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  • Fanny Frickenhaus

    von Silke Wenzel
    Fanny Frickenhaus, eigenhändig signierte Fotografie
    Namen:
    Fanny Frickenhaus
    Geburtsname: Fanny Evans
    Lebensdaten:
    geb. in Cheltenham, England
    gest. in London, England
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Veranstalterin
    Charakterisierender Satz:

    „She is recognized not only in London, but on the Continent, as one of our best pianists, and as a sterling, thoughtful, intellectual artist of the classical school, possessing not only the highest musical perceptions, but the requisite technique to do them justice.“


    „Sie wird nicht nur in London, sondern auch auf dem Kontinent als eine unserer besten Pianistinnen angesehen, und als eine zuverlässige, überlegte, intellektuelle Künstlerin der klassischen Schule, die nicht nur höchst musikalische Empfindsamkeit besitzt, sondern auch die notwendige Technik, ihr gerecht zu werden.“


    (Artikel „Frickenhaus, Fanny“. In: National Portrait Gallery of British Musicians. J. Warriner (Hg.). 1896)


    Profil

    Fanny Frickenhaus studierte bei Auguste Dupont am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel das Fach Klavier und setzte ihr Studium privat bei Wilhelm Bohrer fort. Vergleichsweise spät, mit 29 Jahren debütierte sie in den Saturday Evening Concerts in London und konnte sich anschließend als Solistin und Kammermusikerin im englischen Musikleben etablieren. Sie spielte unter Dirigenten wie August Manns und Arthur Sullivan und musizierte gemeinsam mit dem Geiger Joseph Ludwig und dem Violoncellisten William Edward Whitehouse. In den Programmen der von ihr veranstalteten Kammermusikkonzerte und in ihren Klavierrezitals verband sie das klassisch-romantische Repertoire mit zeitgenössischen Werken. Dabei wandte sie sich sowohl der neudeutschen Schule um Franz Liszt als auch der aktuellen französischen Komponisten-Generation zu und führte u. a. Kompositionen von Joachim Raff, Camille Saint-Saëns, César Franck und Claude Debussy auf.

    Orte und Länder

    Fanny Frickenhaus wurde im südwestenglischen Cheltenham (Gloucestershire) geboren. Sie erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in London und studierte anschließend am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel das Fach Klavier. Ende der 1870er Jahre kehrte sie nach England zurück und ließ sich in London nieder. Ihr Wirkungskreis blieb im Wesentlichen auf London beschränkt.

    Biografie

    Fanny Frickenhaus wurde am 7. Juni 1849 als Fanny Evans im englischen Cheltenham (Gloucestershire) geboren. Über ihre Herkunft ist nichts bekannt.


    Ihren ersten musikalischen Unterricht erhielt Fanny Frickenhaus von dem Komponisten, Kontrabassisten und Dirigenten George Mount in London. Anschließend studierte sie das Fach Klavier bei dem belgischen Komponisten und Pianisten Auguste Dupont (1827-1890) am Conservatoire Royale de Musique in Brüssel sowie privat bei dem Pianisten Wilhelm Bohrer. Frühe Auftritte unter ihrem Geburtsnamen sind derzeit nicht nachzuweisen. Vergleichsweise spät, im Alter von 29 Jahren und als verheiratete Frau, debütierte Fanny Frickenhaus im Januar 1879 in den Saturday Evening Concerts in der St. James’s Hall in London und sicherte sich von Beginn an das Wohlwollen der Musikkritik. Die Zeitung „The Times“ schrieb: „Madame Frickenhaus, a new pianist, made a favourable impression in Pièces de salon by various modern composers. Touch and technical skill appear to be well developed: but it would be premature to judge of the lady’s proficiency from such slight specimens.“ („Madame Frickenhaus, eine neue Pianistin, machte einen günstigen Eindruck mit Salonstücken verschiedener moderner Komponisten. Ihr Anschlag und ihre technischen Fähigkeiten scheinen gut entwickelt zu sein, aber es wäre verfrüht, anhand dieser leichten Musik über das Können der Dame zu urteilen.“; „The Times“ vom 13. Januar 1879, S. 11)


