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  • Elisa de Try

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Elisa de Try
    Ehename: Elisa de Doutrelon
    Varianten: Elisa de Detry, Elisa de Doutrelon de Try, Elisa Try, Elisa Doutrelon, Elisa Detry, Elisa Doutrelon de Try, Eliza de Try, Eliza de Doutrelon, Eliza de Detry, Eliza de Doutrelon de Try, Eliza Try, Eliza Doutrelon, Eliza Detry, Eliza Doutrelon de Try
    Lebensdaten:
    geb. in Cambrai,
    gest. unbekannt

    Die genauen Geburts- und Sterbedaten von Eliza de Try sind nicht bekannt. Das Geburtsjahr könnte auch 1847 oder 1848 lauten; sie starb zwischen 1911 und 1924.
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Bruxelles. [...] Dimanche, a eu lieu dans la salle du Palais Ducal la distribution des prix du Conservatoire. [...] La séance a été terminée par la transcription de la romance ‚Une larme’, de Lafont, par Servais, admirablement rendue par Mlle Detry, premier prix de violoncelle de cette année; encore une jeune élève dont M. Servais doit être fier! Nous ne saurions quels éloges adresser à Mlle Detry et nous résumerons notre embarras en deux mots: cette jeune personne est excellente musicienne et possède un talent de virtuosité extraordinaire.“


    „Brüssel. [...] Am Sonntag fand die Verleihung der Konservatoriumspreise im Saal des Palais Ducal statt. [...] Das Konzert endete mit einer Transkription von Lafonts Romanze ‚Une larme’ von Servais, bewundernswert gespielt von Mlle. Detry, die in diesem Jahr den ersten Preis in Violoncello erhielt; noch eine junge Schülerin, auf die M. Servais stolz sein kann! Wir wissen nicht, welche Lobreden an Mlle. Detry gerichtet werden könnten, und wir fassen unsere Verlegenheit in zwei Worten zusammen: diese junge Person ist eine hervorragende Musikerin und besitzt eine außergewöhnlich virtuose Begabung.“


    („Le Guide Musical“ vom 1. Dezember 1864, [S. 2])


    Profil

    Die Violoncellistin Elisa de Try wurde in den 1850er Jahren von ihrem Vater, einem Violoncellisten, an ihrem Instrument ausgebildet und studierte von 1863 bis 1865 bei Adrien-François Servais am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel. Von 1865 bis ca. 1872 blieb sie im internationalen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin präsent. Sie konzertierte u. a. in Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal und den Niederlanden und trat dabei in den großen Konzertreihen auf, u. a. in der „Eruditio Musica“ in Rotterdam und den „Concerts populaires“ von Pasdeloup in Paris. Gemeinsam mit der Geigerin Thérèse Castellan unternahm sie 1871/72 eine Tournee durch die USA. Nach 1872 sind keine Konzerte mehr zu belegen. Elisa de Try heiratete den Uhrmacher, Mäzen und Amateurmusiker Oscar Doutrelon und zog sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück.

    Orte und Länder

    Eliza de Try wurde in Cambrai geboren und wuchs dort auf. Von 1863 bis 1865 studierte sie am Conservatoire Royale de Musique in Brüssel und ließ sich anschließend in Paris nieder, wo sie 1885 nach wie vor lebte. Möglicherweise verlegte sie in den späten 1880er Jahren ihren Wohnsitz nach Lille. Konzertreisen führten Eliza de Try durch Frankreich und Belgien sowie nach Spanien, Portugal, in die Niederlande und in die USA.

    Biografie

    Die Violoncellistin Elisa de Try wurde am 2. August 1846 (1847 oder 1848) in Cambrai geboren. Ihr Vater, Charles Detry (1819-1887), war ebenfalls Violoncellist und hatte u. a. in Brüssel Violoncello studiert, die Mutter hieß Clara de Try, geborene Clara Blervacq de Scockart (gest. 1911, vgl. „La Revue Septentrionale“ 1911, S. 160). Der Vater diente als „maître de chapelle“ des Erzbischofs von Cambrai.


    Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Elisa de Try von ihrem Vater, der sie in den folgenden Jahren auch in Violoncello unterrichtete. Möglicherweise erhielt sie zeitweise auch Unterricht von August-Joseph Franchomme, der gebürtig aus Lille stammte. Ab 1862, im Alter von 15 Jahren, spielte Elisa de Try zunächst in mehreren Salons, u. a. in Lille und Paris, und erweckte mit ihrem Spiel Erstaunen. So berichtete z. B. die Zeitschrift „Le Ménestrel“ im März 1862 aus Lille, wo Elisa de Try in einem privaten Salon mit dem „Concerto militaire“ op. 18 von Adrien-François Servais aufgetreten war: „Il y a quelque jours Mme C*** ouvrait ses salons à l’aristocratie de notre ville; elle donnait une soirée musicale; des artistes distingués s’y firent entendre. L’auditoire fut vivement impressionné en voyant paraître une jeune personne de 15 ans, Mlle Elisa de Try, un violoncelle à la main. L’attente était grande; cette jeune fille exécuta le ‚concerto militaire’ de Servais avec un entrain, une énergie, un bonheur au-delà de tout espoir. On ne supposait pas qu’une jeune personne put atteindre à un si haut degré, aussi son succès fut complet, et aujourd’hui on ne s’entretient à Lille que de la nouvelle Sainte-Cécile.“ („Vor einigen Tagen hat Mme. C*** ihre Salons für die Aristokratie unserer Stadt geöffnet; sie gab eine musikalische Soirée, bei der sich herausragende Künstler hören ließen. Das Publikum war starkt beeindruckt, ein junges Mädchen von 15 Jahren, Mlle. Elisa de Try, mit einem Violoncello in der Hand zu sehen. Die Erwartung war groß. Dieses junge Mädchen spielte das ‚Concerto militaire’ von Servais mit einer Begeisterung, einer Energie und einer Freude, die alle Hoffnungen übertrafen. Man hätte nicht vermutet, dass ein junger Mensch ein so hohes Niveau erreichen kann, und so war ihr Erfolg ein umfassender, und heute unterhält man sich in Lille über nichts anderes als über die neue Heilige Cäcilia.“; „Le Mènestrel“ vom 23. März 1862, S. 134) Einen Monat später trat Elisa de Try im Salon des Geigers Henri Herz in Paris auf. Dort spielte sie gemeinsam mit Henri Herz ein Duo für Violine und Violoncello und begeisterte wiederum die Anwesenden: „Une jeune violoncelliste, arrivée tout récemment à Paris, Mlle Elisa de Try, s’est fait entendre jeudi dernier chez M. Henri Herz, devant un public d’artistes et de professeurs. La nouvelle sainte Cécile qui avait tout simplement pour accompagnateur M. Henri Herz, a étonné l’auditoire par la pureté de son coup d’archet et le brio de son jeu. Les Batta, les Jacquard, les Seligmann, ‚e tutti quanti’, n’ont qu’à bien se tenir.“ („Eine junge Violoncellistin, die erst kürzlich in Paris angekommen ist, Mlle. Elisa de Try, hat sich letzten Donnerstag bei M. Henri Herz vor einem Künstler- und Gelehrtenpublikum hören lassen. Die neue Heilige Cäcilia, die keinen geringeren als M. Henri Herz selbst als Begleiter hatte, hat das Publikum mit ihrer Klarheit im Bogenstrich und dem Feuer ihres Spiels überrascht. Die Battas, Jaquards, Seligmanns und alle miteinander sollten sich nur gut festhalten.“; „Le Ménestrel“ vom 20. April 1862, S. 167) Anfang Dezember 1862 trat Elisa de Try gemeinsam mit ihrem Vater auch bei einem öffentlichen Wohltätigkeitskonzert in Boulogne-sur-Mer auf, veranstaltet von der dortigen Société Philharmonique. Zu den weiteren Solisten gehörten der Pianist Sigimund Thalberg und die Sängerin Mme. Oscar Comettant: „Un très-beau concert a été donné mercredi dernier, à Boulogne-sur-Mer, par la Société Philharmonique, au profit des pauvres de cette ville. On y a entendu notre grand pianiste Thalberg [....], Mme Oscar Comettant [...] et une jeune violoncelliste de quinze ans, Mlle de Try, qui exécute les œuvres de Servais avec une audace et un bonheur rares, surtout à son âge. Mlle de Try est élève de son père, violoncelliste distingué lui-même, et qui s’est fait applaudir à côté de sa fille dans un duo de Servais.“ („Am letzten Mittwoch gab es ein sehr schönes Wohltätigkeitskonzert in Boulogne-sur-Mer, das von der dortigen Société Philharmonique für die Armen dieser Stadt veranstaltet wurde. Man konnte dort unseren großen Pianisten Thalberg [...], Mme. Oscar Commettant [...] und eine junge Violoncellistin von 15 Jahren hören, Mlle. de Try, die Werke von Servais mit einer Kühnheit und einer Freude spielte, die selten ist, besonders in ihrem Alter. Mlle. de Try ist Schülerin ihres Vaters, selbst ein bekannter Cellist, der sich an der Seite seiner Tochter in einem Duo von Servais hören ließ.“; „Le Ménestrel“ vom 7. Dezember 1862, S. 7) Selbst in der britischen Zeitung „All the year round“, herausgegeben von Charles Dickens, wurden sie und ihr Vater im Dezember 1862 erwähnt. Dort heißt es unter Anspielung auf den englischen Violoncellisten Robert Lindley: „M. de Try is no musical charlatan, for besides fulfilling his official duties in Cambrai cathedral, he is a masterly performer on the violoncello himself, and, more than that, has made a mistressly violoncellist of his daughter, Mademoiselle Elisa de Try. It is not often that a young lady, scarcely seventeen years of age, reminds us of the tone and expression of Lindley.“ („M. de Try ist, was Musik betrifft, kein Scharlatan, denn abgesehen von seinem regulären Dienst an der Kathedrale von Cambrai ist er selbst ein hervorragender Violoncellist und hat, darüber hinaus, seine Tochter, Mademoiselle Elisa de Try, zu einer meisterhaften Violoncellistin ausgebildet. Es kommt nicht oft vor, dass eine kaum 17jährige junge Dame uns in ihrem Ton und ihrem Ausdruck an Lindley erinnert.“; „All the year round“ vom 20. Dezember 1862, S. 353)


