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  • Elise Polko

    von Viola Herbst
    Elise Polko. Original mit Widmung (Stecher: August Weger)
    Namen:
    Elise Polko
    Geburtsname: Elise Vogel
    Lebensdaten:
    geb. in Wackerbarths Ruh’ bei Radebeul (Naundorfer Flur)/heute: Radebeul, Deutschland
    gest. in München, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Schriftstellerin
    Charakterisierender Satz:

    „Eine Seitenthür öffnete sich und eine sehr zarte, dunkelblonde Frau erschien: Elise Polko. Anmut und Grazie in jeder Bewegung, Innigkeit im Gruße, eben so viel Geist als Seele im Antlitz: eine vollendete deutsche Weiblichkeit, das ganze Wesen fesselnd wie ihre Schriften.“ (Grimm, T. A. von. „Ein Besuch bei Elise Polko“. In: Über Land und Meer. Allgemeine illustrierte Zeitung. F. W. Hackländer (Hg.). Nummer 28. Band 24. 1870, S. 3)


    Profil

    Elise Polko war eine Sängerin aus dem Umfeld von Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, die ihre Gesangskarriere mit Beginn ihrer Ehe aufgab und sich fortan dem Schreiben widmete. Sie veröffentlichte seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu ihrem Tode im Jahre 1899 unzählige Romane, Novellen und Gedichte und erreichte vor allem durch ihre biografisch geprägten, jedoch nicht unkritisch aufgenommenen „Musikalischen Märchen, Phantasien und Skizzen“ einen großen Leserkreis.

    Orte und Länder

    Viele Male hat Elise Polko in ihrem Leben den Wohnort gewechselt: Bereits kurz nach ihrer Geburt in Wackerbarths Ruhe zog ihre Familie zunächst nach Torgau und ein Jahr später nach Krefeld. 1832 folgte Elises Vater dem Ruf aus Leipzig und nahm die Stelle als Direktor der dortigen Bürger- und Realschule an. Als junge Sängerin hatte sie Auftritte im Gewandhaus, aber auch in Dresden, Halle und Frankfurt am Main, sowie in Berlin, wo sie bei Fanny Hensel wohnte. Im Jahre 1847 reiste Elise Vogel nach Paris, um dort Unterricht bei Manuel Garcia zu nehmen, und kehrte 1848 nach Deutschland zurück. Im selben Jahr heiratete sie den Ingenieur und späteren Direktor der Köln-Mindener-Eisenbahn, Eduard Polko, und zog mit ihrem Mann nach Duisburg. Elise Polko veröffentlichte 1852 mit den „Musikalischen Märchen, Phantasien und Skizzen“ ihr schriftstellerisches Debut. Seit dieser Zeit wohnte sie mit Mann und Kind für die nächsten 25 Jahre in der Dienstwohnung im Bahnhof Minden/Westfalen, bevor sie mit ihrer Familie nach Wetzlar und anschließend nach Deutz zog. Nachdem ihr einziger Sohn und 1887 ihr Mann verstorben waren, lebte und arbeitete Elise Polko einige Zeit in Hannover, Wiesbaden, Frankfurt am Main und zuletzt in München bei ihrer Schwester Julie Dohmke.

    Biografie

    Elise Polko wurde am 31. Januar 1823 auf Wackerbarths Ruhe geboren, einem barocken Landsitz und Weinberg-Herrenhaus in der Nähe des heutigen Radebeul. Sie wuchs in einer weltoffenen und musisch anregenden Familie auf. An der auf Wackerbarths Ruhe ansässigen internationalen Knabenschule arbeitete ihr Vater Carl Vogel (1795-1862) zu dieser Zeit als Lehrer für Religion und alte Sprachen. Ihre Mutter, Amalie Vogel (gestorben 1862), war die jüngste Tochter des Schuldirektors Carl Lang (1766-1822). Dieser war nicht nur für die Gründung und Leitung der Erziehungsanstalt bekannt, sondern auch als Schriftsteller und Kupferstecher, der seine Werke – darunter der an die jugendliche Leserschaft gerichtete Mehrteiler „Tempel der Natur und Kunst, Auswahl der interessantesten Darstellungen aus den Reichen der Natur, aus dem Gebiete der Kunst, Sitten und Volksgewohnheiten […]“ (1802ff) – auch unter dem Namen Karl Hirschmann veröffentlichte. „Es war ein reges Leben damals in Wackerbarthsruhe, und das Haus des geistvollen Dr. Lang der Sammelplatz der bedeutendsten Menschen von nah und fern“, wie Elise Polko später schrieb (Polko (1) 1863, S. 27). 1821 wurde Carl Vogel von seinem Schwiegervater in die Schulleitung berufen. Als Carl Lang ein Jahr später verstarb, versuchte Carl Vogel, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, gab die Anstalt jedoch 1823 auf – die „großartige Uneigennützigkeit“ von Carl Lang, aber auch jahrelange Misswirtschaft und „ungeheure Verschwendung“ (vgl. Polko (1), S. 31) hatten die Schule schließlich in den Bankrott getrieben. Nach dem Versuch, in Torgau beruflich Fuß zu fassen, arbeitete Carl Vogel als Rektor der höheren Stadtschule in Krefeld, bis er 1832 mit seiner Frau und mittlerweile fünf Kindern nach Leipzig übersiedelte, um dort die Stelle als Direktor der Bürger- und Realschule anzutreten.

