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  • Elfrida Andrée

    von Katrin Losleben
    Elfida Andrée
    Namen:
    Elfrida Andrée
    Lebensdaten:
    geb. in Visby, Schweden
    gest. in Göteborg, Schweden
    Tätigkeitsfelder:
    Organistin, Komponistin, Veranstalterin, Pädagogin, Dirigentin, Harfenistin, Telegrafistin.
    Charakterisierender Satz:

    “Es gibt eine Frau, die denkt und fühlt, die Musik schreibt, nicht für Salonschmeicheleien, sondern um das Ansehen der Menschheit zu erhalten, wenn nicht schon eher, dann spätestens nach ihrem Tod.”

    Tagebucheintrag Herbst 1870 (nach Öhrström 1999, S. 124).


    Orte und Länder

    Elfrida Andrée wurde 1841 in Visby auf Gotland, Schweden, geboren. 1855 nahm sie in Stockholm das Studium der Fächer Gesang, Klavier und Orgel auf, und 1857 legte sie als erste Frau in Schweden das Orgelexamen ab. Ab 1861 arbeitete sie als Organistin und Gesangslehrerin in Stockholm, von 1867 bis zu ihrem Tod war sie Organistin in Göteborg. 1870 begann sie in Kopenhagen Instrumentation zu studieren. Zwischen 1872 und 1905 unternahm sie drei Reisen nach Deutschland mit dem Erfolg, dass sie einige ihrer Werke in Berlin und Dresden aufführen konnte. Sie starb 1929 in Göteborg.

    Biografie

    Elfrida Andrée wurde am 19. Februar 1841 in Visby auf Gotland geboren. Sie erhielt früh eine solide musikalische Ausbildung in Harmonielehre, Klavier und Gesang, später auch Orgel. 1855 ging sie nach Stockholm, wo sie Gesang bei Julius Günther, Klavier bei Jan van Boom und Orgel bei Gustaf Mankell studierte und 1857 als erste Frau Schwedens ihr Orgelexamen ablegte. 1859/60 studierte sie am Musikkonservatoriet Komposition bei Ludvig Norman, einem der führenden Komponisten des skandinavischen Musiklebens; gleichzeitig arbeitete sie als Korrepetitorin in der Gesangsklasse Günther und am Königlichen Theater und absolvierte eine Ausbildung zur Telegrafistin. Gemeinsam mit ihrem Vater kämpfte Elfrida Andrée erfolgreich für eine Änderung des Gesetzes, das Frauen die Ausübung des Kantorinnen- wie auch des Telegrafistinnenberufes untersagte: Beidem wurde stattgegeben, so dass sie 1861 an der Finnischen Kirche und 1862 an der Französischen Reformierten Kirche in Stockholm Organistin wurde. Sie arbeitete ab 1863 als Gesangslehrerin am Höheren Lehrerinnenseminar und an verschiedenen Schulen. 1867 wurde sie Organistin der Domkirche Göteborgs, ein Amt, das sie bis zu ihrem Tod innehatte. Im Laufe des Jahres 1870 studierte sie einige Monate bei Niels W. Gade in Kopenhagen Instrumentation.

    Sie organisierte mehrere hundert sog. Folkskonserter, bei denen sie als Dirigentin und Chorleiterin ein vielseitiges Programm (zur Erbauung und Bildung der arbeitenden Bevölkerung) zusammenstellte. Nicht selten waren dabei ihre eigenen Werke zu hören.

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    Schweden im 19. Jahrhundert – ein Blick

    Elfrida Andrée wurde am 19. Februar 1841 in Visby auf Gotland geboren. Ort, Zeit, Familie und Gesellschaft bildeten einen Kontext, in dem die Vision von Gleichheit der verschiedenen Schichten und Geschlechter gesellschaftlich vorangetrieben und von Elfrida Andrée konkret erlebt wurden.

    Die Zeit von 1845, als das gleichberechtigende Erbrecht für Männer und Frauen verabschiedet wurde, bis zur Einführung des Wahlrechtes für Frauen 1923 gilt als erste Emanzipationsepoche Schwedens. Grund für die bereits in den 1820er Jahren einsetzende Diskussion um die Rolle der Frau in der Gesellschaft war auch eine demographische Entwicklung, die einen stark erhöhten Anteil von Frauen gegenüber dem der Männer mit sich brachte. In Visby selbst lag die Zahl der erwachsenen Frauen im Jahr 1850 bei 2566 gegenüber 1936 Männern. Damit einher ging ein hoher Prozentsatz unverheirateter Frauen: In den ländlichen Bereichen Schwedens lag der Anteil der über 15-jährigen ledigen Frauen bei 50 Prozent, in den Städten sogar darüber.


    1854 ließ das Undervisningsverk der Königlichen Musikalischen Akademie (das Undervisningsverk ist die heutige Kungl. Musikhögskola) als eine der ersten Hochschulen Frauen zu seinen Gesangsklassen zu. (Das sukzessiv erweiterte Angebot, das anfangs sowieso nur aus Gesangs- und Klavierunterricht bestand, wurde für Studentinnen 1865 geöffnet.) In kurzen Abständen folgten die Einrichtungen zur Lehrerinnenausbildung (1861), wie etwa die Kunstakademie und die Krankenschwesternschule (1866). Die Reifeprüfung als Eintrittsbedingung musste für ein Mädchen jedoch privat finanziert werden: erst 1927 öffnete die erste kostenfreie Oberstufe ihre Klassenzimmer für Mädchen.


    Visby

    Die Ostseeinsel Gotland, etwa 100 km vor der Küste Südschwedens gelegen, weist auf eine Jahrtausende alte Handelstradition zurück. Die Beziehungen der Goten erstreckten sich bis zu den römischen Provinzen am Rhein und ans Schwarze Meer. Als Visby etwa um 1000 n. Chr. gegründet wurde, war Gotland ein mächtiges Handelszentrum der Ostsee, musste aber auch schwere Rückschläge durch Krieg, Hunger und Pest hinnehmen.

    Hier ließen sich im Lauf der Jahrhunderte auch Dänen, Schweden, Lübecker, Danziger, Balten, Finnen, Sachsen, Wenden und Spanier nieder.

    Im Winterhalbjahr jedoch war die Stadt abgeschnitten von der Außenwelt. 1858 erst gab es eine Schiffslinie, die die Verbindung zum Festland auch im Winter ermöglichte. Die Kommunikation via telegrafischer Leitungen wurde im Jahr darauf eingeführt. Diese extremen Verhältnisse von kultureller Vielfalt einerseits und Isolation in der dunklen Jahreszeit andererseits führten zu einer besonderen Situation in Visby.

    Visby galt als ein Zentrum liberaler Ideen. Tatsächlich gab es hier zahlreiche Menschen, die sich in der pädagogisch-politischen Debatte um Volks- und Mädchenbildung stark engagierten. Verschiedene Gesellschaften („De Badande Vännerna“, „Musikaliska Sällskapet“, „Fruntimmerssamfundet“) und das „Wisby Weckoblad“ bildeten die Basis, fügte sich jedoch durch die Verbindungen zum Reichstag in Stockholm in die Diskussion auf nationaler Ebene.


    Eltern

    Elfrida Andrées Mutter Eberhardina Lovisa Lyth gehörte einer großen, alteingesessenen Visbyer Familie an. Lovisa Lyths Vater, Propst und Priester, war gleichzeitig Besitzer mehrerer Gehöfte und Kalköfen und hielt Anteile an Schiffen, die Kalk zum Festland transportierten. Damit erstreckte sich sein Einfluss auch auf das Festland.

    Die Familie war kulturell engagiert und Teil eines einflussreichen Bekanntenkreises.

    1834 heiratete Lovisa Lyth Andreas Andrée, eigentlich Anders Andersson, aus Dalarna. Vor der Ehe war dieser als Schiffsarzt nach England, Italien, Malta, Gibraltar, Nordafrika und Kleinasien gereist. Später schrieb er, teilweise anonym, neben seiner Tätigkeit als Arzt für verschiedene Zeitungen und rief zum gesellschaftlichen Kampf für mehr Liberalismus, Bildung und Freiheit auf. Nach dem Tod des Gründers des „Wisby Weckoblad“ 1837 übernahm er dessen Position als Redakteur und führte die Tradition der pädadogisch-politischen Artikel fort. Er beabsichtigte nicht nur, Reformen voranzutreiben, sondern mit diesen Forderungen das Profil für sein Mandat im Reichstag zu schärfen. Da er jedoch nicht in den Reichstag gewählt wurde, widmete er sich wieder verstärkt seinem Beruf als Arzt mit Schwerpunkt Cholera, sammelte Tierschädel, Mäuse und Schlangen, machte diese Sammlungen später der Öffentlichkeit zugänglich und setzte sich mit verschiedenen medizinischen Anwendungen auseinander.

    Außerdem war er nun der Vater von zwei begabten Töchtern, deren Bildung er in die Hand nahm – Sohn Tor kam erst 1849 zur Welt.


    Musikleben in Schweden

    Im 18. Jahrhundert veränderte sich das Konzertleben des Nordens rapide. Die Kantaten, Sinfonien, Opern, Singspiele und die Kammermusik, die vom Kontinent nach Schweden kamen, lösten die Institution der Stadtmusikanten sukzessive auf. Die Stadtmusikanten hatten, häufig gemeinsam mit dem örtlichen Organisten, die Versorgung der Einwohner mit Musik zu den verschiedensten Anlässen übernommen. Sie konnten jedoch nicht auf die Erfordernisse des neuen Konzertrepertoires bezüglich Besetzung und Spieltechnik reagieren – das instrumentale Können der Stadtmusikanten war eher breit gefächert denn virtuos elaboriert. Privilegierte Bürger gründeten in nahezu allen größeren Städten Skandinaviens Musikalische oder Harmonische Gesellschaften, allen voran Kopenhagen. Die Harmoniska Sällskapet (Harmonische Gesellschaft) von Göteborg entstand 1808, die Musikaliska Sällskapet (Musikalische Gesellschaft) von Visby 1815. Diese Gesellschaften können als Erweiterung des engsten privaten Raumes, in dem in Skandinavien wie auch auf dem Festland das Musizieren zum bürgerlichen Usus gehörte, hin zu einer halb öffentlichen Plattform verstanden werden, bei der jedoch das gehobene Bürgertum unter sich blieb und lediglich professionelle Musiker zur Unterstützung einlud. Hauptberufliche Professoren, Studenten, Offiziere, Beamte, deren Gattinnen und Kinder studierten hier Orchester- und Chorrepertoire ein und führten es auf, man organisierte Kammermusikabende, lud Virtuosen ein, musizierte gemeinsam und ermöglichte Instrumental- und Gesangsunterricht. Nicht zuletzt dienten diese Gesellschaften als standesgemäßer Heiratsmarkt der vornehmen Bürger. Das Niveau der Musikalischen Gesellschaften einzuschätzen, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer möglich. Die meisten der Orchestermusiker waren Amateure; sie wurden bei Konzerten aber oft von professionellen ehemaligen Stadtmusikanten unterstützt, die hier ihr Einkommen fanden.

    Gleichzeitig konnte hier die frühe und intensive Förderung junger Talente, gepaart mit regelmäßigen Auftrittsmöglichkeiten, den Weg in eine professionelle Musikerlaufbahn ebnen. Bestes Beispiel hierfür sind Elfrida Andrée und ihre Schwester Fredrika Stenhammar oder die Geschwister Neruda, gebürtig aus Brünn (Böhmen).

    Jede Gesellschaft entwickelte ihr eigenes Profil und setzte unterschiedliche Schwerpunkte – auf Unterrichts- oder Konzerttätigkeit, sinfonisches oder kammermusikalisches Programm. Die Musikalische Gesellschaft Visbys wurde 1815 auf Initiative dreier Amateurmusiker gegründet, die sich regelmäßig getroffen hatten, um Streichquartette zu spielen (sic!). War sie zunächst vor allem Unterrichtsstätte und bediente den bürgerlichen Anspruch, Fähigkeiten im Gesang und Klavierspiel zu erwerben, so erfuhr sie in den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, also in den Jugendjahren der beiden Schwestern Andrée, einen Höhepunkt als Konzertorganisation.

