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  • Else Mendel-Oberüber

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Else Mendel-Oberüber
    Geburtsname: Elisabeth Mendel
    Varianten: Else Mendel, Else Oberüber, Else Elisabeth Mendel-Oberüber, Else Elisabeth Mendel, Else Elisabeth Oberüber, Elsa Mendel-Oberüber, Elsa Mendel, Elsa Oberüber, Elsa Elisabeth Mendel-Oberüber, Elsa Elisabeth Mendel, Elsa Elisabeth Oberüber
    Lebensdaten:
    geb. in Allenstein, Ostpreußen (heute Olsztyn in Polen)
    gest. unbekannt

    Sterbedatum, -jahr und -ort von Else Mendel-Oberüber sind derzeit (Mai 2009) nicht bekannt. Im Jahr 1943 ist sie als Geigerin im Berliner Adressbuch verzeichnet.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Bratscherin
    Charakterisierender Satz:

    „Zu Beginn der vergangenen Woche war im Bechsteinsaal ein grosser Kunsteindruck zu holen. Else Mendel-Oberüber darf es wagen, einen Abend fast ganz mit der Geige oder Bratsche ohne Begleitung und mit ernstester Musik zu bestreiten, wie die gespielten Werke von Bach, Reger und Joachim bewiesen. Die Uraufführung der Reger-Suite Nr. 3, E-moll für Bratsche allein bedeutete den Höhepunkt; ein herrliches Werk, eins der seltenen dieses Grossmeisters der musikalischen Arbeit, die ganz Ausdruck sind.“


    (Konzertbesprechung in der „Deutschen Zeitung“ vom Oktober 1917, zit. n. „Signale für die musikalische Welt“ 1918, S. 5)


    Profil

    Else Mendel-Oberüber wurde u. a. von Joseph Joachim an der Hochschule für Musik in Berlin ausgebildet. Anschließend begann sie ihre musikalische Laufbahn zunächst als Orchestermusikerin in Königsberg, bevor sie sich als Geigerin und Bratscherin in Berlin niederließ. Dort galt sie vor allem als herausragende Interpretin der Werke Max Regers, dessen drei Suiten für Viola solo (op. 131d) sie 1917 uraufführte.

    Orte und Länder

    Elisabeth Mendel-Oberüber wurde in Allenstein im damaligen Ostpreußen (heute Olsztyn in Polen) geboren. Sie erhielt ihre Schulausbildung in Königsberg (heute Kaliningrad in Russland) und begann am dortigen Konservatorium Violine zu studieren. Von 1900 bis 1904 setzte sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Berlin fort und kehrte anschließend vorübergehend nach Königsberg zurück. Im Jahr 1911 ließ sie sich in Berlin als Geigerin und Bratscherin nieder.

    Biografie

    Else Mendel-Oberüber wurde am 15. März 1886 im damals ostpreußischen Allenstein (heute Olsztyn in Polen) als Tochter von Theodor Mendel, einem Rechnungsrat, und Ottilie Falcke geboren. Sie besuchte das Lyzeum in Königsberg und begann dort anschließend ein Violinstudium bei Max Brode und Ernst Wendel, die beide bei Joseph Joachim in Berlin studiert hatten. Von 1900 bis Ostern 1904 setzte Else Mendel-Oberüber ihr Studium an der Hochschule für Musik in Berlin fort. Dabei wurde sie im ersten Jahr von Andreas Moser, im zweiten Studienjahr von Gabriele Wietrowetz und ab 1902 auch von Joseph Joachim unterrichtet. Eigenen Angaben zufolge erhielt sie zeitweise auch Unterricht von Emanuel Wirth und belegte die musiktheoretischen Fächer bei Robert Kahn (vgl. Müller 1929; vgl. Prante 1999, S. 5; S. 47).