    Elise war das erste Kind von Carl und Amalie Vogel. Sie hatte noch fünf weitere Geschwister, darunter die Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeberin Julie, verheiratete Dohmke (1827-1913), den Afrikaforscher Eduard Vogel (1829-1856) und den Astrophysiker Hermann Vogel (1841-1907). Nicht nur ihrem Vater setzte Elise Polko ein liebevolles schriftstellerisches Denkmal: Mit ihren eindrucksvollen „Erinnerungen an einen Verschollenen. Aufzeichnungen und Briefe von und über Eduard Vogel“ (1863) gedachte sie ihres Bruders, der während einer Forschungsreise im Tschad ermordet wurde, wie sich erst nach mehreren Jahren der Ungewissheit herausstellen sollte.

    Die Musik spielte in der Familie Vogel eine große Rolle. „Der Musiksinn wurde früh in uns Allen durch unsere Mutter geweckt, die ihre Kinderschaar jeden Tag in der Dämmerung um ihr Clavier zu versammeln pflegte“, erinnerte sich Elise Polko. „Da sang sie denn mit ihrer wunderschönen Sopranstimme alte und neue Lieder, und wir sangen sie ihr nach, die Brüder übernahmen dabei die zweite Stimme. Das gab oft ein recht anmuthiges frisches Concert, dem der Vater gar zu gern zu lauschen pflegte, so wie noch mancher Andere.“ (Polko (2) 1863, S. 21). In Leipzig erhielt Elise Polko Gesangsunterricht beim Gewandhauskapellmeister Christian August Pohlenz und später bei Ferdinand Böhme und recht bald Zutritt zum Wirkungskreis von Felix Mendelssohn Bartholdy („Mendelssohn nannte sie sein Singvögelchen“, Pataky 1898, S. 144). Hören konnte man die junge Elise Vogel im Leipziger Gewandhaus, ab 1845 auch in Konzerten in Dresden, Halle und Berlin. Während eines Engagements im Herbst 1847 an der Oper in Frankfurt am Main sang und spielte Elise Vogel in drei Mozart-Opern und war dabei Zerline in „Don Giovanni“, der Cherubim in „Die Hochzeit des Figaro“ und Pamina in „Die Zauberflöte“. 1847 ging Elise Vogel für einige Monate nach Paris, um bei Manuel Garcia ihre Stimme weiter ausbilden zu lassen. Als sie nach Deutschland zurückkehrte, verlobte sie sich mit dem Ingenieur und späteren Direktor der Köln-Mindener-Eisenbahn Eduard Polko und zog mit ihm nach Duisburg. Diesen Schritt kommentierte auch ein Artikel in der Musikpresse: „Die Sängerin Fräulein Elise Vogel aus Leipzig hat sich mit dem preussischen Ingenieur Polko in Ruhrort verheirathet. Sie hat in Leipzig wie in Dresden sich oftmals mit vielem Beifall als Concertsängerin hören lassen, auch in Frankfurt a. M. einige Gastrollen auf der Bühne gegeben. Dem öffentlichen Wirken in der Kunst wird sie nunmehr entsagen.“ (Allgemeine Musikalische Zeitung. 28. Juni 1848. 50. Jg. Nr. 26, S. 432)

