Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (100%)
  • Deutsch
  • Dorothee Günther

    von Raika Simone Maier
    Dorothee Günther, 1923
    Namen:
    Dorothee Günther
    Geburtsname: Anna-Katharine Dorothea Günther
    Lebensdaten:
    geb. in Gelsenkirchen, Deutschland
    gest. in Köln, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Musik-Fördererin, Stimmbildnerin, Tanz- und Gymnastikpädagogin, Choreografin, Regisseurin, Begründerin und Leiterin der „Günther-Schule“, Librettistin, Bühnen- und Kostümbildnerin, Autorin
    Charakterisierender Satz:

    „Darum gründete ich die Schule in dem Bestreben, jeder Veranlagung das ihr gemäße Studium zu ermöglichen, mit drei Lehrausbildungsmöglichkeiten: Gymnastik, Musik-rhythmische Körperbildung und Tänzerische Körperbildung und modernen künstlerischen Tanz“. (Günther 1962, S. 220)


    „Uns leitete die Idee, die körperliche Erziehung in organischer Einheit von Musik und Bewegung zu vollziehen, Wir sollten vor allem die rhythmische Erlebnisfähigkeit wieder erschließen helfen.“ (Günther 1962, S. 222)


    „Günthers Name wirkte wie ein Magnet.“ (Orff 1976, S. 15)


    Profil

    Dorothee Günther gründete 1924 gemeinsam mit dem Musikpädagogen und Komponisten Carl Orff die sogenannte „Günther-Schule“ in München. Unter Dorothee Günthers Leitung etablierte sich diese Schule zu einer der bedeutendsten Ausbildungsstätten für Gymnastik und Tanz in ihrer Zeit. Insgesamt ging es weniger um die Weitergabe tradierten Wissens und mehr um die Ermöglichung von experimentellem Lernen und um die Weiterentwicklung von neuem Wissen. Dorothee Günthers Schule war insbesondere bekannt für die Gleichwertigkeit von Bewegung und Musik. An dieser Schule wurden außerdem die beiden Fächer Elementare Musik und Elementarer Tanz entscheidend geprägt.

    Die „Günther-Schule“ bildete zahlreiche Musik- und Tanzpädagoginnen aus, die ihrerseits die Grundsätze der „Günther-Schule“ weitertrugen. Die Schule genoss einen ausgezeichneten Ruf, den sie Carl Orff zufolge insbesondere Dorothee Günther verdankte (vgl. Orff, S. 15). Dorothee Günther verfügte offenbar über ausgezeichnete organisatorische Fähigkeiten und verstand es außerdem, für die Lehrkräfte optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Bekannteste Lehrkräfte sind die Komponistin und Musikpädagogin Gunild Keetman, die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Maja Lex sowie der Komponist und Musikpädagoge Carl Orff. Carl Orff und Gunild Keetman brachten beispielsweise während ihrer Zeit an der „Günther-Schule“ das bis heute bekannte „Schulwerk“ hervor. Die Tänzerin Maja Lex konnte zahlreiche Choreografien zu verschiedenen Kompositionen entwickeln.

    Orte und Länder

    Nach Dorothee Günthers beruflicher Ausbildung an Kunstgewerbeschulen in Dessau und Hamburg zog sie nach München, wo sie gemeinsam mit dem Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff die sogenannte „Günther-Schule“ gründete. Dorothee Günther leitete diese Schule bis in das Jahr 1944. An der Schule gründete sie die überaus erfolgreiche „Tanzgruppe Günther-München“. Insbesondere in den Jahren der NS-Zeit erlangte die „Günther-Schule“ und ihre Tanzgruppe einen beachtlichen nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad.

    Nach dem Ende des 2. Weltkrieges übersiedelte Dorothee Günther gemeinsam mit der Tänzerin und Tanzpädagogin Maja Lex nach Rom. Während Maja Lex bereits in den 1950er Jahren ihren Lebensmittelpunkt wieder nach Deutschland verlegte und an der „Deutschen Sporthochschule Köln“ unterrichtete, lebte Dorothee Günther offenbar 20 Jahre lang in Italien und kehrte erst im Anschluss nach Deutschland zurück.

