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  • Fanny Clauss

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Fanny Clauss
    Ehename: Fanny Françoise-Charles Clauss-Prins
    Varianten: Fanny Clauss-Prins, Fanny Prins, Fanny Claus-Prins, Fanny Françoise-Charles Clauss, Fanny Françoise-Charles Prins, Fanny Françoise-Charles Claus-Prins
    Lebensdaten:
    geb. in Besançon, Frankreich
    gest. in Paris, Frankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Bratscherin
    Charakterisierender Satz:

    „Les quatre sœurs Clauss ont déjà du talent; et, la semaine dernière, dans les salons Pleyel-Wolff, on a vivement applaudi ce très-gracieux quatuor. Mlles Jenny et Fanny ont exécuté des morceaux de Rode, de Mendelssohn et plusieurs belles symphonies concertantes pour deux violons, d’Alard et de Charles Dancla, avec une justesse, un aplomb et un sentiment musical qui, malgré quelques inégalités, font espérer qu’elles retrouveront peut-être un jour les succès de Teresa et de Maria Milanollo.“


    „Die vier Schwestern Clauss zeigen bereits jetzt Talent, und in der letzten Woche, in den Salons Pleyel-Wolff, hat man diesem sehr anmutigen Quartett lebhaft applaudiert. Die Mlles. Jenny und Fanny haben Stücke von Rode und Mendelssohn sowie mehrere hübsche konzertante Symphonien für zwei Violinen von Alard und Charles Dancla gespielt, mit einer Genauigkeit, einer Ausgewogenheit und einer Musikalität, dass man, trotz mancher Unregelmäßigkeiten, hoffen kann, dass sie eines Tages den Erfolg von Teresa und Maria Milanollo erreichen.“


    („Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Februar 1861, S. 34)


    Profil

    Die Geigerin und Bratscherin Fanny Clauss trat bereits als Kind gemeinsam mit ihren drei Schwestern im Streich- und Klavierquartett auf. Ab Anfang der 1860er Jahre studierte sie Violine bei Charles Dancla am Pariser Conservatoire de la Musique und konnte sich anschließend vorrangig im französischen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren. Dabei war sie Mitbegründerin mehrerer Damenensembles, in denen sie den teils den Part der Violine, teils jenen der Viola übernahm. Zu den von ihr mitbegründeten Ensembles gehörten das „Quatuor Féminin“ 1865/66 mit Catarine Lebouys (1. Violine), Jenny und Fanny Clauss (2. Violine, Viola) und Hélène de Katow bzw. Eliza de Try (Violoncello) sowie das „Quatuor Sainte-Cécile“, das 1876 gegründet wurde und das die Geigerin Marie Tayau als Primaria führte. Parallel konzertierte Fanny Clauss mehrere Jahre lang gemeinsam mit ihrer Schwester Jenny Clauss im Violinduo.


    Nach ihrer Heirat mit dem Maler und Bildhauer Pierre Prins im Jahr 1869 arbeitete Fanny Clauss als Geigenlehrerin in Paris. Heutzutage ist sie vorrangig als Modell der stehenden Figur in Edouard Manets Gemälde „Le Balcon“ aus dem Jahr 1868/69 bekannt.

    Orte und Länder

    Fanny Clauss wurde in Besançon geboren und studierte ab Anfang der 1860er Jahre Violine am Pariser Conservatoire de la Musique. Bis zu ihrer Heirat 1869 lebte sie in Paris, anschließend teils in der Nähe von Brüssel, teils weiterhin in Paris. Dort starb sie 1877.

    Konzertreisen führten Fanny Clauss in viele Städte Frankreichs, der Schweiz, Portugals und Italiens, u. a. nach Lille, Tours, Lissabon, Florenz und Genf.

    Biografie

    Fanny Clauss wurde am 25. Juli 1846 in Besançon als Tochter eines Orchesterdirigenten Clauss (Vorname konnte nicht ermittelt werden) und seiner Frau geboren; die Familie stammte aus Belgien. Vermutlich erhielt sie gemeinsam mit ihren drei Schwestern Marie, Jenny und Cécile ihre erste musikalische Ausbildung in häuslichem Rahmen. Ab dem Alter von elf Jahren trat Fanny Clauss gemeinsam mit ihren Geschwistern öffentlich auf und konzertierte mit ihnen bis mindestens 1861 im Streichquartett, teils auch im Klavierquartett. Eine Altersreihenfolge der vier Geschwister lässt sich allerdings nur schwer festlegen; die Presserezensionen sind bis zum letzten gemeinsamen Auftritt widersprüchlich, und die Schwestern wechselten sich möglicherweise zudem in frühen Jahren an den Instrumenten ab. Vergleichsweise glaubwürdig wirkt jedoch eine Darstellung in „La Presse littéraire“ von 1861: Demnach war Marie (geb. ca. 1842) die älteste der Geschwister, gefolgt von Jenny (geb. 1844), Fanny (geb. ca. 1846) und Cécile (geb. ca. 1848) (vgl. „La Presse Littéraire“ vom 5. Februar 1861, S. 45).


