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  • Elise Schmezer

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Elise Schmezer
    Geburtsname: Elise Kratky
    Varianten: Elise Schmetzer, Elisa Schmezer, Elisa Kratky, Elisa Schmetzer
    Lebensdaten:
    geb. um in , verm. Österreich-Ungarn
    gest. nach

    Die Lebensdaten von Elise Schmezer sind bislang unbekannt. Vermutlich wurde sie um 1810 in Österreich-Ungarn geboren und starb nach 1856.
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Sängerin, Pianistin

    Profil

    Die Sängerin, Pianistin und Komponistin Elise Schmezer wurde vermutlich in Graz musikalisch ausgebildet. Nach ihrer Heirat mit dem Sänger und Regisseur Friedrich Schmezer lebte sie in Braunschweig und trat zwischen 1848 und 1856 vorrangig mit Lied- und Klavierkompositionen an die Öffentlichkeit; 1853 wurde ihre Oper „Otto der Schütz“ am Braunschweiger Hoftheater uraufgeführt.

    Mehrere ihr gewidmete Kompositionen belegen zudem, dass Elise Schmezer in den 1840er und 1850er Jahren auch als Pianistin im Braunschweiger Musikleben präsent war. Dennoch ist bis heute nur wenig über ihre Biografie, ihre Tätigkeiten und ihre Kompositionen bekannt.

    Orte und Länder

    Die Aufenthaltsorte von Elise Schmezer sind bislang nicht genau zu datieren. Elise Schmezer wurde um 1810 vermutlich in Österreich-Ungarn geboren und wuchs in Graz auf. Nach ihrer Heirat folgte sie möglicherweise ihrem Mann nach Frankfurt a. M. (1831 bis 1836) und ließ sich ab 1836 mit ihm in Braunschweig nieder, wo sie bis mindestens 1853 lebte. Über ihren weiteren Lebensweg ist bislang nichts bekannt.

    Biografie

    Elise Schmezer wurde um 1810 als Elise (Elisa) Kratky vermutlich in Österreich-Ungarn geboren; ihr genauer Geburtsort ist bislang unbekannt. Ihr Vater, Josef Kratky, war Musikpädagoge und unterrichtete von 1819 bis 1830 Trompete, Horn und Posaune an der Schule des Steiermärkischen Musikvereins in Graz. Elise Schmezer wurde – ebenso wie ihre Schwester Anna Kratky – musikalisch ausgebildet, vermutlich in Gesang und am Klavier, und trat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Graz als Sängerin auf (vgl. Artikel „Kratky, Familie“).


    In den 1830er Jahren heiratete Elise Schmezer den Sänger, Regisseur und Komponisten Friedrich Schmezer (1807-1877), der um 1830 für kurze Zeit am Grazer Theater als Tenor engagiert war. Von 1831 bis 1836 sang Friedrich Schmezer an der Oper in Frankfurt a. M. und erhielt 1836 einen Ruf an das Braunschweiger Hoftheater, an dem er über vierzig Jahre lang als Sänger und Regisseur aktiv blieb. Ob Elise Schmezer ihrem Mann bereits 1831 nach Frankfurt a. M. folgte, ist bislang unbekannt, in späteren Jahren lebte sie mit ihm in Braunschweig; die Ehe wurde möglicherweise geschieden (vgl. Artikel „Schmezer, Friedrich“ in Kutsch/Riemens 1997).


