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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Emily Lawrence
    Lebensdaten:
    geb. in Rugby,
    gest. nach

    Die genauen Lebensdaten von Emily M. Lawrence sind nicht bekannt, die Pressenachrichten über ihre Tätigkeiten enden abrupt am 20. April 1894. Auch das Kürzel ihres zweiten Vornamens konnte bislang nicht aufgelöst werden.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Organistin, Dirigentin, Musiklehrerin, Gesangspädagogin, Kirchenmusikerin
    Charakterisierender Satz:

    „The thirty-ninth performance of the Musical Artists’ Society took place on the 12th ult., at Willis’s Rooms, when several interesting new compositions were included in the proceedings. Amongst the latter may be specially instanced [...] a very effective Duo Brillante in E, by Mr. Charles E. Stephens. [...] the pianoforte duet being brilliantly rendered by Miss Emily Lawrence and Mr. Stephens. A pleasing song by the lady just named, entitled ‚The Truth of the Spirit’, was one of the vocal contributions of the evening, and being rendered by so charming a singer as Miss Mary Davies, obtained the distinction of an encore.“


    „Die 39. Vorstellung der Musical Artists’ Society fand am 12. des Vormonats in den Willis’ Rooms statt, wobei einige interessante neue Kompositionen in den Zusammenkünften enthalten waren. Unter Letzteren mag als Beispiel insbesondere […] ein sehr nachhaltiges Duo Brillante in E-Dur von Herrn Charles E. Stephens angeführt werden. […] das Klavierduett wurde glänzend von Fräulein Emily Lawrence und Herrn Stephens wiedergegeben. Ein ansprechendes Lied der soeben genannten Dame mit dem Titel ‚The Truth of the Spirit’ war einer der vokalen Beiträge des Abends. Es wurde von der reizenden Sängerin Fräulein Mary Davies wiedergegeben und musste wiederholt werden.“


    („The Musical Times“ vom 1. Januar 1886, S. 36)


    Profil

    Die Musikerin, Komponistin und Musikpädagogin Emily M. Lawrence wurde an der Royal Academy of Music breitgefächert ausgebildet und konnte sich anschließend im britischen Musikleben etablieren. Sie trat regelmäßig als Pianistin und Klavierbegleiterin auf, unterrichtete privat die Fächer Klavier, Orgel, Komposition und Gesang, leitete Gesangvereine und Kirchenchöre und wirkte zudem ab 1889 als Kirchenmusikerin an der St. John’s Church in Wembley. Ihr Werkverzeichnis umfasst Kompositionen für Sologesang, Chorlieder und -kantaten sowie Klavier- und Kammermusik. Zahlreiche ihrer Werke wurden in renommierten Londoner Musikverlagen veröffentlicht, u. a. bei Stanley Lucas, Weber & Co, Novello, Ewer & Co, Edwin Ashdown und Weekes & Co.

    Orte und Länder

    Emily M. Lawrence wurde in Rugby (Grafschaft Warwickshire) geboren und wuchs dort auf. Von 1874 bis 1877 studierte sie an der Royal Academy of Music in London und kehrte anschließend nach Rugby zurück, hatte jedoch ab 1880 auch eine Wohnung in London. 1889 wurde sie als Organistin an die St. John’s Church in Wembley im Großraum London berufen.

    Biografie

    Emily M. Lawrence wurde 1854 in Rugby, in der englischen Grafschaft Warwickshire, geboren. Ihre Mutter Elizabeth S. Lawrence war Komponistin und von 1842 bis 1877 Organistin an der dortigen Rugby Parish Church (vgl. Brown/Stratton 1897). Von ihr erhielt Emily M. Lawrence den ersten musikalischen Unterricht. Anschließend studierte sie von 1874 bis 1877 an der Royal Academy of Music in London und wurde dabei breitgefächert ausgebildet. Zu ihren dortigen Lehrern gehörten der Pianist und Komponist Sir William Sterndale Bennett, der Gesangspädagoge Manuel Garcia und der Kirchenmusiker und Komponist Charles Steggall (vgl. Brown/Stratton 1897). Am 20. Juni 1877 trat Emily M. Lawrence als Solopianistin in einem Orchesterkonzert der Royal Academy of Music unter der Leitung von Walter Macfarren in der Londoner St. James’s Hall auf und spielte zwei Sätze aus dem Klavierkonzert d-Moll op. 1 ihres Lehrers William Sterndale Bennett (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1877, S. 334). Vermutlich handelte es sich dabei um ihr Abschlusskonzert.


