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  • Eunyoung Kim

    von Silke Wenzel
    Die Komponistin Eunyoung Kim.
    Namen:
    Eunyoung Kim
    Lebensdaten:
    geb. in Seoul, Korea
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Ich möchte in Menschen Empfindungen wecken, von denen sie bislang überhaupt nicht wussten, dass sie sie in sich tragen.“


    (Eunyoung Esther Kim)


    Profil

    Die Komponistin Eunyoung Esther Kim studierte Komposition an der Yonsei-Universität in Seoul, der Hochschule für Musik und Theater Hamburg sowie am Mozarteum in Salzburg. In vielen ihrer Werke spiegeln sich daher gleichermaßen asiatische und europäische Musiktraditionen, wie z. B. im Duo für Klarinette und Violoncello „Auf den Schwingen eines blauen Kranichs“, im Orchesterstück „Dong-Ak“ oder in den beiden Liedern nach koreanischen Gedichten von Chihun Cho für Sopran und Kammerensemble. Häufig reduziert die Komponistin die musikalischen Mittel dabei auf ein Minimum, so z. B. in ihren Werken für ein bzw. zwei Instrumente: dem Duo für Viola und Violoncello, der Komposition „Resonanz“ für Flöte solo oder dem Werk „moment musical“ für Kontrabass solo. Wie zahlreiche vorangegangene Werke, verweist auch der Opernakt „MinutenSpuren“, der als Teil der Gemeinschaftsoper „hin und weg“ für die Münchner Biennale 2008 entstand, auf ein weiteres Wesensmerkmal der Kompositionen Eunyoung Esther Kims: die musikalische Umsetzung verschiedener Möglichkeiten, Zeit spürbar und verständlich werden zu lassen.

    Orte und Länder

    Eunyoung Esther Kim wurde in Seoul, Korea geboren und studierte dort Klavier und Komposition. Ab 1998 setzte sie ihr Studium in Hamburg fort und belegte anschließend von Oktober 2006 bis April 2008 ein Postgraduiertenstudium in Komposition bei Adriana Hölszky an der Universität Mozarteum in Salzburg.

    Biografie

    Eunyoung Esther Kim wurde am 22. Februar 1973 in Seoul, Korea, geboren. Im Alter von fünf Jahren begann sie Klavier zu spielen und erhielt bereits während ihrer Schulzeit an der „Sun-Hwa School of Arts“ in Seoul eine professionelle Musikausbildung in Klavier und Komposition. Gleichzeitig begleitete sie zahlreiche Chöre am Klavier und spielte Oboe in einem Laienorchester.


    Von 1992 bis 1996 studierte Eunyoung Esther Kim Komposition an der Yonsei-Universität in Seoul bei Suk-Jun Gong und Sung-Hyun Yun, ab 1994 zudem als Stipendiatin der Universität; am 8. November 1995 gab sie dort ihr Abschlusskonzert. Um die eigene kompositorische Tätigkeit wissenschaftlich reflektieren zu können und sie in größere Zusammenhänge einzubetten, entschied sich Eunyoung Esther Kim für ein weiteres Studium im Fach Musikwissenschaft. Sie kam im Herbst 1998 nach Hamburg und studierte an der dortigen Universität von 1998 bis 2002 die Fächer Historische und Systematische Musikwissenschaft. Im Zentrum ihres Interesse standen dabei die europäische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts sowie verschiedene Methoden der musikalischen Analyse.


    Parallel dazu setzte Eunyoung Esther Kim ab 2001 ihr Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Peter Michael Hamel und Wolfgang-Andreas Schultz fort und trat bereits nach kürzester Zeit mit ihren Werken an die Öffentlichkeit. Ihre Kompositionen wurden bei verschiedenen Festivals gespielt, u. a. bei den Niedersächsischen Musiktagen in Hannover (2002), dem Interkulturellen Festival „Eigenart“ in Hamburg (2003) und im Rahmen der Konzertreihe „Global Ear“ in Hamburg und Dresden (2003). 2003 erhielt zudem ihr Werk „Exodus 3: Begegnung“ einen Preis beim Kompositionswett¬bewerb der Association of Baltic Academies of Music, und ein Jahr später, am 16. Dezember 2004, spielten die Hamburger Symphoniker die Uraufführung des Orchesterwerks „Dong-Ak“ ( „Bewegungsenergie-Musik“).