    In Braunschweig konnte sich Elise Schmezer als Komponistin etablieren und gilt bis heute neben Caroline Wiseneder als eine der beiden wichtigsten Braunschweiger Komponistinnen des 19. Jahrhunderts (vgl. Schmitz 1991, S. 81). Zwischen 1848 und 1856 erschienen zahlreiche ihrer Lieder in verschiedenen Verlagen, darunter Mayer (Braunschweig), Heinrichshofen (Magedeburg), Schlesinger (Berlin), Damköhler (Berlin), Bachmann (Hannover) und Luckhardt (Kassel); weitere Auflagen wurden bis 1866 gedruckt. Einige ihrer Lieder wurde am 28. Oktober und 7. November 1848 im Braunschweiger Hoftheater aufgeführt (vgl. Schmitz 1991, S. 94). Im Jahr 1851 ließ Elise Schmezer acht Lieder, u. a. „Milde Mandolinenklänge“ (op. 19 Nr. 1), „Das Ständchen: Morgens als Lerche möcht’ ich begrüßen“ (op. 19 Nr. 2) und „Wie schön bist du“ (op. 20 Nr. 2), über den Kasseler Verleger Carl Luckhardt an Louis Spohr zur Beurteilung schicken. Dieser antwortete ihr am 25. April 1851 aus Kassel, dass ihm die Lieder gefielen und sie gut singbar seien, dass ihm jedoch einige Textwiederholungen unangenehm aufgefallen seien und er dafür Lösungsvorschläge anbiete (vgl. Regestkatalog Musikerbriefe in der Österreichischen Nationalbibliothek, s. Links). Die meisten Liedersammlungen Elise Schmezers wurden öffentlich wahrgenommen und in Fachzeitschriften angekündigt bzw. rezensiert, wenn auch häufig zwiespältig. So schrieb z. B. die „Neue Zeitschrift für Musik“ über ihre Liedersammlungen opp. 19 und 20 in der zeittypischen „Kennersprache“ der Musikkritik: „Gegen die früheren Liedercompositionen der Componistin sind diese von besserem Gepräge, d. h. sie hat theils dem Schwulst in der Begleitung entsagt, theils haben die Melodien mehr Zug und Frische. Dem ungeachtet machen sie aber noch keinen recht günstigen Eindruck. [...] Die Empfindung fließt nicht frei von Manier, und stört durch öftere Wiederholung derselben Phrasen. [...] Offenbar sieht man ihnen es an, daß sie mehr wollen als angenehm klingen [...]. Die Componistin muß mehr Selbstkritik üben; denn daraus, daß ihre Lieder vielleicht hier und da gefallen, folgt lange noch nicht, daß sie wirklich gut sind.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 21. November 1851, S. 221f.)


    Bekannt wurde Elise Schmezer durch ihre dreiaktige Oper „Otto der Schütz“ nach einem eigenen Libretto. Die Oper wurde vom Braunschweiger Hofkapellmeister Carl Zabel instrumentiert und am 31. März 1853 am Braunschweiger Hoftheater uraufgeführt. Eine gedruckte Fassung des Librettos ist in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel erhalten.


    Neben ihren Tätigkeiten als Komponistin war Elise Schmezer auch als Pianistin und Kammermusikerin im Braunschweiger Musikleben anerkannt, möglicherweise jedoch nur in privatem Rahmen. So sind mehrere Werke von Braunschweiger Komponisten ihr dediziert: Charles Mayer widmete ihr um 1840 seine „Douze Etudes mélodiques pour le Piano-Forte composées et dediées à Madame Elise Schmezer, née Kratky, op. 93“, und Alexander Fesca (1820-1849) widmete ihr sein Klaviertrio c-Moll, op. 31 (vgl. Musikantiquariat Ulrich Düner, Katalog 60, vgl. http://www.musik-druener.de/Kat.60/Kat.60.1.htm, Stand: 8. Januar 2008). Ein Widmungsgedicht des Braunschweiger Bassisten Karl Formes (1815-1889) vom 11. November 1848 benennt Elise Schmezer schließlich explizit als Pianistin: „Poème de six vers dédicacé à la pianiste Elise Schmetzer“ (vgl. Antiquartiatskatalog „L’Autographe S.A.“, Katalog 23, vgl. http://www.autographe.org/catalogues/CAT23.pdf, Stand: 8. Januar 2009).


    Über den weiteren Lebensweg von Elise Schmezer sowie über mögliche weitere musikalische Tätigkeiten von ihr, z. B. als Musikpädagogin, ist bislang nichts bekannt.

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Elise Schmezers ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Kompositionen von Elise Schmezer sowie ihre Oper „Otto der Schütz“ wurden in der zeitgenössischen Öffentlichkeit wahrgenommen und in Fachzeitschriften rezensiert. Dabei waren die Reaktionen jedoch meist eher negativ. So schrieb z. B. ein Rezensent der „Rheinischen Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler“ 1850 einen Verriss über ihre Vier Lieder, op. 10 („Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler“ vom 9. November 1850, S. 149f.), und ein Rezensent der „Neuen Zeitschrift für Musik“ nahm die Oper „Otto der Schütz“ als Vorlage für eine kurze Glosse (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 20. Mai 1853, S. 232).


