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  • Elisabeth Jeppe

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Elisabeth Jeppe.
    Namen:
    Elisabeth Jeppe
    Lebensdaten:
    geb. in Schwerin, Deutschland
    gest. in Schwerin, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Ihre Spezialität ist Chopin; mit ganz besonderer Vorliebe und außerordentlichem Gelingen hat sie sich in die Muse des träumerischen Tondichters versenkt und weiß dem poesieerfüllten Inhalt in feinsinnigster Weise gerecht zu werden.“


    (Anna Morsch über Elisabeth Jeppe, in: Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin 1893, S. 174)


    Profil

    Elisabeth Jeppe wurde von herausragenden Pianisten und Musikpädagogen ihrer Zeit ausgebildet, darunter August Goltermann, Theodor Kullak, Sigmund Lebert, Dionys Pruckner, Xaver Scharwenka und Franz Liszt. Nach ihrem Studium konnte sie sich im deutschen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren: Sie konzertierte mehrfach mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und trat mit Musikerinnen und Musikern wie den Pianisten Xaver Scharwenka und den Geigern Henri Marteau und Woldemar Meyer auf; 1889 wurde sie zur großherzoglich-mecklenburgischen Hofpianistin ernannt. Parallel zu ihrer künstlerischen Laufbahn unterrichtete Elisabeth Jeppe von Ende der 1880er Jahre bis mindestens 1900 am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium.

    Orte und Länder

    Elisabeth Jeppe wurde in Schwerin geboren und erhielt dort ihre erste musikalische Ausbildung. Ab 1876 studierte sie an Theodor Kullaks „Neuer Akademie der Tonkunst“ in Berlin, setzte von 1878 bis 1882 ihr Studium am Konservatorium für Musik in Stuttgart fort und studierte zwischen 1882 und 1885 am Scharwenka-Konservatorium in Berlin und bei Franz Liszt in Weimar. 1883/84 versuchte sie kurzzeitig in London Fuß zu fassen, ließ sich jedoch Ende der 1880er Jahre in Berlin nieder, wo sie bis mindestens 1900 am Scharwenka-Konservatorium unterrichtete. In späteren Jahren kehrte Elisabeth Jeppe nach Schwerin zurück.

    Biografie

    Elisabeth Jeppe wurde am 15. Dezember 1863 als Enkelin des Notars Johann Bernhard Otto Jeppe in Schwerin geboren (vgl. Quellen, Peschel 2009). Den ersten Musikunterricht erhielt sie von ihrer Mutter sowie von dem Schweriner Hofpianisten August Goltermann. Von 1876 bis 1878 wurde Elisabeth Jeppe von Theodor Kullak an dessen „Neuer Akademie der Tonkunst“ in Berlin in Klavier unterrichtet und studierte von 1878 bis ca. 1882 Klavier bei Sigmund Lebert und Dionys Pruckner am Stuttgarter Konservatorium für Musik. Anschließend setzte sie ihr Studium bei Xaver Scharwenka an dessen Berliner Konservatorium fort (Leichtentritt 1931, S. 8). Parallel zu ihrem Studium am Scharwenka-Konservatorium gehörte Elisabeth Jeppe auch zum späten Schülerkreis Franz Liszts, den dieser jeweils in den Sommermonaten in Weimar um sich versammelte (vgl. Morsch 1893, S. 174; Lachmund 1970, S. 301).


    Bereits ab 1880 trat Elisabeth Jeppe regelmäßig als Pianistin an die Öffentlichkeit. So spielte sie z. B. im Frühjahr 1880 in einem Rostocker Abonnementkonzert Ludwig van Beethovens Klavierkonzert c-Moll (op. 37) sowie Frédéric Chopins Polonaise As-Dur (op. 53). Ein Rezensent des „Musikalischen Wochenblatts“ urteilte: „Frl. Jeppe hat eine sehr hübsche Technik, doch fehlt es ihr noch an Kraft, was bei dem Concert mit Orchesterbegleitung etwas auffallend war. Ihre Auffassung wird bei fleissigem Studium gewiss noch selbstständiger werden, da das Fräulein noch sehr jung ist und entschiedenes Talent hat.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 16. Juli 1880, S. 373) Am 29. Februar 1883 trat sie in einem Schülerkonzert des Konservatoriums als Solistin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Franz Xaver Scharwenka auf – neben der Pianistin Emma Koch und dem portugiesischen Pianisten und Komponisten José Vianna da Motta, die beide gemeinsam mit ihr studierten (vgl. Muck 1982, S. 4; Leichtentritt 1931, S. 8).


