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  • Edith Kraus-Bloedy

    von Julia Grunwald
    Die Pianistin Edith Krauss-Bloedy
    Namen:
    Edith Kraus-Bloedy
    Geburtsname: Edith Kraus
    Ehename: Edith Steiner-Kraus
    Lebensdaten:
    geb. in Wien, Österreich
    gest. in Jerusalem,
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Professorin für Klavier, Jurorin
    Charakterisierender Satz:

    „Leichtigkeit der Hand, Sicherheit, Rundung und Klarheit der Passagen, Feuer und Phantasie.“ (Viktor Ullmann über Edith Kraus in seinen „26 Kritiken über musikalische Veranstaltungen in Theresienstadt“. Siehe auch „Würdigung“)


    Profil

    Nach ihrem Klavierstudium bei Artur Schnabel an der Berliner Hochschule für Musik wirkte Edith Kraus als Pianistin und Pädagoin vor allem in Prag. Trotz Verfolgung und Deportation durch die Nazis nach Theresienstadt konnte sie nach der Befreiung ihre Karriere in Prag zunächst fortsetzen. 1949 emigrierte sie nach Israel und hatte von 1957-81 eine Klavierprofessur an der Universität Tel Aviv inne.

    Seit ihrer Pensionierung gilt ihr besonderes Engagement der Musik der „Theresienstädter Komponisten“, v.a. Viktor Ullmanns und Pavel Haas’, deren Werke sie auf CD einspielte. Als Pädagogin und Jurorin wirkt sie bei internationalen Meisterkursen mit und engagiert sich als Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin für die Versöhnung und die Vermittlung der Geschichte an die jüngere Generation.

    Orte und Länder

    Nach ihrer Kindheit in Wien und Karlsbad studierte Edith Kraus von 1926-1930 bei Artur Schnabel in Berlin. Es folgte eine rege Konzert- und Unterrichtstätigkeit in Prag. 1942 bis 1945 war sie im Ghetto Theresienstadt interniert. Nach der Befreiung kehrte sie zunächst nach Prag zurück und wanderte von dort 1949 mit Mann und Tochter nach Israel aus. In Tel Aviv hatte sie von 1957-1981 eine Klavierprofessur an der Musikakademie inne. Heute lebt Edith Kraus in Jerusalem.

    Biografie

    Edith Kraus wurde 1913 in Wien geboren und wuchs in Karlsbad auf. Dort erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht im Alter von sieben Jahren. Als Wunderkind geltend, debütierte sie elfjährig in der Öffentlichkeit. 1926-1930 studierte sie Klavier bei Artur Schnabel an der Berliner Hochschule für Musik. Nach Abschluss ihres Studiums ließ sie sich in Prag nieder, wo sie eine intensive Konzerttätigkeit aufnahm und als Klavierpädagogin tätig war.


    Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten und dem Einmarsch in die Tschechoslowakei wurde ihre Karriere durch das Auftrittsverbot für jüdische Künstler jäh unterbrochen. 1942 wurde sie zusammen mit ihrem Mann Karl Steiner nach Theresienstadt deportiert. Trotz der widrigen Lebensbedingungen wurde sie eine der aktivsten Künstlerinnen im Kulturleben des Ghettos.


    Nach der Befreiung 1945 kehrte sie allein nach Prag zurück – ihr Mann war in Auschwitz ermordet worden. In Prag konnte sie ihre Karriere zunächst fortsetzen, emigrierte aber 1949 sie mit ihrem zweiten Mann, den sie 1946 geheiratet hatte, und ihrer Tochter nach Israel. In Tel Aviv begann sie bald zu unterrichten und zu konzertieren und trat in die dortige Musikakademie ein, die später der Universität angeschlossen wurde. Von 1957 bis zu ihrer Pensionierung 1981 hatte sie eine Professur für Klavier inne. Nach ihrer Pensionierung widmete sie sich vornehmlich den Werken der so genannten „Theresienstädter Komponisten“ und spielte u.a. Werke von Ullmann und Haas auf CD ein. Weiterhin wirkt sie als Pädagogin und Jurorin bei internationalen Meisterkursen mit und engagiert sich als Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin für die Versöhnung und die Vermittlung der Geschichte an die jüngere Generation.

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    Edith Kraus wurde am 16. Mai 1913 in Wien geboren. Ihre Eltern waren tschechische Juden. Der Vater, Gustav Kraus, war Kaufmann und betrieb ein Geschäft für Brautausstattung. Er stammte aus einem Ort nahe Jihlava (Iglau), der gleichen Gegend, aus der auch Gustav Mahler kam. Ein Verwandtschaftsverhältnis bestand über Ediths Großmutter väterlicherseits, die eine Cousine Mahlers war. Die Mutter, Mathilde Kraus, kam aus Lissa an der Elbe, war jedoch in Karlsbad bei einer Tante aufgewachsen, da ihre Mutter schon früh verstorben war. Wie ein Großteil der böhmischen Bevölkerung sprachen die Eltern deutsch und tschechisch, so dass Edith und ihre sieben Jahre ältere Schwester Alice von Anfang an beide Sprachen lernten.


    Kindheit in Wien und Karlsbad

    Die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachte Edith Kraus in Wien. Die Familie lebte in einer Dreizimmerwohnung in Döbling, wo die Kinder in bürgerlichem Umfeld aufwuchsen. Die Eltern von Edith Kraus waren weitgehend assimiliert, in die Synagoge gingen sie lediglich an zwei Tagen im Jahr – am Neujahrstag und zum Versöhnungstag Jom Kippur. Die Familie hatte ebenso viele jüdische wie nichtjüdische Freunde und Bekannte.


    Obwohl die Eltern selbst keine musikalische Ausbildung genossen hatten, erkannten sie die außergewöhnliche musikalische Begabung ihrer Tochter, welche schon früh zutage trat. Mit fünf Jahren fing sie an, auf dem Klavier nach Gehör die Stücke zu spielen, die ihre ältere Schwester gerade im Klavierunterricht lernte. Als Edith Kraus sechs Jahre alt war, zog die Familie von Wien nach Karlovy Vary (Karlsbad), wo der Vater eine Filiale seines Geschäfts eröffnete und wohin es schon durch die Mutter familiäre Verbindungen gab. In Karlsbad erhielt sie schließlich auch ihren ersten Klavierunterricht – bei Berta Simon, einer Lehrerin, der Edith Kraus aus heutiger Sicht höchste Bedeutung beimisst: „Sie war eine hervorragende Klavierlehrerin. Ich kann sie gar nicht oft genug erwähnen, weil sie so viel für mich bedeutet hat. Sie hat mich in technischer Hinsicht richtig unterrichtet, so dass ich auch später nie umlernen musste.“

    Unter der Anleitung Berta Simons machte Edith Kraus rasch große Fortschritte, so dass außer Frage stand, dass sie später einmal Musik studieren würde. Um ihr optimale Übebedingungen zu schaffen, nahmen ihre Eltern sie mit acht Jahren von der Schule, da sie der Meinung waren, man versitze dort zu viel Zeit. Den Lehrstoff des jeweiligen Schuljahres musste Kraus sechs Wochen vor Schuljahresende mit einem Privatlehrer nachholen und sich dann einer Prüfung unterziehen, was ihr jedoch keinerlei Schwierigkeiten bereitete. Durch dieses Arrangement hatte sie das Jahr hindurch unbegrenzt Zeit zum Üben. Im Hinblick auf eine eventuelle internationale Karriere ließen die Eltern Edith Kraus außerdem noch Englisch- und Französischstunden nehmen.