    Zu Beginn der 1840er Jahre überwogen noch Programme mit Volksweisen, „Tonmalereien à la Vogler“ auf der Orgel, populären Bellmanstücken, von geladenen Pianisten vorgetragenen Klavierstücken Liszts und Kalkbrenners und Ouvertüren, gespielt vom Orchester der Musikalischen Gesellschaft. Man lud Geigenvirtuosen ein, darunter auch den Kammermusiker der Hofkapelle Johan Jacob Nagel. 1847 übernahm der Organist Wilhelm Söhrling die Leitung der Musikalischen Gesellschaft und das Amt des Domorganisten; er wurde Lehrer an der Oberschule und an der Lehrerbildungsanstalt und unterrichtete außerdem Privatschüler. Damit hatte er sämtliche wichtigen Positionen des Visbyer Musiklebens inne. Die Konzerte der Gesellschaft veränderten sich: Es überwiegten nun statt Ouvertüren und Werkausschnitten vollständige Werke – Haydns Oratorien, Mozarts Requiem und (Es-Dur) Sinfonie Nr. 39, Cherubinis Requiem, Mendelssohns Paulus, das Streichoktett und Klavierkonzert g-Moll und Rossinis Stabat Mater wurden neben kammermusikalischen Programmen aufgeführt. Abraham Mankell, Gesangspädagoge und Musikredakteur in Stockholm, war vom Niveau beeindruckt. Zwar fehlten so manche Instrumente, aber das Orchesterspiel sei präzise und voll Wärme, der Bass sei von einer Qualität gewesen, die man in der Stockholm Musikgesellschaft und an der Königlichen Bühne vergebens suche.


    Elfrida Andrées Ausbildung

    Die erste musikalische Ausbildung erhielt Elfrida Andrée ab ihrem fünften Lebensjahr von ihrem Vater. Er unterrichtete sie in Harmonielehre, Generalbass, Klavier und Gesang. Sie spielte mit ihm gemeinsam vierhändig, sang aus einem deutschen Liederbuch und begleitete sich dazu selbst und musste ihr ästhetisches Urteil über Lieder mit Zeichen (#, *, +, =, -, o) ausdrücken. Zu den Unterrichtsstunden gehörten auch Fingerübungen, Partiturspiel und Komposition. Ein erstes Kompositionsheft enthält Stücke der Sieben- bis Dreizehnjährigen für Klavier, Lieder mit Klavierbegleitung und Chorsätze.

    Mit acht Jahren führte sie den Unterricht beim Domorganisten Wilhelm Söhrling fort. Vermutlich – hierüber gibt es keine genauen Angaben – gab er ihr auch etwas später den ersten Orgelunterricht. Elfrida Andrée betätigte sich außerdem bereits in den Visbyer Jahren als Harfenistin, doch auch hier gibt es bislang keine Hinweise über möglichen Unterricht. In welchen Fächern sie allerdings von ihrem zweiten Lehrer, der Komponist und Organist Fredrik Wilhelm Klint, unterrichtet wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.

    Elfrida Andrées Morgenroutine beschrieb der Vater in einem Brief an die Schwester, Fredrika Andrée, die inzwischen am Leipziger Konservatorium bei Ignaz Moscheles und Ernst Ferdinand Wenzel Klavier und bei Ernst Friedrich Richter Komposition studierte, während sie sich für den Gesang erst später entscheiden sollte.


    „Um 6 Uhr oder wenigstens ½ 6 fängt Frida mit ihre Englishe Aufgabe an, um 6 Uhr ist das Turnen worinn Mathilda E, Mari K und Frau Auren Lyth, Fridas und Thors Gesellschafterinnen sind. Um 7 Uhr spielen Mathilda und Marie, jeden zweiten Tag Wechselnd, mit Frida Mozart’s und Beethovens Qvartetten zu vier Händen, die mir Onkel [Abraham] Mankell aus Stockholm gesendet hat. Sie liebt diese Musik sehr und diese Morgenunterhaltung macht mir viel Freude.“ (Andreas Andrée an Fredrika Andrée, 5. August 1852; Deutsch im Original. Abgesehen von der zeitlichen Überschneidung von Englischübungen und Turnen gibt der Briefausschnitt zumindest Aufschluss über die Reihe von Tagesordnungspunkten, die die 11-Jährige am Morgen zu erfüllen hatte.)


    Zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten bot die Musikalische Gesellschaft. Hier sammelte Elfrida Andrée Bühnenerfahrung als Sängerin und als Pianistin. Bereits als Achtjährige übernahm sie, ihre Schwester begleitend, den Klavierpart der Frühlingssonate von Beethoven. Mit ihrem Lehrer Söhrling spielte sie in den Konzerten oft vierhändig, z.B. Haydns 2. Sinfonie g-Moll oder die Ouvertüre op. 26 "Die Hebriden" von Mendelssohn – zum Missfallen des Vaters auch vom Blatt:

    „Da wird vom Blatt gespielt, und ich glaube nicht, dass das gehen kann. Ich erwähne das, um Dir zu zeigen, dass sie etwas von Deiner Unverfrorenheit (köld) hat, denn kaum ein anderer Pianist hier tritt ohne zu üben oder zu proben auf.“ Generell zeigte sich der Vater sehr kritisch gegenüber den Leistungen seiner zweiten Tochter.


    Eine weitere Auftrittsmöglichkeit bot sich im eigenen Haus. Hier führte Familie Andrée einen Salon, der besonders in den Wintermonaten regelmäßig die Türen öffnete und die Tätigkeit der Musikalischen Gesellschaft ergänzte.

    Kammermusik überwog, Elfrida spielte mit ihrem Klaviertrio (die Besetzung von Geige und Cello ist nicht bekannt) und es wurden von den verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Stücke vorgestellt, die Andreas Andrée von seinen Festlandreisen mitgebracht hatte.

    1855 übersiedelte Elfrida Andrée mit ihrer Schwester, die nach ihrem Studium an der Oper der Hauptstadt, dem Kungliga Teatern, engagiert wurde, nach Stockholm.


    Stockholm

    Weder Elfrida Andrée noch ihr Vater hatten offensichtlich spezielle Absichten, die Elfrida nach Stockholm gezwungen hätten. Durch Fredrika eröffneten ihr sich schnell die kulturellen Kreise Stockholms: Sie besuchten gemeinsam Soiréen, trafen dort Großhändler und Bankiers, Redakteure, Schriftsteller und Komponisten wie Fredrik Adolf Lindblad oder Theodor Adolf Eduard d’Aubert und Johan Jacob Nagel von der Hofkapelle oder die Hofdame, Sängerin und Komponistin Caroline Ridderstolpe.

    Elfrida selbst gab – von Anfang an – der Tochter Abraham Mankells Englischunterricht und erhielt bald Klavierstunden bei Ebba d’Aubert, die Konzertpianistin und gewähltes Mitglied der Musikalischen Akademie war. Ebba d’Aubert war nicht die Lehrerin ihrer Wahl, sondern eine Notlösung: Eigentlich wollte sie bei Jan van Boom, der auch Lehrer an der Akademie war, Privatunterricht nehmen; dieser empfahl ihr Ludvig Norman, der aber zu dieser Zeit in Paris war. Im Frühjahr 1856 nahm sie nicht mehr bei ihrer Schwester Gesangsunterricht, sondern in der Theaterschule (Elevskola) der Oper bei Julius Günther.

    Es gibt in den Briefen oder Tagebucheintragungen keine Hinweise darauf, dass Elfrida Orgelunterricht erhalten hätte, im Oktober 1856 beantragte jedoch Gustaf Mankell, Bruder von Abraham Mankell, Organist an der Jacobs Kyrka in Stockholm und Lehrer an der Akademie, Elfrida Andrées Zulassung zum Organisten-/ Kantorenexamen. [Leider ist die Begrifflichkeit nicht immer präzise. Es gibt in Stockholm die 1771 gegründete Kungliga Musikaliska Akademien, die zur Aufgabe hat, das praktische, wissenschaftliche, pädagogische und kulturpolitische Musikleben Schwedens konstruktiv zu begleiten. Die traditionsreiche Einrichtung besteht seit ihrer Gründung aus gewählten Ehrenmitgliedern des schwedischen In- und Auslandes. Sie verwaltete eine Musikbibliothek (Statens Musikbibliotek) samt einer musikalischen Raritätensammlung und ein Musikmuseum, vergibt noch heute eine Vielzahl Stipendien und Preise und ist Herausgeberin der Zeitschrift ARTES. Ihre Bildungseinrichtung wurde 1981 in die Kungliga Musikhögskola überführt. Das Konservatoriet dagegen ist eine reine Bildungseinrichtung. Diese beiden Bezeichnungen scheinen jedoch häufig verwechselt worden zu sein (vgl. Myers 1993, S. 61)].

    Nach der Ablehnung des Gesuches kündigte sie trotzdem den Klavierunterricht zugunsten des Orgelunterrichts bei Mankell. Der Vater war es nun, der ihre vagen Pläne in Bahnen lenkte: Er schrieb an den Leiter der Musikalischen Akademie, für den Fall einer Bewerbung seiner zweiten Tochter, einen Brief, in dem er ihre musikalischen und sprachlichen Fähigkeiten mitteilte. Allerdings bemängelte er ihr Aussehen und riet ihr von einer Operkarriere ab.

    „Obwohl ich versucht habe, ihr eine entsprechende ästhetische Bildung zu vermitteln [wie Fredrika], sie versteht Englisch, Französisch und Deutsch und spricht und schreibt die beiden ersteren auch ganz leidlich, so hat sie doch einen Mangel, nämlich ihr Aussehen.“

    Tatsächlich wurde sie von der Kommission abgelehnt – allerdings aufgrund ihres starken gotländischen Dialekts.

    Der Vater erwartete stattdessen von ihr, das Organisten-/ Kantorenexamen abzulegen, was sie am 12. Juni 1857 auch tat. Wie der Weg dazu geebnet wurde, ist noch ungeklärt.

    Die geprüfte Kantorin und Organistin machte sich nun auf die Suche nach einer Stellung. Wieder war es der Vater, der ihre Bewerbung in seiner Heimatgemeinde in Dalarna, Stora Skedevi, vorantrieb. Hier gehörten zu den Aufgaben einer Kantorin auch die Tätigkeitsfelder des Küsters sowie Impfen und Aderlassen. Drei Wochen später nahm man ihr in Visby auch diese Prüfung ab.

    Gleichzeitig schickte sie ein Gesuch an die Königliche Majestät, Frauen zum Organisten- und zum Küsterdienst zuzulassen.


    „Dass es im Ausland, wie z.B. England und Frankreich, längst üblich ist, dass das Amt des Organisten von Frauen ausgeübt wird, gibt mir den Mut und die Hoffnung, dieses untertänigste Gesuch Ihrer Königlichen Majestät vorzutragen.“ (Elfrida Andrée an die Königl. Majestät König Oskar I, 28. Juli 1857)


    Obwohl der Vater im folgenden Winter davon benachrichtigt wurde, dass dieses Gesuch an den Erzbischof und Reichstagsabgeordneten Henrik Reuterdahl geleitet und von ihm abgelehnt wurde, erfuhr die Organistin erst im März 1859 davon – und zwar aus der Zeitung. Aus Enttäuschung beschloss Elfrida Andrée sich nunmehr kompositorisch mit einer noch größeren Form, dem Oratorium, zu beschäftigen.

    Sie hatte auch in der Zwischenzeit ihre Studien vorangetrieben: Julius Günther unterrichtete sie gratis, im Austausch dazu korrepetierte sie in seinen übrigen Stunden, Klavier studierte sie nun bei Jan van Boom, bei Erik Drake komponierte sie Streichquartette; sie unterzog sich in Gesang, Klavier, Klavierstimmen, Orgel, Orgelstimmen und Harmonielehre einer Prüfung, mit dem Ziel, in jedem Fach die Note „sehr gut“ zu erreichen.

    Im Herbst 1858 wurde die geprüfte Organistin Schülerin des Undervisningsverks der Akademie. Sie besuchte hier ausschließlich die Gesangsklasse bei Günther und war damit eine von 115 männlichen und 120 weiblichen Schülerinnen. Unterrichtssystem und Niveau der Kommilitoninnen und Kommilitonen betrachtete sie kritisch: Die Gesangsstunden fanden in Gruppen à vier Personen statt, deren Stimmen sie als „schwach“ bezeichnete.

    Bei Gustaf Mankell nahm sie weiterhin Privatstunden, da sie als Frau nicht zur Orgelklasse zugelassen war – dies ermöglichte ihr jedoch den Zugang zur Orgel der Jacobs Kyrka. Der Vater versuchte noch einmal, sie von einer professionellen Laufbahn als Musikerin abzuhalten und sie zur Lehrerin ausbilden zu lassen. Doch ihr Lehrer Julius Günther schritt ein und bat Andreas Andrée in einem Brief, ihm die geschickte Korrepetitorin und Gesangsschülerin nicht zu entreißen. Dieses Mal fügte sich der Vater.

