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  • Ellen Dickson

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Ellen Dickson
    Lebensdaten:
    geb. in Woolwich, England
    gest. in Lyndhurst (Grafschaft Hampshire), England

    In Lexika ist die Komponistin überwiegend als Ellen Dickson verzeichnet, Bibliothekskataloge führen sie meist unter dem Namen Elizabeth Dickson bzw. unter ihrem Pseudonym Dolores. Die genauen Geburtsdaten von Ellen Dickson sind nicht bekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „An amateur composer of considerable taste and ability [...]. Several of her songs are decided favourites, as ‚The Brook’, and „The Fairies’.“


    „Eine Amateurkomponistin mit bemerkenswertem Geschmack und bemerkenswerten Fähigkeiten [...]. Mehrere ihrer Songs sind entschieden beliebt, darunter ‚The brook’ und ‚The Fairies’.“


    (David Baptie über Ellen Dickson. In: A Handbook of Musical Biography, London 1887)


    Orte und Länder

    Ellen Dickson wurde in Woolwich, im Südosten Londons geboren. Sie verbrachte ihr Leben in Lyndhurst, in der Grafschaft Hampshire, wo sie sich 1857 das Cottage „Ye Byrde’s nest“ gebaut hatte, und publizierte ihre Kompositionen in Londoner Verlagen.

    Biografie

    Ellen Dickson wurde 1819 in der Garnisonsstadt Woolwich südöstlich von London als dritte Tochter des Generals Sir Alexander Dickson geboren und war seit ihrer Jugend körperlich behindert. Im Jahr 1857 ließ sie sich in Lyndhurst, New Forest, in der Grafschaft Hampshire nieder, wo sie sich u. a. in mehreren Wohltätigkeitsorganisationen ehrenamtlich engagierte (vgl. Brown/Stratton 1897; „The Musical World“ vom 20. Juli 1878, S. 465). Über ihren Lebensweg ist – abgesehen von diesen wenigen lexikographischen Angaben – nichts bekannt.


    Ab 1854 veröffentlichte Ellen Dickson, teils unter dem Pseudonym Dolores, zahlreiche Songs in renommierten Londoner Musikverlagen, von denen ca. 65 erhalten sind. Darunter befinden sich Vertonungen von Gedichten von Henry Wadsworth Longfellow, Adelaide A. Procter, Percy Bysshe Shelley, Thomas Westwood, Lord Alfred Tennyson und Berry Cornwall. Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Ellen Dickson mit ihrem Song „The Brook“ von Lord Alfred Tennyson („With many a curve my banks I fret“), der erstmals 1857 by Charles Jefferys erschien. Eine Anzeige der „Times“ lautete z. B. 1861: „Miss Theresa Jefferys will sing, for the first time, at her concert in St. James’s-hall, on the 9th May, Shelley’s song Arethusa […]; the music by Dolores, the popular composer of The Brook, &c.“ („Miss Theresa Jefferys wird bei ihrem Konzert am 9. Mai in der St. James’ Hall erstmals das Lied von Shelley ‚Arethusa’ [...] singen; die Musik ist von Dolores, der bekannten Komponistin von The Brook u. a.“; „The Times“ vom 2. Mai 1861, S. 1) Eine weitere Anzeige aus dem Jahr 1863 vermittelt einen Eindruck vom Vertrieb der Kompositionen: „Hush, Wings, Echoes, and the Trespassers – four exquisite songs by the popular composer Dolores, each post free for 15 stamps; also a new edition of The Brook, post free for 19 stamps. – Charles Jeffereys, Soho-square; and all musicsellers.“ („Hush, Wings, Echoes, und die Trespassers – vier hervorragende Songs der beliebten Komponistin Dolores, jeder frei Haus für 15 Briefmarken, ebenso eine neue Ausgabe von The Brook, frei Haus für 19 Briefmarken. – Charles Jefferys, Soho-Square und alle Musikgeschäfte.“; „The Times“ vom 30. April 1863, S. 6)


    Ellen Dickson starb am 4. Juli 1878 in „Ye Byrde’s Nest“ in Lyndhurst in der Grafschaft Hampshire (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1878, S. 451; 457).