    Zu ihrem ersten großen Konzert kam es bereits drei Jahre später, wenn auch durch kuriose Umstände: Die elfjährige Edith Kraus war zufällig bei einer Orchesterprobe anwesend, um anschließend dem Dirigenten vorzuspielen. Da der Solist, der an diesem Abend auftreten sollte, nicht zur Probe erschien, fragte der Dirigent die junge Pianistin – ohne sie überhaupt spielen gehört zu haben – ob sie denn nicht einspringen wolle. „Na ja, warum nicht“, war die Antwort. So konnte sie an jenem Abend, dem 18. Dezember 1924, in Marienbad mit Mozarts „Klavierkonzert c-Moll“ ihr Konzertdebüt feiern. Ihr erstes reguläres Konzert fand mit dem gleichen Programm wenige Wochen später, am 27. Januar 1925, in Karlsbad statt. Ein Jahr darauf spielte sie das dritte Klavierkonzert von Beethoven, ebenfalls mit dem Karlsbader Orchester.


    Nach dem gelungenen Einstieg ins Konzertleben war es vor allem Ediths Vater, der sich ihrer Karriereplanung annahm. Im Sommer 1926 kam Alma Mahler nach Karlsbad und Edith Kraus spielte ihr vor. „Wir haben uns quasi als Verwandte gefühlt, denn meine Großmutter war eine Cousine von Gustav Mahler“. Der Vater hatte eigens für das Vorspiel ein zweites Klavier kommen lassen, damit Edith eine Begleitung hatte. Alma Mahler wollte sie daraufhin nach Wien zu Moritz Rosenthal schicken, doch Edith Kraus war alles andere als glücklich. Sie hatte Rosenthal schon gehört und spürte, dass sein Spiel nicht auf ihrer Linie lag. Ein anderes Mal kam Louise Wolff von der Berliner Konzertagentur Wolff & Sachs, die unter anderem die Philharmonischen Konzerte plante und organisierte. Durch ihre Vermittlung konnte Edith Kraus bei Bechstein vorspielen und erhielt daraufhin während ihrer folgenden Berliner Studienzeit ein Klavier als kostenlose Leihgabe. Im gleichen Sommer kam auch Leo Blech, der Dirigent der Berliner Staatsoper. Er war von Ediths Begabung so beeindruckt, dass er sofort einen Empfehlungsbrief an Franz Schreker, den damaligen Leiter der Berliner Hochschule für Musik verfasste: „Ich glaube, ich tue dir und deiner Hochschule einen Gefallen, wenn ich dir Edith Kraus schicke.“ Ediths Vater war so stolz darauf, dass er den Brief zu einem Fotografen brachte und ihn abfotografieren ließ.


    Auf diese Empfehlung hin fuhr die Dreizehnjährige Ende September 1926 zusammen mit ihren Eltern nach Berlin, um sich an der Hochschule für die Klasse von Artur Schnabel zu bewerben. Sie spielte jeweils den Anfang von Mozarts „Klavierkonzert d-Moll“ und Beethovens „Klavierkonzert c-Moll“ sowie „Präludium und Fuge in es-Moll“ von J.S. Bach. Nach ihrem Vorspiel fragte Schnabel, wie lange sie brauche, um so etwas einzustudieren. Die Befürchtung, nicht angenommen zu werden, ließ Edith Kraus bei der Antwort ein wenig schwindeln: „Vierzehn Tage“, sagte sie, was nicht ganz stimmte. Artur Schnabel schickte Edith Kraus daraufhin zu seinem Assistenten Alfred Schröder, gab ihr aber auch selbst alle paar Wochen eine kostenlose Stunde. Im darauf folgenden Schuljahr 1927/28 wurde sie dann als jüngste Schülerin in Schnabels Klasse an der Berliner Hochschule für Musik aufgenommen. Alle anderen Schüler waren mindestens achtzehn Jahre alt und hatten Abitur.


    Studienzeit in Berlin

    Während der ersten zwei Jahre blieben abwechselnd Vater und Mutter bei ihrer Tochter in Berlin. Später dann, mit fünfzehn Jahren, zog Edith Kraus zur Untermiete bei einer allein stehenden Dame, einer Baronin Delacroix, ein, für die sie eine Art Tochterersatz war. Nach dem Tod der Baronin fand Edith Kraus eine neue Unterkunft in der Villa einer wohlhabenden Familie in Schlachtensee, etwas außerhalb von Berlin, wo sie das ehemalige Zimmer der Tochter der Familie bezog.


    Das Studium bei Artur Schnabel war nicht leicht. Edith Kraus sagt im Rückblick, dass sie später nie einen Schüler hatte, der bei Schnabel hätte studieren können. Schnabel verlangte viel von seinen Schülern und erwartete vor allem völlige Selbstständigkeit. Vorschriften hinsichtlich der Stücke, die für den Unterricht vorbereitet werden sollten, machte er grundsätzlich nie, und jedes Stück wurde immer nur einmal besprochen. Lediglich bei Schülerkonzerten bestimmte Schnabel, was gespielt werden sollte, und vor einem solchen Konzert durfte ein Stück dann auch ein zweites oder drittes Mal in die Stunde mitgebracht werden. Um das ungeheure Pensum eines Semesters bewältigen zu können, übte man in den Ferien auf Vorrat. Der Unterricht fand einmal wöchentlich statt, und die Klasse von Artur Schnabel bestand, so war es vertraglich festgelegt, immer aus sieben Schülern. Wenn Schnabel den Saal betrat, waren seine sieben Schüler versammelt und erhielten nacheinander ihre Stunde, kürzer oder länger. Die übrigen sechs durften dabei zuhören und profitierten so auch vom Unterricht ihrer Kommilitonen. Vor allem konnte man auf diese Weise die eigenen Repertoirekenntnisse enorm erweitern. Was die Studenten mit seinen Ratschlägen anfingen, überließ Schnabel ihnen selbst. Er war überhaupt nicht streng, konnte aber sehr sarkastisch werden. Aussprüche wie: „Fräulein W. braucht das Crescendo nicht“ waren keine Seltenheit. Neben dem Klavierstudium bei Artur Schnabel erhielt Edith Kraus an der Hochschule auch eine theoretische Ausbildung in den Fächern Harmonielehre, Kontrapunkt, Instrumentenkunde, Alte Musik und Musikgeschichte.


    Auch außerhalb des Studiums trafen sich die Schnabel-Schüler häufig, gingen abends gemeinsam in Konzerte, flanierten über den Kurfürstendamm oder saßen im Café. Man genoss die kulturelle Blütezeit der „goldenen Zwanziger“ in Berlin in vollen Zügen. Von ihrer Gönnerin Louise Wolff erhielt Edith Kraus jede Woche ein Kuvert mit Konzertkarten.


    Als mit Abstand Jüngste der Klasse wurde Edith Kraus dennoch ohne Vorbehalt von den Kommilitonen integriert und in die Freizeitaktivitäten mit einbezogen. Wie selbstverständlich fuhr sie noch spät am Abend allein mit der Wannseebahn zurück nach Schlachtensee. Ein schüchternes Mädchen sei sie gewesen, sagt Edith Kraus heute. Sie habe im Kreise der anderen meistens nicht viel geredet. Trotzdem scheinen ihre Hauptcharaktereigenschaften schon zu jener Zeit große Selbstständigkeit und ausgeprägter Wille gewesen zu sein, beides Eigenschaften, die sie überhaupt zu einem solchen Studium und Leben, getrennt von ihrer Familie, befähigten.


