Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (105%)
  • Deutsch
  • Fredrika Stenhammar

    von Katrin Losleben
    Namen:
    Fredrika Stenhammar
    Geburtsname: Fredrika Andrée
    Lebensdaten:
    geb. in Visby, Schweden
    gest. in Stockholm, Schweden
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin
    Charakterisierender Satz:

    „Vor über hundert Jahren hielt man Frauen auf einer Theaterbühne für unpassend, man hielt es für passender, kleine Jungen zu verstümmeln, um sie dann, als Kastraten, Primadonnen werden zu lassen; und wie hat man es vor nur 25 Jahren aufgenommen, dass Frauen in einem Orchester sitzen und spielen, was doch nur allzu selten der Fall ist. Warum soll eine Frau also nicht auch Dirigentin sein, wenn sie alle Fähigkeiten dazu hat?“ (Fredrika Stenhammar in einem Brief an Elfrida Andrée, zit. nach Stenhammar 1958, S. 156f.)


    Profil

    Fredrika Stenhammar nutzte ihre Position als berühmte Stockholmer Primadonna um die Zusammenarbeit von Künstlern aus verschiedenen Ländern voranzutreiben und darüber hinaus das Œuvre ihrer Schwester, der Komponistin Elfrida Andrée, bekannt zu machen.

    Orte und Länder

    Geboren in Visby auf Gotland, Schweden, ging Fredrika Stenhammar mit 15 Jahren nach Leipzig, um dort am Konservatorium zu studieren. Nach ihrer Ausbildung in Gesang, Komposition und Klavier wurde sie am Königlichen Theater Stockholm engagiert. Dieses Engagement unterbrach sie 1857 für weitere Gesangsstudien in Paris. Neben ihrer Tätigkeit an der Oper unterrichtete sie und konzertierte als Liedinterpretin in Schweden, Norwegen, Dänemark und in Wien.

    Biografie

    Fredrika Stenhammar, geb. Andrée, erhielt ihren ersten umfassenden Unterricht durch den Vater Anders Andrée. Als 15-Jährige wechselte sie 1851 an das Leipziger Konservatorium, wo sie Gesang, Komposition und Klavier studierte. An dieses Studium schloss sich ein Engagement am Stockholmer Königlichen Theater an, das sie bis zu ihrem Tod 1880 mit zwei Unterbrechungen innehatte. In den Jahren 1857-1859 studierte sie an der Ecole Spéciale de Chant in Paris (vgl. Öhrstöm 1999).

    mehr zu Biografie weniger zu Biografie

    Fredrika Stenhammar erhielt sie ihren ersten Unterricht beim Vater Andreas Andrée. Wie ihre Schwester Elfrida Andrée wurde sie früh in Gesang, Gehörbildung, Orgel- und Klavierspiel ausgebildet und zum Komponieren animiert. Das erste Heft mit Kinderkompositionen stammt aus den Jahren 1844 bis 1847. 1847 begann auch der Unterricht bei Wilhelm Söhrling, dem Leiter der Musikalischen Gesellschaft Visbys, Domorganisten und Pädagogen. Er erteilte ihr Unterricht im Klavier-, Geigen- und Generalbassspiel sowie in Harmonielehre. Es ist zwar davon auszugehen, dass der Unterricht auf privater Basis stattfand; allerdings weist er in seiner Ganzheitlichkeit und Stringenz durchaus darauf hin, dass – ganz im Sinne des Vaters – für Fredrika eine Laufbahn als Musikerin angestrebt wurde. Daneben erhielt sie Schauspielstunden. Sie war Geigerin im Quartett ihres Lehrers Söhrling und trat damit im Salon des Vaters auf. Dieser ermutigte sie auch, ihre Begabung zur Komposition auszubauen. Neben mehreren Liedern, Stücken für gemischten Chor und einem Klaviertrio (bei der Aufführung im Salon spielten Elfrida Andrée, Klavier, Schürer von Waldheim, Klarinette, und Wilhelm Söhrling, Cello) gibt es erste Skizzen für ein Orchesterwerk aus dem Jahr 1849/50.