    In den folgenden Jahrzehnten konnte sich Fanny Frickenhaus als Solistin und Kammermusikerin im britischen Musikleben etablieren und trat in nahezu allen großen Konzertreihen und in den meisten Konzertsälen Londons auf. Zu ihren regelmäßigen Kammermusikpartnern gehörten der Geiger und Joseph Joachim-Schüler Joseph Ludwig und der Violoncellist William Edward Whitehouse. Dabei galt Fanny Frickenhaus vor allem als hervorragende Interpretin des klassisch-romantischen Repertoires, machte sich jedoch auch einen Namen mit ihren Programmen zeitgenössischer Musik. Im August 1880 trat sie in den Covent Garden Promenade Concerts bei einem Richard Wagner gewidmeten Konzert auf und spielte dort Franz Liszts Bearbeitung von Richard Wagners „Spinnerlied“ aus dem „Fliegenden Holländer“ (vgl. „The Times“ vom 27. August 1880, S. 4). In den Crystal Palace Concerts debütierte sie am 20. November 1880 mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Allegro giojoso“ op. 43 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1880, S. 603). Im Dezember 1883 spielte sie das Klavierkonzert f-Moll op. 49 ihres Lehrers Auguste Dupont in den Crystal Palace Concerts unter der Leitung von August Manns, und „The Times“ urteilte: „M. Dupont, being himself a pianist, writes admirably for his instrument; admirable also in every respect was the rendering which his work received at the hands of Madame Frickenhaus, who is, we believe, his pupil. The final movement, taken at a rapid pace, was a triumph of technical skill.“ („M. Dupont, selbst Pianist, schreibt bewunderswert für sein Instrument; ebenfalls bewunderswert, in jeder Hinsicht, war die Wiedergabe seines Werks aus den Händen von Madame Frickenhaus, die, soweit wir wissen, seine Schülerin ist. Der letzte Satz in schnellem Tempo war ein Triumph ihrer technischen Fähigkeiten.“; „The Times“ vom 17. Dezember 1883, S. 10) Ebenfalls unter der Leitung von August Manns führte sie im Dezember 1885 in einem Crystal Palace Concert Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert D-Dur (verm. KV 537, „Krönungskonzert“) auf (vgl. „The Times“ vom 8. Dezember 1885, S. 13). Es folgten im Dezember 1885 die Uraufführung eines Klavierkonzertes gis-Moll von Oliver King im Rahmen der Brinsmead Symphony Concerts in der Londoner St. James’s Hall, die Uraufführung des Klavierkonzertes gis-Moll und im März 1886 eine Aufführung von Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54 unter der Leitung von Arthur Sullivan in den Konzerten der Philharmonic Society, wiederum in der St. James’s Hall. Beide Interpretationen wurden begeistert besprochen. Über das Klavierkonzert gis-Moll von