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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Corinne Coryn
    Lebensdaten:
    geb. in Gand (Gent), Belgien
    gest. unbekannt

    Das Geburtsdatum von Corinne Coryn sowie Sterbedatum, -jahr und -ort sind nicht bekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „Sie hat das undefinierbare ‚Je ne sais quoi‘, welches rührt und entzückt. Bemerkenswertes Können, äußerst sympathisches warmes Gefühl. Entschiedener Schönheitssinn.“


    (Max Bruch in den Unterlagen zum Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium 1901. Archiv der Universität der Künste Berlin, Bestand 1, Specialia Nr. 5155, zit. n. Prante 1999, S. 37).


    Profil

    Corinne Coryn gehörte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu den hervorragenden belgischen Geigerinnen. Sie studierte an den Conservatoires Royaux de Musique von Gent und Brüssel und wurde anschließend an der Berliner Königlichen Hochschule für Musik von Joseph Joachim und Karl Markees ausgebildet. Nach Abschluss ihres Studiums bewarb sie sich um das Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium, aus dessen Fond sie 1900 und 1902 jeweils Zuwendungen erhielt. Im Januar 1902 debütierte Corinne Coryn mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und konnte sich anschließend im deutschen, französischen und belgischen Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren.

    Orte und Länder

    Corinne Coryn wurde in Gand (Gent), Belgien, geboren. Im Jahr 1892 studierte sie Violine am Konservatorium in Gand und war 1895 am Conservatoire Royale de Musique in Brüssel eingeschrieben. Von 1896 bis 1900 setzte sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Berlin fort. Bis mindestens 1913 blieb sie als Geigerin im deutschen, belgischen und französischen Musikleben präsent.

    Biografie

    Corinne Coryn wurde 1876 in Gand (Gent), Belgien, geboren. Über ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts Näheres bekannt, und auch der erste Teil ihres Studiums ist nur bruchstückhaft überliefert. Demnach war Corinne Coryn 1892 als Violinstudentin am Conservatoire Royal de Musique in Gand eingeschrieben (vgl. Bergmans 1901, S. 152) und studierte im Jahr 1895 bei dem Geiger Jean-Baptiste Colyns am für seine Streicherklassen berühmten Conservatoire Royal de Musique in Brüssel (vgl. Annuaire du Conservatoire Royal de Musique de Bruxelles 4 [1895], S. 94).


    Von Oktober 1896 bis zum Sommer 1900 setzte Corinne Coryn ihr Studium bei Joseph Joachim und Karl Markees an der Hochschule für Musik in Berlin fort (vgl. Prante 1999, S. 3). Nach Abschluss ihres Studiums bewarb sie sich im Oktober 1900 mit einer Interpretation des Violinkonzerts D-Dur (op. 77) von Johannes Brahms um das renommierte Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium. Joseph Joachim notierte als einer der Juroren über ihr Spiel: „Eine vortreffliche Leistung. Musterhafte Bogenführung. Verdient durch Fleiß und die erzielten Resultate jede Aufmunterung.“ (Archiv der Akademie der Künste Berlin, Bestand 1, Specialia Nr. 5154, zit. n. Prante 1999, S. 37) Sie erhielt eine Zwendung von 300 Mark. Ein Jahr später bewarb sie sich wiederum, diesmal mit Henri Vieuxtemps’ Violinkonzert d-Moll (op. 31), und überzeugte auch diesmal Joseph Joachim, der über ihr Spiel notierte: „Ausdrucksvoll und mit trefflicher Technik. Viel Brillanz und Temperament. Bedeutende Fortschritte seit dem vorigen Mal; künstlerisch!“ (Archiv der Universität der Künste Berlin, Bestand 1, Specialia Nr. 5155, zit. n. Prante 1999, S. 37) Ebenso begeistert reagierte Max Bruch als Juror, der an den Rand der Unterlagen notierte: „Sie hat das undefinierbare ‚Je ne sais quoi‘, welches rührt und entzückt. Bemerkenswertes Können, äußerst sympathisches warmes Gefühl. Entschiedener Schönheitssinn. Hat nach der Seite der Tonentwicklung hin, wie mir scheint noch Fortschritte gemacht. I. Ranges, ausgezeichnete Künstlerin.“ (Archiv der Universität der Künste Berlin, Bestand 1, Specialia Nr. 5155, zit. n. Prante 1999, S. 37) Dennoch erhielt Corinne Coryn 1901 lediglich eine „lobende Erwähnung“. Bei ihrer Bewerbung um das Stipendium ein weiteres Jahr später, 1902, spielte sie Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur (op. 61) und wurde von Franz von Mendelssohn zur Berücksichtigung empfohlen. Sie erhielt eine Zuwendung von 600 Mark (vgl. Prante 1999, S. 37).


