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  • Frida Leider

    von Peter Sommeregger
    Frida Leider, um 1935.
    Namen:
    Frida Leider
    Ehename: Frida Anna Deman
    Lebensdaten:
    geb. in Berlin,
    gest. in Berlin,
    Tätigkeitsfelder:
    Opern- und Liedsängerin, Regisseurin, Gesangslehrerin.
    Charakterisierender Satz:

    „Ich bemühte mich immer, ein italienisches Belcanto zu singen, und es war mein höchstes Streben, diesen Gesangsstil auf die Interpretation meiner Wagner-Partien zu übertragen, ein Ziel, das mich nach Jahren härtester Arbeit zum Welterfolg führen sollte.“


    (Frida Leider, „Das war mein Teil“, Berlin 1981, S. 64)


    Profil

    Frida Leider zählte in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen zu den herausragenden Wagnersängerinnen. Ausgehend von ihrem Stammhaus, der Berliner Staatsoper unter den Linden, eroberte sie sich nach und nach ihre weltweit führende Stellung im dramatischen Fach. Am Covent Garden Opera House in London beispielsweise war sie von 1924 bis 1938 nahezu die einzige Isolde, Brünnhilde und Kundry. 1927/28 sang sie an der Mailänder Scala jeweils komplette Ring-Zyklen in italienischer Sprache. Im Pariser Palais Garnier wurde sie ab 1930 beinahe alljährlich zum Mittelpunkt der Wagner-Aufführungen. Ab 1928 eroberte sie sich beginnend mit Chicago auch die Vereinigten Staaten: Tourneen der dortigen Oper, später auch der Metropolitan Opera New York, führten sie auch nach Boston, Baltimore, San Francisco und in weitere Städte. Am bedeutendsten Opernhaus Südamerikas, dem Teatro Colón in Buenos Aires, feierte sie 1931 große Erfolge als Brünnhilde und Isolde. Auch bei den Bayreuther Festspielen war sie von 1928 an regelmäßig engagiert, und von 1933 bis 1937 gab es keine Ring-Zyklen ohne ihre Mitwirkung. Gastspiele führten sie in viele europäische Musikzentren wie Wien, Prag, Brüssel, Amsterdam, Monte Carlo u.a.

    Nach Kriegsbeginn 1939 reduzierten sich ihre Auftritte im Ausland auf wenige Gastspiele in Italien und der Schweiz.

    Orte und Länder

    Frida Leider debütierte 1915 in Halle/Saale, es folgten Engagements in Rostock, Königsberg und Hamburg. Ab 1924 war sie festes Ensemblemitglied an der Staatsoper Berlin.1927 und 1928 gastierte sie an der Mailänder Scala, 1924, 1925 und 1927 an der Waldoper Zoppot (heute Sopot in Polen). Von 1928 bis 1938 trat sie sie jeden Sommer bei den Bayreuther Festspielen auf, von 1924 bis 1938 jedes Jahr am Royal Opera House Covent Garden in London. Von 1928 bis 1932 war sie zusätzlich am Opernhaus von Chicago engagiert sowie 1933 und 1934 an der Metropolitan Opera New York.

    Biografie

    Frida Leider wird am 18. April 1888 in Berlin, Granseer Str. 9, als Tochter des Zimmermanns Ernst Leider und seiner Frau Anna, geb. Redlich, geboren. Das begabte Kind besucht die Luisenschule und strebt den Lehrberuf an. Der plötzliche Tod des Vaters macht diese Pläne zunichte. Das Mädchen muß einen Brotberuf erlernen und wird Bankangestellte. Der Besuch von Giuseppe Verdis Oper „Der Troubadour“ wird wegweisend: Frida Leider beschließt, Gesang zu studieren. Sie singt einem Chorleiter vor, der zur Ausbildung als Solistin rät. Unter großen Entbehrungen, solidarisch unterstützt von ihrer Mutter, schließt sie ihre Ausbildung bei Otto Schwarz in Berlin ab. Ihr erstes Engagement führt sie nach Halle/Saale, wo sie am 22. Oktober 1915 als Venus in Wagners „Tannhäuser“ debütiert. Nach nur mäßigen Erfolgen in Halle wird sie nach Rostock verpflichtet, wo sie zwei Spielzeiten bleibt, und den Grundstock eines breiten Repertoires legt, der von der Gräfin in Mozarts „Figaros Hochzeit“ bis zur Kundry in Wagners „Parsifal“ reicht. In Rostock erhält sie bereits einen Vertrag für das Stadttheater in Hamburg, singt davor aber noch eine Spielzeit lang in Königsberg. In Hamburg gelingt ihr ab 1919 der Durchbruch und sie wird überregional bekannt. Sie glänzt an diesem Haus keineswegs nur in Wagner-Partien, neben Opern von Mozart und Verdi dehnt sie ihr Repertoire bis zu Bellinis „Norma“ aus.

