Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (100%)
  • Deutsch
  • Ella Jonas-Stockhausen

    von Silke Wenzel
    Ella Jonas-Stockhausen mit Josef Zander an ihrem 80. Geburtstag am 1. Oktober 1963 in ihrer Wohnung in der Duisburger Straße in Berlin.
    Namen:
    Ella Jonas-Stockhausen
    Varianten: Ella Jonas, Ella Stockhausen
    Lebensdaten:
    geb. in Dortmund, Deutschland
    gest. nach

    Sterbedatum, -jahr und -ort von Ella Jonas-Stockhausen sind bislang nicht bekannt. Zuletzt wurde sie in „Kürschners Deutschem Musiker-Kalender“ von 1954 als Konzertpianistin genannt. Zu dieser Zeit lebte sie in der Duisburger Str. 4 in Berlin (vgl. Artikel „Stockhausen, Ella“, 1954).
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierbegleiterin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Im Beethovensaal gab es einen grossen Abend. Ella Jonas-Stockhausen spielte die Klavierkonzerte op. 83 B-dur von Brahms und a-moll von Grieg. […] Die Künstlerin schien mit der enorm schwierigen Aufgabe zu wachsen und, vom Wohllaut des Orchesters stets auf’s neue inspiriert, wie es der Komponist will, in dieses unterzutauchen und aus ihm emporzustreben. Es war ein ganzer, ein grosser Erfolg.“


    („Signale für die musikalische Welt“ vom 16. Januar 1918, S. 72)


    Profil

    Die Pianistin Ella Jonas-Stockhausen, geb. Jonas, studierte Klavier bei Wilhelm Bopp an der neugegründeten Großherzoglichen Hochschule für Musik in Mannheim sowie bei Ernst Jedlicka in Berlin. Nach ihrem Studium konnte sie sich im Berliner Musikleben etablieren. Sie konzertierte häufig als Solistin, u. a. mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, und gründete mit der Violinistin Pálma von Pászthory und der Cellistin Eugenie Stoltz-Premyslav ein Klaviertrio. In späteren Jahren übernahm Edith von Voigtländer den Violinpart, die Cellistinnen Eugenie Stolz-Premyslav und Lotte Hegyesi teilten sich den Violoncellopart. Die „Triovereinigung Berlin“, wie sich das Kammermusikensemble nannte, trat in den 1910er und 1920er Jahren regelmäßig auf.

    Im Vordergrund der solistischen wie kammermusikalischen Arbeit Ella Jonas-Stockhausens stand das klassisch-romantische Repertoire mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Johannes Brahms, Edward Grieg oder Peter I. Tschaikowsky; Interpretationen von ihr sind auf mehreren Welte-Mignon-Rollen erhalten. Spätestens ab 1907 unterrichtete Ella Jonas-Stockhausen zudem am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium.


    Ab 1933 wurde Ella Jonas-Stockhausen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt, überlebte jedoch die NS-Zeit, vermutlich in Berlin. Über ihren weiteren Lebensweg ist nichts Näheres bekannt; in „Kürschners Musikkalender“ aus dem Jahr 1954 wurde Ella Jonas-Stockhausen nach wie vor als „Konzertpianistin“ in Berlin bezeichnet.

    Orte und Länder

    Ella Jonas-Stockhausen wurde in Dortmund geboren. Ab ca. 1900 studierte sie Klavier an der Großherzoglichen Hochschule für Musik in Mannheim und setzte anschließend ihr Studium in Berlin fort. Dort ließ sie sich dauerhaft nieder. Obwohl Ella Jonas-Stockhausen ab 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde, überlebte sie aller Wahrscheinlichkeit nach die NS-Zeit in Berlin. Spätestens ab 1929 bis mindestens 1954 lebte sie in der Duisburger Str. 4 in Berlin-Wilmersdorf.

    Biografie

    Ella Jonas-Stockhausen wurde am 1. Oktober 1883 in Dortmund geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts bekannt.


