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  • Emma Koch

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Emma Koch. Brustbild, Leipzig 1899
    Namen:
    Emma Koch
    Lebensdaten:
    geb. in Mainz, Deutschland
    gest. in Berlin, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Solistin, Klavierpädagogin, Hochschullehrerin
    Charakterisierender Satz:

    „Sie [Emma Koch] ist eine glänzende Virtuosin und besondere Meisterin im Weiblich-Zarten, von klarer und feingeschliffener Technik, persönlicher und selbständiger Auffassung, poetischem geschmackvollen und von hoher Intelligenz diktiertem Vortrag und entzückenden Pianoschattierungen“.


    (Walter Niemann. In: Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. Berlin: Schuster & Loeffler, 1921, S. 117)


    Profil

    Ein Profil von Emma Koch kann erst nach weiteren Forschungen erstellt werden.

    Orte und Länder

    Emma Koch wurde 1860 in Mainz geboren. Von 1872 bis 1876 erhielt sie Klavierunterricht bei Carl Baermann in München und wurde von 1883 bis 1885 in Berlin von Xaver Scharwenka und in Weimar von Franz Liszt ausgebildet. Sie ließ sich in Berlin nieder, wo sie von 1897 bis 1923 als Lehrerin am Stern’schen Konservatorium wirkte. Emma Koch starb 1945 in Berlin.


    Konzertreisen führten Emma Koch durch Russland, Polen, Holland und Belgien.

    Biografie

    Emma Koch wurde am 12. November 1860 in Mainz als Tochter von Mathilde und Adolf Koch, einem Bankdirektor, geboren. Von 1872 bis 1878 erhielt sie Klavierunterricht bei Carl Baermann an der Münchner Musikschule und studierte ab 1883 das Fach Klavier bei Xaver Scharwenka in Berlin. Parallel dazu nahm sie 1883 und 1885 an den Meisterklassen von Franz Liszt in Weimar teil. Dabei scheint ihr Kommilitone Alfred Reisenauer häufiger ein Klavierpartner gewesen zu sein. So berichtet z. B. die Liszt-Schülerin Bettina Walker über eine Unterrichtsstunde bei Liszt: „As well as I can remember, this fine pianist [Alfred Reisenauer] played some of Liszt’s ,Liebesträume’ that afternoon, and Fräulein Emma Koch, a pupil of Scharwencka (since then established in Berlin, where she has given concerts more than once with great success), took up the set in these charming pieces, and continued where he left off.” („Soweit ich mich erinnere, spielte dieser ausgezeichnete Pianist [Alfred Reisenauer] an diesem Nachmittag einige Stücke aus Liszts ‚Liebesträumen’ und Fräulein Emma Koch, eine Schülerin von Scharwenka (heute lebt sie in Berlin, wo sie häufiger mit großem Erfolg konzertiert) begleitete diese bezaubernden Stücke und übernahm den Part, wenn er nicht weiter kam.“; Walker 1890, S. 123) Nachdem Franz Liszt 1886 gestorben war, setzte Emma Koch noch für kurze Zeit ihr Studium bei Hans von Bülow fort.


    Um das Jahr 1880 begann Emma Koch öffentlich zu konzertieren und blieb bis 1911 im internationalen Musikleben als Konzertpianistin aktiv (vgl. Müller 1929). Sie unternahm mehrere Konzertreisen durch Russland, Polen, Holland und Belgien (Müller 1929) und trat regelmäßig in Deutschland auf. Dennoch ist ihre Konzerttätigkeit bislang nur sehr vereinzelt nachzuweisen. Nach ersten Konzerten in München 1880/1881 debütierte Emma Koch am 29. Januar 1883 mit dem Berliner Philharmonischen Orchester im ersten Schülerkonzert des Scharwenka-Konservatoriums unter der Leitung von Xaver Scharwenka (Muck 1982, S. 4). In seinen Lebenserinnerungen schrieb Xaver Scharwenka über das Konzert: „Eine Reihe junger, vielversprechender Talente hatte sich meiner Leitung anvertraut. Die erste öffentliche Schüleraufführung fand am 29. Januar 1883 im Saale der Philharmonie mit dem Philharmonischen Orchester statt. Unter den Leistungen ragten die Vorträge des Frl. Emma Koch und des jungen Vianna da Motta besonders hervor. Beiden brachte die Zukunft reiche Anerkennung.“ (Scharwenka 1922, S. 89) Zwei Jahre später, 1885, spielten Xaver Scharwenka und Emma Koch bei einem der Festkonzerte des Karlsruher Tonkünstlerfestes das Concert pathétique für zwei Klaviere von Franz Liszt (vgl. Scharwenka 1922, S. 98).


