Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (105%)
  • Deutsch
  • Elsa Wagner

    von Silke Wenzel
    Die Geigerin Elsa Wagner. Fotografie (mit eigenhändiger Signatur) von E. Müller, Dresden 1904.
    Namen:
    Elsa Wagner
    Lebensdaten:
    geb. unbekannt in Dresden, Deutschland
    gest. unbekannt

    Die Geburts- und Sterbedaten von Elsa Wagner sind nicht bekannt. Sie wurde vermutlich um 1880 geboren.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „On Friday evening Mlle. Elsa Wagner pointed clearly, by the excellence of her playing and the broaden of her phrasing, to the fact that her teacher had been Dr. Joachim. At her very pleasant concert in Bechstein-hall Mlle. Wagner [...] played Grieg’s sonata in G in a most characteristic manner, and in familiar works by Tartini and Wieniawski her musical feeling, the pureness of her style and tons, and her highly-finished technique were quite delightful.”


    „Am Freitag Abend zeigte Mlle. Elsa Wagner durch ihr herausragendes Spiel und die Bandbreite ihrer Phrasierungsvarianten deutlich, dass Dr. Joachim ihr Lehrer war. Bei ihrem sehr erfreulichen Konzert in der Bechstein-Hall spielte Mlle. Wagner [...] Griegs Sonate G-Dur in sehr charakteristischer Weise, und in bekannten Werken von Tartini und Wieniawski waren ihre Musikalität, die Reinheit von Stil und Klang und ihre sehr vollkommene Technik äußerst reizvoll.“


    („The Times London” vom 20. November 1905, S. 9)


    Profil

    Die Geigerin Elsa Wagner wurde an der Hochschule für Musik in Berlin u. a. von Joseph Joachim ausgebildet und trat in den Jahren 1905 bis 1907 im englischen und deutschen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin auf.

    Orte und Länder

    Elsa Wagner wurde in Dresden geboren und wuchs dort auf. Von 1900 bis 1902 studierte sie Violine an der Hochschule für Musik in Berlin und kehrte anschließend nach Dresden zurück.


    In den Jahren 1905 bis 1907 trat Elsa Wagner regelmäßig in London und in weiteren englischen Städten auf.

    Biografie

    Elsa Wagner wurde um 1880 in Dresden geboren. Über ihre Herkunft sowie ihre erste musikalische Ausbildung ist derzeit nichts bekannt. Ein erster Hinweis auf ihre musikalische Tätigkeit findet sich auf einem Programmzettel zu einem Konzert am 22. Oktober 1899 in Dresden. Zu diesem Zeitpunkt war Elsa Wagner Geigerin im Orchester des Dresdner Mozart-Vereins (vgl. Prante 1999, S. 24; ohne Angaben zur Herkunft der Quelle). Von Oktober 1900 bis Ostern 1902 studierte Elsa Wagner Violine an der Hochschule für Musik in Berlin. Dabei wurde sie in ihrem ersten Studienjahr von Joseph Joachim, Heinrich Jacobsen und Emanuel Wirth unterrichtet, im zweiten Studienjahr nur von Joseph Joachim und Emanuel Wirth (vgl. Prante 1999, S. 7).


    Nach Beendigung ihres Studiums kehrte Elsa Wagner nach Dresden zurück, blieb allerdings weiterhin im Berliner Musikleben präsent. So berichtete z. B. das „Musikalische Wochenblatt“ am 16. Februar 1905 über ein Konzert Elsa Wagners, bei dem sie eines der Violinkonzerte d-Moll von Giuseppe Tartini sowie Henri Wieniawskis „Fantaisie brillante sur Faust“ für Violine und Orchester (op. 20) spielte und dabei von Otto Neitzel am Klavier begleitet wurde: „In Frl. Elsa Wagner, die an demselben Abend [dem 9. Februar 1905] im Oberlichtsaal der Philharmonie konzertierte, lernte man eine begabte Geigerin kennen. Zu ihren Darbietungen gehörte das Tartini’sche D moll-Konzert, das sie mit grossem kernigem Ton und anzuerkennender technischer Sicherheit recht ansprechend zu Gehör brachte. Dass sie auch Aufgaben mehr virtuoser Art zu meistern weiss, bewies sie weiterhin mit der geschmack- und temperamentvollen Wiedergabe der ‚Faust‘-Phantasie von Wieniawski.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 16. Februar 1905, S. 153)


