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  • Eugenie Stoltz-Premyslav

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Eugenie Stoltz-Premyslav
    Geburtsname: Eugenie Stoltz
    Varianten: Eugenie Stolz, Eugenie Premyslav, Eugenie Premislav, Eugenie Premyslaw, Eugenie Premislaw
    Lebensdaten:
    geb. unbekannt
    gest. unbekannt

    Die Lebensdaten der Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav sind bislang unbekannt. Sie wurde vermutlich in den 1880er Jahren geboren und wirkte zwischen 1900 und 1928 als Solistin und Kammermusikerin überwiegend im deutschen, besonders im Berliner Musikleben.
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Bei dieser ausgezeichneten Cellistin sind Technik und Vortrag so schön gebildet, daß man jede Kritik vergißt und sich allein dem künstlerischen Eindruck hingibt.“

    (Georg Schünemann in der „Allgemeinen Musikzeitung“ vom 10. April 1914, S. 515)


    Profil

    Die Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav studierte von 1900 bis 1903 an der Hochschule für Musik in Berlin Violoncello bei Robert Hausmann. Nach ihrem Studium konnte sie sich innerhalb kürzester Zeit im Berliner Musikleben etablieren und galt zwischen 1905 und dem Ende der 1920er Jahre als eine der erstrangigen Berliner Cellistinnen, die sich als Kammermusikerin wie als Solistin unter ihren männlichen Kollegen behaupten konnte. Sie musizierte und konzertierte in zahlreichen Kammermusikensembles, u. a. im „Wietrowetz-Quartett“ der Geigerin Gabriele Wietrowetz (Grundseite zu Gabriele Wietrowetz: http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=wiet1866), in einem Klaviertrio gemeinsam mit der Pianistin Ella Jonas-Stockhausen und der Geigerin Edith von Voigtländer, sowie später im Premyslav-Quartett, das sie gemeinsam mit ihrem Mann gegründet hatte. Bereits während ihrer Studienzeit widmete sie sich dabei sowohl dem klassisch-romantischen Repertoire als auch zeitgenössischen Werken. Besonders das Premyslav-Quartett arbeitete mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten zusammen.

    Orte und Länder

    Die Herkunft der Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav ist bislang ungeklärt. Von 1900 bis 1903 studierte sie als eingeschriebene Studentin an der Hochschule für Musik Berlin und konnte sich anschließend im Berliner Musikleben als Cellistin und besonders als Kammermusikerin etablieren. Sie lebte bis Mitte der 1920er Jahre in Berlin und zog anschließend vermutlich mit ihrem Mann, dem Geiger Leopold Premyslav, nach Königsberg (heute: Kaliningrad, Russland). Während der NS-Zeit wurde ihr Mann aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt; das Ehepaar floh in den 1930er Jahren nach Südafrika. Über den weiteren Lebensweg von Eugenie Stoltz-Premyslav ist bislang nichts bekannt.


    Konzertreisen führten Eugenie Stoltz-Premyslav u. a. nach Australien, Java, Indien, China und Japan.

    Biografie

    Obwohl Eugenie Stoltz-Premyslav, geb. Stoltz, in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Berliner Cellistinnen und Cellisten zählte, ist über ihre Herkunft, ihr Geburtsdatum und ihren Geburtsort bislang nichts bekannt.


    Von 1900 bis 1903 studierte Eugenie Stoltz-Premyslav als eingeschriebene Studentin Violoncello bei Robert Hausmann an der Hochschule für Musik in Berlin. Dabei trat sie regelmäßig in Hochschulkonzerten als Kammermusikerin und Solistin auf: Am 3. November 1900 spielte sie die Sonate F-Dur von Benedetto Marcello sowie ein Adagio von Pietro Locatelli und am 21. Juni 1902 zwei Sätze aus der Sonate A-Dur von Luigi Boccherini. Am 2. Mai 1903 interpretierte sie im Konzertsaal der Hochschule die Komposition einer Kommilitonin, die Ballade für Violoncello mit Orchester von Elisabeth Kuyper (Grundseite zu Elisabeth Kuyper: http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=kuyp1877) und übernahm am 31. Mai 1905 die erste Violine im Streichquartett D-Dur op. 64 von Joseph Haydn (vgl. Jahresberichte 1900 bis 1905, Archiv der Universität der Künste Berlin). Mindestens ein Konzert mit Orchester ist in dieser Zeit auch außerhalb der Hochschule zu belegen: am 14. August 1901 konzertierte Eugenie Stoltz-Premyslav in Riga in einem so genannten Elitekonzert mit dem finnischen Helsingfors-Orchester unter der Leitung von Georg Schneevoigt anlässlich der 700 Jahr-Feiern der Stadt (vgl. http://www.acadlib.lv/riga700/riga700v.htm; 2. März 2008).