    Zwar beendete Elise Polko mit ihrer Heirat ihre öffentliche Gesangskarriere, jedoch bedeutete diese Abkehr von Bühne und Konzertsaal keinesfalls einen Rückzug ins Private. Ganz im Gegenteil. Nach der Geburt ihres Kindes und dem Umzug nach Minden veröffentlichte Elise Polko 1852 mit den „Musikalischen Märchen, Phantasien und Skizzen“ ihr schriftstellerisches Debut. Diese erfolgreiche und in mehreren Auflagen gedruckte Geschichtensammlung bildete den Auftakt zu einer Vielzahl von Veröffentlichungen. Elise Polko beschäftigte sich jedoch nicht nur mit dem Schreiben, sie betätigte sich auch als Förderin von jungen Musikern oder setzte ihren mittlerweile bekannten Namen dafür ein, um beispielsweise für in Not geratene Kolleginnen Spenden zu sammeln (vgl. die „Bitte für eine Clavierlehrerin“. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. 9. April 1873. 8. Jahrgang. Nr. 15. Leipzig. S. 240). Und auch wenn Elise Polko nicht mehr öffentlich als Sängerin zu hören war, so trat sie doch weiterhin im privaten Rahmen auf („Frau Elisens Gesang ist wie ihr ganzes Wesen weiblich, tief seelisch, darum gewinnt er alle Herzen, – man staunt und klatscht nicht wie in der großen Oper, man hört mit wahrer Andacht zu, und ist hingerissen.“ Grimm 1870) und führte ihre Texte so ihrem Publikum vor. Dass dies Eindruck hinterließ, beschrieb auch Sophie Pataky in ihrem „Lexikon deutscher Frauen der Feder“: „Ein grosses eigenartiges Talent ist ihr Vorlesen und ihre ergreifende Deklamation mit Musikbegleitung.“

    Fast 25 Jahre lang lebte Familie Polko in der Dienstwohnung Eduards über dem südlichen Haupteingang des Mindener Bahnhofs, von wo aus „die Schreibende […] seitwärts auf die waldigen Höhen der Porta Westphalica“ blicken konnte (vgl. Grimm 1870). Bedingt durch Eduard Polkos Stelle bei der Bahn, musste die Familie 1877 umziehen und zog nach Wetzlar und etwas später nach Deutz am Rhein. Hier pflegte Elise Polko fünf Monate lang ihren Sohn, der letztlich an der nicht weiter spezifizierten Krankheit starb. Im Februar 1887, vier Jahre nach diesem Schicksalsschlag, verlor sie ihren Mann „nach einer Krankheit von nur vier Tagen“ (vgl. Brief von Elise Polko an Dr. J. Grosse/Schillerverein. Deutz am Rhein. 3. März [1887]. In: Personenakte Elise Polko, Blatt 18). Da Eduard Polko es versäumt hatte, ein Testament zu verfassen oder sich anderweitig um die Versorgung seiner Frau im Falle seines Todes zu kümmern, und ihr darüber hinaus sogar Schulden hinterließ, geriet Elise Polko mit einem Schlag in eine äußerst prekäre Lage. Lediglich ein Monatsgehalt ihres Mannes stand ihr noch zu und die Dienstwohnung nurmehr für die nächsten drei Monate. Scheinbar unermüdlich schrieb Elise Polko weiter („Da nun von keiner Seite irgendwelches Vermögen da ist, so wird u. muss jetzt das Motto meiner Lebensweise dann so heißen: ‚Arbeit.‘“ Brief an Dr. J. Grosse/Schillerverein. 3. März [1887]) und nahm Schülerinnen bei sich auf. Sie bat aber immer wieder auch um finanzielle Hilfe und wandte sich unter anderem an die Schillerstiftung mit der Bitte um Unterstützung.

    Nach dem Verlust ihrer Familie lebte und arbeitete Elise Polko einige Zeit in Hannover, Wiesbaden, Frank¬furt am Main und zuletzt in München bei ihrer Schwester Julie Dohmke, wo sie im Mai 1899 an den Folgen eines Unfalls verstarb.

    Würdigung

    Elise Polko hat in den über 45 Jahren, die sie als Schriftstellerin arbeitete, wie es scheint unentwegt geschrieben und bis zu ihrem Tod über einhundert Titel veröffentlicht („Ihr Fleiss und ihre Schaffensfreude sind fast sprichwörtlich“, Pataky 1898).