    Nach ihrem Studienabschluss kehrte Emily M. Lawrence in ihre Heimatstadt Rugby zurück, wo sie regelmäßig eigene Konzerte gab, zu deren Mitwirkenden bekannte Musikerinnen und Musiker wie z. B. die Sängerin Clara Samuell, die Geigerin Gabrielle Vaillant, der Violoncellist Hugo Daubert sowie der Pianist Sir Julius Benedict gehörten. So spielte sie z. B. bei einem dieser Konzerte im Dezember 1877, an dem u. a. die Sängerinnen Ada Patterson und Florence Stanbroke, der Harfenist John Thomas und der Pianist Sir Julius Benedict beteiligt waren, Frédéric Chopins erste Ballade g-Moll op. 23, Präludium und Fuge Nr. 4 cis-Moll BWV 849 aus dem ersten Band von Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier und das Rondo Piacevole E-Dur op. 25 von Sir William Sterndal Bennett. Die „Musical Times“ berichtete: „Miss Emily Lawrence gave a very successful Concert on the 12th ult. [...]. Miss Lawrence’s solos [...] were extremely well received.“ („Fräulein Emily Lawrence gab am 12. des Vormonats ein sehr erfolgreiches Konzert. […] Fräulein Lawrences Soli […] wurden überaus gut aufgenommen.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1878, S. 42) Bei einem weiteren Konzert am 21. November 1878, diesmal unter Mitwirkung von Clara Samuell, Gabrielle Vaillant, Percy Blandford, Hugo Daubert und Sir Julius Benedict, stand vorrangig Kammermusik auf dem Programm, darunter Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (Nr. 7 B-Dur op. 97) und William Sterndale Bennett (A-Dur op. 26) und Felix Mendelssohn Bartholdys Allegro Brillant A-Dur op. 92 für Klavier zu vier Händen, das Emily M. Lawrence gemeinsam mit Julius Benedict aufführte: „Miss Emily Lawrence gave an Evening Concert on the 21st ult. [...]. The Pianoforte Trios, Op. 97 of Beethoven, and Op. 26 of Sterndale Bennett, were extremely well received, as was also Mendelssohn’s Allegro Brillant, Op. 92, played by Miss Lawrence and Sir Julius Benedict. Miss Samuell was particularly successful in her songs.“ („Fräulein Emily Lawrence gab am 21. des Vormonats ein Abendkonzert. […] Die Klaviertrios Op. 97 von Beethoven und Op. 26 von Sterndale Bennett wurden äußerst gut aufgenommen, ebenso wie Mendelssohns Allegro Brillant Op. 92, das von Fräulein Lawrence und Sir Julius Benedict gespielt wurde. Fräulein Samuell war besonders erfolgreich mit ihren Liedern.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1878, S. 686)