    Dennoch war Elise Schmezer als Komponistin und vermutlich auch als Pianistin anerkannt. So wurden ihre Kompositionen sowohl in den Hofmeisterschen Musikalienkatalogen des 19. Jahrhunderts (vgl. „Links“) als auch in Franz Pazdíreks „Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker“ (Pazdírek 1904-1910) verzeichnet, und Alfred Michaelis nahm Elise Schmezer 1888 als Komponistin in seinen Band „Frauen als schaffende Tonkünstler“ auf (Michaelis 1888).

    Derzeit (Januar 2009) werden die Kompositionen und Tätigkeiten Elise Schmezers nicht rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Werkverzeichnis Elise Schmezers wurde anhand der Datenbank Hofmeister XIX (vgl. „Links“) sowie nach Michaelis 1888 und Pazdírek 1904ff. erstellt.



    Otto der Schütz. Romantische Oper in drei Akten. Musik Elise Schmezer, Instrumentierung von Carl Zabel. Libretto: Elise Schmezer (Libretto: Braunschweig 1853).


    Lieder ohne Worte, op. 1 (Braunschweig: Meyer 1848).


    Lieder, Romanzen und Balladen für Tenor, op. 4. Erstes Heft der Gesänge. 1. Der Troubadour – 2. Rothe Rose – 3. Thürmerlied (Magdeburg: Heinrichshofen, 1850).


    Lieder, Romanzen und Balladen für Tenor, op. 5. Zweites Heft der Gesänge. 4. Valencia’s Rose – 5. Die Sultanin – 6. Der Zigeunerbube (Magdeburg: Heinrichshofen, ca. 1850).


    Lieder, Romanzen und Balladen, op. 6. Drittes Heft der Gesänge. 7. Wenn ich in dein Auge seh’ (Text: Oettinger) – 8. Ich möchte sterben wie der Schwan (Text: Geibel) – 9. Der Postillon (Text: Gruppe) (Magdeburg: Heinrichshofen, 1850).


    Lieder, Romanzen und Balladen, op. 7. Viertes Heft der Gesänge. 10. Schön Rotraut – 11. Das Geheimnis – 12. Du meine Seele, du mein Herz (Magdeburg: Heinrichshofen, ca. 1850).


    Lieder, op. 8. 1. Neuer Frühling – 2. Der Gruss – 3. Der Csikos – 4. Tyrolerlied (Berlin: Schlesinger, 1851).


    Vier Lieder für hohe Stimme, op. 10. 1. Keine Rosen ohne Dornen. Gondoliera – 2. Auf Posten (Text: Hauff) – 3. Zigeunerlied aus dem Persischen – 4. Felice notte Marietta. Gondoliera (Berlin: Damköhler, 1850; 1853)


    Berg und See, aus Amaranth (Text: Redwitz). Duett für Sopran und Bass mit Pianoforte, op. 11 (Hannover: Bachmann, 1852).


    Zwei Lieder für Bass, op. 12: Jung Walther aus Amaranth (Text: Redwitz) – op. 13: Die Verwandlung (Text: Sander) (Hannover: Bachmann, 1852).


    Ständchen: Mein Liebchen komm, op. 14 (Hannover: Bachmann, 1852).


    Studenten-Schicksal, op. 15 (Hannover: Bachmann, 1852).


    Vier Lieder, op. 16. 1. Frage – 2. Was pocht mein Herz – 3. Frühlingsgruß – 4. Alpensehnsucht (Hamburg: Jowien, 1851).


    Drei Lieder für Sopran (oder Tenor), op. 17. 1. Der Ursprung der Harfe – 2. Du wundersüßes Kind – 3. Was treibt dich umher in der Frühlingsnacht (Hamburg: Böhme, 1853).