    Thematisch bewegte sich Elise Polko in ihren Romanen, Novellen und biografischen Texten zumeist in musikalischen Gebieten. Dabei widmete sie sich bekannten Musikern, Komponisten („Meister der Tonkunst. Ein Stück Musikgeschichte in Biographien“, 1897) und Sängerinnen („Faustina Hasse. Ein musikalischer Roman“, 1860), darüber hinaus aber auch Persönlichkeiten aus der Kunstgeschichte („Aus der Künstlerwelt“, 1858) oder der Welt des Adels („Eine deutsche Fürstin. Pauline zur Lippe“, 1870). Ein weiterer Schwerpunkt ihres Schaffens lag in der Literatur für Mädchen und Frauen, denen sie eine Vielzahl von Bänden mit teilweise moralisch-erzieherischem Charakter widmete („Unsere Pilgerfahrt von der Kinderstube bis zum eignen Herd“, 1862) und für die sie in ihren Anthologien Gedichte zusammenstellte („Dichtergrüße. Neuere deutsche Lyrik“, 1860). Oftmals ließ Elise Polko ihre persönlichen Erfahrungen, die sie während ihrer Gesangskarriere gemacht hatte, in ihre Texte mit biografischem Gepräge einfließen wie etwa in die „Erinnerungen an Felix Mendelssohn-Bartholdy“, (1868).

    Bereits ihre erste Veröffentlichung, die „Musikalischen Märchen“ (1852), war von durchschlagendem Erfolg und wurde in den folgenden Jahren immer wieder aufgelegt und durch neue Geschichten ergänzt. Ebenso verhielt es sich mit den „Dichtergrüßen“, mit denen es Elise Polko gelungen war, für eine jugendliche Leserschaft eine Art Einführung in die neuere Lyrik zu schaffen (vgl. Altner, 2010).

    Es gibt zeitgenössische Lexikoneinträge zu Elise Polko, etwa in Sophie Patakys „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ (1898), aber auch sehr herzliche Nachrufe wie die biografische Skizze von C. Gerhard, welcher der Schriftstellerin „ein warmes poetisches Empfinden und eine Beherrschung der Sprache“ zuschrieb, „die oft selbst wie Musik tönt“ (Gerhard, 1899). Der Literaturhistoriker Hyacinth Holland würdigte Elise Polkos „große Erzählerkunst“ und ihren „wohlfliessenden Feuilletonstil“ (Holland, 1900).

    Rezeption

    Die Beschäftigung mit historischen Persönlichkeiten, vornehmlich Musikern oder Künstlern, markiert mit den „Musikalischen Märchen“ den Beginn ihrer Arbeit als Schriftstellerin und zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben Elise Polkos. Besprechungen gerade dieses erfolgreichen Buches in Musikzeitschriften zeigen, dass die Meinungen darüber nicht eben einhellig waren. Während es zum einen ohne Umschweife empfohlen wurde und „wohl nichts weiter gesagt zu werden braucht, als dass dem musikalischen und unmusikalischen Publikum kaum eine schönere Weihnachtsgabe gemacht werden konnte, als diese Märchen“ (Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler, Bd. 6, 1855), gab es zum anderen immer wieder Unmut seitens Historikern. Ein Kritiker etwa warf Elise Polko ihren ungenauen Umgang mit historischen Daten und Fakten vor, nachdem er eine Geschichte von ihr gelesen hatte, „wovon jede Zeile die auffallendsten Unwahrheiten enthält, und die gänzliche Unbekanntschaft der Verfasserin mit Beethoven’s Lebensverhältnissen und Kunstleitungen beweist“ (Sonnleithner, L.. „Historische Noten zur ‚Leonore‘ von Beethoven“. In: Niederrheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler. Band 5. Köln: 1857, S. 6). Der Beliebtheit der Geschichten aus der Musiker- und Künstlerwelt schienen diese immer wiederkehrenden Kritikpunkte keinen Abbruch zu tun. Auf Grund der Tatsache, dass die „Musikalischen Märchen“ 1922 noch einmal neu aufgelegt wurden, lässt sich annehmen, dass es zu jener Zeit jedenfalls noch ein Interesse an Elise Polkos (musikliterarischen) Texten gab.

