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  • Clara Eissler

    von Silke Wenzel
    Die Harfenistin Clara Eissler. Undatierte Fotografie von Elliot & Fry, London.
    Namen:
    Clara Eissler
    Lebensdaten:
    geb. in Brünn, Tschechien
    gest. nach

    Tätigkeitsfelder:
    Harfenistin
    Charakterisierender Satz:

    „Les demoiselles Eissler ont traversé Paris et m’ont joué mon duo, ce qui m’a fait un plaisir extrême.“


    „Die Demoiselles Eissler waren auf Durchreise in Paris und haben mir mein Duo vorgespielt, was mir sehr viel Freude bereitet hat.“


    (Brief von Camille Saint-Saëns an Jacques Durand, 24. Mai 1907 über seine Fantasie A-Dur, op. 124, zit. n. Sabina Teller Ratner. Camille Saint-Saëns 1835-1921. A Thematic Catalogue of his Complete Works. Volume 1: The Instrumental Works. Oxford: University Press, 2002, S. 220)


    Profil

    Die Harfenistin Clara Eissler studierte Anfang der 1880er Jahre am Pariser „Conservatoire de Musique“ und trat bereits als Jugendliche mit ihren Schwestern, der Geigerin Marianne Eissler und der Pianistin Emmy Eissler auf. Nach ihrem Studium war sie mehrere Jahrzehnte lang, zwischen 1883 und 1920, im internationalen Musikleben präsent und blieb dabei zeitlebens mit ihrer Schwester Marianne Eissler verbunden. Ab 1888 lag der Lebens- und Arbeitsmittelpunkt der Schwestern in England; die Wintermonate verbrachten die beiden in der Regel im südfranzösischen Cannes. Im Jahr 1890 wurde Clara Eissler vom Großherzog von Sachsen-Coburg und Gotha zur Hofharfenistin ernannt.

    Orte und Länder

    Clara Eissler wurde in Brünn (heute Brno in Tschechien) geboren. Sie studierte in den 1880er Jahren am Pariser Conservatoire und bereiste u. a. England und Frankreich. Ab 1889 lebte sie in London und konzertierte regelmäßig dort sowie in weiteren englischen Städten, u. a. in Birmingham, Leeds und Bristol. Die Sommermonate verbrachte Clara Eissler im südfranzösischen Cannes.

    Biografie

    Clara Eissler wurde 1868 in Brünn, heute Brno in Tschechien, als Tochter von Hermann Eissler und seiner Frau geboren und wuchs mit drei weiteren Schwestern auf. Drei der vier Töchter der Familie wurden professionelle Musikerinnen und traten bereits im Kindes- und Jugendalter gemeinsam öffentlich auf: Marianne Eissler als Violinistin (geb. 1865), Emmy Eissler (auch Emma Eissler, geb. ?) als Pianistin und Clara Eissler (geb. 1868) als Harfenistin. Ab 1888 war in Berlin und London eine weitere Schwester als Pianistin an Konzerten beteiligt, deren Name in drei Quellen jeweils unterschiedlich lautet: Fanny Eissler, Frida Eissler oder Freda Eissler. Über die erste musikalische Ausbildung Clara Eisslers ist bislang nichts bekannt.


    Ab Anfang der 1880er Jahre studierte Clara Eissler am Pariser Conservatoire das Fach Harfe, das sie 1885 mit dem zweiten Preis des Konservatoriums abschloss (vgl. Teller Ratner 2002, S. 218). Parallel dazu konzertierten die Schwestern in den Jahren 1884/85 mehrfach in Paris und gaben dort zu dritt Konzerte. Clara Eissler debütierte im Frühjahr 1884 in einem der Geschwisterkonzerte, wie das „Musikalische Wochenblatt“ im März 1884 aus Paris berichtete: „Die Geschwister Marianne, Emmy und Clara Eissler gaben ein eigenes Concert [...]. Die kindliche Clara debutirte als Harfenspielerin.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 13. März 1884, S. 160) Im September 1885 traten Marianne und Clara Eissler wiederum in einer Pariser Matinée auf, und ein Korrespondent des „Musikalischen Wochenblatts“ schrieb über die Harfenistin: „In den allwöchtenlichen Matinées hörten wir einige Künstler von Zukunft [..., darunter] die vierzehnjährige Harfenvirtuosin Clara Eissler, die über grosse Technik und schönen Ton verfügt.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 17. September 1885, S. 474)