    Von ca. 1860 bis mindestens 1863 studierte Fanny Clauss das Fach Violine bei Charles Dancla am Pariser Conservatoire de la Musique und wurde bei den Prüfungswettbewerben im Sommer 1863 mit einer ersten Belobigung ausgezeichnet. (vgl. „Revue et Gazette musicale“ vom 26. Juli 1863, S. 234).


    Noch vor Beginn ihres Studiums lassen sich mehrere Auftritte von Fanny Clauss belegen. So spielte sie z. B. im Sommer 1857 gemeinsam mit ihren Geschwistern in Genf. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ berichtete zwar von dem Konzert, zeigte sich jedoch wenig begeistert: „Die vier Mädchen, im Alter von 8 bis 14 Jahren, spielen Quartette von Haydn und auch Quintette, bei denen dann der Herr Papa den ‚Wunderkindern’ zuhilfe kommt. Auf uns, die wir ein abgesagter Feind alles Wunderkindthums sind, hat es einen peinlichen Eindruck gemacht, die vier Mädchen haspeln und raspeln zu sehen und zu hören, und die Curiosität ist am Ende das Einzige, was wir erwähnen könnten [...]. Die Violoncellspielerin [Cécile] scheint von den vieren das meiste Talent zu besitzen, allein dasselbe ist bei ihr ebenso uncultivirt als bei ihren drei Collegen und dem Papa.“ („Neue Zeitschrift für Musik, 1857, Bd. 2, S. 21; vgl auch Hoffmann 2010). Ende des Jahres 1857 zog die Familie nach Paris. Dort wurden die Geschwister tatsächlich zunächst in den Salons als kuriose Attraktion gehandelt, als solche jedoch auch begeistert aufgenommen. Die Zeitschrift „Le Ménestrel“ berichtete im Januar 1858 von einer privaten Soirée, in der Fanny Clauss mit ihren Geschwistern und ihrem Vater aufgetreten war: „Nous avons assisté, cette semaine, à une soirée musicale qui offrait un double intérêt. Une gracieuse maîtresse de maison, Mme Du F***, avait réuni, rue de la Madeleine, une nombreuse société dans ses brillants salons, et là nous avons applaudi à l’exécution de plusieurs quatuors interprétés par quatre jeunes sœurs, sous la direction de leur père: M. Clauss nous a amené à Paris, il y a trois mois, cet orchestre en miniature: le premier violon a treize ans, les deuxièmes comptent onze et huit ans, et le violoncelle ne dépasse pas la première cheville de son instrument. Tout cela gazouille à ravir, et nous savons que plusieurs salons se préparent à imiter Madame Du F***. Au point de vue de l’art, c’est déjà satisfaisant; comme chose curieuse, c’est tout simplement miraculeux.“ („Wir haben diese Woche einer musikalischen Soirée beigewohnt, die doppelte Neugier weckte. Eine charmante Hausdame, Mme Du F***, hatte bei sich in der Rue de la Madeleine eine zahlreiche Gesellschaft in ihren brillanten Salons versammelt, und dort haben wir mehreren Streichquartetten Beifall gezollt, die von vier jungen Schwestern unter Leitung ihres Vaters interpretiert wurden. M. Clauss hat uns vor drei Monaten dieses Miniaturorchester nach Paris gebracht: die erste Geige ist dreizehn Jahre alt, die beiden zweiten sind elf und acht Jahre alt, und das Violoncello überragt kaum den ersten Wirbel seines Instruments. Das alles zwitschert hinreißend, und wir wissen, dass sich mehrere Salons darauf vorbereiten, es Madame Du F*** nachzumachen. Vom Künstlerischen aus betrachtet ist es schon ganz zufriedenstellend, als Kuriosität ist es bezaubernd.“; „Le Menestrel“ vom 31. Januar 1858, S. 4)

    Im November 1860 wirkte das Ensemble bei einem Abend der Pianistin Castel (Vorname konnte nicht ermittelt werden), einer Schülerin Friedrich Kalkbrenners, im Saal des Théâtre-Molière mit und trat dabei u.a. mit Charles Gounods „Méditation sur le prélude de Bach“ auf, wie „Le Ménestrel“ berichtete: „Mlle. Castel, élève de Kalkbrenner, a donné mercredi dernier une soirée musicale et dramatique dans la salle du Théâtre-Molière. De nombreux applaudissements ont été décernés à la jeune bénéficiaire, ainsi qu’à l’interéssante famille Clauss, composée de quatre jeunes filles qui ont exécuté avec beaucoup d’ensemble la méditation de Gounod sur le prélude de Bach.“ („Mlle. Castel, eine Schülerin von Kalkbrenner, hat letzten Mittwoch eine musikalische und dramatische Soirée im Saal des Théâtre-Molière gegeben. Großer Beifall wurde der jungen Benefikantin zu Teil, ebenso wie der interessanten Familie Clauss, die aus vier jungen Mädchen besteht, die mit einem sehr guten Zusammenspiel die Méditation von Gounod über ein Prélude von Bach ausführten.“; „Le Ménestrel“ vom 25. November 1860, S. 415)