    Elfrida Andrée wurde nun auch Günthers Klavierbegleiterin an der Oper; sie unterrichtete privat Klavier, Orgel, Harmonielehre und unterstützte so mehrere Frauen, die in den 1860er Jahren das Organistenexamen ablegten.


    Durch den Umzug der Eltern und des Bruders nach Stockholm im Jahr 1859 verschlechtert sich die Quellenlage ab 1859. In dieser Zeit des gemeinsamen Wohnortes der Familie kam der Briefwechsel zum Erliegen. Es gibt daher keine Auskünfte über den Beginn einer zweiten Ausbildung in einem völlig anderen Bereich: Im Frühjahr 1860 jedoch befand sich Elfrida Andrée auf dem Weg, Telegrafistin zu werden.


    Telegrafie

    Die Tatsache, dass Elfrida Andrée nun eine Ausbildung zur Telegrafistin anstrebte, ist umso erstaunlicher, als auch dieser Beruf samt der dazugehörigen Ausbildung schwedischen Frauen bis dato vorenthalten war. Somit ist davon auszugehen, dass Elfrida sich das Wissen über Magnetismus und Elektrizität, Meteorologie und Morsen selbst bzw. auf privater Basis angeeignet hat. Sie legte in den genannten Fächern sowie in den für das Amt erforderlichen Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch bis Sommer 1860 ihre theoretischen Prüfungen ab – bei wem und wie, ist bislang nicht bekannt.

    Damit war der Beginn für die Wiederaufnahme des Kampfes für die berufliche Gleichberechtigung der Frau markiert. Unterstützung fanden Elfrida Andrée und ihr Vater u.a. in dem Visbyer Freund und Reichstagsabgeordneten Daniel Söderberg. Gleichzeitig wurde das Gesuch um die Zulassung zum Organistinnenamt erneuert und von Carl Johan Svensén ausgeweitet auf die Berufe der Küsterin, Lehrerin sowie auf die Möglichkeit für Frauen, an Postexpeditionen teilzunehmen.

    Im September 1860 war es dann soweit: Zwar sträubte sich die Mehrheit der Reichstagsabgeordneten noch gegen die Öffnung des Telegrafistenamtes für Frauen; am 8. März 1861 aber erließ der schwedische König Karl XV auf Vorschlag der Abgeordneten ein Gesetz, das Frauen erlaubte, als Organistinnen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Am 1. Mai 1861 trat Elfrida Andrée ihren Dienst als Organistin an der Finnischen Kirche (Finska Kyrka) in Stockholm an. In den Jahren bis 1867 legten zwölf weitere Frauen ihr Examen an der Akademie ab.

    Die Aufnahme in das Telegrafiewerk Schwedens gestaltete sich deutlich schwieriger. Zum Einen ging es hierbei um die Aufnahme von Frauen in den Staatsdienst, zum Anderen war der Leiter des Telegrafiewerks nicht nur ein geschickter und erfolgreicher Geschäftsmann, sondern darüber hinaus ein durchaus einflussreicher Staatsdiener war, der sich bis zuletzt weigerte, Frauen den freien Zugang in sein Amt zu ermöglichen. Schlussendlich musste er sich jedoch der Staatsgewalt beugen. Frauen wurden ab dem 10. Juli 1863 per Gesetz zur Ausbildung und zum Telegrafistinnenamt zugelassen. Allerdings behielt sich der Chef des Werkes Pehr Brändström die Prüfung und Billigung des jeweiligen Sachverhaltes vor und entschied selbst über Art und Umfang des Dienstverhältnisses. Außerdem sollten sie mit einem Angestellten einer Telegrafiestation verheiratet sein oder in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen, gute Leistungen in Geschichte, Geografie, Rechnen, Physik und Sprachen vorweisen können, unter 25 Jahren alt sein und einen Kurs in Telegrafiewesen abgeschlossen haben.

    Die Bedingungen waren hoch angesetzt: Da das allgemeine Beschulen für Mädchen erst in den 1860er Jahren, die Oberstufe gar erst 1927 eingeführt wurden, mussten die Mädchen sich die Voraussetzungen mittels Privatstunden erarbeiten. Damit war der Beruf Töchtern von wohlhabenden Familien vorbehalten.

    Elfrida erfüllte die Anforderungen und bewarb sich, neben ihrem Dienst an der Finnischen Kirche, für den ersten praktischen Telegrafiekurs in Stockholm. Im September 1865 konnte sie ihre Ausbildung als Telegrafieassistentin abschließen.

    In den folgenden Jahren stieg der Anteil der beschäftigten Telegrafistinnen drastisch: 1875 waren von 384 Beschäftigten 289 weiblich – das Telegrafiewerk war bald der größte Arbeitgeber von Frauen.


    Kompositorischer Werdegang

    Parallel dazu nahm sie 1859/60 am Konservatorium bei Ludvig Norman Kompositionsunterricht. Norman hatte von 1848-1852 in Leipzig studiert; nach seiner Rückkehr nach Stockholm trat er gemeinsam mit dem Dichter Franz Hedberg und Albert Rubenson als Herausgeber der Musikzeitschrift „Tidning för Theater och Musik“ (1859) hervor, er war Hofkapellmeister an der königlichen Oper, Gründer der Abonnementkonzerte der Hofkapelle, Konzertpianist und Kammermusiker (besonders erfolgreich mit seiner Frau Wilhelmina Neruda und Mitgliedern der Hofkapelle) und unterstützte Entstehung und Etablierung zweier neuer Musikgesellschaften in Stockholm: die Musikföreningen (1880) und die Nya harmoniska sällskapet (1860), in der auch Julius Günther eine tragende Rolle spielte. Diese Institutionen nutzte Norman, um die Musik Schuberts, Schumanns, Spohrs sowie Lindblads und Berwalds bekannt zu machen. Mit seinen eigenen Kompositionen galt er Robert Schumann als Hoffnungsträger (siehe den Artikel „Neue Bahnen“ in der NZfM 1853) und konnte zu seiner Zeit große Erfolge als Symphoniker und Kammermusikkomponist verzeichnen. Er belebte das Stockholmer Musikleben mit dort unbekanntem kontinentalem Repertoire und einer neuen Form von Konzertwesen von Grund auf neu (vgl. Sanner 2001).

    Für Elfrida Andrée begann eine kompositorisch produktive Zeit. Nach dem Chorstück „Kung Oscars Minne“, das sie nach der ersten Ablehnung ihres Gesuches komponiert hatte (1858), folgte noch im selben Jahr eine Orchesterouvertüre in d-Moll, die sie nicht fertig stellte und 1860 das Klaviertrio c-Moll, mit dem sie vermutlich die Studien bei Norman abschloss. Es wurde von Laura Pistolekors (verheiratete Netzel) sowie Joseph Dente und Fritz Söderman von der Hofkapelle im Stockholmer Salon der Eltern Andrée aufgeführt und erhielt von Norman die bestmögliche Note, von dem zusätzlich geladenen Adolf Fredrik Lindblad kritische, aber konstruktive Anmerkungen. Die beiden unterstützten ihre Bewerbung um ein Jenny-Lind-Reisestipendium, das die Königl. Akademie seit 1862 jährlich vergab, mit einem Gutachten, das bescheinigte, dass Elfrida Andrées vielseitige Anlagen in hohem Maße zu beachten seien und ihre Ernsthaftigkeit, Begabung und Fleiß sie einer solchen Unterstützung würdig machten. Dieses Stipendium blieb ihr trotz mehrerer Anläufe verwehrt; auch Andreas Andrée unterstützte ihre Reisepläne nicht (im Gegensatz zu den eigenen und denen Fredrikas).

    1864 reichte sie ihre Ouvertüre g-Moll bei der Musikaliska Konstförening (Musikalischer Kunstverein) ein. Ziel des 1859 gegründeten Kunstvereins war die Förderung nordischer Komponistinnen und Komponisten. Die anonym eingereichten Stücke wurden von einer Kommission bewertet. Positive Bewertungen konnten zur Drucklegung und Aufführung der Stücke führen. Der Kunstverein war damit eine wichtige Einrichtung für unbekannte Komponisten, da sie gerade die teure Drucklegung von Orchesterkompositionen und deren öffentliche Aufführung ermöglichte.

    Der Kommission gehörten Eduard d’Aubert, Julius Günther, Jan van Boom, Gustaf Mankell, Erik Drake, Johan (Jöns) Peter Cronhamn, Hermann Behrens und Ludvig Norman an. Ihre Wortführer waren Norman, Behrens und Söderman, deren ästhetische Anschauung sich schon längst in Leipzig etabliert hatte. Eine neue Kommission um 1866 zeugte von internationalerer Besetzung: Niels Wilhelm Gade (Kopenhagen), Julius Rietz (Dresden) und August Söderman (Stockholm). Elfrida Andrée reichte mehrere Stücke ein: Sie erhielt für ihre Orchesterouvertüre g-Moll (1864) und das Klavierquintett e-Moll (1865) Auszeichnungen, aber nur das Quintett wurde gedruckt.

    1868 wurde ihr Klavierquartett a-Moll (1865) von der Kommission ausgezeichnet. Bei einer Aufführung der letzten beiden Sätze in Göteborg – es spielten der Dirigent des Göteborger Orchesters Josef Czapek, Ållander und sie selbst – wurde sie mit Grimassen und mitleidigen Blicken bedacht, wie sie später in der Partitur vermerkte. Von guter thematischer Ausarbeitung der ersten beiden Sätze und Unklarheit des letzten Satzes sprachen Gade und Söderman; bei einer Gadeschen Soirée 1870 ermunterte der Gastgeber sie jedoch, diese im Kunstverein einzureichen. Eine weitere Anmerkung lautet:


    „Wurde 1870 bei Gade gespielt, der eine Soirée bei sich zu Hause veranstaltet hatte, um dieses Quartett und das Quintett aufzuführen. Tofte, Svendsen und Hägg und Lindroth aus Stockholm haben es aufgeführt. Gade bat mich, es beim Kunstverein einzureichen. Es war gerade von dort mit Auszeichnung gekommen. Gade, der Jurymitglied im Kunstverein war, hatte es nicht gesehen! So geht es im Kunstverein zu.“


    Elfrida Andrée korrepetierte Julius Günthers Schülerinnen und Schüler an der Oper und an der Akademie, sie war Organistin an der Finnischen Kirche, seit 1861 auch an der Französisch-Reformierten Kirche (Franska Reformerska Kyrka), sie unterrichtete von 1863 an Gesang am Höheren Lehrerinnenseminar, an der Staatl. Allgemeinen Schule und an der Åhlinska Schule (Åhlinska Skola). Sie war eine Person des öffentlichen Musiklebens und bewegte sich in den Kreisen der musikalischen Elite.

    1866 jedoch wurde das Amt des Domorganisten in Göteborg frei.


    Das Musikleben in Göteborg

    Die Hafenstadt Göteborg, gegründet 1621, wies schon früh ein internationales Gepräge auf; Ausländer wurden mit günstigen Steuerkonditionen angelockt und gehalten. Ein großer Teil des Bürgertums erwirtschaftete sich sein Vermögen mit Großhandel, Lebensmittel- und Textilproduktion, Forstwirtschaft und Eisenindustrie. Sowohl Reichtum als auch Internationalität spiegeln sich im Göteborger Musikleben wider.


    Musik nahm einen wichtigen Stellenwert in der bürgerlichen Bildung ein und wurde im praktischen Leben dementsprechend gepflegt. So gelang es den engagierten Bürgern, die sich wie allerorts in Musikalischen Gesellschaften, hier Harmonische Gesellschaft (Harmoniska Sällskapet) genannt, versammelten und gemeinsam mit professionellen Musikern in Chor und Orchester sangen und spielten, ausländische Künstler für sich zu gewinnen. Die Gesellschaft erlebte im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre aktiven Hochphasen und kam andererseits fast zum Erliegen – aber sie war eine der Organisationen, die sich im Musikleben der Stadt behaupteten und immer wieder namhafte Dirigenten engagieren konnte: Czapek, Smetana, Hallén und Andrée.