    Im Juni 1879 trat Emily M. Lawrence erstmals als Pianistin und Komponistin im Rahmen eines Konzertes der Ladies’ Amateur Choral Society in Rugby auf, deren Leitung sie später als Dirigentin übernehmen sollte. Im Assembly Room der Town Hall in Rugby spielte sie als Solostück Frédéric Chopins Ballade Nr. 3 As-Dur op. 47 und begleitete den Chor (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1879, S. 387). Bei diesem Konzert wurde zudem eines ihrer Lieder „Singing in the rain“ von der Sängerin Jessie Percivalt vorgetragen und erhielt ein „encore“ (vgl. ebd.). Bei einem weiteren Konzert der nun vermutlich beide Geschlechter umfassenden Rugby Amateur Choral Society am 31. Januar 1883 spielte Emily Lawrence gemeinsam mit einem Geiger Herrn Pettersson und einem Violoncellisten namens Donkin das Klaviertrio A-Dur op. 26 von Sir William Sterndale Bennett sowie mehrere Solostücke: „An evening Concert, in aid of the Midland Counties Home for Incurables, was given at the Town Hall, on January 31, before a large audience. [...] An excellent programme was provided, a Trio by Sterndale Bennett – well played by Miss Emily Lawrence (pianoforte), Herr Pettersson (violin), and Mr. Donkin (violoncello) – being amongst the most attractive items in the selection. Mention must also be made of Miss Emily Lawrence’s pianoforte solo, which was well rendered and warmly applauded.“ („Ein Abendkonzert zugunsten des „Midland Counties Home for Incurables“ wurde am 31. Januar im Rathaus vor einem großen Publikum gegeben. […] Es wurde ein ausgezeichnetes Programm aufgeboten, ein Trio von Sterndale Bennett – gut gespielt von Fräulein Emily Lawrence (Klavier), Herrn Pettersson (Violine) und Herrn Donkin (Violoncello) – gehörte zu den attraktivsten Stücken. Erwähnenswert ist auch Fräulein Emily Lawrences Solostück, das gut wiedergegeben und dem warmherzig applaudiert wurde.“; „The Musical Times“ vom 1. März 1883, S. 161) Im Jahr 1885 hatte Emily M. Lawrence die Leitung des Chores übernommen, wie aus der Rezension eines Konzertes vom 4. Dezember 1885 hervorgeht, an dem die Klarinettistin Frances Thomas beteiligt war: „Rugby. – On Thursday evening, the 4th ult., the members of Miss Emily Lawrence’s Choral Society gave a very successful Concert in the Town Hall. The programme was well rendered, the clarinet solos of Miss Frances Thomas being a special feature. Miss Lawrence presided at the pianoforte and conducted with her usual ability.“ („Rugby. ¬– Am Donnerstagabend, dem 4. des Vormonats, gaben die Mitglieder von Fräulein Emily Lawrences Chorgesellschaft ein sehr erfolgreiches Konzert im Rathaus. Das Programm wurde gut wiedergegeben, wobei die Klarinettensoli von Fräulein Frances Thomas eine Besonderheit waren. Fräulein Lawrence waltete über das Klavier und dirigierte mit ihrer gewohnten Fähigkeit.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1885, S. 43) Bei einem weiteren Konzert des Chores unter der Leitung von Emily M. Lawrence, am 16. Juni 1885, wurde auch ihr Song „At Last“ von dem Sänger Derris Harte aufgeführt, und sie selbst spielte einen Trauermarsch aus einer der Klaviersonaten Frédéric Chopins im Andenken an Sir Julius Benedict: „Rugby. – On Tuesday evening, the 16th ult., the Rugby Amateur Choral Society, under the directorship of Miss Emily Lawrence, gave a private Concert in the Town Hall, when there was a fashionable attendance, and an excellent programme of vocal and instrumental music was brilliantly executed. Miss Lawrence’s new song, ‚At Last’ was finely rendered by Mr. Derris Harte, and encored. The violoncello solos by Mr. Whitehouse were greatly admired, and amongst the important items was Miss Lawrence’s rendering of Chopin’s Funeral March, played by her in memory of Sir Julius Benedict.“ („Rugby. – Am Donnerstagabend, dem 16. des Vormonats, gab die Rugby Amateur Choral Society unter der Leitung von Fräulein Emily Lawrence ein privates Konzert im Rathaus, vor einem eleganten Publikum und mit einem ausgezeichneten Programm aus Vokal- und Instrumentalmusik, das hervorragend aufgeführt wurde. Fräulein Lawrences neues Lied, ‚At Last’, wurde von Herrn Derris Harte schön wiedergegeben und musste wiederholt werden. Die Violoncello-Soli von Herrn Whitehouse wurden außerordentlich bewundert, und hervorhebenswert ist Fräulein Lawrences Wiedergabe von Chopins Trauermarsch, den sie zum Andenken von Sir Julius Benedict spielte.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1885, S. 423)