    Werkverzeichnis

    Elise Polko hat unzählige Texte selbst geschrieben und ebenso viele Texte anderer Autorinnen und Autoren gesammelt und herausgegeben. Die folgende Auflistung orientiert sich an unterschiedlichen Werkverzeichnissen (u.a. Brinker-Gabler 1986; Gödden/Nölle-Hornkamp 1994) und ist der Versuch, durch Unterkategorien gegenüber einer rein chronologischen Aufzählung mehr Übersichtlichkeit zu erreichen.



    I. Selbständige Veröffentlichungen (Auswahl):

    Über das familiäre Umfeld Elise Polkos


    Notizen und Briefe über und von Dr. Carl Vogel. Ein Lebensbild. Leipzig: Schlicke, 1863.


    Erinnerungen an einen Verschollenen. Aufzeichnungen und Briefe von und über Eduard Vogel. Leipzig: Verlagsbuchhandlung von J.J. Weber, 1863.



    Über das Musikleben und Musiker


    Musikalische Märchen, Phantasien und Skizzen. 3 Bände. Leipzig: Barth, 1852-1872.


    Faustina Hasse. Ein musikalischer Roman. 2 Bände. Leipzig: Schlicke, 1860.


    Die Bettler-Oper. Ein Lebensbild aus der Dichter- und Musikerwelt der Zeit Georgs I. 3 Bände. Hannover: Rümpler, 1864.


    Alte Herren. Die Vorläufer Bachs. Sechs Cantoren der Leipziger Thomasschule. Hannover: Rümpler, 1866.


    Verklungene Akkorde. Gedenkblätter. Berlin: Lesser, 1868.


    Erinnerungen an Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ein Künstler- und Menschenleben. Leipzig: Brockhaus, 1868.


    Nicolo Paganini und die Geigenbauer. Leipzig: Schlicke, 1876.


    Vom Gesange. Musikalische Winke und Lebensbilder. Leipzig: Barth, 1876.


    Unsere Musikklassiker. Sechs biographische Lebensbilder. Leipzig: Schmidt und Günther, 1880.


    Neues Märchenbuch. Musikalische Skizzen und Träumereien. Minden, 1884.


    An den Stufen des Thrones. Eine zehnte Sinfonie. Köln: Bachem, 1888.


    Klingende Geschichten. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1894.


    Meister der Tonkunst. Ein Stück Musikgeschichte in Biographien. Wiesbaden: Lützenkirchen und Bröcking, 1897.


    Lavinia. Die englische Bohème aus der Zeit Georg I. Ein Roman. Leipzig: Schumann, 1903.




    Weitere biographische/historische Texte


    Aus der Künstlerwelt [später: Künstlermärchen und Malernovellen]. Leipzig: Barth, 1858-1863.


    Am Teetisch einer schönen Frau. Erinnerungen an den Kaiser Alexander I. Berlin: Paetel, 1866.


    Auf dunklem Grunde. Frauengestalten aus der französischen Revolution (1793). Leipzig: Dürr, 1869.


    Eine deutsche Fürstin: Pauline zur Lippe. Versuch eines Lebensbildes. Leipzig: Dürr, 1870.


    In der Villa Diodati. Aus der Erinnerung eines Verstorbenen. Münster/Leipzig: Lenz, 1878.


    Die Königin Luise. Portraitskizzen. Berlin: Eckstein, 1881.


    Bedeutende Menschen. Portrait-Skizzen, Lebenserinnerungen und Novellen. Breslau: Schlesischer Buchdruck, 1895.



    Weitere Romane, Novellen und Gedichtbände


    Ein Frauenleben. Roman. Leipzig: Schlicke, 1854.


    Kleine Malereien für die Kinderstube. Leipzig: Schlicke, 1854.


    Mädchenspielzeug. Blumenbilder. Leipzig: Schlicke, 1856.


    Sabbathfeier. Leipzig: Schlicke, 1858.


    Erzählungen für den Silvesterabend. Barmen: Langewiesche, 1860.


    Unsere Pilgerfahrt von der Kinderstube bis zum eigenen Herd. Lose Blätter. Leipzig: Amelang, 1862.


    Genzianen. Skizzenblätter. Münster: Brunn, 1865-1869.


    Sie schreibt! Roman. Leipzig: Schlicke, 1869.


    Haus-Album. Lose Skizzenblätter. Wien: Hartleben, 1870.