    Ab ca. 1900 studierte Ellas Jonas-Stockhausen Klavier bei dem Pianisten und Musikpädagogen Wilhelm Bopp an der 1899 gegründeten Großherzoglichen Hochschule für Musik in Mannheim. Während ihres Studiums spielte sie z. B. am 12. Mai 1902 gemeinsam mit Eduard Kiesel (Violine) und Karl Müller (Violoncello) das Trio c-Moll, op. 101, von Johannes Brahms in einem Vortragsabend der Hochschule (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 4. Juni 1902, S. 345). Auf eine Empfehlung von Eugène d’Albert hin setzte sie ihr Studium anschließend in Berlin bei Ernst Jedliczka fort, möglicherweise am Stern’schen Konservatorium, wo Ernst Jedliczka zu dieser Zeit unterrichtete. Nach Abschluss ihres Studiums, ca. in den Jahren 1904/05, konnte sich Ella Jonas-Stockhausen innerhalb kürzester Zeit im deutschen Musikleben als Solistin, Kammermusikerin und Musikpädagogin etablieren. Dennoch sind ihre Tätigkeiten bislang nur vereinzelt zu benennen.


    Ella Jonas-Stockhausen debütierte am 20. Januar 1905 mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von August Scharrer und spielte in diesem Rahmen das Klavierkonzert b-Moll, op. 23, von Peter I. Tschaikowsky sowie das Klavierkonzert E-Dur, op. 12, von Eugène d’Albert (vgl. Muck 1982, S. 97). Ein Jahr später, am 19. Januar 1906, folgte ein weiteres Konzert mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, wieder unter der Leitung von August Scharrer. Auf dem Programm standen dabei Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven (Es-Dur, op. 73), Wolfgang Amadeus Mozart (d-Moll, KV 466) sowie Johannes Brahms (B-Dur, op. 83) (vgl. Muck 1982, S. 103). Ein Rezensent schrieb im „Musikalischen Wochenblatt“ über das Konzert: „Im Beethovensaal konzertierte […] die Pianistin Ella Jonas mit Unterstützung des Philharmonischen Orchesters. Die junge Künstlerin, die drei grosse Konzerte – Beethoven Esdur, Mozart Dmoll und Brahms Bdur – aufs Programm gesetzt hatte, ist vermöge ihrer den Durchschnitt überschreitenden musikalischen Begabung berechtigt, sich eine so schwierige Aufgabe zu stellen, wenn sie sie auch noch nicht nach allen Richtungen hin gleichmässig bewältigt. Ihre Fingergewandtheit ist ausgezeichnet, und in der Tonbehandlung verrät sie viel musikalische Feinfühligkeit. Fehlt dem Vortrag mitunter noch virtuoser Glanz, so ist er dafür durch Innigkeit und Poesie ausgezeichnet.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 1. Februar 1906, S. 94) Erst vier Jahre später, im Januar/Februar 1910, lässt sich ein weiteres Konzert belegen: Bei einem Abonnementkonzert des Blüthner’schen Orchesters in Berlin spielte Ella Jonas-Stockhausen das Klavierkonzert es-Moll, op. 50, des zeitgenössischen Komponisten Hugo Kaun unter der Leitung von Ferdinand Neisser (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1910, S. 182). Ein weiterer Auftritt fand im Januar 1918 statt. Ella Jonas-Stockhausen konzertierte dabei mit den Klavierkonzerten B-Dur, op. 83, von Johannes Brahms und a-Moll, op. 16, von Edward Grieg im Berliner Beethovensaal, wiederum mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, diesmal unter Leitung eines Gastdirigenten, des aus Düsseldorf stammenden Dirigenten Karl Panzer. Die „Signale für die musikalische Welt“ rezensierten das Konzert enthusiastisch: „Im Beethovensaal gab es einen grossen Abend. Ella Jonas-Stockhausen spielte die Klavierkonzerte op. 83 B-dur von Brahms und a-moll von Grieg. […] Die Solistin blieb […] an restloser Hingabe und Gebelaune nichts schuldig. Kraftvoll fasste sie Brahms’ B-dur-Konzert an, und verteidigte sie ihren symphonischen Solopart dem symphonischen Orchester unter Panzer’s sicherer, geschmeidiger Hand gegenüber mit fast männlicher Energie und erstaunlicher Ausdauer. Die Künstlerin schien mit der enorm schwierigen Aufgabe zu wachsen und, vom Wohllaut des Orchesters stets auf’s neue inspiriert, wie es der Komponist will, in dieses unterzutauchen und aus ihm emporzustreben. Es war ein ganzer, ein grosser Erfolg. Dass dann Grieg’s leicht verständliches Konzert als Abschluss des Abends auch von denjenigen Hörern, die Brahms und Tschaikowsky nicht in ihre vielästige Ideenwelt zu folgen vermochten, mit hellem Jubel aufgenommen wurde, ist selbstverständlich, und des Hervorrufs der beiden Gäste war kein Ende.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom 16. Januar 1918, S. 72) Weitere Auftritte von Ella Jonas-Stockhausen als Solistin sind nicht bekannt. Auch an Soloabenden ist bislang lediglich ein einziges Konzert zu belegen: Am 13. März 1913 gab Ella Jonas-Stockhausen ein eigenes Konzert im Berliner Harmonium-Saal. Das Konzertprogramm ist in der „Ernst Henschel Collection“ erhalten (vgl. Concert Programmes Database); im Jahr 1916 widmete ihr Hugo Kaun zudem seine „Suite im alten Styl“ für zwei Klaviere, op. 81, die sie vermutlich aufgeführt hat; auch hierüber ist nichts Näheres bekannt (vgl. Kaun 1932, Werkverzeichnis).