    Trotz dieses eher problematischen Beginns der künstlerischen Laufbahn gelang den Geschwistern der Übergang zu einem Kammermusikensemble, das sich im Musikleben etablieren konnte, und mindestens zweien unter ihnen, Fanny und Jenny Clauss, auch der Übergang zu einer erfolgreichen Karriere als Solistin. Am 24. Januar 1861 gaben die Geschwister erstmals ein eigenes Konzert in den Pariser Salons Pleyel-Wolff. Fanny Clauss spielte dabei u. a. Stücke von Jacques Pierre Joseph Rode und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie gemeinsam mit Jenny Clauss mehrere „Symphonies concertantes“ für zwei Violinen von Charles Dancla, ihrem Lehrer, und Delphin Alard. Die „Revue et Gazette musicale de Paris“ rezensierte: „Les quatre sœurs Clauss ont déjà du talent; et, la semaine dernière, dans les salons Pleyel-Wolff, on a vivement applaudi ce très-gracieux quatuor. Mlles Jenny et Fanny ont exécuté des morceaux de Rode, de Mendelssohn et plusieurs belles symphonies concertantes pour deux violons, d’Alard et de Charles Dancla, avec une justesse, un aplomb et un sentiment musical qui, malgré quelques inégalités, font espérer qu’elles retrouveront peut-être un jour les succès de Teresa et de Maria Milanollo.“ („Die vier Schwestern Clauss haben bereits jetzt schon Talent, und in der letzten Woche, in den Salons Pleyel-Wolff, hat man diesem sehr anmutigen Quartett lebhaft applaudiert. Die Mlles. Jenny und Fanny haben Stücke von Rode und Mendelssohn sowie mehrere hübsche konzertante Symphonien für zwei Violinen von Alard und Charles Dancla gespielt, mit einer Genauigkeit, einer Ausgewogenheit und einer Musikalität, dass man, trotz mancher Unregelmäßigkeiten, hoffen kann, dass sie eines Tages den Erfolg von Teresa und Maria Milanollo erreichen.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Februar 1861, S. 34) Explizit thematisierte der Rezensent im weiteren den genannten Übergang: „Cette soirée, où tant de jeunesse disposait à la bienveillance, eût pu satisfaire les dilettanti exigeants; il y avait là, en effet, plus que d’heureuses dispositions: il y avait des résultats très-satisfaisants. Dirigées par des maîtres experts dans l’art de deviner les aptitudes et de développer les intelligences, ces jeunes filles justifieront, sans aucun doute, les espérances qu’elles on fait naître.“ („Dieser Abend, an dem sich soviel Jugend dem Wohlwollen auslieferte, hätte die überdrehten Dilettanti befriedigen können; es gab dort tatsächlich mehr als eine gute Veranlagung zu sehen, es gab überaus zufriedenstellende Ergebnisse. Angeleitet von Lehrern, die in der Lage sind, die Stärken herauszufinden und die Talente zu fördern, werden diese jungen Mädchen ohne Zweifel die Hoffnungen erfüllen, die sie geweckt haben.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Februar 1861, S. 34) Auch „La Presse Littéraire“ schrieb über das „inzwischen sehr reale Talent“ der „jungen Musikerinnen“ und zeigte sich begeistert von dem Konzert: „Jeudi, 24, une foule nombreuse et élégante se pressait dans les salons de MM Pleyel et Wolff et venait applaudir le talent, très-réel déjà, de toutes jeunes musiciennes, les quatre sœurs Clauss. Ces charmantes et très-intéressantes jeunes artistes, dont l’aînée pent avoir dix-sept ans et la plus jeune douze, se jouent des difficultés les plus ardues et exécutent avec un brio et un sentiment qui font honneur à leur père, l’un de nos meilleurs professeurs, les morceaux les plus brillants et les plus compliqués. L’aînée, Mlle Marie Clauss, pianiste habile, chante aussi avec goût et possède une voix qui va à l’âme. Elle a produit beaucoup d’effet dans le grand air de l’Orphée de Glück. Le violon est l’instrument de deux d’entre elles, qui promettent de se montrer les dignes émules des Milanollo et des Ferni. La quatrième joue du violoncelle avec une perfection, une assurance qui ont lieu de surprendre chez une enfant aussi jeune. Le public, ému et ravi d’un bout à l’autre du concert, a prodigué à ces jeunes virtuoses des applaudissements qui ont dû leur paraître bien doux.“ („Donnerstag, den 24., drängte sich eine zahlreiche und elegante Menge in die Salons der Herren Pleyel und Wolff und kam, um dem inzwischen sehr realen Talent der sehr jungen Musikerinnen, den vier Schwestern Clauss, zu applaudieren. Die charmanten und sehr interessanten jungen Künsterlerinnen, von denen die Älteste ungefähr siebzehn und die jüngste zwölf Jahre alt ist, überwinden die größten Schwierigkeiten und spielen mit einem Feuer und einer Sensibilität, die ihrem Vater, einem unserer besten Lehrer, alle Ehre machen, die virtuosesten und kompliziertesten Stücke. Die Älteste, Mlle. Marie Clauss, eine fähige Pianistin, singt mit gutem Geschmack und besitzt eine Stimme, die die Seele berührt. Sie hat das Publikum in der großen Arie des Orphée von Gluck sehr beeindruckt. Die Geige ist das Instrument der beiden mittleren unter ihnen, die sich als würdige Nacheiferinnen der Milanollo- und Ferni-Schwestern zeigten. Die vierte spielt Violoncello mit einer Perfektion und Sicherheit, die bei einem so kleinen Kind überraschen. Das Publikum, von Anfang bis Ende des Konzertes bewegt und begeistert, bedachte die jungen Virtuosinnen mit einem Beifall, der ihnen sehr angenehm erscheinen musste.“; „La Presse Littéraire“ vom 5. Februar 1861, S. 45) Nach diesem Konzert reisten Marie, Fanny, Jenny und Cécile Clauss mit ihrem Vater weiter nach Genf, wo sie drei Kammermusikkonzerte gaben (vgl. „La Revue et Gazette Musicale de Paris“ vom 13. Februar 1861, S. 14).