    Biografie

    1896 in Gelsenkirchen als Anna-Katharine Dorothea Günther geboren, wuchs Dorothee Günther in Berlin auf. Über ihre Eltern liegen derzeit keine Informationen vor. Sie begann 1913 ihre berufliche Ausbildung an den Kunstgewerbeschulen von Dessau und Hamburg. Nach eigenen Angaben beschäftigte sich Dorothee Günther parallel dazu mit Kunstgeschichte und Anatomie (vgl. Günther 1962, S. 220). Von 1916 bis 1917 war Dorothee Günther Regieassistentin. Sie lernte außerdem die Dalcroze- und Laban-Arbeit kennen, benannt nach dem Komponisten und Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950), der wesentlich zur Begründung der rhythmisch-musikalischen Gymnastik beigetragen hat, und dem Tänzer, Choreografen und Tanztheoretiker Rudolf von Laban (1879-1958). 1919 legte Dorothee Günther ihre gymnastische Abschlussprüfung ab und erwarb somit eine Lehrbefähigung (vgl. Günther 1962, S. 220 und „Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 244). Im Anschluss daran begann sie selbst zu unterrichten. Im Selbststudium beschäftigte sie sich mit den Disziplinen Atemgymnastik und Sprecherziehung.


    1923 ging Dorothee Günther nach München, um dort ihre Ausbildung im Fach bildende Kunst in der Klasse von Professor Richard [?] Knecht fortzusetzen. Ebendort lernte sie Carl Orff kennen, mit dem sie fortan eine Freundschaft und lebenslange Zusammenarbeit verband.


    Im Jahr 1924 gründete Dorothee Günther gemeinsam mit Carl Orff die „Günther-Schule“, eine Bildungsstätte für Gymnastik, Rhythmik, Musik, Kultur- und Formenkunde sowie Tanz. Zunächst gab es 17 Schülerinnen in der Berufsausbildung und mehr als 100 Amateurinnen, die die Schule besuchten (vgl. Morawa in Kugler: Elementarer Tanz – Elementare Musik, S. 27). Die Schülerinnen waren in der Regel zwischen 18 und 22 Jahren alt. Die Schule war für die zeitgenössische Tanzpädagogik wegweisend. Der Musikpädagoge und Musikwissenschaftler Michael Kugler sprach der Schule „für den modernen Kunsttanz und die Musikpädagogik eine besondere Bedeutung“ zu (Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 11).

    In ihrem eigenen Unterricht war Dorothee Günther offenbar zunächst der Mensendieck-Tradition gefolgt, die sie aus ihrer eigenen Ausbildung kannte (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 54). Schon 1923 hatte Dorothee Günther begonnen, sich von den starren Vorstellungen ihrer eigenen Ausbildung zu distanzieren und vertrat die Ansicht, dass eine individuelle Herangehensweise von den jeweiligen Voraussetzungen des Schülers bzw. der Schülerin ausgehend für das Lehren und Lernen von Gymnastik zielführend sei (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 54, 58). Eine Prägung durch einen einzigen Bewegungsstil strebte sie nicht an, sondern wählte stattdessen einen mehrgleisigen Weg.

    An ihrer eigenen Schule brach Dorothee Günther mit zahlreichen tänzerischen und musikalischen Traditionen und räumte improvisatorischem Vorgehen einen hohen Stellenwert ein (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 11). Im Lehrplan der Schule war als Ziel verankert, „durch Beweglichmachung, Steigerung und Erweiterung aller, oft gebunden gelagerter Kräfte, in geistiger wie in körperlicher Beziehung zur Selbstkenntnis und Selbstführung anzuregen und so eine einheitliche Entwicklung anzubahnen.“ („Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 242)


    Offenbar war es zum einen die individuelle Förderung der einzelnen Schülerinnen, die die Besonderheit der „Günther-Schule“ ausmachte. Zum anderen war die Verschmelzung und Gleichwertigkeit von Musik und Tanz an der „Günther-Schule“ von zentraler Bedeutung; alle Schülerinnen wurden sowohl im Fach Musik, als auch im Fach Tanz geschult (vgl. Widmer in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 121 und 129). Dorothee Günther selbst äußerte sich zu diesem Aspekt wie folgt: „Der innerlich mittanzende Musikant begleitet wahrscheinlich intensiver-tänzerischer, die Einheit unmittelbarer bewahrend.“ (Günther: „Die barbarische Suite“ zitiert nach „Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 139). Eine ehemalige Schülerin schrieb: „Bei Dorothee Günther selbst habe ich an keinem Unterricht teilgenommen, aber was ich an ihrer Schule lernen konnte, hat mich begeistert, und zwar in dreierlei Hinsicht: Wir bekamen, erfanden und übten in ‚Rhythmik‘ Bewegungsfolgen für den ganzen Körper in reichhaltigster rhythmischer Form. Begleitet wurden wir oft von der Pianistin Margrit Goetz, die es verstand, spontan improvisierend auf das Bewegungsgeschehen einzugehen, es quasi mitzumachen, hervorzulocken oder auch zu ordnen. ... Auch wir Schülerinnen mußten das die Beeinflussung der tänzerischen Bewegung durch das eigene musikalische Spiel, RM lernen, vor allem für unsere pädagogische Tätigkeit, bei der ja zu berücksichtigen ist, daß man gleichzeitig den übenden Schülern manches ansagen und sie korrigieren mußte. Das geht nicht ohne weiteres: Entweder es gelingt einem nur, über einem einfachen Schlagen des Metrums zu sprechen, oder man stottert – mit der Sprache oder mit der Hand.“ (Loesch, S. 16-17)