    Würdigung

    Ellen Dicksons Kompositionen wurden – soweit derzeit bekannt – in keiner Musikzeitschrift rezensiert. Die sehr kurzen lexikalischen Beschreibungen ihres Werks lassen jedoch die hohe Wertschätzung und Anerkennung erahnen, die Ellen Dickson als Komponistin so genannter „Drawing Room Songs“ entgegengebracht wurde. So heißt es z. B. in „A handbook of musical biography“ von 1887: „An amateur composer of considerable taste and ability [...]. Several of her songs are decided favourites, as ‚The Brook’, and „The Fairies’.“ („Eine Amateurkomponistin mit bemerkenswertem Geschmack und bemerkenswerten Fähigkeiten [...]. Mehrere ihrer Songs sind entschieden beliebt, darunter ‚The brook’ und ‚The Fairies’.“; Baptie 1887) Die „British Musical Biography“ von 1897 schrieb über ihre Lieder: „These songs acquired a considerable amount of popularity in their day, and some of them are even now in vogue.“ („Diese Songs waren zu ihrer Zeit in bemerkenswerter Weise populär und einige von ihnen sind sogar jetzt noch in Mode.“; Brown/Stratton 1897) Im Nachruf der Zeitung „The Musical World“ hieß es schließlich: „We have to record the death [...] of the talented and benevolent lady long known in the musical world under the name of ‚Dolores’. [...] Ellen Dickson [...] inherited in an unusual degree her father’s talents for mathematics and his acute and analytical intellect. [...] Few women were so well read, and few had so retentive a memory; but as regards the gift for which she was best known in the world, her musical education was only the ordinary cue of a young lady forty years ago. [...] The spontaneous fountain of melody, however, which bubbled up in her, was not to repressed, because the channels through which it flowed were bricked in by no scientific laws.“ („Wir müssen den Tod [...] einer talentierten und wohltätigen Dame verzeichnen, die der Musikwelt seit langem unter dem Namen ‚Dolores’ bekannt ist. [...] Ellen Dickson [...] erbte von ihrem Vater in einem ungewöhnlichen Maß dessen mathematische Begabung und seinen scharfen und analytischen Verstand. [...] Nur wenige Frauen waren derart belesen, und nur wenige hatten ein so herausragendes Gedächtnis. Aber was ihre Begabung angeht, für die sie in der Welt berühmt wurde – ihre musikalische Ausbildung ging nicht über den vor vierzig Jahren üblichen Unterricht junger Frauen hinaus. [...] Die spontane Quelle für Melodien, die in ihr hochsprudelten, war indes nicht zu unterdrücken, denn die Kanäle, durch die sie flossen, konnten durch keine wissenschaftlichen Gesetze vermauert werden.“; „The Musical World“ vom 20. Juli 1878, S. 465) Dem Musikwissenschaftler Derek B. Scott zufolge weisen die Songs von Ellen Dickson eine „spielerische Komplexität“ auf, die sich aus der Verbindung von lyrischer Melodie und verzierter Begleitung ergibt (vgl. Scott 1994, S. 102).

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Werkverzeichnis von Ellen (Elizabeth) Dickson („Dolores“) wurde unter Mithilfe von Maj-Britt Peters auf der Grundlage zeitgenössischer Lexikonartikel, des „New Grove Dictionary of Women Composers“ (Scott 1995) und digitaler Bibliothekskataloge, insbesondere des britischen Verbundkatalogs Copac, erstellt. Fehlende Angaben zu Druckorten, Verlagen und Erscheinungsdaten konnten nicht ermittelt werden.