    Aufkeimender Antisemitismus

    In Berlin wurde Edith Kraus erstmals mit antisemitischen Bemerkungen konfrontiert, sowohl im Bekanntenkreis als auch in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel hatten Freunde jener Baronin, bei der sie in Berlin zuerst wohnte, eine Tochter in ihrem Alter, mit der sie sich anfangs auch ein wenig angefreundet hatte. Eines Tages habe deren Mutter gesagt, sie seien es nicht gewöhnt, mit Juden zu verkehren. Damit war die Freundschaft der beiden Mädchen beendet. Ein anderes Mal sprang Edith Kraus in der Straßenbahn nicht rechtzeitig auf, um einem älteren Mann Platz zu machen, und wurde beschimpft: „Das wird im Tempel gelehrt!“. Aussprüche dieser Art waren im Laufe der Zeit immer häufiger zu hören. Einzig im Bereich der Hochschule blieb Edith Kraus von solcherlei antisemitischen Sprüchen verschont. Artur Schnabel war selbst Jude, wie auch mindestens vier seiner sieben Schülerinnen und Schüler zu jener Zeit.


    Schon während ihrer Studienzeit gab Edith Kraus zahlreiche Konzerte, sowohl in Berlin als auch in der Tschechoslowakei. Immer wenn Schnabel auf Reisen war, was häufig vorkam, machte sie sich umgehend auf den Weg nach Karlsbad, wo ihr Vater meist schon ein Konzert für sie arrangiert hatte. Dort spielte sie mit Vorliebe jene Stücke, die nicht sie selbst, sondern ihre Kommilitonen bei Schnabel im Unterricht besprochen hatten. Im Alter von siebzehn Jahren beendete Edith Kraus 1930 ihr Studium an der Hochschule. Kurz nach ihrem Abschluss gab sie im Berliner Bechstein-Saal einen Klavierabend. Trotz guter Kritiken zog dieser Abend kein weiteres Engagement nach sich, so dass sie Berlin verließ und in ihre Heimat zurückkehrte.


    In den folgenden zwei Jahren fuhr sie jedoch immer noch für einige Wochen nach Berlin, um bei Artur Schnabel Privatstunden zu nehmen. Er unterrichtete sie kostenlos, was ein absolutes Privileg war und ein Beweis dafür, welche Hoffnung er in seine Schülerin setzte.


    Prag

    Als Edith Kraus achtzehn Jahre alt war, starb ihre Mutter. In der Folgezeit kam es nicht selten zu Konflikten mit ihrem Vater, der sie gerne zu einer reisenden Künstlerin gemacht hätte. Mit neunzehn Jahren setzte sie durch, dass ihr Vater sie vor dem Gericht für volljährig erklärte, weil sie in ihrem Leben ganz alleine entscheiden wollte; die Grenze zur Volljährigkeit lag damals bei 20 Jahren. Kurz darauf verließ Edith Kraus ihr Elternhaus und nahm sich ein Zimmer in Prag, wo sie viele Konzerte gab und bei zahlreichen Radioproduktionen mitwirkte. 1933 heiratete sie Karl Steiner. Schon bei ihrem erstem Konzert in Karlsbad, als sie gerade elf Jahre alt war, soll er gesagt haben: „Die heirate ich später einmal“. Die Hochzeit führte erwartungsgemäß zu einem größeren Konflikt mit dem Vater, da er nun die erhoffte Weltkarriere seiner Tochter schwinden sah. Edith Kraus zog das geregelte Leben in Prag, welches zu gleichen Teilen aus Konzertieren und Unterrichten bestand, dem der reisenden Künstlerin vor. Die Sommer verbrachten Edith Kraus, die nach der Hochzeit den Doppelnamen Steiner-Kraus führte, und ihr Mann gemeinsam mit Schwiegermutter und Schwägerin in ihrer Sommerwohnung, die im „Sudetengebiet“ lag und die sie später, nach der Besetzung des „Sudetenlandes“, verlassen mussten.


    Kurz nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ in Deutschland 1933 setzte eine vermehrte Flucht reichsdeutscher Juden nach Böhmen und Mähren ein, ab 1938 kamen schließlich auch Juden aus Österreich dazu, so dass bis Mitte 1939 insgesamt etwa 15.000 Flüchtlinge in Böhmen und Mähren lebten. Nach dem Einmarsch der Nazis in die Tschechoslowakei und der Errichtung des „Protektorates Böhmen und Mähren“ am 15. März 1939 begannen nun auch massive Repressionen gegen die tschechischen Juden. Aus dem abgetretenen „Sudetengau“ flüchteten 25.000 Juden ins „Protektorat“. Ähnlich wie in den Jahren zuvor wurden in Deutschland eine Reihe von Maßnahmen verhängt, die den Juden das Leben immer schwerer machten und sie Schritt für Schritt aus dem öffentlichen Leben verdrängten. Nur einen Tag nach der Errichtung des „Protektorats“ wurden jüdische Anwälte von den Nazis zur Aufgabe ihrer Kanzleien gezwungen, ab Juni 1939 wurde Besitztum „sichergestellt“, jüdische Betriebe wurden enteignet oder geschlossen, Juden wurden aus fast allen „höheren Berufen“ und jüdische Kinder aus den Schulen ausgeschlossen. Kurz nach Kriegsbeginn verhängte die Gestapo eine Ausgangssperre nach 20 Uhr. Im Februar 1940 wurde Juden der Besuch von Kinos und Theatern verboten, später der Besuch von Sportveranstaltungen. Die Kommunikation mit Nichtjuden wurde Juden untersagt. In Prag verhängten die Nazis gegen die jüdische Bevölkerung ein Verbot der „Änderung des ständigen Wohnsitzes“ und der „vorübergehenden Entfernung aus dem Stadtgebiet“. Das Einkaufen in nichtjüdischen Geschäften wurde ebenso erschwert wie die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ab dem 19. September 1941 mussten Juden nach Heydrichs „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ den gelben „Judenstern“ tragen und durften ihre Wohngemeinde nicht mehr verlassen.


    Obwohl Edith Kraus und ihr Mann die Naziherrschaft im Gegensatz zu vielen anderen Juden nicht bloß für eine vorübergehende Erscheinung hielten, kam eine Auswanderung nicht in Frage. Die Mutter Karl Steiners und seine unverheiratete Schwester, die keinen Beruf hatte, hätten nicht alleine zurückbleiben können, und die Auswanderung von vier Personen war finanziell nicht zu bewerkstelligen.


    Der Terror steigerte sich ständig und machte der jüdischen Bevölkerung das Leben immer unerträglicher. Sämtliche Wertgegenstände wurden aus jüdischen Haushalten systematisch geraubt. Auch Edith Kraus musste ihr Radio, das Tafelsilber, Pelzmäntel, Schmuck und sogar ihren Hund abgeben. Wenig später mussten Juden ihre Wohnungen und Häuser verlassen und in Gemeinschaftsquartiere einziehen. Eines Abends stand ein SS-Mann vor der Tür und teilte Edith Kraus und ihrem Mann mit, dass sie aus ihrer Wohnung auszuziehen hätten. Das Ehepaar zog darauf in eine Vierzimmerwohnung, die sie mit drei anderen Familien teilen mussten. Die eigene Wohnungseinrichtung durfte immerhin mitgebracht werden, so dass Edith Kraus auch ihren Flügel mitnehmen konnte. Im oberen Stockwerk wohnte ein Gesangsprofessor, bei dem abends oft Hauskonzerte stattfanden. Wer immer ein Instrument spielen oder singen konnte, wirkte dabei mit. Das Zusammenleben gestaltete sich im Falle von Edith Kraus trotz der beengten Verhältnisse weitgehend unproblematisch, die Hausbewohner kamen gut miteinander aus, war doch ihr aller Leben von der gleichen Angst vor dem drohenden Transport bestimmt. Schon 1941 hatte die „Evakuierung“ der jüdischen Bevölkerung aus den Städten im Protektorat begonnen. Jedes Klingeln an der Tür konnte die Aufforderung zum Transport bedeuten.


