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  • Edith Robinson

    von Silke Wenzel
    Die Violinistin Edith Robinson 1891. Fotografie von Georg Brokesch, Leipzig.
    Namen:
    Edith Robinson
    Lebensdaten:
    geb. in Manchester, England
    gest. in Manchester, England
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Musikpädagogin, Hochschuldozentin
    Charakterisierender Satz:

    „In einem Concert, welches kürzlich vor einem ausserordentlich zahlreichen Publicum hier statthatte, liess sich erstmalig in unserer Stadt die Violinistin Frl. Edith Robinson hören. Eine Schülerin [Adolph] Brodsky’s und [César] Thomson’s, verbindet sie in ihrem Spiel modulationsfähigen Ton und innigen Gefühlsausdruck mit dem technischen Schliff und der Vortragsverve der französischen Schule, und ihr bescheidenes persönliches Auftreten erhöht noch den sympathischen künstlerischen Eindruck ihres Vortrags.“


    (Das „Musikalische Wochenblatt“ am 19. Juli 1894, S. 370, Bericht aus Lüttich)


    Profil

    Edith Robinson galt als herausragende Solistin und Kammermusikerin. Nach ihrem Studium trat sie zunächst im mitteldeutschen Raum auf, wo sie u. a. mit dem Pianisten Fritz von Bose und dem Violoncellisten Georg Wille ein Klaviertrio gründete. Mitte der 1890er Jahre kehrte sie nach England zurück und war im dortigen Musikleben mehrere Jahrzehnte lang präsent, ab 1906 vor allem mit ihrem Damenstreichquartett, dem Edith Robinson Quartet, das bis in die 1930er Jahre regelmäßig auftrat. 1907 erhielt sie zudem einen Ruf als Professorin für Violine und Kammermusik an das Royal Manchester College of Music, an dem sie ebenfalls bis Mitte der 1930er Jahre unterrichtete.

    Orte und Länder

    Edith Robinson wurde in Manchester geboren und wuchs dort auf. Von Oktober 1884 bis Oktober 1889 studierte sie am Leipziger Konservatorium für Musik Violine. Sie lebte bis 1894 in Leipzig, setzte dann ein Jahr lang in Lüttich ihr Studium fort und kehrte 1895 nach England zurück. Sie konzertierte in London, Manchester und weiteren Städten Großbritanniens und wurde 1907 zur Professorin am Royal Manchester College of Music ernannt.

    Biografie

    Edith Robinson wurde am 29. Oktober 1867 in Manchester als Tochter des Malers William Robinson und seiner Frau geboren. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie von ihrer Mutter am Klavier und wurde erst in Vorbereitung auf ein Studium mehrere Monate lang von Luigi Risigari und einem Herrn Spielmann in Violine sowie von einem Fräulein Holmer in Musiktheorie unterrichtet (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, Sign. A. I. 2 Inskriptionen, Matrikelnummer 4112: Edith Robinson).