    Von Beginn an soll es insbesondere Dorothee Günther gewesen sein, die durch ihr außergewöhnliches Organisationstalent die Schule maßgeblich prägte (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 41). Ab 1931 erhielt die Schule die staatliche Anerkennung (vgl. Günther 1962, S. 220). Carl Orff und die Gymnastiklehrerin Thekla Malmberg (?-?) bzw. später Lene Hawelka (?-?) übernahmen Dorothee Günthers Stellvertretung als Schulleiterin (vgl. „Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 243). Eine weitere Besonderheit der Schule stellten die guten Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte dar. Neben Carl Orff übernahm im Jahr 1928 die Tänzerin, Choreografin und ehemalige Günther-Schülerin Maja Lex den Bereich Tanz. Gunild Keetman wurde als frisch diplomierte Günther-Schülerin Lehrkraft für Musik.


    Gunild Keetman und Carl Orff entwickelten an der „Günther-Schule“ das Konzept der Elementaren Musik. Elementare Musik meint in diesem Zusammenhang die Verknüpfung von Bewegung, Tanz und Sprache. Meist geht starker Aufforderungscharakter von der Musik aus. Improvisatorische Elemente und eine Fokussierung auf den Prozess des Musizierens sind außerdem bedeutende Bestandteile Elementarer Musik. Viele der Kompositionen, die heute ausschließlich unter dem Namen Carl Orff bekannt sind, wurden von Gunild Keetman und Carl Orff gemeinsam entwickelt. Ein Beispiel ist das „Schulwerk“, eine Sammlung von Rhythmen, Texten, Liedern und Instrumentalstücken. Zwischen 1932 und 1935 erschien als Folge dessen die „Elementare Musikübung“. Acht der zweiundzwanzig Hefte gehen auf Hans Bergese zurück, sieben auf Gunild Keetman, vier auf Carl Orff und eines auf Wilhelm Twittenhoff (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 99). Die Kompositionen waren insbesondere als Gerüst für improvisatorisches Musizieren gedacht.

    Derzeit liegen nur zu Carl Orffs pädagogische Auffassungen Informationen vor, es kann aber davon ausgegangen werden, dass die pädagogischen Ansätze der „Günther-Schule“ genau wie die Kompositionen von den Lehrkräften gemeinsam entwickelt wurden: Insgesamt geht dieser pädagogische Ansatz von den Kompetenzen des Kindes bzw. auch der erwachsenen Musiklernenden aus (vgl. Orff: „Gedanken über Musik mit Kindern und Laien“ aus „Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 173 ff). Die pädagogischen Auffassungen lassen sich somit mit dem aktuellen Begriff der ressourcenorientierten Pädagogik in Verbindung bringen.

    An der „Günther-Schule“ entstand außerdem das auch heute noch bekannte Elementare Instrumentarium („Orff-Instrumentarium“), welches die Grundlage für die moderne musikalische Gruppenimprovisation in unterschiedlichen Ausprägungen bildet (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 18). Inwieweit an der Entwicklung dieses Instrumentariums auch die anderen Lehrkräfte beteiligt waren, ist derzeit unklar.


    Maja Lex entwickelte an der „Günther-Schule“ das Konzept des Elementaren Tanzes als ganzheitlich ausgerichtetes, integratives pädagogisches Konzept mit starkem musikalisch-rhythmischen Bezug. Sie entwickelte außerdem im Laufe ihrer Tätigkeit an der „Günther-Schule“ zahlreiche Choreografien.


    1930 initiierte Dorothee Günther die „Münchner Kammertanzbühne“, die 1932 in „Tanzgruppe Günther-München“ umbenannt wurde. Unter anderem gehörten der Gruppe Ruth Opitz, Rose Daiber, Erika Bulle, Esa Keetman, Maggie Hoffmann, Sieglinde Müller, Karin Fischer, Dedi von Dessauer, Marianne Simon und Gisela Scheid an. Die tänzerische Leitung übernahm Maja Lex, die musikalische Leitung oblag Gunild Keetman. Dorothee Günther zeichnete für die Gesamtregie sowie für die Kostüme verantwortlich. Über die Gruppe schrieb Dorothee Günther: „Hier entstanden Tanz und Musik in gemeinsamem, gleichzeitigen Entwurf; die Musik wurde vom eigenen Tanzorchester ausgeführt, das auf dem Orff-Instrumentarium aufgebaut war. Die Ausführenden waren Tänzer und Musiker in einer Person und wechselten häufig innerhalb der verschiedenen Aufführungsteile ihre Funktion.“ (Günther 1962, S. 221) Die Tanzgruppe war äußerst erfolgreich, absolvierte Tourneen in mehreren europäischen Ländern und gewann zahlreiche Preise. Mit kriegsbedingten Einschränkungen setzte die Gruppe ihre Auftritte im Rahmen der Wehrmachtsbetreuung bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1943 fort (vgl. Widmer in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 125).


