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  • Emilie Mayer

    von Heinz-Mathias Neuwirth
    Namen:
    Emilie Mayer
    Lebensdaten:
    geb. in Friedland (Mecklenburg), Deutschland
    gest. in Berlin,
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Frl. E. Mayer ist eine seltene Erscheinung. Mag das weibliche Geschlecht in der musikalischen Reproduction zahlreiche grosse Leistungen aufzuweisen haben und mit dem männlichen Geschlecht um die Palme ringen – die Production ist Domaine des männlichen Schöpfergeistes, und nur selten einmal zeigt eine weibliche Persönlichkeit, dass auch diese Regel nicht ohne Ausnahme ist. Hier ist eine solche Ausnahme, hier zeigt uns ein weiblicher Componist, der nicht blos für das Pianoforte schreibt, sondern auch die schwierige, von tausenden Geheimnissen wimmelnde Aufgabe der Orchestercomposition löst - und wie löst!“


    (Kritik einer Aufführung der Sinfonie h-Moll, in: Neue Berliner Musikzeitung 32, 1878, S. 198)


    Profil

    Emilie Mayer, ausgebildet durch Carl Loewe und Adolf Bernhard Marx, war auf dem Gebiet der Instrumentalmusik überaus produktiv. Ihr Œuvre beinhaltet eine große Zahl an großen Orchesterwerken und Kammermusik. Zu ihren Lebzeiten avancierte Emilie Mayer zu einer weithin bekannten Komponistin, deren Werke auch außerhalb ihrer unmittelbaren Wirkungsstätten häufig und erfolgreich aufgeführt wurden.

    Orte und Länder

    Emilie Mayer verbrachte die Zeit bis zu ihrem 28. Lebensjahr in ihrer Geburtsstadt Friedland, wo sie die Sorge für den Haushalt ihres verwitweten Vaters trug. Nach dessen Tod lebte sie ab 1840 in Stettin, um bei Carl Loewe Komposition zu studieren, ehe sie ihre Studien ab 1847 in Berlin bei Adolf Bernhard Marx fortsetzte. Sowohl in Stettin als auch in Berlin gelang es Emilie Mayer, ihre Kompositionen erfolgreich ins Konzertleben zu integrieren. Daneben unternahm sie ausgedehnte Konzertreisen, die sie in viele deutsche Städte, aber auch bis nach Wien führten. Zwischen 1862 und 1875 wohnte Emilie Mayer wieder in Stettin, pflegte aber weiterhin wichtige Kontakte nach Berlin, wohin sie 1875 bis zu ihrem Tod 1883 abermals ihren Wohnsitz verlegte. In diesen letzten Berliner Jahren hatte sie mit der ‚Ouvertüre zu „Faust“ op. 46’ den wohl größten Erfolg ihrer Karriere.

    Biografie

    Friedland 1812–1840: Kindheit und Jugend


    Emilie Mayer wurde am 14. Mai 1812 in Friedland (Mecklenburg) als Tochter eines Apothekers und seiner zweiten Ehefrau geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter 1814 ging der Vater keine weitere Ehe ein und zog seine fünf Kinder (drei Söhne und zwei Töchter) mit der Hilfe von Dienstboten auf. Die Bildung erhielten die Töchter – wie damals im bürgerlichen Milieu üblich – wahrscheinlich durch Privatlehrer, zumal eine höhere Töchterschule in Friedland erst später eröffnet wurde und für den Besuch des Gymnasiums nur Jungen zugelassen waren. Emilie Mayer wurde ab ihrem fünften Lebensjahr auch in Klavierspiel vom Schullehrer und Organisten Carl Driver unterwiesen. Über die Qualität und das Ausmaß dieses Unterrichts können heute nur noch Mutmaßungen angestellt werden – der Lehrer hätte aber zu ersten Kompositionsversuche sehr früh angeregt und ermutigt (Sangalli-Marr, biographische Skizze, 82). Emilie Mayer verbrachte die ersten drei Lebensjahrzehnte in Friedland – vermutlich verblieb ihr nach der Heirat der Geschwister als älteste Tochter die Sorge für den väterlichen Haushalt. 1840 beging der Vater Selbstmord – ein dramatischer Wendepunkt in Leben der jungen Frau. Wenig später starb auch ihr Lehrer Driver, Emilie Mayer beschloss daraufhin im Alter von knapp 30 Jahren, ihre Heimat zu verlassen und eine Laufbahn als Komponistin einzuschlagen.


    Stettin 1841–1847: Studienzeit bei Carl Loewe


    Emilie Mayer ging vermutlich noch 1841 nach Stettin, eine wirtschaftlich und kulturell gerade aufblühende Stadt, um bei Carl Loewe (1796-1869) Komposition zu studieren. Loewe hatte dort zwischen 1821 und 1866 als Musikdirektor eine Art musikalische Generalintendanz inne, die ihn – mit Ausnahme der Oper – zum bestimmenden Faktor des Stettiner Musiklebens werden ließ. Bei Loewe folgten intensive Studienjahre. Die frühesten erhaltenen Werke sind Goethe- Vertonungen – ein „Erlkönig“ (auch Loewes „3 Balladen op. 1“ beinhalten eine „Erlkönig“-Vertonung) und das Singspiel „Die Fischerin“. Wahrscheinlich für den Gebrauch zur Hausmusik entstanden weitere Lieder und Gesänge. Noch in diese Studienzeit fiel die Hinwendung zu Gattungen der Instrumentalmusik, die Emilie Mayer zukünftig ins Zentrum ihres Schaffens stellte. So entstanden mehrere Kammermusikwerke und zwischen 1845 und 1847 die Sinfonien c-Moll und e-Moll, die im März 1847 erfolgreich im Stettiner Instrumentalverein aufgeführt wurden – Carl Loewe bemühte sich nicht nur um die theoretische Unterweisung, sondern auch um die Integration seiner Schülerin ins Stettiner Musikleben.