    Am 4. Oktober 1884 wurde sie am Leipziger Konservatorium für Musik aufgenommen und studierte dort fünf Jahre lang, bis zum Herbst 1889, das Fach Violine bei Friedrich Hermann und Adolph Brodsky. Zusätzlich belegte sie die Fächer Klavier bei Alois Reckendorf, Ensemblespiel bei Carl Reinecke, Musiktheorie und Komposition bei Salomon Jadassohn und Musikgeschichte und -ästhetik bei Oscar Paul. In kurzem zeitlichem Abstand erhielt sie zwei Lehrerzeugnisse, das eine am 20. März 1888, das zweite am 20. April 1888. Im Zeugnis vom 20. März 1888 urteilte Adolph Brodsky: „Eine außerordentlich fleißige und musikalische Schülerin. Sie hat ganz bedeutende Fortschritte gemacht und kann man ihr eine schöne Zukunft prophezeien“, und Friedrich Hermann ergänzte: „Sehr erfreuliche Entwicklung eines Talents zu künstlerischer Reife und umso erfreulicher, als die Ausbildung des Frl. R. ganz unserm Institute angehört. Vollständig Anfängerin, trat sie in das Conservatorium ein und sie verlässt dasselbe ausgestattet mit einem Schatz musikalisch-practischer Kenntnisse, welcher ihr überall ehrenvolle Zukunft sichert.“ Auch im zweiten Zeugnis wurden ihre Fähigkeiten hervorgehoben. Im zweiten Zeugnis fasste Adolph Brodsky zusammen: „Frl. R. ist schon bereits eine Künstlerin von hohem Range und zweifle ich nicht, dass es ihr bei ihrem musikalischen Spiel, schönem Ton u. grosser Technik gelingen wird sich einen ihr gebührenden Platz in der Künstlerwelt zu erringen“, und Friedrich Hermann ergänzte: „Gleicher Ansicht“. Salomon Jadassohn schrieb über das Fach Musiktheorie: „Recht intelligent und fleißig hat sich Frl. R. ordentliche Kenntnisse in der Harmonie u. in den Anfängen des einf.[achen] Contrapunkts erworben“, und Oscar Paul bezeichnete sie als eine „vortreffliche Schülerin“ (alle Zitate: Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, Sign. A. I. 3 Zeugnisse: Edith Robinson). Den Zeugnissen zufolge hatte Edith Robinson in ihrer Studienzeit bereits mehr als zehn Violinkonzerte erarbeitet, darunter die Konzerte von Pierre Rode (a-Moll, op. 9 und e-Moll, op. 13), Giovanni Battista Viotti (a-Moll, Nr. 22), Louis Spohr (d-Moll, op. 55), Henri Vieuxtemps (E-Dur, op. 10), Henri Wieniawski (d-Moll, op. 22), Hans Sitt (d-Moll, Nr. 1), Johann Sebastian Bach (a-Moll, BWV 1041), Ludwig van Beethoven (D-Dur, op. 61) und Johannes Brahms (D-Dur, op. 77) (vgl. ebd.). Bereits während ihres Studiums trat Edith Robinson mehrfach öffentlich auf und gab z. B. am 10. Februar 1888 in den öffentlichen Hauptprüfungen des Konservatoriums Johann Sebastian Bachs Violinkonzert a-Moll (BWV 1041) (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 23. Februar 1888, S. 104). Im April 1889 konzertierte sie als Solistin in den Abonnementkonzerten in Plauen, und ein Rezensent beschrieb sie als eine „durch fertige Technik, schönen Ton und lebendigen Vortrag excellirende jugendliche Violinistin“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 11. April 1889, S. 201).


