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  • Clara von Gossler

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Clara von Gossler
    Varianten: Clara von Goßler, Clara Gossler, Clara Goßler
    Lebensdaten:
    geb. um in verm. Berlin, Deutschland
    gest. in Berlin, Deutschland

    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin
    Charakterisierender Satz:

    „Wir haben selten ein Heft von Liedern mit so grosser Befriedigung durchgesehen, wie das in Rede stehende. Der Styl Mendelssohn's und Schumann's, der zuweilen sogar zur Imitation wird, ist hervorragend, aber ohne Zugabe moderner Extravaganzen. Die Lieder sind einfach und schlicht empfunden, tragen aber sämmtlich einen ausgeprägten Charakter.“


    („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 3. Juni 1863, S. 177, über die „Sechs Lieder“ op. 1 von Clara Gossler Leipzig 1863)


    Profil

    Clara von Gossler gehörte zu einer bekannten Berliner Familie, in deren Haus zahlreiche Künstler, Musiker und Literaten regelmäßig verkehrten, darunter auch der Schriftsteller Theodor Storm und die Musiker und Komponisten Robert Franz und Ludwig Pietsch. Ihren Zeitgenossen zufolge war Clara von Gossler eine hervorragende Pianistin und Komponistin. Dennoch blieb ihr Wirkungskreis auf den privaten Raum sowie (vermutlich) auf verschiedene Berliner Salons beschränkt. Besonders mit Theodor Storm verband Clara von Gossler ab Ende der 1850er Jahre eine enge Freundschaft, die sich u. a. in ihrer Patenschaft für dessen Tochter Lucie zeigte.

    Anfang der 1860er Jahre veröffentlichte Clara von Gossler zwei Liedsammlungen und mehrere Klavierstücke, die auch öffentlich wahrgenommen wurden, u. a. durch Rezensionen in Fachzeitschriften.

    Orte und Länder

    Clara von Gossler wurde 1827 in Berlin geboren und verbrachte dort ihr Leben. Kompositionen von ihr erschienen in mehreren Leipziger Musikverlagen.

    Biografie

    Clara von Gossler wurde 1827 in eine Berliner Familie geboren. Sie war die Schwester des späteren Berliner Kultusministers und Kanzlers des Königreichs Preußen, Gustav von Gossler (1838-1902), in dessen gesellschaftlichem Umfeld sie die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. Über ihre musikalische Ausbildung ist derzeit nichts bekannt, aufgrund späterer Äußerungen ihrer Zeitgenossen ist jedoch davon auszugehen, dass Clara von Gossler eine fundierte Ausbildung in Klavierspiel, Musiktheorie und Komposition erhielt. So schrieb z. B. Theodor Storm am 29. September 1859 an seinen Schwiegervater Ernst Esmarch, Clara von Gossler sei „ein selten liebenswürdiges und gebildetes Frauenzimmer, dabei eine bedeutende Klavierspielerin“ (zit. n. Storm/Esmarch 1979, S. 161; vgl. auch ebd. S. 82). Der Berliner Komponist Robert Franz begutachtete mehrfach Kompositionen von Clara von Gossler, wie aus dem Briefwechsel zwischen ihm und Arnold Senfft von Pilsach hervorgeht (vgl. Franz, Robert/Senfft von Pilsach, Arnold 1907, passim).


    Im Jahr 1863 veröffentlichte Clara von Gossler eine erste Liedsammlung mit sechs Liedern im Leipziger Musikverlag Gustav Heinze, die auch in der Öffentlichkeit Beachtung fanden. So schrieb z. B. die „Neue Berliner Musikzeitung“ über die Sammlung: „Wir haben selten ein Heft von Liedern mit so grosser Befriedigung durchgesehen, wie das in Rede stehende. Der Styl Mendelssohn's und Schumann's, der zuweilen sogar zur Imitation wird, ist hervorragend, aber ohne Zugabe moderner Extravaganzen. Die Lieder sind einfach und schlicht empfunden, tragen aber sämmtlich einen ausgeprägten Charakter.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 3. Juni 1863, S. 177) Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ rezensierte: „An diese zarten und anspruchslos auftretenden Blüthen wollen wir nicht den strengen Maassstab der Erfindung und Technik legen. So viel darf gesagt werden, dass aus denselben ein wahres, ungekünsteltes und unverdorbenes Gefühl spricht, sowie ein reiner, aus lebendiger und voller Auffassung der grossen Meister der Neuzeit hervorgegangener Geschmack. Besonders Mendelssohn, später auch Schumann scheinen auf die Verfasserin Einfluss geübt zu haben. Und wenn auch die ganze Gestaltung, die Modulation, die Begleitung nicht ohne Spuren des dilettantischen Ursprungs ist, so zeigt doch wieder der natürliche Bau der Melodie und wiederum die im Ganzen fehlerfreie harmonische Behandlung, dass es der Künstlerin nicht an theoretischer Kenntniss fehlt. Mit Vorliebe sind trübe und ernste Texte gewählt, und daraus möchte man wohl auf die Empfindungsweise der Verfasserin schliessen dürfen; dennoch geben wir dem muntern vierten Liede (‚Fein Rösslein ich beschlage dich‘) der Erfindung nach vor den übrigen den Vorzug.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 26. August 1863, Sp. 597f.)