    Nach Beendigung ihres Studiums 1904 kehrte Else Mendel-Oberüber vorübergehend nach Königsberg zurück und wurde dort Konzertmeisterin des Musikvereins unter der Leitung ihres ehemaligen Lehrers Ernst Wendel (Wasielewski 1927, S. 699, vgl. Prante 1999, S. 47). Ab 1909 unternahm sie mehrere Konzertreisen und spielte z. B. Ende des Jahres 1910 als Solistin gemeinsam mit Käthe Soehnge Johann Sebastian Bachs Konzert d-Moll für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo (BWV 1043) mit dem Berliner Tonkünstlerinnen-Orchester unter der Leitung von Elisabeth Kuyper (vgl. „Die Musik“ 10 [1910/11], Bd. 2, S. 303). Ab 1911 ließ sich Else Mendel-Oberüber als Geigerin in Berlin nieder; zu diesem Zeitpunkt hatte sie einen Prof. Oberüber geheiratet und war im Berliner Adressbuch als „Mendel-Oberüber, Else, Violinistin“ eingetragen (vgl. Berliner Adressbücher 1799-1943). Ihre Auftritte wurden unterschiedlich beurteilt. So schrieb z. B. ein Rezensent der „Allgemeinen Musikzeitung“ am 3. Oktober 1913 über ein Konzert, bei dem Else Mendel-Oberüber mit einem der Violinkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts, dem Violinkonzert D-Dur (op. 61) von Ludwig van Beethoven sowie mit der bekannten Chaconne d-Moll (aus BWV 1004) von Johann Sebastian Bach aufgetreten war: „Ich habe die Aufführung von der ersten bis zur letzten Note angehört, habe nach einem stillos und unrein gespielten Mozart-Konzert, einer nur in wenigen Partien ausreichenden Wiedergabe der Chaconne J. S. Bachs, noch bei der sehr fragwürdigen Aufführung des Beethoven-Konzertes bis zu Ende ausgehalten, weil ich den Eindruck hatte, daß es der temperamentvollen und sympathischen Geigerin mit ihren künstlerischen Absichten bitterernst sei und ihre technische Leistung von langjähriger und nicht unergiebiger Arbeit zeugte.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 3. Oktober 1913, S. 1216, zit. n. Prante 1999, S. 48) Im März 1917 trat Else Mendel-Oberüber in einem Konzert der Pianistin Addi Schmidt mit Violinsonaten von Friedrich Gernsheim (G-Dur, op. 85) und Johannes Brahms (G-Dur, op. 78) auf. Die „Allgemeine Musikzeitung“ urteilte diesmal überaus positiv: „Freundliche Eindrücke vermittelte das Konzert der Pianistin Addi Schmidt, zu der sich als Mitwirkende die Geigerin Else Mendel-Oberüber gesellte. Die vierte Sonate G-dur von Gernsheim spielten beide Damen mit echter Freude am Musizieren und namentlich das feingezeichnete Andantino, in dem mit dem klagenden Anfang und Schluß ein fast burlesker Mittelsatz in originellen Gegensatz gebracht wird, gelang ganz ausgezeichnet.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 6. April 1917, S. 240) Zu dieser Zeit galt Else Mendel-Oberüber bereits als herausragende Interpretin der Werke Max Regers. So spielte sie z. B. am 9. Oktober 1917 die Uraufführung von Max Regers drei Suiten für Viola solo (op. 131d) im Berliner Bechstein-Saal, neben weiteren solistischen Werken von Johann Sebastian Bach und Joseph Joachim. Die „Deutsche Zeitung“ schrieb darüber im Oktober 1917: „Zu Beginn der vergangenen Woche war im Bechsteinsaal ein grosser Kunsteindruck zu holen. Else Mendel-Oberüber darf es wagen, einen Abend fast ganz mit der Geige oder Bratsche ohne Begleitung und mit ernstester Musik zu bestreiten, wie die gespielten Werke von Bach, Reger und Joachim bewiesen. Die Uraufführung der Reger-Suite Nr. 3, E-moll für Bratsche allein bedeutete den Höhepunkt; ein herrliches Werk, eins der seltenen dieses Grossmeisters der musikalischen Arbeit, die ganz Ausdruck sind.“ (zit. n. Werbeanzeige in: „Signale für die musikalische Welt“ 1918, S. 5) Auch in den folgenden Jahren blieb Else Mendel-Oberüber als Geigerin im Berliner Musikleben präsent. So gab sie z. B. im Januar 1922 gemeinsam mit der Sängerin Gertrud Fischer-Maretzki ein Konzert, das Franz Xaver Mühlbauer am Klavier begleitete. Auf dem Programm standen eine Bratschensonate f-Moll von Pietro Nardini, Max Bruchs Violinkonzert g-Moll (op. 26) und „Zwei Gesänge“ von Johannes Brahms für Alt, Bratsche und Klavier (op. 91) (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 18. Januar 1822, S. 57). Im Februar 1922 trat sie wiederum mit der Pianistin Addi Schmidt auf und spielte eine der Suiten für Viola solo von Max Reger (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 1. März 1922, S. 350).