    Im Fluge. Reiseblätter und Skizzen. Wien: Gerold, 1874.


    Selam. Blumensprache nebst Lebensbildern. Leipzig: Wölfert, 1876.


    Weder Glück noch Stern. Eine einfache Geschichte. Leipzig: Wölfert, 1876.


    Stephanie. Novelle. Leipzig: Lenz, 1878.


    Umsonst. Roman. Breslau: Schottländer, 1878.


    Damen-Schreibmappe mit Sprüchen für das weibliche Leben und Auszügen aus der Blumen- und Fächersprache. Leipzig: Barthel, 1879.


    Vom Herzen zum Herzen. Eine Plauderei. Leipzig: Koch, 1879.


    Miniaturen und Novellen. Breslau: Schottländer, 1880.


    Ein Familienideal. Roman. Breslau: Schottländer, 1880.


    Stimmungsbilder. Novellen und Skizzen. Breslau: Schottländer, 1881.


    Blumen und Lieder. Eine musikalische Blumensprache. Breslau: Schottländer, 1881.


    Mitgeholfen. Ein Dombaumärchen. Köln: Bachem, 1882.


    Getrennt. Roman. Breslau: Schottländer, 1882.


    Unsere Mama. Novelle. Leipzig: Schulze, 1882.


    Herzensfrühling. Köln: Bachem, 1883.


    Herzensfrühling und Rosenzeit. Novellen. Breslau: Schottländer, 1884.


    Ikarusflügel. Eine Geschichte in vier Bildern. Köln: Bachem, 1886.


    Frohe Augen. Novelle. Köln: Bachem, 1887.


    Dita. Novelle. Köln: Bachem, 1887.


    Aus meiner Welt. Novellen und Skizzenblätter. Breslau: Schottländer, 1887.


    Im Banne der Erinnerung. Novellen, Breslau: Schottländer, 1888.


    Ins deutsche Heim. Grüße aus der Heimat. Wiesbaden: Bechthold, 1889.


    Gesammelte Novellen. Wiesbaden: Bechthold, 1890.


    Kleine Blumen, kleine Blätter. Weimar: Jüngst, 1891.


    Ohne Sang und Klang. Novellen. Weimar: Jüngst, 1891.


    Con amore! Neueste Novellen. Wiesbaden: Bechthold, 1892.


    Verwöhnt. Der Hausfreund. Wenn Wände reden. 3 Novellen. Breslau: Schlesische Verlagsanstalt, 1892.


    Glück und Leid. Roman und Skizzen. Breslau: Braun, 1894.


    Hell und dunkel. Neue Novellen. Köln: Ahn, 1895.


    Verwehte Spuren. Geschichten und Bilder. Dresden: Pierson, 1897.


    Jugendliebe. Novellen. 2. Aufl. Schleswig: Detlefsen, 1898.




    II. Herausgeberschaft (Auswahl)


    Dichtergrüße. Neuere deutsche Lyrik. Leipzig: Amelang, 1860.


    Hausgarten. Sammlung von Zitaten und Gedichten über das Leben der Frau. Leipzig: Frohberg, 1870.


    Ein Frauenalbum. Illustriertes Jahrbuch mit Kalender. Wien: Lit.artist. Anstalt, 1872.


    Kinderstube. Sammlung von Zitaten und Gedichten über Mütter, Kinder und Erziehung. Leipzig: Frohberg, 1873.


    Aus der Fremde. Neue Dichtergrüße aus vieler Herren Länder gesammelt. Breslau: Schottländer, 1879.


    Freundschaftsalbum. Ältere und neuere Dichtersprüche in Poesie und Prosa. Leipzig: Licht und Meyer, 1882.


    From garden and fields. A bouquet of english poems. Berlin: Eckstein, 1883.


    Am stillen Herd. Gedichte und Sprüche aus dem deutschen Dichterschatz. Minden: Bruns, 1884.


    Deutscher Mädchenkalender für das Jahr 1890. Unter Mitwirkung hervorragender Schriftstellerinnen. Berlin: Fried, 1889.


    Deutsches Mädchenjahrbuch. Jahrgang 1891. Berlin: Gnadenfeld, 1891.


    La belle France. Anthologie lyrique. Berlin: Eckstein, 1891.


    Unser Glauben, Lieben, Hoffen. Fromme und ernste Lieder und Verse neuerer und neuester Dichter. Hannover: Sponholtz, 1891.