    Edith Kraus lebte mit ihrem Mann bis zu ihrer Deportation in der Gemeinschaftswohnung. An einem Tag im Juni 1942 kam eine kurze Nachricht mit der Aufforderung, sich am nächsten Morgen an der Sammelstelle, dem Messepalast, einzufinden. 20 kg Gepäck durften mitgenommen werden, doch wohin die Reise gehen würde, ahnte niemand.


    Am nächsten Morgen wurden sie zusammen mit 1.000 anderen Menschen in den Messepalast, ein Gebäude mit großen Sälen, in denen eigentlich die Mustermesse stattfand, hineingepfercht. Dort mussten sie drei Tage mit ihrem Gepäck auf dem Fußboden ausharren, ohne Matratzen, Decken und ohne Essen. Nach drei Tagen wurden sie zum Zug gebracht und in Viehwagen regelrecht hineingestopft. Die etwa zweistündige Fahrt endete am Bahnhof Bohusovice. Der letzte Teil der Strecke nach Theresienstadt, wo es damals noch keinen Bahnhof gab, musste in einem einstündigen Fußmarsch zurückgelegt werden. Es war ein warmer Sommertag, doch die meisten Menschen zogen in weiser Voraussicht Wintermäntel und Wollsachen an, so viele Schichten Kleidung übereinander, wie nur möglich – ahnten sie doch, dass sie ihre Koffer, die im Waggon zurückbleiben mussten, nie wieder sehen würden. So erreichten die Deportierten den Ort ihrer Bestimmung: Theresienstadt.


    Theresienstadt

    Theresienstadt, etwa 60 km nordwestlich von Prag gelegen, war ursprünglich als Garnisonsstadt im Jahre 1780 von Kaiser Joseph II. gegründet worden. Vor dem Einmarsch der Deutschen lebten knapp 7.000 Menschen Zivilbevölkerung in der Stadt. In ihrer militärischen Struktur – mit einer großen Befestigungsmauer ringsum, symmetrisch angeordneten Baracken und einem Gefängnis etwas außerhalb – muss Theresienstadt den Nazis als idealer Ort für die Einrichtung eines Internierungslagers erschienen sein.


    Die Einrichtung des Ghettos als „Übergangslager“ wurde im Herbst 1941 beschlossen. Am 24. November 1941 traf der erste Transport aus dem „Protektorat“, das so genannte „Aufbaukommando“, in Theresienstadt ein, dem bis zum 4. Dezember weitere Transporte aus dem „Protektorat“ mit etwa 3.000 Menschen folgten. Auf der „Wannseekonferenz“ am 20. Januar 1942, bei der die NS-Führung über die weitere Organisation und Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ beriet, wurde Theresienstadt die Rolle eines Altersghettos für Juden über 65 Jahre zugedacht. Durch die „Evakuierungsmaßnahmen“ aus dem Reichsgebiet und dem „Protektorat“ wurden jedoch Menschen aller Altersgruppen in das Lager gebracht, und ab 1942 fungierte Theresienstadt als Durchgangsstation zu den Lagern im Osten. Von Februar bis Juni 1942, als die ersten Deportierten schon eingetroffen waren, wurde die Stadt evakuiert und die bis dahin dort ansässige nichtjüdische Bevölkerung umgesiedelt. Wo bis 1941 maximal 7.000 Einwohner gelebt hatten, wurden in den folgenden Jahren 150.000 Menschen hindurchgeschleust. Bis zu 70.000 Menschen lebten gleichzeitig in Theresienstadt in beengtesten Verhältnissen – jedem Lagerinsassen standen ca. 1,6 qm „Wohnfläche“ zur Verfügung, auf der er noch seine wenigen Habseligkeiten unterbringen musste.


    Nach außen hin diente Theresienstadt als „Vorzeigeghetto“, das vor der übrigen Welt die Besorgnis über das Schicksal der Juden zerstreuen sollte. Es wurden sogar mehrfach Komitees des Internatio-nalen Roten Kreuzes ins Lager gelassen, deren Vertreter allerdings nur mit SS-Leuten sprechen durften und über die wahren Zustände des Lagers, das zu diesem Zwecke extra herausgeputzt wurde, auch nach ihrem Besuch nicht viel mehr wussten. Den Höhepunkt dieser Farce bildete ein NS-Propagandafilm, in dem fröhliche Menschen vor der Kamera über ihr neues glückliches Leben im Ghetto berichten. Alle Darsteller dieses Films wurden mit dem nächsten Transport nach Auschwitz in die Gaskammern geschickt.


    Offiziell stand das Lager unter „jüdischer Selbstverwaltung“, was eine regelrechte Verhöhnung war. Zwar bildeten der Judenälteste und sein Stellvertreter die Lagerleitung, die das Leben im Lager mit Hilfe verschiedener Verwaltungseinrichtungen bis ins Detail organisierten, praktisch war die Lagerleitung jedoch der SS unterstellt und wurde auf tragische Weise zu deren Exekutivorgan: Für jeden anstehenden Transport nach Auschwitz musste die Lagerleitung selbst die Menschen auswählen, die in den Tod geschickt wurden.


    Bei der Ankunft in Theresienstadt wurden zuerst die Männer von Frauen und Kindern getrennt. Ehepartner und Familien wussten nicht, ob, wann und wo sie sich wieder sehen würden.


    Edith Kraus verbrachte ihre erste Nacht in Theresienstadt auf dem steinernen Küchenboden eines verlassenen Hauses. Erst am darauf folgenden Tag bekam sie das so genannte „weiche Gepäck“ und einen Schlafsack zurück, der jedoch bald voller Wanzen und kaum noch brauchbar war. Den Koffer, in den sie unter anderem das „Wohltemperierte Klavier“ gepackt hatte, bekam sie nicht wieder. Einige Tage nach der Ankunft im Lager fand sie ihren Mann wieder. Er war Kohlenreferent geworden und zuständig für die Verteilung der Heizkohlen für die Küchen und das Kinderhaus. Gleich zu Anfang erkrankte auch er, wie so viele andere, an der Ruhr. „Er schien überhaupt alles viel schwerer zu ertragen“, sagt Edith Kraus.


    In der folgenden Zeit wurde Edith Kraus in der Hamburger Baracke untergebracht, in einem Raum, in dem insgesamt 24 Frauen lebten. Da es keine Betten gab, schlief sie auf einem leeren Koffer, den ihr Mann für sie ergattert hatte. Die hygienischen Umstände waren katastrophal. Während der drei Jahre in Theresienstadt durfte sie ein einziges Mal duschen; waschen konnte sie sich nur in einem kleinen Waschbecken mit kaltem Wasser. Epidemien waren an der Tagesordnung. Ihre „Bettnachbarin“ starb an Typhus. Zudem war die Ernährung der Lagerinsassen mehr als mangelhaft. Mit dem so genannten Kaffee, einer lauwarmen, trüben Brühe, putzte sich Edith Kraus morgens die Zähne. Mittags gab es Suppe, ebenfalls lauwarmes Wasser, in dem, wenn man Glück hatte, ein Stückchen halbverfaulter Kartoffel und ein paar Fleischbrösel schwammen. Alle drei Tage gab es eine Ration Brot, die man sorgsam in kleine Portionen teilte. Einmal pro Woche bekam man 20 Gramm Margarine und ein wenig Zucker, den man meist sofort aufaß. Die so begehrten Nahrungsmittel wurden zum wichtigen Zahlungsmittel im Tauschhandel.