    Der Wirkungskreis von Emily M. Lawrence blieb jedoch nicht auf Rugby begrenzt. Bereits im Januar 1880 bezog sie parallel eine Wohnung am Euston Square in London, wo sie u. a. unterrichtete (vgl. ihre Umzugsanzeige in „The Musical Times“ vom 1. Februar 1880, S. 50). Dabei war sie auch in London in einen Kreis bekannter Musikerinnen und Musiker eingebunden, wie u. a. ein Konzert zu ihren Gunsten am 30. November 1881 in der Royal Academy of Music belegt, zu dessen Mitwirkenden u. a. Clara Samuell, Lady Benedict und der Geiger Charles Fletcher gehörten. Auf dem Programm standen eines ihrer Lieder, „In manus tuas“ sowie mehrere ihrer „Songs Without Words“ für Klavier, zudem Werke von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Georg Friedrich Händel, Franz Schubert, Joachim Raff, Julius Benedict, Gioachino Rossini und Gaetano Donizetti: „An evening Concert was given by Miss Emily Lawrence in the rooms of the Royal Academy of Music, on Tuesday, November 30. [...] The programme was most carefully chosen, and contained more compositions of sterling merit than are usually to be found at Concerts of this class. [...] Miss Orridge and Miss Samuell were highly successful in their efforts, and Madame Bolingbroke obtaines applause by her delivery of a well-written song by Miss Lawrence, entitled ‚In manus tuas’; [...] The concert-giver played several solos, including some ‚Songs without words’ from her own pen, in each case proving herself to be a musician of culture.“ („Ein Abendkonzert wurde von Fräulein Emily Lawrence in den Räumen der Royal Academy of Music am Dienstag, dem 30. November, gegeben. […] Das Programm war höchst sorgfältig ausgewählt und enthielt mehr Kompositionen von gediegenem Wert, als sie gewöhnlich bei Konzerten von diesem Format zu finden sind. […] Fräulein Orridge und Fräulein Samuell waren äußerst erfolgreich mit ihren Leistungen und Frau Bolingbroke erhält Applaus für ihren Vortrag eines gut geschriebenen Liedes von Fräulein Lawrence mit dem Titel ‚In manus tuas’; […] Die Konzertgeberin spielte diverse Solostücke, darunter einige ‚Songs without words’ aus ihrer eigenen Feder und bewies jeweils, dass sie eine kultivierte Musikerin ist.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1881, S. 24)