    Nach ihrem Studium unternahm Clara Eissler gemeinsam mit ihrer Schwester Marianne mehrere Konzertreisen. So trat das Geschwisterpaar z. B. im Oktober 1886 in Baden-Baden auf: „Die Schwestern Frl. Marianne (Violine) und Clara Eissler (Harfe) haben bei ihrem wiederholten hiesigen Auftreten wahrhaft Furore mit ihren brillanten Vorträgen gemacht, Frl. Marianne ist, seitdem wir sie nicht hörten, zu einer vortrefflichen Künstlerin emporgewachsen, und die vierzehnjährige Schwester leistet schon Staunenswerthes.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. Oktober 1886, S. 530) Im Herbst 1888 konzertierten Clara und Marianne Eissler in Berlin, diesmal gemeinsam mit einer Schwester namens Fanny: „Auch die Schwestern Eissler haben sich hören lassen, und zwar alle drei, die Violinistin Marianne, die Harfenistin Clara und die Pianistin Fanny.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 15. November 1888, S. 559)


    Im Sommer 1888 trat Clara Eissler – wiederum gemeinsam mit ihrer Schwester – erstmals in London auf. Sie spielte am 16. Juni 1888 in einem „Morning Concert“ der Sängerin Madeline Hardy in den Londoner Willis’s Rooms ein Solowerk für Harfe („The Musical Times“ vom 1. Juli 1888, S. 430 f.). Zwei Wochen später, am 2. Juli 1888, gaben Clara und Marianne Eissler ein eigenes Konzert in der Londoner Princes’ Hall, bei dem auch eine Frida Eissler als Pianistin auftrat. Dabei spielten die Geschwister u. a. die Sonate für Violine und Harfe C-Dur (op. 113) von Louis Spohr. Die „Musical Times“ kommentierte: „Among the most promising of the many young instrumental performers who have appeared during the past season must be numbered Mdlles. Marianne and Clara Eissler [...]. The elder of the two sisters plays the violin with much skill and expression, and is the fortunate possessor of a very fine instrument. [...] The youngest sister is almost equally proficient on the harp and played various solos beside taking part in a movement from Spohr’s Duet Sonata in C (Op. 113).“ („Unter den vielversprechendsten jungen Interpretinnen, die in der letzten Saison aufgetreten sind, müssen die Mdlles. Marianne und Clara Eissler genannt werden [...]. Die ältere der beiden Schwestern spielt mit viel Können und Ausdruck Geige und ist die glückliche Besitzerin eines sehr schönen Instruments. [...] Die jüngste Schwester ist als Harfenistin ebenso fähig; sie spielte mehrere Solos und wirkte in einem Satz von Spohrs Duo-Sonate C-Dur (op. 113) mit.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1888, S. 483)


    In den folgenden zwei Jahrzehnten lebten Marianne und Clara Eissler in den Wintermonaten jeweils in London und verbrachten die Sommermonate im südfranzösischen Cannes (vgl. Teller Ratner 2002, S. 219). Clara Eissler konzertierte bis mindestens 1919 regelmäßig in London sowie in weiteren britischen Städten, am häufigsten in Birmingham, Leeds und Bristol. Sie galt als herausragende Harfenistin und trat auch weiterhin gemeinsam mit ihrer Schwester Marianne Eissler als Duo auf.

    Bei einem von Clara und Marianne Eissler veranstalteten Konzert am 8. Mai 1889, das wiederum in der Londoner Princes’ Hall stattfand, präsentierten die Geschwister die Sonate C-Dur (op. 113) für Violine und Harfe von Louis Spohr, die ihnen von einer Nichte des Komponisten geschenkt worden war und aus der sie bereits in ihrem Konzert im Juli 1888 einen Satz gespielt hatten: „Misses Marianne and Clara Eissler gave an evening Concert at Princes’ Hall, on the 8th ult, at which there was present a numerous and appreciative audience. The talented sisters were fortunate enough to be able to introduce an absolute novelty in the shape of a sonata by Spohr for harp and violin, the manuscript of which was presented to them a short time ago by the composer’s niece. [...] It was beautifully played by the two sisters, who were likewise heard to advantage in a variety of solo pieces […].“ („Misses Marianne und Clara Eissler gaben am 8. vergangenen Monats einen Konzertabend in der Princes’ Hall, bei dem ein zahlreiches und musikverständiges Publikum anwesend war. Die talentierten Schwestern konnten sich glücklich schätzen, eine absolute Neuheit in Form einer Sonate für Harfe und Violine von Spohr vorstellen zu dürfen, deren Manuskript ihnen kürzlich von der Nichte des Komponisten geschenkt worden war. [...] Sie wurde wunderschön gespielt von den beiden Schwestern, die ebenso vorteilhaft in einer Reihe von Solostücken zu hören waren [...].“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1889, S. 357) Clara Eissler trat am 24. Februar 1890 bei einem Benefizkonzert in der Town Hall in Birmingham an der Seite der Sängerinnen Mrs. Hutchinson und Alice James und dem Pianisten Rowland M. Winn auf („The Musical Times“ vom 1. März 1890, S. 156). Am 2. Juli 1890 spielte sie im Rahmen eines „Irischen Konzertes“ in der Londoner St. James’s Hall gemeinsam mit dem Harfenisten John Thomas dessen „Grand Duet“ es-Moll für zwei Harfen (vgl. „The Times London“ vom 4. Juli 1890, S. 9; „The Musical Times“ vom 1. August 1890. S. 486).


