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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Dora Garland
    Ehename: Dora Darke
    Lebensdaten:
    geb. um in Redhill, England
    gest. in Cambridge, England

    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „Miss Dora Garland, who played the Bach ‚Chaconne’ for violin alone, produces a rich tone from her fine instrument, and plays with breadth of style and good intonation. On this occasion she doubled the rôles of soloist and leader of the orchestra – a post of honour now occupied for the first time in the annale of the Queen’s Hall Orchestra by a woman.“


    „Fräulein Dora Garland, die die Bach-‚Chaconne’ für Solo-Violine spielte, erzeugt einen reichhaltigen Klang aus ihrem erlesenen Instrument und spielt mit stilistischer Breite und guter Intonation. Bei diesem Anlass trat sie in der Doppelrolle als Solistin und Konzertmeisterin auf – ein ehrenvoller Posten, der jetzt erstmals in der Geschichte des Queen’s Hall Orchestra von einer Frau besetzt ist.“


    („The Times“ vom 15. August 1918, S. 9)


    Profil

    Die Geigerin Dora Garland studierte bei Maurice Sons am Royal College of Music und wurde während ihres Studiums mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit der „Tagore Gold Medal“, mit der der erfolgreichste Studierende des Jahres geehrt wurde. Noch während ihrer Studienzeit konnte sie sich als Solistin und Kammermusikerin im Londoner Musikleben etablieren und erhielt zudem eine Stelle als Geigerin im Londoner Queen’s Hall Orchestra, das zu dieser Zeit unter der Leitung von Sir Henry Wood stand. Im August 1918 übernahm sie während der Promenade Concerts das Pult der Konzertmeisterin des Queen’s Hall Orchestra und gilt damit bis heute als erste Frau, die in England ein professionelles Orchester führte.


    1918 heiratete Dora Garland den Organisten, Dirigenten und Komponisten Harold Darke und zog sich vorübergehend vom Konzertpodium zurück. In den 1930er Jahren übernahm sie die Konzertmeisterstelle im Amateurorchester ihres Mannes und trat gemeinsam mit ihm auch als Solistin auf, insbesondere während der von ihm geleiteten St. Michael’s Musical Festivals im Stadtteil Cornhill. Ab Mitte der 1930er Jahre sind keine öffentlichen Konzerte von Dora Garland mehr nachzuweisen.

    Orte und Länder

    Dora Garland wurde in Redhill geboren und wuchs in St. Leonards-on-Sea auf. Sie studierte am Royal College of Music in London und behielt dort ihren Wirkungskreis. Im Jahr 1939 lebte sie gemeinsam mit ihrem Mann in Hampstead Garden Suburb in Greater London (vgl. The lady’s who’s who 1938/39). Dora Garland starb in Cambridge.

    Biografie

    Dora Garland wurde 1893 als Tochter von Charles Garland und seiner Frau in Redhill geboren und wuchs in St Leonards-on-Sea auf (vgl. „The Times“ vom 5. Dezember 1917, S. 11; vom 6. Juli 1977, S. 18). Über ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Im Jahr 1907 trat sie ins Royal College of Music in London ein, vermutlich zunächst als „Scholar“, und studierte dort bis mindestens 1916 bei dem Geiger Maurice Sons, der zu dieser Zeit Konzertmeister des Queen’s Hall Orchestra war.


    Im Rahmen der Studierendenkonzerte des Royal College trat Dora Garland mehrfach als Kammermusikerin auf. So spielte sie z. B. im Oktober 1913 als Primaria gemeinsam mit der Geigerin Jessie Stewart, der Bratscherin Sybill Maturin und dem Violoncellisten John Snowden das Streichquartett D-Dur op. 11 von Peter I. Tschaikowsky, und die „Times“ rezensierte: „The strong point of the quartet was the very excellent rhythm which early established a feeling of confidence, and proceeded clearly from insight as much as from practice. This was apparent from the first syncopated chords onwards, but was particularly grateful to listen to in the slow movement and the scherzo. It was a real ensemble playing; no one player monopolized the interest to the exclusion of others, or failed to be subordinate at the proper moment.“ („Die Stärke des Quartetts bestand im exzellenten Rhythmus, der früh ein Gefühl von Vertrauen einflößte und offenkundig aus Erkenntnis wie auch aus Übung hervorging. Dies war von den ersten synkopierten Akkorden an offensichtlich, doch besonders deutlich im langsamen Satz und dem Scherzo zu hören. Es war ein wirkliches Zusammenspiel; nicht ein Spieler zog die Aufmerksamkeit zum Ausschluss der anderen auf sich oder scheiterte daran, sich in den angemessenen Momenten unterzuordnen.“; „The Times“ vom 25. Oktober 1913, S. 11) Auch außerhalb des Royal College wirkte Dora Garland in Konzerten mit. Bei einem Konzert, das die Sängerin Daphne Crookes im Dezember 1916 in der Londoner Æolian Hall veranstaltete, spielte sie u. a. Antonín Dvořáks Humoreske Ges-Dur op. 101 Nr. 7, arrangiert für Violine und Klavier. Die „Times“ schrieb über die Aufführung: „Miss Dora Garland [...] is a pupil of Mr. Maurice Sons and does him every credit. She played things that would please, and did please. The double stops in Dvorák’s Humoreske were a delight to listen to. We shall look forward to the pleasure of hearing her again.“ („Fräulein Dora Garland […] ist eine Schülerin von Herrn Maurice Sons und macht ihm alle Ehre. Sie spielte Stücke, die gefällig sind und auch gefielen. Die Doppelgriffe in Dvořáks Humoreske waren eine Freude zum Zuhören. Wir freuen uns auf das Vergnügen, sie wieder zu hören.“; „The Times“ vom 4. Dezember 1916, S. 4)