    1851 reiste sie mit ihrem Vater nach Leipzig und wurde dort am Konservatorium als Studentin aufgenommen. Sie erhielt Unterricht bei Ignaz Moscheles (Klavier), Moritz Hauptmann (Komposition) und „Madame Schäfer“ (Gesang). Den Schwerpunkt legte sie dabei auf die sängerische Ausbildung; der Vater hätte sie weiterhin gerne als Komponistin gesehen. 1853 verließ sie das Konservatorium, um Privatstunden bei ihrer Gesangslehrerin zu nehmen. Es kam zu einem ersten Engagement am Herzoglichen Hoftheater Dessau 1854, das durch den Brand des Theaters am 7. März 1855 nicht realisiert werden konnte. Inzwischen bemühte sich der Vater, den Namen seiner 18-jährigen Tochter in Stockholm bekannt zu machen. Sie debütierte noch im selben Jahr am Königlichen Theater Stockholm in der Rolle der Lady Harriet („Martha“ von Friedrich von Flotow). Es folgten im ersten Jahr die Gräfin Almaviva („Le Nozze di Figaro“, Wolfgang Amadé Mozart), Pamina („Zauberflöte“, Wolfgang Amadé Mozart), Donna Anna („Don Giovanni“, Wolfgang Amadé Mozart), Agathe („Freischütz“, Carl Maria von Weber), Alica („Robert le diable“, Giacomo Meyerbeer), Anna („La dame blanche“, François Boildieu), Mathilde („Wilhelm Tell“, Gioacchino Rossini), Lucia („Lucia di Lammermoor“, Gaetano Donizetti) und Leonore („Troubadour“, Giuseppe Verdi). Gleichzeitig wurde sie in den musikalischen Salons Stockholms bekannt.

    Sie studierte in den Jahren 1857 bis 1859 (1858?) an der Ecole Spéciale de Chant in Paris, einer Initiative des Tenors Gilbert-Louis Duprez. 1858 pendelte sie zwischen einem kurzen Opernengagement in Wien, Berlin und Paris, jedoch scheiterte der Versuch, sich auf dem Kontinent zu etablieren. Nach ihrer Rückkehr nach Stockholm machte sie sich vor allem als Wagner-Interpretin einen Namen. Zu ihren Rollen gehörten u.a. die Senta im „Fliegenden Holländer“, Elsa im „Lohengrin“ und Elisabeth im „Tannhäuser“, aber auch die Margareta aus Charles Gounods „Faust“. Sie sang u.a. an der Seite von Zelia Trebelli (auch Gloria Caroline le Bert, 1838-1892) und Christina Nilsson. In den 1870er Jahren zwang ihre labile Gesundheit sie immer wieder, sich von der Bühne zurückzuziehen. Sie widmete sich verstärkt ihren Schülerinnen, unter denen Mathilda Taube (Mathilda Grabow), Olefine Moe und Georgina Bottero zu nennen sind.

    1864 wurde sie zum Mitglied der Musikalischen Akademie gewählt.

    Ihr allgemein schwacher Gesundheitszustand verschlechterte sich im Herbst 1880 rapide: am 7. Oktober verstarb sie im Alter von 44 Jahren. Sie hinterließ die Zwillinge Siegfried und Elsa Stenhammar.

    Würdigung

    Fredrika Andrée erfüllte in ihrer Kindheit die ihr vom Vater bestimmte Rolle des Wunderkindes und eroberte sich nach ihren Studien in Leipzig als Primadonna einen Platz inmitten der künstlerischen Elite Schwedens. Hier feierte sie große Erfolge als Wagnerinterpretin. Gleichzeitig galt sie als herausragende Interpretin der Lieder von Robert Schumann, August Söderman oder Halfdan Kjerulf. Diese Fähigkeit stellte sie immer wieder in Konzerten in Schweden, Norwegen und Dänemark unter Beweis. Sie zeichnete sich durch eine große Begabung zur Zusammenarbeit und Kontaktpflege mit anderen Künstlern wie den Geschwistern Neruda, Niels W. Gade oder Ludvig Norman aus.

    Rezeption

    Soweit zum jetzigen Zeitpunkt bekannt, hatte Fredrika Stenhammar die Position einer Primadonna inne, stand jedoch in ständiger Konkurrenz zu ihrer Kollegin Louise Michaëli. Ihre Tätigkeit als Liedinterpretin sah sie als Ausgleich zu dieser zermürbenden Rivalität. In den wenigen bislang bekannten und ausgewerteten Zeitungskritiken wird diese Dualität bestätigt. Einerseits bedauert ein Kritiker der „Ny illustrerad tidning“ (1880, Nr. 43), dessen Name noch nicht bekannt ist, dass Stockholm keine Primadonna mehr habe. Andererseits, so Frans Hedberg (1885), sei Stenhammars Stimme am eindrücklichsten in den Liedern Robert Schumanns, August Södermans und Halfdan Kjerulfs zu hören gewesen. Negative Erwähnung finden in seinem Artikel ihr „mangelndes Temperament“ und ihr starker Ehrgeiz (nach Öhrström 1999, S. 199).