    Auch als Komponistin war Emily M. Lawrence – über die regelmäßigen Aufführungen ihrer Werke im Rahmen eigener Konzerte hinaus – in London in den Kreis zeitgenössischer Komponisten eingebunden. Spätestens ab 1879 wurden ihre Vokalkompositionen in den Konzerten der Londoner „Musical Artists’ Society“ aufgeführt (vgl. die Anzeigen in der „Musical Times“ vom 1. April 1879, S. 185; vom 1. April 1883, S. 177; vom 1. November 1885, S. 633 und passim). Diese Konzerte fanden in den Willis’ Rooms statt und dienten ausschließlich der Vorstellung bzw. Uraufführung aktueller Kompositionen. Über eines dieser Konzerte im November 1885 berichtete die „Musical Times“: „At the thirty-eight performance of new compositiones held by the Musical Artists’ Society, on the 14th ult., at Willis’s Rooms, the following works obtaines a first hearing – [...] Songs (Charlotte Gilbert, Franceso Berger, Ralph P. Dawes, and Emily Lawrence). Both the composers and the executants of these novelties had every reason to be satisfied with the appreciatory attitude of their auditors, a number of whom remained in their seats until the conclusion, at a late hour, of the performance.“ („Bei der 38. Vorstellung neuer Kompositionen, durchgeführt von der Musical Artists’ Society am 14. des Vormonats in den Willis’ Rooms, erhielten folgende Werke eine Erstaufführung – […] Lieder (Charlotte Gilbert, Francesco Berger, Ralph P. Dawes und Emily Lawrence). Sowohl die Komponisten als auch die Ausführenden dieser Neuheiten hatten jeden Grund, mit der anerkennenden Haltung ihrer Hörer zufrieden zu sein, von denen einige bis zum späten Ende der Vorstellung auf ihren Sitzen blieben.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1885, S. 740). Im darauf folgenden Konzert trat Emily M. Lawrence sowohl als Komponistin als auch als Pianistin auf. Neben der Uraufführung ihres Liedes „The Truth of the Spirit“ spielte sie gemeinsam mit dem Komponisten Charles E. Stephens dessen Duo Brillante E-Dur für zwei Klaviere, und begeisterte das Publikum, wie die „Musical Times“ berichtete: „The thirty-ninth performance of the Musical Artists’ Society took place on the 12th ult., at Willis’s Rooms, when several interesting new compositions were included in the proceedings. Amongst the latter may be specially instanced a String Quartet in G minor [...] by Mr. Marshall Hall Bell, and a very effective Duo Brillante in E, by Mr. Charles E. Stephens. [...] the pianoforte duet being brilliantly rendered by Miss Emily Lawrence and Mr. Stephens. A pleasing song by the lady just named, entitled ‚The Truth of the Spirit’, was one of the vocal contributions of the evening, and being rendered by so charming a singer as Miss Mary Davies, obtained the distinction of an encore.“ („Die 39. Vorstellung der Musical Artists’ Society fand am 12. des Vormonats in Willis’ Rooms statt, wobei einige interessante neue Kompositionen im Programm enthalten waren. Unter Letzteren mag als Beispiel insbesondere ein Streichquartett in g-Moll […] von Herrn Marshall Hall Bell sowie ein sehr nachhaltiges Duo Brillante in E-Dur von Herrn Charles E. Stephens angeführt werden. […] das Klavierduett wurde glänzend von Fräulein Emily Lawrence und Herrn Stephens wiedergegeben. Ein ansprechendes Lied der soeben genannten Dame mit dem Titel ‚The Truth of the Spirit’ war einer der vokalen Beiträge des Abends. Es wurde von der reizenden Sängerin Fräulein Mary Davies wiedergegeben und musste wiederholt werden.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1886, S. 36) Obwohl zahlreiche Werke von Emily M. Lawrence in renommierten Londoner Musikverlagen veröffentlicht wurden, u. a. bei Stanley Lucas, Weber & Co, Novello, Ewer & Co, Edwin Ashdown und Weekes & Co, nahm die Presse von den Drucken nur wenig Notiz. Kaum eines ihrer Werke wurde in der „Musical Times“ rezensiert.


    Im Jahr 1887 war Emily M. Lawrence vermutlich in ein Haus in Kensington umgezogen und nahm dort auch Schülerinnen und Schüler als „Resident Pupils“ auf. Dabei unterrichtete sie die Fächer Orgel, Klavier, Komposition und Gesang, wie eine Anzeige in der „Musical Times“ belegt: „Vacancy for two Resident Pupils in a Home in Kensington. Lessons on the Organ and Pianoforte, in Composition, and Singing. For terms, address, Emily Lawrence, West Vale, Rugby“ („Freie Plätze für zwei Residenzschüler in einem Heim in Kensington. Orgel-, Klavier-, Kompositions- und Gesangsstunden. Für Konditionen wenden Sie sich an Emily Lawrence, West Vale, Rugby“; „The Musical Times“ vom 1. September 1887, S. 517)


