließung waren die verschiedenen Gattungen der Kammermusik wohl ihr bevorzugtes Metier, allerdings lassen sich hier nur Vermutungen aufgrund von einzelnen Äußerungen in Briefen anstellen. Namentlich werden Trios von Mozart und Beethoven genannt, wobei es sich hier sowohl um Streich-, als auch um Klaviertrios gehandelt haben kann, außerdem wurden brieflichen Äußerungen zufolge auch die Violinkonzerte von Beethoven und Brahms gespielt. Streichquartette waren sicher ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil des Kammermusikspiels von Frida von Kaulbach und ihren Töchtern, sowie Werke für Violine und Klavier.

    Quellen

    Archive:


    Umfangreichste Sammlung biografischer Dokumente im Nachlass des Ehemannes Friedrich August von Kaulbach, Monacensia, Literaturarchiv und Bibliothek München

    Sig.: Konv. Friedrich August von Kaulbach


    Weitere Dokumente befinden sich in folgenden Bibliotheken:

    Bayerische Staatsbibliothek München

    Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt a. M.

    Detaillierte Angaben über http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/.



    Primärliteratur:


    Beckmann, Mathilde Quappi: Mein Leben mit Max Beckmann. München u. a.: Pieper, 1983.


    Kaulbach, Isidore: Friedrich Kaulbach. Erinnerungen an mein Vaterhaus. Berlin: Mittler und Sohn, 1931.



    Lexika und Nachschlagewerke:


    Dansk Biografisk Leksikon. Bd. 15, hg. v. Carl Frederik Bricka. København: Gyldendal, 1901. S. 420: Schytte, Frida.


    Krak’s Blå Bog. Tre tusinde nulevende Danske mænd og kvinders levnedsløb indtil år 1910. Kjøbenhavn: Krak, 1910. S. 223: Kaulbach, Frida.


    Nordisk Familjebok. Konversationsleksikon och Realencyklopedi. Innehållande upplysningar och förklaringar om märkvärdiga namn, föremål och begrepp. Under medverkan af sakkunniga personer utgifven af Dr. Th. Westrin. Bd. 20, Supplement II. Stockholm: C. & E. Gernandts förlagsaktiebolag, 1899. Sp. 1965: Schytte, Frida (Scotta).


    Nordisk Familjebok. Konversationsleksikon och Realencyklopedi. Ny, reviderat och rikt illustrerad upplaga. V. Leche, J. F. Nyström, K. Warburg, Th. Westrin. Redaktör: Th. Westrin. Bd. 13. Stockholm: Nordisk familjeboks förlags, 1910. Sp. 1327: Kaulbach, Friedrich August.


    Nordisk Familjebok. Konversationsleksikon och Realencyklopedi. Ny, reviderat och rikt illustrerad upplaga. V. Leche, J. F. Nyström, K. Warburg, Th. Westrin. Redaktör: Th. Westrin. Bd. 24. Stockholm: Nordisk familjeboks förlags aktiebolg, 1916. Sp. 1318: Schytte, Frida.


    Riemann Musiklexikon. 12. völlig neubearbeitete Auflage in 3 Bd. hg. von Willibald Gurlitt. Bd. 2. Mainz: Schott’s Söhne, 1961. S. 662: Schytte, Frida (Frida Scotta).


    Salmonsens Konversationsleksikon. Bd. 21, redigeret af Johann C. Blangstrup. København: Schultz, 1926. S. 130: Schytte, Frida.



    Sekundärliteratur:


    Moser, Andreas: Geschichte des Violinspiels. Mit einer Einleitung: Das Streichinstrumentenspiel im Mittelalter von Hans Joachim Moser. Berlin: Max Hesses Verlag, 1923. S. 41: Erwähnung als Besitzerin einer Stradivari-Violine, deren Vorbesitzerin die Geigerin Arma Senkrah war.