    Zudem wurde Dora Garland am Royal College mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Im Sommer 1908 wurde ihr die „Silver Medal“ im Fach Violine überreicht, im März 1910 gewann sie den Wettbewerb um das „Open Scholarship“ des Royal College, im April 1913 erhielt sie den „Scholefield Prize for String Players“ und 1914 wurde sie mit dem „Messrs. W. E. Hill & Sons’ Prize“ bedacht, der aus Geige, Bogen und Geigenkasten bestand. Im Jahr 1916 erhielt Dora Garland das „Manns Memorial Gift“ und errang ebenfalls 1916 die „Tagore Gold Medal“, die ihr im März 1817 verliehen wurde und mit der „the most generally deserving pupil of the year“ geehrt wurde („die insgesamt verdienstvollste Schülerin des Jahres“; vgl. „The Times“ vom 13. Juli 1908, S. 9; „The Musical Times“ vom 1. März 1910, S. 183; „The Times“ vom 3. April 1913, S. 5; „The Musical Times“ vom 1. September 1914, S. 589; vom 1. Februar 1916, S. 96; vom 1. September 1916, S. 421; vom 1. Mai 1917, S. 218; „The Times“ vom 30. März 1917, S. 3). Ebenfalls 1916/17 wurde Dora Garland zur Associate of the Royal College of Music (A.R.C.M.) gewählt (vgl. „The Times“ vom 30. März 1917, S. 3).


    Noch während ihres Studiums konnte sich Dora Garland im englischen Musikleben etablieren. Bereits 1913 erhielt sie eine feste Stelle als Geigerin im renommierten Queen’s Hall Orchestra, das zu dieser Zeit unter der Leitung von Sir Henry Wood stand, und gehörte damit zu den ersten weiblichen Musikerinnen des professionellen Orchesters (vgl. „The Times“ vom 6. Juli 1977, S. 18). Im August 1918 führte sie während mehrerer Promenade Concerts unter der Leitung von Sir Henry Wood das Orchester als Konzertmeisterin und trat zusätzlich auch als Solistin auf. Auf einem der Programme, am 14. August 1918, standen „Allegory“ für Orchester von Emile Jacques-Dalcroze sowie Johann Sebastian Bachs Chaconne d-Moll (aus der Partita Nr. 2 BWV 1004) für Violine solo. Die „Musical Times“ erwähnte die Konzertmeisterin bereits im Header: „The Promenade Concerts. Woman as leader of Queen’s Hall Orchestra. [...] Miss Dora Garland, who played the Bach ‚Chaconne’ for violin alone, produces a rich tone from her fine instrument, and plays with breadth of style and good intonation. On this occasion she doubled the rôles of soloist and leader of the orchestra – a post of honour now occupied for the first time in the annale of the Queen’ Hall Orchestra by a woman.“ („Die Promenade Concerts. Frau als Konzertmeisterin des Queen’s Hall Orchestra. […] Fräulein Dora Garland, die die Bach-‚Chaconne’ für Solo-Violine spielte, erzeugt mit ihrem erlesenen Instrument eine klangliche Vielfalt und spielt mit stilistischer Breite und guter Intonation. Bei diesem Anlass trat sie in der Doppelrolle als Solistin und als Konzertmeisterin auf – ein ehrenvoller Posten, der jetzt erstmals in der Geschichte des Queen’s Hall Orchestra von einer Frau besetzt ist.“; „The Times“ vom 15. August 1918, S. 9) Vermutlich war es ihr Lehrer Maurice Sons, der nicht nur seine männlichen, sondern auch seine weiblichen Studierenden gezielt auf den Orchesterdienst vorbereitete. Auch die erste festangestellte Konzertmeisterin des Queen’s Hall Orchestra, Marie Wilson (Mitglied ab 1922, Konzertmeisterin ab 1930), zählte zu seinen Schülerinnen. Unbekannt ist, ob Dora Garland nach ihrer Heirat 1918 weiterhin dem Orchester angehörte.