    1921 gastiert sie als Isolde in Wagners „Tristan und Isolde“ in Berlin, so erfolgreich, dass sie bereits nach dem 1. Akt per Handschlag an die Staatsoper verpflichtet wird. Hamburg entläßt sie aber nicht vorzeitig aus ihrem Vertrag, so dass sie ihrem neuen Stammhaus erst ab 1924 voll zur Verfügung steht.

    Bereits im gleichen Jahr gastiert sie erfolgreich als Isolde in Wien und London. Nach der enthusiastischen Aufnahme durch das Londoner Publikum wird Frida Leider für insgesamt 15 Spielzeiten der führende Wagner-Sopran des Royal Opera House Covent Garden, das neben der Berliner Staatsoper zu ihrem zweiten Stammhaus wird. Ihr in London gesungenes Repertoire beschränkt sich aber keineswegs nur auf Wagner, auch als Marschallin im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss, als „Armide“ in Glucks gleichnamiger Oper und als Leonora in Verdis „Troubadour“ tritt sie erfolgreich auf.

    In den Sommern 1924,1925 und 1927 wirkt sie an Aufführungen der schlesischen Waldoper Zoppot (heute Sopot in Polen) mit.

    1927 und 1928 singt sie die Brünnhilde auf Italienisch an der Mailänder Scala, 1931 folgt ein erfolgreiches Gastspiel am Teatro Colón in Buenos Aires.

    1928 wird sie das erste Mal nach Bayreuth engagiert und singt dort unter Karl Muck die Kundry im „Parsifal“. Bis 1938 tritt sie dort jeden Sommer auf. In den Jahren von 1933 bis 1937 ist sie die einzige Sängerin der Brünnhilde bei den Festspielen in Bayreuth, 1938 auch die Isolde.

    Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 gerät Frida Leider, wie sie in ihrer Autobiografie andeutet, durch ihre Ehe mit dem Konzertmeister der Berliner Staatsoper, Rudolf Deman, zunehmend in politische Bedrängnis. Deman ist Jude, vorerst schützt ihn zwar noch seine österreichische Staatsbürgerschaft, aber im Herbst 1938 wird seine Situation in Berlin unhaltbar. Er flieht in die Schweiz, wo er – unterstützt durch auf Umwegen von seiner Frau geschicktes Geld – überleben kann.

    Die Angst um ihren Mann und die zunehmenden Schikanen, denen Frida Leider durch ihre „Mischehe“ von Seiten der Behörden ausgesetzt ist, führen im Sommer 1938 zu einer Nervenkrise, welche die Künstlerin zwingt, Auftritte in Bayreuth und Berlin abzusagen. Auch nach der Emigration ihres Ehemannes bleibt der Druck von Seiten des Regimes bestehen. Man versucht, Frida Leider zu einer Scheidung ihrer Ehe zu drängen, was sie allerdings vehement ablehnt.

    Erst 1943 resigniert sie, wird von Deman offiziell geschieden, das Ehepaar nimmt aber nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1946 die eheliche Gemeinschaft wieder auf.

    An der Berliner Staatsoper wird Frida Leider gegen Ende der dreißiger Jahre zunehmend isoliert, die Zahl ihrer Auftritte stark reduziert.

    Zu diesem Zeitpunkt erschließt sich die Künstlerin ein neues Betätigungsfeld: Angeregt durch ihren Kollegen und Freund Heinrich Schlusnus und durch Michael Raucheisen, den führenden Liedbegleiter der Zeit, wendet sie sich verstärkt dem Kunstlied zu. Hatte sie in der Vergangenheit nur sporadisch Liederabende gegeben, werden diese nun zu ihrer bevorzugten künstlerischen Tätigkeit.