    Lieder (Einzelausgaben)


    Good night, good night, beloved! Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    She sleeps, my lady sleepeth! Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The arrow & the song. Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The bridge. Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The muleteer’s song. Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The old clock on the stairs. Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The reaper & the flowers. Text von Henry Wadsworth Longfellow. London: Charles Jefferys, 1854.


    The brook („With many a curve my banks I fret”). Text von Lord Alfred Tennyson. London: Charles Jefferys, 1857.


    As I lay a thynkinge. Text von Thomas Ingoldsby. London, 1857.


    Gallop, gallop my little steed. Text von H. Aidé. London, 1857.


    Song for the new year („Bride, with thy trustful eyes“). Text von H. Aidé. London, 1857.


    Slumber lie soft. London, 1858.


    Bird, on the eaves of my beloved’s dwelling. Text von H. Aidé. London, 1859.


    My soul is an enchanted boat. Text aus Prometheus Unbound von Percy Bysshe Shelley. London, 1859.


    Twilight („The twilight is sad and cloudy“). Text von Henry Wadsworth Longfellow. London, 1859.

    I love him – I dream of him. Text von Barry Cornwall. London: Charles Jefferys, ca. 1860.


    Sleep. Text von John Keats. London: Boosey & Co., 1860.


    Arethusa. Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.


    By the Sea („O come, love, to the yellow sand“). Text von H. Aidé. London, 1861.


    Child of Ocean („Echoes we listen!“). Text aus “Prometheus Unbound” von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.

    Echoes („Still the angel stars are shining“). Text von Adelaide A. Procter. London, 1861.


    Hush! („I can scarcely hear“). Song. Text von Adelaide A. Procter. London, 1861.


    I pant for the music which is divine. Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.


    Love („Oh Love! assailing ev’ry human heart“). Kanzonette. Text von H. Aidé. London, 1861.


    Mill Song („Merrily, the mill-sail“). Text aus „Berries & Blossoms“ von Thomas Westwood. London: Charles Jefferys, 1861.


    Spirit of Delight („Rarely, rarely comest thou“). Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.


    The Bells of Alderburnham („Thae bells that now do ring above“). Text aus „Poems in the Dorset dialect“ von Reverend W. Barnes. London, 1861.


    The Dirge of Time („Here oh, here, we bear the bier“). Text aus “Prometheus Unbound” von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.


    The Dream („All yesterday I was spinning“). Text von Adelaide A. Procter. London, 1861.


    The Living Dead („Oh! I thought of her grave below the hill“). Text aus „Aux Italiens“ von Owen Meredith. London, 1861.


    The Skylark („Hail to thee blithe spirit“). Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1861.

    Thoughts of other days („I wander back“). Ballade. London, 1861.


    Turn, Fortune, turn thy wheel. Song aus ‘Idylls of the King’ von Lord Alfred Tennyson. London, 1861.


    Vivien’s Song („In love, if love be love”). Text aus: ‘Idylls of the King’ von Lord Alfred Tennyson. London, 1861.


    What does little birdie say? Cradle song. Text aus dem Hirtengedicht „Sea dreams“ von Lord Alfred Tennyson. London, 1861.


    Wings. Text aus dem Deutschen übersetzt von Percy Boyd. London, 1861.


    Come gentle dreams („From where the lilies rest”). Duett für zwei Stimmen und Klavier. Text von Isabella Law. London: Charles Jefferys, 1862.


    Earth beneath your feet. Text von Mary Boddington. London, 1862.


    I love that pretty bubbling stream. Text von Mary Boddington. London, 1862.


    Spring Song („Behold, spring sweeps over the world“). Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1862.


    The land which no one knows („Dark, deep, and cold“). Text von E. Elliot. London, 1862.


    Blow, blow sweet winds („The windows rattle in their frames“). Text von William Cox Bennett. London, 1863.

    Love-Song („My faint spirit“). Eine Imitation aus dem Arabischen. Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1863.


    One word is too often profaned. Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1863.