    Unsere Kinder. Poetische Gedanken und Herzensworte deutscher und ausländischer Dichter. Stuttgart: Greiner und Pfeiffer, 1892.


    Blauveilchen. Ein frischer Strauß deutscher Dichterblüten. Stuttgart: Süddeutsches Verlags-Institut, 1894.

    Repertoire

    Nach ihrem Debut am Gewandhaus im Herbst 1845 mit einer Arie aus „Figaros Hochzeit“ und Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert sang Elise Vogel in vielen Abonnementskonzerten. An der Frankfurter Oper, wo sie 1847 erstmals auf der Bühne stand, spielte sie die Rolle der Pamina (Mozart, Zauberflöte) und der Zerline (Mozart, Don Giovanni).

    Quellen

    Archivalien


    Personenakte Elise Polko, geb. Vogel. 30 Blatt. 1887-1894. Klassik Stiftung Weimar/Goethe Schiller Archiv. Weimar.



    Zeitschriftenartikel (chronologisch)


    Allgemeine Musikalische Zeitung. 50. Jahrgang. 28. Juni 1848. Nr. 26. S. 432.


    „Polko, Elise. Musikalische Märchen, Phantasien und Skizzen, Leipzig, J. A. Barth.“ [Besprechungen neu erschienener Werke]. In: Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler. Band 6. Köln: 1855. S. 15.


    Sonnleithner, L. „Historische Noten zur ‚Leonore‘ von Beethoven“. In: Niederrheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler. Band 5. Köln: 1857. S. 6.


    Grimm, T. A. von. „Ein Besuch bei Elise Polko“. In: Über Land und Meer. Allgemeine illustrierte Zeitung. F. W. Hackländer (Hg.). Nummer 28. Band 24. 1870. S. 3.


    „Bitte für eine Clavierlehrerin“ [Anzeige]. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. 8. Jahrgang. Nr. 15. 9. April 1873. Leipzig. S. 240.



    Nachrufe


    Gerhard, C.. „Zum Andenken an eine Heimgegangene“. In: Junge Mädchen. Ein Almanach. Frida Schanz (Hg.). 5. Jahrgang. Bielefeld und Leipzig: Verlag von Velhagen & Klasing, 1899. S. 187-190.


    Holland, Hyacinth. „Elise Polko“. In: Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Anton Bettelheim (Hg.). 4. Band. Berlin: Verlag Georg Reimer. 1900, S. 124.



    Primärliteratur


    Polko, Elise (1) . Notizen und Briefe über und von Dr. Carl Vogel. Ein Lebensbild. Leipzig: Verlag von Bernhard Schlicke, 1863.


    Polko, Elise (2). Erinnerungen an einen Verschollenen. Aufzeichnungen und Briefe von und über Eduard Vogel. Leipzig: Verlagsbuchhandlung von J.J. Weber, 1863.



    Lexikalische Artikel (chronologisch)


    Rodenberg, Julius (Hg.). „Elise Polko“ [biografischer Text über „unsere Mitarbeiter“ der Ausgabe]. Deutsches Magazin. Illustrirte Monatsschrift. 2. Jahrgang. 1. Band. Berlin: Verlag von Oswald Seehagen, 1862. S. 214.


    Pataky, Sophie. „Elise Polko“. In: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 2. Berlin: Verlagsbuchhandlung von Carl Pataky, 1898. S. 144-145.


    Brümmer, Franz. „Elise Polko“. In: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Allgemeine Deutsche Biografie. Band 53. 1907. S. 95-98.


    Brinker-Gabler, Gisela (Hg.). „Elise Polko“. In: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800-1945. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1986. S. 241-243.


    Sagarra, Eda. „Elise Polko“. In: Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Walther Killy (Hg.). Band 9. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1991. S. 203.


    Gödden, Walter/Nölle-Hornkamp, Iris (Hg.). „Elise Polko“. In: Westfälisches Autorenlexikon 1800 bis 1850. Band 2. Paderborn: Schöning, 1994.


    Nieberle, Sigrid. „Elise Polko“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. neubearbeitete Ausgabe. Ludwig Finscher (Hg.). Personenteil Band 13. Stuttgart und Kassel: J. B. Metzler Verlag und Bärenreiter Verlag, 2005. Sp. 731.