    Am 26. Oktober 1886 trat Emma Koch als Solistin in einem von der Sängerin Marcella Sembrich veranstalteten Konzert im Dresdner Gewerbehaussaal mit dem Klavierkonzert Es-Dur von Franz Liszt und Frédéric Chopins „Andante spianato et Grande Polonaise brillante“ auf. Dabei zeigte sie sich – wie das „Musikalische Wochenblatt“ schrieb – als „sehr begabte, mit viel Technik ausgerüstete Künstlerin [...]. In dem Concert hätte ihr Ton etwas kräftiger sein können, aber die feineren Partien sowohl bei Liszt, wie bei Chopin wurden recht angenehm vorgetragen.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. November 1886, S. 579) Zwei Jahre später, am 14. September 1888, konzertierte sie in den Sommerkonzerten des Berliner Philharmonischen Orchesters in Scheveningen (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 27. September 1888, S. 472). Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb Emma Koch im internationalen Musikleben präsent. So gab sie z. B. 1898 im Rahmen der „Dutch National Exhibition of Women’s Labor“ in Den Haag einen Klavierabend (vgl. Grever; Waaldijk 2004, S. 121). Um 1900 widmete Moritz Moszkowski (1854-1925) ihr seine „Drei Mazurken” op. 60 für Klavier solo, und im Jahr 1905 spielte Emma Koch die Etude de Concert Nr. 2 „La Leggierezza“ f-Moll von Franz Liszt auf einer Welte-Mignon-Rolle ein (vgl. Thordarson 2000, S. 23). Anlässlich des 100. Geburtstages von Robert Schumann trat Emma Koch am 21. März 1910 bei einer Feier im Berliner Blüthnersaal auf und gab – ebenfalls im Frühjahr 1910 – ein Konzert in Leipzig, bei dem sie neben Kompositionen von Richard Strauss, Frédéric Chopin und Franz Liszt auch die Klavierkonzerte G-Dur op. 58 von Ludwig van Beethoven und f-Moll op. 82 von Xaver Scharwenka aufführte (vgl. „Berliner Tageblatt“ vom 2. März 1910, S. 7). Im Dezember 1910 konzertierte sie gemeinsam mit dem Blüthner-Orchester unter der Leitung von Willem Kees und spielte an einem Abend drei der Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven, darunter das Klavierkonzert Es-Dur op. 73 („Allgemeine Musikzeitung“ vom 9. Dezember 1910, S. 1154). In seinem Buch „Meister des Klaviers“ von 1921 zählte Walter Niemann Emma Koch zu den erstrangigen noch lebenden Liszt-Schülerinnen und schrieb über ihr Spiel: „Sie [Emma Koch] ist eine glänzende Virtuosin und besondere Meisterin im Weiblich-Zarten, von klarer und feingeschliffener Technik, persönlicher und selbständiger Auffassung, poetischem geschmackvollen und von hoher Intelligenz diktiertem Vortrag und entzückenden Pianoschattierungen“ (Niemann 1921, S. 117).


    Neben ihrer Konzerttätigkeit war Emma Koch von 1897 bis 1923 – also mehr als 25 Jahre lang – Lehrerin einer Ausbildungsklasse am Stern’schen Konservatorium in Berlin (vgl. Heymann-Wentzel 2009). Im Jahr 1929 lebte sie nach wie vor als Pianistin und Klavierlehrerin in Berlin-Wilmersdorf am Hohenzollernplatz 201 (Müller 1929); auch die NS-Zeit verbrachte sie in Berlin.