    Auch als Solistin und Kammermusikerin blieb Dora Garland erfolgreich. Im September 1917 debütierte sie als Solistin in den Promenade Concerts mit dem Queen’s Hall Orchestra unter der Leitung von Sir Henry Wood. Dabei spielte sie gemeinsam mit dem Geiger Arthur Beckwith Johann Sebastian Bachs Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll BWV 1043, und die „Times“ schrieb über die Geigerin: „The Concerto was a wonderfully gracious performance on the part of both the soloists: Miss Garland, who played the first, not only exhibited firm and pure tone, but played like a true musician, never altering her conception and yet not setting it against that of others.“ („Das Konzert war eine wundervoll anmutige Vorstellung von Seiten der beiden Solisten: Fräulein Garland, die zuerst spielte, legte nicht nur einen kräftigen und reinen Klang an den Tag, sondern spielte wie eine wahre Musikerin, indem sie niemals ihre Auffassung verändert, diese jedoch auch nicht gegen die anderer einnimmt.“; „The Times“ vom 20. September 1917, S. 3) Am 3. November 1917 wiederholte sie das Bachsche Konzert gemeinsam mit ihrem Lehrer Maurice Sons im Rahmen der „New Queen’s Hall Orchestra Symphony Concerts“, und auch die „Musical Times“ zeigte sich begeistert: „Bach’s Concerto No. 3, in D minor, for two solo violins and strings, brought forward Mr. Maurice Sons [...] and Miss Dora Garland. It says much fort the young lady’s playing that she was fitly associated with Mr. Sons. Her tone is full and her execution fluent, but beyond this there was that indefinable perceptiveness that arrested attention.“ („Bachs Concerto Nr. 3 in d-Moll für zwei Soloviolinen und Streicher brachte Herrn Maurice Sons […] und Fräulein Dora Garland zum Glänzen. Es sagt viel über das Spiel der jungen Dame, dass sie angemessen mit Herrn Sons zusammenspielt. Ihr Klang ist voll und ihre Ausführung fließend, doch darüber hinaus war es die undefinierbare Wahrnehmungsfähigkeit, die die Aufmerksamkeit aufrecht hielt.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1917, S. 555) Ebenfalls im November 1917 veranstaltete Dora Garland ein eigenes Konzert mit der Pianistin Kathleen Long im Londoner Leighton House (vgl. „The Times“ vom 16. November 1917, S. 9).


    Am 25. Juli 1918 heiratete Dora Garland den Organisten, Komponisten und Dirigenten Harold Darke in der St. Michael’s Church in Cornhill, wo ihr Mann als Organist tätig war. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor (vgl. The lady’s who’s who 1938/39; „The Times“ vom 18. Juli 1918, S. 9).