    Im Herbst 1890 beteiligten sich Clara und Marianne Eissler an einem der Gothaer Hofkonzerte. Dabei wurde Clara Eissler vom Großherzog von Sachsen-Coburg und Gotha zur Hofharfenistin, Marianne Eissler zur Hofviolinistin ernannt (vgl. „The Strad“, Jg. 1 [1890], S. 160).


    Auch in den folgenden Jahren blieb Clara Eissler im englischen Musikleben präsent: Sie gab im November 1890 einige Harfensoli bei einem großen Abschiedskonzert, das die Sängerin Adelina Patti vor einer Russlandtournee in der Londoner Royal Albert Hall veranstaltete, und trat bei Kammermusikkonzerten u. a. in Bristol und Gloucester auf („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1890. S. 743; vom 1. Januar 1891, S. 28; vom 1. Mai 1891, S. 302). Im Winter 1891/92 gaben Clara und Marianne Eissler drei eigene Konzerte in London, diesmal in der Steinway Hall. Im ersten dieser Konzerte am 17. Dezember 1891 standen Streichquartette Joseph Haydns und Ludwig van Beethovens auf dem Programm sowie mehrere Stücke für Harfe von Louis Spohr, gespielt von Clara Eissler: „Miss Marianne Eissler may be congratulated on the success of the first of three Concerts which she gave at the Steinway Hall on the 17th ult. […] Miss Clara Eissler’s ability on the harp is equal to that of her sister on the violin, and her rendering of works by Spohr constituted an enjoyable feature of the Concert.” („Marianne Eissler kann man zum Erfolg des ersten von drei Konzerten, das sie am 17. vergangenen Monats in der Steinway Hall gab, gratulieren. [...] Miss Clara Eisslers Fähigkeiten auf der Harfe sind denen ihrer Schwester auf der Violine gleichrangig, und ihre Wiedergabe von Werken Spohrs trug erfreulich zum Konzert bei.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1892, S. 25) Anfang des Jahres 1892 trat Clara Eissler in den „Messrs. Harrison’s Popular Concerts“ in der Town Hall in Birmingham auf, wirkte in weiteren Quartett-Konzerten Marianne Eisslers in der Londoner Steinway Hall mit, so z. B. am 15. März 1892, und spielte im Mai 1892 bei einem Benefizkonzert an der Seite der Sängerin Emma Albani und der Pianistin Natalie Janotha (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1892, S. 153; vom 1. April 1892, S. 233; „The Times London“ vom 24. Mai 1892, S. 8). Im Juni 1892 konzertierte Clara Eissler in der Londoner Salle Erard, und George Bernard Shaw schrieb darüber: „First there was Miss Clara Eissler at Erards’, playing the harp, which is a cool, limpid instrument for a hot day [...]. The particular harp which Miss Eissler used was a very fine one; and she played it as if she appreciated it, instead of pinching it to make it speak in the professorial manner.“ („Als erstes trat Miss Clara Eissler in der Salle Erard mit ihrer Harfe auf, welche ein kühles, klares Instrument für einen heißen Tag ist. [...] Die spezielle Harfe, die Miss Eissler spielte, war eine sehr schöne, und sie spielte sie, als würde sie sie achten, anstatt sie einzuklemmen, um sie zu einem professionellen Ausdruck zu bewegen.“; „The World“ vom 8. Juni 1892, vgl. Laurence 1981, Bd. II, S. 639 f.) Im April 1895 spielte Clara Eissler im Rahmen eines Londoner Konzertes ein Harfen-Concertino von Elias Parish Alvers und mehrere kleinere Solostücke. Die Zeitschrift „The Strad“ bemerkte: „The Mlles. Eissler are always heard with pleasure when they give a concert or appear at that given by some other artist. Beethoven’s Concerto and Mackenzie’s ‚Pibroch’, a harp concertino by Parish-Alvars and a number of less important pieces are rather a ‚large order’ for an afternoon concert with the thermometer standing at a point somewhere very near the nineties.“ („Die Mlles. Eissler werden immer mit großer Freude gehört, wenn sie ein Konzert geben oder in dem eines anderen Künstlers auftreten. Beethovens [Violin-]Konzert und Mackenzies ‚Pibroch’, ein Harfen-Concertino von Parish-Alvars und eine Anzahl kleinerer Stücke sind eher eine ‚große Portion’ für ein Nachmittagskonzert, bei dem das Thermometer sehr nahe der 32°C steht.“; „The Strad“ vom Mai 1895, S. 37)