    Edith Robinson blieb nach ihrem Studium zunächst in Leipzig. Sie konnte sich innerhalb kürzester Zeit als Geigerin im deutschen Musikleben etablieren und wurde in vielen Städten von Musikkritikern begeistert rezensiert. Dabei trat sie sowohl solistisch als auch in verschiedenen Kammermusikformationen auf. Gemeinsam mit dem Pianisten Fritz von Bose und dem Violoncellisten Georg Wille gründete sie ein Klaviertrio, das am 28. Oktober 1891 im Alten Gewandhaus in Leipzig mit Werken Ludwig van Beethovens debütierte und mehrere Jahre lang Bestand hatte (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 5. November 1891, S. 580). Im November 1891 wirkte Edith Robinson bei einem Konzert der Sängerin Fanny Moran-Olden in der Leipziger Alberthalle mit und spielte dabei u. a. Ludwig van Beethovens Violinromanze G-Dur (op. 40) (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 19. November 1891, S. 608). Wenige Tage später beteiligte sie sich an einem Konzert des Leipziger Lehrer-Gesangvereins unter der Leitung von Hans Sitt mit Kompositionen von Max Bruch und Henri Wieniawski, die sie – so das „Musikalische Wochenblatt“ – „mit Temperament und rühmlicher Fertigkeit spielte“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 26. November 1891, S. 618). Am 10. April 1892 trat sie bei einem Konzert des Organisten Bernhard Pfannstiehl in der Leipziger Paulinerkirche mit einer Violinsonate D-Dur von Georg Friedrich Händel sowie mit Ludwig van Beethovens Violinromanze F-Dur (op. 50) auf (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. April 1892, S. 216), und über einen Auftritt in Gera im Dezember 1892 mit Max Bruchs Violinkonzert g-Moll (op. 26) hieß es: „Als Solistin trat zunächst die hier schon bekannte Frl. Edith Robinson aus Leipzig auf, die mit dem Vortrage des ersten Bruch’schen Violinconcerts eine schöne Probe ihres hervorragenden Talentes gab und bei vollendeter Technik über einen weichen, seelenvollen Ton gebietet. Auch die beiden kleinen Sachen mit Clavier: Romanze von Svendsen und Czárdas von Hubay fanden lebhaften Beifall.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 5. Januar 1893, S. 20) Im April 1893 übernahm Edith Robinson bei einer Kammermusiksoirée des Pianisten Rudolf Stronck in Mülheim an der Ruhr den Part der ersten Violine. Auf dem Programm standen Franz Schuberts Klavierquintett A-Dur (op. 114, „Forellenquintett“), Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur (op. 44) und Ludwig van Beethovens Streichquartett Es-Dur (op. 74, „Harfenquartett“). Das „Musikalische Wochenblatt“ rezensierte: „Die Hauptpfeiler des Programms bildeten Schubert’s Forellen-Quintett, Beethoven’s Harfenquartett und Schumann’s Clavierquintett, in denen die führende Violine sich in den Händen des Frl. Edith Robinson aus Leipzig befand, deren Spiel sich ebensosehr durch vollkommene technische Durchbildung wie Reife der Auffassung, Bestimmtheit des Ausdrucks und Sicherheit der Ausführung auszeichnete.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 20. April 1893, S. 255)


    Im Frühjahr 1894 beendete Edith Robinson ihren Aufenthalt in Leipzig. Sie gab am 19. April 1894 im Alten Gewandhaus ein Abschiedskonzert, dessen Programm u. a. aus drei Doppelkonzerten bestand. Gemeinsam mit dem Violinisten Karl Prill spielte sie Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-Moll (BWV 1043), mit dem Bratscher Hans Sitt Wolfgang Amadeus Mozarts „Konzertante Sinfonie“ Es-Dur (KV 364) und mit dem Violoncellisten Julius Klengel Johannes Brahms’ Doppelkonzert a-Moll (op. 102); das Orchester wurde von Paul Klengel geleitet. Als Solostücke standen Werke von Niccolò Paganini, Henri Wieniawski und Benjamin Godard auf dem Programm. Die Rezension des Konzertes im „Musikalischen Wochenblatt“ belegt, dass Edith Robinson in den Jahren nach ihrem Studium umfassend in das Leipziger Konzertleben eingebunden war: „Eine der talentvollsten und musikalisch reifsten jüngeren Künstlerinnen, welche hier auf dem hiesigen k.[öniglichen] Conservatorium der Musik ihre künstlerische, unter Brodsky ihre speciell violinistische Ausbildung erhalten hat, verabschiedete sich in einem am 19. April im Alten Gewandhaus eigens zu diesem Zweck veranstalteten Concert von unserem Publicum. Durfte Frl. Edith Robinson schon im voraus auf Grund ihrer hier als vorzüglich bekannten Künstlerschaft und der warmen Sympathien, die sie sich durch ihr persönlich liebenswürdiges und feines Wesen in weitesten Kreisen erworben hat, auf einen starken Besuch dieses Abschiedsconcertes rechnen, so hatte sie demselben ausserdem auch noch durch die Aufstellung eines interessanten, weil von gewöhnlichen Gleisen abweichenden Programms eine weitere Anziehungskraft verliehen, indem als Hauptstücke drei Doppelconcerte, und zwar für zwei Violinen in Dmoll von S. Bach, für Violine und Bratsche in Esdur von Mozart und für Violine und Violoncell in Amoll von Brahms von ihr gewählt worden waren, und sie als Partner in deren Wiedergabe drei anerkannte Meister in den HH. Prill (Violine), Sitt (Bratsche) und J. Klengel (Violoncell) gewonnen hatte. In allen drei Werken zeigte die junge Geigerin nicht blos eine makellose und sieghafte Bewältigung der technischen Materie, sondern ebensoviel Verständniss für die Stilverschiedenheiten dieser Vortragsobjecte, wie warmherzige Auffassung [...]. Nicht genug mit diesem schon die Kraft und Ausdauer eines männlichen Spielers vollauf in Anspruch nehmenden Aufgaben, trat Frl. Robinson auch noch mit Solostücken von Paganini [...] und Wieniawski auf, welchen Nummern sie als unwiderstehlich geforderte Zugabe noch die bekannte Canzonetta von Godard folgen liess. [...] Zunächst ist wohl für sicher anzunehmen, dass nach den Talent- und Fertigkeitsproben, wie sie Frl. Robinson an dem beregten [sic] Abend geleistet hat, unsere Gewandhausconcertdirection nicht länger mit einem Engagement der Künstlerin säumen wird, umso weniger, als dieselbe mit ihrem schönen Können gleichzeitig beredtes Zeugniss für die Lehrresultate des dem berühmten Concertinstitute eng verschwisterten k.[öniglichen] Conservatoriums ablegen würde.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 26. April 1894, S. 214)