    Im Laufe des Jahres 1861 kam es zu einem Familiendrama, das anhand der derzeit vorhandenen Quellen nicht genau rekonstruiert werden kann. Dabei kamen die Violoncellistin Cécile Clauss sowie vermutlich auch der Vater ums Leben. In „Le Ménestrel“ hieß es Mitte Januar 1862, die Familie sei Opfer eines „drame intime“, eines Familiendramas, geworden („Le Ménestrel“ vom 19. Januar 1862, S. 63). Aus diesem Anlass fand am 22. Januar 1862 ein Benefizkonzert für die Familie in den Salons Pleyel statt, an dem u. a. der Pianist Théodore Ritter, der Geiger Charles Dancla, der Violoncellist Sebastian Lée sowie mehrere Sängerinnen und Sänger mitwirkten. Charles Dancla, als Lehrer der Schwestern, schrieb hierfür eigens eine „symphonie concertante“ (vgl. ebd.; s. a. „Revue et Gazette musicale de Paris“ 1862, S. 22). Mitte des Jahres 1862 deutete die „Revue et Gazette musicale“ anlässlich der Konservatoriums-Wettbewerbe nochmals das Familiendrama an: „Dans ce concours de violon figuraient deux jenes filles miraculeusement échappées à une affreuse catastrophe. Une troisième sœur, qui jouait du violoncelle, avait péri sur-le-champ, frappée de la main d’un père qui s’était fait justice en se frappant lui-même. Jenny et Fanny Clauss ont été préservées, et l’aînée, qui annonce des dispositions, a mérité un second accessit.“ („An diesem Wettbewerb beteiligten sich zwei junge Mädchen, die gerade noch einmal auf wunderbare Weise einer schrecklichen Katastrophe entkommen sind. Eine dritte Schwester, die Violoncello spielte, kam dabei ums Leben, erschlagen von der Hand eines Vaters, der Gerechtigkeit herstellte, indem er sich selbst erschlug. Jenny und Fanny Clauss wurden verschont, und die ältere, die Talent erkennen lässt, hat eine zweite Belobigung verdient.“; „Revue et Gazette musicale“ vom 3. August 1862, S. 251).


    In den folgenden Jahren traten die Schwestern auch zu dritt auf. Im Juli 1862 sangen und spielten z. B. Marie, Jenny und Fanny Clauss im Kasino von Enghien-les-Bains nahe Paris (vgl. „Le Figaro“ vom 24. Juli 1862, S. 6) und gaben im Januar 1863 nochmals ein eigenes Konzert in den Pariser Salons Pleyel, an dem neben Marie, Fanny und Jenny Clauss auch Marie Sabatier-Blot, ein Sänger namens M. Marc und der Violoncellist Sebastian Lee teilnahmen. Fanny Clauss spielte dabei u. a. eine „Fantaisie sur la Muette“ von Delphin Alard, eine ihr gewidmete Symphonie pour deux violons et violoncelle von Charles Dancla gemeinsam mit Jenny Clauss und Sebastian Lee sowie eine Symphonie für zwei Violinen und Klavier mit Jenny und Marie Clauss (vgl. „Journal des débats“ vom 15. Januar 1863, S. 2; „Revue et Gazette musicale de Paris“ 1863, S. 28). Im Laufe des Jahres 1863 zog sich Marie Clauss aus dem öffentlichen Musikleben zurück.