    Ihren letzten Auftritt an der Staatsoper hat sie 1940, als Marschallin in Strauss‘ „Rosenkavalier“, einer von ihr wenig geschätzten Partie. Ihre Liederabende jedoch setzt sie noch bis in das Jahr 1946 fort. Sie hat ihren letzten Auftritt (entgegen den Angaben in ihrer Autobiografie) am 10. Februar 1946 im Berliner Renaissance-Theater, wo sie Lieder von Brahms und Schumann singt und zusammen mit ihrer Kollegin und Freundin Margarete Klose auch Duette von Dvořák.

    Der erste Nachkriegs-Intendant der Berliner Staatsoper, Ernst Legal, bietet ihr verschiedentlich an, sie wieder in ihren Opernpartien einzusetzen. Frida Leider entschließt sich aber, neue Herausforderungen anzunehmen und führt ab 1946 bei mehreren Inszenierungen an der Staatsoper Regie. Im Admiralspalast, dem Ausweichquartier der zerstörten Staatsoper, inszenierte sie Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, Albert Lortzings „Wildschütz“ und schließlich unter Furtwänglers Stabführung Wagners „Tristan und Isolde“. Zusätzlich leitete sie das Gesangsstudio der Staatsoper.

    Nach der Rückkehr Rudolf Demans aus dem Schweizer Exil nimmt sie gemeinsam mit ihm eine Professur an der Berliner Musikhochschule an, die sie nach dem Tod Demans 1960 behält. Erst Mitte der 1960er Jahre zieht sie sich endgültig ins Privatleben zurück. In ihren späten Jahren entdeckt sie in der Malerei ein neues Betätigungsfeld, das Malen von Porträts, Stilleben und Landschaften. Frida Leider nimmt noch bis kurz vor ihrem Tod 1975 regen Anteil am kulturellen Leben Berlins, schließt Freundschaft mit Vertretern der jüngeren Generation von Sängerinnen und Sängern, so dem Bassisten Peter Lagger und der Sopranistin Gundula Janowitz. Sie ist Ehrenmitglied sowohl der Staatsoper unter den Linden als auch der Deutschen Oper Berlin.

    Ihren Wohnsitz hat sie bis zu ihrem Tod in West-Berlin. Am 23. Oktober 1968 wird ihr das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. Als sie am 4. Juni 1975 stirbt, ist dies, auch Jahrzehnte nach ihrem Abgang von der Bühne, eine Meldung für die „London Times“, die „New York Times“ und sämtliche Feuilletons Europas wert. Frida Leider wird neben Rudolf Deman auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße beigesetzt, später erhält ihre Grabstätte den Status des Ehrengrabes.

    Würdigung

    Frida Leiders Vielseitigkeit und sängerische Eloquenz wird schon am breiten Spektrum ihres Repertoires deutlich. Dabei stehen hier die Rollen der Gräfin in Mozarts „Figaro“ und der Donna Anna aus dessen „Don Giovanni“ sowie veristische Partien wie die Santuzza in Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ und Martha in d‘Alberts „Tiefland” den Verdi- Heroinenrollen und den großen, hochdramatischen Wagner-Partien wie Isolde und Brünnhilde gegenüber. Ganz bewusst hat die Sängerin während ihrer gesamten Laufbahn immer wieder zwischen ihren Wagner-Aufführungen Werke von Mozart und Verdi gesungen, um ihre Stimme nicht zu einseitig zu belasten. Sie selbst beschreibt ihre Auftritte an der Mailänder Scala, wo sie die Partie der Brünnhilde auf italienisch sang, als Durchbruch zu ihrem ganz persönlichen Wagner-Stil, der stilistische Elemente des Belcanto einbezog. Sie erzielte damit eine Geschmeidigkeit des Tons und Farbigkeit des Timbres, die ihren Weltruhm als Wagner-Sängerin begründeten und bis heute als vorbildlich, aber unerreicht gelten.