    Anschließend zog sich Dora Garland vorübergehend aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Erst 1930 kehrte sie als Solistin auf das Podium zurück, allerdings zunächst im Umfeld von Amateurorchestern und -chören. So spielte sie z. B. unter der Leitung ihres Mannes Harold Darke bei einem Konzert der „City of London Choral Union“ in der Kingsway Hall Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047, gemeinsam mit der Oboistin Sylvia Spencer, dem Flötisten Mr. Francis und dem Trompeter Mr. Barr (vgl. „The Times“ vom 9. April 1930, S. 14). Ein halbes Jahr später, im November 1930, trat sie bei einem Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach im Rahmen des Musikfestivals von St. Michael’s in Cornhill auf und spielte dabei gemeinsam mit Leon Goossens das Bachsche Konzert für Oboe und Violine c-Moll BWV 1060R, wiederum begleitet von ihrem Mann, sowie die Chaconne d-Moll aus der Partita Nr. 2 BWV 1004 für Violine Solo. Die „Times“ erinnerte an die ehemalige Konzertmeisterin und rezensierte: „Dr. Darke accompanied on the piano [...] the concerto for oboe and violin in C minor, played by Mr. Leon Goossens and Miss Dora Garland. [...] Miss Dora Garland (Mrs. Harold Darke) has not been heard in public lately, but she is remembered as the able leader of the orchestra at the Promenade Concerts during the War. She not only gave a very sympathetic duet performance of the Concerto with Mr. Goossens but played the great Chaconne for violin alone, and showed that her playing has lost none of its finish. Indeed the purity of her tone, in a work in which one is used to having to allow a certain amount of scrape of the violinist who attempts it, was remarkable. It was all music.“ („Dr. Darke begleitete am Klavier […] das Concerto für Oboe und Violine in c-Moll, gespielt von Herrn Leon Goossens und Fräulein Dora Garland. […] Fräulein Dora Garland (Mrs. Harold Darke) war in letzter Zeit nicht öffentlich zu hören, doch wird sich ihrer erinnert als fähige Konzertmeisterin des Orchesters bei den Promenade Concerts während des Krieges. Sie gab nicht nur eine sehr verständnisreiche Duo-Vorstellung des Concertos mit Herrn Goossens, sondern spielte die großartige Chaconne für Solovioline und zeigte, dass ihr Spiel nichts von seiner Vollendung eingebüßt hat. In der Tat war die Reinheit ihres Klangs, in einem Werk, in dem man gewohnt ist, dem Geiger, der es versucht, eine gewisse Menge an Kratzern zuzugestehen, bemerkenswert. Es war reine Musik.“; „The Times“ vom 6. November 1930, S. 12) Ende des Jahres 1930 übernahm Dora Garland auch den Platz der Konzertmeisterin in einem Amateurorchester, das von ihrem Mann geleitet wurde und das gemeinsam mit den St. Michael’s Singers größere oratorische Werke aufführte. So gab das Ensemble z. B. im Dezember 1930 Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium BWV 248 (vgl. „The Times“ vom 18. Dezember 1930, S. 17) und veranstaltete im März 1931 eine Aufführung von dessen „Johannespassion“ BWV 245: „Next Monday [...] in St. Michael’s Cornhill, the St. Michael’s Singers will sing Bach’s St. John Passion, with soloists, and orchestral accompaniment. Miss Dora Garland will lead the orchestra. [...] Dr. Harold Darke will conduct.“ („Nächsten Montag […] werden die St. Michael’s Singers in St. Michael’s Cornhill Bachs Johannespassion mit Solisten und Orchesterbegleitung singen. Fräulein Dora Garland wird das Orchester führen. […] Dr. Harold Darke wird dirigieren.“; „The Times“ vom 26. März 1931, S. 17) Bis 1935 bestritt das Orchester unter Dora Garlands Führung als Konzertmeisterin zahlreiche Konzerte, u. a. im Rahmen des St. Michael’s Musical Festival.


    Ab 1932 veranstaltete Dora Garland zudem gemeinsam mit ihrem Mann eigene Konzerte. Im Januar 1932 gaben die beiden ein Konzert in der Londoner Wigmore Hall, bei dem Werke für Violine und Klavier von Edward Elgar und Johannes Brahms (Violinsonate A-Dur op. 100), einige Sätze von Wolfgang Amadeus Mozart sowie zwei Sätze aus Johann Sebastian Bachs Sonate C-Dur für Violine solo BWV 1005 auf dem Programm standen. Die „Times“ feierte die Rückkehr von Dora Garland in den professionellen Bereich. Unter der Überschrift „Miss Dora Garland’s Return“ hieß es: „Miss Dora Garland made her return to the concert platform after a too long absence in a recital given with her husband, Dr. Harold Darke, at Wigmore Hall on Wednesday night. Together they played sonatas for violin and piano by Elgar and Brahms (Op. 100 in A major) and some movements of Mozart. The performance not only showed that the violinist has lost none of that breadth of style and certainly of musicianship which enabled her to take up with success the leadership of the Queen’s Hall Orchestra in the Promenade seasons of the War period, but was delightful for its fine ensemble and unanimity of understanding. This, one felt, is how sonatas should be played; that is, by two artists whose musical outlook has grown together [...]. Alone, Miss Garland gave the rarely heard adagio and the elaborate fugue following it from Bach’s Sonata in C for Violin. It is one of those works in which Bach glories in surmounting the limitations of the violin for expressing polyphony, and the player triumphed with him.“ („Fräulein Dora Garland kehrte nach zu langer Abwesenheit mit einem Konzert, das sie mit ihrem Mann, Dr. Harold Darke, in der Wigmore Hall am Mittwochabend gab, auf die Konzertbühne zurück. Gemeinsam spielten sie Sonaten für Violine und Klavier von Elgar und Brahms (op. 100 in A-Dur) und einige Sätze von Mozart. Die Vorstellung zeigte nicht nur, dass die Violinistin nichts von jener stilistischen Breite und sicherlich nichts von dem musikalischen Können eingebüßt hat, das sie befähigt hat, mit Erfolg das Queen’s Hall Orchestra in den Promenade-Konzerten der Kriegszeit als Konzertmeisterin zu führen, sondern war auch entzückend wegen des ausgezeichneten Ensembles und der Einhelligkeit an Verständnis. Man fühlte, dass Sonaten so gespielt werden sollten; nämlich von zwei Künstlern, deren musikalische Auffassung zusammen gewachsen ist […]. Allein gab Fräulein Garland das selten gehörte Adagio und die darauf folgende raffinierte Fuge aus Bachs Violinsonate in C-Dur. Es ist eines jener Werke, in denen es Bach genießt, die Einschränkungen der Violine für den Ausdruck von Polyphonie zu überwinden, und die Künstlerin triumphierte mit ihm.“; „The Times“ vom 16. Januar 1932, S. 8)