    Eine Zeitlang gab es die Möglichkeit, Pakete von außerhalb des Lagers zu empfangen. Edith Kraus und ihr Mann erhielten ab und zu Pakete von nichtjüdischen Freunden aus Prag. Diese Pakete enthielten ausschließlich Nahrungsmittel, was eine große Hilfe war. Bevor die Pakete jedoch ihre Adressaten erreichten, waren sie meist aufgebrochen und die Hälfte daraus gestohlen. Es war offensichtlich, dass die Hälfte fehlte, aber das, was übrig blieb, war dem Empfänger immer noch sehr lieb. Wenn es um das Lebensnotwendige ging, galt in Theresienstadt stillschweigend das Übereinkommen: ‘Leben und leben lassen’. Edith Kraus konnte morgens zur Arbeit gehen und alles stehen- und liegen lassen, ihr wurde nie auch nur ein einziges Stückchen Brot gestohlen.


    Zu Beginn des Lageraufenthalts musste jeder die so genannte „Hundertschaft“ mitmachen, dies bedeutete, man musste hundert Stunden arbeiten, wo auch immer man hinbeordert wurde. Edith Kraus wurde in die Bäckerei geschickt, wo sie hauptsächlich Brot tragen musste. Das sei nicht so schlimm gewesen, da es keine schwere körperliche Arbeit war, erzählt sie. Trotzdem habe sie eine schlimme Nacht in dieser Bäckerei verbracht. In dieser Nacht hatten neue Transporte das Lager erreicht. Unter den Deportierten waren fast nur alte Menschen aus Deutschland, die meist an Ruhr erkrankt waren und schrecklichen Durchfall hatten. Die Kranken mussten fortwährend zur Toilette und zurückgeführt werden. Ein Mann starb noch während dieser Nacht, kaum in Theresienstadt angekommen. Man schickte Edith Kraus zu seiner Frau, um ihr die Nachricht schonend beizubringen. Da sie es nicht übers Herz bringen konnte, sagte sie der Frau, dass es ihrem Mann sehr schlecht gehe und sie zu ihm kommen solle.


    Später wurde Edith Kraus zum Glimmerspalten eingeteilt. Schichtweise saß sie zusammen mit anderen Frauen aus der „Freizeitgestaltung“ um einen großen Tisch herum und zerlegte das Mineral in dünne Schichten. Neben ihr saß ihre gute Freundin, die Pianistin Alice Sommer-Herz, mit der sie sich während der Arbeit sehr viel unterhielt. Einmal kam während der Arbeitszeit ein SS-Mann zum Überwachen der Arbeit. Er ließ Edith Kraus zu sich rufen und lobte sie für ihre gute Arbeit. „Dabei habe ich mich bemüht, extra schlecht zu arbeiten. Ich wüsste nicht, womit ich dieses Lob verdient hätte“, erzählt Edith Kraus.



    Im Herbst 1942, nicht lange nach ihrer Ankunft in Theresienstadt, erfuhr Edith Kraus eines Tages, dass ihr Namen auf der Liste für einen Transport nach Auschwitz stand. Obwohl man damals von den Gaskammern nichts wusste – das, was sich in Auschwitz wirklich abspielte, lag fernab jeglichen Vorstellungsvermögens der Lagerinsassen von Theresienstadt – war die Ungewissheit doch beängstigend. Um von diesem Transport verschont zu werden, wandte sich Edith Kraus an den Judenältesten, Dr. Paul Eppstein. Als dieser nichts für sie tun konnte, machte irgendjemand den Vorschlag, dass sie ein Konzert geben solle. Edith Kraus willigte ein – das Konzert schien die letzte Möglichkeit zu sein, sich vor dem drohenden Transport zu retten. Da ihre Noten mit dem Koffer verschwunden waren, musste sie aus dem Gedächtnis und fast ohne jegliche Vorbereitung spielen. An jenem Abend spielte Edith Kraus in der „Magdeburger Kaserne“ ihr erstes Theresienstädter Konzert mit Werken von Bach, Mozart, Chopin, Brahms und Smetana; alles Stücke, die sie auswendig spielen konnte, und die ihr in diesem Moment das Leben retteten. Die Aufforderung zum Transport blieb aus, und seither stand ihr Name auf keiner Transportliste mehr. Zu einer Wiederholung des Konzerts kam es jedoch so bald nicht. Kurz nach dem Konzert hatte jemand einen Fluchtversuch unternommen, und als Strafmaßnahme wurden von den Nazis alle kulturellen Veranstaltungen für eine Woche verboten.


    Generell organisierte die „Freizeitgestaltung“ das Kulturleben in Theresienstadt. Die „Freizeitgestaltung“ war 1942 im Rahmen der „Abteilung für innere Verwaltung“ gegründet worden. Sie kümmerte sich, neben Freizeit- und Sportveranstaltungen um die Organisation des allmählich aufblühenden kulturellen Lebens im Ghetto. Waren zu Anfang noch der Besitz und das Mitbringen von Musikinstrumenten ins Lager bei hoher Strafe verboten, entwickelte sich mit der Zeit auf Speichern und Dachböden ein heimliches Konzertleben. Es waren einige Instrumente ins Lager geschmuggelt worden, und auf dem Dachboden der ehemaligen Schule fand sich sogar ein altes Klavier. Schon vor Edith Kraus’ Ankunft hatten die anwesenden Pianisten dort einen Klavierabend gegeben. Erstaunlicherweise wurde das Musizieren trotz des anfänglichen Verbotes mit der Zeit von der SS geduldet und am Ende sogar zu deren Propagandazwecken missbraucht. Die kulturelle Sparte der „Freizeitgestaltung“ umfasste Vorträge, Seminare, Gesprächszirkel Literatur, deutsches, tschechisches und jiddisches Theater, Kabarett und eine große Musikabteilung. Der Umstand, dass nach Theresienstadt ein großer Teil jüdischer Künstler und Intellektueller deportiert worden war, trug mit Sicherheit zum schnellen Entstehen eines so breit gefächerten Kulturlebens bei. Jeden Montag erfuhren die Künstler im Büro der „Freizeitgestaltung“, wann und wo sie in der kommenden Woche auftreten würden. Es befanden sich so viele ausgezeichnete Musiker in Theresienstadt, dass fast alle Bereiche der Musik abgedeckt werden konnten – es gab eine Stadtkapelle, die Jazz-Band „Ghetto Swingers“, Solomusiker und Kammermusikensembles und ab 1943 ein großes Streichorchester. Im Bereich der Chormusik kamen unter der Leitung von Rafael Schächter einige Oratorien, Verdis „Requiem“ und zahlreiche Opern zur Aufführung. Den Anfang machte am 28. November 1942 „Die verkaufte Braut“, eine Aufführung, die einen tiefen Eindruck bei den Zuhörern hinterließ und vielfach wiederholt wurde. Nach und nach studierte man weitere Opern ein, wobei das Orchester stets durch ein oder zwei Klaviere ersetzt wurde. Bei der Aufführung von „Carmen“ spielte Edith Kraus eines der beiden Klaviere. Die Aufführung fand in der „Sokolovna“, dem Saal des Turnvereins „Sokol“, statt, wo es eine richtige Bühne gab, auf der man agieren konnte. „Carmen“ war die einzige Oper, an der Edith Kraus als Pianistin mitwirkte; sie spielte in Theresienstadt überwiegend Soloprogramme und im Duo mit Sängern und Violinisten. Da den vielen Pianisten nur zwei Klaviere zur Verfügung standen, wurden die Übezeiten beschränkt. Edith Kraus durfte jeden Tag eine Stunde üben; vormittags, wenn sie Spätschicht hatte, oder abends nach der Arbeit. Aufgrund des hohen Publikumsandrangs und der kleinen Räume mussten die Konzerte mehrfach wiederholt werden. Ihr Programm mit Werken von Bach musste Edith Kraus insgesamt 16 mal spielen. So viele Konzerte wie in Theresienstadt spielte sie später in so kurzer Zeit nie wieder. Die Tatsache, dass sie musizieren konnte, machte für sie die Situation gerade noch erträglich. Angst hatte sie weniger um sich selbst als um ihren Mann, der viel gravierender unter der Freiheitsberaubung litt.