Oliver King, der mit diesem Werk einen privaten Kompositionspreis erhalten hatte, hieß es in der „Times“: „Mr. King’s pianoforte concerto in G sharp minor can scarcely lay claim, it is undoubtedly a very interesting and in many respects an excellent work. The composer is known to have completed his studies at the Leipsic Conservatoire, and his music shows the characteristics of the modern German school founded by Schumann and respresented in our day chiefly by Brahms. [...] The composer could not have intrusted his work to safer hands than to those of Mdme. Frickenhaus, who was at the pianoforte, and of Mr. Ganz, who conducted the orchestra with skill and discretion. Mdme. Frickenhaus had mastered the difficult solo part in every detail, and rendered it with remarkable fire and delicacy of touch, setting forth at once the merits of the music and of the instrument on which she played.“ („Mr. King’s Klavierkonzert gis-Moll kann wohl kaum beanstandet werden, es ist zweifellos ein sehr interessantes und in mancherlei Hinsicht ein herausragendes Werk. Über den Komponisten weiß man, dass er sein Studium am Leipziger Konservatorium beendet hat, und seine Musik zeigt den Stil der modernen deutschen Schule, wie sie von Schumann begründet wurde und heutzutage hauptsächlich von Brahms repräsentiert wird. [...] Der Komponist hätte sein Werk keinen sichereren Händen anvertrauen können als jenen von Mdme. Frickenhaus, die den Klavierpart übernahm, und jenen von Mr. Ganz, der das Orchester mit Können und Umsicht dirigierte. Mdme. Frickenhaus meisterte den schwierigen Solopart in jedem Detail, gab ihn mit bemerkenswertem Feuer und Feinheit im Anschlag wieder und hob dabei sowohl die Vorzüge des Werkes als auch des Instruments, das sie spielte, hervor.“; „The Times“ vom 22. Dezember 1885, S. 14) Über Robert Schumanns Klavierkonzert und Fanny Frickenhaus schrieb die „Times“: „Equally welcome [...] was the rendering of Schumann’s pianoforte concerto by Madame Frickenhaus, an artist who has fully grasped the meaning of the modern German school, and played Schumann as Schumann should be played – that is, with a total absence of mere external show, and with great subtlety of poetic feeling. Her success was such as it deserved to be.“ („Ebenso willkommen [...] war die Wiedergabe von Schumanns Klavierkonzert von Madame Frickenhaus, einer Künstlerin, die ganz und gar die Bedeutung der modernen deutschen Schule erfasst hat und Schumann spielt, wie man Schumann spielen sollte – das heißt, ohne jegliche äußere Show und mit einem großen Sinn für poetisches Gefühl. Ihr Erfolg war wohlverdient.“; „The Times“ vom 6. März 1886, S. 6)