    Dorothee Günther selbst übernahm an ihrer Schule neben Leitungsaufgaben den Unterricht in den Fächern Tanzpädagogik, Kulturgeschichte einschließlich Geschichte des Tanzes und des Theaters, Bewegungszeichnen, Bewegungslehre, Psychologie und Stimmbildung. Einer Schülerin zufolge war Dorothee Günther als Lehrerin respektwürdig und gerecht und besaß die Fähigkeit, die Schülerinnen durch ihre Persönlichkeit zu formen (vgl. Widmer in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 123). Als künstlerischen Grundsatz gibt Dorothee Günther an: „Also Bedingung ist: nicht vom Vorbild, nicht vom Gegebenen ausgehen. Möglichkeiten schaffen, die aus sich heraus keinerlei Bedingungen stellen und doch den auch noch im Erwachsenen lebendigen Spieltrieb anregen.“ (Günther: Der rhythmische Mensch und seine Erziehung [1932], „Dokumentation“ in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 147).


    1933 trat Dorothee Günther der Reichstheaterkammer sowie der NSDAP bei. Sekundärquellen zufolge war ihr zugetragen worden, dass von ihrer politischen Ausrichtung das Fortbestehen der Schule bzw. ihre Leitungsposition abhängig war (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S., S. 60). Diese Art der Rechtfertigung ist in der Aufarbeitung der Geschehnisse der NS-Zeit üblich; über Dorothee Günthers tatsächliche politische Haltung kann aufgrund des aktuellen lückenhaften Forschungsstands keine Aussage getroffen werden.


    Offenbar meldete Dorothee Günther auch Gunild Keetman bei der NSDAP an und beglich die Mitgliedsbeiträge für sie (vgl. Ronnefeld in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 107). Carl Orffs Arbeit soll außerdem nicht den Vorstellungen des NS-Regimes entsprochen haben und kritisch aufgenommen worden sein (vgl. Morawa, in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 36).

    Insbesondere in den Jahren der NS-Zeit erlangte die „Günther-Schule München“ und ihre Tanzgruppe jedoch einen beachtlichen (inter-)nationalen Bekanntheitsgrad (vgl. Haselbach, in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 60). Vermutlich aufgrund dessen sowie aufgrund seines persönlichen Bekanntheitsgrads als erfolgreicher, männlicher Komponist wurde Carl Orff als Lehrer der „Günther-Schule“ gebeten, bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 mitzuwirken (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 60). Er gab die Aufgabe jedoch weiter, die Gründe hierfür sind aktuell nicht bekannt. Dorothee Günther entwickelte als Folge dessen gemeinsam mit Maja Lex den „Einzug und Reigen der Kinder und Mädchen“ und übernahm teilweise die künstlerische Leitung für die Eröffnungsgestaltung (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 52). Die Musik zu der Veranstaltung stammte von Gunild Keetman.


    1938 und 1939 choreografierte Dorothee Günther in Breslau und München bei nationalsozialistischen Großveranstaltungen. Auch in ihren Veröffentlichungen passte Dorothee Günther sich offenbar dem nationalsozialistischen Sprachgebrauch an (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 21). Dorothee Günther unterrichtete außerdem während der NS-Zeit die Fächer „Führungskunde“ bzw. „Erb- und Rassenkunde“ (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 47). Barbara Haselbach gibt für Dorothee Günthers Haltung künstlerische und existentielle Gründe an: Dorothee Günther habe vor allem ihre Schule weiterführen wollen und auch weiterhin auftreten wollen (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 63 ff). Wie sich Dorothee Günther beispielsweise zu Schüler*innen jüdischer Herkunft positionierte, könnte durch eine kritische Aufarbeitung von Dorothee Günthers Wirken in der NS-Zeit geklärt werden.


    1934 schloss sich die „Günther-Schule“ mit der Berliner „Trümpy-Schule“ zusammen, die dann bis zu ihrer Schließung im Jahr 1938 den Namen „Güntherschule Berlin“ trug (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 43). Im Jahr 1936 konnte Dorothee Günther ein Gebäude in der Kaulbachstraße 16 zunächst mieten und 1938 mithilfe einer finanziellen Unterstützung der Stadt München kaufen (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 61). 1944 wurde die Schule von offizieller Seite aus geschlossen, da die Schulräume als Büros für die „Gaustudentenführung“ verwendt werden sollten (vgl. Morawa in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 38). Das Schulgebäude wurde im Januar 1945 ausgebombt und es wurden große Teile des Inventars zerstört. Nach dem Krieg kam es nicht zu einer Neueröffnung.