    In einem Gesprächskonzert am 20. Februar 2005 im Soroptimist International-Club in Stade wurde erstmals ein zusammenhängendes musikalisches Porträt der Komponistin Eunyoung Esther Kim dargeboten. Dabei standen hauptsächlich Werke für Soloinstrumente und Duos auf dem Programm, darunter die Uraufführung von „Ombre cachée“ für Klarinette und Klavier. Ein halbes Jahr später, im November 2005, wurde Eunyoung Esther Kim der mit 10.000 Euro dotierte Krista und Rüdiger Warnke-Förderpreis verliehen, verbunden mit einem umfangreichen Gesprächskonzert, für das die „Zwei Lieder nach koreanischen Gedichten“ für Sopran und Kammerensemble entstanden.


    Im Frühjahr 2006 schloss Eunyoung Esther Kim ihr Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit dem Diplom ab und bewarb sich um ein Postgradiuiertenstudium für Komposition am Salzburger Mozarteum. Von 2006 bis 2008 studierte sie dort bei der Komponistin Adriana Hölszky, um sich mit ihr intensiv mit aktuellem Musiktheater zu beschäftigen. Neben der Komposition „SET“ für Violine, Violoncello und Schlagzeug, die 2007 für einen Workshop mit dem Ensemble Recherche entstand, arbeitete Eunyoung Esther Kim daher 2007/08 vorrangig an einem Opernprojekt mit dem Titel „MinutenSpuren“. Es ist der dritte Teil einer Oper, die unter dem Titel „hin und weg“ gemeinsam mit Hamburger Studierenden für die Münchner Biennale 2008 geschrieben wurde und aus den Teilen „Krieg ohne Schlacht“ (Felix Häublein), „Furcht“ (Peter Nikolaus Häublein), „MinutenSpuren“ (Eunyoung Esther Kim) und „Orangen“ (Martin von Frantzius) besteht. Der Teil „MinutenSpuren“ von Eunyoung Esther Kim, nach einem eigenen Libretto unter Mitwirkung von Kristina Prause, setzt sich mit dem Umgang mit Lebenszeit auseinander, mit dem eigenen Ich, mit Nähe und Ferne. Die Gemeinschaftsoper wurde am 22. April 2008 mit dem Ensemble 21 der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unter der musikalischen Leitung von Tobias Engeli und Cornelius Trantow im Rahmen der Münchner Biennale im Akademietheater des Prinzregententheaters uraufgeführt.

    Würdigung

    Vielen Kompositionen von Eunyoung Esther Kim liegt eine kleine Form mit ungewöhnlicher Besetzung zu Grunde: Kompositionen für einzelne Instrumente und Duos, vokale und instrumentale Kammermusik. Dem entspricht eine feinsinnige und detailreiche Kompositionsweise, die von der Klangvielfalt eines jeden einzelnen Tons ausgeht und ihn nach und nach mit rhythmischen Formen, dynamischen Differenzierungen und schillernden Klangfarben in seiner ganzen Variabilität entfaltet. Auf diese Weise verbindet die Komponistin Merkmale der traditionellen koreanischen Musik, wie z. B. die Betonung der vertikalen Linie und die Entwicklung des Klanges aus der Melodik, mit Charakteristika westlicher aktueller Musik. Sie selbst schreibt über diese Art des Komponierens mit Zentraltönen: „Der Reiz des Komponierens mit einem Zentralton besteht unter anderem darin, daß man den Ton aus immer neuen Perspektiven betrachten kann. Der Ton bekommt Sinn, indem er über eine lange Zeitspanne durch klangfarbliche Änderungen, durch unterschiedliche Schwingungen, Verzierungen etc. betrachtet worden ist. Es geht also darum, ein Maximum an Ausdrucksvariabilität über einen einzigen Ton zu erreichen.“ (zit. n. http://www.eunyoungkim.de) Sowohl die beiden Solowerke „Resonanz“ für Flöte solo und „moment musical“ für Kontrabass solo (beide 2003) als auch das Duo für Viola und Violoncello (2004) sind auf diese Weise entstanden. So wird das Werk „Resonanz“ aus dem Ton „g“ heraus entwickelt, „moment musical“ dreht sich in einzelnen Episoden um den Ton „e“ und das Duo für Viola und Violoncello ist über dem Ton „h“ angelegt. Besonders in „Resonanz“ klingen in den verschiedenen Abschnitten der Komposition einzelne musikalische Elemente im Hintergrund an, die dann in den folgenden Abschnitten als zentrale Elemente hervortreten, während andere gleichzeitig nachklingen. Damit erhält die vertikale Linie der Komposition eine gewisse Räumlichkeit: „Resonanz als Wiederklingen und Zurückklingen betrachtet das Vergangene in einem immer neuen Licht, und bewahrt es auf diese Weise. Resonanz ist der musikalische Begriff für Erinnerung. Zudem hat der Begriff auch eine räumliche Komponente, so dass das Wort die beiden Grundparameter des Komponierens, Raum und Zeit, in sich trägt.“ (zit. n. http://www.eunyoungkim.de)