    Im Sommer 1885 gründete Fanny Frickenhaus gemeinsam mit dem Geiger und Joseph Joachim-Schüler Joseph Ludwig eine Kammermusikreihe, deren Konzerte in der Prince’s Hall in London stattfanden; mitbeteiligt war häufig der Violoncellist William Edward Whitehouse. Die Programme sollten einem möglichst hohen Anspruch gerecht werden und dabei sowohl das klassisch-romantische Repertoire abdecken als auch zeitgenössische Kompositionen vorstellen. So spielten Fanny Frickenhaus, Joseph Ludwig und William Edward Whitehouse z. B. am 6. Mai 1886 u. a. Antonín Dvoráks Klaviertrio f-Moll op. 65, eine Gigue mit Variationen für Klavier solo von Joachim Raff und Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine G-Dur op. 30 Nr. 3. „The Musical Times“ rezensierte: „Ecouraged, no doubt, by the success which attended the first series of their Chamber Concerts last season, these able artists resumed their joint performances on the 6th ult., at Prince’s Hall, before an audience as appreciative as it was numerous. [...] the evident desire on the part of the Concert-givers to extend the somewhat conservative repertoire of the popular institutions in favour of contemporary masters, detracts nothing from the interest attaching to their scheme, and indeed constitutes a distinctive merit thereof.“ („Ermutigt vom Erfolg, den die erste Serie ihrer Kammermusikkonzerte in der letzten Saison hatte, zeigten diese fähigen Künstler wiederum ihre interpretatorischen Fähigkeiten am 6. vergangenen Monats in der Prince’s Hall vor einem Publikum, das so anerkennend wie zahlreich war. [...] Der verständliche Wunsch der Konzertgeber, das eher konservative Repertoire der populären Institutionen zugunsten zeitgenössischer Meister auszuweiten, schmälert in keiner Weise das Interesse an ihrem Konzept, sondern stellt sogar ein unverwechselbares Verdienst dar.“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1886, S. 337). Auf dem Programm des 2. Konzertes standen Joseph Gabriel Rheinbergers Klavierquartett Es-Dur op. 38, Nils Wilhelm Gades Violinsonate d-Moll op. 21 und Frédéric Chopins Scherzo Nr. 4 E-Dur op. 54 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1886, S. 337). Über das dritte und vierte Konzert der Reihe hieß es einen Monat später in der „Musical Times“: „While the hight standard aimed at from the beginning in the selection of their programmes has been fully maintained, their performances have been singularly free from that undue assertion of the individual for which similar undertakings have before now created a convenient opportunity. On the other hand, there has been a steadily increasing attendance, and on both the third and the final Concerts of the season (the 3rd and 17th ult.) the Prince’s Hall was completely filled with an audience as discriminating as it was appreciatory.“ („Während der höchste Standard, den man von Beginn an anvisierte, in der Auswahl des Programms vollständig eingelöst wurde, waren ihre Aufführungen uneingeschränkt frei von dieser überzogenen Selbstdarstellung, für die bislang vergleichbare Unternehmungen eine günstige Gelegenheit boten. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen stetig an und bei beiden Konzerten, dem dritten und dem letzten der Saison [am 3. und 17. vergangenen Monats] war die Prince’s Hall vollständig gefüllt mit einem Publikum, das so anspruchsvoll wie kunstverständig war.“; „Musical Times“ vom 1. Juli 1886, S. 404) Auf dem Programm des letzten Konzertes standen u. a. Robert Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ op. 26, Franz Schuberts Fantasie C-Dur für Klavier und Violine op. 159 sowie Sechs Bagatellen für Harmonium, 2 Violinen und Violoncello von Antonín Dvořák op. 47 („Musical Times“ vom 1. Juli 1886, S. 404). Auch in den folgenden Jahren fanden regelmäßig Konzerte im Rahmen der Reihe statt. So standen z. B. im Sommer 1887 die folgenden Werke auf den Programmen: das Klavierquintett E-Dur von Friedrich Kiel op. 44, die Suite für Klavier und Violine D-Dur op. 17 von Woldemar Bargiel, Ludwig van Beethovens Streichquartett f-moll op. 95, Johannes Brahms „neue“ Violinsonate A-Dur op. 100, Arnold Krugs „The Strolling Musicians“ für Klavierduett, Violine und Violoncello, Ludwig van Beethovens Klaviersonate Es-Dur op. 31 Nr. 3 und Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur op. 163. Im dritten und vierten Konzert spielten Fanny Frickenhaus, Joseph Ludwig und William Edward Whitehouse das Klavierquintett in d-Moll op. 25 von Charles Villier Stanford, Joachim Raffs Violinsonate D-Dur op. 128 und ein Prelude e-Moll für Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1887, S. 344; 1. Juli 1887, S. 410).