    Dorothee Günther veröffentlichte auch nach dem Krieg zu tanz- und musikbezogenen Themen. Möglicherweise aufgrund der Entnazifizierungsverfahren seitens der Alliierten emigrierte Dorothee Günther 1947 gemeinsam mit Maja Lex nach Rom, wo erstere für 20 Jahre blieb (vgl. https://tanzraumcalw.de/elementarer-tanz). 1969 übersiedelte sie nach Köln, wo sie bei Maja Lex wohnte. Zwischen Dorothee Günther und Gunild Keetman bestand offenbar nach dem 2. Weltkrieg kein Kontakt mehr. Detailliertere Informationen zu Dorothee Günthers Tätigkeitsfeldern nach dem Zweiten Weltkrieg liegen derzeit nicht vor.


    Dorothee Günther war außergewöhnlich vielseitig begabt. Neben den bereits beschriebenen Tätigkeitsfeldern verfasste sie Libretti für Carl Orff (z.B. für seine Bearbeitung von Claudio Monteverdis Oper „Orfeo“). Für die Uraufführung seines „Tanz der Spröden“ entwarf Dorothee Günther neben dem Libretto Bühnenbild und Kostüme (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 51 ff). Dorothee Günther war wissenschaftlich aktiv und veröffentlichte Schriften und Aufsätze zu Körper- und Bewegungsarbeit. An der „Günther-Schule“ stellte sie eine Bibliothek mit über 1000 Titeln zusammen (vgl. Kugler in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 42). Dorothee Günther war außerdem literarisch tätig und verfasste das Drehbuch „Der einsame Teppich“ sowie einen Gedichtband ohne eigenen Titel (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 53).


    Dorothee Günther starb am 18. September 1975 in Köln.

    Würdigung

    Dorothee Günther beeinflusste durch ihre vielseitige Begabung das zeitgenössische Kulturleben in mehrfacher Hinsicht: Als Leiterin und Impulsgeberin der „Günther-Schule“ prägte sie die zeitgenössische Tanz- und Musikpädagogik maßgeblich. Darüber hinaus wurden ihre Arbeiten als Librettistin und (wissenschaftliche) Autorin von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

    Besonders verdient machte sie sich mit ihrer Schule zum einen aufgrund des individuellen pädagogischen Ansatzes, mit dem sie jede Schülerin in ihren Begabungen fördern und fordern konnte. Zum anderen wirkte die Verschmelzung von Bewegung und Musik als neuartige Tanzrichtung und damit impulsgebend für die zeitgenössischen Auffassungen von Musik und Tanz. Des Weiteren schuf Dorothee Günther optimale Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter*innen und förderte auf diese Weise die Weiterentwicklung von Tanz und Tanzpädagogik sowie von Musik und Musikpädagogik.

    Rezeption

    Die zahlreichen Arbeitsgebiete der vielseitig begabten Dorothee Günther werden heute kaum mehr rezipiert. Ihr Einfluss auf Musik- und Tanzpädagogik wird nicht wahrgenommen.

    Möglicherweise ist die wenig umfassende Rezeption auf das Geschlecht von Dorothee Günther zurückzuführen sowie auf ihre regimeunkritische Haltung während der NS-Zeit. Der männliche Komponist und Musikpädagoge Carl Orff, der offenbar aufgrund des inspirierenden Umfelds an der „Günther-Schule“ gemeinsam mit den anderen Lehrkräften (insbesondere Gunild Keetman) komponieren und pädagogisch wirken konnte, wird bis heute rezipiert.

    Der Musikwissenschaftler und Orff-Spezialist Thomas Rösch äußerte: An der „Günther-Schule“ „kam es zur Zusammenarbeit“ von Dorothee Günther „mit Carl Orff, der für die musikalische Ausbildung zuständig war. Der damals 28-Jährige war offen für Dorothee Günthers Ideen. Sie brauchte eine völlig neu strukturierte Musik, die zu ihren neuen tänzerischen Ideen passte. Ihr Ziel war, auf eine kurze Formel gebracht: Aus der Bewegung sollte Musik entstehen und umgekehrt aus der Musik Bewegung.“ (nmz 2015)

    Auch der Name „Günther-Schule“, benannt nach der Gründerin und Leiterin Dorothee Günther, verdeutlicht ihren maßgeblichen Einfluss und ihre Bedeutung. Heute ist es umgekehrt: Es gibt zahlreiche Schulen, die nach Carl Orff benannt worden sind, sowie das „Orff-Zentrum München“ und das „Orff-Institut“ an der „Universität Mozarteum Salzburg“. Beide Einrichtungen beschäftigen sich auf theoretischer und praktischer Ebene mit Carl Orffs musikalischen und musikpädagogischen Ansätzen. Forschungseinrichtungen zu Dorothee Günther gibt es trotz ihrer innovativen pädagogischen und künstlerischen Ansätze nicht.