    In den Jahren 1904 und 1905 bewarb sich Eugenie Stoltz-Premyslav um den staatlichen Mendelssohn-Preis und erhielt im ersten Jahr eine lobende Erwähnung, im zweiten Jahr eine Zuwendung von 300 Mark (vgl. Jahresberichte 1900 bis 1905, Archiv der Universität der Künste Berlin).

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    Nach ihrem Studium widmete sich Eugenie Stoltz-Premyslav vorrangig der Kammermusik. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Wietrowetz-Quartetts, das die Violinistin und Schülerin Joseph Joachims Gabriele Wietrowetz um das Jahr 1905 gegründet hatte und zu dem auch Martha Drews (2. Violine) und Erna Schulz (Viola) gehörten. Das Quartett bestand ungefähr bis 1917, auch wenn sich die Besetzung der zweiten Violine und der Bratsche dabei mehrfach änderte. Eines der ersten Konzerte des Quartetts, das zeitweise auch unter dem Namen „Neue Streichquartettvereinigung Berlin“ auftrat, fand am 5. November 1905 im Konzertsaal der Königlichen Hochschule Berlin statt (vgl. Prante 1999, S. 126; „Allgemeine Musikzeitung“ vom 10. November 1905). Bereits ein Jahr später urteilte die „Allgemeine Musikzeitung“ in einer Kritik: „Das C moll-Trio (op. 9, 5) von Beethoven aber ließ in seiner feurigen, schwungvollen Wiedergabe nicht den mindesten Wunsch offen.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 9. November 1906, S. 707, zit. n. Prante 1999, S. 126). Am 8. November 1912 schrieb Arnold Ebel in der „Allgemeinen Musikzeitung“ über das Ensemble: „Im Bechsteinsaal eröffnete am Sonntag das Wiétrowetz-Quartett die Reihe seiner dieswinterlichen Veranstaltungen. Von den Getreuen der Genossenschaft findet man neben der Primgeigerin, Frl. G. Wiétrowetz, nur die treffliche und sympathische Cellistin Eugenie Stolz wieder. […] Das Ensemble ist trotz der Neubesetzung sicher eingespielt […] und die vortreffliche Wiedergabe, die das Mendelssohn-Quartett op. 44 erfuhr, ließ über die künstlerisch wertvolle Leistung der Damen keine Zweifel aufkommen. […] Jedenfalls hat das Wietrowetz-Quartett mit seinem ersten Kammermusik-Abend erneut den Beweis erbracht, daß es einen Platz in der Vorderreihe unserer Streichquartette beanspruchen kann.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 8. November 1912, S. 1178) Im Frühjahr 1916 konzertierte das Wietrowetz-Quartett wieder in seiner ursprünglichen Besetzung und widmete mehrere Konzerte der Kammermusik von Johannes Brahms. Gemeinsam mit weiteren Musikerinnen und Musikern kamen dabei u. a. das Streichquartett c-Moll, op. 51, das Streichquintett F-Dur, op. 88, das Klarinettenquintett h-Moll, op. 115, sowie die beiden Streichsextette zur Aufführung (vgl. „Allgemeine Musikzeitung“ vom 10. März 1916, S. 127, und vom 7. April 1916, S. 195). Im November 1917 trat das Ensemble mit dem Streichquartett Des-Dur, op. 15, von Ernst von Dohnányi und dem Harfen-Quartett Es-Dur, op. 74, Ludwig van Beethovens auf.