    „Die Stimme der Leider klang nie matronenhaft und statiös, aber auch nie extrem jugendlich und hell, sondern immer fraulich gereift, mit einer perfekten Verblendung der Register, einer dunkel leuchtenden Tiefe, einer warmen Mittellage und einer darauf organisch aufbauenden Höhe, die auch bei extremsten Belastungen nie angestrengt klang. Die Verbindung von Wortdeutlichkeit (die Wagner so wichtig war) mit dem Ideal des Belcantos hat sie wie keine andere Wagner-Sängerin verwirklicht.“ (Jens Malte Fischer. Große Stimmen. Frankfurt: Suhrkamp 1993. S. 186ff.)


    Frida Leiders Autobiografie „Das war mein Teil“ aus dem Jahr 1959 bietet eine Vielzahl biografischer Fakten, doch vermeidet es die Autorin darin, Namen und exakte Angaben zu ihren Schwierigkeiten während der Zeit des Dritten Reichs zu machen. Viele der betroffenen Personen waren zu diesem Zeitpunkt wohl noch am Leben und wie Frida Leider selbst im Musikleben Berlins aktiv, zudem waren möglicherweise auch Dokumente, die genauere Angaben möglich gemacht hätten, kriegsbedingt verloren gegangen.

    Rezeption

    Frida Leiders Karriere und Lebenslauf könnten als Beispiel für den sozialen Aufstieg aus eigener Kraft, auch als optimalen Umgang mit Talent gelten. Tatsächlich hat der Weg der Halbwaise aus ärmlichen Verhältnissen im Berliner Norden zur bejubelten und hoch bezahlten Primadonna aller bedeutenden Opernhäuser der Alten wie der Neuen Welt etwas Märchenhaftes. Aber auch ihr Leben und ihre Laufbahn nahmen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine bittere Wendung. Ihre Ehe mit dem jüdischen Geiger Rudolf Deman war dem Regime ein Dorn im Auge. Verschiedentlich wurde versucht, Frida Leider durch Diffamierung zu schaden, sie wurde fälschlicherweise mehrfach selbst als Jüdin bezeichnet, einmal versuchte man sogar, eine Demonstration gegen einen ihrer Auftritte zu organisieren. Die ersten Jahre nach 1933 war Rudolf Deman noch durch seine Österreichische Staatsbürgerschaft geschützt, zudem hielten einflussreiche Persönlichkeiten wie Heinz Tietjen, Generalintendant der Preußischen Staatstheater, schützend ihre Hand über das Ehepaar Leider/Deman. Eine Emigration wurde in Erwägung gezogen, aus familiären Gründen aber verworfen. Frida Leider entschloss sich zu einer Änderung ihrer Strategie, kündigte ihren Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, schränkte insgesamt ihre Auftritte im Ausland ein. Sie hoffte, durch Wohlverhalten einen gewissen Grad an Sicherheit für sich und ihren Mann zu erreichen. Diese Hoffnung war allerdings trügerisch, selbst Demans Flucht in die Schweiz 1938 verbesserte Frida Leiders berufliche Situation keineswegs. Sie wurde weiterhin an der Staatsoper kaum eingesetzt, wurde überwacht und schließlich, nach anfänglicher Gegenwehr, 1943 zur Scheidung von Deman gezwungen. Auf diese Weise wurde die Künstlerin ab 1938, noch im Vollbesitz ihrer Stimme und auf dem Höhepunkt ihrer künstlerischen Reife, praktisch zum Schweigen verurteilt.

    Es spricht für ihre menschliche Größe, dass sie nach dem Krieg immer wieder betonte, das ihr angetane Unrecht wiege im Vergleich zu anderen Schicksalen nicht so schwer, schließlich habe sie „ihren Mann 1946 wohlbehalten wieder bekommen“ (Frida Leider im Fernseh-Interview „Rendezvous der Erinnerung“, Bayerisches Fernsehen, 1963).

    Dem Nachruhm der Sängerin konnten diese Behinderungen ihrer Karriere jedoch nichts anhaben. Die Fachwelt ist sich bis heute in dem Urteil einig, dass Frida Leider zu den herausragenden Sängerinnenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt und vor allem im Wagnerfach neue Maßstäbe gesetzt hat.