    Von 1863 bis Anfang des Jahres 1865 studierte Elisa de Try Violoncello am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel bei Adrien-François Servais und folgte damit ihrer Vorgängerin, Hélène de Katow, unmittelbar nach. Bereits bei den ersten Jahresprüfungen im Sommer 1864 erhielt sie den ersten Preis im Fach Violoncello. Unter der Leitung von François-Joseph Fétis, zu dieser Zeit Direktor des Conservatoire, trat sie im November 1864 im Preisträgerkonzert auf und spielte eine Bearbeitung von Adrien-François Servais, vermutlich die „Fantaisie caractéristique sur deux célèbres romances de Lafont“ für Violoncello und Orchester op. 8. In seiner Rezension des Konzerts schrieb „Le Guide Musical“ über die Violoncellistin: „Bruxelles. [...] Dimanche, a eu lieu dans la salle du Palais Ducal la distribution des prix du Conservatoire. [...] La séance a été terminée par la transcription de la romance ‚Une larme’, de Lafont, par Servais, admirablement rendue par Mlle Detry, premier prix de violoncelle de cette année; encore une jeune élève dont M. Servais doit être fier! Nous ne saurions quels éloges adresser à Mlle Detry et nous résumerons notre embarras en deux mots: cette jeune personne est excellente musicienne et possède un talent de virtuosité extraordinaire.“ („Brüssel. [...] Am Sonntag fand die Verleihung der Konservatoriumspreise im Saal des Palais Ducal statt. [...] Das Konzert endete mit einer Transkription von Lafonts Romanze ‚Une larme’ von Servais, bewundernswert gespielt von Mlle. Detry, die in diesem Jahr den ersten Preis in Violoncello erhielt; noch eine junge Schülerin, auf die M. Servais stolz sein kann! Wir wissen nicht, welche Lobreden an Mlle. Detry gerichtet werden könnten, und wir fassen unsere Verlegenheit in zwei Worten zusammen: diese junge Person ist eine hervorragende Musikerin und besitzt eine außergewöhnlich virtuose Begabung.“; „Le Guide Musical“ vom 1. Dezember 1864, [S. 2])


