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  • Elizabeth Mounsey

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Elizabeth Mounsey
    Lebensdaten:
    geb. in London,
    gest. in London,
    Tätigkeitsfelder:
    Organistin, Gitarristin, Concertina-Spielerin, Pianistin, Komponistin, Musikpädagogin

    Profil

    Die Musikerin und Komponistin Elizabeth Mounsey wurde vor allem durch ihre Kontakte zu Felix Mendelssohn Bartholdy bekannt. Unabhängig davon gehörte sie im 19. Jahrhundert neben ihrer Schwester Ann Mounsey Bartholomew zu den bekanntesten englischen Kirchenmusikerinnen. Nach einem Auswahlverfahren erhielt sie im Alter von 14 Jahren, 1834, eine Organistenstelle an der St. Peter’s Church in Cornhill, wo sie mehr als fünfzig Jahre lang als Kirchenmusikerin wirkte. Parallel konzertierte sie öffentlich und publizierte Werke für Orgel, Gitarre und Klavier sowie – gemeinsam mit ihrer Schwester – Sammlungen für den Gemeindegesang. Nur ein kleiner Teil ihrer Kompositionen ist derzeit zu belegen.

    Orte und Länder

    Elizabeth Mounsey wurde in London geboren und verbrachte dort ihr Leben.

    Biografie

    Elizabeth Mounsey wurde am 8. Oktober 1819 als Tochter von Thomas Mounsey, einem Lebensmittelhändler und Amateurgeiger, und seiner Frau Mary, geb. Briggs, in London geboren. Ihre Schwester Ann Sheppard Mounsey, verheiratete Bartolomew, (1811-1891) wurde ebenfalls professionelle Musikerin.


    Ihre musikalische Ausbildung in Orgel, Klavier und Harmonielehre erhielt Elizabeth Mounsey überwiegend von ihrer acht Jahre älteren Schwester, der Organistin, Pianistin und Komponistin Ann Mounsey Bartholomew (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1891, S. 485). Zudem wandte sie sich der Gitarre zu und hatte dabei Unterricht bei Ferdinand Pelzer, einem der bekanntesten Gitarristen Englands in dieser Zeit. In den Jahren 1833/34 trat sie mehrfach mit dem Instrument auf (vgl. Grove 1879). In der ersten Ausgabe der von Ferdinand Pelzer herausgegebenen Zeitschrift „The Giulianiad or Guitarist’s Monthly Magazine“ von 1833 wurden zwei ihrer Kompositionen veröffentlicht, ein Allegretto für Gitarre sowie der Song „Fair Evening Star“, und über ihr Debüt am 11. April 1833 in der „City of London Tavern“ hieß es: „Miss Mounsey is already a good performer, and it may be mentioned that she is the first female [English guitarist] that has yet been brought before the public“. („Fräulein Mounsey ist bereits eine gute Künstlerin, und es ist erwähnenswert, dass sie die erste weibliche (englische Gitarristin) ist, die bislang vor die Öffentlichkeit gebracht wurde“.; „The Giulianiad“ 1833, zit. n. Button 1997, S. 6).


    Bereits im Alter von 14 Jahren bestand Elizabeth Mounsey das Auswahlverfahren für eine Organistenstelle und wurde 1834 an die St. Peter’s Church in Cornhill berufen, wo sie mehr als fünfzig Jahre lang, bis in die 1880er Jahre, wirkte. Mehrere Referenzen ihrer Bewerbung von 1834 wurden in einem Nachruf zitiert, darunter jene des Dirigenten und Konzertorganisten Samuel Wesley, einem Lehrer ihrer Schwester: „I have heard Miss E. Mounsey perform on the Organ, and consider her fully competent to undertake parochial duty at any church or chapel.“ („Ich habe Fräulein E. Mounsey an der Orgel gehört und erachte sie für überaus kompetent, den Gemeindedienst an jeder Kirche oder Kapelle zu übernehmen.“; Samuel Wesley am 30. Mai 1834, zit. n. „The Musical Times“ vom 1. November 1905, S. 718) Zu ihren Aufgaben gehörte jedoch nicht nur der Orgeldienst, sondern auch der kirchliche Gesangsunterricht von Schulkindern, wie an Ostern 1835 in einem Protokoll der Kirche festgehalten wurde: „ ... and that she [Miss Mounsey] do therefore perform the whole of the accustomed Sunday duty at the organ; and do likewise continue as she hath hitherto to attend regularly and instruct the charity school children attending the church in Psalmody, on the Saturday weekly, and on other convenient or necessary occasions as may be requisite.“ („… und dass sie [Fräulein Mounsey] deshalb den gesamten gewöhnlichen Sonntagsdienst an der Orgel ausführt; und sie wird gleichermaßen fortfahren wie bisher, die Kinder der Armenschule, die die Kirche besuchen, wöchentlich am Samstag in Psalmodie zu unterrichten sowie nach Bedarf bei anderen geeigneten oder erforderlichen Gelegenheiten.“; zit. n. ebd.) Im Jahr 1842 wurde Elizabeth Mounsey zudem zum Mitglied der Londoner Philharmonic Society gewählt.


