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  • Elizabeth Chamberlayne

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Elizabeth Chamberlayne
    Lebensdaten:
    geb. in Dartmouth, Devonshire,
    gest.

    Charakterisierender Satz:

    Komponistin, Pianistin, Verbandsmitarbeiterin


    Profil

    Nach ihrem Kompositionsstudium bei Henry Charles Banister und Ebenezer Prout an der Londoner Royal Academy of Music konnte sich Elizabeth A. Chamberlayne im britischen Musikleben als Komponistin etablieren. Ihr Sextett für Streicher, Harfe und Flöte mit dem Titel „Ariel“ wurde 1895 im Rahmen der Crystal Palace Concerts uraufgeführt. In den folgenden Jahrzehnten publizierte sie zahlreiche Kompositionen in Londoner Musikverlagen, darunter Werke für Klavier und Orgel, Lieder und Duette sowie Kammermusik.

    Orte und Länder

    Elizabeth A. Chamberlayne wurde im englischen Dartmouth, in der Grafschaft Devonshire, geboren. Sie studierte ab Ende der 1880er Jahre an der Londoner Royal Academy of Music. Im Jahr 1896 lebte sie in 30 Victoria Road, in Upper Norwood im Süden Londons, sowie in Stagbury, Banstead in der Grafschaft Surrey. Um das Jahr 1900 hatte sie sich in der 16 Belvedere Road, Norwood, in London S. E. niedergelassen (vgl. Warriner 1896; Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft 1 [1900], S. 2).

    Biografie

    Elizabeth A. Chamberlayne wurde am 7. November 1869 im englischen Dartmouth, in der Grafschaft Devonshire geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Ab Ende der 1880er Jahre studierte sie an der Londoner Royal Academy of Music das Fach Komposition und wurde dabei von Henry Charles Banister in Kontrapunkt und Fuge sowie von Ebenezer Prout in Formenlehre und Instrumentation unterrichtet. 1894 erhielt sie den 2. „Prix d’honneur“ beim internationalen Kompositionswettbewerb Laeken-Brüssel.


    Ab 1894 trat Elizabeth A. Chamberlayne mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit. So wurde z. B. im Mai 1894 ein Andante und Scherzo für Violine und Klavier von dem seinerzeit bekannten Geiger René Ortmanns und der Pianistin Ada L. Boden im Rahmen eines Konzerts der Musical Artists’ Society in der Londoner St. Martin’s Town Hall aufgeführt (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1894, S. 411). Am 23. Februar 1895 spielte das Crystal Palace Orchestra unter der Leitung von Frederic Hymen Cowen die Uraufführung von Elizabeth A. Chamberlaynes Sextett „Ariel“ für Streicher, Harfe und Flöte. Die „Musical Times“ rezensierte: „A decidedly graceful and effective novelty was introduced in Miss E. A. Chamberlayne’s ‚Ariel’, a dainty Scherzo for strings, harp, and flute, which was beautifully played and very cordially received.“ („Eine wirklich anmutige und wirkungsvolle Novität wurde mit Miss E. A. Chamberlaynes ‚Ariel’ eingeführt, ein leichtes Scherzo für Streicher, Harfe und Flöte, das schön gespielt und warmherzig aufgenommen wurde.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1895, S. 234) Wenige Monate später, im Juni 1895, führte die Musical Artists’ Society wiederum in der St. Martin’s Townhall mehrere von Elizabeth A. Chamberlaynes Stücken für Violine und Klavier op. 4 auf. Die Rezension der „Musical Times“ ist der einzige Beleg für einen Auftritt der Komponistin als Pianistin: „Miss E. A. Chamberlayne, assisted by Miss E. A. Dauncey, brought forward three little pieces for pianoforte and violin from her own pen, entitled ‚Berceuse,’ ‚Legend,’ and ‚Cradle Song,’ notable for tenderness and simplicity.“ („Miss E. A. Chamberlayne, unterstützt von Miss E. A. Dauncey, stellte drei kleine Stücke für Klavier und Violine mit den Titeln ‚Berceuse’, ‚Legend’ und ‚Cradle Song’ aus ihrer eigenen Feder vor, die hinsichtlich ihrer Zartheit und Einfachheit bemerkenswert waren.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1895, S. 478)