    Ab 1865 unternahm Elisa de Try gemeinsam mit ihrem Vater mehrere Tourneen und trat dabei in den großen Konzertreihen europäischer Städte auf. Im Frühjahr 1865 konzertierte sie in Paris in den „Concerts populaires“ von Pasdeloup, die im Cirque Napoléon stattfanden (vgl. „Niederrheinische Musik-Zeitung vom 22. April 1865, S. 123). Anschließend bereiste sie Spanien, wo sie u. a. im Königlichen Konservatorium und im Teatro Rossini in Madrid auftrat: „La jeune et charmante violoncelliste, Mlle Eliza de Try, en ce moment à Madrid avec son père, a conquis du premier coup les dilettantes de la capitale des Espagnes. Son succès y est très-grand.“ („Die junge und charmante Violoncellistin, Mlle. Eliza de Try, befindet sich zu Zeit mit ihrem Vater in Madrid und hat vom ersten Auftritt an die Kenner der Hauptstadt Spaniens für sich eingenommen. Ihr dortiger Erfolg ist sehr groß.“; „Le Guide Musical“ vom 22. und 29. Juni 1865, o. P.) Am 10. Januar 1866 debütierte Elisa de Try in der Musikgesellschaft „Diligentia“ in Den Haag (van der Straeten 1976, Bd. 2, S. 549) und trat am 11. Januar 1866 in der Konzertreihe „Eruditio Musica“ in Rotterdam auf, wo sie u. a. das „Grand Concerto brillant“ op. 48 von Bernhard Heinrich Romberg sowie eine Fantasie von Adrien-François Servais spielte (vgl. „Caecilia. Algemeen Muziekall Tijdschrift van Nederland“ vom 15. Januar 1866, S. 18; vgl. auch „Le Ménestrel“ vom 18. Februar 1866, S. 94). Im September desselben Jahres konzertierte Elisa de Try gemeinsam mit ihrem Vater in Amsterdam, wie die „Niederrheinische Musikzeitung“ vermerkte: „Elisa und Charles de Try (Violoncellisten aus Brüssel) [...]. Die Violoncellistin Elisa de Try, begleitet von ihrem Vater, erregte grosse Theilnahme durch technische Fertigkeit und schönen Vortrag.“ („Niederrheinische Musik-Zeitung“ vom 1. September 1866, S. 274)


    In den folgenden beiden Jahren veranstaltete Elisa de Try mehrere eigene Konzerte in verschiedenen französischen Städten. Im Februar 1867 gab sie ein Konzert in Chalon-sur-Saône und wurde anschließend als Solistin für ein Konzert der „ Société philharmonique de Mâcon“ engagiert: „Nous avons eu la bonne fortune d’entendre vendredi dernier Mlle Elisa de Try, la jeune violoncelliste, élève de Franchomme et du tant regretté Servais. Cette nouvelle virtuose promet de conserver dignement les traditions de ces deux célèbres artistes. A la suite de son brillant concert, elle a été, séance tenante, engagée par la Société philharmonique de Mâcon.“ („Wir hatten das große Glück, am vergangenen Freitag Mlle. Elisa de Try zu hören, die junge Violoncellistin, eine Schülerin von Franchomme und dem betrauerten Servais. Die neue Virtuosin verspricht, die Tradition der beiden großen gefeierten Künstler würdig zu bewahren. Nach ihrem brillanten Konzert wurde sie sofort von der Société philharmonique von Mâcon engagiert.“; „Le Ménestrel“ vom 24. Februar 1867, S. 103) In einem von ihr selbst veranstalteten Konzert am 7. März 1867 in Auxerre trug sie gemeinsam mit ihrem Vater ein bislang unveröffentlichtes „Grand Duo“ für zwei Violoncelli von Adrien-François Servais vor (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik Musik“ vom 29. März 1867, S. 126), und auch ihr Konzert im Juli 1867 in Troyes stieß auf breite Resonanz: „Mlle DeTry, l’habile violoncelliste, vient de donner un concert à Troyes. Son beau talent y a été comme toujours fort apprécié et les journaux de l’endroit chantent des éloges sur tous les tons.“ („Mlle. DeTry, die herausragende Violoncellistin, gab ein Konzert in Troyes. Ihr schönes Talent wurde auch dort, wie immer, sehr genossen, und die regionalen Zeitungen loben sie in den höchsten Tönen.“; „Le Ménestrel“ vom 20. Juli 1867, S. 264) Im Winter 1867/68 unternahm Elisa de Try gemeinsam mit dem Geiger Camillo Sivori eine Konzerttournee, die sie ebenfalls in mehrere Städte Frankreichs führte (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 7. Februar 1868, S. 58). Sie konzertierte im Mai 1869 in Bordeaux gemeinsam mit ihrem Vater bei einem Gedenkkonzert für Hector Berlioz (vgl. „Le Ménestrel“ vom 2. Mai 1869, S. 175), und gab im Juni 1869 mehrere Konzerte in Lissabon („The Musical Standard“ vom 26. Juni 1869, S. 307).