    Fanny Clauss konnte sich in den folgenden Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester Jenny Clauss als Violinduo im Konzertleben etablieren. Die beiden Schwestern wurden dabei häufiger mit den Schwestern Teresa und Marie Milanollo verglichen. Am 3. Januar 1865 traten Fanny und Jenny Clauss z. B. in einem Konzert der Société Philharmonique in Le Mans auf. Dabei spielte Fanny Clauss die „Fantaisie sur l’opéra ‚la Muette’“ ihres Lehrers Charles Dancla, eine „Symphonie concertante“ gemeinsam mit ihrer Schwester, ein „Air Venetien de While“ sowie eine Bearbeitung des „Ave Maria“ von Charles Gounod für zwei Violinen, Klavier, Harmonium und Orchester. Die Zeitschrift „La Revue-Programme“ aus Le Mans rezensierte: „Des bravos sympathiques ont salué Mlle Fanny Clauss à son apparition. Cette jeune et jolie personne possède un coup d’archet et des staccato qui lui attiraient à la fin de chaque phrase musicale des murmures flatteurs. Les bravos se retenaient encore arrêtés, suspendus par un passage subit du plus brillant des forte, au plus doux et au plus moelleux des pianos. Toute fantaisie sur l’opéra si populaire de la Muette, est toujours entendue avec plaisir: celle-là le fut bien davantage encore, et un rappel unanime [...] vint montrer à Mlle Fanny combien chacun l’avait admirée, et lui promettre le plus sympathique accueil. [...] Mesdemoiselles Clauss sont aussi pleines de talent que gentilles, et dignes d’intérêt par leurs malheurs de famille. [...] La soirée s’est terminée par l’Ave Maria de Gounod [...]; ce charmant morceau a eu les honneurs du bis.“ („Begeisterte Bravorufe begrüßten Mlle Fanny Clauss bei ihrem Auftreten. Die junge und hübsche Person verfügt über einen Bogenstrich und Staccati, die am Ende einer jeden musikalischen Phrase ein schmeichelhaftes Raunen auslösten. Die Bravos wurden noch zurückgehalten, gebremst von einer Passage, die plötzlich vom brillantesten Forte zum zartesten und weichsten Piano überging. Jede Fantasie über die bekannte Oper ‚La Muette’ wird immer gerne gehört: diese hier noch viel mehr, und ein einmütiger Wiederaufruf [...] zeigte Mlle. Fanny, wie sehr sie ein jeder bewunderte und den herzlichsten Empfang versprach. [...] Die Mesdemoiselles Clauss sind ebenso talentvoll wie freundlich und verdienen aufgrund des Unglücks der Familie Aufmerksamkeit. [...] Der Abend endete mit dem ‚Ave Maria’ von Gounod [...]; dem charmanten Stück wurde die Ehre der Wiederholung zuteil.“; „La Revue-Programme“ vom 6. Januar 1865, S. 2) Im April 1865 konzertierten Fanny und Jenny Clauss u. a. in Lissabon (vgl. „Le Ménestrel“ vom 30. April 1865, S. 174) und traten auch in späteren Jahren häufiger als Violinduo auf, so z. B. im April 1868 bei einem Konzert einer Mme. Comettant in Versaille, u. a. an der Seite der Geigerin Marie Tayau und der Harfenistin Besse Dularzes: „Citons parmi la pléiade d’artistes qu’on rencontre chez Mme Comettant, trois autres jeunes violonistes, les sœurs Clauss, – une seule âme en deux violons; – Mlle Tayau, l’élève affectionnée d’Alard, et une jeune harpiste de quinze ans, Mlle Besse Dularzes“ („Nennen wir unter der Pleiade von Künstlern, die man bei Mme. Comettant trifft, drei weitere junge Geigerinnen, die Schwestern Clauss – eine Seele in zwei Geigen –, und Mlle. Tayau, herausragende Schülerin von Alard, und eine junge Harfenistin von fünfzehn Jahren, Mlle. Besse Dularzes“; „Le Menestrel“ vom 12. April 1868, S. 159).