    Ein weiteres Ensemble, mit dem Eugenie Stoltz-Premyslav regelmäßig konzertierte, war ein Klaviertrio, bei dem Ella Jonas-Stockhausen als Pianistin und Pálma von Pászthory als Geigerin mitwirkten; der Violinpart wurde später von Edith Voigtländer übernommen. Das Trio bestand mindestens von 1911 bis 1921. Über einen Abend im Februar 1912, bei dem das Ensemble mit den Klaviertrios C-Dur, op. 87, von Johannes Brahms, F-Dur, op. 18, von Camille Saint-Saëns sowie g-Moll, op. 15, von Bedřich Smetana im Berliner Beethovensaal auftrat, schrieb Arnold Ebel in der „Allgemeinen Musikzeitung“: „Man konnte […] konstatieren, daß die Damen, die oft genug im Solospiel ihre bedeutenden technischen und musikalischen Eigenschaften nachgewiesen haben, auch im Zusammenspiel Leistungen von besonderem künstlerischem Charakter erkennen lassen.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 9. Februar 1912, S. 153) Über ein Konzert (diesmal mit Edith von Voigtländer als Geigerin), bei dem das Ensemble neben Ludwig van Beethovens Klaviertrio Es-Dur, op. 70 Nr. 2, auch zwei aktuelle Werke spielte – das Klaviertrio g-moll, op. 4, der 1890 geborenen Komponistin Evelyn Faltis sowie das Klaviertrio E-Dur, op. 19, von Robert Kahn – schrieben ausgerechnet die konservativen „Signale für die musikalische Welt“: „Ein Frauentrio, das sich ruhig mit den bekannten männlichen Vereinigungen messen kann. Gegenseitige Ebenbürtigkeit verbürgt, dass Violine, Violoncello und Klavier an gegebenen Stellen ihre Sonderfarbe leuchten lassen, ohne den Rahmen eines schönen Zusammenspiels zu sprengen.“ („Signale“ vom 23. November 1921, S. 1103)


    Zwischen 1913 und 1914 heiratete Eugenie Stoltz-Premyslav den Geiger und Joseph Joachim-Schüler Leopold Premyslav, der Konzertmeister an der Königlichen Oper Berlin war. In dieser Zeit fand auch das erste nachweisbare Orchesterkonzert seit ihrem Studium statt, bei dem Eugenie Stoltz-Premyslav als Solistin auftrat. Im Frühjahr 1913 konzertierte sie in der „Musikalischen Gesellschaft“ in Köln mit Joseph Haydns Violoncellokonzert C-Dur, Hob. VIIb:1 („Allgemeine Musikzeitung“ vom 18. April 1913, S. 512), und spielte am 4. April 1914 in der Berliner Musikhochschule unter der Leitung von Fritz Steinbach das Cellokonzert C-Dur, op. 20, von Eugène d’Albert sowie gemeinsam mit ihrem Mann das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll, op. 102, von Johannes Brahms. Georg Schünemann rezensierte das Konzert in der „Allgemeinen Musikzeitung“: „Bei dieser ausgezeichneten Cellistin sind Technik und Vortrag so schön gebildet, daß man jede Kritik vergißt und sich allein dem künstlerischen Eindruck hingibt. Passagen gelingen sicher, der Ton zeigt Fülle und Modulationskraft, und im rein musikalischen Ausdruck, in der Führung und Steigerung der Kantilene, gibt es kaum eine Stelle, die nicht aus einem empfindungsstarken Miterleben der Musik gestaltet wird. Neben der berühmteren Cellistin Beatrice Harrison gehört Fräulein Stoltz zu den besten und musikalisch tüchtigsten Vertreterinnen ihres Fachs. Mit Leopold Premyslav spielte sie noch gemeinsam das Doppelkonzert von Brahms, das in dieser subtilen, klangschönen Ausführung viel von der Sprödigkeit des solistischen Satzes verlor.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 10. April 1914, S. 515). Ein weiteres Mal trat das Ehepaar im März 1915 mit dem Brahmsschen Doppelkonzert in den Philharmonischen Konzerten in Bremen unter der Leitung von Ernst Wendel auf (vgl. ebd.).