    Parallel zu ihren Auftritten als Solistin und Kammermusikerin veranstaltete Fanny Frickenhaus von ca. 1892 bis 1913 mindestens einmal jährlich ein eigenes Konzert. So gab sie z. B. im April 1892 ein eigenes Konzert in der Londoner St. James’s Hall, bei dem der Geiger Achilles Simonetti, der Sänger Norman Salmond sowie dessen Frau, die Pianistin Mrs. Salmond mitwirkten. Auf dem Programm standen eine von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten Es-Dur, Robert Schumanns Klavierstück „Einsame Blumen“ op. 82 Nr. 3, Franz Liszts „Liebestraum“ sowie ein Prélude, eine Mazurka und eine Etüde von Frédéric Chopin. Gemeinsam mit der Pianistin Mrs. Salmond spielte Fanny Frickenhaus zudem die Variationen über ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere von Camille Saint-Saëns op. 35 und einen Satz aus einem Klavierkonzert von Xaver Scharwenka, vom Komponisten selbst arrangiert für zwei Klaviere. „The Times“ rezensierte: „The agreeable entertainment given on Thursday afternoon in St. James’s-hall can hardly be described as a pianoforte recital, though that instrument bore the most prominent part. Mme. Frickenhaus did well to associate with herself three other artists whose performances gave variety and effect to the programme. She herself played Beethoven’s ‚characteristic’ sonata in E flat and other pieces with all the brilliancy and unerring precision which distinguish her, and also with much feeling and artistic intelligence. In fact, the admirers of her playing must have been surprised to find that pieces of quiet character, such as Schumann’s lovely ‚Einsame Blumen,’ Liszt’s melodious ‚Liebestraum,’ and Chopin’s prelude in F sharp major and mazurka in A flat were even more excellently played than the last-named composer’s study’s in F, a piece which the player has often interpreted to perfection.“ („Die angenehme Veranstaltung, die am Donnerstag Nachmittag in der St. James’s Hall gegeben wurde, kann kaum als Klavierrezital bezeichnet werden, auch wenn dieses Instrument den herausragenden Part übernahm. Mme. Frickenhaus tat gut daran, drei weitere Künstler um sich zu scharen, deren Aufführungen dem Programm Abwechslung und besondere Wirkung verliehen. Sie selbst spielte Beethovens charakteristische Klaviersonate Es-Dur und andere Stücke mit einer Brillanz und unbeirrbaren Präzision, die sie von anderen abhebt, und ebenso mit viel Gefühl und künstlerischem Verständnis. Die Bewunderer ihres Spiels waren überrascht zu bemerken, dass ruhige Stücke wie Schumanns wunderschönes ‚Einsame Blumen’, Liszts melodischer ‚Liebestraum’ und Chopins Prelude Fis-Dur und seine Mazurka As-Dur besser gespielt wurden als Chopins Etüde in F-Dur, ein Stück, das die Pianistin schon oft perfekt interpretiert hatte.“; „The Times“ vom 30. April 1892, S. 15) Bei ihrem Konzert im April 1893 nahm Fanny Frickenhaus mehrere aktuelle französische Werke in das Programm auf. So spielte sie – neben Ludwig van Beethovens Klaviersonate Fis-Dur op. 78 u. a. – die Violinsonate A-Dur FWV 8 von César Franck (gemeinsam mit dem Geiger Réné Ortmans) und die Polonaise für zwei Klaviere op. 77 von Camille Saint-Saëns (gemeinsam mit Mrs. Salmonds): „It is very seldom that so interesting a programme is given at pianoforte recitals as that offered by Mme. Frickenhaus on Wednesday afternoon in St. James’s-hall. Of all contemporary schools of musicians the most advanced group of French composers receives almost less attention than any other. All the more welcome was the performance of a sonata for pianoforte and violin by César Franck, one of the most influential of modern French composers; the work is one of great interest and undoubted originality, though its servere style and extremely modern harmonic design will probably retard its popularity with the general public. [...] In the performance of this work the concert-giver was ably assisted by Mr. René Ortmans, and in a very effective ‚polonaise’ by Saint Saëns for two pianofortes, Mrs. Norman Salmond took part [...].“ („Es ist selten, dass ein Klavierrezital ein so interessantes Programm bietet, wie jenes, das Mme. Frickenhaus am Mittwoch Nachmittag in der St. James’s Hall gab. Von allen zeitgenössischen Schulen ist die fortschrittlichste Gruppe französischer Komponisten die am wenigsten beachtete. Um so mehr war die Aufführung einer Sonate für Klavier und Violine von César Franck willkommen, einer der einflussreichsten unter den französischen Komponisten; das Werk ist von größtem Interesse und zweifelsfrei originell, auch wenn der strenge Stil und die extrem moderne Harmonik seine Akzeptanz beim Publikum ein wenig verzögern wird. [...] In der Aufführung des Werkes wurde die Konzertgeberin von Mr. René Ortmans tatkräftig unterstützt, und Mrs. Norman Salmond war an einer sehr wirkungsvollen Polonaise von [Camille] Saint-Saëns für zwei Klaviere beteiligt [...].“; „The Times“ vom 21. April 1893, S. 4)