    Ebenfalls noch während ihrer Berliner Studienzeit versuchte Elisabeth Jeppe in London Fuß zu fassen. Sie trat am 12. April 1883 in einem Konzert der „Society of Friends of Foreigners in Distress” in den Londoner Willis’s Rooms unter der Leitung von Sir Jules Benedict und Wilhelm Ganz auf (vgl. Ankündigung in „The Times London” vom 12. April 1883, S. 12) und suchte im Januar 1884 über eine Anzeige in den „London Times” nach Schülerinnen und Schülern: „Fräulein Elisabeth Jeppe (lady pianist) wants a few more PUPILS for finishing lessons, or a first-class school. Highest references from families of rank and distinguished musicians, Stuttgart system. For particulars apply 18, Winchester-road, N.W.” („Fräulein Elisabeth Jeppe (Pianistin) sucht einige wenige zusätzliche Schüler für weiterführenden Unterricht oder eine erstklassige Schule. Beste Referenzen von hochrangigen Familien und ausgezeichneten Musikern, Stuttgarter Methode. Näheres unter 18, Winchester-road, N.W.“; „The Times London” vom 10. Januar 1884, S. 14)


    Vermutlich beendete Elisabeth Jeppe im Oktober 1885 ihr Studium bei Xaver Scharwenka und debütierte am 8. Januar 1886 in einem selbst veranstalteten Konzert offiziell mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Xaver Scharwenka. Auf dem Programm standen das Klavierkonzert f-Moll (op. 21) von Frédéric Chopin, Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll (op. 54) sowie Klaviersoli von Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin und Joachim Raff (vgl. Muck 1982, S. 15). Die „Neue Zeitschrift für Musik“ rezensierte das Konzert zusammen mit dem zeitnah veranstalteten Konzert von Vianna da Motta: „Frl. Elisabeth Jeppe und der jugendliche Vianna da Motta zeigten in den von ihnen veranstalteten, von X. Scharwenka geleiteten Concerten mit Orchester, daß sie nur noch einer ‚einzigen Unze‘ Routine bedürfen, um den Wettkampf mit den Ersten ihres Faches siegreich bestehen zu können.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 19. Februar 1886, S. 80; vgl. auch „Der Klavierlehrer“ vom 15. Januar 1886, S. 19)


    Nach ihrem Studium konnte sich Elisabeth Jeppe viele Jahre lang im deutschen Musikleben als Solistin, Kammermusikerin und Musikpädagogin behaupten, auch wenn ihre künstlerischen und pädagogischen Tätigkeiten nur ungenau und vereinzelt zu rekonstruieren sind. Ende der 1880er Jahre ließ sie sich in Berlin nieder (Morsch 1893) und unterrichtete am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium als Klavierlehrerin. Diese Stelle behielt sie bis mindestens 1900 (vgl. Artikel „Musikerinnen“, 1900; Leichtentritt 1931, S. 8). Über ihre institutionelle und möglicherweise auch private Lehrtätigkeit, über ihre Schülerinnen und Schüler ist bislang jedoch nichts Näheres bekannt. Hugo Leichtentritt zufolge kehrte Elisabeth Jeppe „später“ nach Schwerin zurück (Leichtentritt 1931, S. 8).


    Im Konzertleben blieb Elisabeth Jeppe weiterhin präsent. Sie trat im März 1886 in einem von Xaver Scharwenka veranstalteten Konzert im Berliner Konzerthaus auf (vgl. „Der Klavierlehrer“ vom 1. April 1886, S. 79), konzertierte am 25. November 1886 als Klavierbegleiterin und Konzertpartnerin des damals 12jährigen Geigers Henri Marteau in Leipzig (vgl. Ankündigung im „Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. November 1886, S. 579) und begleitete im Dezember 1886 den Kotzoltschen Gesangverein bei einem Konzert in Berlin; dabei übernahm sie auch den Klavierpart im Klavierquintett Es-Dur (op. 49) von Albert Becker, einem Kompositionslehrer des Scharwenka-Konservatoriums (vgl. „Der Klavierlehrer“ vom 15. Dezember 1886, S. 285). Im November 1889 traten Elisabeth Jeppe und Xaver Scharwenka im 2. Kammermusikkonzert des Leipziger Liszt-Vereins als Klavierduo auf. Dabei spielten sie das Scherzo aus Xaver Scharwenkas Klavierkonzert b-Moll (op. 32) in der Fassung für zwei Klaviere sowie die Variationen über ein Beethovensches Thema für zwei Klaviere von Camille Saint-Saëns (op. 35): „Frl. Jeppe, welche in den beiden Compositionen für zwei Claviere den 1. Part innehatte, hat mit ihrem ebenso fertigen und klaren, als musikalisch warmen Spiel die allseitigste Anerkennung gefunden und den Wunsch nach einer baldigen Wiederbegegnung mit ihr erregt, welche ihr Gelegenheit geben möchte, sich auch als Solistin zu produciren.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 5. Dezember 1889, S. 604f.) Im selben Jahr wurde Elisabeth Jeppe in Schwerin zur großherzoglich-mecklenburgischen Hofpianistin ernannt.