    Im Sommer 1889 wurde Emily Lawrence als Organistin an die St. John’s Church in Wembley berufen (vgl. „Organ Appointments“, in „The Musical Times“ vom 1. September 1889, S. 558). In diesem Zusammenhang wird sie erstmals – wie in allen weiteren Presseerwähnungen – als „Madame Emily Lawrence“ bezeichnet. Sie hatte aller Wahrscheinlichkeit nach geheiratet und ihren Geburtsnamen beibehalten. In Wembley übernahm sie neben dem Orgeldienst auch die Leitung des Gesangvereins und veranstaltete als Organistin, Pianistin und Dirigentin eigene Konzerte; sie übte demnach alle Tätigkeiten einer Kirchenmusikerin aus. So gab sie z. B. kurz nach ihrer Ernennung, am 15. Oktober 1889, gemeinsam mit dem Geiger Wilhelm Wiener ein Konzert im der Kirche angegliederten Schulraum zugunsten der Orgel. Auf dem Programm standen Ludwig van Beethovens Violinsonate A-Dur op. 47, zwei Sätze aus Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64, ihre eigene Sonate für Violine und Klavier fis-Moll op. 20 sowie mehrere ihrer Lieder (vgl. „The Musical Times“ vom 1. November 1889, S. 686). Als Dirigentin standen ihr in Wembley sichtlich Möglichkeiten offen, größere Chorwerke, d. h. Kantaten und Oratorien zur Aufführung zu bringen. Am 16. März 1892 leitete sie in der Workmen’s Hall in Wembley eine Aufführung ihrer Kantate „Bonny Kilmeny“ nach einem Text von James Hogg für Solostimmen, Chor und Klavier (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1892, S. 238). Am 30. Dezember 1893 brachte Emily M. Lawrence in ihrer Kirche Georg Friedrich Händels „Messiah“ HWV 56 zur Aufführung und veranstaltete am 19. Januar 1894 ein Konzert mit John Francis Barnetts Kantate „The Ancient Mariner“ sowie mit eigenen Werken, darunter ihr „Sarchedon’s Love Song“, wie die „Musical Times“ berichtete: „Wembley.- The annual free performance of ‚the Messiah’ was given in Wembley Church on December 30, at 3 p.m., to a crowded congregation. The solos were sung by Mrs. MacCarthy, Miss Mary Clarke, Mr. Stirling Wells, and Mr. Martin Morris, and Madame Emily Lawrence conducted. – A very effective performance of Barnett’s ‚Ancient Mariner’ was given on the 19th ult., by the Choral Society, under the Conductorship of Madame Emily Lawrence. [...] In the miscellaneaous second part Mr. H. Mole gave an effective rendering of Mrs. Lawrence’s ‚Sarchedon’s Love Song’ [...].“ („Wembley. – Die jährliche Gratisvorstellung des ‚Messias’ wurde in der Wembley Church am 30. Dezember um 15 Uhr vor vollem Haus geboten. Die Soli wurden von Frau MacCarthy, Fräulein Mary Clarke, Herrn Stirling Wells und Herrn Martin Morris gesungen und Frau Emily Lawrence dirigierte. – Eine sehr effektvolle Aufführung von Barnetts ‚Ancient Mariner’ wurde am 19. des Vormonats von der Choral Society unter der Leitung von Frau Emily Lawrence gegeben. […] Im vermischten zweiten Teil bot Herr H. Mole eine wirkungsvolle Wiedergabe von Frau Lawrences ‚Sarchedon’s Love Song’ […].“; „The Musical Times“ vom 1. Februar 1894, S. 123) Ein weiteres Konzert mit der Wembley Choral Society unter ihrer Leitung fand am 20. Apri 1894 in der Workmen’s Hall statt. Auf dem Programm standen die geistliche Kantate „The Woman of Samaria“ op. 44 von Sir William Sterndale Bennett und eine konzertante Fassung von Henry Purcells Oper „Dido and Aenas“ für Soli und Chor, begleitet von Klavier und Harmonium: „Wembley. The Choral Society presented an excellent programme at its second Concert this season, which took place on the 20th ult. in the Workman’s Hall. The works chosen were Bennett’s ‚Woman of Samaria’ and Purcell’s ‚Dido and Æneas’ [...]. Miss Champion and Mrs. Avila played the accompaniments on a pianoforte and harmonium, and Mrs. Emily Lawrence conducted.“ („Wembley. Die Choral Society präsentierte ein herausragendes Programm bei ihrem zweiten Konzert in dieser Saison, das am 20. des Vormonats in der Workman’s Hall stattfand. Die ausgewählten Werke waren Bennetts ‚Woman of Samaria’ und Purcells ‚Dido and Æneas’ […]. Fräulein Champion und Frau Avila spielten die Begleitungen mit Klavier und Harmonium und Frau Emily Lawrence dirigierte.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1894, S. 346)


    Nach diesem Konzert im April 1894 enden die bis dahin kontinuierlichen Nachrichten über Tätigkeiten und Werke von Emily M. Lawrence. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Würdigung

    Nach ihrem Studienabschluss an der Royal Academy of Music 1877 war Emily M. Lawrence als Musikerin in vielen verschiedenen Bereichen tätig. Sie konnte sich im professionellen Musikbereich etablieren, wo sie gemeinsam Konzerte mit Kolleginnen und Kollegen wie Clara Samuell, Gabrielle Vaillant, Charles Fletcher, Hugo Daubert und Sir Julius Benedict veranstaltete und sich im Rahmen der Londoner Artists’ Society mit anderen Komponistinnen und Komponisten über ihre Kompositionen austauschte. Gleichzeitig lag ein wesentlicher Schwerpunkt ihres Wirkens in der Laienmusik. Sie leitete als Dirigentin mehrere Chöre, gab Musikunterricht und hatte ab 1889 eine Stelle als Kirchenmusikerin an der St. John’s Church in Wembley.