    Frida Leiders Schallplatten-Aufnahmen zählen zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Hatte sie ab 1921 Aufnahmen für die Deutsche Grammophon gemacht, wechselte sie später zu His Master’s Voice/Elektrola. Ihre Aufnahmetätigkeit fällt somit in die Umbruchphase zwischen der so genannten „akustischen“ und der späteren „elektrischen“ Aufnahmetechnik. Ihre Einspielungen wurden unmittelbar nach dem Ende der Schellack-Ära auch wieder auf Vinyl veröffentlicht. Nachdem dieses wiederum von der Compact-Disc abgelöst wurde, erschienen Frida Leiders Platten alsbald auch auf diesem neuen Medium. In den letzten Jahren wurden auch die wenigen Live-Aufnahmen Frida Leiders veröffentlicht. Es liegt eine gewisse Tragik in der Tatsache, dass nur wenige Jahre, nachdem Frida Leider sich von der Bühne zurückgezogen hatte, die technischen Voraussetzungen für die Aufzeichnung kompletter Opernaufführungen geschaffen wurden. Dieser Tatsache ist es wohl geschuldet, dass der Nachruhm einer Kirsten Flagstad, Astrid Varnay oder Martha Mödl den Frida Leiders doch deutlich überstrahlt.


    Ein Kreis von Verehrern Frida Leiders hat im Jahre 2002 in Berlin die „Frida-Leider-Gesellschaft e.V.“ gegründet. Der ursprüngliche Zweck der Gründung war die Finanzierung und Anbringung einer Gedenktafel am Geburtshaus der Künstlerin in Berlin, was noch im gleichen Jahr realisiert werden konnte. In der Folge wurde die Erhaltung und Veröffentlichung des künstlerischen Nachlasses, insbesondere bis dato unveröffentlichter Tonaufnahmen in Angriff genommen. Unterstützt wurden diese Vorhaben vor allem durch die ehemalige Hausdame und Erbin Frida Leiders, Hilde Bahl. Als Ehrenmitglieder gehören der „Frida-Leider-Gesellschaft“ so bedeutende Sänger wie Dietrich Fischer-Dieskau, Julia Varady, Inge Borkh, Waldemar Kmentt, Dame Gwyneth Jones, Brigitte Fassbaender und Gundula Janowitz an. Zweck dieser Gesellschaft ist die Pflege des Nachlasses der Künstlerin. So ist der Verein im Besitz der kompletten Notensammlung Frida Leiders mit Anmerkungen von ihrer Hand, einer Vielzahl von Ölbildern und Aquarellen, Briefen, Programmheften und Fotos.

    Werkverzeichnis

    Autobiografie


    Leider, Frida. Das war mein Teil. Berlin: F. A. Herbig 1959


    Leider, Frida. Playing my part. London: Calder and Boyars 1966


    Leider , Frida. Das war mein Teil. Berlin (DDR): Henschel 1981



    Diskografie (Auswahl)


    The Art of Frida Leider

    The complete recordings from 1921-26

    Wien: Preiser Records o.J.


    The Singers – Frida Leider

    London: Decca Music Group 2001


    Frida Leider. A vocal Portrait

    NAXOS historical, o.O., o.J.


    Tristan und Isolde (excerpts)

    Edition Frida Leider

    Berlin: Frida-Leider Gesellschaft 2003


    Frida Leider

    Sämtliche Liedaufnahmen

    Edition Frida Leider

    Berlin: Frida-Leider-Gesellschaft 2003


    Frida Leider live in London

    Edition Frida Leider

    Berlin: Frida-Leider-Gesellschaft 2004


    Frida Leider live in New York and Bayreuth 1934

    Edition Frida Leider

    Berlin: Frida Leider-Gesellschaft 2005

    Repertoire

    Opernpartien

    (geordnet nach Oper, Komponist, Rolle)