    Emma Koch nahm sich 1945 im Alter von 84 Jahren in Berlin das Leben, vermutlich während der Befreiung der Stadt durch sowjetische Truppen im April 1945.

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung von Emma Koch lässt sich erst nach weiteren Forschungen erstellen.

    Rezeption

    Eine heutige Rezeption der Tätigkeiten von Emma Koch findet bislang nicht statt.

    Werkverzeichnis

    Aufnahmen


    Liszt, Franz. Etude de Concert Nr. 2 „La Leggierezza“ f-Moll (Welte-Mignon-Rolle, 1905)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste ist aufgrund fehlender Forschungen zur Zeit nicht zu erstellen. Belegt sind die Interpretationen folgender Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert G-Dur op. 58

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Es-Dur op. 73

    Liszt, Franz. Etude de Concert Nr. 2 „La leggierezza“ f-Moll

    Liszt, Franz. Tarantelle di bravura d’après la tarantelle de „La muette de Portici“ (Auber)

    Liszt, Franz. Fantasie über Motive aus „Figaro“ und „Don Juan“ (Mozart)

    Liszt, Franz. Klavierkonzert Es-Dur

    Liszt, Franz. Klavierkonzert As-Dur

    Moszkowski, Moritz. Drei Mazurken op. 60

    Scharwenka, Xaver. Klavierkonzert f-Moll op. 82


    Ferner spielte Emma Koch Kompositionen von Robert Schumann, Richard Strauss und Frédéric Chopin. Die Tatsache, dass ihr die Bach-Gesellschaft in Haarlem (Holland) eine Ehrenmitgliedschaft verlieh, lässt vermuten, dass sie sich auch mit den Werken von Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt hat.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Koch, Emma“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Paul Frank (Hg.). 12. Auflage, bearb. von Wilhelm Altmann. 1926 [verfügbar im world biographical information system (wbis)].


    Artikel „Koch, Emma“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.). 11. Aufl. bearb. von Alfred Einstein. 1929 [verfügbar im world biographical information system (wbis)].


    Artikel „Koch, Emma“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). 1929 [verfügbar im world biographical information system (wbis)].


    Artikel „Koch, Emma“. In: Lexikon der Frau. Bd. II. Zürich: Encyclios Verlag, 1954 [verfügbar im world biographical information system (wbis)].


    Grever, Maria; Waaldijk, Berteke. Transforming the Public sphere. The Dutch National Exhibition of Women’s Labor in 1898. Durham: Duke University Press, 2004.


    Heymann-Wentzel, Cordula. Berlin als Ausbildungsort – Personen-Datenbank des Stern’schen Konservatoriums. Projekt der Universität der Künste Berlin (Veröffentlichung in Vorbereitung). Vgl. http://www.udk-berlin.de/sites/musikwissenschaft/content/lehre_und_forschung/forschung/forschungsprojekte/berlin_als_ausbildungsort___personen_datenbank_des_sternschen_konservatoriums/index_ger.html

    (Stand: 4. März 2009)


    Heymann-Wentzel, Cordula. Verzeichnis der Lehrenden des Stern’schen Konservatoriums der Musik und der Jüdischen Privaten Musikschule Hollaender. Auszug aus der Datenbank „Berlin als Ausbildungsort – Personen-Datenbank des Stern’schen Konservatoriums“. Projekt der Universität der Künste Berlin. http://www.udk-berlin.de/sites/musikwissenschaft/content/e285/e345/e486/e494/e1091/infoboxContent1095/DbSternKonsLehrer_ger.pdf (Stand: 4. März 2009)


    Heymann-Wentzel, Cordula. Die Schülerinnen Emma Kochs. Auszug aus der Datenbank „Berlin als Ausbildungsort – Personen-Datenbank des Stern’schen Konservatoriums“. Projekt der Universität der Künste Berlin (Veröffentlichung in Vorbereitung). Vgl. http://www.udk-berlin.de/sites/musikwissenschaft/content/lehre_und_forschung/forschung/forschungsprojekte/berlin_als_ausbildungsort___personen_datenbank_des_sternschen_konservatoriums/index_ger.html

    (Stand: 4. März 2009)


    Jansa, Friedrich (Hg.). Deutsche Tonkünstler in Wort und Bild. 2. Ausgabe. Leipzig: F. Jansa, 1911.