    Im August 1902 inserierten Clara und Marianne Eissler als Musikerinnen in der „Musical Times“ und wurden zu dieser Zeit von der Londoner Konzertagentur Erard vertreten: „Mdlle. Marianne Eissler (Violinist) / Mdlle. Clara Eissler (Harpenist) / Will be touring in the Provinces from October 1 till November 15. For free dates, apply to Meslles. Eissler, dare of Messrs. Erard, 18, Great Marlborough Street, London, W.“ („Mdlle Marianne Eissler (Violinistin) und Mdlle. Clara Eissler (Harfenistin) werden vom 1. Oktober bis zum 15. November eine Tournee durch Großbritannien unternehmen. Wegen freier Termine melden Sie sich bei Meslles. Eissler, über Messrs. Erard, 18, Great Marlborough Street, London, W.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1902, S. 550). Dabei blieben sie in dem ihnen vertrauten musikalischen Umfeld. So berichtete z. B. die „Musical Times“ am 1. Oktober 1902 von einem Wohltätigkeitskonzert, das von Adelina Patti in Brecon (Wales) veranstaltet wurde und bei dem Adelina Patti selbst (mittlerweile als Baroness Cederström), Marianne und Clara Eissler sowie Wilhelm Ganz auftraten (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Oktober 1902, S. 684).


    Im März 1907 komponierte Camille Saint-Saëns während eines Aufenthalts in Bordighera die „Fantaisie“ A-Dur für Violine und Harfe (op. 124) für Marianne und Clara Eissler, die er den beiden Schwestern bereits zehn Jahre zuvor versprochen hatte. Zwei Monate später, im Mai 1907, spielten die Geschwister die „Fantaisie“ auf der Durchreise in Paris Camille Saint-Saëns vor, der daraufhin am 24. Mai 1907 an seinen Verleger Jacques Durand begeistert schrieb: „Les demoiselles Eissler ont traversé Paris et m’ont joué mon duo, ce qui m’a fait un plaisir extrême.“ („Die Demoiselles Eissler waren auf Durchreise in Paris und haben mir mein Duo vorgespielt, was mir sehr viel Freude bereitet hat.“, zit. n. Teller Ratner 2002, S. 220). Die „Fantaisie“ wurde im Mai 1907 bei Durand in Paris verlegt, und am 3. Juli 1907 spielten Marianne und Clara Eissler im Rahmen eines Konzertes, das ausschließlich Werken Camille Saint-Saëns’ gewidmet war, die Uraufführung in der Londoner Aeolian Hall (vgl. Teller Ratner 2002, S. 218f.). Weiterhin standen das Violinkonzert A-Dur (op. 20), die Fantasie op. 95 für Harfe solo, die Violinsonate d-Moll (op. 75) und die Romanze B-Dur (op. 27) für Violine, Harfe und Orgel auf dem Programm (vgl. „The Times London“ vom 4. Juli 1907, S. 4). Am Tag nach dem Konzert, am 4. Juli 1907, schrieb Marianne Eissler an Camille Saint-Saëns: „Ma soeur et moi nous vous devons un des plus grands succès de notre carrière. Votre nom retentissant nous a amené une salle comblée d’un auditoire musical et distingué, nous étions pénétrées de notre tâche et j’ose dire, que nous avons bien joué vos divines oeuvres. Je crois que vous auriez approuvé la façon de notre interprétation. Ayant eu la chance d’avoir obtenu vos précieux conseils nous avions plus de confiance en nous et je pense vous assurer, cher maître, que ma soeur et moi nous nous sommes bien rappelées de la manière que vous avez désiré que le duo soit interprété. Le public nous a fait des exclamations plein d’enthousiasme après chaque morceau et nous avons obtenu le succès, que vous avez eu la grande bonté de nous souhaiter.“ („Meine Schwester und ich verdanken Ihnen einen der größten Erfolge unserer Karriere. Ihr aufsehenerregender Name hat uns einen vollen Saal mit einem musikalischen und gebildeten Publikum beschert, wir waren durchdrungen von unserer Aufgabe und ich wage zu sagen, dass wir Ihre göttlichen Werke gut gespielt haben. Ich glaube, dass Sie unsere Interpretationen gebilligt hätten. Nachdem wir das Glück hatten, von Ihnen wertvolle Hinweise zu erhalten, hatten wir mehr Selbstvertrauen und ich denke, Ihnen versichern zu können, lieber Maître, dass meine Schwester und ich uns gut an die Art und Weise erinnert haben, wie Sie das Duo interpretiert haben wollten. Das Publikum hat uns nach jedem Stück voller Enthusiasmus applaudiert und wir haben jenen Erfolg gehabt, den Sie uns wünschten.“; Marianne Eissler an Camille Saint-Saëns am 4. Juli 1907, zit. n. Teller Ratner 2002, S. 220).