    In der vorhandenen Literatur zu Dorothee Günther nimmt die NS-Zeit Raum ein, genau in dieser Zeit feierte die „Günther-Schule“ ihre Erfolge. Eine kritische Auseinandersetzung mit Dorothee Günthers politischer Haltung und ihrer Positionierung zu den Geschehnissen steht allerdings noch aus.

    Zum anderen ist Dorothee Günthers Leben und Wirken nach 1945 kaum erforscht. Es lassen sich folglich derzeit fast ausschließlich zu den Jahren vor 1945 Aussagen treffen.

    Werkverzeichnis

    Schriften:


    Günther, Dorothee: Der unschöne Körper als Gegenstand der Körperkultur, in: Giese, Fritz und Hagemann, Hedwig (Hg.): Weibliche Körperbildung und Bewegungskunst nach dem System Mensendieck, München: Delphin-Verlag, 1920, S. 97-107.


    Günther, Dorothee: Die körperliche Funktion im Dienste der künstlerischen Idee, in: Die Tat, Heft 13, Jena: Eugen Diederichs Verlag,1921/22, S. 834-839.


    Günther, Dorothee: Die Oper und ihre Inszenierung, in: Lang, Oskar: Orpheus. C. Monteverdi´s „Orfeo“, neugestaltet für die deutsche Bühne 1923 von C. Orff. Mit Beiträgen von C. Sachs, D. Günther, M. Sinzheimer, Mainz: Schott-Verlag, 1925, S. 32-38.


    Günther, Dorothee: Bund für freie und angewandte Bewegung, in: Pallat, Ludwig und Hilker, Franz (Hg.): Künstlerische Körperschulung, Breslau: Ferdinand Hirt, 1926, S. 52 ff.


    Günther, Dorothee: Gymnastische Grundübungen. Nach System Mensendieck, München: Delphin-Verlag, 1926.


    Günther, Dorothee: Rhythmische Grundübungen, München: Delphin-Verlag, 1926.


    Günther, Dorothee: Gymnastik als pädagogischer Faktor in der „Ausbildungsstätte München“ des Bundes für angewandte und freie Bewegung, in: Deutscher Gymnastikbund (Hg.): Gymnastik, Heft 2, Berlin: Brandenburgisches Verlagshaus, 1927, S. 53-60.


    Günther, Dorothee: Tanzwissenschaft, in: Tanzgemeinschaft 1, Heft 2, S. 10 f.


    Günther, Dorothee: Rhythmische Erziehung als rhythmische Körperbildung, in: Der bewegte Mensch 1, Heft 1, S. 8-11.


    Günther, Dorothee: Warum Tanzpädagogik? in: Deutsche Gesellschaft für Schrifttanz (Hg.): Schrifttanz Heft 3, Hildesheim: Olms Verlag, 1930, S. 45-47.


    Günther, Dorothee: Die barbarische Suite, in: Deutsche Gesellschaft für Schrifttanz (Hg.): Schrifttanz Heft 2, Hildesheim: Olms Verlag, 1931, S. 34-36.


    Günther, Dorothee: Der rhythmische Mensch und seine Erziehung, Haarlem (Sonderdruck), 1932.


    Günther, Dorothee: Rhythmisch-melodische Erziehung auf der Grundlage des Improvisation, in: Benninghoff, Ludwig und Postulart, Wilhelm: Der Kreis 10, Hamburg: Kreis-Verlag, 1932, S. 70-74.


    Günther, Dorothee: Einführung in die deutsche Mensendieckgymnastik, Leipzig: Hachmeister & Thal, 1926.


    Günther, Dorothee: Die Einheit von Musik und Bewegung. Eine pädagogische und methodische Stellungnahme, in: Deutscher Gymnastikbund (Hg.): Gymnastik 8, Heft 7/8, Berlin: Brandenburgisches Verlagshaus, 1933, S. 108-121.


    Günther, Dorothee: Die Stellung von Musik und Tanz im neuen deutschen Kulturaufbau, in: Deutscher Gymnastikbund (Hg.): Gymnastik 8, Heft 7/8, Berlin: Brandenburgisches Verlagshaus, 1933, S. 104-108.


    Günther, Dorothee: Neue Wege der Musikerziehung, in: Jent, Louis (Hg.): Der Bund Nr. 466, Bern 1933.


    Günther, Dorothee: Brauchen wir eine stärkere Einheit von Musik und Tanz? in: Schuster, Bernhard: Die Musik, Berlin und Leipzig: Schuster & Loeffler 1934/35, S. 95-100.