    Am 18. Januar 1902 debütierte Corinne Coryn mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Joseph Joachim im Berliner Beethovensaal. Dabei spielte sie das Violinkonzert D-Dur von Johannes Brahms, Johann Sebastian Bachs bekannte Chaconne d-Moll (aus BWV 1004) sowie das Violinkonzert d-Moll von Henri Vieuxtemps (vgl. Prante 1999, S. 38, und Muck 1982, S. 85). Die „Neue Zeitschrift für Musik“ rezensierte das Konzert (und nannte Corinne Coryn dabei versehentlich „Frl. Corgu“): „Am selben Abend erschienen zwei Geigenfeen in den Berliner Concertsälen, die eine, Frl. Corgu, unter der Aegide keines Geringeren als Meister Joachim, der in eigener Person das Orchester leitete, ein Zeichen, daß die junge Dame eine seiner besten Schülerinnen ist. Sie debutierte mutvoll mit einem kolossalen Programm: Concerte von Brahms und Vieuxtemps, Chaconne von Bach; und es muß ihr zugestanden werden, daß sie ihre Aufgaben mit gutem Gelingen bewältigte. Mir wäre es lieber gewesen, sie hätte weniger ‚solide‘ Technik gezeigt und dafür mehr Temperament, mehr ‚Eigenes‘.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 29. Januar 1902, S. 70)


    In den folgenden Jahren blieb Corinne Coryn als Geigerin im deutschen, belgischen und französischen Musikleben präsent. So schrieb z. B. die Pariser Zeitschrift „Le Guide musical“ 1907 über ihr Spiel von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert A-Dur (KV 219): „Joué par Mlle Corinne Coryn, avev cette élégance native, cette pureté de style et ce son chatoyant, le concerto en la majeur de Mozart est vraiment une merveille [...]“. („Von Mlle Corinne Coryn gespielt, mit dieser natürlichen Eleganz, dieser Reinheit im Stil und diesem schillernden Ton, wird Mozarts Konzert zu einem wahren Wunderwerk [...]“; „Le Guide musical“, Paris, 1907, S. 427) Am 15. Februar, 1. März und 15. März 1910 gab Corinne Coryn in der Brüsseler Salle Boute drei Matinées musicales gemeinsam mit der Pianistin Marguerite Laenen (vgl. „L’Art moderne“ 30 [1910], S. 46) und trat auch in den folgenden Jahren regelmäßig gemeinsam mit der Pianistin auf, wie eine Annonce von 1913 in der Zeitschrift „L’Art moderne“ belegt, die auf ein Konzert der beiden in der Salle Patris, wiederum in Brüssel, verweist. Auf dem Programm standen u. a. Werke von Niccolò Paganini, Nils Gade und Henri Wieniawski (vgl. „L’Art moderne“ 33 [1913], S. 133).


    Der weitere Lebensweg von Corinne Coryn ist derzeit nicht bekannt.

    Würdigung

    Die Tätigkeiten von Corinne Coryn können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Corinne Coryns werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Corinne Coryn kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Belegt sind Aufführungen der Violinkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart (A-Dur, KV 219), Ludwig van Beethoven (D-Dur, op. 61), Johannes Brahms (D-Dur, op. 77) und Henri Vieuxtemps (d-Moll, op. 31) sowie von Johann Sebastian Bachs bekannter Chaconne d-Moll (aus BWV 1004). Ferner standen u. a. Werke von Niccolò Paganini und Nils Gade auf den Programmen ihrer Konzerte.

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Bestand 1: Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Specialia Nr. 5154 (1900), Nr. 5155 (1901), Nr. 5156 (1902).



    Literatur


    Bergmans, Charles. Le Conservatoire Royal de Musique de Gand. Gand: G. Beyer, 1901.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    L’Art moderne 30 (1910), S. 46.

    L’Art moderne 33 (1913), S. 133.


    Le Guide musical 1907, S. 427.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 29. Januar 1902, S. 70.

    Forschung

    Inka Prante hat 1999 im Rahmen ihrer Staatsexamensarbeit über die Schülerinnen Joseph Joachims erstmals auf Corinne Coryn aufmerksam gemacht (vgl. Prante 1999). Weitergehende Forschungsinformationen liegen derzeit (Mai 2009) nicht vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Corinne Coryn umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 26. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 05.12.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Corinne Coryn“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.12.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Corinne_Coryn