    Die Kulturtreibenden konnten hochkarätige Solistinnen und Solisten des Kontinents für kurze Gastengagements verpflichten; es gelang ihnen auch, Musiker für Jahresverträge zu gewinnen oder sie gar über Jahre an sich zu binden. So ließ sich Josef Czapek, der auf einer Konzerttournee mit seinem Unterhaltungs- und Tanzorchester, der Steiermärkischen Gesellschaft, nach Göteborg kam, als Leiter des Militärorchesters nieder und baute 1859 das Orchester des Nya Teatern (Neues Theater), später Stora Teatern (Großes Theater) auf. 1862 entstand als erstes hauptamtliches Orchester das Göteborgs Orkester (Göteborger Orchester). Auch dieses Orchester verpflichtete internationale Musiker für populäres Repertoire, musste seine Tätigkeit aber noch vor Elfrida Andrées Übersiedlung nach Göteborg aufgeben (1868). 1872 wurde das Orchester der Göteborgs Musikförening (Göteborger Musikvereinigung) gegründet und widmete sich in seinen Abonnementkonzerten vor allem der Musik Wagners und Beethovens. Als auch dieses Orchester 1878 seine Tätigkeit einstellen musste, blieb als einziges ständiges das Theaterorchester des Nya Teatern. Da dieses ausschließlich Bühnenmusik spielte, lag das sinfonische Leben Göteborgs in den Händen der Harmonischen Gesellschaft, in deren Vorstand Elfrida Andrée gewählt wurde und der Musikvereinigung.

    Göteborg war zu einem Großteil von einer spartanischen Religionsrichtung, dem Schartauanismus, geprägt, und so lag es nicht im Interesse der Kirche, geistliche oder gar weltliche Konzerte zu veranstalten oder das Gotteshaus dafür zur Verfügung zu stellen


    Die Berufsorganistin

    Andreas Andrée erhielt Anfang Mai 1867 ein Telegramm. Darin hieß es, dass seine Tochter Elfrida Andrée einstimmig zur neuen Göteborger Domorganistin gewählt worden sei. Sie selbst erhielt zwar keine Benachrichtigung, konnte jedoch den größten Erfolg ihrer bisherigen Laufbahn verzeichnen. In einem Probespiel hatte sie sich gegen vier Mitbewerber durchgesetzt und war damit eine der zentralsten Persönlichkeiten im Göteborger Musikleben.

    Die Arbeit an der Domkirche bestand überwiegend aus den sonntäglichen Diensten und war mit 1400 Reichstalern pro Jahr gut entlohnt – eine Lehrerin verdiente 200-300 Reichstaler. Weitere Aufgaben waren die Pflege und Stimmung der Orgel; die Marcussen-Orgel war im Herbst 1866 restauriert und erweitert worden. Sie hatte 51 Stimmen verteilt auf drei Manuale und ein Pedal, 14 Stimmen im ersten, 12 im zweiten, neun im dritten Manual (Echowerk) und 16 in den Pedalen. Der Balg wurde von zwei Helfern getreten, die bis zu eineinhalb Meter hoch wippten. Der Umfang reichte von 32’ bis 2’.

    Darüber hinaus gab es vier Sperrventile und 12 Koppeln mit Schwelltritt zum zweiten und dritten Manual. Die Orgel galt zu dieser Zeit als eine der besten Schwedens.

    Der Dienst ließ ihr reichlich Zeit für ihre Unterrichtstätigkeit. Die Schülerinnen und Schüler jeden Alters kamen aus dem wohlhabenden Bürgertum und agierten meist im Umfeld der Harmonischen Gesellschaft.

    Außerdem bemühte sie sich um eine Verbesserung des Chorgesangs ihrer Gemeinde. Doch erst 1907, nach einer weiteren Gesetzesänderung (1905), wurde sie offiziell Kantorin.

    Die Zahl großer Konzerte in der Domkirche blieb besonders nach dem Tod des fortschrittlichen Dompropst Peter Wieselgren und den Amtsantritten seiner streng schartauanistischen Nachfolger beschränkt. Die Kirche war außerdem der einzige Ort, der die öffentliche Aufführung von Orgelwerken ermöglichte, da es, soweit bekannt, in Stockholm nicht üblich war, Privathäuser oder –wohnungen mit Orgeln auszustatten. Für Konzerte komponierte Elfrida Andrée jedoch zahlreiche Orgelstücke, die sie selbst aufführte. In einem ersten Konzert, gemeinsam mit ihrer Schwester Fredrika im März 1868 in der Domkirche, präsentierte sie ein Psalmarrangement sowie das neu komponierte „Andante maestoso“ für Orgel, was ihr eine sachliche, von ihrem Können überzeugte Kritik einbrachte; auf dem Programm standen des Weiteren ein nicht näher bezeichnetes „Larghetto religioso“ für Orgel und Harfe sowie eine Arie aus Mendelssohns Elias. In einem anderen Konzert gab sie Mendelssohn, Bach, ein eigenes Stück für Orgel sowie ein Stück für Geige und Orgel von Josef Czapek sowie Ausschnitte aus Rossinis Messe Solemnelle und Cherubinis Requiem. Die Kritik in der Lokalpresse war wortkarg: Werke einer talentierten und gut ausgebildeten Komponistin hätte man gehört.


    Die Komponistin

    Gleichwohl wandte sie sich den großen Formen zu. Im Januar 1869 wurde ihre erste Sinfonie C-Dur bei einem Sonntagskonzert im Hammars Teater in Stockholm unter Bernhard Fexer aufgeführt; diese nahezu einzige Möglichkeit zur öffentlichen Aufführung großer Werke nutzte Elfrida Andrée, da es weder in Stockholm noch Göteborg regelmäßige Sinfoniekonzerte gab. Die Komponistin notierte später:


    „Meine erste Sinfonie C-Dur wurde 1869 im Hammars Teater in Stockholm, wo man Sinfoniekonzerte gab, aufgeführt. Die Ausführung war unerhört miserabel. Ich dachte, sie würden absichtlich falsch spielen. Ich und Schwester Fredrika gingen unseres Weges als das Finale begann und die ersten Violinen kontinuierlich einen Takt hinter dem übrigen Orchester waren. Ich wurde krank und lag drei Tage nach diesem Musikgenuss darnieder.“


    Da es durchaus üblich war, Konzerte ohne Proben zu spielen, muss hier noch nicht zwangsläufig ein Boykott vermutet werden. Neben einer freundlichen Rezension erhielt sie eine Kritik von Wilhelm Bauck, der ihr jede handwerkliche Kompetenz, Ideenreichtum oder Kunstfertigkeit absprach.

    Diese Beurteilung traf Elfrida Andrée heftig, doch in Göteborg zeigte man sich stolz auf die Domorganistin, stärkte ihr den Rücken und lobte ihre „majestätische Klangwelt“ in der Tagespresse. Ebenso sah Niels W. Gade später in der Sinfonie eine „poetische Situation“ und „ein großes Streben“. Sie selbst distanzierte sich in den 1890er Jahren von diesem „Jugendwerk“.


    1870 ging sie für einige Monate nach Kopenhagen, um bei Niels W. Gade zu studieren. Niels Gade galt als zentrale Figur des dänischen Musiklebens, hatte seine musikalische Prägung jedoch in Leipzig erfahren und pflegte dorthin auch nach seiner Rückkehr nach Dänemark intensive Kontakte. Als Elfrida Andrée zu ihm kam, um ihre Fähigkeiten in der Instrumentation auszubauen, war er Leiter des Kopenhagener Konservatoriums und Organist an einer der Hauptkirchen Kopenhagens, der Holmens Kirke. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass Elfrida Andrée als Studentin am Konservatorium eingeschrieben war, auch wenn sie die dortige Bibliothek zum Partiturstudium nutzte. Gade zeigte sich beeindruckt sowohl von der Produktivität seiner Schülerin als auch von der Qualität der Stücke:


    „Hochgeachtet zu sein von jenen, die hoch auf der künstlerischen Leiter stehen, ist ja die größte Belohnung, die ich mir wünsche. [...] Ich habe sein Gesicht beobachtet als er las, und ich fand, Verwunderung war der vorherrschende Gesichtsausdruck. Als er einen Satz der Klaviersonate [1870] durchgesehen hatte, stand er auf, sah mich an und sagte: Es ist gar nicht weibisch!! Das kam mir so lustig vor, dass ich anfing zu lachen und ihn damit auch zum Lachen brachte! Armer Gade! Er hat es schwer damit zu vergessen, dass ich den großen Fehler habe, ein Weib zu sein!“ (Elfrida Andrée an Birger Hallén, 9. August 1870, Kursiv: Deutsch im Original)


    1870 wurde nach einer konjunkturbedingten Niederlegung der Orchestertätigkeit sowohl des Göteborger Orchesters als auch des Orchesters der Harmonischen Gesellschaft eine neue Musikföreningen (Musikvereinigung) mit Czapek an der Spitze gegründet. Mit ihm pflegte Elfrida Andrée einen freundschaftlichen Umgang und konnte ihn leicht davon überzeugen, ihr sein Orchester zu überlassen und ihre eigenen Werke dirigieren zu dürfen.

    Im Winter war es soweit: Sie probte mit dem neuen Orchester das Andante c-Moll (1871), mit dem Chor der Harmonischen Gesellschaft ihre Stücke „Der Morgenstern“ (1870) und „Ho är den som“ (1871) in einer freundlichen Atmosphäre. Sie fühlte ihre Bestimmung:


    “Im Aufsteigen des weiblichen Geschlechts zu Selbst-Bewusstsein über seine Berufung und Fähigkeiten, zu Kraft und Wirksamkeit, zu Unabhängigkeit und Fortschritt liegt die Wahrheit, die ich über alles liebe und für die ich meine Zeit und mein Leben opfern will. […]

    Das mächtigste, größte aller Werkzeuge der Musik mit dem Klang seiner tausend Zungen habe ich […]. Aber es gibt ein anderes großes Tonwerkzeug, in dem jede Stimme von einem lebendigen Organum durchatmet wird; denke nur, wie viel geistiger dieses sein wird. Durch dieses erst erwachen die größten Schätze der Musik zu ihrer vollen Größe. Dahin strebt meine innige Sehnsucht, erst wenn ich dieses beherrsche, findet meine Seele Ruhe. Das Orchester, das ist das Ziel!” (Elfrida Andrée in ihrem Tagebuch am 6.2.1871)


    Wenn auch der Auftritt mit dem Orchester – auch dies aus Geldmangel – nicht stattfinden konnte, so war diese Erfahrung der Beginn einer schwierigen Dirigentinnenlaufbahn, denn wenn auch Göteborg zu den liberalen Städten gehörte, war eine Frau am Dirigentenpult eine Neuigkeit und wurde von Kollegen und Musikern häufig boykottiert. Gerade der Leiter der Musikförening, Andreas Hallén, stellte sich gegen sie. Als sie einige Erfolge vorweisen konnte und ihr Weg als Dirigentin geebnet schien, lösten sich aus ökonomischen Gründen sämtliche Orchester Göteborgs auf.


    In den 1870er Jahren entstanden Kompositionen wie die Kirchenarie „I templet“ für Solo und Orgel bzw. Klavier oder Streichorchester, die Orgelsinfonie h-Moll oder die Ballade „Snöfrid“ für Solisten, Chor und Orchester – Stücke, die zu den bekanntesten und meist verkauften Werken von Elfrida Andrée zählen. „Snöfrid“ wurde bereits bei seiner Uraufführung, die Elfrida Andrée selbst leitete und der große Intrigen vorangegangen waren, eine große Zukunft vorhergesagt und kann als das Werk gelten, das ihren Durchbruch bedeutete. Der Rezensent sollte Recht behalten – erst nach Elfrida Andrées Tod verschwand es gänzlich aus dem Konzertrepertoire.

    Kurz nach der Uraufführung 1879 wurde sie zum Mitglied der Musikalischen Akademie gewählt.

    Im selben Jahr komponierte sie ihre zweite Sinfonie a-Moll, die aber auf Grund der finanziellen Umstände erst 1893 im Großen Theater Göteborg als Zwischenaktmusik aufgeführt wurde. Das Echo war positiv. Die Komponistin, Pianistin und langjährige Bekannte Laura Netzel (geb. Pistolekors) organisierte für die Weltausstellung in Chicago 1893 eine Ausstellung über schwedische Komponistinnen im Frauenpavillon und überzeugte sie, ihr die Partitur zukommen zu lassen. Folge dieser Episode waren Briefwechsel und Notenaustausch mit englischen und amerikanischen Komponistinnen.