    Ende des Jahres 1865 gründeten Jenny und Fanny Clauss gemeinsam mit Catarina Lebouys (1. Violine) und der Violoncellistin Hélène de Katow unter dem Namen „Quatuor Féminin“ ein Damenstreichquartett, in dem Jenny Clauss den Part der zweiten Violine und Fanny Clauss den der Bratsche übernahm. Ergänzend kam die Pianistin Marie-Louise Mongin, eine Schülerin von Louise Farrenc, hinzu. In Frankreich berichteten die Musikzeitschriften regelmäßig von der Entwicklung des neuen Streichquartetts. So schrieb z. B. die Zeitschrift „Le Ménestrel“: „C’est le jeudi 18 janvier que doit avoir lieu, à la salle Herz, l’inauguration du quatuor féminin d’instruments à cordes, composé comme suit: Mlle Lebouys, premier violon; Mlle Jenny Clauss, second violon; Mlle Fanny Clauss, alto, et Mlle Hélène de Katow, violoncelle; pianiste, Mlle Mongin. Inutile de faire ressortir l’intérêt spécial qui s’attache à cette innovation dont le succès est assuré.“ („Am 18. Januar wird in der Salle Herz das Debüt des Damenstreichquartetts stattfinden, das sich wie folgt zusammensetzt: Mlle. Lebouys, erste Violine, Mlle. Jenny Clauss, zweite Violine, Mlle. Fanny Clauss, Viola, und Mlle Hélène de Katow, Violoncello, Pianistin, Mlle. Mongin. Überflüssig das besondere Interesse zu betonen, das dieser Innovation entgegengebracht wird, deren Erfolg gesichert ist.“; „Le Ménestrel“ vom 13. Januar 1866, S. 47; vgl. auch „Le Guide musical“ vom 4. Januar 1866, S. 6) Auch international war ein Damenstreichquartett eine Meldung wert. In den „Signalen für die musikalische Welt“ hieß es: „Paris. Am 18. Jan. wird im Saale Herz das erste Concert eines Damen-Streich-Quartetts stattfinden, in welchem deutsche Kammermusik zu Gehör kommen soll. Fräulein Lebonge [recte Lebouys] spielt die erste, Fräulein Jenny Clauß die zweite Violine, Fräulein Fanny Clauß die Viola und Fräulein de Catow das Violoncell.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom Januar 1866, S. 104; vgl. auch „Le Foyer Canadien“, Jg. 4 [1866], S. 134f.; „The Reader. A Review of literature, science, and art“, Jg. 4, 1866, S. 48) Am 11. Januar 1866 trat das Streichquartett erstmals im Salon des Fotografen Antoine-René Trinquart auf und spielte dabei gemeinsam mit der Pianistin Marie-Louise Mongin ein Klavierquintett von Luigi Boccherini: „Le quatuor féminin de M. Norblin a fait ses débuts cette semaine par un quintette de Boccherini. [...] Ces dames ont fait preuve de verve et même d’ensemble; avec le temps et les répétitions, les détails gagneront en justesse et en pureté d’exécution. C’est, au résumé, une piquante tentative qui prouve, de plus, combien la musique de chambre prend racine en France. Le photographe Trinquart, qui avait ouvert ses salons à là première audition des quatuors féminins, a reproduit très-exactement, sur une petite carte photographique, les quatre gracieuses exécutantes armées de leurs instruments et de leurs archets.“ („Das quatuor féminin von M. Norbelin hat diese Woche sein Debüt mit einem Quintett von Boccherini gegeben. [...] Die Damen bewiesen Schwung und sogar ein Miteinander; mit der Zeit und weiteren Proben werden die Details an Genauigkeit und Reinheit in der Ausführung gewinnen. Insgesamt ist es ein reizvoller Versuch, der einmal mehr beweist, wie sehr sich die Kammermusik in Frankreich etabliert. Der Fotograf Trinquart, der seinen Salon für das erste Konzert des Quatuor Féminin geöffnet hatte, hielt die graziösen Ausführenden mit ihren Instrumenten und Bögen auf einer kleinen fotografischen Karte fest.“; „Le Ménestrel“ vom 20. Januar 1866, S. 55 [Vermutlich handelt es sich bei der erwähnten Fotografie um jene, die der spätere Sohn von Fanny Clauss, Pierre Prins, in einem Buch über seinen Vater, den Maler gleichen Namens, veröffentlichte und dort fälschlich als Streichquartett der vier Geschwister Clauss, aber mit der korrekten Jahreszahl 1865, ausgewiesen hatte. In der Tat sind Instrumente und Bögen ein wichtiger Teil des Bildes. Siehe „Material“, vgl. a. Prins 1949, S. 25]). Auch die Zeitschrift „Le Foyer“ berichtete über das Konzert: „Ces réunions musicales d’un genre tout nouveau ne manqueront pas d’exciter l’intérêt du public et d’offrir un grand attrait aux amateurs. Cette première épreuve nous a permis d’apprécier le mérite des jeunes artistes qui vont être soumises à la critique et au jugement du public, espérons qu’ils triompheront au champ de bataille et qu’elles confirmeront les éloges que nous sommes prêts à leur donner.“ („Diese Konzerte ganz neuer Art werden das Interesse des Publikums nicht verfehlen und eine große Attraktion für Musikliebhaber darstellen. Der erste Versuch erlaubt uns, die Verdienste der jungen Künstlerinnen einzuschätzen, die sich der Kritik und dem Urteil des Publikums aussetzen; hoffen wir, dass sie auf dem Schlachtfeld triumphieren werden und dass sie die Elogen, die wir ihnen zu Teil werden lassen, bestätigen werden.“; „Le Foyer“ vom 18. Januar 1866, S. 7) Das für den 18. Januar 1866 anvisierte öffentliche Konzert des Ensembles fand allerdings nicht mehr statt (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 21. Januar 1866, S. 22), und die Violoncellistin Hélène de Katow wurde anschließend teils durch Eliza de Try, teils durch eine Violoncellistin namens Douard ersetzt. So konzertierte das Ensemble z. B. im April 1866 mit Eliza de Try bei einem Konzert der Gesangsprofessorin Célina de la Pommeraye (vgl. „La Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 15. April 1866, S. 114). Im Winter 1866/67 unternahm Fanny Clauss gemeinsam mit dem „Quatuor Féminin“ in der Besetzung mit Marie Sabatier-Blot als Pianistin und Mlle Douard als Violoncellistin eine Tournee durch mehrere französische und italienische Städte, darunter Tours, Lille, Bordeaux und Florenz. Über einen Auftritt in Tours berichtete „Le Ménestrel“: „Quatre jeunes filles [...] se sont fait entendre la semaine dernière à la Société philharmonique de Tours. Le ‚quatuor féminin’, composé de Mlles Clauss sœurs, Blot et Douard, a été sympathiquement accueilli du public tourangeau. Je n’en suis nullement surpris. Ces quatre jeunes filles ont du métier et du talent; elles ont beaucoup répété, elles aiment passionnément leur art. On les attend à Lille, à Bordeaux, à Florence! Nous les prions de penser à Paris quand elles auront le temps.“ („Vier junge Mädchen haben sich letzte Woche in der Société philharmonique de Tours hören lassen. Das ‚Quatuor Féminin’, das sich aus den Schwestern Clauss sowie den Damen Blot und Douard zusammensetzt, wurde vom Publikum in Tours herzlich empfangen. Ich bin keineswegs überrascht. Diese vier jungen Mädchen haben Handwerk und Talent, sie haben sehr viel geprobt, sie lieben ihre Kunst leidenschaftlich. Man erwartet sie in Lille, Bordeaux und sogar Florenz. Wir bitten sie an Paris zu denken, sobald sie die Zeit haben werden.“; „Le Ménestrel“ vom 27. Januar 1867, S. 69) Im März 1867 spielte das Klavierquartett mit Eliza de Try als Violoncellistin bei einem Konzert des Violoncellisten M. Norblin in Paris: „M. Norblin [...] nous a donné à son concert, quelques morceaux de choix [...]. A ce même concert, nous avons applaudi le quatuor féminin qui fait décidément son chemin dans le monde: Mlles Clauss sœurs, Blot et de Try.“ („M. Norblin [...] hat uns bei seinem Konzert einige Stücke eigener Wahl gegeben [...]. Im gleichen Konzert haben wir auch dem Quatuor Féminin applaudiert, das mit Sicherheit seinen Weg in der Welt gehen wird: Die Schwestern Mlles. Clauss, Mlle. Blot und Mlle. de Try.“; „Le Ménestrel“ vom 24. März 1867, S. 132). Bis wann das „Quatuor Féminin“ als Streichquartett bzw. Klavierquartett bestand, ist bislang unbekannt.