    Eine zweite Liedsammlung mit weiteren sechs Liedern erschien Ende des Jahres 1864 im Musikverlag Alfred Dörffel in Leipzig. Clara von Gossler widmete die Sammlung Theodor Storm und schickte sie ihm am 18. November 1864 zusammen mit einem weiteren Liederheft. Im beiliegenden Brief schrieb sie: „Nun endlich sind diese [ihre Lieder] denn doch eben erschienen und wollen nun auch nicht mehr warten bei Ihnen wo sie ja speziell hingehören, anzuklopfen (Möchten Sie das unter Ihren Namensschutz gestellte Heft doch lieb gewinnen. Das ‚In düstrer Weite‘ bitte besonders es nicht zu verbannen, u. ihm bis tief auf den Grund zu blicken. Das Käuzchen dagegen möchte sich furchtsam verkriechen, denn es fürchtet in seiner jetzigen veränderten [...] Gestalt, nicht so freundlich angesehen zu werden, wie dazumal als es eben frisch aus dem Wald kam [)]. Das Geschwisterheft, meinen 2 Nichten dedicirt, sende ich auch mit zu Ihnen, weil die Mondlichtnacht dessen vielleicht werth ist.“ (Brief von Clara von Gossler an Theodor Storm vom 18. November 1864, zit. n. Storm/Esmarch 1979, S. 171; s. auch ebd. S. 102). In einem Brief an Theodor Fontane berichtete Theodor Storm von den Liedern und schrieb, sie seien „ausgezeichnet“ (Brief von Theodor Storm an Theodor Fontane vom 27. Dezember 1864, s. Storm/Fontane 1981, S. 123).

    Clara von Gossler starb am 19. Dezember 1864 in Berlin.

    Würdigung

    Eine Würdigung der Tätigkeiten Clara von Gosslers ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Clara von Gosslers werden derzeit nicht rezipiert. Lediglich in der Theodor Storm-Forschung ist ihr Name bekannt.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Die Kompositionen Clara von Gosslers sind derzeit lediglich dem Titel nach bekannt. Die Drucke konnten bislang nicht aufgefunden werden.



    Sechs Lieder, [op. 1?]. Leipzig: Heinze, 1863

    Ich schleich’ umher – Ueber Nacht – Mit schwarzen Segeln – Fein’s Rösslein, ich beschlage dich – Es rinnen die Wasser – Will dich ja lieben.


    Sechs Lieder für Mezzosopran, op. 2. Leipzig: Dörffel, 1864.

    In düst’re Weite – O jubelvolle Frühlingslust – Ach oftmals sah’ ich Rosen blüh’n – Ich armes Käuzlein – Die Lieb’ ist wie ein Wiegenlied – Und fragst du, warum so trübe.


    Lose Blätter. Sechs Klavierstücke, op. 4. Leipzig: Heinze, 1864.

    Die Vögel zwitschern – Wald-Maiblumen – Wilde Rose – Schmetterling – Herbst-Zeitlose – Schneeweisse Christblume.



    Möglicherweise ein weiteres Liederheft (op. 3?), enthält „Mondlichtnacht“ (erwähnt in einem Brief von Clara von Gossler an Theodor Storm vom 18. November 1864: „Das Geschwisterheft, meinen 2 Nichten dedicirt, sende ich auch mit zu Ihnen, weil die Mondlichtnacht dessen vielleicht werth ist.“; vgl. Storm/Esmarch 1979, S. 171).

    Quellen

    Literatur


    Franz, Robert/Senfft von Pilsach, Arnold. Ein Briefwechsel 1861-1888. Berlin: Alexander Duncker, 1907.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Tappert, Wilhelm. Die Frauen und die musikalische Composition. Teil 2. In: Musikalisches Wochenblatt 2 (1871), S. 825-831.


    Storm, Theodor/Esmarch, Ernst. Briefwechsel. Kritische Ausgabe. In Verbindung mit der Theodor-Storm-Gesellschaft hg. v. Arthur Tilo Alt. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1979.


    Storm, Theodor/Fontane, Theodor. Briefwechsel. Kritische Ausgabe. In Verbindung mit der Theodor-Storm-Gesellschaft hg. v. Jacob Steiner. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1981.



    Rezensionen


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 26. August 1863, Sp. 597f.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 3. Juni 1863, S. 177.



    Links


    www.kalliope-portal.de

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographen „Kalliope-Portal“ verzeichnet mehrere Briefe von Clara von Gossler an Constanze bzw. Theodor Storm aus den Jahren 1862 bi 1864.


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Drucke von Kompositionen Clara von Gosslers.

    Forschung

    Im Nachlass Theodor Storms in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek Kiel werden mehrere Briefe von Clara von Gossler an Constanze und Theodor Storm aus den Jahren 1862 bis 1864 aufbewahrt (s. auch Links: Kalliope-Portal). Die beiden Liedsammlungen, die Clara von Gossler im November 1864 an Theodor Storm sandte, sind im Nachlass nicht erhalten (vgl. Storm/Esmarch 1979, S. 170).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Clara von Gossler umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116788119

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 11. Februar 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 16.03.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Clara von Gossler“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.3.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Clara_von_Gossler