    Im Herbst 1894 schickte Elfrida Andrée die Sinfonie, die Zweite Orgelsinfonie für Orgel und Blechblasinstrument und das Streichquartett d-Moll an die Kommission des „Grand Concours International de Composition Musicale“ nach Brüssel. Sie erhielt den „Prix d’honneur au Concours de Carillon“ und damit verbunden eine Goldmedaille für die Sinfonie sowie Silbermedaillen für die beiden anderen Stücke.

    Im Januar 1894 reagierte Elfrida Andrée auf eine Ausschreibung der Königlichen Oper Stockholms für eine Oper mit patriotischer Textgrundlage zur Einweihung des neu entstehenden Opernhauses. Sie schrieb Selma Lagerlöf an, die nur drei Jahre zuvor mit der „Gösta Berlings Saga“ ihren Durchbuch hatte, und drückte ihren Wunsch nach einem Libretto aus. Damit begann eine dreijährige äußerst schwierige Zusammenarbeit, an deren Ende die Oper „Fritjofs Saga“ stand, die als wenig geglückt bezeichnet werden kann. Sämtliche Anstrengungen, die Oper an einem Opernhaus unterzubringen, scheiterten. Letztlich wurde Fritjofs Saga in Stockholm im privaten Rahmen aufgeführt und war ein Desaster. Eine weitere Aufführung veranlasste Elfrida Andrées Nichte und Kollegin in der Organisation der Volkskonzerte Elsa Stenhammar in einem dieser Konzerte. Elfrida Andrée selbst schrieb die Oper zu einer Suite um.


    Reisen

    1872, 1887 und 1905 unternahm Elfrida Andrée drei Reisen nach Deutschland, in denen sie versuchte, Kontakte zu knüpfen und sich auf dem Kontinent einen Namen zu machen. Die ersten beiden Reisen waren nicht von Erfolg gekrönt. Ein zunächst zugesagtes Orgelkonzert in der Thomaskirche in Leipzig lehnte der Pastor ihr gegenüber mit der Begründung ab:


    „’der Vorstand hatte dasselbe Gefühl, dass es gar nicht passte dasz eine Frau in eine Kirche spielte! Sie sollten ja dann allein auf die Orgel mit den ganzen Chor sein! Dass passt gar nicht. Wir haben in Deutschland nie von eine Organistin gehört und so was geht nicht hier in Deutschland, es ist wieder Deutsche Sitte.’“ (Elfrida Andrée an Andreas Andrée, 25. Mai 1872).


    In Berlin war man pragmatischer: hier bezahlte sie 100 Mark, um ein Konzert in der Marienkirche geben zu können, weitere 1000 Mark, um ihr Streichquartett und die Orchesterouvertüre von nicht näher benannten „führenden Musikern“ und einem ebenso anonymen „Orchester von 75 Mann“ öffentlich aufführen lassen zu können.

    Eine dritte Reise führte sie 1904 nach Dresden. Hier traf sie in dem Dirigenten der Königlichen Kapelle Willy Olsen einen Förderer slawischer und, wichtiger noch, skandinavischer Musik. Zwar musste sie auch hier 120 Mark für drei Orchesterproben und Sitzplatzreservierung für die skandinavischen Gäste Dresdens bezahlen, aber das Konzert war ein Erfolg:


    „Das Sonnabendliche Sinfoni-konzert im Gewerbehause, wies so etwas wie eine Sensation auf: Frl Elfrida Andrée, Domorganist[i]n aus Göteborg dirigierte eine eigene Sinfonie und eine Ouvertüre. Man hatte es hier, das merkte man schon nach den ersten Takten, mit einer Künstlerin zu tun die durchaus ernst sein will. Elfrida Andrée versteht ihre Kunst gründlich, hat prächtige musikalische Einfälle und weiss mit viel Geschmack den Dirigierstab zu führen. Namentlich die Ouvertüre ist ein packendes, pompös gearbeitetes Stück, das zwar einzige Anklänge an Gade und Grieg aufweisst, sonst aber durchaus selbständiges Gepräge hat. Die Sinfonie (a-Moll) ist in stränger Klassischer Form geschrieben und erfreut durch ihre durchsichtige Struktur und durch vornehme Instrumentation. Mit Recht wurde die Komponistin herzlich und lebhaft gefeiert.“ (Dresdner Nachrichten, ohne Datum)


    Folkskonserter

    In Stockholm hatte der Arzt Anton Nyström ein sog. Arbeiterinstitut (Arbetareinstitutet) gegründet, das eine „wissenschaftliche, humanistische und ästhetische Schulung“ ermöglichen sollte. Er beabsichtigte damit, Arbeiter von gesundheitsschädlichen Vergnügungen abzuhalten und ihre Moral zu stärken. Gegen ein geringes Entgelt (die genaue Höhe ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt) konnten an sieben Tagen der Woche Vorlesungen über Mathematik, Physik, Astronomie, Anatomie, Staatswissenschaft, Kulturgeschichte und Wirtschaft besucht werden. Die Idee, die Vorträge mit musikalischen Beiträgen aufzulockern, entstand bereits 1880; umgesetzt wurde sie allerdings erst 1894 mit der Fertigstellung eines neuen Gebäudes für das Arbeiterinstitut. In diesem Haus befanden sich neben einer Bibliothek und einem Café auch der akustisch hervorragende Konzertsaal mit 480 Plätzen. Noch im selben Jahr beschloss die Arbeitervereinigung Göteborgs, dem Stockholmer Vorbild mit „Gesang, Instrumentalmusik, Deklamation (von Gedichten vermutlich) und wenn möglich, einem Vortrag über ein musikhistorisches Thema“ zu folgen; im folgenden Frühjahr fanden die ersten fünf Konzerte statt. Wohlhabende Göteborger Familien hatten einen Fond zur Finanzierung der Konzerte gegründet. Die Leitung des Arbeiterinstitutes lud Mitglieder dieser Familien ein, ein Komitee zur Organisation der Konzerte zu bilden. Darunter waren Maria Hedlund, Elisabeth Mellgren, die Großhändler Gustaf Bratt und Dr. Z. (E.?) Bökman sowie der musikwissenschaftlich ausgebildete Komponist Dr. Karl Valentin, der zu dieser Zeit Leiter der Harmonischen Gesellschaft war und auch hier die Leitung übernahm, bis er sie 1897 Elfrida Andrée zusätzlich zu ihrem Dienst an der Domkirche übertrug.

    Seine Nachfolgerinnen Andrée und Stenhammar verzichteten auf eine Weiterführung der Vorträge, die Valentin selbst gehalten hatte, wie auch auf die regelmäßige Inanspruchnahme des Orchesters und des Chors der Harmonischen Gesellschaft. Sie organisierten in den Jahren bis zu Elfrida Andrées Tod rund 800 Konzerte.

    Die Volkskonzerte eröffneten der Bevölkerung neue Räume. Mit Preisen zwischen 15 und 25 Öre (statt der sonst üblichen 2 bis 4 Kronen) war der Eintritt auch für Arbeiter erschwinglich. Die Konzerte fanden zunächst im Gebäude des Arbeiterinstitutes, in verschiedenen Schulen oder in Kirchen statt. In der Wahl der Stücke bemühte sich das Komitee sich um ein Gleichgewicht zwischen Anspruch und Zugänglichkeit. Volksliedbearbeitungen schwedischer Komponisten wie z.B. Andreas Hallén, Erik Gustav Geijer, Carl Michael Bellman, Adolf Fredrik Lindblad, August Körling, Emil Sjögren, J.A. Josephson, Wilhelm Peterson-Berger und Elfrida Andrée nahmen einen großen Raum ein. Dennoch kann das Programm als weit gefächert bezeichnet werden: gekürzte Fassungen von Opern Glucks, Mozarts, von Webers, Wagners, Hallströms, von Elsa Stenhammar am Klavier begleitet, Werke Chopins und Beethovens, Griegs, Södermans und Andrées, aber auch geistliche Konzerte mit Werken Palestrinas, Bachs, Händels und Mendelssohns. Elsa Stenhammar oder die Andrée-Schülerin Sarah Wennerberg-Reuter, Elfrida Andrées Damenchor, „Musikliebhaber“ aus dem bürgerlichen Milieu wie Axeline Mràz, Erik Mellgren oder John Bygren sowie ein nicht genauer beschriebenes Streichorchester unter Leitung von Elfrida Andrée trugen die Werke vor.

    Die Programme waren meist mit kurzen Erklärungen versehen – Erläuterungen von Begriffen, Aufbau eines Orchesters, Kurzbiografien von Komponisten etc.

    Mit den Volkskonzerten und ihrem Engagement für ein festes Orchester legte Elfrida Andrée einen Grundstein für die Gründung des Göteborger Orchesters im Jahr 1905. Damit läutete sie jedoch gleichzeitig ihren Abschied als Dirigentin ein. Die Volkskonzerte waren nun ein Ort für Kammer- und Vokalmusik.

    Würdigung

    Elfrida Andrée lebte in einer Zeit, die in Schweden von entscheidenden Diskussionen um die Rolle der Frau geprägt war; im 19. Jahrhundert gab es einen ungewöhnlich hohen Anteil unverheirateter Frauen, denen, wie allen anderen Frauen auch, die Erwerbstätigkeit, mit wenigen Ausnahmen bspw. im sozialen Bereich, untersagt war. Der Staat war daher und aus verschiedenen anderen Gründen zu einer Neuorientierung gezwungen (zit. nach Öhrström, 1999, S. 276).

    Elfrida Andrées besondere Ausgangsposition bestand in dem besonderen familiären und sozialen Kontext, in den sie hineingeboren wurde, war dieser doch überwiegend liberal geprägt und bestand aus zahlreichen einflussreichen Personen, wie z.B. den Reichstagsabgeordneten Daniel Söderberg und Carl Johan Bergman, die sich aktiv für die Verbesserung der Ausbildung von Mädchen einsetzten. Die Diskussion über die Problematik von Frauenrechten wurde damit in nächster Nähe Andrées geführt und beeinflusst.

    Eng im Zusammenhang mit dieser Gruppe von politischen Entscheidungsträgern steht die „Musikalische Gesellschaft“ Visbys, die als zentrale Institution nicht nur Treffpunkt zu musikalischen Anlässen, sondern mit ihrem expliziten Bildungsauftrag auch politisches Medium war und von diesen Personen frequentiert wurde. Vater Andreas Andrée, radikal in seinen liberalen Ansichten, Mitglied einer sozial und ökonomisch privilegierten Familien Gotlands, war in der Musikalischen Gesellschaft, führte selbst einen Salon und schrieb sozio-pädagogische Artikel für Zeitschriften. Er war sehr daran interessiert, seinen beiden Töchtern im Rahmen ihrer Ausbildung in der Musikalischen Gesellschaft Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen.


    Vor diesem vielschichtigen Hintergrund ist Elfrida Andrées Werdegang zu betrachten.

    Die Verbindung aus künstlerischen Fähigkeiten und politischem Bewusstsein machten ihre Karriere möglich, in der sie bewusst in mehreren Bereichen die Schwelle zu vermeintlich männlichen Domänen übertreten hat. Sie ist bis heute die einzige Frau Schwedens, die Organistin einer Domkirche war. Darüber hinaus machte sie, soweit bislang bekannt, als erste Schwedin den Schritt in den Bereich der Sinfonik; sie war auch die erste Telegrafistin Schwedens.

    Auch ihre Tätigkeit im Rahmen der Volkskonzerte ist als politische Aktivität zu werten und gründet in ihrem Glauben an Gleichberechtigung.


    Durch einen intensiven Briefwechsel mit der Schwester und dem Vater sind ihre Begegnungen, Ressentiments gegen sie als komponierende Frau und ihre Gedankengänge über eine lange Zeit gut dokumentiert.

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    Die Organistin

    Elfrida Andrée war von 1867 bis 1929 als Organistin am Göteborger Dom tätig und damit die erste Frau in der schwedischen Kirchengeschichte, die ein solches Amt bekleidete.

    Ihre Aufgabe als Domorganistin war es, fünf Gottesdienste pro Woche musikalisch zu begleiten; ein zweiter Organist war angestellt, um „kleine Gottesdienste“ zu spielen. Daneben wirkte Elfrida Andrée als Sängerin, Chorleiterin, Kammermusikerin, Komponistin, Dirigentin, Pädagogin und Konzertveranstalterin. Wie ihre Organistenkollegen Gade, Hartmann oder Mankell und vermutlich viele andere Organisten dieser Zeit war sie ein musikalisches Allroundtalent. Als Mankell-Schülerin und Inhaberin eines bedeutenden Postens war sie überzeugt von ihren musikalischen Fähigkeiten und tatsächlich bescheinigten verschiedenste Rezensionen aus dem In- und Ausland ihr sehr gutes improvisatorisches wie interpretatorisches Können.