    Edith Robinson ging zunächst nach Lüttich und setzte dort ca. ein Jahr lang ihr Studium bei César Thomson fort. In Lüttich trat sie erstmals im Juli 1894 auf und begeisterte auch dort von Beginn an das Publikum: „In einem Concert, welches kürzlich vor einem ausserordentlich zahlreichen Publicum hier statthatte, liess sich erstmalig in unserer Stadt die Violinistin Frl. Edith Robinson hören. Eine Schülerin Brodsky’s und Thomson’s, verbindet sie in ihrem Spiel modulationsfähigen Ton und innigen Gefühlsausdruck mit dem technischen Schliff und der Vortragsverve der französischen Schule, und ihr bescheidenes persönliches Auftreten erhöht noch den sympathischen künstlerischen Eindruck ihres Vortrags. Der Erfolg, den sich Frl. Robinson errang, war ein ebenso grosser, wie wohlverdienter.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 19. Juli 1894, S. 370)


    Im Sommer 1895 kehrte Edith Robinson nach England zurück und konzertierte in den folgenden Jahrzehnten sowohl in London und Manchester als auch in vielen weiteren Städten Großbritanniens. Sie debütierte im Juni 1895 in den Londoner Sunday Popular Concerts in der Queen’s Hall und wurde dabei von Sir Henry Wood am Klavier begleitet (vgl. Konzertankündigung in „The Times London“ vom 29. Juni 1895, S. 1). Sie gab im November 1896 ein eigenes Konzert, wiederum in der Queen’s Hall, bei dem sie u. a. die Violinsonate d-Moll von Johannes Brahms (op. 108), Präludium und Fuge aus Johann Sebastian Bachs Partita für Violine solo g-Moll (BWB 1004), das Violinkonzert d-Moll von Henri Vieuxtemps (op. 31), Henri Wieniawskis Polonaise D-Dur (op. 4) sowie die „Romance“ aus dem „Ungarischen Violinkonzert“ d-Moll von Joseph Joachim (op. 11) spielte. Dabei wurde sie von dem Pianisten Isidor Cohn begleitet. Der Rezensent der „London Times” war begeistert: „Not only were these works finely interpreted, but great brilliance was shown in Vieuxtemps’s concerto in Dminor and Wieniawski’s polonaise in D, while real feeling was manifested in the romance from Joachim’s Hungarian Concerto.“ („Nicht nur waren diese Werke vollendet interpretiert, sondern es wurde auch eine große Brillianz in Vieuxtemps Konzert d-Moll und Wieniawskis Polonaise D-Dur präsentiert, während in der Romance aus Joachims Ungarischem Konzert wahrhaftige Empfindung manifest wurde.“; „The Times London“ vom 17. November 1896, S. 12) Bei einem weiteren eigenen Konzert im Oktober 1897 in der Queen’s Hall standen das Violinkonzert d-Moll (op. 55) von Louis Spohr, die Violinsonate E-Dur von Johann Sebastian Bach (BWV 1016) sowie – als aktuelles Werk – die Violinsonate Es-Dur (op. 18) von Richard Strauss auf dem Programm (vgl. „The Times London“ vom 29. Oktober 1897, S. 9).