    Berlin 1847–1862: große Sinfonien und große Erfolge


    Um ihre Studien fortzusetzen, verließ Emile Mayer 1847 Stettin in Richtung Berlin, um auf Empfehlung Carl Loewes bei Adolf Bernhard Marx (1895–1866) „die Fuge und den doppelten Kontrapunkt“ und bei Wilhelm Wiprecht (1802-1872) „ die Instrumentirung “ zu studieren (Ledebur 1861, S. 357). Sowohl Marx als auch Wiprecht waren zu dieser Zeit wichtige Persönlichkeiten des Musiklebens. Marx stand als Publizist und Verfasser der vierbändigen Kompositionslehre im Zentrum der musikästhetischen Debatten, die sich nicht zuletzt entlang der Frage um die Einordnung des umstrittenen Spätwerks von Beethoven entzündeten. Und Wiprecht galt als wichtiger Militärmusikreformer und Mitentwickler neuer Blasinstrumente. Darüber hinaus hatten sowohl Wiprecht als auch Marx mit ihrem großen Einfluss auf das Konzertwesen der Stadt die Möglichkeit, ihre Schülerin zu fördern. Genauere Angaben zur kompositorischen Unterweisung lassen sich heute nur noch mittelbar – mit Blick auf die musikalischen Quellen – treffen.


    Ein besonderes Dokument ist ein handschriftliches Notenbuch mit der Aufschrift „Musikalisches Allerley“, das vorrangig Abschriften anderer Komponisten beinhaltet. Quantitativ tritt in dieser Quelle die Instrumentalmusik von Wolfgang A. Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven hervor, daneben finden sich aber auch Abschriften von Zeitgenossen und weniger bekannten Komponisten wie Andreas Romberg, Friedrich Kalkbrenner, Ferdinand Hiller oder Étienne-Nicolas Méhul. Das Notenbüchlein ist zwar undatiert, allerdings erscheint es – auch aufgrund von Adressnotizen – nahe liegend, es in die Berliner Studienzeit zu datieren. Es diente als Sammlung von „exempla classica“ – ganz im Sinne der Musikauffassung von Marx – zur analytischen Vergewisserung und zur Vertiefung der Kenntnis der Meister (Sichard, Beethovens Geist aus Marx Händen, S. 341–354).


    Die Auseinandersetzung mit Beethoven, die von Marx aller Wahrscheinlichkeit nach gefördert wurde, ließ sich auch anhand von Querbezügen in den Werken dieser Zeit nachweisen. Der Kopfsatz des Streichquartetts G-Dur, dessen Entstehungszeit zwischen 1855 und 1858 anzusetzen ist, orientiert sich an Beethovens Streichquartett F-Dur op. 18/1. Charakteristisch ist neben augenfälligen thematischen, harmonischen und figuralen Querbezügen sowie Gemeinsamkeiten wie Taktart und Verwendung von Akzentuierungen, die motivische Reduktion des Satzes auf ein kurzes Thema, das den Ausgangspunkt für eine konsequente motivisch-thematische Durcharbeitung bildet und die bei Emilie Mayer entlang der strukturellen Vorlage ausmodelliert wird. Auch im Hinblick auf die Schlusssätze der bis 1858 entstandenen Streichquartette lässt sich eine Verbindung zu Beethoven über den „Umweg“ der Marx’schen Kompositionslehre feststellen. Im Abschnitt „Mischformen“ behandelt Marx im dritten Band seiner Kompositionslehre anhand von Beethovens Klaviersonate op. 111 eine Form, die als „figurale und fugenartige Sonatenform“ bezeichnet wird: Neben Sätzen, bei welchen die Sonatenform noch vollkommen ausgeprägt sei, existierten auch solche in denen „mit Sonate und Fuge muthwilliger Scherz getrieben [werde]“. Bezeichnenderweise merkt Marx an, dass die Integration von Verarbeitungsprinzipien der Fuge „weniger in Klavierkompositionen, als in Orchester- oder auch Quartettwerken angewendet worden [sei]“ (Marx: Lehre von der musikalischen Komposition 3, S. 314–317). Diese als (historische) Gegebenheit beschriebene – im Sinne der „Kompositionslehre“ aber auch als Imperativ zu interpretierende – Form sind z.B. in den Finali der Quartette B-Dur, A-Dur und G-Dur zu beobachten, wo Abschnittscharakteristika der Sonate sowie Satztechnik und Verarbeitungsprozesse der Fuge auch in Einzelheiten – wie etwa dem Gegensatz von homophon gestaltetem Themeneintritt und polyphonen Weiterführungen – wie in der Marx‘schen Exemplifikation ineinander greifen.