    An der Orgel von St. Peter’s Church in Cornhill spielte Felix Mendelssohn Bartholdy 1840 und nochmals 1842 während seiner Besuche in London. Noch bis ins hohe Alter wurde Elizabeth Mounsey zu ihm befragt (vgl. u. a. „The Musical Times“ vom 1. November 1897, S. 731). Ihr Schwager William Bartholomew übersetzte mehrere Libretti von Werken Felix Mendelssohn Bartholdys ins Englische, darunter auch „Elijah“. Als Frederick George Edwards 1896 „The history of Mendelssohn’s oratorio ‚Elijah’“ publizierte, überließ ihm Elizabeth Mounsey den Briefwechsel zwischen Mendelssohn Bartholdy und William Bartholomew, den sie von ihrer Schwester geerbt hatte, zur Auswertung (vgl. Edwards 1896).


    Vermutlich konzertierte Elizabeth Mounsey – auch über den Orgeldienst hinaus – regelmäßig. Dabei trat sie nicht nur als Gitarristin und Pianistin auf, sondern auch als Concertina-Spielerin, ein Handzuginstrument, das auf beiden Seiten über einzeln anspielbare Töne verfügt. So begleitete sie z. B. im Dezember 1847 bei einem Konzert, das die Literary and Scientific Institution in Hoddesdon (Grafschaft Hertfordshire) veranstaltete, mit der Concertina die Sängerinnen Miss Steele und Miss Hill in Liedern von Heinrich Proch („Doth she ever think of me“ op. 22) und Johann Wenzel Kalliwoda („Home of Love“), wie die „Musical World“ berichtete: „ Miss Steele gave a very excellent musical entertainment at the Literary and Scientific Institution, on Monday last, which was [...] responded to very agreeably by the most respectable families of the place. [...] The programme was very judiciously selected, and proved highly satisfactory to the audience, who manifested by abundant applause their unanimous acknowledgements. The principal features therein were Proch’s ‚Think of me’ sung by Miss Steele, and Kalliwoda’s ‚Home of Live,’ sung by Miss Hill, both with concertina accompaniments, very artistically executed by Miss E. Mounsey.“ („Fräulein Steele bot letzten Montag in der Literary and Scientific Institution eine sehr herausragende musikalische Unterhaltung, die […] sehr gefälliges Echo bei den angesehensten Familien des Ortes fand. […] Das Programm war sehr verständig ausgewählt und erwies sich als hochgradig zufriedenstellend für das Publikum, das seine einhellige Anerkennung mit reichlich Applaus bekundete. Die Hauptwerke waren Prochs ‚Think of me’, von Fräulein Steele gesungen, und Kalliwodas ‚Home of Live’, von Fräulein Hill gesungen, beide mit Konzertina-Begleitung, die sehr kunstvoll von Fräulein E. Mounsey ausgeführt wurde.“; „The Musical World“ vom 22. Dezember 1847, S. 811.)


    Elizabeth Mounsey schrieb Kompositionen für Orgel, Klavier, Gitarre und Gesang und veröffentlichte gemeinsam mit ihrer Schwester Ann Mounsey Bartholomew zwei geistliche Sammlungen, die „Sacred Harmony. A Collection of Psalm & Hymn Tunes, Chants, &c.“, die 1860 im Londoner Musikverlag T. E. Purday erschien, sowie 1868 die „Hymns of Prayer and Praise with Chants, Kyries etc.“ (London: Brewer & Co). Vermutlich ist bislang nur ein Bruchteil ihrer Kompositionen bekannt.


    Elizabeth Mounsey starb am 5. Oktober 1905 in London.

    Werkverzeichnis

    Elizabeth Mounsey komponierte – zeitgenössischen Berichten zufolge – Werke für Gitarre, Orgel, Klavier und Gesang und gab gemeinsam mit ihrer Schwester Ann Mounsey Bartholomew mehrere Sammlungen für den Gemeindegesang heraus. Ihre Kompositionen sind jedoch bislang kaum erfasst; lediglich einige wenige Einträge sind im britischen Verbundkatalog „Copac“ verzeichnet.


    Songs


    Fair Evening Star. Song (Text: E. J. J.). In: The Giulianiad or Guitarist’s Monthly Magazine Nr. 1, Januar 1833, S. 9-12.


    Four Songs for the Guitarist. London 1845.


    To the honeysuckle („Around the household porch“). Song (Text aus: „Flowers and their kindred thoughts“ von M. A. Bacon). London, 1854.