    Im Sommer und Herbst 1898 trat Edith Robinson mehrfach in Deutschland auf. So beteiligte sie sich z. B. im Juni 1898 bei einem Konzert der Sängerin Rosa Sucher in Weimar, und das „Musikalische Wochenblatt“ kommentierte ihren Auftritt folgendermaßen: „Schwer wurde es neben ihr [Rosa Sucher] der jugendlichen Violinistin Frl. Edith Robinson aus Leipzig, sich Geltung zu verschaffen. Vermöge ihrer ausgezeichneten Technik und Tongebung, wie ihrer durchaus feinen musikalischen Auffassung gelang ihr dies aber, wie der ihren Vorträgen folgende reiche Applaus bezeugte, in hohem Maasse.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 22. Juni 1898, S. 375) In Leipzig konzertierte Edith Robinson unter der Leitung von Arthur Nikisch und spielte u. a. Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge aus der Partita für Violine solo g-Moll (BWV 1004): „Den Abend darauf fand das mit Unterstützung unseres Hrn. Capellmeister Nikisch und der Violinistin Frl. Edith Robinson gegebene Concert der einheimischen beliebten Sängerin Frl. Adrienne Osborne vor einem ausverkauften Hause statt. [...] Einen schönen und verdienten Erfolg erspielte sich neben Frl. Osborne Frl. Robinson, eine frühere Schülerin des hies. k. Conservatoriums der Musik resp. Ad. Brodsky’s. Sie hat sich, wie dies namentlich aus dem in der Phrasirung musterhaften und dem in der technischen Ausarbeitung ungemein gewissenhaften und klaren, sowie stilvollen Vortrag von S. Bach’s Praeludium und Fuge in Gmoll hervortrat, in ihrer Kunst seit ihrem Weggang von Leipzig wesentlich vervollkommnet.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 10. November 1898, S. 648)


    Im Dezember 1900 trat Edith Robinson bei einem Konzert der „People’s Concert Society“ erstmals gemeinsam mit der Pianistin und Clara Schumann-Schülerin Fanny Davies auf. Die beiden spielten Ludwig van Beethovens Violinsonate E-Dur (op. 12), eine der Violinsonaten A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, das Adagio aus dem zweiten Violinkonzert d-Moll (op. 44) von Max Bruch und eine der Polonaisen von Henri Wieniawski (vgl. „The Times London“ vom 18. Dezember 1900, S. 9). In den folgenden Jahren konzertierten die beiden Musikerinnen häufiger miteinander. So gab Edith Robinson z. B. im Frühjahr 1903 drei eigene Konzerte in der Londoner Bechstein Hall, bei denen sie ebenfalls von Fanny Davies begleitet wurde. Die „London Times“ schrieb über das dritte Konzert, bei dem Edith Robinson und Fanny Davies u. a. eine von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinsonaten Es-Dur spielten: „In Bechstein-hall […] Miss Edith Robinson was giving her third and last violin recital, which, beyond mention of the extremely interesting programme and its admirable rendering by the concert-giver and Miss Fanny Davies, calls for no comment, only a word of hearty praise. No fewer than a dozen composers were represented, from Mozart to Guiraud – and were well represented; and if anything was more particularly enjoyable than the rest, it was Mozart’s delightful sonata in E flat.” („In der Bechstein-Hall [...] gab Miss Edith Robinson ihr drittes und letztes Konzert, das außer der Erwähnung des besonders interessanten Programms und seiner bewunderswerten Wiedergabe durch die Konzertgeberin und Miss Fanny Davies, keinen Kommentar erfordert, nur ein Wort herzlichen Lobes. Nicht weniger als ein Dutzend Komponisten waren vertreten, von Mozart bis Guiraud, und sie waren gut vertreten, und wenn irgendetwas noch erfreulicher war als der Rest, dann war es Mozarts wunderbare Sonate Es-Dur.“;“The Times London“ vom 4. März 1903, S. 7) Ebenfalls gemeinsam mit Fanny Davies spielte Edith Robinson die englische Erstaufführung der Violinsonate a-Moll (op. 7) von Ethel Smyth , die 1887 von ihrem Lehrer Adolph Brodsky in Leipzig uraufgeführt worden war.