    Die Konzerte als Solistin blieben dennoch eine Ausnahme. Eugenie Stoltz-Premyslav konzertierte auch nach ihrer Heirat vorrangig als Kammermusikerin. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Pianisten und Dirigenten Max Fiedler gründete sie im Herbst 1914 eine „Trio-Vereinigung“, die u. a. in der Saison 1914/15 drei Klaviertrio-Abende im Berliner Bechsteinsaal gab (vgl. „Allgemeine Musikzeitung“ vom 2. Oktober 1914, S. 1168): am 10. November 1914 spielte das Ensemble das Klaviertrio H-Dur von Johannes Brahms, das Klaviertrio G-Dur Nr. 1 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Ludwig van Beethovens Klaviertrio D-Dur, op. 70. Am 13. Januar 1915 erklangen das Klaviertrio B-Dur von Franz Schubert und das Klaviertrio c-Moll von Johannes Brahms und der letzte Abend am 13. März 1915 war mit dem Klaviertrio G-Dur, op. 1, B-Dur, op. 97, und der Violinsonate A-Dur, op. 47, der Kammermusik Ludwig van Beethovens gewidmet. (vgl. „Allgemeine Musikzeitung“ vom 29. Januar 1915, S. 55, und vom 9. April 1915, S. 184)


    Im Dezember 1918 wurde das Premyslav-Quartett gegründet, das rasch zu einem festen Bestandteil des internationalen Musiklebens wurde und über viele Jahre, mindestens bis 1928, Bestand hatte. Leopold Premyslav als Primarius und Eugenie Stoltz-Premyslav als Cellistin bildeten den festen Korpus des Quartetts, die Besetzung der Mittelstimmen wechselte mehrfach. Zu den Gründungsmitgliedern zählten H. Hasse (2. Violine) und Hugo Kramm (Viola) (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 23. Dezember 1918, S. 854), später übernahmen Wilhelm Thomas, Johann Lasovski und Karl Reitz die Parts der zweiten Violine und der Bratsche (vgl. Stegmüller 2007, S. 183). Das Streichquartett widmete seine Arbeit überwiegend modernen deutschen Komponisten. Es spielte z. B. im November 1919 die Uraufführung von Arthur Schnabels Streichquartett Nr. 1 in Frankfurt a. M. (vgl. Stegmüller 2007, S. 183) und gab im April 1919 sowie im April 1921 in Berlin im Rahmen von Konzerten mit Neuer Kammermusik zwei Konzertabende mit Kammermusik des Komponisten Max Henning (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 4. Juni 1919, S. 372), darunter zwei Streichquartette sowie – ergänzt von Mitgliedern des Orchesters der Berliner Staatsoper – ein Quintett für Violine, Viola, Violoncello, Flöte und Oboe und ein Nonett.

    Am 19. Januar 1921 schrieben die „Signale für die musikalische Welt“ über ein Konzert des Ensembles: „Das Premyslav-Quartett hat sich in den wenigen Jahren, in denen es in der Oeffentlichkeit wirkt, zu einem erstklassigen Ensemble entwickelt. Ich hörte jüngst von den Künstlern in meisterhafter Wiedergabe Mozarts B-dur-Streichquartett ausführen, dem sich Hugo Wolf’s d-moll-Quartett ‚Entbehren sollst Du, sollst entbehren‘ anschloss.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom 19. Januar 1921, S. 44)


    In den 1920er Jahren unternahm das Premyslav-Quartett eine oder mehrere Konzertreisen, die das Ensemble bis nach Australien, China, Japan und Indien führten (vgl. Stegmüller 2007, S. 183). Auf einer der Tourneen hielt sich das Ehepaar Premyslav im August 1924 – aus Australien kommend – in Java auf. Dort musizierte es u. a. gemeinsam mit der Geigerin Natalie Boshko und dem Pianisten Walter Spies, der das Ehepaar noch aus seiner Berliner Zeit (1920-1923) kannte. Aus dem Zug von Jogjakarata nach Surabaja schrieb Walter Spies am 14. August 1924 an seine Mutter: „Jetzt höre, es ist hier eine sehr berühmte Violinspielerin, Schülerin von Auer und Ysaye, eine russische Amerikanerin, Natalie Boshko. Die ist auf einer Tournee durch Java, Sumatra, kommt eben aus China, Japan und Gott weiß woher. Man sagt, sie ist die größte Violinistin augenblicklich. Ich habe das Pech, sie begleiten zu müssen! [...] Vor ein paar Tagen spielte ich Trio mit der Boshko und Frau Premyslav und dann mit Professor Premyslav, die sind eben aus Australien auf der Durchreise hier.“ (Brief vom 14. August 1924, Nr. 35 in: Rhodius 1964, S. 190f.)