    In den folgenden Jahren veröffentlichte Elizabeth A. Chamberlayne ihre Kompositionen kontinuierlich in verschiedenen Londoner Verlagen, u. a. bei Augener & Co, bei E. Donajowski, bei Novello, Ewer & Co und bei Broadhouse. Darunter befinden sich Klavier- und Orgelwerke, Lieder und Duette sowie Kammermusik. Zwei Symphonien, die vor 1898 entstanden, sowie Ouvertüren und eine Oper blieben Manuskripte (vgl. Brown/Stratton 1897). Am 29. März 1912 veranstaltete Elizabeth A. Chamberlayne ein Konzert mit eigenen Werken in der Londoner Æolian Hall, das die „Musical Times“ lediglich in einer kleinen Randnotiz vermerkte: „A concert of her own compositions given by Miss E. A. Chamberlayne at Æolian Hall on March 29 revealed the ease and refinement, rather than the inspiration of technical merit of her style.“ („Ein Konzert mit eigenen Kompositionen, das Miss E. A. Chamberlayne in der Æolian Hall am 29. März veranstaltete, zeigte eher Leichtigkeit und Raffinesse als Inspiration und technische Verdienste ihres Stils.“; „The Musical Time“ vom 1. Mai 1912, S. 320)


    Elizabeth A. Chamberlayne war sowohl Mitglied in der „Royal Musical Association“ als auch in der „Internationalen Musikgesellschaft“. Dabei nahm sie auch an den Kongressen der Organisationen teil und beteiligte sich rege an den Vortragsdiskussionen (vgl. u. a. Proceedings of the Musical Association 27 [1900/01], S. 191; Proceedings of the Musical Association 25 [1898/99], S. 174). In der Diskussion zu Joseph Goddards Vortrag „The Philosophy of the Higher Beauty of Music“ legte sie ihre eigene Sicht auf das Komponieren und ihre Vorgehensweise dar: „Might I say it is rather the language of the soul? Language is the expression of the body, but music seems to be above that; although it does express something definite. For instance, in writing a symphony – I have written two myself – I do not always have a poem in my mind when I write [...]. Having my idea, I consider first the architecture of the work, such as form in the different movements, then harmony, detail, & c.; but the actual music seems to come to me altogether from a different source. I should think abstract music is a kind of soul language, and that it all depends on the nervous system of the writer. If you possess a very refined nervous system, I consider you are more likely to write an altogether higher class of music.“ („Darf ich sagen, dass sie [die Musik] eher eine Sprache der Seele ist? Sprache ist eine Ausdrucksform des Körpers, aber Musik scheint darüber zu stehen, auch wenn sie etwas Bestimmtes aussagt. Beim Schreiben einer Symphonie z. B. – ich habe selbst zwei geschrieben – habe ich nicht immer ein Gedicht in meiner Vorstellung während ich schreibe [...]. Wenn ich meine Idee entwickle, dann plane ich als erstes die Architektur des Werkes, solche Dinge wie die Form der verschiedenen Sätze, dann Harmonik, Details etc.; aber die Musik selbst scheint aus einer anderen Quelle zu kommen. Ich möchte glauben, dass abstrakte Musik eine Art Seelensprache ist, und dass alles vom Nervensystem des Komponisten abhängt. Wenn Sie ein sehr empfindliches Nervensystem haben, dann, so vermute ich, sind Sie eher dafür gemacht, eine höhere Art von Musik zu schreiben.“; Goddard 1898/99, S. 174)


    Elizabeth Chamberlayne starb 1919 in England (s. Annual Report der Musical Association, in Proceedings of the Musical Association Jg. 46 (1919/20), S. XII).

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige und lückenhafte Werkverzeichnis von Elizabeth A. Chamberlayne wurde unter Mithilfe von Maj-Britt Peters auf der Grundlage von verschiedenen Lexikonartikeln, zeitgenössischen Presseberichten und dem digitalen Verbundkatalog Großbritanniens Copac erstellt. Es ist nach Opuszahlen geordnet. Über die gedruckten Werke hinaus verweisen Brown und Stratton in der „British Musical Biography“ auf weitere Kompositionen im Manuskript, darunter zwei Symphonien, mehrere Ouvertüren und eine Oper (vgl. Brown/Stratton 1897).


    Gavotte-Caprice für Klavier op. 1 Nr. 1. London: E. Donajowski, 1896.


    Romance für Klavier op. 1 Nr. 2. London: E. Donajowski, 1896.