    Mit der Zeit gelangten Noten und weitere Instrumente ins Lager, was die Vielfalt der Programme erweiterte. Auch in Theresienstadt selbst entstanden zahlreiche Kompositionen. Die vier herausragenden Komponisten waren Viktor Ullmann, Hans Krása, Pavel Haas und Gideon Klein. Viktor Ullmann, der u.a. bei Schönberg studiert hatte, gründete in Theresienstadt ein Studio für Neue Musik. In diesem Rahmen hielt er musikgeschichtliche Vorträge und veranstaltete Konzerte, bei denen junge Komponisten ihre Werke vorstellen konnten. Er verfasste außerdem zahlreiche Konzertkritiken, die heute noch Zeugnis über die musikalischen Veranstaltungen in Theresienstadt ablegen. Die Aufführung seiner in Theresienstadt komponierten Oper „Der Kaiser von Atlantis“, zu der die Proben bereits liefen, wurde von der SS verboten.


    Viktor Ullmann hatte seine Kompositionstätigkeit nach seiner Ankunft im Lager sofort wieder aufgenommen. So entstanden in Theresienstadt u.a. sein drittes Streichquartett, mehrere Lieder, Chormusiken (auf hebräische Texte), Schauspielmusiken und die Klaviersonaten Nr. 5, 6 und 7. Auf Ullmanns Wunsch hin brachte Edith Kraus seine sechste Sonate zur Uraufführung; sie spielte die Sonate zwischen Schumanns „Kreisleriana“ und Brahms’ „Sonate f-moll“. Das Programm wurde acht Mal wiederholt.


    Gideon Klein war 1941 nach Theresienstadt deportiert worden und wirkte von Anfang an aktiv am Musikleben mit. Er trat gleichermaßen als Komponist und hervorragender Pianist in Erscheinung. Zu seinen Theresienstädter Kompositionen zählen u.a. ein Streichquartett und Klaviermusik. Für Rafael Schächter arrangierte er zahllose Lieder für Chor.


    Der aus Prag stammende Hans Krása war im Ghetto vor allem für seine Kinderoper „Brundibár“ bekannt, sie wurde in Theresienstadt insgesamt 55 Mal gespielt. Er komponierte viele Lieder, unter anderem Chorsätze über jiddische Volkslieder, ein Streichtrio und ein Streichquartett.


    Pavel Haas komponierte in Theresienstadt neben einer „Partita für Klavier“, die leider verloren ging, u.a. die „Vier Lieder nach Texten chinesischer Dichter für Bass und Klavier“ und die „Studie für Streichinstrumente“, die er dem Ancerl-Streichorchester widmete.


    Die Uraufführung der „Studie“ war Teil eines Konzertprogramms tschechischer Komponisten, das im September 1944 aufgeführt werden sollte. Kurz vor der Aufführung erhielt das Orchester den Befehl, sich in den Saal des Kaffeehauses zu begeben, wo die Musiker mit schwarzen Anzügen ausgestattet wurden. In dem mit Blumen ausgeschmückten Saal warteten ein SS-Mann und mehrere Kameraleute, um das Konzert vor einem fiktiven Publikum zu filmen. So wurde das Orchester zum unfreiwilligen Darsteller in dem schon erwähnten Propagandafilm. Wenige Tage später wurden alle Mit-wirkenden dieser Farce nach Auschwitz deportiert, wo die meisten in den Gaskammern starben, unter ihnen die Komponisten Viktor Ullmann, Hans Krása und Pavel Haas. Gideon Klein wurde im KZ Fürstengrube ermordet.


    Ähnliche Szenen wie die beim Drehen des Films hatten sich schon wenige Monate zuvor, am 23. Juni 1944, beim Besuch eines Komitees des Internationalen Roten Kreuzes abgespielt. Die Nazis hatten diesen Besuch von langer Hand vorbereitet und das Lager auf Hochglanz bringen lassen. Die Straßen wurden gesäubert und der Park gestaltet, ein Musikpavillon wurde errichtet, die Fassaden wurden neu gestrichen und die zu besichtigenden Unterkünfte wurden verschönert. Man richtete Kindergärten ein, renovierte die Altersheime und Verwaltungsgebäude und putzte die Veranstaltungssäle heraus. Am Tag des Besuches herrschte „Ausnahmezustand“ in Theresienstadt. Edith Kraus musste sich schon morgens zusammen mit anderen Musikern in einem Konzertsaal einfinden. Im gefüllten Zuschauerraum harrte seit den frühen Morgenstunden auf Befehl der SS das „Publikum“ aus, welches überwiegend aus alten Menschen bestand. Ein Konzert fand jedoch nicht statt. In dem Moment, da die Kommission den Saal betrat, mussten die Künstler sich vor einem klatschenden Publikum verbeugen, als ob sie eben ein Konzert beendet hätten. Da die Mitglieder der zehnköpfigen Kommission von der SS bestens abgeschirmt waren und lediglich mit einem ausgewählten Vertreter der „jüdischen Selbstverwaltung“ sprechen durften, sahen sie nur, was die Nazis sie sehen lassen wollten und verließen Theresienstadt völlig uninformiert. Nach diesem Besuch und nach der Fertigstellung des Propagandafilms rollte im September und Oktober 1944 eine letzte Transportwelle nach Auschwitz, in der fast alle Männer und der größte Teil der für das kulturelle Leben wichtigen Personen deportiert wurden. Unter den Deportierten war auch Edith Kraus’ Ehemann, Karl Steiner. Bei diesem Transport hatte man es den Müttern und Ehefrauen der Männer überlassen, sich freiwillig anzuschließen. Edith Kraus bat daraufhin einen der Judenältesten um Rat. Als Mitglied der Lagerleitung wusste dieser - im Gegensatz zu den Insassen - welches Schicksal die Deportierten in Auschwitz erwartete, und antwortete ihr, sie solle sich um Gottes Willen nicht melden, sie würde dort auf keinen Fall mit ihrem Mann zusammenkommen. Mit der Angst, dass es ein Abschied für immer gewesen sein könnte, blieb Edith Kraus allein in Theresienstadt zurück. Nach den Herbsttransporten kam das kulturelle Leben im Ghetto weitgehend zum Erliegen.


    Nach Oktober 1944 verließ kein Transport mehr Theresienstadt. Die herannahende Ostfront zwang die Nazis, die Massenvernichtung in Auschwitz einzustellen und das Lager zu evakuieren. Die Lagerinsassen, die nicht an Ort und Stelle erschossen wurden, schickte man auf lange Fußmärsche – ohne jegliche Nahrung. Wer zu schwach war, um weiterzugehen, wurde erschossen. Ende April bis Anfang Mai 1945 erreichten die Überlebenden dieser Todesmärsche Theresien-stadt. Sie waren in einem desolaten Zustand – mehr tot als lebendig. Viele von ihnen waren an Flecktyphus erkrankt und schleppten die Krankheit ins Lager ein.