    Mitte der 1920er Jahre folgte Eugenie Stoltz-Premyslav vermutlich ihrem Mann Leopold Premyslav, der eine Stelle im Opernorchester Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) erhielt, wo er bis 1933 wirkte. Mit Beginn der NS-Zeit wurde Leopold Premyslav aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt und u. a. 1941 im antisemitischen „Lexikon der Juden in der Musik“ verzeichnet (vgl. Stengl/Gerigk 1941). Eugenie Stoltz-Premyslav und Leopold Premyslav flohen in den 1930er Jahren nach Südafrika. Bis heute existiert in Johannesburg ein „Leopold Premyslav Scholarship Fund“, der angehenden Musikerinnen und Musikern, vorzugsweise mit den Instrumenten Violine oder Violoncello, an einer beliebigen Universität in Südafrika ein zweijähriges Stipendium zur Verfügung stellt (vgl. http://www.gradx.net/bursaries/view/70/214/1/).


    Der weitere Lebensweg von Eugenie Stoltz-Premyslav sowie Sterbedatum und -ort sind bislang nicht bekannt.

    Würdigung

    Eugenie Stoltz-Premyslav konnte sich mindestens drei Jahrzehnte lang als Violoncellistin hauptsächlich im Berliner Konzertleben behaupten, wobei der Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit auf der Kammermusik lag. Von Beginn an interessierte sie sich dabei auch für aktuelle Kompositionen und spielte in verschiedenen Besetzungen mehrere Uraufführungen, u. a. gemeinsam mit dem Premyslav-Quartett.

    Über weitere Tätigkeiten von Eugenie Stoltz-Premyslav, z. B. als Musikpädagogin, ist bislang nichts bekannt. Sie können daher erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Werkverzeichnis

    Von Eugenie Stoltz-Premyslav sind keine Werke bekannt.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Eugenie Stoltz-Premyslav lässt sich aufgrund fehlender Forschungen z. Zt. nicht erstellen. Nachgewiesen sind die Aufführungen der folgenden Werke:


    Albert, Eugène d’. Violoncellokonzert C-Dur, op. 20

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio G-Dur, op. 1 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Streichtrio c-Moll, op. 9 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio D-Dur, op. 70 Nr. 1

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio Es-Dur, op. 70 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Streichquartett Es-Dur, op. 74

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur, op. 97

    Boccherini, Luigi. Violoncellosonate A-Dur

    Brahms, Johannes. Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll, op. 102

    Brahms, Johannes. Klarinettenquintett h-Moll, op. 115

    Brahms, Johannes. Klaviertrio C-Dur, op. 87

    Brahms, Johannes. Klaviertrio H-Dur, op. 8

    Brahms, Johannes. Streichquartett c-Moll, op. 51 Nr. 1

    Brahms, Johannes. Streichquintett F-Dur, op. 88

    Dohnányi, Ernst von. Streichquartett Des-Dur, op. 15

    Faltis, Evelyn. Klaviertrio g-moll, op. 4

    Haydn, Joseph. Streichquartett D-Dur, op. 64 Nr. 5

    Haydn, Joseph. Violoncellokonzert C-Dur, Hob.VIIb:1

    Henning, Max. Quintett für Violine, Viola, Violoncello, Flöte und Oboe Henning, Max. Nonett

    Henning, Max. Streichquartett A-Dur

    Henning, Max. Streichquartett d-Moll, op. 18

    Kahn, Robert. Klaviertrio E-Dur, op. 19

    Kuyper, Elisabeth. Ballade für Violoncello und Orchester

    Locatelli, Pietro. Adagio (keine Präzisierung möglich)

    Marcello, Benedetto. Violoncellosonate F-Dur

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquartett aus op. 44

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett B-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett C-Dur, KV 465

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klaviertrio G-Dur, KV 496

    Saint-Saëns, Camille. Klaviertrio F-Dur, op. 18

    Schnabel, Arthur. Streichquartett d-Moll

    Schubert, Franz. Klaviertrio Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Smetana, Bedřich. Klaviertrio g-Moll, op. 15

    Tschaikowsky, Peter I. Klaviertrio, op. 50

    Wolf, Hugo. Streichquartett d-Moll „Entbehren sollst Du, sollst entbehren“ (o.op.)

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik Berlin 1900-1905.