    Wie schon in Stettin bei Carl Loewe, ging die Förderung der Berliner Lehrer über die theoretische Unterweisung hinaus. Im Dezember 1849 trat Emilie Mayer mit einem Streichquartett in einer Matinee, in der Neuheiten junger Komponisten vorgestellt wurden, an die Öffentlichkeit. Am 21. April 1850 gelang es, ein Mittagskonzert ausschließlich mit eigenen Werken, darunter eine Ouvertüre für Orchester, das Streichquartett F-Dur (wegen Krankheit des 1. Violinisten entfallen) und die „Sinfonie militaire“ unter der Leitung von Wilhelm Wiprecht im königlichen Schauspielhaus, aufzuführen – ein Konzert, das sowohl beim Publikum als auch in der Kritik auf Interesse stieß, wenn auch der Tenor der Rezensionen zwischen Anerkennung und Ressentiments schwankt, der häufig auch spätere Kritiken kennzeichnen wird. So schrieb die „Neue Berliner Musikzeitung“ in der Rubrik „Musikalische Revue“: „Erwägt man, dass die strengeren Formen der Instrumentalmusik und die der Fuge männlicher Kraft selbst zu schaffen machen, so wächst das Außerordentliche. Bisher hat Frauenhand höchstens ein Lied überwunden […] aber ein Quatuor und gar eine Symphonie mit all den Künsten im Satze und in der Instrumentation – dies möchte als ein besonderer, höchst seltener Fall gelten können. […]. [Die Werke sind] gesunde, frisch geschriebene an dieses und jenes Vorbild, besonders an Mozart und Rossini sich anlehnende, recht einnehmende Sätze, welche von vieler Schreibfertigkeit und von sicherer Beherrschung des vorhandenen Stoffes […] zeugen […]. Was weibliche Kräfte, Kräfte zweiter Ordnung vermögen – das hat Emilie Mayer errungen und wiedergegeben.“ (Neue Berliner Musikzeitung 4, 1850, S. 138)

    In diesen frühen Berliner Jahren folgten neue Symphonien stehenden Fußes: die Sinfonie h-Moll 1851, die Sinfonie D-Dur 1852 und die Sinfonie E-Dur 1853 – allesamt von Wiprecht erfolgreich zur Aufführung gebracht. Die Aufführung der Sinfonie E-Dur findet sogar vor „allerhöchstem Publikum“ – der königlichen Familie – statt (Runge-Woll, Leben und Werk, S. 29–34).

    Die weiteren Jahre bis 1862 waren von großen und zahlreichen Konzerten und von einem hohen Output an neuer Instrumentalmusik geprägt. Neben den Orchesterkonzerten in Berlin und Stettin, die weiterhin von Loewe, Marx und Wiprecht gefördert und geleitet wurden, und neben zahlreichen Kammermusikmatineen, die in Emilie Mayers Berliner Wohnungen und Privat-Lokalen stattfanden, bemühte sich die Komponistin mit Erfolg, ihren Wirkungskreis über Berlin hinaus auszuweiten: Ihre Werke wurden in zahlreichen Städten, unter anderem Brüssel, Lyon, Pesth, Dessau, Halle und Leipzig aufgeführt. Ein Konzert in München war so erfolgreich, dass sie zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft ernannt wurde. 1856 reiste sie nach Wien, wo sie von Erzherzogin Sophie „huldenreich“ aufgenommen wurde (Ledebur, Tonkünstler-Lexicon Berlins, S. 357).


    Doch Konzerte hatten ihren Preis: Orchesterkonzerte waren auch zu dieser Zeit ein teures Unterfangen und Notenausgaben von großen Werken mit wenigen Ausnahmen kaum im ökonomischen Interesse der Musikverleger. So erschienen bis 1861 nur Werke in kleineren Besetzungen, wie die Klaviertrios e-Moll, D-Dur und h-Moll, im Druck. In diesem Zusammenhang sind auch die Bemühungen, eigene Werke für Klavier zu arrangieren zu sehen. Besonders erwähnenswert ist der Briefwechsel mit Franz Liszt, den Emilie Mayer 1858 darum bat, das Streichquintett d-Moll für Klavier zu arrangieren. Liszt versicherte Emilie Mayer seine musikalische Achtung, lehnte das Arrangement aber mit folgender Begründung ab: „Die Unmöglichkeit Orchester Werke und insbesondere Streichquartette, mit ihrem unentbehrlichen Klang und Colorit auf dem trockenen Clavier wiederzugeben hat mich seit längerer Zeit von allen Arrangement-Versuchen abgewendet.“ – eine Haltung, die tatsächlich der allgemeinen Haltung Liszts zu Klavierbearbeitung zwischen 1854 und 1860 entsprach (Kube, Franz Liszt an Emilie Mayer, S. 417–420). Erfolgreich hingegen war die Drucklegung des Arrangements der Sinfonie h-Moll (von A. Jurke), das 1861 bei Bote & Bock erschien. Daneben unternahm die Komponistin auch eigenhändig Arrangements ihrer Werke für Klavier zu vier Händen, die aber unveröffentlicht und vereinzelt – im Falle des Arrangements des Streichquartetts F-Dur – Fragment blieben. Können die Versuche, große Werke auch als Klavierarrangements zu verbreiten, als Indiz eines finanziellen Engpasses gewertet werden – eine Konsequenz der aufwendigen Konzerte? Mutmaßlich war ein finanzieller Engpass einer der Gründe dafür, dass Emilie Mayer 1862 die eigene Wohnung in Berlin aufgab, um wieder nach Stettin zu ziehen.