    Auch die Konzerte der folgenden Jahre zeigen, dass Fanny Frickenhaus ihr Repertoire stetig erweiterte. So standen z. B. bei einem ihrer Konzerte im März 1905 Variationen über ein eigenes Thema des deutsch-kanadischen Komponisten Carl Adolph Preyer, Sergej Liapounovs Etüde E-Dur „Nuit d’Été“ op. 11 Nr. 5, Clement Harris’ Étude de Concert „L’hiver“, Gabriel Duponts Fuge für die rechte Hand und Alexander Skrjabins Prélude op. 8 für die linke Hand auf dem Programm. Ferner spielte Fanny Frickenhaus Frédéric Chopins Scherzo E-Dur op. 54, Franz Liszts „Waldesrauschen“, einige Stücke des Wiener Pianisten Theodor Leschetizky und des us-amerikanischen Komponisten Edward MacDowell und begleitete zudem den Sänger Atherton Smith in drei Liedern von Hugo Wolf. „The Times“ schrieb über die Konzertgeberin und die Interpretationen: „Mme Frickenhaus, one of the most earnest pianists of the day, has a rare and most laudable conciousness of the kind of music that suits her style best; she does another thing for which musical amateurs may well be grateful – that is, she avoids the hackneyed music that most players thinks it necessary to bring forward on every possible occasion. In her recital yesterday, at Bechstein-hall, Chopin’s scherzo in E, op. 54, came the nearest to the usual repertory, and was, in truth, played with rather less than the usual effect. The set of variations on an original theme by C. A. Preyer, with which she began her programme, is charming, effective, and really original, which is rather more than can be said for Liapounov’s ‚Nuit d’Eté.’ The late Clement Harris’s brilliant study, ‚L’hiver’ is an excellent piece of work, and well deserves to be more widely known; it was splendidly played. Dupont’s curious fugue for the right hand alone, and Scriabine’s prelude, op. 8, for the left hand alone, represent a kind of tour de force that appeals to players more than to listeners, but Mme. Frickenhaus’s playing of Liszt’s ‚Waldesrauschen’ and of some pieces by Leschetizky and MacDowell was admirably artistic. Mr. Atherton Smith sang three songs by Hugo Wolf [...]. Mme. Frickenhaus played the accompaniments and made them seem most interesting, though she understands perfectly how to subordinate the piano to the voice.“ („Mme. Frickenhaus, eine der verdienstvollsten Pianisten unserer Zeit, hat ein seltenes und sehr lobenswertes Bewusstsein dafür, welche Musik ihrem Stil am besten entspricht; sie tut noch etwas, für das die meisten Amateure sehr dankbar sind – sie vermeidet jene abgedroschene Musik, von der die meisten Interpreten meinen, sie bei jeder Gelegenheit spielen zu müssen. In ihrem Rezital gestern in der Bechstein Hall kam Chopins Scherzo in E-Dur op. 54 ihrem üblichen Repertoire am nächsten und wurde in der Tat mit nicht weniger als dem üblichen Effekt gespielt. Die Variationen über ein eigenes Thema von C. A. Prayer, mit der sie ihr Programm begann, sind hübsch, wirkungsvoll und wirklich originell, was nicht unbedingt von Liapounovs ‚Nuit d’Été’ gesagt werden kann. [...] Mme. Frickenhaus’ Spiel von Liszts ‚Waldesrauschen’ und einiger Stücke von Leschetitzky und MacDowell war bewundernswert virtuos. Mr. Atherton Smith sang drei Lieder von Hugo Wolf [...]. Mme. Frickenhaus spielte den Klavierpart und machte die Lieder höchst interessant, denn sie versteht es perfekt, das Klavier der Stimme unterzuordnen.“; „The Times“ vom 23. März 1905, S. 12) Bei ihrem Jahreskonzert 1908 in der Londoner Bechstein Hall spielte Fanny Frickenhaus Johannes Brahms’ Klaviersonate f-Moll op. 5, eine Berceuse und ein Scherzo von Frédéric Chopin, zwei Klavierstücke von Edward MacDowell, die beiden Arabesques E-Dur und G-Dur von Claude Debussy und eine Valse-Caprice von J. H. Moore (vgl. „The Times“ vom 2. April 1908, S. 7). Das Jahreskonzert im Frühjahr 1913 umfasste Ludwig van Beethovens Klaviersonate Es-Dur op. 81a („Les Adieux“), Franz Schuberts Impromptu Ges-Dur D 899 Nr. 3, Giovanni Sgambatis „En Valsant“ op. 36 Nr. 7, Charles Villier Stanfords „Leprechaun’s Dance“ in einer Bearbeitung von Percy Grainger sowie Air and Bourrée von Arthur Somervell (vgl. „The Times“ vom 27. Februar 1913, S. 9).