    Meditation D-Dur op. 2 Nr. 1 für Orgel. London: Broadhouse, 1895.


    Meditation cis-Moll op. 2 Nr. 2 für Orgel. London: Broadhouse, 1895.

    Meditation fis-Moll op. 2 Nr. 3 für Orgel. London: Broadhouse, 1895.


    Three studies. Für Klavier, op. 3. London: E. Donajowski, 1896.

    1. Romance – 2. Study Des-Dur – 3. Study.


    Andante und Scherzo für Violine und Klavier, o. op. (UA 1894)


    Ariel. Sextett für Streicher, Harfe und Flöte, UA 1895.


    Cradle Song. Für Violine und Klavier, op. 4 Nr. 1. London: Augener & Co, 1895.


    Berceuse für Violine und Klavier (Violine II ad. lib.), op. 4 Nr. 2. London: Augener & Co, 1895.


    Legend für Violine und Klavier (verm. op. 4 Nr. 3), UA 1895.


    A Song to Spring. Für zwei Frauenstimmen. Text von M. C. T., op. 6 Nr. 2. London & New York: Novello, Ewer and Co, 1893.


    Minuet C-Dur für Klavier op. 9 Nr. 1. London: E. Donajowski, 1896.


    Minuet D-Dur für Klavier op. 9 Nr. 2. London: E. Donajowski, 1896.


    Melody A-Dur op. 10 Nr. 1 für Orgel. London: Broadhouse, 1896.


    Adagio C-Dur op. 10 Nr. 2 für Orgel. London: Broadhouse, 1896.

    Andante F-Dur op. 10 Nr. 3 für Orgel. London: Broadhouse, 1896.


    Mazurka B-Dur für Klavier op. 12 Nr. 1. London: E. Donajowski, 1896.


    Mazurka a-Moll für Klavier op. 12 Nr. 2. London: E. Donajowski, 1896.


    Mazurka D-Dur für Klavier op. 12 Nr. 3. London: E. Donajowski, 1896.


    Mazurka c-Moll für Klavier op. 12 Nr. 4. London: E. Donajowski, 1896.


    Album Leaf. Für Klavier, op. 13 Nr. 1. London: E. Donajowski, 1896.


    Fugitive Thought. Für Klavier, op. 13 Nr. 2. London: E. Donajowski, 1896.


    The Hope of Love. Song. Text von G. Breton, op. 15 Nr. 1. London: Monte Carlo Publishing Co, 1905.


    Nightingale sing to the silver Moon. An Evening Song. Text von D. J. Hartley, op. 15 Nr. 2. London: Monte Carlo Publishing Co, 1905.


    Klaviersonate Nr. 1 f-Moll op. 16 Nr. 1. London & New York: Novello, Ewer & Co, 1893.


    Klaviersonate Nr. 2 Es-Dur op. 16 Nr. 2. London & New York: Novello, Ewer & Co, 1893.


    Lyrica Amoris. 10 short Songs op. 20. Text von J. Noel. London: Paterson & Sons, 1905.

    Darin u.a. 1. Think in Memory – 2. "No" and "Yes." From the Lyrica Amoris.


    Romanze für Klavier, op. 22 Nr. 3.


    Although another’s Name I bear. Song. Text von E. M. Gordon, op. 66 Nr. 3. London: Weekes & Co, 1911.

    The Days of the Year. Die Tage des Jahres. Les Jours de l’Année. Für Klavier. London: A. Lengnick & Co, 1911.

    Sons of Might. Empire Song. London: Weekes & Co, 1914.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Chamberlayne, Elizabeth Amelia“. In: National portrait gallery of British musicians. J. Warriner (Hg.). 1896 (verfügbar in wbis – world biographical information system)


    Artikel “Chamberlayne, Miss E. A.”. In: British Musical Biography. J. D. Brown, S. S. Stratton (Hg.). 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Ebel, Otto. Women composers. 3. Aufl. 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Goddard, Joseph. The Philosophy of the Higher Beauty of Music, in: Proceedings of the Musical Association, Jg. 25 (1898/99), S. 157-175 (mit anschließendem Diskussionsprotokoll).


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.

    Forschung

    Zu Elizabeth A. Chamberlayne liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elizabeth A. Chamberlayne umfasst ihre Biografie und ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 23.07.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elizabeth Chamberlayne“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.7.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elizabeth_Chamberlayne