    Die Afrikanerin (Meyerbeer), Selica

    Aida (Verdi), Aida

    Ariadne auf Naxos (R. Strauss), Ariadne

    Armide (Gluck), Armide

    Carmen (Bizet), Carmen

    Cavalleria Rusticana (Mascagni), Santuzza

    Die toten Augen (d’Albert), Myrtocle

    Doktor Faust (Busoni), Herzogin von Parma

    Don Giovanni (Mozart), Donna Anna

    Fidelio (Beethoven), Leonore

    Figaros Hochzeit (Mozart), Gräfin

    Die Fledermaus (J. Strauß), Rosalinde

    Der fliegende Holländer (Wagner), Senta

    Götterdämmerung (Wagner), Brünnhilde

    Hans Heiling (Marschner), Königin

    Hoffmanns Erzählungen (Offenbach), Giulietta

    Die Hugenotten (Meyerbeer), Valentine

    Jolanthe (Tschaikowsky), Jolanthe

    Die Jüdin (Halévy), Recha

    Lohengrin (Wagner), Ortrud

    Die Macht des Schicksals (Verdi), Leonora

    Ein Maskenball (Verdi), Amelia

    Mona Lisa (v. Schillings), Lisa

    Norma (Bellini), Norma

    Oberon (Weber), Rezia

    Parsifal (Wagner), Kundry

    Das Rheingold (Wagner), Fricka

    Rienzi (Wagner), Adriano

    Der Rosenkavalier (R. Strauss), Marschallin

    Siegfried (Wagner), Brünnhilde

    Tannhäuser (Wagner), Venus

    Tiefland (d’Albert), Marta

    Tosca (Puccini), Tosca

    Tristan und Isolde (Wagner), Isolde

    Die Trojaner (Berlioz), Dido

    Der Troubadour (Verdi), Leonora

    Die Walküre (Wagner), Brünnhilde

    Die Zauberflöte (Mozart), Erste Dame

    Der Zigeunerbaron (J. Strauß), Saffi

    Die Zwingburg (Křenek), Die Frau



    Konzertrepertoire


    C. W Gluck:

    Ihr Götter ew’ger Nacht


    Ludwig van Beethoven:

    Symphonie Nr. 9, op.125, Sopransolo

    Ah! Perfido!, op.65

    Die Himmel rühmen, op. 48 Nr. 4

    Freudvoll und leidvoll, op. 84

    Die Trommel gerühret, op. 84

    An die Hoffnung, op. 32

    Wonne der Wehmut, op. 83 Nr. 1


    Richard Wagner:

    Wesendonck-Lieder


    Franz Schubert:

    An die Äpfelbäume, D 197

    Erlkönig, D 328

    Auf dem Wasser zu singen, D 774

    Frühlingstraum, op. 89 Nr. 11

    Die Männer sind mechant, D 866, Nr.3

    Wehmut, op. 22 Nr. 2

    Die Liebe hat gelogen, D 751

    Aufenthalt


    Richard Strauss:

    Ach Lieb, ich muß nun scheiden, op. 21 Nr. 3

    Zueignung, op. 10 Nr. 1

    Traum durch die Dämmerung, op. 29 Nr. 1

    Cäcilie, op. 27 Nr. 2


    Robert Schumann:

    Frauenliebe und -leben, op. 42 Nr. 1-8

    Talismane, op. 25 Nr. 8

    Heiß mich nicht reden, op. 98a Nr. 5

    Lied der Suleika, op. 25 Nr. 9

    Singet nicht in Trauertönen, op. 98a Nr. 7

    Einsamkeit, op. 90 Nr. 5

    Meine Rose, op. 90 Nr. 2

    Die Sennin, op. 90 Nr. 4

    Erstes Grün, op. 35 Nr. 4

    Lust der Sturmnacht, op. 35 Nr. 1

    Schöne Fremde, op. 39 Nr. 6

    Intermezzo, op. 39 Nr. 2

    Mondnacht, op. 39 Nr. 5

    Der Schatzgräber, op. 45 Nr. 1

    Widmung, op. 25 Nr. 1

    Der Himmel hat eine Träne geweint, op. 37 Nr. 1

    Oh ihr Herren, op. 37 Nr. 3

    Wenn ich früh in den Garten geh, op. 51 Nr. 2

    Marienwürmchen, op. 79 Nr. 13

    Der Nussbaum, op. 25 Nr. 2

    Die Blume der Ergebung, op. 83 Nr. 2

    Mond, du meiner Seele Liebling, op. 104 Nr. 1

    Viel Glück zur Reise, Schwalben, op. 104 Nr. 2

    Du nennst mich armes Mädchen, op. 104 Nr. 3

    Die Fensterscheibe, op. 107 Nr. 2

    Das verlassene Mägdelein, op. 64 Nr. 2


    Johannes Brahms:

    Vier ernste Gesänge, op. 121 Nr. 1-4

    Mädchenfluch, op. 69 Nr. 9

    Lied

    Liebe und Frühling, op. 32 Nr. 2

    Vorschneller Schwur, op. 95 Nr. 5

    Der Tod, das ist die kühle Nacht, op. 96 Nr. 1

    Immer leiser wird mein Schlummer, op. 105 Nr. 2

    Meine Liebe ist grün, op. 63 Nr. 5


    Hugo Wolf:

    Wie glänzt der helle Mond

    Begegnung

    Auf einer Wanderung

    Storchenbotschaft

    Wenn du mein Liebster

    Verschwiegene Liebe

    Das Köhlerweib

    Beherzigung

    Bitt ihn, o Mutter

    Mignons Gesang


    Armin Knab:

    Das ist nicht Zeit

    Die Tochter der Heide


    Richard Wintzer:

    Aus Mondnacht blieb ein Traum

    Sonnenerntefest


    Hermann Zilcher:

    Echo

    Musikantin


    Fritz Dettmann:

    Ekstase

    Müllermädchen


    Harald Genzmer:

    An die Nacht

    Die Badende

    Anmutiger Vertrag


    Mark Lothar:

    Regenlied

    Märzwind

    Witwe Schickedanz

    Quellen

    Schriften Frida Leiders


    Leider, Frida. Das war mein Teil. Berlin: F. A. Herbig 1959


    Leider, Frida. Playing my part. London: Calder and Boyars 1966


    Leider , Frida. Das war mein Teil. Berlin (DDR): Henschel 1981



    Sekundärliteratur


    Kutsch/Riemens, Großes Sängerlexikon. Bern und München: K.G. Saur 1999. S. 2035


    Fischer, Jens Malte. Große Stimmen. Frankfurt: Suhrkamp 1993. S. 186 ff.


    Stimmen die um die Welt gingen. Frida Leider. 13. Jahrgang. Heft Nr. 48. Juni 1995


    Paris, Alain. Lexikon der Interpreten klassischer Musik im 20. Jahrhundert. Kassel: Bärenreiter-Verlag 1992. S. 421


    Seeger, Horst. Opernlexikon. Berlin: Henschel 1989. S. 370


    Firner, Walter (Hg.). Wir von der Oper. München: Bruckmann 1932. S. 66 ff.


    Weinschenk, H. E. Künstler plaudern. Berlin: Wilhelm Limpert Verlag 1941, S. 163 ff.


    Müller-Marein, Josef, und Reinhardt, Hannes. Das musikalische Selbstporträt. Hamburg: Nannen-Verlag 1963. S. 98 ff.


    Steane, J. B. The Grand Tradition. New York: Charles Scribner’s Sons 1974. S. 239 ff.



    Links


    www.Frida-Leider.de

    Website der Frida-Leider-Gesellschaft e.V., Berlin.

    Forschung

    Die in Berlin ansässige Frida-Leider-Gesellschaft sammelt systematisch Belege über Auftritte Frida Leiders, Fotos, Gemälde und ihre Korrespondenz. Mittlerweile (Stand: Ende 2009) sind die Auftritte Frida Leiders zwischen 1915 und 1946 weitgehend dokumentiert, ein Auftrittsverzeichnis ist in Arbeit, darüber hinaus werden systematisch auch Kritiken und Rezensionen gesammelt.

    Forschungsbedarf

    Es gibt wenige Dokumente oder Briefe, die Frida Leiders Gefährdung und berufliche Schwierigkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus belegen. Dokumente aus dieser Zeit wären hilfreich für die biografische Forschung zu der Sängerin. Ebenso befinden sich noch zahlreiche Gemälde im Privatbesitz, eine Erfassung dieser Bestände wäre wünschenswert. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Frida Leiders Repertoire und ihrer besonderen Bedeutung für das Wagnerfach steht noch aus.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 5118110
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 118571281
    Library of Congress (LCCN): n82133575
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Peter Sommeregger, 4. Januar 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 04.03.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Peter Sommeregger, Artikel „Frida Leider“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 4.3.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Frida_Leider