    Fanny Frickenhaus starb am 8. August 1913 in London (vgl. „The Musical Times“ vom 1. September 1913, S. 607).

    Würdigung

    Fanny Frickenhaus war mehr als drei Jahrzehnte lang im britischen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin präsent. Sie veranstaltete regelmäßig eigene Konzerte und Kammermusikabende, u. a. gemeinsam mit dem Geiger Joseph Ludwig und dem Violoncellisten Edward William Whitehouse, und trat häufig als Solistin mit den etablierten Londoner Orchestern auf. Dabei galt sie als herausragende Pianistin der klassischen Schule. Bereits 1896 schrieb der Lexikograf J. Warriner über sie: „She is recognized not only in London, but on the Continent, as one of our best pianists, and as a sterling, thoughtful, intellectual artist of the classical school, possessing not only the highest musical perceptions, but the requisite technique to do them justice.“ („Sie wird nicht nur in London sondern auch auf dem Kontinent als eine unserer besten Pianistinnen angesehen, und als eine zuverlässige, überlegte, intellektuelle Künsterlin der klassischen Schule, die nicht nur höchst musikalische Empfindsamkeit besitzt, sondern auch die notwendige Technik, ihr gerecht zu werden.“; J. Warriner 1896)

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Fanny Frickenhaus werden derzeit nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Fanny Frickenhaus kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Kompositionen:


    Bargiel, Woldemar. Suite für Klavier und Violine D-Dur op. 17.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Es-Dur op. 31 Nr. 3.

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Es-Dur op. 81a („Les Adieux“).

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Fis-Dur op. 78.

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier und Violine G-Dur op. 30 Nr. 3.


    Brahms, Johannes. Klaviersonate f-Moll op. 5.

    Brahms, Johannes. Violinsonate A-Dur op. 100.


    Chopin, Frédéric. Berceuse.

    Chopin, Frédéric. Scherzo (keine Präzisierung möglich).

    Chopin, Frédéric. Scherzo E-Dur op. 54.


    Debussy, Claude. Deux Arabesques E-Dur, G-Dur.


    Dupont, Auguste. Fuge für die rechte Hand.

    Dupont, Auguste. Klavierkonzert f-Moll op. 49.


    Dvořák, Antonín. Sechs Bagatellen für Harmonium, 2 Violinen und Violoncello op. 47.

    Dvořák, Antonín. Klaviertrio f-Moll op. 65.


    Franck, César. Violinsonate A-Dur FWV 8.


    Gade, Nils. Violinsonate d-Moll op. 21.


    Harris, Clement. Étude de Concert „L’hiver“.


    Kiel, Friedrich. Klavierquintett E-Dur op. 44.


    King, Oliver. Klavierkonzert gis-Moll (Uraufführung) .


    Krug, Arnold. The Strolling Musicians für Klavierduett, Violine und Violoncello.


    Liapounov, Sergej. Etüde E-Dur „Nuit d’Été“ op. 11 Nr. 5.


    Liszt, Franz. Liebestraum.