    Ende des Jahres 1905 wandte sich Elsa Wagner – wie viele Schülerinnen und Schüler Joseph Joachims – England zu. Sie debütierte am 17. November 1905 mit einem Soloabend in der Londoner Bechstein-Hall, begleitet von Elsa Schjelderup am Klavier. Auf dem Programm standen u. a. die Violinsonate G-Dur (op. 13) von Edward Grieg, eine „Suite de Ballet“ von Gerhard Schjelderup sowie Werke von Giuseppe Tartini und Henri Wieniawski. „The Times London“ renzensierte äußerst positiv: „On Friday evening Mlle. Elsa Wagner pointed clearly, by the excellence of her playing and the broaden of her phrasing, to the fact that her teacher had been Dr. Joachim. At her very pleasant concert in Bechstein-hall Mlle. Wagner [...] played Grieg’s sonata in G in a most characteristic manner, and in familiar works by Tartini and Wieniawski her musical feeling, the pureness of her style and tons, and her highly-finished technique were quite delightful. Three very dainty and picturesque trifles from a ‘Suite de Ballet’ by Gerhard Schjelderup were also given with quite the right spirit, and altogether Mlle. Wagner’s first appearance here was a very decided success.” („Am Freitag Abend zeigte Mlle. Elsa Wagner durch ihr herausragendes Spiel und die Bandbreite ihrer Phrasierungsvarianten deutlich, dass Dr. Joachim ihr Lehrer war. Bei ihrem sehr erfreulichen Konzert in der Bechstein-Hall spielte Mlle. Wagner [...] Griegs Sonate G-Dur in sehr charakteristischer Weise, und in bekannten Werken von Tartini und Wieniawski waren ihre Musikalität, die Reinheit von Stil und Klang und ihre sehr vollkommene Technik äußerst reizvoll. Drei sehr anmutige und malerische Trifles aus einer ,Suite de Ballet‘ von Gerhard Schjelderup wurden ebenso mit genau der richtigen Haltung gegeben, und insgesamt war Mlle. Wagners Debüt ein voller Erfolg.“; „The Times London” vom 20. November 1905, S. 9). Auch in den folgenden beiden Jahren war Elsa Wagner im britischen Musikleben präsent und konzertierte dabei nicht nur in London, sondern auch in weiteren englischen Städten. Bei einem Soloabend am 21. März 1906 in der Londoner Bechstein-Hall spielte Elsa Wagner das Violinkonzert g-Moll (op. 26) von Max Bruch und Robert Schumanns Violinsonate d-Moll (op. 121). Von dem Bruchschen Violinkonzert zeigte sich der Kritiker nicht gerade angetan, lobte aber dennoch die Ausführung durch Elsa Wagner: „However, Miss Wagner showed that the most hackneyed piece may be made interesting if you are a good musician, and for her playing of the concerto we have nothing but praise; her broad legato playing, especially in the Adagio, was beautiful, and in the last movement she managed to get the right amount of brilliancy and animation without losing her grip of the music. She just failed to do this in Schumann’s sonata in D minor, at any rate in the last movement of it, which seemed at moments to be running away with her; but this loss of control was only momentary, and her reading of the sonata as a whole was admirable.” (Miss Wagner zeigte allerdings, dass das banalste Stück interessant werden kann, wenn ein guter Musiker es spielt, und für ihre Darbietung des Konzerts haben wir nur Lob; ihr breites Legatospiel, besonders im Adagio, war wunderschön, und im letzten Satz erreichte sie das richtige Quantum an Brillianz und Bewegung, ohne den Halt in der Musik zu verlieren. In Schumanns Sonate d-Moll gelang ihr genau dieses nicht, besonders im letzten Satz, in dem ihr einige Passagen davon liefen. Aber der Verlust an Kontrolle war nur vorübergehend, und ihre Interpretation der Sonate als Ganzes war bewundernswert.“; „The Times London” vom 23. März 1906, S. 10) Am 25. April 1906 gab Elsa Wagner gemeinsam mit der Pianistin Marie Fromm, einer Schülerin Clara Schumann , und dem Violoncellisten Willy Lehmann einen Kammermusikabend in der Masonic Hall in Birmingham, bei dem das Ensemble u. a. Anton Arenskys Klaviertrio d-Moll (op. 32) aufführte. Der Korrespondent der „Musical Times“ bezeichnete dabei Elsa Wagner als Norwegerin, ein Irrtum, der auch in den folgenden Jahren in der Presse weitergetragen wurde: „On April 25 Mr. Willy Lehmann, a talented violoncellist resident here, gave a concert in the Masonic Hall, introducing the Norwegian violinist Miss Elsa Wagner, who created a favourable impression. Madame Marie Fromm was the pianist, and the principal feature of the concert was Arensky’s Trio in D minor, performed In Memoriam.” („Am 25. April gab Mr. Willy Lehmann, ein hiesiger, talentierter Violoncellist, ein Konzert in der Masonic Hall und führte die norwegische Geigerin Miss Elsa Wagner ein, die einen guten Eindruck hinterließ. Die Pianistin war Madame Marie Fromm, und der wichtigste Programmpunkt Arensky’s Trio d-Moll, das in memoriam gegeben wurde.“; „The Musical Times” vom 1. Juni 1906, S. 413) Am 12. November 1906 traten Marie Fromm, Elsa Wagner und Willy Lehmann mit Klaviertrios von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann in der „Classical Concert Society“ in Newcastle auf (vgl. „The Musical Times” vom 1. Dezember 1906, S. 837). Eine Konzertankündigung in „The Times London” im Mai 1907 zeigt, dass Elsa Wagner auch im darauf folgenden Jahr in England mit Soloabenden, in diesem Fall in der Londoner Bechstein-Hall, auftrat (vgl. Konzertankündigung in „The Times London“ vom 4. Mai 1907, S. 19).