    Salmen, Brigitte (Bearb.): „Ich kann wirklich ganz gut malen“ Friedrich August von Kaulbach – Max Beckmann. Katalog zur Sonderausstellung im Schlossmuseum Murnau 22.3.-23.6.2002. Murnau: Schlossmuseum Murnau, 2002.


    von Zadow, Natalie: Künstlerische Entfaltung nach dem Ende einer Konzertkarriere. In: „... mein Wunsch ist, Spuren zu hinterlassen...“ Rezeptions- und Berufsgeschichte von Geigerinnen. Carolin Stahrenberg und Susanne Rode-Breymann (Hg.). (= Beiträge aus dem Forschungszentrum Musik und Gender, Bd. 1). Hannover: Wehrhahn, 2011.


    Zimmermanns, Klaus: Friedrich August von Kaulbach 1850 – 1920. Monographie und Werkverzeichnis. (= Materialien zur Kunst der 19. Jahrhunderts, Bd. 26). München: Prestel, 1980.



    Zeitungen und Zeitschriften (chronologisch):


    Le Ménestrel. Musique et Théatres. 56. Jg., No. 5, 2. Feb. 1890. S. 38.


    Le Monde Artiste. 33. Jg., No. 46, 12. Nov. 1893. S. 748-749.


    Le Matin. Derniers télégrammes de la nuit. 12. Jg., No. 4,323, 30. Dez. 1895. S. 3.


    Le Ménestrel. Musique et Théatres. 72. Jg., No. 47, 24. Nov. 1906. S. 369.


    Sello, Gottfried: Die letzte Nachfahrin einer großen Malerdynastie lebt in Hamburg. Hamburger Abendblatt Nr. 182, 7.8.1964.


    Schostak, Renate: Die Tochter des Salonkünstlers. Hedda Schoonderbeek von Kaulbach und die Pläne für ein Museum im bayrischen Jagdhaus. Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 35, 10. Feb. 1990.



    Links:


    Zwei Bilder aus der Sammlung Manskopf in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt a. M.:

    http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor.php?source_opus=7902227&la=de

    http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor.php?source_opus=7809868&la=de


    Biografie in dänischer Sprache im „Dansk kvindebiografisk leksikon“ bei kvinfo, dem Danish Centre for Gender, Equality and Ethnicity:

    http://www.kvinfo.dk/side/597/bio/1219/origin/170/query/Schytte/

    Forschung

    Zu Frida von Kaulbachs Biografie und künstlerischer Laubahn existiert bis dato keine eigenständige Darstellung. In der Literatur sind Hinweise nur in Publikationen über ihren Ehemann Friedrich August von Kaulbach zu finden; einen ersten ausführlicheren Text, der auch einige Quellen vorstellt, hat die Autorin für den Band „‚... mein Wunsch ist, Spuren zu hinterlassen...’. Rezeptions- und Berufsgeschichte von Geigerinnen“ verfasst.

    Biografische Quellen sind im Nachlass des Ehemanns zugänglich, der sich in der Monacensia, Literaturarchiv und Bibliothek München befindet. Die dort enthaltenen Dokumente stammen jedoch zum größten Teil aus der Zeit nach der Eheschließung, besonders zur künstlerischen Karriere finden sich nur wenige Quellen in diesem Nachlass.

    Forschungsbedarf

    Die größte und deutlichste Leerstelle sind sicher Kindheit und Jugendjahre, Ausbildung und künstlerischer Werdegang bis zur Heirat. Forschungen in diesem Bereich müssen sich auch auf dänische und eventuell französische Archive ausdehnen.

    Die Biografie Frida von Kaulbachs ist Gegenstand des Dissertationsprojektes der Autorin, das sich der biografischen Erforschung von Geigerinnen im 19. Jahrhundert widmet.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 42580073
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116077301

    Autor/innen

    Natalie von Zadow


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 05.09.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Natalie von Zadow, Artikel „Frida von Kaulbach“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.9.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Frida_von_Kaulbach