    Liszt, Franz. Waldesrauschen.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Allegro giojoso op. 43.

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Prelude e-Moll für Klavier (keine Präzisierung möglich).


    Moore, J. H. Valse-Caprice.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert D-Dur (verm. KV 537, „Krönungskonzert“).


    Preyer, Carl Adolph. Variationen über ein eigenes Thema


    Raff, Joachim. Gigue mit Variationen für Klavier solo.

    Raff, Joachim. Violinsonate D-Dur op. 128.


    Rheinberger, Joseph Gabriel. Klavierquartett Es-Dur op. 38.


    Saint-Saëns, Camille. Polonaise für zwei Klaviere op. 77.

    Saint-Saëns, Camille. Variationen über ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere op. 35.


    Schubert, Franz. Fantasie C-Dur für Klavier und Violine op. 159.

    Schubert, Franz. Impromptu Ges-Dur D 899 Nr. 3.


    Schumann, Robert. Einsame Blumen op. 82 Nr. 3.

    Schumann, Robert. Faschingsschwank aus Wien op. 26.

    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll op. 54.


    Schwarwenka, Xaver. Klavierkonzert (keine Präzisierung möglich) .


    Sgambati, Giovanni. „En Valsant“ op. 36 Nr. 7.


    Skrjabin, Alexander. Prélude op. 8 für die linke Hand.


    Somervell, Air and Bourrée.


    Stanford, Charles Villier. Klavierquintett in d-Moll op. 25.

    Stanford, Charles Villier. Leprechaun’s Dance.


    Wagner, Richard/Liszt, Franz. „Spinnerlied“ aus dem „Fliegenden Holländer“.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Frickenhaus, Fanny“. In: A Dictionary of Pianists. E. Pauer (Hg.). 1896 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Frickenhaus, Fanny“. In: National Portrait Gallery of British Musicians. J. Warriner (Hg.). 1896 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Frickenaus, Fanny“. In: British Musical Biography. J. D. Brown, S. S. Stratton. (Hg.). 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Frickenhaus (Fanny Evans)“. In: Black’s Dictionary of Music and Musicians. L. J. de Bekker (Hg.). 1924 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Frickenhaus, Fanny“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag, 1954, Bd. 1, Sp. 1143.


    Laurence, Dan H. (Ed.). Shaw’s Music. The Complete Musical Criticism of Bernard Shaw. 3 Vol. Second revised edition. London: The Bodley Head, 1981.



    Konzertkritiken und Zeitschriftenartikel


    The Musical Times vom 1. Dezember 1880, S. 603.

    The Musical Times vom 1. Juni 1886, S. 337.

    The Musical Times vom 1. Juli 1886, S. 404.

    The Musical Times vom 1. Juni 1887, S. 344

    The Musical Times vom 1. Juli 1887, S. 410.

    The Musical Times vom 1. September 1913, S. 607.


    The Times vom 13. Januar 1879, S. 11.

    The Times vom 27. August 1880, S. 4.

    The Times vom 17. Dezember 1883, S. 10.

    The Times vom 8. Dezember 1885, S. 13.

    The Times vom 22. Dezember 1885, S. 14.

    The Times vom 6. März 1886, S. 6.

    The Times vom 30. April 1892, S. 15.

    The Times vom 21. April 1893, S. 4.

    The Times vom 23. März 1905, S. 12.

    The Times vom 2. April 1908, S. 7.

    The Times vom 27. Februar 1913, S. 9.



    Links


    http://www.concertprogrammes.org.uk (Stand: 13. Februar 2011)

    Die „Concert Programmes Database“ Großbritanniens enthält mehrere Einträge zu Fanny Frickenhaus.

    Forschung

    Zu Fanny Frickenhaus liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Fanny Frickenhaus umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre künstlerischen Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 16.05.2011
    Zuletzt bearbeitet am 23.11.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Fanny Frickenhaus“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.11.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Fanny_Frickenhaus