    Stettin 1862–1875: Werke für kleinere Besetzung und Veröffentlichungen in Musikverlagen


    In Stettin wohnte Emilie Mayer im Haus des jüngeren Bruders, der wie dereinst der Vater Apothekenbesitzer war. In weiterer Folge entstand vornehmlich Kammermusik in kleiner Besetzung – Sonaten für Klavier und Violine und Sonaten für Klavier und Violoncello. Dabei schien Emilie Mayer gezielter als zuvor auf Veröffentlichungen hinzuarbeiten, wie Korrespondenzen mit Musikverlagen, die teilweise von hartnäckigen Verhandlungen geprägt waren, belegen (Runge-Woll, Leben und Werk, S. 48). So erschienen zwischen 1863 die Sonaten für Klavier und Violine op. 17, 18, 19, 21 und 29 im Druck. Neben der Komposition neuer Werke, bemühte sich Emilie Mayer auch um die Drucklegung älterer, bislang unpublizierter Werke – so wurde 1864 das bereits bis 1858 entstandene Streichquartett op. 14 gedruckt. Die Sonaten für Klavier und Violoncello, von welchen uns heute drei gedruckt – op. 38, 40, 47 – und neun als unveröffentlichte Manuskripte vorliegen, entstanden in den 1870er Jahren (Ausnahme ist die Sonate F-Dur, die bis 1856 entstanden war und in umgearbeiteter Form als Violinsonate op. 17 veröffentlicht wurde).


    In der Kammermusikwerken zeigt sich die Festigung und Weiterentwicklung kompositorischer Tendenzen: Die Kompositionen sind von einer klaren formalen Struktur geprägt, die – vor allem an den überleitenden Passagen – bewusst mit klassizistischen Elementen wie kontrapunktischer Stil, Quintfallsequenzen und Fugati durchsetzt ist. In den späteren Werken ist die harmonische Anlage freier und komplexer und der Verlauf der Stimmen nicht selten schon in den Themenanlagen mit Elementen der Scheinpolyphonie angereichert. Häufig – in den Sonaten für Klavier und Violoncello – werden den Kopfsätzen langsame Einleitungen vorangestellt.

    Eine kleine Besonderheit – man darf es im Kontext des Œuvres der Komponistin so nennen – stellen die zwischen 1868 und 1879 veröffentlichten Salonkompositionen für Klavier dar, die in einfachem und eingängigem Ton gehalten sind. Widmungsträgerinnen dieser Kompositionen sind in den meisten Fällen die Nichten der Komponistin.


    Berlin 1876–1883: Die letzten Jahre


    1876 zog Emilie Mayer wieder nach Berlin in eine eigene Wohnung – mittlerweile war auch die Nichte ihres jüngeren Bruders in Berlin verheiratet, die später auch ihren kompositorischen Nachlass verwaltete, der 1931 an die Staatsbibliothek zu Berlin ging. (Runge-Woll, Leben und Werk, S. 61).

    In Berlin war Emilie Mayer im Alter von knapp siebzig Jahren der wohl größte Erfolg ihrer Karriere beschieden. Gegen Ende 1880 komponierte sie nochmals ein großes Orchesterwerk, die „Ouverture zu Faust op. 46“, die 1880 in Berlin als Orchesterfassung und wenig später auch als Klavierfassung erschien. Sie gelangte in zahlreichen Konzerten in Berlin aber auch in anderen europäischen Städten zur Aufführung. Nach diesem letzten großen Orchesterwerk widmete sich Emilie Mayer nochmals den kleinen Besetzungen und auch Stücken für die ganz Kleinen: 1882 erschienen in Bremen „Sechs Klavierstücke für die Kinderwelt“, 1883 in Berlin die Sonate für Klavier und Violoncello op. 47 und das Joseph Joachim gewidmete Notturno op. 48 – die letzte Komposition der Komponistin.

    Emilie Mayer starb im 71. Lebensjahr am 10. April in Berlin.

    Würdigung

    Emilie Mayer fasziniert durch die scheinbar mühelose Überwindung von ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorurteilen und Grenzen der bürgerlichen Lebenswelt. Sie galt zu Lebzeiten als bedeutende Persönlichkeit der Berliner Musikwelt. Nur wenige Komponistinnen – wohl keine weitere ihrer Generation – können auf eine so hohe Zahl an öffentlichen erstrangigen Aufführungen großer Instrumentalmusik verweisen. Auf Emilie Mayers Verdienst als nahezu einzige Frau, die in der Zeit der Romantik Sinfonien geschrieben hat, muss ausdrücklich verwiesen werden. Im Hinblick auf die zeitgenössische Musikkritik hat ihr Werk Anlass zu Denkanstößen gegeben, um überkommene Urteile zu überdenken.