    In ihrem Orchesterwerk „Dong-Ak“ wird diese Kompositionsweise erstmals auf ein umfangreiches Instrumentarium ausgedehnt. Dabei tritt ein weiterer Gedanke in den Vordergrund, der für das Werk Eunyoung Esther Kims programmatisch ist. Denn übersetzt bedeutet der Titel „Bewegungsenergie-Musik“. Für Eunyoung Esther Kim ist Musik gleichbedeutend mit Bewegungsenergie. Esoterische Konnotationen des Wortes weist sie dabei weit von sich. Sie fasst den Begriff „Energie“ in seiner naturwissenschaftlich-physikalischen Bedeutung auf: „Musik sollte in jedem Moment Energie enthalten. Der Begriff ‚Energie‘ ist dabei nicht in einem esoterischen Sinn zu verstehen, sondern er ist physikalisch gemeint. Denn wenn sich etwas bewegen soll, dann benötigt man Energie. Aus dieser einfachen Tatsache heraus ergibt sich für mich eine Korrespondenz von Musik und Energie. Diese Energie wird durch die verschiedenen Parameter der Komposition hergestellt, z. B. durch Tonhöhe, Dynamik, Rhythmus, Melodie, Klangfarbe oder die Dichte des musikalischen Satzes. […] Im 20. Jahrhundert erhielten viele Komponistinnen und Komponisten ihre Anregungen aus Literatur und Bildender Kunst. Mir scheint, dass die Zeit gekommen ist, aus den engeren Kunstbegriffen auszubrechen und sich bei den Naturwissenschaften umzusehen.“ (zit. n. http://www.eunyoungkim.de)


    In den Werken Eunyoung Esther Kims wird somit der Parameter „Tonhöhe“ in seiner Bedeutung auf eine Ebene mit anderen musikalisch-kompositorischen Parametern wie Spielform, Dynamik oder Klangfarbe gestellt. Dabei verliert der Parameter Tonhöhe jene Dominanz, die er in der traditionellen Harmonielehre hat, obwohl er in ins Zentrum der Komposition gerückt wird.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Auf den Schwingen des blauen Kranichs für Klarinette & Violoncello (2002)

    Als der Hahn krähte für Bariton, Schlagzeug & Orgel (2002)

    Der Oktopus-Marsch für Oktett (2002)

    Duo für zwei Violinen (2002)

    Resonanz für Flöte solo (2003)

    Exodus 3: Begegnung für 12 Instrumente (2003)

    Nachtszene für Blockflöte und Percussion (2003)

    moment musical pour contrebasse seule (2003)

    Duo für Viola und Violoncello (2004)

    Dong-Ak für Orchester (2004)

    Ombre cachée pour clarinet et piano (2005)

    à distance pour flûte à bec et orgue (2005)

    Zwei Lieder nach koreanischen Gedichten von Chihun Cho: 1. „Die Aprikosenblüte“ – 2. „Wan Hwa Sam“ für Sopran und Kammerensemble (2005)

    SET für Violine, Violoncello und Schlagzeug (2007)

    MinutenSpuren. Dritter Teil der Gemeinschaftsoper „Hin und Weg“ (gemeinsam mit den Komponisten Felix Leuschner, Peter Nikolaus Häublein und Martin von Frantzius, 2008)

    Quellen

    Links


    http://www.eunyoungkim.de/

    Die Website der Komponistin Eunyoung Esther Kim stellt u. a. eine Kurzbiografie und ein Werkverzeichnis zur Verfügung.

    Forschung

    Nähere Informationen sowie Partituren sind über die Komponistin erhältlich: mail[at]eunyoungkim.de

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 305156685
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 103881295X

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 25.04.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Eunyoung Kim“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25.4.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Eunyoung_Kim