    Parallel zu ihren Auftritten als Solistin gab Ella Jonas-Stockhausen auch regelmäßig Kammermusikabende. So spielte sie z. B. am 25. Oktober 1909 gemeinsam mit dem Geiger Alexander Petschnikoff im Casino in Kopenhagen ein Konzert, bei dem u. a. die Sonate für Violine und Klavier Es-Dur, op. 18, von Richard Strauss auf dem Programm stand (vgl. Røllum-Larsen 2002). Spätestens im Jahr 1911 gründete sie ein Klaviertrio, das bis mindestens 1929 Bestand hatte – in jeweils wechselnden Besetzungen: Zur so genannten „Triovereinigung Berlin“ gehörten zunächst die Geigerin Pálma von Pászthory , die später durch Edith von Voigtländer ersetzt wurde, den Cellopart übernahmen teils Eugenie Stoltz-Premyslav , teils Lotte Hegyesi. Das Klaviertrio widmete seine Arbeit vorrangig dem klassisch-romantischen Repertoire und bezog dabei u. a. französische, skandinavische und russische Kompositionen in seine Werkauswahl mit ein; zudem musizierte es häufig in erweiterter Besetzung mit anderen Musikerinnen und Musikern. Im Februar 1912 spielte das Trio – in der Besetzung mit Pálma von Pászthory und Eugenie Stoltz-Premyslav – die Klaviertrios C-Dur, op. 87, von Johannes Brahms, F-Dur, op. 18, von Camille Saint-Saëns sowie g-Moll, op. 15, von Bedřich Smetana im Berliner Beethovensaal. Arnold Ebel schrieb darüber in der „Allgemeinen Musikzeitung“: „Man konnte […] konstatieren, daß die Damen, die oft genug im Solospiel ihre bedeutenden technischen und musikalischen Eigenschaften nachgewiesen haben, auch im Zusammenspiel Leistungen von besonderem künstlerischem Charakter erkennen lassen.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 9. Februar 1912, S. 153) In den folgenden Jahren waren die regelmäßigen Kammermusikabende des Klaviertrios, die meistens im Berliner Beethovensaal stattfanden, ein fester Bestandteil des Berliner Musiklebens. So rezensierte die „Allgemeine Musikzeitung“ z. B. einen Kammermusikabend im Frühjahr 1917 in Berlin folgendermaßen: „das sympathische Trio der Damen Ellas Jonas-Stockhausen, Edith von Voigtländer und Lotte Hegyesi vereinigte sich zu seinem letzten (vierten) Kammermusikabend. Beethoven und Brahms umschlossen das D-dur-Trio op. 1 von [Erich Wolfgang] Korngold. An den Vortragenden lag es nicht, wenn das Stück nicht überzeugen konnte; denn bei dieser Vereinigung sind Temperament, makellose Technik und vor allem eine gesunde Musizierfreudigkeit […] stark ausgebildet“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 6. April 1917, S. 232). Auch eine Rezension wenige Monate später zeigt in ihrer Formulierung, dass das Trio etabliert war: „Der erste dieswinterliche Kammermusikabend der Trio-Vereinigung Ella Jonas-Stockhausen, Edith von Voigtländer und Lotte Hegyesi zeigte ihr Zusammenspiel auf einer durchweg erfreulichen Höhe, welche noch immer im Wachsen begriffen scheint. In der klanglichen Einheit sind noch Schatten vorhanden, die eine völlige Verschmelzung oft hemmen, und die durch ein Entgegenkommen der Geigerin an die