    Nach 1935 sind keine weiteren Konzerte von Dora Garland zu belegen. Sie starb am 3. Juli 1977, ein Jahr nach ihrem Mann, in Cambridge im Alter von 85 Jahren (vgl. Nachruf in „The Musical Times“ vom September 1977, S. 754).

    Würdigung

    Dora Garland war nur vergleichsweise kurze Zeit im öffentlichen Musikleben präsent, von 1913 bis 1918, d. h. während der Studienzeit und bis zu ihrer Heirat, sowie nochmals von 1930 bis 1935. Dennoch blieb sie viele Jahre lang als herausragende Geigerin im Gedächtnis des Londoner Publikums. Als eine der frühen Orchestermusikerinnen und Konzertmeisterinnen in professionellen Orchestern hatte sie eine Vorbildfunktion, die kaum hoch genug einzuschätzen ist.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Dora Garland kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Kompositionen:


    Bach, Johann Sebastian. Chaconne aus Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 für Violine solo

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll BWV 1043

    Bach, Johann Sebastian. Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für Oboe und Violine c-Moll BWV 1060R

    Bach, Johann Sebastian. Weihnachts-Oratorium BWV 248

    Bach Johann Sebastian., Johannes-Passion BWV 245

    Bach, Johann Sebastian. zwei Sätze aus Sonate C-Dur für Violine Solo BWV 1005


    Brahms, Johannes. Violinsonate A-Dur op. 100


    Dvořák, Antonín. Humoreske Ges-Dur op. 101 Nr. 7, arrangiert für Violine und Klavier


    Elgar, Edward. Werke für Violine und Klavier (keine Präzisierung)


    Jaques-Dalcroze, Émile. „Allegory“ für Orchester


    Tschaikowsky, Peter I. Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Garland, Dora“. In: The lady’s who’s who, 1938/39, London 1939 (vorh. in wbis – world biographical information system).



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. März 1910, S. 183.

    The Musical Times vom 1. September 1914, S. 589.

    The Musical Times vom 1. Februar 1916, S. 96.

    The Musical Times vom 1. September 1916, S. 421.

    The Musical Times vom 1. Mai 1917, S. 218.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1917, S. 555.

    The Musical Times vom September 1977, S. 754 (Nachruf).


    The Times vom 13. Juli 1908, S. 9.

    The Times vom 3. April 1913, S. 5.

    The Times vom 25. Oktober 1913, S. 11.

    The Times vom 4. Dezember 1916, S. 4.

    The Times vom 30. März 1917, S. 3.

    The Times vom 20. September 1917, S. 3.

    The Times vom 16. November 1917, S. 9.

    The Times vom 5. Dezember 1917, S. 11.

    The Times vom 18. Juli 1918, S. 9.

    The Times vom 15. August 1918, S. 9.

    The Times vom 9. April 1930, S. 14.

    The Times vom 6. November 1930, S. 12.

    The Times vom 18. Dezember 1930, S. 17.

    The Times vom 26. März 1931, S. 17.

    The Times vom 16. Januar 1932, S. 8.

    The Times vom 6. Juli 1977, S. 18.



    Links


    http://www.concertprogrammes.org.uk (Stand: 4. November 2012)

    Die britische „Concert Programmes Database“ verweist auf mehrere Konzerte von Dora Garland, deren Programme sich in den „Harold Darke Collections“ erhalten haben.

    Forschung

    Zu Dora Garland liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Dora Garland umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre Kontakte im englischen Musikleben.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Dora Garland“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Dora_Garland