    Rezeption

    Die Rezeption zu Lebzeiten der Komponistin war im Umkreis der erfolgreichen Konzerte verhältnismäßig breit. Die Aufführungen ihrer Werke waren regelmäßig Gegenstand der Betrachtung in nahezu allen bedeutenden Medien der zeitgenössischen musikalischen Presse, die trotz des gelegentlichen Aufblitzens der unvermeidbaren Ressentiments gegen Komponistinnen den Stellenwert ihrer Werke nicht verkannte. Diese erfolgreichen Konzerten hatten auch die Ehrenmitgliedschaft in der Münchner philharmonischen Gesellschaft sowie – aus heutiger Perspektive vielleicht weniger eindrucksvoll – die Wertschätzung durch aristokratische Kreise zur Folge: So wohnte die königliche Familie einer Aufführung bei und Erzherzogin Sophie von Österreich empfing sie in Wien.

    Emilie Mayer wurde in mehrere zeitgenössische Tonkunst-Lexika aufgenommen; ihr Nachruf erschien in beinahe allen größeren Musikzeitungen.


    Nach ihrem Tod bis etwa zum zweiten Weltkrieg ließ das Interesse an Emilie Mayers Werk vehement nach: Aufführungen sind nicht mehr belegt und Emilie Mayer fand lediglich sporadisch, vorrangig in enzyklopädischen Werken, Erwähnung – mutmaßlich eine Konsequenz früherer Lexikoneinträge und der Nennung ihrer Werke in Verzeichnissen von Musikverlagen.


    Eine breitere Rezeption setzte mit der musikalischen Frauen- und Genderforschung seit Mitte der 1980er Jahre ein (vgl. hierzu die Rubrik „Forschung“). Ein wesentlicher Schritt war die Aufführung der f-Moll Sinfonie und des g-Moll Streichquartetts im Rahmen des Kongresses Der “männliche“ und der “weibliche“ Beethoven im Jahr 2001. Damit einhergehend wuchs wieder das Interesse, das Werk der Komponistin editorisch zu erschließen und „hörend“ zu erfahren. Dies zeigt sich in der Zunahme an Neu- und Erstausgaben, CD-Einspielungen sowie Aufführungen – nicht zuletzt 2012 im Rahmen der „Festspiele Mecklenburg Vorpommern“ anlässlich des 200. Geburtstages der Komponistin.

    Werkverzeichnis

    Folgende Darstellung folgt dem Werkkatalog von Runge-Woll (Runge Woll, Leben und Werk, S. 211–311). Im Falle der unveröffentlichten Werke handelt es sich um Manuskripte im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz . Neuere Ausgaben (nach 2003) wurden ergänzt.


    A Vokalmusik


    1. Singspiel


    Singspiel „Die Fischerin“, um 1842, unveröffentlicht


    2. Mehrstimmige Lieder und Gesänge a capella, Chormusik


    Lieder für Männerstimmen (Tenor, Tenor II, Bass), bis 1847, unveröffentlicht.


    Fünf Gesänge op. 5 für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Neustrelitz: Barnewitz, 1847, verschollen.


    Fünf Gesänge op. 6 für vier Männerstimmen, Neustrelitz: Barnewitz, 1847, verschollen.


    Psalm 118 für Soli, Chor und Orchester, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 21. April 1850, verschollen.


    3. Lieder und Gesänge mit Klavierbegleitung


    Erlkönig I (für eine Singstimme und Klavier), um 1842, unveröffentlicht.


    Drei Lieder op. 7 für Sopran (oder Tenor) und Klavier, Frau Johanna Mayer gewidmet, Neustrelitz: Barnewitz’s Hof Buch & Musikalienhandlung, 1848.


    Zwei Gesänge für eine Singstimme und Klavier, Berlin: Challier & Co.o.J.


    Erlkönig II (für eine Singstimme und Klavier), um 1870, unveröffentlicht.


    Zwei Kinderlieder mit Klavierbegleitung, Berlin: Verlag Hans Lüstenöder, 1891.




    B Instrumentalmusik


    1. Orchestermusik


    Sinfonie c-Moll, UA.: Stettiner Instrumentalverein vor dem 4. März 1847, unveröffentlicht.


    Sinfonie Nr. 2 e-Moll, UA.: Stettin Instrumentalverein vor dem 4. März 1847, unveröffentlicht.


    Sinfonie Militaire Nr. 3 C-Dur, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 21. April 1850, unveröffentlicht.


    Sinfonie h-Moll, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 16. März 1851, verschollen, Klavierarrangement von A. Jurke, Berlin: Bote & Bock, 1860.


    Sinfonie D-Dur, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 1. Mai 1852, verschollen.


    Sinfonie E-Dur, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 25. April 1853, unveröffentlicht.


    Sinfonie f-Moll, UA.: Berlin Sinfoniekonzert der Liebigschen Kapelle April 1862. Kassel: Furore, 2005.


    Sinfonie F-Dur, UA.: Berlin Sinfoniekonzert der Liebigschen Kapelle März 1862, verschollen.


    Ouvertüre c-Moll, frühes Werk, unveröffentlicht.


    Ouvertüre Nr. 2 D-Dur, UA.: Berlin 21. April 1850, Berlin 7. Juni 1854, Stettin 11. November 1854, Berlin 1855 (?), unveröffentlicht


    Ouvertüre Nr. 3 C-Dur, UA.: Berlin 21. April 1850, Berlin 7. Juni 1854, Stettin 11. November 1854, Berlin 1855 (?), unveröffentlicht.