ruhigere oder vielleicht schlichtere Art der beiden Genossinnen wohl allmählich ganz verschwinden könnten. Es ist aber eine Gemeinsamkeit und Durcharbeitung der Auffassung vorhanden, welche ihrem Zusammenspiel immer neue Möglichkeiten einer feineren Ausgestaltung erschließt. Beethoven, Schumann und Schubert gaben den Inhalt des Abends. In Schumanns Es-dur-Quartett unterstützte mit Takt und Einfühlungsgabe Editha Krengel als Bratschistin, im Forellenquintett außer ihr noch der bewährte Kontrabaß Prof. Skibickis.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 12. Oktober 1917, S. 661) Ein weiterer Kammermusikabend im Februar 1918 (mit Edith von Voigtländer und Lotte Hegyesi) war Kompositionen von Johannes Brahms gewidmet. Auf dem Programm standen das Klaviertrio H-Dur, op. 8, die Violinsonate d-Moll, op. 108, sowie das Klavierquartett A-Dur, op. 26, mit Editha Krengel als Bratscherin (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 13. Februar 1918, S. 146f.). Im November 1919 trat das Trio – in der Besetzung mit Edith von Voigtländer und Eugenie Stoltz-Premyslav – mit dem Klaviertrio Es-Dur, op. 100, von Franz Schubert und Peter I. Tschaikowskys Klaviertrio a-Moll, op. 50, im Berliner Beethovensaal auf. Nach dem Konzert hob der Rezensent besonders die Rolle Ella Jonas-Stockhausens innerhalb des Kammermusikensembles hervor: „Die ausschlaggebende Initiative ruht in dem mit absoluter Sicherheit und künstlerischer Eingebung geführten Klavierpart, dem sich die beiden Streicher gut anpassen.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom 5. November 1919, S. 732) Bei einem Konzert im Februar 1920 trat das Trio dann mit den Klaviertrios c-Moll, op. 66, von Felix Mendelssohn Bartholdy, einer Fantasie von Joseph Marx sowie dem Klavierquintett e-Moll, op. 5, von Christian Sinding auf; für das Klavierquintett wurde das Ensemble durch Charlotte Rosen (Violine) und Frieda Mosheim (Viola) ergänzt (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ vom 11. Februar 1920, S. 123). In einem letzten nachweisbaren Konzert (diesmal mit Edith von Voigtländer als Geigerin und Eugenie Stoltz-Premyslav als Cellistin) hatte sich die Programmgestaltung des Trios wesentlich verändert: Neben Ludwig van Beethovens Klaviertrio Es-Dur, op. 70, Nr. 2, standen nun auch zwei aktuelle Werke auf dem Programm: das Klaviertrio g-moll, op. 4, der 1890 geborenen Komponistin Evelyn Faltis sowie das Klaviertrio E-Dur, op. 19, von Robert Kahn. Ausgerechnet die konservativen „Signale für die musikalische Welt“ rezensierten: „Ein Frauentrio, das sich ruhig mit den bekannten männlichen Vereinigungen messen kann. Gegenseitige Ebenbürtigkeit verbürgt, dass Violine, Violoncello und Klavier an gegebenen Stellen ihre Sonderfarbe leuchten lassen, ohne den Rahmen eines schönen Zusammenspiels zu sprengen.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom 23. November 1921, S. 1103) Weitere Kammermusikkonzerte von Ella Jonas-Stockhausen sind bislang nicht zu belegen.