    The Trespassers („Four girls went walking“). Text von H. Spicer. London, 1863.


    Tomorrow („Where art thou beloved“). Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1863.


    Cythna’s Lament („When morning came“). Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1864.


    London („Oh! when I was a little boy”). Text von Barry Cornwall. London: Charles Jefferys, 1864.


    Cusha („I shall never hear“). Text von Jean Ingelow. London, 1865.


    The Foolish Shepherd („O gentle shepherds all“). A ditty. Text von H. Aidé. London, 1865.


    The Rivulet. Text von Percy Bysshe Shelley. London, 1865.


    Clear and cool. A Brook. Song. Text aus „The Water Babies“ von Reverend Charles Kingsley. London: Boosey & Co., ca. 1870.


    Pack Clouds away. Text von Thomas Heywood. London, 1871.


    The Land of long ago. Text von Thomas Westwood. London: Boosey & Co., 1873.


    The Fairies („Do you wonder where the fairies are”). Text von Thomas Westwood aus „Berries and Blossoms“. Arrangiert als Two-part Song von T. H. Warner. London: Boosey & Co., 1875.


    Drifting. Song. In: Songs of the day. London: Howard & Co., 1878.


    Destiny. Song. Druck nicht nachweisbar.


    O my lost love. Song. Druck nicht nachweisbar.


    She walked beside me. Song. Druck nicht nachweisbar.


    Unchanged. Song. Druck nicht nachweisbar.



    Sammlungen


    12 Songs. London: Boosey, nach 1861.

    1. A kiss – 2. William Rugus: A lay of the New Forest für Chor (SATB) – 3. Child of Ocean – 4. The Skylark – 5. The Dirge of time – 6. O my lost love – 7. Sleep – 8. Goldilocks – 9. Tell her not, when I am gone – 10. The racing river leaped & sang – 11. No longer mourn for me – 12. The Song of a nest.



    Klavierwerke


    March of the New Forest Rifle Volunteers. Für Klavier. London, 1861.


    The lotus flower. Walzer für Klavier. London: Peter Derek Ltd., 1863.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Dolores (Ellen Dickson)“. In: A Handbook of Musical Biography, hg. v. D. Baptie, 2. Aufl. 1887 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dickson, Ellen“. In: Modern English biography. Hg. von F. Boase, 6 Bde 1892 – 1921 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dickson, Ellen, ‚Dolores’“. In: British Musical Biography. Hg. v. James D. Brown/Stephen S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dickson, Ellen“. In: Dictionary of Musicians. Hg. v. W. J. Paltzell, 1911 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Scott, Derek B. The Sexual Politics of Victorian Musical Aesthetics. In: Journal of the Royal Musical Association 119 (1994), S. 91-114.


    Scott, Derek B. Artikel „Dickson, Ellen (Elizabeth). In: The new Grove Dictionary of Women Composers. Julie Anne Sadie (Hg.). London: Macmillan, 1995, 141f.


    Scott, Derek B. The Singing Bourgeois. Songs of the Victorian Drawing Room and Parlour. 2. Aufl. Aldershot: Ashgate, 2001.



    Zeitungsartikel


    The Musical Times vom 1. August 1878, S. 451; 457 (Nachruf).


    The Musical World vom 20. Juli 1878, S. 465 (Nachruf).

    The Times vom 2. Mai 1861, S. 1.

    The Times vom 30. April 1863, S. 6.

    Forschung

    Der Musikwissenschaftler Derek B. Scott hat in seinen Publikationen zum englischen „Drawing Room Song“ der viktorianischen Zeit auch Ellen Dickson erwähnt und zwei ihrer Lieder einer kurzen Betrachtung unterzogen (vgl. Schott 1994, S. 102; Scott 2001, S. 69-72).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Ellen Dickson umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten und ihre Kompositionen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 78541893
    Library of Congress (LCCN): no2006108018
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Ellen Dickson“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Ellen_Dickson