    Parallel zu ihren Auftritten als Solistin engagierte sich Elisa de Try auch in der Kammermusik. Bereits im Februar 1865 berichtete „Le Ménestrel“ von der Gründung eines Damen-Klavierquintetts, an dem die Violoncellistin beteiligt sein und zu dessen Besetzung u. a. die Geigerin Thérèse Castellan gehören sollte: „On annonce un quintette féminin de musique de chambre: violon, Mlles Boulay et Castellan; alto, Mlle Blot; violoncelle, Mlle Elisa de Try; pianiste, Mlle Champain. Les répétitions seraient commencées.“ („Man kündigt ein kammermusikalisches Damenquintett an: Geige, Mlles. Boulay und Castellan; Bratsche, Mlle. Blot; Violoncello, Mlle. Elisa de Try; Pianistin, Mlle. Champain. Die Proben haben begonnen.“; „Le Ménestrel“ vom 12. Februar 1865, S. 88) Auftritte des Quintetts sind jedoch nicht zu belegen. Ab April 1866 übernahm Elisa de Try den Violoncellopart im „Quatuor St. Cécile“ – wiederum als Nachfolgerin von Hélène de Katow –, zu dessen weiteren Mitgliedern die Geigerinnen Jenny Clauss und Fanny Clauss gehörten. Das Ensemble trat u. a. im April 1866 als Klavierquartett – gemeinsam mit der Pianistin Mlle. Taine – bei einem Konzert der Sängerin Célina de Pommeraye auf: „Un dernier mot pour constater le succès obtenu par Mlle Célina de Pommeraye, professeur de chant, dans son concert de mardi [...]. Mlles Jenny et Fanny Clauss, gentiles violonistes, qui sont déja arrivées à la célébrité; Mlle Eliza de Try, dont le talent de violoncelliste se perfectionne tous les jours, et Mlle Taine, dont les brillantes et solides qualités de pianiste ont été une vraie révélation, ont défrayé le programme avec la bénéficaire.“ („Ein letztes Wort, um den Erfolg festzuhalten, den Mlle. Célina de Pommeraye, Gesangsprofessorin, in ihrem Konzert am Dienstag erhalten hat [...]. Mlles. Jenny und Fanny Clauss, zwei hübsche Geigerinnen, die bereits zu Berühmtheit gelangt sind, Mlle. Eliza de Try, deren Können als Violoncellistin sich von Tag zu Tag vervollkommnet, und Mlle. Taine, deren brillante und solide Fähigkeiten als Pianistin eine wahre Offenbarung sind, haben das Konzert gemeinsam mit der Veranstalterin bestritten.“; „La Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 15. April 1866, S. 114). Im März 1867 spielte das Klavierquartett, diesmal mit der Pianistin Mlle. Blot, bei einem Konzert des Violoncellisten M. Norblin in Paris: „M. Norblin [...] nous a donné à son concert, quelques morceaux de choix [...]. A ce même concert, nous avons applaudi le quatuor féminin qui fait décidément son chemin dans le monde: Mlles Clauss sœurs, Blot et de Try.“ („M. Norbelin [...] hat bei seinem Konzert einige Stücke eigener Wahl gegeben [...]. Im gleichen Konzert haben wir auch dem ,Quatuor Féminin‘ applaudiert, das mit Sicherheit seinen Weg in der Welt gehen wird: Die Schwestern Mlles. Clauss, Mlle. Blot und Mlle. de Try.“; „Le Ménestrel“ vom 24. März 1867, S. 132). Bis wann das „Quatuor Féminin“ als Klavierquartett bestand, ist bislang unbekannt.


    Im Winter 1871/72 unternahm Elisa de Try gemeinsam mit der Geigerin Thérèse Castellan eine Tournee durch die USA, auf die „Le Ménestrel“ verwies (vgl. „Le Ménestrel“ vom 14. April 1872, S. 159). Lediglich ein einziger Auftritt dieser Tournee ist bislang zu belegen. Im Dezember 1871 spielten die beiden Musikerinnen als Duo in der New Yorker Academy of Music bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Société Française (vgl. „The New York Times“ vom 8. Dezember 1871). Weitere Konzerte der Violoncellistin sind nicht zu belegen. Elisa de Try heiratete den Uhrmacher, Mäzen und Amateurmusiker Oscar Doutrelon (geb. 1851), der den Doppelnamen Doutrelon de Try annahm. Im Jahr 1885 lebte das Ehepaar in Paris (vgl. Gregoir 1885), in späteren Jahren vermutlich in Lille, der Geburtsstadt von Oscar Doutrelon de Try.