    Dass Ella Jonas-Stockhausen bereits bei Abschluss ihres Studiums als herausragende Pianistin galt, zeigen zwei vereinzelte Hinweise auf weitere Tätigkeitsfelder: Am 20. Oktober 1905 bespielte Ella Jonas-Stockhausen mehrere Welte-Mignon-Rollen, u. a. mit Anton Arenskis Caprice H-Dur, op. 43 Nr. 6, einer eigenen Bearbeitung von Hermann Bembergs „Nymphenwalzer“, Frédéric Chopins Valse e-Moll, op. post., und Sergej Sapellnikoffs Gavotte E-Dur, op. 4 Nr. 2. Bereits zwei Jahre später, im Jahr 1907, zählte Ella Jonas-Stockhausen zum öffentlich annoncierten Lehrkörper des Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatoriums, wie einer Werbeanzeige des Instituts in der „London Times“ im August 1907 zu entnehmen ist (vgl. „The Times London“ vom 17. August 1907, S. 1).


    Obwohl keine weiteren Konzerte zu belegen sind, blieb Ella Jonas-Stockhausen im Berliner Musikleben als Solistin, Kammermusikerin und Musikpädagogin aktiv. Im 1929 erschienenen „Deutschen Musiker-Lexikon“ wird sie als Konzertpianistin und Kammermusikerin der „Triovereinigung“ bezeichnet. Zu dieser Zeit lebte Ella Jonas-Stockhausen in der Duisburger-Str. 4 in Berlin-Wilmersdorf.


    Während der NS-Zeit wurde Ella Jonas-Stockhausen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und in beiden antisemitischen NS-Musiklexika verzeichnet (vgl. Brückner, Rock 1938; Stengl, Gerigk 1940). Während der Berliner Volkszählung 1939 wohnte sie nach wie vor in der Duisburger Str. 4 in Berlin und wurde dabei als „volljüdisch“ eingestuft; möglichweise überlebte sie die NS-Zeit in Berlin. Zwei Jahre nach der Befreiung, 1947, wurde sie dort von Amerikanern interviewt und wohnte zu dieser Zeit ebenfalls in der Duisburger Str. 4 (s. Bundesarchiv Berlin. „Case Report“; beide Informationen auf Auskunft der Redaktion des „Lexikons verfolgter Musikerinnen und Musiker der NS-Zeit“ [LexM], April 2008). Ein letzter Hinweis findet sich in „Kürschner’s Musikerkalender“ aus dem Jahr 1954: Ella Jonas-Stockhausen wurde auch dort als Konzertpianistin bezeichnet und lebte in der Duisburger Str. 4.


    Über den weiteren Lebensweg von Ella Jonas-Stockhausen ist bislang nichts bekannt.

    Würdigung

    Die verschiedenen Tätigkeiten der Pianistin Ella Jonas-Stockhausen können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden. Fest steht jedoch, dass sie nach ihrem Studium bis in die 1930er Jahre als herausragende Musikerin galt. Hierfür sprechen ihre mehrfachen Auftritte als Solistin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester (ab 1905), die Bespielungen von Welte-Mignon-Rollen (1905), ihre Verpflichtung als Klavierpädagogin an das Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium (spätenstens 1907) sowie ihre Nennung in allen relevanten Musiklexika der Zeit. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde eine weitere berufliche Entwicklung durch die NS-Verfolgung verhindert.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten von Ella Jonas-Stockhausen findet derzeit (Juli 2008) nicht statt. Lediglich im Rahmen der Exilforschung ist ihr Name bekannt (zur zeitgenössischen Rezeption: vgl. „Biografie“).

    Werkverzeichnis

    Bearbeitungen


    Bemberg, Hermann/Jonas, Ella. Paraphrase über Nymphenwalzer, arr. v. Ella Jonas (möglicherweise nur als Aufnahme vorhanden, vgl. „Aufnahmen“)



    Aufnahmen


    Arenski, Anton. Caprice H-Dur, op. 43 Nr. 6 (Welte-Mignon Nr. 856)


    Bemberg, Hermann/Jonas, Ella. Paraphrase über „Nymphenwalzer“ (Welte-Mignon Nr. 854)


    Chopin, Frédéric. Valse e-Moll, op. post. (Welte-Mignon Nr. 858)


    Goldmark, Carl. Ballett-Paraphrase aus der Oper „Die Königin von Saba“ (Welte-Mignon Nr. 853)


    Grieg, Edward. Notturno aus den Lyrischen Stücken, op. 54 Nr. 4 (Welte-Mignon Nr. 855)


    Jensen, [Vorname unbekannt]. Irrlichter h-Moll, op. 17 Nr. 11 (Welte-Mignon Nr. 859)


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. „Consolation“ (Lied ohne Worte) D-Dur, op. 36 Nr. 5 (Welte-Mignon Nr. 857)


    Olsen, [Vorname unbekannt]. Danse norvégienne op. 19 Nr. 1 (Welte-Mignon Nr. 848)


    Olsen, [Vorname unbekannt]. Serenade op. 19 Nr. 2 (Welte-Mignon Nr. 847)