    Altner, Manfred. „Elise Polko“. In: Sächsische Biografie. Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V./Martina Schattkowsky (Hg.). 2010. Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/



    Sekundärliteratur


    Nieberle, Sigrid. FrauenMusikLiteratur. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im 19. Jahrhundert. Stuttgart: J.B. Metzler, 1999.



    Briefwechsel


    Ranft, Gerhard. „Theodor Storm und Elise Polko. Ein bisher unveröffentlichter Briefwechsel“. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft. Karl Ernst Lange und Gerd Eversberg (Hg.). Band 39. Heide in Holstein: Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens und Co., 1990. S. 46-68.


    Links


    Artikel von Manfred Altner über Elise Polko in der „Sächsischen Biographie“: http://saebi.isgv.de/biografie/Elise_Polko_(1823-1899)


    Artikel über Elise Polko im „Literaturportal Westfalen“:

    http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000170&article_id=00000386&author_id=00000447&p=1


    Artikel auf Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Elise_Polko

    mehr zu Quellen weniger zu Quellen

    Einen Überblick über die umfangreiche Korrespondenz von Elise Polko, die sich in unterschiedlichen Archiven befindet, gibt Kalliope (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz/Verbund für Nachlässe und Autographen): http://kalliope-verbund.info/de/search.html?q=Elise+Polko

    Forschung

    Elise Polko ist bislang kaum zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen geworden. Eine Ausnahme ist die Arbeit „FrauenMusikLiteratur. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im 19. Jahrhundert“ (2002) von Sigrid Nieberle. Sie betrachtet Elise Polko (neben weiteren Autorinnen von Musikliteratur) erstmals auch unter musikwissenschaftlichen Gesichtspunkten und rückt ihr schriftstellerisches Schaffen in den Fokus. Dabei stellt Nieberle heraus, dass die Musik selber in der „Massenproduktion musikliterarischer Texte“, wie sie bei Elise Polko vorzufinden ist, keine Rolle spielt, sondern Wissen über eine (gleichwohl in der Form nicht stattgefundene) Musikgeschichte „zerlegt, abgerufen und vom Text vereinnahmt wird, dann wird dieses Verfahren bei Elise Polko kumuliert und repetiert, bis es in den reizüberflutenden Kitsch mündet“ (Nieberle 2002. S. 180). In der neuen Ausgabe der MGG ist zudem ein Artikel zu Elise Polko enthalten, den Sigrid Nieberle geschrieben hat.


    Darüber hinaus gibt es eine Untersuchung des Briefwechsels zwischen Elise Polko und Theodor Storm von Gerhard Ranft, in der der Autor schlussfolgert, dass Polko Storm „in Fragen der Dichtungstheorie unterlegen“ war, weswegen es nicht zu einem diesbezüglich ebenbürtigen Austausch zum Thema Lyrik kam (vgl. Ranft 1990. S. 46).

    Forschungsbedarf

    Eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Elise Polkos Biografie steht noch aus. Einige Punkte wie etwa Elise Polkos Wirken als Förderin fanden in biografischen Ausführungen über sie bislang gar keine Beachtung. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage nach ihrer Selbstdarstellung und dem Bild, das sie von sich für die Öffentlichkeit zeichnete. Die wenigen biografischen Artikel, die über sie zu ihren Lebzeiten geschrieben wurden, sind vermutlich von ihr selbst stilisiert worden (vgl. Nieberle 2002. S. 167). Ein anderer Aspekt, der bislang keine Berücksichtigung gefunden hat, ist auch ihre Arbeit als Musikschriftstellerin: auf welcher Grundlage sind ihre (biografischen) Texte entstanden? Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Verlagen? Diesbezüglich stellt sich auch die Frage nach ihrer Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden. Aufschlussreich dürften dabei der Einbezug und die Auswertung von erhaltenen Arbeitsverträgen und Korrespondenzen sein, die mit Ausnahme des Storm-Briefwechsels noch gar nicht untersucht wurden.


    Das am Forschungszentrum für Musik und Gender (Hannover) angesiedelte Dissertationsprojekt von Viola Herbst widmet sich unter anderem diesen Fragen.

    Normdaten

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    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116263008
    Library of Congress (LCCN): nr92025889
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Viola Herbst


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 10.06.2016
    Zuletzt bearbeitet am 05.07.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Viola Herbst, Artikel „Elise Polko“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.7.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elise_Polko