    Günther, Dorothee: Das Orff-Schulwerk als elementare Musikübung für Gymnastiker und Tänzer, in: Twittenhoff, Wilhelm (Hg.): Einführung in das Schulwerk von Carl Orff, Mainz: Schott 1935, S. 32-35.


    Günther, Dorothee: Wiedergeburt des deutschen Tanzes, in: Laban, Rudolf von, Wigman, Mary u. a. (Hg.): Die tänzerische Situation unserer Zeit, Dresden: C. Reissner 1936, S. 13-21.


    Günther, Dorothee: Aus meiner Regiepraxis mit großen Laiengruppen, in: Deutsche Tanzzeitschrift 3, Heft 12, o. O: o. V. 1938, S. 13.


    Günther, Dorothee: Carl Orff, in: Deutsche Olympische Gesellschaft (Hg.): Olympisches Feuer, Heft 9, Dreieich: Peter Kühne Verlag, 1954, S. 16-17.


    Günther, Dorothee: In memoriam B. M. Mensendieck, in: Groll, Hans (Hg.): Die Leibeserziehung, Heft 9, Graz u. a.: Österreichischer Bundesverlag, 1960, S. 333-335.


    Günther, Dorothee: Der Tanz als Bewegungsphänomen, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1962.


    Günther, Dorothee: Elementarer Tanz, in: Thomas, Werner und Götze, Willibald (Hg.): Orff-Institut Jahrbuch 1962, Mainz: R. Schott`s Söhne 1962, S. 36-40.


    Günther, Dorothee: Erklärung zur Geschichte des Orff-Schulwerks, unveröffentlichtes Typoskript, Orff-Zentrum München.


    Günther, Dorothee: Die Bewegungserziehung innerhalb des Orff-Schulwerks, in: Thomas, Werner und Götze, Willibald (Hg.): Orff-Institut Jahrbuch 1963, Mainz: R. Schott`s Söhne 1964.


    Günther, Dorothee/Lex, Maja: Kinderreigen für 9- bis 12-jährige Mädchen. Entworfen für das Eröffnungsfestspiel der 11. Olympiade, Berlin 1936, mit Musik von Carl Orff und mit Zeichnungen von Dorothee Günther, Berlin: Limpert Verlag, 1936.


    Drehbücher:

    Günther, Dorothee: Der einsame Teppich, unveröffentlichtes Dokument, Orff-Zentrum München.


    Lyrik:


    Günther, Dorothee: Lyrikband 1946, Nachlass Maja Lex, im Privatbesitz von Graziela Padilla, Köln.


    Libretti:


    Günther, Dorothee (Libretto): Ballo delle Ingrate in genere rappresentativo di Claudio Monteverdi (1608) in freier Neugestaltung von Carl Orff (1925/1940).


    Günther, Dorothee (Libretto): L’Orfeo. Favola in musica di Claudio Monteverdi (1607) in freier Neugestaltung von Carl Orff (1924/1939).

    Quellen

    Handschriften


    Rolf Flügel an Dorothee Günther, o. O. 05.06.1963, Münchner Stadtbibliothek, Monacensia - Literaturarchiv und Bibliothek / Literaturarchiv, Nachl. Rolf Flügel/Briefe, RF B 163


    Rolf Flügel an Dorothee Günther, o. O. 24.06.1963, Münchner Stadtbibliothek, Monacensia - Literaturarchiv und Bibliothek / Literaturarchiv, Nachl. Rolf Flügel/Briefe, RF B 163


    Dorothee Günther an Rolf Flügel, Rom 12.06.1963, Münchner Stadtbibliothek, Monacensia - Literaturarchiv und Bibliothek / Literaturarchiv, Nachl. Rolf Flügel/Briefe, RF B 169


    Dorothee Günther an Hans Ludwig Held, München 23.12.1929, Münchner Stadtbibliothek, Monacensia - Literaturarchiv und Bibliothek / Literaturarchiv, Nachl. Hans Ludwig Held/Briefe, HLH B 152


    Literatur


    Haselbach, Barbara: Dorothee Günther, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 50-66.


    Kugler, Michael: Die Günther-Schule als Institution, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 41-50.


    Kugler, Michael: Der Weg zum Elementaren Tanz und zur Elementaren Musik, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 11-27.


    Kugler, Michael: „Dokumentation“, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 139-271.


    Kugler, Michael: Hans Bergese, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 109-121.


    Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002.


    Loesch, Ilse: Mit Leib und Seele. Erlebte Vergangenheit des Ausdruckstanzes, Berlin: Henschelverlag, 1990.


    Morawa, Christine: Kaulbachstraße 16 - aus der Geschichte des Hauses, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 27-41.