    Sapellnikoff, Sergej. Gavotte E-Dur, op. 4 Nr. 2 (Welte-Mignon Nr. 860)


    Sinding, Christian. Burlesque. Etude mélodique, op. 48 Nr. 5 (Welte-Mignon Nr. 846)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind bislang Aufführungen folgender Werke:


    Albert, Eugène de. Klavierkonzert E-Dur, op. 12

    Arenski, Anton. Caprice H-Dur, op. 43 Nr. 6

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Es-Dur, op. 73

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio Es-Dur, op. 70 Nr. 2

    Bemberg, Hermann/Jonas, Ella. Paraphrase über „Nymphenwalzer“

    Brahms, Johannes. Klaviertrio H-Dur, op. 8

    Brahms, Johannes. Klavierquartett A-Dur, op. 26

    Brahms, Johannes. Klavierkonzert B-Dur, op. 83

    Brahms, Johannes. Klaviertrio C-Dur, op. 87

    Brahms, Johannes. Klaviertrio c-Moll, op. 101

    Brahms, Johannes. Violinsonate d-moll, op. 108

    Chopin, Frédéric. Valse e-Moll, op. post.

    Faltis, Evelyn. Klaviertrio g-moll, op. 4

    Goldmark, Carl. Ballett-Paraphrase aus der Oper „Die Königin von Saba“

    Grieg, Edward. Klavierkonzert a-Moll, op. 16

    Grieg, Edward. Notturno aus den Lyrischen Stücken, op. 54 Nr. 4

    Jensen, [Vorname unbekannt]. Irrlichter h-Moll, op. 17 Nr. 11

    Kahn, Robert. Klaviertrio E-Dur, op. 19

    Kaun, Hugo. „Suite im alten Styl“ für zwei Klaviere, op. 81

    Kaun, Hugo. Klavierkonzert es-Moll, op. 50

    Korngold, Erich Wolfgang. Klaviertrio D-dur, op. 1

    Marx, Joseph. Fantasie

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. „Consolation“ (Lied ohne Worte) D-Dur, op. 36 Nr. 5

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klaviertrio c-moll, op. 66

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert d-Moll, KV 466

    Olsen, [Vorname unbekannt]. Danse norvégienne op. 19 Nr. 1

    Olsen, [Vorname unbekannt]. Serenade op. 19 Nr. 2

    Saint-Saëns, Camille. Klaviertrio F-Dur, op. 18

    Sapellnikoff, Sergej. Gavotte E-Dur, op. 4 Nr. 2

    Schubert, Franz. Klavierquintett A-Dur, op. 114 („Forellenquintett“)

    Schubert, Franz. Klaviertrio Es-dur, op. 100

    Schumann, Robert. Klavierquartett Es-Dur, op. 47

    Sinding, Christian. Klavierquintett e-moll, op. 5

    Sinding, Christian. Burlesque (Etude mélodique), op. 48 Nr. 5

    Smetana, Bedřich. Klaviertrio g-Moll, op. 15

    Strauss, Richard. Sonate für Violine und Klavier Es-Dur, op. 18

    Tschaikowsky, Peter I. Klavierkonzert b-Moll, op. 23

    Tschaikowsky, Peter I. Klaviertrio a-Moll, op. 50


    Widmungsträgerin


    Kaun, Hugo. Suite im alten Styl für zwei Klaviere, op. 81. Magdeburg: Heinrichshofen, 1918 (entstanden 1916).

    Quellen

    Dokumente


    Bundesarchiv, Berlin. Case Report der Intelligence Section ISC Branch Berlin Detachment (Sign.: ehem. BDC, RK D 97, Bild-Nr. 436).



    Literatur


    Artikel „Jonas-Stockhausen, Ella“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Paul Frank (Hg.). 12. Auflage, bearb. v. Wilhelm Altmann. 1926 (verfügbar in wbis – world biographical information system)


    Artikel „Jonas-Stockhausen, Ella“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Jonas-Stockhausen, Ella“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.). 11. Auflage, bearb. von Alfred Einstein. 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Jonas-Stockhausen, Ella“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyklos-Verlag, 1954 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Stockhausen, Ella“. In: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. Hedwig und Ernst Hermann Mueller von Asow (Hg.). Berlin: Walter de Gruyter & Co., 1954.