    Literatur


    Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis. Geschichte. Satzung, Wettbewerbsrichtlinien, Preisträger, Stipendiaten. Hg.: Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin. Berlin: Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2001


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.


    Rhodius, Hans. Schönheit und Reichtum des Lebens. Walter Spies. Maler und Musiker auf Bali. Den Haag 1964.


    Stegmüller, Jürgen. Das Streichquartett. Eine internationale Dokumentation zur Geschichte der Streichquartett-Ensembles und Streichquartett-Kompositionen. Wilhelmshaven: Florian Noetzel Verlag, 2007.


    Stengel, Theo; Gerigk, Herbert. Lexikon der Juden in der Musik. Mit einem Titelverzeichnis jüdischer Werke, zusammengest. und bearb. v. Theo Stengel und Herbert Gerigk, 2. Aufl., Berlin 1941 (antisemitische NS-Publikation).



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 10. November 1905, S. 743.

    Allgemeine Musikzeitung vom 4. Mai 1906, S. 310.

    Allgemeine Musikzeitung vom 9. November 1906, S. 707.

    Allgemeine Musikzeitung vom 28. Oktober 1910, S. 974.

    Allgemeine Musikzeitung vom 9. Februar 1912, S. 153.

    Allgemeine Musikzeitung vom 8. November 1912, S. 1178.

    Allgemeine Musikzeitung vom 18. April 1913, S. 512.

    Allgemeine Musikzeitung vom 10. April 1914, S. 515.

    Allgemeine Musikzeitung vom 2. Oktober 1914, S. 1168.

    Allgemeine Musikzeitung vom 29. Januar 1915, S. 55.

    Allgemeine Musikzeitung vom 9. April 1915, S. 184.

    Allgemeine Musikzeitung vom 10. März 1916, S. 127.

    Allgemeine Musikzeitung vom 7. April 1916, S. 195.

    Allgemeine Musikzeitung vom 6. April 1917, S. 235 [Werbeanzeige].


    Signale für die musikalische Welt vom 4. Juni 1919, S. 372.

    Signale für die musikalische Welt vom 5. November 1919, S. 732.

    Signale für die musikalische Welt vom 19. Januar 1921, S. 44.



    Links


    http://www.gradx.net/bursaries/view/70/214/1/

    Die Internetseite stellt eine Kurzbeschreibung des „Leopold Premyslav Scholarship Fund“ zur Verfügung.


    http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=wiet1866

    Über die Mitwirkung von Eugenie Stoltz-Premyslav im Wietrowetz-Quartett vgl. auch die Seite zu Gabriele Wietrowetz.

    Forschung

    Eugenie Stoltz-Premyslav wird ebenso wie ihr Mann Leopold Premyslav in keinem der gängigen Musiklexika zwischen 1900 und 1930 erwähnt. Auch im „world biographical information system“ sind z. Zt. (März 2008) keine Artikel über das Ehepaar verfügbar. Lediglich Inka Prante erwähnt sie in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims im Rahmen des Wietrowetz-Quartetts (Prante 1999).

    Der „Leopold Premyslav Scholarship Fund“ in Johannesburg könnte möglicherweise Auskunft zu Eugenie Stoltz-Premyslav geben.



    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Eugenie Stoltz-Premyslav umfasst sowohl ihre Biografie, von der bislang nur ein Ausschnitt von ca. 25 Jahren im Ansatz bekannt ist, als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche. Unbekannt ist beispielsweise, ob Eugenie Stoltz-Premyslav unterrichtete, und wenn ja, wer ihre Schülerinnen und Schüler waren.

    Darüber hinaus könnten Forschungen über Eugenie Stoltz-Premyslav auch Aufschlüsse darüber geben, ab wann sich Cellistinnen im deutschen Musikleben behaupten konnten, welche Faktoren dazu beitrugen und welche Bedeutung dabei speziell der Kammermusik zukam.

    Für Hinweise zum Lebensweg des Ehepaares Eugenie Stoltz-Premyslav und Leopold Premyslav danke ich David Sandberg (Walter- & Leo-Spies-Archiv Berlin) sowie Sophie Fetthauer (Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, Universität Hamburg).

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 10. April 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 29.04.2008
    Zuletzt bearbeitet am 28.01.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Eugenie Stoltz-Premyslav“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 28.1.2009
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Eugenie_Stoltz-Premyslav