    Zum Pariser Freundeskreis von Fanny Clauss gehörten auch Suzanne und Edouard Manet. Fanny Clauss musizierte regelmäßig mit Suzanne Manet, geb. Leenhoff, die eine herausragende Pianistin war. 1868/69 diente Fanny Clauss zudem als Modell für die stehende Figur in Edouard Manets Gemälde „Le Balcon“. Über die Familie Manet lernte sie auch 1862 den Maler und Bildhauer Pierre Prins kennen (1838-1913), den sie 1869 heiratete; Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, Pierre Prins (jun.). Das Ehepaar sorgte nicht nur für die eigene junge Familie, sondern auch für die Großmutter von Pierre Prins und die Mutter von Fanny Clauss, u. a. mit Geigenunterricht, den Fanny Clauss erteilte (vgl. Braeuener 2001, S. 116).


    Im Winter 1875/76 beteiligte sich Fanny Prins-Claus, wie sie sich nach ihrer Heirat nannte, nochmals an der Gründung eines Damenstreichquartetts, dem „Quatuor Sainte-Cécile“, das die Geigerin Marie Tayau als Primaria führte und zu dem ferner die Geigerin Marie Altmayer als zweite Violine und die Violoncellistin Eva Maleyx gehörten; Fanny Prins-Claus übernahm den Part der Viola. Im ersten Halbjahr 1876 veranstaltete das Ensemble eine Konzertreihe mit insgesamt fünf Konzerten in der Pariser Salle Pleyel (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 2. Januar 1876, S. 7). Beim ersten der Konzerte, das am 19. Januar 1876 stattfand und an dem auch die Pianistin Laure Bedel beteiligt war, standen u. a. Quartette von Felix Mendelssohn Bartholdy, Carl Maria von Weber, Charles Dancla und Adolph Blanc auf dem Programm sowie eines der Trios von Anton Rubinstein und eine Cavatine von Joachim Raff. Die Zeitschrift „Le monde artiste“ berichtete: „Mercredi, 19 janvier, avait lieu à la salle Pleyel, la première des cinq séances de musique classique et moderne donnée par le ‚quatuor Sainte-Cécile’. Les artistes féminins [...] ont de suite conquis les suffrages de l’auditoire, en exécutant avec un remarquable ensemble le quatuor en mi bémol de Mendelssohn. Les qualités qui distinguent le nouveau quatuor sont la netteté et une grande finesse. [...] L’espace nous manque pour donner un compte-rendu détaillé des quatre autres morceaux qui composaient le programme. Nous nous bornerons à dire qu’ils ont été exécutés avec le même ensemble, et nous félicitons vivement Mlle Tayau de son heureuse idée, car nous ne doutons pas qu’une fois connu, le ‚Quatuor Sainte-Cécile’ ne devienne une des curiosités musicales de cet hiver.“ („Am Mittwoch, dem 19. Januar, fand in der Salle Pleyel das erste von fünf Konzerten mit klassischer und moderner Musik statt, die vom ‚Quatuor Sainte-Cécile’ gegeben werden. Die Künstlerinnen [...] haben nach und nach die Stimmen des Publikums erobert, besonders mit ihrem bemerkenswerten Zusammenspiel in ihrer Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Es-Dur. Die Fähigkeiten, die das neue Ensemble auszeichnen, sind Klarheit und eine große Sensibilität. [...] Wie haben nicht den Platz, um eine detaillierte Besprechung der andern vier Stücke, die auf dem Programm standen, folgen zu lassen. Wir begnügen uns damit zu sagen, dass sie mit demselben Zusammenspiel ausgeführt wurden, und wir gratulierten Mlle Tayau herzlich für ihre wunderbare Idee, denn wir haben keine Zweifel, dass sich das ‚Quator Sainte-Cécile’, wenn es erst einmal bekannt ist, eine der Neuheiten des Winters werden wird.“; „Le monde artiste“ vom 22. Januar 1876, S. 2; vgl. a. „Revue et gazette musicale de Paris“ von 23. Januar 1876, S. 30; siehe auch „Revue et gazette musicale de Paris“ von 23. Januar 1876, S. 32; „Le monde artiste“ vom 29. Januar 1876, S. 2; „Les Gauloises“ vom 1. April 1876, S. 2)


    Bereits im Jahr 1872 war Fanny Clauss an Tuberkulose erkrankt. Sie starb am 25. April 1877 in Paris (vgl. „Les annales du théâtre et de la musique“ für das Jahr 1877, Jg. 3, S. 654).