    Werkverzeichnis

    „Fem sånger“, ihrer Freundin Laura Netzel gewidmet, gedruckt 1869 (nach Öhrström 1999, S. 53). (nicht auffindbar)

    Da Fredrika Stenhammar sich bereits in ihrer Zeit in Leipzig gegen das Komponieren entschieden hatte, sind außer den fünf Liedern nur zwei Hefte mit Kinderkompositionen in der Stenhammarsamlingen der Statens Musikbibliotek, Stockholm, erhalten. Die genauen Titel neben „Till syster Frida“ und Dalens Blomma“ müssen noch erforscht werden. „Dalens blomma“ wurde anlässlich ihres Todes in der „Ny illustrerad tidning“ (1880, Nr. 43) abgedruckt.

    Repertoire

    Opernrollen

    Gräfin Almaviva und Susanna („Le Nozze di Figaro“, Wolfgang Amadé Mozart)

    Pamina („Zauberflöte“, Wolfgang Amadé Mozart)

    Donna Anna („Don Giovanni“, Wolfgang Amadé Mozart)

    Agathe („Freischütz“, Carl Maria von Weber)

    Alica („Robert le diable“, Giacomo Meyerbeer)

    Anna („La dame blanche“, François Boildieu)

    Bertha („Le Prophète“, Giacomo Meyerbeer)

    Mathilde („Wilhelm Tell“, Gioacchino Rossini)

    Elvira („I Puritani“, Vincenzo Bellini)

    Lady Harriet Durham („Martha“, Friedrich von Flotow)


    Lucia („Lucia di Lammermoor“, Gaetano Donizetti)

    Leonore („l trovatore“, Giuseppe Verdi)

    Margarethe („Faust“, Charles Gounod)


    Über das Liedrepertoire sind derzeit noch keine Einzelheiten bekannt.

    Quellen

    Hedberg, Frans. Svenska operasångare: karakteristiker och porträtter. Stockholm: Fritze 1885.


    Hofberg, Hermann. „Svenskt biografiskt handlexikon: Alfabetiskt ordnade lefnadsteckningen af sveriges namkunniga män och quinnor; fran reformationen till närvarande tid.“ Stockholm: Bonnier o.J.

    (s.auch: http://runeberg.org/sbh/b0525.html)


    „Ny illustrerad tidning“ (1880, Nr. 43).


    Öhrström, Eva. „Borgerliga kvinnors musicerande i 1800-talets Sverige“ (=Skrifter från Musikvetenskapliga institutionen, Bd. 15). Göteborg, 1987.


    Öhrström, Eva. „Elfrida Andrée. Ett Levnadsöde“. Stockholm: Prisma, 1999.


    Stenhammar, Fredrika. „Brev“ utgivna av Elsa Stenhammar. Uppsala: Gebers Förlag 1958.


    Svensk Uppslagsbok, 2. Auflage, Malmö: Förlagshuset Norden AB 1957.


    Links

    http://www.muslib.se/hand/fort/andree.html

    Andrée-Stenhammar-Arkiv mit Index der Quellen u.a. zu Fredrika Stenhammar.

    Forschung

    Eva Öhrström beschäftigt sich in Ihrem Buch über die Schwester Fredrika Stenhammars, Elfrida Andrée, auch mit der Sängerin. Eine ausführliche Biografie ist jedoch, soweit bekannt, noch nicht erschienen. In der Abteilung Raritetssamlingara der Bibliothek der Kungliga Musikaliska Akademien Stockholm befindet sich das Andrée-Stenhammar-Arkiv, in dem zahlreiche Briefe an und von Fredrika Stenhammar sowie Kompositionsautographe aufbewahrt sind (vgl. http://www.muslib.se/hand/fort/andree.html).

    Forschungsbedarf

    Bedauerlicherweise sind bis dato nur wenige konkrete Aussagen über Fredrika Stenhammars Konzerttätigkeit möglich: sowohl ihr Repertoire als auch Konzertkritiken müssen noch ausgewertet werden.

    Fredrika Stenhammar zeichnete sich außerdem als aktive Netzwerkerin aus. Insofern wäre Stenhammars Wirken in und auf das schwedische Musikleben ein vielversprechendes Forschungsfeld.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 49200909
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Katrin Losleben


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 10.04.2006


    Empfohlene Zitierweise

    Katrin Losleben, Artikel „Fredrika Stenhammar“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 10.4.2006.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Fredrika_Stenhammar