    Im Jahr 1926 war Else Mendel-Oberüber als Violinistin im Berliner Musikjahrbuch verzeichnet und lebte zu dieser Zeit in der Binger-Str. in Berlin (vgl. Ebel 1926); 1929 nahm Erich H. Müller sie in das „Deutsche Musiker-Lexikon“, einem Vorläufer von „Kürschner’s Musikerkalender“, als „Violinvirtuosin“ auf (vgl. Müller 1929). Wie es scheint, verbrachte Else Mendel-Oberüber die NS-Zeit in Berlin. Noch 1943 lebte sie als Violinvirtuosin in der Bingerstr. in Berlin (vgl. Berliner Adressbücher 1943).


    Der weitere Lebensweg von Else Mendel-Oberüber ist nicht bekannt.

    Würdigung

    Else Mendel-Oberüber war mindestens zwei Jahrzehnte lang im deutschen Musikleben als Geigerin und Bratscherin präsent. Dabei wirkte sie sowohl als Solistin wie auch als Orchester- und Kammermusikerin.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Else Mendel-Oberübers werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Else Mendel-Oberüber kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Aufführungen folgender Werke sind belegt:


    Bach, Johann Sebastian. Chaconne d-Moll für Violine solo, BWV 1004 Nr. 5

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo d-Moll, BWV 1043.


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 61.


    Brahms, Johannes. „Zwei Gesänge“ für Alt, Bratsche und Klavier, op. 91.

    Brahms, Johannes. Sonate für Violine und Klavier G-Dur, op. 78.


    Bruch, Max. Konzert für Violine und Orchester g-Moll, op. 26.


    Gernsheim, Friedrich. Sonate für Violine und Klavier G-Dur, op. 85.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Konzert für Violine und Orchester (keine Präzisierung möglich)


    Nardini, Pietro. Sonate für Viola und Klavier f-Moll


    Reger, Max. Drei Suiten für Viola solo, op. 131d (Uraufführung 9. Oktober 1917, Bechsteinsaal Berlin)

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Mendel-Oberüber, Else“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). Dresden: Limpert 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Mendel-Oberüber, Else“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Paul Frank (Hg.). 12. Aufl., bearb. v. Wilhelm Altmann. 1926 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Berliner Adressbücher 1799-1943, digital verfügbar unter: http://adressbuch.zlb.de (Stand: 25. Mai 2009).


    Ebel, Arnold (Hg.). Berliner Musikjahrbuch 1926. Berlin: Verlagsanstalt deutscher Tonkünstler, 1926.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.


    Wasielewski, Wilhelm Joseph von. Die Violine und ihre Meister. 8. Aufl. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1927.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 3. Oktober 1913, S. 1216.

    Allgemeine Musikzeitung vom 6. April 1917, S. 240.

    Allgemeine Musikzeitung vom 14. Februar 1919, S. 95.


    Die Musik 10 (1910/11), Bd. 2, S. 303.


    Signale für die musikalische Welt vom 6. Januar 1918, S. 5.

    Signale für die musikalische Welt vom 18. Januar 1822, S. 57.

    Signale für die musikalische Welt vom 1. März 1922, S. 350.

    Forschung

    Inka Prante hat 1999 in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims erstmals wieder auf die Geigerin aufmerksam gemacht.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Else Mendel-Oberüber umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 19. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 30.11.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Else Mendel-Oberüber“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 30.11.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Else_Mendel-Oberüber