    Jerger, Wilhelm. Franz Liszts Klavierunterricht von 1884 bis 1886. Dargestellt an den Tagebuchaufzeichnungen von August Göllerich. Regensburg: Bosse, 1975.


    Kehler, George. The Piano in Concert. Compiled and Annotated by G. Kehler. New York: Metuchen, 1982, S. 675f.


    Legany, Dezö. Liszt and his Country 1874-1886. Budapest: Corvina K., 1992.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Niemann, Walter. Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. 9. bis 14. völlig umgearbeitete Auflage. Berlin: Schuster & Loeffler, 1921.


    Scharwenka, Xaver. Klänge aus meinem Leben. Erinnerungen eines Musikers. Leipzig: R. F. Koehler, 1922.


    Thordarson, Runolfur. Recordings of Works of Liszt Played by his Pupils – A Discography and Evaluation. In: Journal of the American Liszt Society 47 (2000), S. 7-67.


    Walker, Bettina. My Musical Experiences. London: Bentley, 1890.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 25. Mai 1881, S. 330.


    Allgemeine Musikzeitung vom 9. Dezember 1910, S. 1154.


    Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe) vom 2. März 1910, S. 7.


    Musikalisches Wochenblatt vom 18. November 1886, S. 579.

    Musikalisches Wochenblatt vom 27. September 1888, S. 472.

    Forschung

    Cordula Heymann-Wentzel hat im Zuge der Erstellung einer Datenbank „Berlin als Ausbildungsort – Personen-Datenbank des Stern’schen Konservatoriums“ (Veröffentlichung in Vorbereitung) auch eine Liste der Schülerinnen Emma Kochs zusammengestellt. Vgl. http://www.udk-berlin.de/sites/musikwissenschaft/content/lehre_und_forschung/forschung/forschungsprojekte/berlin_als_ausbildungsort___personen_datenbank_des_sternschen_konservatoriums/index_ger.html

    (Stand: 4. März 2009)


    Vereinzelt wird Emma Koch in den Erinnerungen der Schülerinnen und Schüler von Franz Liszt genannt, so z. B. in den Tagebüchern ihres Kommilitonen August Göllerich (Jerger 1975) und in den Memoiren von Bettina Walker (Walker 1890).


    Emma Koch verbrachte die NS-Zeit in Berlin. Über ihre Haltung gegenüber dem NS-Staat ist bislang nichts Näheres bekannt. Der größte Teil ihres Nachlasses ging vermutlich während der Befreiung Berlins im April 1945 verloren.


    Tamara Koch (Alexandria, VA, USA), der Großnichte Emma Kochs, danke ich für ergänzende Informationen zu den letzten Lebensjahren Emma Kochs (vgl. mail von Tamara Koch an die Redaktion vom 24. Januar 2009).

    Die Pianistin Emma Koch ist nicht identisch mit der Sängerin Emma Koch, die Mitte der 1850er Jahre in Leipzig und Dresden – häufig gemeinsam mit Marie Wieck – auftrat und möglicherweise 1910 verstarb (vgl. RIPM). Ob die Pianistin Emma Koch mit ihr verwandt war, ist bislang nicht festzustellen.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Emma Koch umfasst alle Bereiche: ihre Biographie, ihr Studium bei Carl Baermann, Xaver Scharwenka, Franz Liszt und Hans von Bülow, ihre Konzerttätigkeit, ihr Repertoire sowie ihre Kontakte zu Zeitgenossen.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 8.3.2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 31.03.2008
    Zuletzt bearbeitet am 23.11.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Emma Koch“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.11.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Emma_Koch