    In Manchester gründete Edith Robinson im Herbst 1906 das Edith Robinson Quartet, zu dem Isabel McCullagh (Violine 2), Daisy Jordan (Viola) und Mary McCullagh (Violoncello) gehörten; den Violapart übernahm teilweise auch Lily Simms. Das Damenstreichquartett trat bis Mitte der 1930er Jahre regelmäßig auf. In Manchester war es – ebenso wie das „Adolph Brodsky Quartet“ – ein fester Bestandteil des Musiklebens, konzertierte jedoch auch in London und weiteren Städten Großbritanniens. Auf den Programmen standen zunächst kammermusikalische Werke des klassisch-romantischen Repertoires sowie von Beginn an auch aktuelle Kompositionen. So spielte das Edith Robinson Quartet z. B. bei seinem Debütkonzert am 2. November 1906 die Streichquartette a-Moll (op. 64 Nr. 5) von Joseph Haydn und a-Moll (op. 51 Nr. 2) von Johannes Brahms sowie g-Moll (op. 10) von Claude Debussy (vgl. „The Musical Times” vom 1. Dezember 1906, S. 837) und trat im Herbst 1908 in Manchester mit Hugo Wolfs Streichquartett d-Moll auf (vgl. „Die Musik“ 8 [1908/09], Bd. 2, S. 123). Bei einem Konzert am 29. März 1909 standen Joseph Haydns Streichquartett D-Dur (op. 20 Nr. 4) und Ludwig van Beethovens Streichquintett C-Dur (op. 29), gemeinsam mit Lily Simms, auf dem Programm (vgl. „The Musical Times” vom 1. Mai 1909, S. 332), und am 25. Oktober 1910 spielte das Ensemble in der Londoner Bechstein Hall Robert Schumanns Streichquartett F-Dur (op. 41 Nr. 2), Johannes Brahms’ Klarinettenquintett h-moll (op. 115) mit H. Mortimer als Klarinettisten und das Streichquartett C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 465) (vgl. „The Times London“ vom 22. Oktober 1910, S. 10; vom 26. Oktober 1910, S. 10). In der Londoner Wigmore Hall trat das Edith Robinson Quartet im Februar 1922 mit den Streichquartetten G-Dur (op. 77) von Joseph Haydn, c-Moll (op. 51) von Johannes Brahms und F-Dur von Maurice Ravel auf (vgl. „The Times London“ vom 20. Februar 1922, S. 8) und spielte dort ein Jahr später, im März 1923, die Streichquartette A-Dur (op. 41) von Robert Schumann, Es-Dur (op. 109) von Max Reger sowie eine Fantasie von Ernest Walker (vgl. „The Times London“ vom 5. März 1923, S. 17). Im November 1923 veranstaltete das Ensemble ein Konzert mit Kammermusikwerken von Dame Ethel Smyth, bei dem auch Fanny Davies als Pianistin mitwirkte (vgl. „The Times London“ vom 19. November 1923, S. 12), und im April 1927 standen bei einem Konzert in der Londoner Aeolian Hall Werke von Eric Fogg, Johannes Brahms, Franz Schubert und Max Reger auf dem Programm (vgl. „The Times London“ vom 8. April 1927, S. 12). Ab 1928 wurden Konzerte des Edith Robinson Quartet auch von der BBC ausgestrahlt, so z. B. am 4. Januar und am 20. Februar 1928 („The Times London“ vom 4. Januar 1928, S. 6; vom 20. Februar 1928, S. 21).