    Ein vereinzeltes Konzert in Dresden belegt, dass Elsa Wagner dort weiterhin als Geigerin am öffentlichen Musikleben beteiligt war. Am 3. Februar 1906 trat sie bei einer Vesper in der Dresdner Kreuzkirche auf und spielte dabei ein Air von Johann Sebastian Bach und ein Largo von Georg Friedrich Händel („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 7. Februar 1906, S. 152).


    Der weitere Lebensweg von Elsa Wagner ist derzeit nicht bekannt.

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Elsa Wagners ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Elsa Wagners werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste Elsa Wagners kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Aufführungen der folgenden Werke sind nachgewiesen:


    Arensky, Anton. Klaviertrio d-Moll, op. 32


    Bach, Johann Sebastian. Air für Violine (keine Präzisierung möglich)


    Bruch, Max. Konzert für Violine und Orchester g-Moll, op. 26


    Grieg, Edward. Sonate für Violine und Klavier G-Dur, op. 13


    Händel, Georg Friedrich. Largo (verm. aus der Oper „Xerxes“)


    Schjelderup, Gerhard. Suite de Ballet


    Schumann, Robert. Sonate für Violine und Klavier d-Moll, op. 121


    Tartini, Giuseppe. Konzert für Violine und Orchester d-Moll


    Wieniawski, Henri. Fantasie brillante sur Faust für Violine und Orchester, op. 20

    Quellen

    Dokumente


    Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt a. M. Postkarte von Elsa Wagner an Nicolas Manskopf vom 23. September 1904, o. Sign.



    Literatur


    Artikel „Wagner, Elsa“. In: Norske Kvinder: en oversigt over deres stilling og livsvikaar i hundredaaret, 1814-1914 [& 1914-1924]. Marie Høgh (Hg.). Kristiania: Berg & Høgh, 1914-1925 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 16. Februar 1905, S. 153.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 7. Februar 1906, S. 152.


    The Musical Times vom 1. Juni 1906, S. 413.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1906, S. 837.


    The Times London vom 20. November 1905, S. 9.

    The Times London vom 23. März 1906, S. 10.

    The Times London vom 4. Mai 1907, S. 19.

    Forschung

    Inka Prante hat in ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims erstmals wieder auf die Geigerin Elsa Wagner aufmerksam gemacht (vgl. Prante 1999).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elsa Wagner umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 26. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 05.12.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elsa Wagner“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.12.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elsa_Wagner