    Ouvertüre d-Moll, UA.: Berlin 21. April 1850, Berlin 7. Juni 1854, Stettin 11. November 1854, Berlin 1855 (?), unveröffentlicht.


    Ouverture serieuse, UA.: Stettin Sinfoniekonzert 15. Januar 1879, verschollen


    Ouvertüre zu Faust op. 46, Ihrer Durchlaucht der Fürstin Maria Mestchersky ehrfurchtsvoll zugeeignet, UA.: Berlin oder Stettin Ende 1880-Anfang 1881, Stettin: Paul Witte, 1880, auch als Klavierfassung zu vier Händen bearbeitet v. Berthold Knesch, Stettin: Paul Witte, März 1881.


    Ouvertura giocosa, UA.: Stettin Sinfoniekonzert April 1883, verschollen.

    Rondo militaire für Orchester, UA.: Stettin, Sinfoniekonzert 1880, verschollen.


    Konzert für Klavier und Orchester B-Dur, um 1850, unveröffentlicht.


    2. Kammermusik


    Streichquintett C-Dur (unvollständig), UA.: Berlin Wohnung der Komponistin 1854, unveröffentlicht.


    Streichquintett D-Dur, UA.: Berlin Wohnung der Komponistin 1854, unveröffentlicht.


    Streichquintett d-Moll, UA.: Berlin Wohnung der Komponistin 1854, München: Katzbichler, 2009, auch als Klavierbearbeitung zu vier Händen, unveröffentlicht.


    Streichquartett d-Moll, UA.: Berlin 16. März 1851, Berlin 3. April 1854 (?), unveröffentlicht.


    Streichquartett D-Dur, verschollen, vor 1850, erhalten ist die Abschrift einer Klavierbearbeitung zu vier Händen, unveröffentlicht.


    Streichquartett F-Dur, UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 21. April 1850, Ausgabe bei Furore in Arbeit, auch als Klavierbearbeitung zu vier Händen, unveröffentlicht.


    Streichquartett B-Dur 1855, UA.: Brüssel November 1855, Kassel: Furore, 2012.


    Streichquartett A-Dur, UA.: Berlin Quartett-Soiree Sommer’s Salon , Oertlingscher Quartettverein zwischen 4. u. 9. März 1856, Ausgabe bei Furore in Arbeit.


    Streichquartett G-Dur, UA.: Berlin 16. März 1851, Berlin 3. April 1854 (?), Kassel: Furore, 2012.


    Streichquartett e-Moll, UA.: Berlin 16. März 1851, Berlin 3. April 1854 (?), Ausgabe bei Furore in Arbeit.


    Streichquartett op. 4, Druck angebl. bei Simrock, verschollen.


    Streichquartett g-Moll op. 14, dem Apotheker Herrn August Mayer liebevoll zugeeignet, UA.: Berlin Quartett-Soiree Sommer’s Salon 12. März 1858, Berlin: Robert Timm & Co., 1864.


    Klavierquartett Es Dur, UA.: Stettin 7. Mai 1860, unveröffentlicht.


    Klavierquartett G-Dur, 1857–1860, unveröffentlicht.


    Trio I e-Moll (Klaviertrio), vermutlich vor 1855, unveröffentlicht.


    Trio II d-Moll (Klaviertrio), UA.: Wien Empfang bei Erzherzogin Sophie (nicht öffentlich) Februar bis März 1856, unveröffentlicht.


    Trio III Es-Dur (Klaviertrio), München Odeon Philharmonischer Verein 17. Juni 1855, unveröffentlicht.


    Trio a-Moll (Klaviertrio), UA.: 1859 Berlin (?), unveröffentlicht.


    Trio B-Dur (Klaviertrio), UA.: 1859 Berlin (?), unveröffentlicht.


    Trio e-Moll (Klaviertrio), op. 12, 1858-1860, Berlin: Challier & Co., 1861, gedruckte Fassung unauffindbar, autografes Manuskript in Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz.


    Trio D-Dur op. 13 (Klaviertrio), dem Apotheker Wilhelm Mayer liebenvoll zugeeignet, UA.: Berlin 1859 (?), Berlin: Challier & Co., 1861.


    Trio h-Moll op. 16 (Klaviertrio), Herrn Musikdirektor Dr. Loewe hochachtungsvoll zugeeignet, UA.: Berlin 1859 (?), Berlin: Challier & Co., 1861.


    Sonate (für Klavier und Violine) Es-Dur, vor 1855, unveröffentlicht.


    Sonate (für Klavier und Violine), c-Moll, 1860er Jahre, unveröffentlicht.


    Sonate für Klavier und Violine D-Dur, 1860er Jahre, unveröffentlicht.


    Sonate für (Klavier und Violine) a-Moll op. 10, Berlin: Bote & Bock, verschollen.


    Sonate für Klavier und Violine F-Dur op. 17, dem Architekten Ewald Bertuch zugeeignet, UA.: Berlin Englisches Haus zwischen 9. und 14. Februar 1863, Berlin: Carl Paez, 1863.