    Von September 1907 bis ebenfalls Mitte der 1930er Jahre unterrichtete Edith Robinson als Professorin am Royal Manchester College of Music, das seit 1895 unter der Leitung ihres ehemaligen Lehrers Adolph Brodsky stand. Sie leitete sowohl eine Violinklasse als auch, gemeinsam mit Adolph Brodsky, eine Quartettklasse und hielt in späteren Jahren Vorlesungen über Musikpädagogik und Musikdidaktik. Zudem zählte sie zu den aktiven Mitgliedern des „Manchester Contemporary Music Centre“ (vgl. „The Musical Times“ vom 1. September 1907, S. 569; „The Strad“ 23 [1913], S. 286; „The Musical Times” vom 1. Mai 1940, S. 224 und 234). Über ihre zweifellos umfangreiche musikpädagogische Arbeit ist bislang nahezu nichts bekannt.


    Edith Robinson starb am 18. April 1940 in Manchester.

    Würdigung

    Edith Robinson gehörte mehr als vier Jahrzehnte lang zu den herausragenden Violinistinnen in Deutschland und England. Bereits kurz nach ihrer Leipziger Studienzeit wurden ihre Konzerte in Mitteldeutschland von der Musikkritik begeistert aufgenommen. Dabei trat sie als Solistin und Kammermusikerin auf: Sie gründete sowohl in Leipzig ein eigenes Klaviertrio, als auch in Manchester ein Damenstreichquartett, das von 1906 bis Mitte der 1930er Jahre regelmäßig auftrat und mit dem sie auch Rundfunkkonzerte gab. Ab 1907 unterrichtete sie zudem als Professorin am Royal Manchester College of Music die Fächer Violine, Kammermusik und Musikpädagogik.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Edith Robinson werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption s. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Edith Robinson kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke.


    Bach, Johann Sebastian. Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll, BWV 1043

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für Violine und Orchester a-Moll, BWV 1041

    Bach, Johann Sebastian. Partita für Violine solo g-Moll, BWV 1004

    Bach, Johann Sebastian. Sonate für Violine und Klavier (bzw. Cembalo) E-Dur, BWV 1016


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 61

    Beethoven, Ludwig van. Romanze für Violine und Orchester F-Dur, op. 50

    Beethoven, Ludwig van. Romanze für Violine und Orchester G-Dur, op. 40

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier und Violine E-Dur, op. 12

    Beethoven, Ludwig van. Streichquartett Es-Dur, op. 74 („Harfenquartett“)

    Beethoven, Ludwig van. Streichquintett C-Dur, op. 29


    Brahms, Johannes. Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 77

    Brahms, Johannes. Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll, op. 102

    Brahms, Johannes. Sonate für Klavier und Violine d-Moll, op. 108

    Brahms, Johannes. Streichquartett c-Moll, op. 51 Nr. 1

    Brahms, Johannes. Streichquartett a-Moll, op. 51 Nr. 2

    Brahms, Johannes. Klarinettenquintett h-moll, op. 115


    Bruch, Max. Konzert für Violine und Orchester g-Moll, op. 26

    Bruch, Max. Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op. 44


    Debussy, Claude. Streichquartett g-Moll, op. 10


    Händel, Georg Friedrich. Violinsonate D-Dur


    Haydn, Joseph. Streichquartett D-Dur, op. 20 Nr. 4

    Haydn, Joseph. Streichquartett a-Moll, op. 64 Nr. 5

    Haydn, Joseph. Streichquartett G-Dur, op. 77


    Joachim, Joseph. Konzert für Violine und Orchester in ungarischer Weise d-Moll, op. 11


    Lalo, Edouard. Symphonie espagnole für Violine und Orchester d-Moll, op. 21


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Konzertante Sinfonie für Violine, Viola und Orchester Es-Dur, KV 364