    One sweetly solemn thought: A sacred song (Text: Phoebe Carey). London: J. A. Turner, 1875/81.



    Instrumentalwerke


    Allegretto für Gitarre. In: The Giulianiad or Guitarist’s Monthly Magazine Nr. 1, Januar 1833, S. 3.



    Bearbeitungen


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Fuge Es-Dur, aus: Vier Stücke für Streichquartett op. 81, arr. für Orgel.



    Sammlungen geistlicher Musik

    Sacred Harmony. A Collection of Psalm & Hymn Tunes, Chants, &c. The words selected from a volume by the Rev. W. J. Hall. Newly arranged for the Organ or Piano Forte. Hg. v. Ann Sheppard Bartholomew und Elizabeth Mounsey. London: T. E. Purday, 1860.

    Hymns of Prayer and Praise with Chants, Kyries etc. Hg. v. Ann Sheppard Mounsey Bartholomew und Elizabeth Mounsey. London : Brewer & Co., 1868.

    Repertoire

    Über das Repertoire von Elizabeth Mounsey ist nahezu nichts bekannt. Lediglich ihre Begleitung zweier Lieder mit der Concertina sind im Konkreten überliefert: Heinrich Prochs „Doth she ever think of me“ op. 22 und Johann Wenzel Kalliwodas „Home of Love“.

    Quellen

    Literatur


    Anonym: Felix Mendelssohn Bartholdy. Died November 4, 1847. In: „The Musical Times“ vom 1. November 1897, S. 729-733.


    Artikel „Mounsey“. In: A dictionary of music and musicians, hg. v. Sir G. Grove, 4 Bde, London 1879 und folgende Auflagen (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Mounsey, Elizabeth“. In: British Musical Biography, hg. v. J. D. Brown/S. S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Mounsey (Elizabeth)“. In: Otto Ebel: Women composers, 3. Aufl. 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Mounsey (Ann Sheppard). In: Black’s Dictionary of Music and Musicians. Hg. v. L. J. De Bekker, 1924 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Bernstein, Jane A. Artikel „Mounsey, Ann (Sheppard)“. In: The new Grove dictionary of women composers. Hg. v. Julie Anne Sadie. London: Macmillan, 1995, S. 337f.


    Bernstein, Jane A. Artikel „Mounsey, Ann (Sheppard)“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Second Edition, hg. v. Stanley Sadie. London: Macmillan, 2001, Bd. 17, S. 235f.


    Button, Stuart W. Julian Bream. The Foundations of a Musical Career. Aldershot: Scolar Press, 1997.


    Edward, Frederick George. The history of Mendelssohn’s oratorio „Elijah“. London: Novello, Ewer & Co, 1896.


    Fornoff, Christine. Artikel „Mounsey, Familie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts (online), hg. v. Freia Hoffmann. http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=mounsey-schwestern (Stand: 16. Oktober 2012).


    Fuller, Sophie. The Pandora Guide to Women Composers. Britain and the United States 1629 – Present. London: Pandora, 1994.


    Gillett, Paula. Musical Women in England 1870-1914. „Encroaching on all Man’s Privileges“. New York: St. Martin’s Press, 2000.


    Pauley, Scott. The Guitar in England: 1800-1924 by Stewart Button. Review. In: Notes, Jg. 49 (1993), S. 1025-1027.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Stratton, Stephen S. Woman in Relation to Musical Art. In: Proceedings of the Musical Association 9 (1882/83), S. 115-146.


    Waddington, Patrick. Artikel „Bartholomew, Ann Shepherd (1811–1891)“. In: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004; online edition, May 2006 http://www.oxforddnb.com/view/article/59342 (Stand: 19. Oktober 2012)


    Wallace, Grace Maxwell. Reminiscences of Felix Mendelssohn-Bartholdy: A social and artistic biography by Elise Polko. Transl. from the German by Lady Wallace. With additional letters addressed to English correspondents, London: Longmans, Green & Co, 1869.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    The Giulianiad or Guitarist’s Monthly Magazine Nr. 1, Januar 1833, S. 9-12.


    The Musical Times vom 1. August 1891, S. 485.

    The Musical Times vom 1. November 1897, S. 731.

    The Musical Times vom 1. November 1905, S. 718.


    The Musical World vom 22. Dezember 1847, S. 811.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=mounsey-schwestern (Stand: 16. Oktober 2012)

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts (online) enthält einen Artikel zu den Schwestern Ann Mounsey Bartholomew und Elizabeth Mounsey.

    Forschung

    Zu Elizabeth Mounsey liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elizabeth Mounsey umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre Kontakte im (Musik-)Leben Englands.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 27494055
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 10403761X

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elizabeth Mounsey“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elizabeth_Mounsey