    Einige Tage vor der Befreiung beseitigte die SS sämtliche Spuren der Geschichte des Lagers und verbrannten alle aufschlussreichen Papiere und Dokumente. Der aufsteigende Rauch und der „schwarze Regen“ in der Luft, der aus kleinen verbrannten Papierfetzen bestand, kündigte den Lagerinsassen die bevorstehende Befreiung an. Am 5. Mai 1945 zog die SS aus Theresienstadt ab. Das Internationale Rote Kreuz übernahm den Schutz des Lagers. Man appellierte an die Insassen, bis zum Beginn der Rücktransporte Ruhe zu bewahren. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 29.300 Menschen im Lager.


    Befreiung und Rückkehr nach Prag

    Am 8. Mai 1945 wurde Theresienstadt von der Sowjetischen Armee befreit. An diesem Abend wurde Edith Kraus von Freunden aus dem Bett geholt: „Die Russen sind da!“ Schnell liefen sie alle zum Bahnhof. „Die Russen waren da und haben blühend ausgesehen, als wenn sie vom Urlaub kämen, und haben uns Schokolade und Zigaretten zugeworfen. Das war schon ein Erlebnis.“


    Aufgrund der Flecktyphus-Epidemie wurde das ganze Lager am 14. Mai für etwa zwei Wochen unter strenge Quarantäne gestellt. Etwa 4000 Menschen hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits eigenständig auf den Heimweg begeben. Verschiedene Repatriierungskommissionen organisierten ab Ende Mai 1945 den Rücktransport in die Herkunftsländer der Lagerinsassen. Edith Kraus fuhr zusammen mit ihrer Freundin Alice Sommer-Herz mit der Eisenbahn nach Prag zurück – diesmal in einem Coupé und nicht mit dem Viehwagen. Einige Zeit vor der Abreise war eine Freundin aus Prag auf der Suche nach ihren Verwandten nach Theresienstadt gekommen. Sie kehrte ebenfalls zusammen mit Edith nach Prag zurück und nahm sie dort für einige Monate bei sich auf. In der darauf folgenden Zeit wartete Edith Kraus vergeblich darauf, dass sich ein Familienmitglied bei ihr melden würde. Erst allmählich realisierte sie, wie viele Familienangehörige und Freunde sie verloren hatte. Ihr Ehemann, ihr Vater, ihre Schwester, ihre Schwiegermutter und ihre Schwägerin, viele Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen und Freunde – sie alle waren von den Nazis ermordet worden. Edith Kraus hatte als einzige überlebt.


    Etwa drei Wochen nach ihrer Rückkehr aus Theresienstadt kam der Schwager ihrer Freundin, Arpad Bloedy, zu Besuch, der ebenfalls auf der Suche nach seiner Familie war, aber auch er fand niemanden mehr am Leben vor. Er wurde Edith Kraus’ zweiter Ehemann und Vater ihrer Tochter. Da Edith nicht wusste, ob sich ihr erster Mann nicht doch noch melden würde, fand die Hochzeit erst ein Jahr später, 1946, statt. Im selben Jahr kam ihre Tochter Chava zur Welt.


    Die Rückkehrer aus den Lagern erhielten von der tschechischen Behörde eine kleine finanzielle Hilfe. Spätere „Wiedergutmachungszahlungen“ von deutscher Seite lehnte sie ab.


    Ziemlich bald nach ihrer Heimkehr begann Edith Kraus in Prag wieder zu unterrichten und Konzerte zu geben. Im städtischen Musikleben und beim Radio gab es immer noch dieselben Leute, die sie aus der Zeit vor dem Krieg kannte, nur die Juden waren zum größten Teil nicht mehr da. In der ersten Zeit war es nicht möglich, Werke von deutschen Komponisten zu spielen, so spielte sie französische, polnische, bulgarische und vor allem tschechische Musik. Die Tatsache, dass sie sofort wieder musizieren konnte, hat Edith Kraus seelisch sehr geholfen.


    Auswanderung nach Israel

    Mit der Zeit begannen sie und ihr Mann sich für eine Auswanderung nach Israel zu interessieren. Ihr Mann war schon immer Zionist gewesen, und auch sie selbst war froh über die Möglichkeit, unter Juden in Frieden leben zu können. 1949 entschloss sich die Familie zur Auswanderung. Im Zuge der Auswanderungswelle europäischer Juden nach Israel war dies ein ungeheuer anstrengendes Unternehmen, zumal sie mit ihrer erst zweijährigen Tochter unterwegs waren. Drei Tage lang fuhren sie mit der Eisenbahn nach Konstanza (Rumänien), von dort aus ging es mit einem heillos überfüllten Auswandererschiff nach Israel weiter. Dort mussten sie wieder ganz von vorne anfangen. Die Familie ließ sich in einem kleinen Ort nahe Tel Aviv nieder. „Hinter dem Haus gab es einen Kuhstall, und wenn ich gespielt habe, hat die Kuh ihren Kopf zum Fenster hineingestreckt. Es war recht ländlich, die Straßen waren nicht asphaltiert, und man hat jeden Menschen im Ort gekannt. Wir waren sehr glücklich, hier zu sein“, erzählt Edith Kraus. In Tel Aviv fand ihr Mann Arbeit in einer Färberei. Die Tochter brachten sie tagsüber in einem Kindergarten unter, so dass Edith den ganzen Tag üben und unterrichten konnte. Um von Anfang an unterrichten zu können, hatte sie schon einige Zeit vor der Auswanderung intensiv Hebräisch gelernt, Tag und Nacht. Nun unterrichtete sie zunächst sämtliche Kinder aus der Nachbarschaft, bis sie am 15. November 1949 ihr erstes Konzert in Israel gab. Teil des Programms war unter anderem die israelische Erstaufführung der „Suite“ von Pavel Haas. Nachdem sie angefangen hatte, auch in Israel zu konzertieren, konnte sich Edith Kraus ihre Schüler selbst aussuchen. Ein Jahr später trat sie in die Musikakademie von Tel Aviv ein, die später der Universität angeschlossen wurde. Dort unterrichtete sie bis zu ihrer Pensionierung 1981. In der Folgezeit widmete sich Edith Kraus vor allem der Aufführung der Werke Theresienstädter Komponisten. Sie spielte unter anderem die „6. Sonate“ von Viktor Ullmann, die „Suite“ von Pavel Haas und begleitete dessen Lieder an verschiedenen Orten in der Tschechischen Republik, in Dänemark, England, in den USA und in Israel. 1993 spielte Edith Kraus Ullmanns Sonaten Nr. 1,2,3,4 und Nr. 6 sowie die Lieder von Pavel Haas, zusammen mit Karel Berman, auf CD ein. Ein Jahr später erlitt sie während der Vorbereitungen zu einer weiteren CD-Aufnahme einen Schlaganfall, in dessen Folge sie mit ihrer linken Hand unglücklicherweise nicht mehr spielen kann. Ihre Aktivität und ihr Einsatz für das Werk Theresienstädter Komponisten sind jedoch ungebrochen. So wirkte Edith Kraus in den letzten Jahren bei mehreren TV-Dokumentationen mit und hielt Vorträge in verschiedenen Ländern. Des Weiteren engagierte sie sich als Pädagogin bei internationalen Meisterkursen sowie als Jurorin des Musikwettbewerbs „Verfemte Musik“, der vom Landesverband „Jeunesses Musicales Mecklenburg-Vorpommern“ seit 2001 in Schwerin veranstaltet wird. Zu diesem Anlass reiste sie 2002 nach jahrzehntelanger Weigerung erstmals wieder nach Deutschland.