    Sie bemühte sich, gegen den Willen des Propstes, regelmäßig Konzerte im Dom zu veranstalten. In der führenden Göteborger Konzertkirche, Kristine Kyrka, gab sie zahlreiche Konzerte; so standen immer wieder Bachs Orgelwerke, Händels Orgelkonzerte, Mendelssohns Orgelsonaten, Orgelsinfonien von Widor und Rheinbergers Orgelkonzert F-Dur mit Streichern und drei Waldhörnern, eigene Stücke und Orgelwerke von Zeitgenossen wie Fischer, Behrens und Volkmann auf ihren Kirchenkonzertprogrammen. Durch Konzertreisen machte sie sich auch außerhalb Skandinaviens einen Namen sowohl als Interpretin wie auch als Komponistin.


    Die Pädagogin

    Besonders in den Göteborger Jahren nahm die Unterrichtstätigkeit einen bedeutenden Raum in Elfrida Andrées Leben ein. Ihren Schülerinnen- und Schülerkreis fand sie in der wohlhabenden Gesellschaft – hier gehörte Singen und Klavierspiel zum guten Ton. Elfrida Andrée bildete zahlreiche Frauen zu professionellen Organistinnen aus und leistete so einen großen Beitrag zum Professionalisierungsprozess der Frauen. Die namhaftesten unter ihren Schülerinnen sind neben ihrer Nichte Elsa Stenhammar, Sarah Wennerberg-Reuter sowie die spätere Organistin der Kristine Kyrka Alice Brattberg.


    Die Komponistin

    Das Werkverzeichnis von Elfrida Andrée weist ca. 100 Kompositionen auf: Sinfonien und andere orchestrale Musik, Kammermusik, Orgel- und Chorwerke, Lieder und Klavierstücke. Sie hat sich als Komponistin konsequent gegen jegliche Art von Vorbehalt gegen eine komponierende Frau gewehrt und ist trotz schwerer Rückschläge nicht von ihrem Pfad abgewichen. Zahlreiche dieser Werke brachte sie selbst als Organistin, Pianistin oder Dirigentin der Göteborger Musikvereinigung, des städtischen Sinfonieorchesters, zur Aufführung.

    Ihre Stücke zeichnet meist eine souveräne, ausdrucksstarke Melodiebildung aus. Während sie ihr frühes Orchester- und Kammermusikwerk im Stil der Leipziger Schule komponierte und deren skandinavische Vertreter – und Lehrer Andrées – Ludvig Norman und Niels W. Gade nicht zu verleugnen sind, ging sie mit den Entwicklungen Zeit und wandte ihr Interesse in den 90er Jahren des 19. Jh. der spätromantischen Tonsprache zu.

    Sie stand in stetigem Kontakt zu anderen führenden Komponisten Skandinaviens wie Norman und Gade, später Wilhelm Stenhammar, die sie als Komponistin sehr schätzten und förderten.


    Die Veranstalterin von Volkskonzerten

    Als Elfrida Andrée 1929 verstarb, hatte sie neben zahlreichen Kirchenkonzerten über 800 Volkskonzerte organisiert. Dieses enorme Engagement erwuchs aus ihren eigenen Wurzeln. Von Kindheit an hatte Elfrida Andrée in dem Wissen gelebt, dass Bildung für jede benachteiligte Gruppe der Weg zur Emanzipation sei. Mit ihrem Vater hatte sie in langwierigen Kämpfen im Geist der Demokratisierungsbewegung eine Gesetzesänderung erwirkt, die Frauen den Zutritt zum Organistenamt ermöglichte. Auch ihre Ausbildung zur Telegrafistin muss als Beitrag zu diesem Kampf für die Rechte der Frauen bewertet werden. Elfrida Andrées Leben stand ganz im Zeichen des Gleichheitsgedankens und der Musik, so dass die Organisation von Volkskonzerten eine logische Konsequenz ihrer Gedankenwelt und ihrem Lebensweges ist. Neben der Göteborger Orchestervereinigung war sie die größte Konzertveranstalterin am Ort und hatte ein entsprechendes Ansehen im Göteborger Leben.

    Rezeption

    1879 wurde Elfrida Andrée als Mitglied in die Kungl. Musikaliska Akademien gewählt: ihr wurde damit eine der höchsten Auszeichnungen des schwedischen Musiklebens zuteil.

    Bereits zu ihren Lebzeiten wurden Artikel für Zeitschriften und Lexika über sie verfasst, jedoch stellt sich die Frage, ob das Interesse hier primär auf die emanzipatorischen Pioniertaten ihrer Person oder auf ihre Musik zurückzuführen ist. Denn nur ein Bruchteil ihrer Werke wurde zu Lebzeiten gedruckt; aufgeführt wurden zahlreiche Stücke nur im privatesten Rahmen; mit wenigen Ausnahmen wie der h-Moll-Sinfonie für Orgel und der Ballade Snöfrid beschränkte sich die Aufführung ihrer Stücke weitestgehend auf Göteborg.

    Anders Lönn, schwedischer Musikwissenschaftler, hat in den 1960er Jahren mit einem ersten vollständigen Werkverzeichnis die Rezeption der Werke Elfrida Andrées neu entfacht. In den letzten Jahren werden gerade in Schweden Chor- und Kammermusikwerke der Komponistin wiederentdeckt. Hinderlich bleibt jedoch für die weitere Verbreitung der noch immer geringe Anteil gedruckter Werke.

    Susan Pickett und Patrick Meadows haben sich in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts besonders der Veröffentlichung der kammermusikalischen Werke gewidmet; der schwedischen Musikwissenschaftlerin Eva Öhrström ist äußerst gründliche biografische Forschung zu verdanken. Ihr Buch liegt auch diesem Artikel zugrunde.

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    Zum Trio in c-Moll für Klavier, Violine und Violoncello: Anmerkung in der Partitur: „Anmerkung anlässlich des Ordnens am 14.3.1907. Das Trio wurde einmal in Stockholm gespielt zu Hause bei Frl. Laura Pistolekors (spätere Frau Netzel), mit Dente an der Violine und einem Cellisten von der Hofkapelle (Fritz Söderman). A.F. Lindblad war von Papa zum Zuhören eingeladen worden. Dente sagte, das Finale wäre wie von Berwald komponiert! Lindblad fand, es wäre zu unruhig und hätte zu volle Akkorde. Er sagte mir, es wäre feiner, das Klavier in der Kammermusik leichter zu behandeln.

    Obwohl ich dafür auf der Akademie die bestmögliche Note bekommen habe, habe ich natürlich einige Stellen umgearbeitet, aber da ich das Trio nicht erstklassig fand, habe ich es liegen gelassen, mein eigenes Urteil war selbstzerstörerisch.“

    „Als Norman an der Akademie unterrichtete, erhielt ich für dieses Trio die beste Note. Seitdem ist es von Czapek, Ållander und Maria R. zertreten worden und ich fand selbst, es klänge so scheußlich, dass ich es liegen ließ und mich all die Jahre dafür schämte. Ja, wirklich, aber als ich es Gade zeigte, lobte er es. Aber es kann nicht so viel dran sein, nachdem es die erste Kammermusik war, die ich geschrieben habe.“


    Anmerkung in der Partitur des Streichquartetts für 2 Violinen, Viola und Violoncello (1861): „1861. Wurde zu Hause bei d’Aubert gespielt, ich meine mit Nordqvist, Fr. Söderman. Langweilig.“


    Anmerkung in der Partitur zur Sinfonie No. 1 in C-Dur (1869): „Schreckliches, schreckliches Erlebnis. Jugendwerk. Unbesonnen und ohne Beherrschung und Begrenzung. Außerdem missglücktes Experiment in der Instrumentierung. E.A. 13.6.92“


    Sonate für Klavier, 1870: Den 2. Satz hat Elfrida Andrée auch für Orchester („Varför och därför“, 1874) und für Orgel („Symfonisk dikt“, UA: 1903) arrangiert, beide Versionen beginnen mit einem Rezitativ.

    Auch den 3. Satz gibt es in einer Orchesterversion („Pastorale. Allegretto“)


    Das Andante in c-Moll für Orchester (1871) ist eine Bearbeitung des Andantinos für Orgel in e-Moll, und findet sich auch als 2. Satz der 2. Sinfonie wieder.


    Allegretto quasi Andantino („Minnen“) gibt es auch in einer Version für Stimme: Minnen, „I stunder, flygtiga och korta“ (Erinnerung), 1871.


    Die Sonate für Klavier und Violine in Es-Dur (1872) gibt es auch in einer Bearbeitung für Orgel und Blechblasinstrument (1892); mit dieser Fassung gewann Elfrida Andrée den Zweiten Preis beim Wettbewerb in Brüssel (WELCHER?)


    Tempo di marche funebre (1878), ist auch der „Sorg-marsch“ und das Vorspiel zur Kantate (Psalm 56) (1910).


    Andante quasi rezitativo in E-Dur für Streichorchester (1878) ist identisch mit dem langsamen Satz der Orgelsinfonie in h-Moll und dem Zwischenspiel in der Schwedischen Messe No.2.


    Das Scherzo g-Moll findet sich in einer anderen Tonart wieder in der 2. Sinfonie.


    Die Sinfonie No. 2 in a-Moll (1879) wurde in Brüssel mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Am 12.11.1904 dirigierte Elfrida Andrée die Sinfonie in Dresden.


    Andante cantabile, E- Dur, „Romance“ (1881) ist identisch mit dem Andante in E-Dur für Streichorchester (1878), dem Zwischenspiel für Streichorchester in der Schwedischen Messe No.2 und dem 3. Satz der Orgelsinfonie h-Moll.


    Das Streichquartett in d-Moll (1887) wurde in Brüssel mit dem zweiten Preis ausgezeichnet (1895).


    Die Orgelsinfonie No. 2 für Orgel und ein Blechblasinstrument (1892) ist eine Umarbeitung der Sonate für Klavier und Violine von 1872. Motto: „Stark und kräftig muss es klingen.“ Elfrida Andrée erhielt für die Sinfonie den zweiten Preis in Brüssel.


    Die No. 4 der Orgelkompositionen von 1893 ist identisch mit der „Melodie“ für Orgel in cis-Moll und dem ersten der Klavierstücke von 1881, Andantino in cis-Moll.


    Sommarminnen („Sommererinnerung“) für Streichorchester ist eine Umarbeitung des Streichquartetts in d-Moll (1887).


    Es gibt eine Orchesterbearbeitung des dritten Aktes der Oper „Fritjofs Saga“ von 1909, sie ist „für Anna Greiffe mit Dank für alle interessanten Erinnerungen von ihrer Freundin E.A. 21. Dez. 1908“.

    Werkverzeichnis

    Werke mit bekannter Entstehungszeit

    A Vokalmusik

    1. Oper

    Fritjofs Saga, Oper in vier Akten, T.: Selma Lagerlöf, UA: Göteborg Juni 1898, Libretto: Göteborg: Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidnings Tryckeri, 1899.


    2. Lieder

    für Solo, Duett, Quartett:

    Kinderkompositionen:

    „Wohl lag ich“, Andantino, 1852.

    „Ave Maria“, 1856 oder 1857.

    „Jag flyr till Dig“, Sopranquartett, 1859.

    „Kom Guds ande och mitt hjärta lär att fatta“ für Sopran und Klavier (Sopran und Orchester), T.: Andreas Andrée, 1869/70.

    I templet, „Milda ljufva Herrans boning“, für Solo und Orgel (Klavier/Streichquartett), T.: Andreas Andrée, 1871, UA: Göteborg 26.4.1871, Stockholm: Elkan o Schildknecht, 1871, neue Auflage: Stockholm: A. Lundquist, 1929.

    Till Näktergalen, „Sångarkung i nattens stunder“ (An die Nachtigall), für Solo und Klavier (Klavier/Streichorchester und Flöte), T.: Andreas Andrée, 1871, Kopenhagen: Nordiske Musikblade, 9.Heft, 10.2.1871.

    „Vid Månsken“ („Im Mondschein“), T.: Andreas Andrée, 1871.

    Minnen. „I stunder, flygtiga och korta“ (Erinnerung), 1871.