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Werkverzeichnis von Emily M. Lawrence wurde unter Mithilfe von Maj-Britt Peters auf der Grundlage von Pazdírek 1904ff., digitaler Bibliothekskataloge, insbesondere des britischen Verbundkatalogs Copac, sowie auf der Grundlage zeitgenössischer Presseberichte und -rezensionen erstellt. Fehlende Angaben wie Verlage oder Jahreszahlen konnten nicht ermittelt werden.



    Kompositionen für Sologesang


    A Lover’s Song. Text von Frederic William H. Myers. London, Stanley Lucas, Weber & Co, 1883.


    At Last. Song, 1885; Druck nicht nachweisbar.


    At Rest. Song für Gesang und Klavier (Textincipit: "Rest here a little while".) Text von R. B. London. Stanley Lucas, Weber & Co., 1881.


    A Well of Love. Quartett (Textincipit: "O light of dead and of dying days"). Text von George Macdonald. London, 1883.

    Because. Song. Text von Adelaide A. Procter. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1883.


    Come what may. Song (Textincipit: „Love me if I live!“). Text von Barry Cornwall. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1885 und London: Weekes & Co, 1899.


    Do I Love Thee? Ballade. Text von John Godfrey Saxe. London, 1881 und London: Weekes & Co, 1899.


    In a Garden. Song. Text von Algernon Charles Swinburne. London: Weekes & Co, 1896.


    In manus tuas, Domine. Sacred Song. London, 1880 und London: Weekes & Co, 1899.

    Looking out into the Night. Song. Text von John Godfrey Saxe. London: Duncan Davison & Co, ca. 1880 und London: Ascherberg, Hopwood & Crew, o. J.


    My Little Doll. Song (Textincipit: "I once had a sweet little doll") aus: "Water Babies," Text von Charles Kingsley. London, 1881.


    My Scottish Lassie. Song. Text von J. Moultrie. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1883.

    My true Love hath my Heart. Song. Text von Sir Philip Sidney. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1883.

    Only one Home. Song. Text von George Macdonald. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1883.

    Rest, my loved one, rest. Slumber Song. London, 1881.


    Sarchedon’s Love Song. Text von George Whyte Melville. London & New York: Novello, Ewer & Co, 1886.


    Singing in the Rain. Song. (Textincipit: "Where the elm tree branches".) Text von F. Percy. London, 1878 und London: Weekes & Co, 1899.

    The Sleep. Song. Text von Elisabeth Barrett Browning. London & New York: Novello, Ewer and Co, 1890.


    Sowing and Reaping. Song. Text von Adelaide A. Procter. London: Stanley Lucas, Weber & Co, 1883 und London: Weekes & Co, 1899.


    The Truth of the Spirit. Song. Text von Barry Cornwall. London: Boosey & Co, 1886.



    Kantaten und Chorkompositionen


    All deep things are song. Four-Part Song für Frauenstimmen (Textincipit: "Song should breathe of scents and flowers"). Text von Barry Cornwall. London, 1884.


    Bonny Kilmeny. Kantate für Soli, Frauenchor und Klavier. Text: James Hogg. Kensington 1890; Druck nicht nachweisbar.


    Dolly & Dick. Two-Part Chorus für Sopranstimmen. London: Edwin Ashdown, o. J.


    Flow heavenly blessings, on him. Four-Part Song für Frauenstimmen (Textincipit: "Now whilst he dreams“). Text von Barry Cornwall. London, 1884.


    The grass withereth, the flower fadeth. Anthem. Novello, Ewer & Co, 1875.


    Let not your heart be troubled. Anthem. Novello, Ewer & Co, 1875.