    Edith Kraus lebt nahe ihrer Familie in Jerusalem.

    [Alle direkten und indirekten Zitate von Edith Kraus sowie Darstellungen aus der Sicht von Edith Kraus – soweit nicht durch andere Quellen belegt - entstammen aus einem Interview, das die Verf. mit Edith Kraus am 7. November 1999 in Jerusalem führte.]

    Würdigung

    Edith Kraus gilt als Spezialistin für die Werke Viktor Ullmanns, Pavel Haas’ und die tschechische Klaviermusik. Nach ihrer Befreiung aus Theresienstadt machte sie sich besonders um die Werke der so genannten „Theresienstädter Komponisten“ verdient.

    So spielte sie 1993 Ullmanns Klaviersonaten Nr. 1,2,3,4 und Nr. 6 (die sie bereits in Theresienstadt uraufgeführt hatte) sowie die Lieder von Pavel Haas, zusammen mit Karel Berman, auf CD ein. Bei Konzerten in der Tschechischen Republik, in Dänemark, England, in den USA und in Israel begleitete sie die Lieder von Pavel Haas.


    Viktor Ullmanns schreibt in seiner Kritik Nr. 23 zu einem Theresienstädter Klavierabend:

    „Die prachtvolle E-dur-Sonate op.6 [von Mendelssohn], mit der uns Edith Steiner-Kraus diesmal beschenkte, mag aus der nicht viel späteren Zeit stammen: sie sprudelt eine um die andere Herrlichkeit aus sich heraus, sie ist in Form, Invention, Stil und Satz von unbegreiflicher Reife.


    Was Rellstab an Mendelssohns Spiel rühmt: Leichtigkeit der Hand, Sicherheit, Rundung und Klarheit der Passagen, Feuer und Phantasie – es sind Eigenschaften, die auch für die Interpretin, für Edith Steiner-Kraus gelten können. Man kann sich diese Sonate, vom jugendlichen Mendelssohn vorgetragen, kaum schöner denken.“ (Ullmann, 1983, S. 82).


    Als Überlebende und Zeitzeugin des Holocaust engagiert sich Edith Kraus seit Jahren für die Versöhnung und die Vermittlung der Geschichte an die jüngere Generation, so etwa im Rahmen internationaler Meisterkurse für Nachwuchsmusiker. (Siehe auch Biografie).

    Rezeption

    Zu ihren Theresienstädter Konzerten liegen Kritiken von Viktor Ullmann vor (siehe „Würdigung“), von dem insgesamt 26 Kritiken zu musikalischen Veranstaltungen in Theresienstadt überliefert sind.

    Eine umfassende Darstellung der Rezeption wäre wünschenswert (siehe „Forschungsbedarf“).

    Repertoire

    Das Repertoire von Edith Kraus-Bloedy umfasst Werke der „Theresienstädter Komponisten“ Viktor Ullmann (Sonaten Nr. 1,2,3,4 und Nr. 6) und Pavel Haas (Suite,op.13, Lieder) sowie Werke von Bach, Beethoven, Brahms, Chopin, Mozart, Smetana, Schumann, Schubert und Brahms.

    Quellen

    Primärquelle


    Interview der Verf. mit Edith Kraus am 7.11.1999 in Jerusalem.


    Sekundärquellen (alphabetisch sortiert)


    Adler, Hans Günther. Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. Geschichte, Soziologie, Psychologie. Tübingen: Mohr, 1955.


    Adler, Hans Günther. Die verheimlichte Wahrheit. Theresienstädter Dokumente. Tübingen: Mohr, 1958.


    Grunwald, Julia. „Edith Kraus“, in: Arbeitsgruppe Exilmusik Hamburg (Hg.). Lebenswege von Musikerinnen im „Dritten Reich“ und im Exil (= Schriftenreihe Musik im „Dritten Reich“ und im Exil, Bd. 8; herausgegeben von Hanns-Werner Heister und Peter Petersen). Hamburg: von Bockel, 2000. S. 229-251.


    Initiative Hans Krása, Verein der Freunde und Förderer der Theresienstädter Initiative e.V. (Hg.). Komponisten in Theresienstadt. Hamburg: Initiative Hans Krása, 1999.


    Karas, Joza. Music in Terezín 1941-1945. New York: Pendragon Press, 1985.


    Kuna, Milan. Musik an der Grenze des Lebens: Musikerinnen und Musiker aus böhmischen Ländern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Frankfurt am Main: 2. Aufl. Zweitausendeins, 1998.


    Longerich, Peter. Die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942: Planung und Beginn des Genozids an den europäischen Juden. (Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Bd.7). Berlin: Ed. Hentrich, 1998.


    Ullmann, Viktor. 26 Kritiken über musikalische Veranstaltungen in Theresienstadt. Mit einem Geleitwort von Thomas Mandl, hrsg. u. kommentiert von Ingo Schultz. Hamburg: v. Bockel, 1993.


    Tamar-Hoffmann, Heidi, Klein, H.G. (Hg.). Musik in Theresienstadt. Die Komponisten Pavel Haas, Gideon Klein, Hans Krása, Viktor Ullmann, Erwin Schulhoff (gestorben im KZ Wülzburg) und ihre Werke. Referate des Kolloquiums in Dresden am 4. Mai 1991 und ergänzende Studien (Verdrängte Musik Bd.1). Berlin: Musica Reanimata, 1991


    Diskografie

    CD’s:


    „V. Ullmann, Sonaten 1-4“. EDA 005-2, Berlin 1993.


    „P. Haas, Suite op.13, Janacek, Suk ». Koch International Classics 372312.


    “The Terezín Music Anthology Vol. 1 – V. Ullmann: piano sonatas no. 5, 6, 7, quartet for strings no. 3”. Koch International Classics #7109, 1992.


    Filmografie


    They never touched my bread (zusammen mit K. Berman). BBC.


    Music of Terezín. BBC 1993.


    Goethe und Ghetto. Schwedisches Fernsehen 1994.


    Aspekte. ZDF 1997.


    Links

    http://www.pamatnik-terezin.cz

    Památnik Terezín (Nationles Kulturdenkmal)


    http://www.terezinmusic.org

    Terezin Chamber Music Foundation:


    http://www.nmz.de/nmz/nmz1999/nmz06/rumpf/haufe.shtml

    (Interview in der nmz: Pianistin befragt Pianistin: Friederike Haufe trifft Edith Kraus in Jerusalem.)


    http://www.nmz.de/nmz/2004/03/feature-kraus.shtml

    (Artikel in der nmz: Begegnung mit Jahrhundertzeuginnen. Die Pianistinnen Edith Kraus und Alice Herz Sommer.)

    Forschung

    Die biografischen Informationen stammen von Edith Kraus selbst.

    Informationen über das Musikleben in Theresienstadt sind über Pamatnik Terezín (siehe auch „Links“) erhältlich.

    Forschungsbedarf

    Wünschenswert wären:

    - Dokumentation und Rezeption ihrer Konzerttätigkeit und Rundfunkaufnahmen. Vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden mehrere Radioproduktionen mit Edith Kraus in Berlin und in Prag, nach Kriegsende entstanden weitere Produktionen in Prag (1945-48), Jerusalem und Kopenhagen.

    - Untersuchungen zu ihrem pianistischen Stil

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 1702812
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 134766008
    Library of Congress (LCCN): n94072711
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Julia Grunwald


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 22.06.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Julia Grunwald, Artikel „Edith Kraus-Bloedy“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 22.6.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Edith_Kraus-Bloedy