    Elisa de Try starb nach 1911 (vgl. „La Revue Septentrionale“ 1911, S. 160) und vor 1924. Im November 1924 stiftete ihr Mann Oscar Doutrelon de Try zur Erinnerung an seine Frau einen Violoncellopreis am Conservatoire Royal de Bruxelles, d’Anvers, de Gand et de Liège (vgl. „Les Spectacles“ vom 28. November 1924, S. 5).

    Würdigung

    Elisa de Try gehörte neben Hélène de Katow zu den frühen Violoncellistinnen der belgisch-französischen Schule. Sie trat zwischen 1862 und 1872 regelmäßig in den großen Musikstädten Frankreichs, Belgiens, Spaniens, der Niederlande und Portugals auf und begeisterte überall Presse und Publikum. Dennoch zog sie sich nach ihrer Heirat aus der Öffentlichkeit zurück.

    Repertoire

    Über das Repertoire von Elisa de Try ist kaum etwas bekannt. Nachgewiesen sind lediglich Aufführungen mehrerer Werke von Adrien-François Servais, darunter das „Concerto militaire“ op. 18, die „Fantaisie caractéristique sur deux célèbres romances de Lafont“ für Violoncello und Orchester op. 8 sowie zahlreiche seiner Fantasien für Violoncello solo, für Violine und Violoncello und für zwei Violoncelli. In Den Haag trat Elisa de Try 1866 mit Bernhard Heinrich Rombergs „Grand Concerto brillant“ op. 48 auf.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Detry, Charles“. In: Les artistes-musiciens belges au XVIIIe et au XIX siècle, hg. v. Edouard G. J. Gregoir, Brüssel 1885ff. (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Detry (Elisa). In: Les artistes-musiciens belges au XVIIIe et au XIX siècle, hg. v. Edouard G. J. Gregoir, Brüssel 1885ff. (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Hoffmann, Freia. Artikel „Eliza de Try“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, online verfügbar: http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=try-eliza-de (2010, Stand: 17. April 2013).


    Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914, Bd. 2, S. 549.


    Tayac, Gaston de. Mademoiselle Elisa de Try. Biographie. Lyon: A. Vingtrinier, 1867.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    All the year round vom 20. Dezember 1862, S. 353.


    Caecilia. Algemeen Muziekall Tijdschrift van Nederland vom 15. Januar 1866, S. 18.


    La Revue et Gazette musicale de Paris vom 15. April 1866, S. 114.


    La Revue Septentrionale 1911, S. 160.


    Le Guide Musical vom 1. Dezember 1864, [S. 2].

    Le Guide Musical vom 22. und 29. Juni 1865, o. P.


    Le Ménestrel vom 23. März 1862, S. 134.

    Le Ménestrel vom 20. April 1862, S. 167.

    Le Ménestrel vom 7. Dezember 1862, S. 7.

    Le Ménestrel vom 12. Februar 1865, S. 88.

    Le Ménestrel vom 18. Februar 1866, S. 94.

    Le Ménestrel vom 24. Februar 1867, S. 103.

    Le Ménestrel vom 24. März 1867, S. 132.

    Le Ménestrel vom 20. Juli 1867, S. 264.

    Le Ménestrel vom 2. Mai 1869, S. 175.

    Le Ménestrel vom 14. April 1872, S. 159.


    Les Spectacles vom 28. November 1924, S. 5.


    Niederrheinische Musik-Zeitung vom 22. April 1865, S. 123.

    Niederrheinische Musik-Zeitung vom 1. September 1866, S. 274.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 29. März 1867, S. 126.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 7. Februar 1868, S. 58.


    The Musical Standard vom 26. Juni 1869, S. 307.

    The New York Times vom 8. Dezember 1871.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=try-eliza-de (2010, Stand: 17. April 2013).

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, stellt einen Artikel zu Elisa de Try von Freia Hoffmann online zur Verfügung.

    Forschung

    Es liegen keine weiteren Forschungsinformationen zu Elisa de Try vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Elisa de Try umfasst ihre Biographie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Elisa de Try“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elisa_de_Try