    Sonate für Klavier und Violine a-Moll op. 18, Professor Leopold Ranke, Ritter mehrerer Orden etc. hochachtungsvoll zugeeignet, Berlin: Bote & Bock, 1864, Neudruck: Bryn Mawr, PA (USA): Hildegard Publishing, 1998.


    Sonate für Klavier und Violine e-Moll op. 19, dem Herrn Musikdirektor W. Wiprecht hochachtungsvoll zugeeignet, Berlin: Bote & Bock, 1867.


    Sonate (für Klavier und Violine) A-Dur op. 21, Berlin: H. Weidholz, 1867, verschollen.


    Sonate für Klavier und Violine d-Moll op. 29, Ihrer Hoheit der Herzogin Caroline Charlotte Marianne zu Mecklenburg ehrfurchtsvoll zugeeignet, Berlin: Bote & Bock, 1869.


    Notturno d-Moll op. 48(/2), Herrn Joachim gewidmet, Berlin: Carl Simon, 1883, Mainz: Schott, in Sammelband Frauen Komponieren: 13 Stücke für Violine und Klavier, 1994.


    Sonate (für Klavier und Violoncello) F-Dur, bis 1856, unveröffentlicht (umgearbeitete Fassung für Klavier und Violine= Sonate für Klavier und Violine F-Dur op. 17).


    Sonate für Klavier und Violoncello c-Moll, 1873–1883, unveröffentlicht.


    Sonate für Klavier und Violoncello d-Moll, 1873–1883, unveröffentlicht.


    Sonate für Klavier und Violoncello A-Dur, 1873–1883, unveröffentlicht.


    Sonate für Klavier und Violoncello B-Dur (1), 1873–1883, unveröffentlicht.

    Sonate für Klavier und Violoncello B-Dur (2), 1873–1883, unveröffentlicht (=erste Fassung der Sonate für Klavier und Violoncello A-Dur).


    Sonate für Klavier und Violoncello h-Moll, 1873–1883, unveröffentlicht.


    Sonate für Klavier und Violoncello d-Moll op. 38, Ihrem lieben Neffen Dr. Wilhelm Bertuch, Berlin: Bote & Bock, 1873.


    Sonate für Klavier und Violoncello C-Dur op. 40, Fräulein Helfride Plüddemann in Colberg, Berlin: Bote & Bock, 1873.


    Sonate für Klavier und Violoncello D-Dur op. 47, Herrn Freiherrn von Seckendorff zugeeignet, UA.: Berlin Matinee Herrn Hirschberg und Roth März 1883, Berlin: Bote & Bock, 1883, Neudruck: Bryn Mawr, PA (USA): Hildegard Publishing, 1995.


    3. Klaviermusik


    Sonate A-Dur, frühes Werks bis 1850, unveröffentlicht.


    Tänze, frühes Werk bis 1850, unveröffentlicht.


    Wellen und Wogen. Walzer, Petersburg: Bernard, 1868, verschollen.


    Tanz der Horen. Melodie. op. 26, Berlin: Peters, 1869, verschollen.


    Aus der Jugendzeit. Walzer. op. 27, Berlin: Peters, 1869, verschollen.


    Salonstücke op. 29–33, Stettin: Prütz & Mauri, 1871.


    Drei Humoresken op. 41, Fräulein Helfriede Pliddemann in Colberg, Berlin: Wilhelm Müller, zw. 1874–1879.


    Impromptu op. 44, Elisabeth Bertuch gewidmet, Berlin: Bote & Bock, 1871.


    La Modesta. Salonstück. op. 45, Berlin: Ed. Kühn, Kriegsverlust.


    Sechs Klavierstücke für die Kinderwelt op. 48, Herrn Professor Th. Kullack hochachtungsvoll zugeeignet, Bremen: Praeger & Meier, 1882.


    Sonate d-Moll, späteres Werk, unveröffentlicht.


    Marsch A-Dur, späteres Werk, unveröffentlicht.


    Melancholie-Walzer, Berlin: Challier & Co., verschollen.


    Marcia funebre für Blasinstrumente, 1878–1883, verschollen, erhalten ist die Klavierbearbeitung für Klavier zu vier Händen, unveröffentlicht.

    Quellen

    Sekundärliteratur


    Ledebur, Carl von. Tonkünstler-Lexicon Berlin’s von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Berlin: Rauh, 1861, S. 357–358.


    Marx, Adolf Bernhard. Die Lehre von der Musikalischen Komposition 3. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1868 (vierte unveränderte Auflage).


    Rieger, Eva, Frau und Musik, Kassel 1990.


    Runge-Woll, Almut. Die Komponistin Emilie Mayer. Studien zu Leben und Werk. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2003.


    Breitfeld, Claudia. „»…es webt darin ein männlich-leidenschaftlicher Geist«. Emilie Mayers Auseinandersetzung mit Beethoven“. In: Maßstab Beethoven? Komponistinnen im Schatten des Geniekults. Bettina Brand, Martina Helmig (Hg.). München: Ed. Text + Kritik, 2001, S. 45–57.


    Furman Schleifer, Martha; Plaut, Linda. “Emilie Mayer (1812-1883)“. In: Women composers. Music through the ages. Composers born 1800-1899: large and small instrumental ensembles. Sylvia Glickman (Hg.). (=women composers Bd. 8). Detroid, Mich.: Hall, Thomson Gale, 2006, S. 131–136.