    Sleep beloved, the night has come. Four-Part Song für Frauenstimmen. Text von F. Percy. London, 1880.


    Sunbeams. Four-Part Song. Text: Henry Wadsworth Longfellow. London: Novello, Ewer & Co, 1879.


    The Ten Virgins. Kantate für Frauenchor, Wembley 1893, Druck nicht nachweisbar.


    Time long past. Four-Part Song. London, 1879.



    Klavier- und Kammermusik


    Andante grave und Rondino in D-Dur für Klavier. London, 1880.

    Evensong für Klavier op. 15. London: Weekes & Co, 1881.

    Romanze E-Dur für Klavier op. 16. London, 1881.


    Sonate fis-Moll für Violine und Klavier, op. 20. London & New York: Novello, Ewer & Co, 1886.

    Four Songs without Words für Klavier, op. 11. London: Stanley Lucas, Weber & Co, ca. 1880.



    Sammlungen


    Songs for Girls and Boys, two books à one. London: Weekes & Co, o. J.

    Darin enthalten: Second Book of Songs for Girls and Boys. London: Weekes & Co, 1900.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Emily M. Lawrence kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:



    Als Pianistin

    Bach, Johann Sebastian. Präludium und Fuge Nr. 4 cis-Moll BWV 849 aus dem Wohltemperierten Klavier Bd. 1


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier und Violine A-Dur op. 47.


    Bennett, William Sterndale. Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 1

    Bennett, William Sterndale. Rondo piacevole E-Dur op. 25

    Bennett, William Sterndale. Klaviertrio A-Dur op. 26


    Chopin, Fréderic. Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23

    Chopin, Fréderic. Ballade Nr. 3 As-Dur op. 47

    Chopin, Fréderic. Trauermarsch (vermutlich: aus der Klaviersonate Nr. 1 b-Moll op. 35 – oder: c-Moll aus op. 72 Nr. 2)


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Allegro Brillant A-Dur op. 92 für Klavier zu vier Händen

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Zwei Sätze aus dem Violinkonzert e-Moll op. 64


    Stephens, Charles E. Duo Brillante E-Dur für zwei Klaviere



    Als Dirigentin

    Barnett, John Francis. Kantate „The Ancient Mariner“


    Bennett, William Sterndale. Kantate „The Woman of Samaria“ op. 44


    Händel, Georg Friedrich. „Messiah“ HWV 56


    Purcell, Henry. Konzertante Fassung der Oper „Dido and Aeneas“ für Soli und Chor, begleitet von Klavier und Harmonium

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Lawrence, Emily M.“. In: A Handbook of Musical Biography, hg. v. David Baptie, 2. Aufl. 1887 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Lawrence, Emily M.“. In: British Musical Biography, hg. v. James D. Brown/Stephen S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Ebel, Otto. Women Composers. 3. Aufl. 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. Juli 1877, S. 334.

    The Musical Times vom 1. Januar 1878, S. 42.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1878, S. 686.

    The Musical Times vom 1. April 1879, S. 185.

    The Musical Times vom 1. Juli 1879, S. 387.

    The Musical Times vom 1. Februar 1880, S. 50.

    The Musical Times vom 1. Januar 1881, S. 24.

    The Musical Times vom 1. März 1883, S. 161.

    The Musical Times vom 1. April 1883, S. 177.

    The Musical Times vom 1. Januar 1885, S. 43.

    The Musical Times vom 1. Juli 1885, S. 423.

    The Musical Times vom 1. November 1885, S. 633.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1885, S. 740.

    The Musical Times vom 1. Januar 1886, S. 36.

    The Musical Times vom 1. September 1887, S. 517.

    The Musical Times vom 1. September 1889, S. 558.

    The Musical Times vom 1. November 1889, S. 686.

    The Musical Times vom 1. April 1892, S. 238.

    The Musical Times vom 1. Februar 1894, S. 123.

    The Musical Times vom 1. Mai 1894, S. 346.

    Forschung

    Zu Emily M. Lawrence liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Emily M. Lawrence umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre Kompositionen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 236501172
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 160193087

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 25.09.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Emily Lawrence“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25.9.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Emily_Lawrence