    Zwei Lieder, op. 19. 1. Milde Mandolinenklänge – 2. Das Ständchen: Morgens als Lerche möcht’ ich begrüßen (Kassel: Luckhardt, 1851; 1866; ev. auch Weimar: Raabe).


    Zwei Lieder, op. 20. 1. Schön Nelly – 2. Wie schön bist du (Kassel: Luckhardt, ca. 1851; ev. auch Weimar: Raabe).


    Drei Lieder für Mezzo-Sopran (oder Bariton). 1. Rothe Ros’ – 2. Valencias Rose – 3. Wenn ich in dein Auge seh’ (Magdeburg: Heinrichshofen, 1856).

    Repertoire

    Über das Repertoire von Elise Schmezer als Sängerin und Pianistin ist bislang nichts bekannt. Zu vermuten ist, dass sie die ihr gewidmeten Werke, u. a. von Charles Meyer und Alexander Fesca, spielte (vgl. Biografie).

    Quellen

    Dokumente


    Brief von Louis Spohr an Elise Schmezer vom 25. April 1851 aus Kassel. Beiliegend: Konzertanzeige für „Otto der Schütz“ am Braunschweiger Hoftheater am 31. März 1853. Österreichische Nationalbibliothek Wien, Musikerbriefe, Sign.: 950/59-2 (vgl. Links)



    Literatur


    Artikel „Kratky, Familie“. In: Österreichisches Musiklexikon. Rudolf Flotzinger (Hg.). Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2006, Bd. 3, S. 1145f.


    Artikel „Schmezer, Friedrich“. In: Großes Sängerlexikon. Karl Joseph Kutsch, Leo Riemens (Hg.). 3. Aufl., Bern u. a.: Saur, 2003.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Schmitz, Brigitte: Biographischer Beitrag zu Caroline Wiseneder: „Auch die Kunst der Instrumentation machte sie sich zu eigen.“ In: Hartwieg Gisela/Hartwieg Susanne. Caroline Wiseneder geb. Schneider. Pädagogin, Chorleiterin, Komponistin 1807-1868. Materialsammlung. Dokumente und Lebenszeugnisse, Braunschweig: Stadtbibliothek, 1991.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Neue Zeitschrift für Musik vom 27. Juni 1851, S. 283.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 21. November 1851, S. 221.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 25. Februar 1853, S. 98.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 20. Mai 1853, S. 232.

    Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler vom 9. November 1850, S. 149f.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Kompositionen Elise Schmezers.


    http://www.recmusic.org/lieder/s/schmezer_opcat.html

    Die Website „Lied and Art Song Texts“ verweist auf mehrere Vertonungen von Elise Schmezer.


    http://www.musikerbriefe.at/briefe.asp?Nr=7949

    Der Regestkatalog „Musikerbriefe in der Österreichischen Nationalbibliothek“ enthält die Zusammenfassung eines Briefes von Louis Spohr an Elise Schmezer vom 25. April 1851 aus Kassel.

    Forschung

    Elise Schmezer war die Tochter des Grazer Musiklehrers Joseph Kratky. Ihre Schwester Anna Kratky (geb. um 1810) trat bis 1848 als Bühnen- und Konzertsängerin öffentlich auf. Sie war von 1832 bis 1835 am Wiener Theater in der Josefstadt sowie in Prag engagiert und sang anschließend von 1835 bis 1848 an der Oper in Frankfurt a. M. Elise Schmezer war mit dem Sänger und Regisseur Friedrich Schmezer (1807-1877) verheiratet.


    Elise Schmezer gilt neben Caroline Wiseneder als eine der beiden wichtigsten Braunschweiger Komponistinnen des 19. Jahrhunderts und stand in den bisherigen Forschungsarbeiten zumeist in deren Schatten (vgl. Schmitz 1991). Es ist zu vermuten, dass eine sorgfältige Suche in Braunschweiger Archiven näheren Aufschluss über Biografie, Tätigkeiten und Rezeption von Elise Schmezer geben könnte.


    Manuskripte und Drucke einiger Kompositionen Elise Schmezers befinden sich im Privatbesitz von Ronald Fuchs (Brahms-Museum Mürzzuschlag).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elise Schmezer umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 9. September 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 28.09.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elise Schmezer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 28.9.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elise_Schmezer