    Würdigung

    Die Geigerin Fanny Clauss war fast zwei Jahrzehnte lang, von 1857 bis 1876, im französischen Musikleben als Kammermusikerin und auch als Solistin präsent. In dieser Zeit gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern mehrerer Damenensembles, die für die weitere Enstehung und Akzeptanz weiblich besetzter Ensembles eine wesentliche Vorreiterrolle einnahmen. Auf der von ihr mitgeschaffenen Basis formierten sich international in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche weitere Damenensembles, die sich mit der Interpretation von Kammermusik etablieren konnten, darunter z. B. das 1876 gegründete Cäcilien-Quartett der Geigerin Marianne Scharwenka-Stresow oder das Marie Soldat-Quartett, das die Joseph Joachim-Schülerin ab 1887 in Berlin als Primaria führte.

    Rezeption

    Fanny Clauss ist heute fast ausschließlich als Modell der stehenden Figur in Edouard Manets Gemälde „Le Balcon“ bekannt. Ihre musikalischen Tätigkeiten werden jedoch kaum rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Abschnitt „Biografie“.

    Repertoire

    Das Repertoire von Fanny Clauss lässt sich bislang nur in wenigen Fällen konkret bestimmen. Als Solistin und gemeinsam mit ihrer Schwester spielte sie in der Öffentlichkeit häufig Opernfantasien, u. a. ihres Lehrers Charles Dancla sowie von Delphin Alard, darunter – als eines ihrer Paradestücke – die „Fantaisie sur l’opéra ‚la Muette’“ von François Esprit Auber, aber auch mehrere so genannte „Symphonies concertantes“ für zwei Violinen. Als Kammermusikerin beteiligte sich Fanny Clauss als Geigerin und Bratscherin in Streichquartetten, Klavierquartetten, Klavierquintetten und -trios u. a. von Felix Mendelssohn Bartholdy, Joachim Raff, Carl Maria von Weber, Luigi Boccherini und Adolphe Blanc.

    Quellen

    Literatur


    Braeuener, Hélène: Les peintres de la baie de la Somme: autour de l’impressionisme, Tournai: La Renaissance du Livre, 2001.


    Hoffman, Freia. Artikel „Prins-Clauss, Fanny“. In: Lexikon Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Online-Lexikon, hg. von Freia Hoffmann: http://www.sophie-drinker-institut.de (Stand: 3. November 2010)


    Prins, Pierre (jun.): Pierre Prins et l’époque impressionniste: sa vie, son oeuvre (1838-1913). Paris: Floury, 1949.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Journal des débats vom 15. Januar 1863, S. 2.


    La Presse Littéraire vom 5. Februar 1861, S. 45.


    La Revue et Gazette Musicale de Paris vom 13. Januar 1861, S. 14.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 3. Februar 1861, S. 34.

    La Revue et Gazette musicale de Paris 1862, S. 22.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 3. August 1862, S. 251.

    La Revue et Gazette musicale de Paris 1863, S. 28.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 26. Juli 1863, S. 234.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 21. Januar 1866, S. 22.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 15. April 1866, S. 114.

    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 2. Januar 1876, S. 7.

    La Revue et gazette musicale de Paris von 23. Januar 1876, S. 30.


    La Revue-Programme vom 6. Januar 1865, S. 2.


    Le Figaro vom 24. Juli 1862, S. 6.


    Le Foyer Canadien, Jg. 4 (1866), S. 134f.


    Le Foyer vom 18. Januar 1866, S. 7.


    Le Guide musical vom 4. Januar 1866, S. 6.


    Le Ménestrel vom 31. Januar 1858, S. 4.

    Le Ménestrel vom 25. November 1860, S. 415.

    Le Ménestrel vom 19. Januar 1862, S. 63.

    Le Ménestrel vom 13. Januar 1866, S. 47.

    Le Ménestrel vom 20. Januar 1866, S. 55.

    Le Ménestrel vom 27. Januar 1867, S. 69.

    Le Ménestrel vom 24. März 1867, S. 132.

    Le Ménestrel vom 12. April 1868, S. 159.


    Le monde artiste vom 22. Januar 1876, S. 2.

    Le monde artiste vom 29. Januar 1876, S. 2.


    Les annales du théâtre et de la musique für das Jahr 1877, Jg. 3 (1878), S. 654.


    Les Gauloises vom 1. April 1876, S. 2.


    Neue Zeitschrift für Musik, 1857, Bd. 2, S. 21.


    Signale für die musikalische Welt vom Januar 1866, S. 104.


    The Reader. A Review of literature, science, and art, Jg. 4, 1866, S. 48.

    Forschung

    Zu Fanny Clauss liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Fanny Clauss umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 19.12.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Fanny Clauss“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 19.12.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Fanny_Clauss