    Artikel „Stockhausen, Ella“. In: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit. http://cmslib.rrz.uni-hamburg.de:6292/content/home.xml (Stand: 18. Juli 2008)


    Brückner, Hans, Rock, Christa Maria (Hg.). Judentum und Musik: mit dem ABC jüdischer und nichtarischer Musikbeflissener. 3. Auflage. München: Brückner, 1938 (antisemitsches NS-Lexikon).


    Kaun, Hugo. Erlebtes und Erlauschtes, Berlin: Linos, 1932.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Petrak, Albert M. (Hg.). The Reproducing Piano Roll. Welte Piano Roll Catalog. Also Contains Welte-Mignon Piano Roll Listings. MacMike, 1998.


    Røllum-Larsen, Claus. Impulser i Københavns koncertrepertoire 1900-1935 studier i præsentationen af ny, især udenlandsk instrumentalmusik, Århus: AKA Print, 2002.


    Stengel, Theo, Gerigk, Herbert. Lexikon der Juden in der Musik. Mit einem Titelverzeichnis jüdischer Werke, zusammengest. und bearb. v. Theo Stengel und Herbert Gerigk, Berlin 1940 (antisemitisches NS-Lexikon)



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 12. Oktober 1917, S. 661.

    Allgemeine Musikzeitung vom 6. April 1917, S. 232.

    Allgemeine Musikzeitung vom 9. Februar 1912, S. 153.


    Berliner Tageblatt vom 3. März 1915 (Morgenausgabe), S. 9.


    Musikalisches Wochenblatt vom 1. Februar 1906, S. 94.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 4. Juni 1902, S. 345.


    Signale für die musikalische Welt vom 13. Februar 1918, S. 146f.

    Signale für die musikalische Welt vom 16. Januar 1918, S. 72.

    Signale für die musikalische Welt vom 5. November 1919, S. 732.

    Signale für die musikalische Welt vom 11. Februar 1920, S. 123.

    Signale für die musikalische Welt vom 23. November 1921, S. 1103.


    The Musical Times vom 1. März 1910, S. 182.


    The Times London vom 17. August 1907, S. 1.



    Links


    http://www.historische-daten.de/projekte/museum/sterne/stockella.htm

    Im Poesiealbum von Lilly Ibach befindet sich ein Porträtfoto von Ella Jonas-Stockhausen.


    http://www.concertprogrammes.org.uk

    Die britische „Concert Programmes Database“ verzeichnet einige wenige Konzertprogramme von Ella Jonas-Stockhausen.


    http://www3.ub.uni-freiburg.de/index.php?id=2734

    In der Welte-Mignon-Sammlung der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. sind drei von Ella Jonas-Stockhausen bespielte Rollen erhalten.


    http://cmslib.rrz.uni-hamburg.de:6292/content/home.xml

    Das Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit enthält einen Kurzeintrag zu Ella Jonas Stockhausen.

    Forschung

    Drei der Welte-Mignon-Einspielungen von Ella Jonas-Stockhausen werden in der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. aufbewahrt: Edward Griegs „Notturno“ aus den „Lyrischen Stücken“ op. 54 Nr. 4 (Welte-Mignon Nr. 855), Anton Arenskis „Caprice“ H-Dur op. 43 Nr. 6 (Welte-Mignon Nr. 856) sowie die Paraphrase über Hermann Bembergs „Nymphenwalzer“ von Ella Jonas-Stockhausen (Welte-Mignon Nr. 854).


    Die Autobiografie des Komponisten Hugo Kaun (Kaun 1932) gibt keinen näheren Aufschluss über die künstlerischen Verbindungen zu Ella Jonas-Stockhausen.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Ella Jonas-Stockhausen umfasst sowohl ihre Biografie, die bislang nur in Ausschnitten bekannt ist, als auch alle ihre Tätigkeiten. Über eine Vielzahl ihrer Konzerte, über mögliche Konzertreisen, über ihre künstlerischen und privaten Konakte sowie über ihre Schülerinnen und Schüler ist bislang nicht Näheres bekannt.


    Die Erforschung der Familienverhältnisse, besonders die bislang nicht geklärte Identität ihres Mannes, könnten näheren Aufschluss über die Biografie von Ella Jonas-Stockhausen während der NS-Zeit geben.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 26. August 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 11.09.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Ella Jonas-Stockhausen“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11.9.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Ella_Jonas-Stockhausen