    Söstersprogene, „Jag elsker dig du slettens mö“ , Duett für Klavier und Tenor/Bass oder Sopran/Mezzosopran, T.: Pauline Worm, 1873.

    Vårmorgonen, „Se hur härligt solen träder“ („Frühlingsmorgen. Sieh die Sonne herrlich scheinen“),1874.

    Skogrået, „Han Björn var en stark och fager sven“ (Das Waldweiblein) für Stimme und Klavier, 1875, UA: Göteborg, Dez. 1875, auch für Stimme und Orchester, 1875, UA: 24.5.1877, T.: Viktor Rydberg, Göteborg, Torsten Hedlunds förlag, 1878.

    „Vaknen Nordens alla hjärtan“, für Stimme und Klavier, auch für Männer-, Frauen- und gemischten Chor, 1876, UA: Göteborg 1876.

    „O skräm ej barnens hjertan“ („Tu dem Kinderherz nicht weh“ für Quartett für Mädchenstimmen mit Solo, 1879.

    „Mitt fasta hopp“ (Kirchenarie) für Stimme und Klavier oder Orgel, 1879.

    Lotusblomma och Svan, „O Lotusblomma, svan i blomstrens verld“ (Lotusblume und Schwan), für Stimme und Klavier, 1879.

    Drei Gesänge mit Klavier, op. 8, 1. „En vacker höstdag“ („Schöner Herbsttag“), T.: Sven Adolf Hedlund. 2. „Vis es igen“ („Wir sehen uns wieder“), T.: Victor Rydberg. 3. „Visa en vårmorgon“ („Frühlingsmorgen“), T.: Elfrida Andrée, 1881, Christiania: Carl Warmuths förlag, 1881.

    „Här stod hon englalik“ (oder: „Här hon stod, Den englalika“) („Hier steht sie engelsgleich“), Rezitativ und Aria für Tenor und Orchester (Klavier), 1881.

    „Polska“ für Stimme und Klavier, 1883, Stockholm: Julius Bagge, 1883 (in: „Gamla Toner i ny Drägt“).

    Svanen. „Der simmar på floden en döende svan“ (Der Schwan) für Sopran, Violine und Harfe (Klavier), T.: Boettiger, 1886, Stockholm: Gehrman o Co, 1890.

    14 zweistimmige Lieder ohne Begleitung, 1897.

    Drei Lieder für Stimme und Klavier (Streichorchester), 1. „En vacker höstdag“ („Schöner Herbsttag“), T.: Sven Adolf Hedlund (s.a. 1881). 2. „Öfver hafvet sjunker en stjärna“ („Über dem Meer verbleicht ein Stern“), T.: V. Ekelund. 3. „Im dunklen Wald, im Sommerschein“,1912.


    3. Chor

    a) a capella

    „Dofta, dofta blomma min („Dufte, dufte Blume mein“) für vierstimmigen Frauenchor, 1871, UA: Göteborg 26.4.1871.

    „Vaknen Nordens alla hjärtan“ („Nun erwachen im Nordens alle Herzen“) für Männer-, Frauen- und gemischten Chor, auch für Stimme und Klavier, 1876, UA: Göteborg 1876.

    „Säg hafven i nattetid hört ibland“ Hochzeitsgesang für gemischte Stimmen und Chor a capella, zur Silberhochzeit von Sven Adolf und Stina Hedlund, 16.8.1879.

    Bröllops-sånger (Hochzeitslieder) für gemischte Stimmen, 1. „I hjertevåren, då löjet tåren“, 2. „Och kärleks-dager, upplyser fager den väg de vandra“, T.: Hans Hedlund, für Mia Hedlund, 1881.

    „Ur drömlif“ („Aus dem Traumleben“) für gemischten Chor, 1881, T.: Viktor Rydberg, 1. „Då vi vandra vid bäckarnes skuggade lopp“ („Wenn wir wandern iin des Baches schattigem Lauf“). 2. „Se hur ängarne klädas i svallande flor“ („Sieh die Wiesen im wallenden Flor“). 3. „Ty de hviska, att stridens och smärtans mystère“, Göteborg: Göteborgs Handels- och Sjöfarts-Tidning, 1882 mit dem Untertitel: „Drei Gesänge für Doppelquartett oder kleinen gemischten Chor“.

    Majblomma lilla („Kleine Maiblume“) für Frauenchor a capella, „Für Maja Fagerlund“ zur Hochzeit, 1907.


    b) mit Klavier oder Orgel

    „Kung Oscars Minne“ („Erinnerung an König Oscar“) für gemischten Chor und Klavier, T.: Andreas Andrée, 1859.

    „Himlens höga guda makter“, Serenade für Sopran, Tenor und Männerchor mit Klavier. Unvollendete Partitur für Orchester, T.: Andreas Andrée, 1870, private UA: Stockholm 1870, öffentliche UA: Uppsala 20.2.1872.

    „Ho är den som“ für gemischten Chor und mit Soloquartett, T.: Psalm No. 277, 1871, UA: Göteborg 26.4.1871.

    Dagsländor „När dunkel rådde himlaskyn“ (Eintagsfliegen für Frauenchor und Klavier), T.: Mattis, 1873, UA: Göteborg 10.5.1882..

    Psalm für gemischte Stimmen und Solistenquartett, 1883, UA: Göteborg 1883.

    Höga tanke („Lautere Gedanken“) für Frauenchor und Orgel (Klavier), 1905, „Für Elsa“.

    Kantate zu Einweihung des Göteborger „Folkskolehus“ für Chor mit Klavier (Orgel/Orchester), T.: J. Malmcolm, 1906.

    „Ära vare Gud i höjden“ für gemischten Chor und Orgel (unvollständig), 1907.

    Psalm 20 zum Gedenkgottesdienst zum Frieden von Roskilde für Chor und Klavier (Orgel), 1908.


    c) mit Orchester

    „Der Morgenstern“ für gemischten Chor und Orchester, T.: Karl Theodor Körner, 1871, UA: Göteborg 8.2.1872 (keine Rezension vorhanden).

    „Snöfrid“, Ballade für Soli, Chor und Orchester, T.: Viktor Rydberg, UA: Göteborg 26.4.1879, Klavierauszug: Stockholm: Musikaliska Konstföreningen, 1884. (http://www.musikaliskakonstforeningen.org.se/)

    Schwedische Messe No. 1 für gemischten Chor, Kinderchor, Solisten, Streichorchester, Harfe oder Orgel, 1902, Klavierauszug: Kopenhagen: Nordisk Musikforlag, 1907. (ausleihbar von der Göteborgs Domkyrkoförsamling)

    Schwedische Messe No. 2 für gemischten Chor, zwei Kinderchöre, Solisten, Orchester und Orgel, 1903. (ausleihbar vom Oratoriekör Göteborg)

    Kantate zu Einweihung des Göteborger „Folkskolehus“ für Chor mit Orchester (Orgel/Klavier), T.: J. Malmcolm, 1906.

    Kantate zur Einweihung des neuen Hauses des Arbeitervereins für gemischten Chor, Kinderchor, Solisten und Orchester, 1909, T.: Henrik Hedlund.

    Kantate für Frauenchor, Solisten und Orchester, T.: 56. Psalm, 1910, UA: Göteborg 1910.

    Kantate zum Weltkongress für das Wahlrecht für Frauen für Frauenchor, Solisten und Orchester, T.: Sigrid Leijonhufvud, 1911, UA: Stockholm 12.6.1911.


    4. Bearbeitungen

    ca. 43 Volksliedbearbeitungen mit unterschiedlichen Besetzungen


    5. Melodramen

    Vårqvällstämning („Frühlinsgabendstimmung“), Melodram für Orchester und Rezitator. Entwurf 1873.

    Saul und David, Melodram für Klavier und Harfe (Orchester), T.: G. Fröding, 1912.



    B Instrumentalmusik

    1. Orchestermusik

    Presto, c-Moll, 1859. Mikrofilm SMB.

    Ouvertüre, d-Moll, 1860, unvollendet. Mikrofilm SMB.

    Ouvertüre, g-Moll, 1864. Mikrofilm SMB.

    Sinfonie No. 1, C-Dur, 1869, UA: Stockholm 24.1.1869. Mikrofilm SMB.

    Andante, c-Moll, 1871. Mikrofilm SMB.

    Scherzo, g-Moll, 1871. Mikrofilm SMB.

    Konzertouvertüre, D-Dur, 1873, UA: 16.3.1878, ed. by Susan Eileen Pickett, Washington: Walla Walla, 1998.

    „Varför och därför“, f-Moll, 1874. Mikrofilm SMB.

    Tempo di marche funebre, c-Moll, 1878, UA: 16.3.1878. Mikrofilm SMB.

    Andante quasi rezitativo für Streichorchester, E-Dur, 1878, UA: 16.3.1878. Mikrofilm SMB.

    Scherzo, d-Moll, 1878. Mikrofilm SMB.

    Sinfonie No. 2, a-Moll, 1879, UA: Göteborg 5.4.1893. erhältlich bei: www.mic.stim.se

    „Glömska“ für Streichorchester und Harfe, F-Dur, 1905, „Mit Gedanken an das Leipziger Orchester“. Mikrofilm SMB.

    Sommarminnen („Sommererinnerung“) für Streichorchester, 1909. Mikrofilm SMB.

    Fritjofs Suite, 1909, UA: 24.3.1909; auf CD erhältlich bei www.mic.stim.se



    2. Kammermusik

    Trio für Klavier, Violine und Violoncello in c-Moll, 1860, in: Two chamber works, ed. by Katherine L. Axtell, Madison 2004 (=Recent researches in the music of the nineteenth and early twentieth centuries; 40) ISBN: 0-89579-556-6

    Streichquartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello in d-Moll, 1861, Ed.: Patrick Meadows, Kassel: Furore-Verlag 2000.

    Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier in a-Moll, 1865, UA: Kopenhagen (bei Niels W. Gade) 1870. Ed.: Patrick Meadows, Kassel: Furore-Verlag 2000 bzw. in: Two chamber works, ed. by Katherine L. Axtell, Madison 2004 (=Recent researches in the music of the nineteenth and early twentieth centuries; 40) ISBN: 0-89579-556-6

    Quintett für Klavier, 2 Violinen, Viola und Violoncello in e-Moll, 1865, Stockholm: Musikaliska Konstföreningen, 1865. Ed.: Yvonne Morgan, Winterthur: Amadeus 2001.

    Drei Romanzen für Violine und Klavier, 1871. 1. Andantino, A-Dur, Leipzig: G. Brückner 1899. 2. Allegretto quasi Andantino („Minnen“), As-Dur. 3. Allegretto leggiero, E-Dur.

    Sonate für Klavier und Violine in Es-Dur, 1872, ed. Patrick Meadows, Kassel: Furore-Verlag.

    Sonate für Violine und Klavier in B-Dur, 1872.

    Zwei Romanzen für Violine und Klavier, 1884. 1. Larghetto in D-Dur, 2. Allegro giocoso in G-Dur, Stockholm: A. Hirsch, 1884, ed. by Susan Eileen Pickett, Bryn Mawr: Hildegard Publishing Co. 1997(8?).

    Trio für Piano, Violine und Violoncello in g-Moll, 1884, Stockholm: Musikaliska Konstföreningen, 1887, ed. by Susan Eileen Pickett, Bryn Mawr: Hildegard Publishing Co. 1997. (Faksimile der Ausgabe von 1887)

    Streichquartett d-Moll, 1887, Ed.: Patrick Meadows, Kassel: Furore Verlag 2000.


    3. Klavier

    Sonate für Klavier, op. 3, 1870, Kopenhagen: Wilhelm Hansen, Nordiska Musikblade 5-7, 1873.

    Tonbilder für Klavier, op. 4, 1872, Kopenhagen: Wilhelm Hansen, 1874.

    „Moster Fridas föreställning om små barnens Julafton 1876“ („Tante Fridas Weihnachtsvorstellung für kleine Kinder“), 1876.

    Fünf kleine Tonbilder für Klavier, op. 7, 1880, Stockholm: Hus och Beer, 1880. CD von Solveig Funseth, Swedish Society, SCD 1043, Lundby 1988.

    Tandverks-Fugetta (Zahnschmerz-Fugetta) für Klavier in cis-Moll, - „Doktor Schulzberg gewidmet, 6.7.81. Sempre D.C. während der ganzen Nacht. Inspiriert von einem plombierten Zahn“, 1881.