    Orff, Carl: Gedanken über Musik mit Kindern und Laien, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 173-178.


    Orff, Carl: Schulwerk. Elementare Musik, Tutzing: Hans Schneider, 1976.


    Padilla, Graziela: Maja Lex, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 76-95.


    Regner, Hermann: Carl Orff und seine pädagogischen Ideen, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 66-76.


    Ronnefeld, Minna: Gunild Keetman – Pädagogin und Komponistin, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 95-109.


    Widmer, Manuela: Die Schülergeneration – Ruth Opitz und Lola Harding-Irmer, in: Kugler, Michael (Hg.): Elementarer Tanz-Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, Mainz: Schott Musik International, 2002, S. 121-139.


    Internetquellen


    Informationen zur „Günther-Schule“, https://www.der-theaterverlag.de/tanz/archiv/artikel/schulen-guenther-schule-muenchen-ur-musik-und-dementarer-tanz/, Zugriff 10.04.2018.


    Historischer Abriss zur Entwicklung des Elementaren Tanzes mit Absatz über die „Günther-Schule“, http://www.elementarertanz.de/verein/philosophie/historisches/, Zugriff 10.04.2018.


    Personendossier „Carl Orff“, http://www.orff-zentrum.de/carl-orff/biographie/, Zugriff 10.04.2018.


    Informationen zur Entstehung des Elementaren Tanzes, https://tanzraumcalw.de/elementarer-tanz, Zugriff 11.5.2018.


    Eintrag „Dorothee Günther“, http://www.whoswho.de/bio/dorothee-guenther.html, Zugriff 10.04.2018.


    Interview von Franzpeter Messmer mit Dr. Thomas Rösch: Weltweite Impulse: das Orff-Schulwerk, Ausgabe 12/2015, 64. Jahrgang, https://www.nmz.de/artikel/weltweite-impulse-das-orff-schulwerk, Zugriff 25.4.2018.

    Forschung

    Insgesamt sind zu Dorothee Günther als Person derzeit nur wenig Quellen verfügbar. Das Quellenmaterial zu ihr bezieht sich im Wesentlichen auf ihre Schule, ihre Veröffentlichungen und ihre Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Musiker Carl Orff (vgl. Haselbach in Kugler: Elementarer Tanz-Elementare Musik, S. 50).

    Im ehemaligen Schulgebäude der „Günther-Schule“ wird heute zu Carl Orff geforscht. Zu Dorothee Günther gibt es keine eigenständige wissenschaftliche Auseinandersetzung. Die derzeit umfassendste Arbeit zu ihrem Wirken ist der von Michael Kugler herausgegebene Band „Elementarer Tanz – Elementare Musik“ mit verschiedenen Aufsätzen im Zusammenhang mit der „Günther-Schule“. Am „Orff-Zentrum München“ gibt es einen Teilnachlass von Dorothee Günther, der allerdings nicht erschlossen ist.

    In der „Münchner Stadtbibliothek“ sind einige Handschriften von und an Dorothee Günther archiviert, allerdings nicht als Teil ihres Nachlasses, sondern als Teile von Nachlässen der männlichen Schriftsteller Rolf Flügel und Hans Ludwig Held. In die Stadtgeschichte der Stadt München ist die Schulleiterin mit ihrer Schule bisher nicht integriert worden.

    Forschungsbedarf

    Bislang gibt es keine eigenständige Forschung zu Dorothee Günther. Eine grundlegende Quellenrecherche und Erschließung des Nachlasses im „Orff-Zentrum München“ steht noch aus. Dorothee Günthers Einfluss auf das zeitgenössische Kulturleben ist bislang ebenfalls noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Auch ihre zahlreichen Fachpublikationen sind noch nicht untersucht worden und versprechen interessante Informationen zur Tanz- und Musikpädagogik sowie zur „Günther-Schule“.

    Vielversprechend erscheint auch eine Untersuchung der Künstler*innengemeinschaft von Schüler*innen und Lehrkräften an der „Günther-Schule“, für die Dorothee Günther impulsgebend war. Eine umfassende wissenschaftlich-biografische Auseinandersetzung mit Dorothee Günther ist darüber hinaus wünschenswert.

    Ihre Haltung und ihre Tätigkeiten während der NS-Zeit bedarf außerdem einer kritischen Aufarbeitung. Es bietet es sich zusätzlich an zu untersuchen, warum die pädagogischen Ansätze der „Günther-Schule“ insofern vom NS-Regime gebilligt worden waren, als der Ausbildungsbetrieb an der Schule erst 1944 beendet werden musste.

    Autor/innen

    Raika Simone Maier


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 20.11.2018


    Empfohlene Zitierweise

    Raika Simone Maier, Artikel „Dorothee Günther“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.11.2018.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Dorothee_Günther