    Kube, Michael. “Franz Liszt an Emilie Mayer. Ein neues Dokument zu Liszts Klavierbearbeitungen”. In: Die Musikforschung 46 (1993), S. 417–420.


    Rieger, Eva. Artikel “Emilie Mayer”. In: The New Grove Dictionary of Woman Composers, hg. Von Julie Anne Sadie und Rhian Samuel, London (Macmillan) 1994, S. 321.


    Sichard, Martina. „Beethovens Geist aus Marx Händen. Die Komponistin Emilie Mayer (1812–1883)“. In: Der “männliche“ und der “weibliche“ Beethoven. Bericht über den internationalen musikwissenschaftlichen Kongress vom 31. Oktober bis 4. November 2001 an der Universität der Künste Berlin. Cornelia Bartsch, Beatrix Borchard, Rainer Cadenbach (Hg.). (=Veröffentlichungen des Beethoven-Hauses in Bonn: Reihe 4, Schriften zur Beethoven-Forschung Bd. 18). Bonn: Verl. Beethoven-Haus, 2003, S. 331–348.


    Sichard, Martina. „Emilie Mayer (1821-1883). Auf den Spuren einer vergessenen Komponistin“. In: Komponistinnen in Berlin. Bettina Brand, Martina Helmig (Hg.). Berlin: Musikfrauen, 1987, S. 150–173.


    Zeitschriften:


    Sangalli-Marr, Elisabeth. „Emilie Mayer. Eine biographische Skizze“. In: Neue Berliner Musikzeitung Jg. 31. 1877. S. 82–83 u. 90–91.


    Rezension des Konzerts vom 21. April 1850. In: Neue Berliner Musikzeitung Jg. 4. 1850. S. 138.



    Diskographie


    Symphonie Nr. 5 f-Moll, Kammersymphonie Berlin (Jürgen Bruhns), Dreyer/Gaido 2003 (DRM 21015) [Enthält außerdem: Fanny Hensel, Hero und Leander, Luise Adolpha Le Beau: Klavierkonzert d-Moll op. 37]


    Streichquartett g-Moll op. 14, Erato Quartett Basel, CPO 1999 (CPO 9996792) [Enthält außerdem: Fanny Hensel: Streichquartett Es-Dur, Maddalena Sirmen: Streichquartett Nr. 2 B-Dur, Streichquartett Nr. 3 g-Moll]


    Sonate D-Dur op. 47, T. Blees, Thomas Vc., Bergmann, Maria Pf., Fono 1990 (FSM FCD 97 728) [Enthält außerdem: Louise Farrenc: Sonate B-Dur op. 46, Clara Faisst: Adagio consolante B-Dur op. 7 Nr. 1, Luise Adolpha LeBeau: Romanze E-Dur op. 24 Nr. 1]


    Sonate a-Moll op. 18, e-Moll op. 19 und Es-Dur, Maslovaric Aleksandra Vl., Longuemare Anne-Lise, Pf., Feminae Records 2012

    Forschung

    Nach einem Aufsatz von Martina Sichard (Sichard, Auf den Spuren einer vergessenen Komponistin) rückte Emilie Mayer seit Ende der 1980er Jahre zunehmend ins Interesse der musikwissenschaftlichen Forschung. In weiterer Folge fand Emilie Mayer Eingang in neuere Komponistinnen-Lexika. Weitere Aufsätze von Martina Sichard (Sichard, Beethovens Geist aus Marx Händen) und Claudia Breitfeld (Breitfeld, Emilie Mayers Auseinandersetzung mit Beethoven) richten das Augenmerk auf die ästhetische Beeinflussung durch Adolf Bernhard Marx, die Auseinandersetzung mit Beethoven und untersuchen zeitgenössische Kritiken.

    Die bislang umfangreichste Untersuchung zu Emilie Mayer steuerte Almut Runge-Woll (Runge-Woll, Leben und Werk) mit ihrer Dissertation über Leben und Werk der Komponistin bei, die die Biografie der Komponistin umfassend aufgearbeitet und einen detaillierten Werkkatalog sowie Werkbetrachtungen im Überblick angelegt hat.

    Forschungsbedarf

    Vor dem Hintergrund des umfangreichen Œuvres besteht vor allem bezüglich der systematischen musikwissenschaftlichen Aufarbeitung und Untersuchung von Werkgruppen Forschungsbedarf – auch vor dem Hintergrund ihrer Position innerhalb des als Spannungsfeld zu bezeichnenden ästhetischen Diskurses um Gattungstraditionen und Fortschritt und ihre Bedeutung für das Repertoire von sinfonischer Musik und Kammermusik gegen Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Auf den Wert der editorischen Aufarbeitung –

    auch für die musikalische Praxis – der zahlreichen unveröffentlichten Werke muss ausdrücklich verwiesen werden. Emilie Mayers Werke finden in jüngerer Zeit zunehmend Eingang ins musikalische Repertoire.

    Der Nachlass der Komponistin befindet sich in der „Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Musikabteilung mit Mendelssohn Archiv“.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 27851128
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117542830
    Library of Congress (LCCN): nr91001798
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Heinz-Mathias Neuwirth


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 05.07.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Heinz-Mathias Neuwirth, Artikel „Emilie Mayer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.7.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Emilie_Mayer