    Vier Klavierstücke, 1881, 1. und 2. mit dem Titel „Dikter för piano om vermodet“, 1. Andantino, cis-Moll. 2. Allegretto, cis-Moll, „Morgonen“, Stockholm: Gehrman o Co, 1892. 3. Andante cantabile, E- Dur, „Romance“, Göteborg: 1890 (in: „Elfdrottningen“). 4. Tempo rubato/Maestoso, cis-Moll.

    Julstämning (Weihnachtsstimmung) in F-Dur, 1891, abgedruckt in der Weihnachtsausgabe von „Idun“, 1891.


    4. Orgel

    14 kleinere Kompositionen für Orgel, 1860.

    Andante maestoso für Orgel, komponiert für drei Manuale und Pedal, 1868, UA: Göteborg 4.4.1868.

    Sorg-marsch in f-Moll, 1870.

    Vorspiel zu No. 146, 1870.

    Vorspiel zu No. 45 = 294, 1870.

    Vorspiel zu No. 140, 1870.

    Sonate für Orgel, 1871, UA: Göteborg 26.4.1871.

    Andante religioso, 1872, UA: Kopenhagen 3.4.1872.

    Sonate, 1872, UA: Kopenhagen 3.4.1872.

    Maestoso, 1879, UA: Göteborg 26.2.1879.

    Andantino für Orgel in e-Moll, o.J., 2. Satz der Sinfonie a-Moll (1879).

    Orgelsinfonie in h-Moll, 1891, London: Augener & Co, 1892. Stockholm: Edition Reimers, Ed-nr. 101224,1994(5?).

    Vredens Dag (Dies irae), Choral für Orgel, 1890, UA: Göteborg 1890, abgedruckt in „Förslag till reviderad psalmbok för Svenska Kirkan“, 1890.

    „Einleitung: Vorstellung des Chaos“ aus Haydns Schöpfung, arrangiert für Orgel, UA: Göteborg 1892.

    Orgelsinfonie No. 2 für Orgel und ein Blechblasinstrument, 1892, Hamar: Noton, 1990.

    Vier Orgelkompositionen, 1893, 1. Ps 99. 2. Ps 3. 3. Andante. 4. Larghetto, „für Alice Brattberg“, No. 3 und No. 4: Slite: Wessmans Musikförlag, 1975.

    Sorgeförspel für Orgel in f-Moll („Trauervorspiel“), 1903, (in: Nordisk Orgelalbum, Strömsbro und London), Leipzig: N.E. Anjou (Hg.) 1903.

    Vorspiel zum Psalm No.33 „Jag lyfter mina händer“, 1907, Slite: Wessmans Musikförlag, 2004.


    Ohne Jahresangabe:

    1. Choralpräludien:

    a) Kleines Choralvorspiel. Präludien für Orgel, 1. Heft

    1. No. 76. 2. No. 68. 3. Nr. 94. 4. Nr. 33. 5. In e-Moll. „Fräulein Alice Brattberg zur geneigten Durchsicht“, o.J.

    b) Grünes Buch

    1. Fuga in A-Dur. 2. Vorspiel zum Choral No. 15. Fugette. 3. Fuga in f-Moll.

    Orgelvorspiel zu No. 76.

    Orgelvorspiel zu No. 104, 45 und 33.

    Präludien

    1. in a-Moll. 2. zum Choral No. 178 in d-Moll 3. zum Choral No. 298 in a-Moll (unvollständig).

    12 kleine Präludien

    Sonate für Orgel (Choralvariationen in d-Moll, Trio in D-Dur)

    Fuga con spirito in Es-Dur, o.J., Slite: Wessmans Musikförlag, 2004.

    „Consolation“ No. 4 und „Il Pensiero“ von F. Liszt, Bearbeitung für Orgel.


    2. Kammermusik:

    Andante cantabile für Violoncello und Klavier E-Dur (vgl. Andante cantabile, E- Dur, „Romance“, 1881), in: Nineteenth century music for cello and piano, ed. by Susan Eileen Pickett, Bryn Mawr: Hildegard Publishing Co, 1998.


    3. Orchestermusik:

    Polonaise, g-Moll.

    Menuett, f-Moll.

    Sinfoniesatz, f-Moll, Allegro molto.

    Adagio. (Verschollen)

    Pastorale. Allegretto, A-Dur.


    4. Lieder ohne Jahresangabe:

    für Solostimme:

    Begräbnismesse und Kollekte für die Festtage des Kirchenjahres (mit Orgel).

    „Tyst han sofver“, Wiegenlied.

    „Du irrande bölja“, Entwurf.


    5. Für Chor:

    Cavatina, Quartett für Chor mit Orgel oder Klavier.

    Blommorna, „I leende blommor“.

    Bröllopshymn, „O huru vist och fullt af nåd“, („Hochzeitshymne“) für Frauenchor.

    „En ängel genom rummet går“ („Man säger att en ängel“)

    Glömska („Det hviskar i dal“) für Frauenchor oder Männerchor.

    „På märkenväxa blommor upp“ für Frauen- oder Männerchor.

    „O skräm ej barnens hjertan“.

    Das Werkverzeichnis entspricht dem Verzeichnis Eva Öhrströms, in: Elfrida Andrée. Ett levnadsöde, Stockholm: Prisma 1999.

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    Zum Trio in c-Moll für Klavier, Violine und Violoncello: Anmerkung in der Partitur: „Anmerkung anlässlich des Ordnens am 14.3.1907. Das Trio wurde einmal in Stockholm gespielt zu Hause bei Frl. Laura Pistolekors (spätere Frau Netzel), mit Dente an der Violine und einem Cellisten von der Hofkapelle (Fritz Söderman). A.F. Lindblad war von Papa zum Zuhören eingeladen worden. Dente sagte, das Finale wäre wie von Berwald komponiert! Lindblad fand, es wäre zu unruhig und hätte zu volle Akkorde. Er sagte mir, es wäre feiner, das Klavier in der Kammermusik leichter zu behandeln.

    Obwohl ich dafür auf der Akademie die bestmögliche Note bekommen habe, habe ich natürlich einige Stellen umgearbeitet, aber da ich das Trio nicht erstklassig fand, habe ich es liegen gelassen, mein eigenes Urteil war selbstzerstörerisch.“

    „Als Norman an der Akademie unterrichtete, erhielt ich für dieses Trio die beste Note. Seitdem ist es von Czapek, Ållander und Maria R. zertreten worden und ich fand selbst, es klänge so scheußlich, dass ich es liegen ließ und mich all die Jahre dafür schämte. Ja, wirklich, aber als ich es Gade zeigte, lobte er es. Aber es kann nicht so viel dran sein, nachdem es die erste Kammermusik war, die ich geschrieben habe.“


    Anmerkung in der Partitur des Streichquartetts für 2 Violinen, Viola und Violoncello (1861): „1861. Wurde zu Hause bei d’Aubert gespielt, ich meine mit Nordqvist, Fr. Söderman. Langweilig.“


    Anmerkung in der Partitur zur Sinfonie No. 1 in C-Dur (1869): „Schreckliches, schreckliches Erlebnis. Jugendwerk. Unbesonnen und ohne Beherrschung und Begrenzung. Außerdem missglücktes Experiment in der Instrumentierung. E.A. 13.6.92“


    Sonate für Klavier, 1870: Den 2. Satz hat Elfrida Andrée auch für Orchester („Varför och därför“, 1874) und für Orgel („Symfonisk dikt“, UA: 1903) arrangiert, beide Versionen beginnen mit einem Rezitativ.

    Auch den 3. Satz gibt es in einer Orchesterversion („Pastorale. Allegretto“)


    Das Andante in c-Moll für Orchester (1871) ist eine Bearbeitung des Andantinos für Orgel in e-Moll, und findet sich auch als 2. Satz der 2. Sinfonie wieder.


    Allegretto quasi Andantino („Minnen“) gibt es auch in einer Version für Stimme: Minnen, „I stunder, flygtiga och korta“ (Erinnerung), 1871.


    Die Sonate für Klavier und Violine in Es-Dur (1872) gibt es auch in einer Bearbeitung für Orgel und Blechblasinstrument (1892); mit dieser Fassung gewann Elfrida Andrée den Zweiten Preis beim Wettbewerb in Brüssel (WELCHER?)


    Tempo di marche funebre (1878), ist auch der „Sorg-marsch“ und das Vorspiel zur Kantate (Psalm 56) (1910).


    Andante quasi rezitativo in E-Dur für Streichorchester (1878) ist identisch mit dem langsamen Satz der Orgelsinfonie in h-Moll und dem Zwischenspiel in der Schwedischen Messe No.2.


    Das Scherzo g-Moll findet sich in einer anderen Tonart wieder in der 2. Sinfonie.


    Die Sinfonie No. 2 in a-Moll (1879) wurde in Brüssel mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Am 12.11.1904 dirigierte Elfrida Andrée die Sinfonie in Dresden.


    Andante cantabile, E- Dur, „Romance“ (1881) ist identisch mit dem Andante in E-Dur für Streichorchester (1878), dem Zwischenspiel für Streichorchester in der Schwedischen Messe No.2 und dem 3. Satz der Orgelsinfonie h-Moll.


    Das Streichquartett in d-Moll (1887) wurde in Brüssel mit dem zweiten Preis ausgezeichnet (1895).


    Die Orgelsinfonie No. 2 für Orgel und ein Blechblasinstrument (1892) ist eine Umarbeitung der Sonate für Klavier und Violine von 1872. Motto: „Stark und kräftig muss es klingen.“ Elfrida Andrée erhielt für die Sinfonie den zweiten Preis in Brüssel.


    Die No. 4 der Orgelkompositionen von 1893 ist identisch mit der „Melodie“ für Orgel in cis-Moll und dem ersten der Klavierstücke von 1881, Andantino in cis-Moll.


    Sommarminnen („Sommererinnerung“) für Streichorchester ist eine Umarbeitung des Streichquartetts in d-Moll (1887).


    Es gibt eine Orchesterbearbeitung des dritten Aktes der Oper „Fritjofs Saga“ von 1909, sie ist „für Anna Greiffe mit Dank für alle interessanten Erinnerungen von ihrer Freundin E.A. 21. Dez. 1908“.

    Quellen

    Primärquellen

    In der Abteilung Raritetssamlingara der Bibliothek der Statens Musikbibliotek Stockholm befindet sich das Andrée-Stenhammar-Arkiv, in dem ca. 3000 Briefe an und von Elfrida Andrée samt Familie, Konzertprogramme, Reisetagebücher, Fotografien sowie die Kompositionsautographe aufbewahrt sind (http://www.muslib.se/hand/fort/andree.html).


    Sekundärliteratur

    Blomqvist, Ann. “’Lättare vore att rycka en bit ur klippan än att från mig rycka min idealidé’: Elfrida Andrée - den första kvinnliga orkesterdirigenten i Sverige“. In: Evterpe 7 (1998): 4, S. 12-14.


    d’Hermelin Larson, Margareta. „Elfrida Andrée,

    organiste et compositrice“. In: L’Orgue 167 (Jan-März) 1976.


    Myreberg, Agneta. „Kvinnan som inte höll tyst i kyrkan.“ In: Populär historia, Nr. 8/1991. Lund: Populär Historia, 1991.


    Öhrström, Eva. „1800-talets svenska musikhistoria ur kvinnoperspektiv“. In: Kvinnovetenskaplig tidskrift, 4 (1983): 2, Stockholm, S. 32-42.


    Öhrström, Eva. „Borgerliga kvinnors musicerande i 1800-talets Sverige“ (=Skrifter från Musikvetenskapliga institutionen, Bd. 15). Göteborg, 1987.


    Öhrström, Eva. „Elfrida Andrée: domkyrkoorganist – tonsättare – dirigent.“ In: Musikrevy 45 (1990): 8, S. 312-315.


    Öhrström, Eva. „Elfrida Andrée. Ett levnadsöde“. Stockholm: Prisma 1999.


    Öjersson, Birgitta. „Pappas tillgifna Frida blev pionjär för yrkesarbetande kvinnor“. In: Kommunalarbetaren 79 (1989): 20, S. 44-47.


    Stuart, Elsa Marianne. „Elfrida Andrée. Originalbiografi för „Musikern“. In: Musikern 18 (1925):10. Stockholm 1925.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 69130046
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 123615615
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    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Katrin Losleben


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 22.11.2005


    Empfohlene Zitierweise

    Katrin Losleben, Artikel „Elfrida Andrée“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 22.11.2005.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Elfrida_Andrée