    Gemeinsam mit dem Berliner Philharmonischen Orchester trat Elisabeth Jeppe am 14. Januar 1891 in Berlin unter der Leitung von Gustav F. Kogel mit Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll (op. 21) auf und spielte mit diesem Orchester am 22. März 1893, diesmal unter der Leitung von Rudolf Herfurth, Ludwig van Beethovens Klavierkonzert c-moll (op. 37) (vgl. Muck 1982, S. 39, S. 50). Sie konzertierte am 14. Januar 1896 gemeinsam mit dem Geiger Woldemar Mayer im Leipziger Krystall-Palast (vgl. Die Redenden Künste 1896, S. 561) und gab am 31. Oktober 1899 ein Kammermusikkonzert im Berliner Beethoven-Saal (vgl. „New York Times“ vom 12. November 1899). In der Saison 1903/04 veranstalteten Elisabeth Jeppe und Woldemar Mayer in Hamburg einen Konzertzyklus, bei dem sie sämtliche Violinsonaten Ludwig van Beethovens zur Aufführung brachten (vgl. „Zeitschrift der internationalen Musikgesellschaft“, Jg. 5 [1903/04], S. 136).


    Elisabeth Jeppe starb am 19. Januar 1923 in Schwerin.

    Würdigung

    Die Tätigkeiten von Elisabeth Jeppe können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten Elisabeth Jeppes findet derzeit (März 2009) nicht statt (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Elisabeth Jeppe kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Die folgenden Werke zählten zu ihrem Repertoire:


    Becker, Albert. Klavierquintett Es-Dur, op. 49


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Orchester c-Moll, op. 37

    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur, op. 73

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate D-Dur, op. 12 Nr. 1

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur, op. 12 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate Es-Dur, op. 12 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate a-Moll, op. 23

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate F-Dur, op. 24

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur, op. 30 Nr. 1

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate c-Moll, op. 30 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate G-Dur, op. 30 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur, op. 47

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate G-Dur, op. 96


    Chopin, Frédéric. Konzert für Klavier und Orchester f-Moll, op. 21

    Chopin, Frédéric. Polonaise As-Dur, op. 53


    Saint-Saëns, Camille. Variationen über ein Beethovensches Thema für zwei Klaviere, op. 35


    Scharwenka, Xaver. Konzert für Klavier und Orchester b-Moll, op. 32


    Schumann, Robert. Konzert für Klavier und Orchester a-Moll, op. 54

    Quellen

    Dokumente


    Peschel, Herbert A.: E-mails vom 27. August 2009 an die MUGI-Redaktion und vom 2. September 2009 an Regina Back mit Erläuterungen zur Familiengeschichte des Rostocker Kaufmannes Carl Friedrich Wilhelm Jeppe.



    Literatur


    Artikel „Musikerinnen“. In: Illustriertes Konversations-Lexikon der Frau (o. Hg.). 2 Bde. Berlin: Verlag von Martin Oldenburg, 1900.


    Großherzoglich-Mecklenburg-Schwerinischer Staatskalender. Großherzoglich Statistisches Amt (Hg.). Jg. 141 (1916). Schwerin: Bärensprung, 1916.


    Lachmund, Carl von. Mein Leben mit Franz Liszt. Aus dem Tagebuch eines Liszt-Schülers. Eschwege: G. E. Schoeder-Verlag, 1970.


    Leichtentritt, Hugo. Das Konservatorium der Musik Klindworth-Scharwenka Berlin 1881-1931. Festschrift aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens. Berlin 1931.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.



    Konzertkritiken und Zeitschriftenartikel


    Der Klavierlehrer vom 15. Januar 1886, S. 19.

    Der Klavierlehrer vom 1. April 1886, S. 79.

    Der Klavierlehrer vom 15. Dezember 1886, S. 285.


    Die Redenden Künste 1896, S. 561.


    Musikalisches Wochenblatt vom 16. Juli 1880, S. 373.

    Musikalisches Wochenblatt vom 18. November 1886, S. 579.

    Musikalisches Wochenblatt vom 5. Dezember 1889, S. 604f.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 19. Februar 1886, S. 80.


    New York Times vom 12. November 1899.


    The Times London vom 12. April 1883, S. 12.

    The Times London vom 10. Januar 1884, S. 14.


    Zeitschrift der internationalen Musikgesellschaft, Jg. 5 (1903/04), S. 136.

    Forschung

    Herbert A. Peschel arbeitet derzeit an einer Familiengeschichte des Rostocker Kaufmannes Carl Friedrich Wilhelm Jeppe (1792-1852), zu dessen Nachkommen Elisabeth Jeppe gehört. Ihm verdanke ich Hinweise zu Lebensdaten und Herkunft Elisabeth Jeppes (vgl. Quellen, Peschel 2009).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elisabeth Jeppe umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 19. August 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 20.08.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elisabeth Jeppe“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.8.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elisabeth_Jeppe