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Sonate für Klavier und Violine A-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Sonate für Klavier und Violine Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Streichquartett C-Dur, KV 465


    Ravel, Maurice. Streichquartett F-Dur


    Reger, Max. Streichquartett Es-Dur, op. 109


    Rode, Pierre. Konzert für Violine und Orchester a-Moll, op. 9

    Rode, Pierre. Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 13


    Schubert, Franz. Klavierquintett A-Dur, op. 114 („Forellenquintett“)


    Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur, op. 44

    Schumann, Robert. Streichquartett A-Dur, op. 41 Nr. 1

    Schumann, Robert. Streichquartett F-Dur, op. 41 Nr. 2


    Sitt, Hans. Konzert für Violine und Orchester Nr. 1, d-Moll


    Smyth, Ethel. Sonate für Violine und Klavier a-Moll, op. 7


    Spohr, Louis. Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op. 55


    Strauss, Richard. Sonate für Violine und Klavier Es-Dur, op. 18


    Vieuxtemps, Henri. Konzert für Violine und Orchester E-Dur, op. 10

    Vieuxtemps, Henri. Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op. 31


    Viotti, Giovanni Battista. Konzert für Violine und Orchester a-Moll, Nr. 22


    Walker, Ernest. Fantasie für Streichquartett


    Wieniawski, Henri. Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op. 22

    Wieniawski, Henri. Polonaise D-Dur, op. 4


    Wolf, Hugo. Streichquartett d-Moll

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, Sign. A. I. 1 Inskriptionsregister, A. I. 2 Inskriptionen und A. I. 3 Zeugnisse, Matrikelnummer 4412: Edith Robinson.



    Literatur


    Artikel „Robinson, Edith“. In: a dictionary of modern music and musicians. A. E. Hull (Hg.). 1924 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Robinson, Edith“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag, 1954, Bd. 2, Sp. 1059.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Die Musik, Jg. 8 (1908/09), Bd. 2, S. 123.


    Musikalisches Wochenblatt vom 23. Februar 1888, S.104.

    Musikalisches Wochenblatt vom 11. April 1889, S. 201.

    Musikalisches Wochenblatt vom 5. November 1891, S. 580.

    Musikalisches Wochenblatt vom 19. November 1891, S. 608.

    Musikalisches Wochenblatt vom 26. November 1891, S. 618.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. April 1892, S. 216.

    Musikalisches Wochenblatt vom 5. Januar 1893, S. 20.

    Musikalisches Wochenblatt vom 20. April 1893, S. 255.

    Musikalisches Wochenblatt vom 26. April 1894, S. 214.

    Musikalisches Wochenblatt vom 19. Juli 1894, S. 370.

    Musikalisches Wochenblatt vom 22. Juni 1898, S. 375.

    Musikalisches Wochenblatt vom 10. November 1898, S. 648.


    The Musical Times vom 1. Dezember 1906, S. 837.

    The Musical Times vom 1. September 1907, S. 569.

    The Musical Times vom 1. Mai 1909, S. 332.

    The Musical Times vom 1. Mai 1940, S. 224 und 234.


    The Strad, Jg. 23 (1913), S. 286.


    The Times London vom 29. Juni 1895, S. 1.

    The Times London vom 17. November 1896, S. 12.

    The Times London vom 29. Oktober 1897, S. 9.

    The Times London vom 12. November 1897, S. 9.

    The Times London vom 18. Dezember 1900, S. 9.

    The Times London vom 4. März 1903, S. 7.

    The Times London vom 22. Oktober 1910, S. 10.

    The Times London vom 26. Oktober 1910, S. 10.

    The Times London vom 20. Februar 1922, S. 8.

    The Times London vom 5. März 1923, S. 17.

    The Times London vom 19. November 1923, S. 12.

    The Times London vom 8. April 1927, S. 12.

    The Times London vom 4. Januar 1928, S. 6.

    The Times London vom 20. Februar 1928, S. 21.

    Forschung

    Zu Edith Robinson liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Edith Robinson umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 5. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 16.11.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Edith Robinson“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.11.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Edith_Robinson