    Zwischen 1910 und 1920 trat Clara Eissler, ebenso wie ihre Schwestern, nur noch vereinzelt auf, blieb jedoch im öffentlichen Musikleben präsent. So berichtete z. B. die „Musical Times“ am 1. August 1912: „Mlles. Marianne, Clara, and Emmy Eissler gave an interesting concert of violin, harp, and pianoforte music at Leighton House on July 9.“ („Mlles. Marianne, Clara und Emmy Eissler gaben am 9. Juli ein interessantes Konzert mit Musik für Violine, Harfe und Klavier im Leighton House.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1912, S. 534) Am 2. Juli 1919 schrieb „The Times London“, dass Clara und Marianne Eissler bei einem Wohltätigkeitskonzert im Haus der Duchesse of Somerset aufgetreten seien (vgl. „The Times London“ vom 2. Juli 1919, S. 15), und am 23. Februar 1920 hieß es: „The Misses Eissler have been warmly welcomed on their return to Cannes. Their first public appearance was at a recital in St. Paul’s church. This recital was given by request to obtain funds for the reparation of the organ.“ („Die Misses Eissler wurden bei ihrer Rückkehr nach Cannes herzlich empfangen. Ihr erster öffentlicher Auftritt war ein Konzert in St. Paul, dessen Einnahmen für die Restaurierung der Orgel vorgesehen waren.“; „The Times London“ vom 23. Februar 1920, S. 18)


    Nach 1920 sind keine öffentlichen Konzerte von Clara Eissler nachweisbar. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Würdigung

    Clara Eissler war zwischen ca. 1885 und 1920 im englischen, französischen und teilweise auch deutschen Musikleben als Harfenistin präsent. Sie bildete mit ihrer Schwester, der Geigerin Marianne Eissler, während ihrer gesamten künstlerischen Laufbahn ein Duo und trat zudem u. a. gemeinsam mit den Sängerinnen Adelina Patti und Emma Albani, dem Dirigenten Wilhelm Ganz und der Pianistin Nathalie Janotha auf. In Frankreich wurde sie u. a. von Camille Saint-Saëns geschätzt. Während Marianne Eissler sich auch als Solistin etablieren konnte, konzentrierte sich Clara Eissler überwiegend auf Kammermusik.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Clara Eisslers werden derzeit nicht rezipiert. Lediglich in Zusammenhang mit der ihr gewidmeten „Fantaisie“ op. 124 von Camille Saint-Saëns ist ihr Name bekannt (vgl. Teller Ratner 2002, S. 220).

    Werkverzeichnis

    Bearbeitung


    Chopin, Frédéric. Nocturne en fa mineur, op. 55 Nr.1, transcrit pour violon avec accompagnement de harpe ou piano par Marianne et Clara Eissler. Leipzig, St. Petersburg: Julius Heinrich Zimmermann, 1907.

    Repertoire

    Über das Repertoire Clara Eisslers ist nahezu nichts bekannt. Nachweisbar sind derzeit lediglich Aufführungen einiger weniger Werke:


    Chopin, Frédéric. Nocturne f-Moll, op. 55 Nr.1, Bearbeitung für Violine und Harfe von Marianne und Clara Eissler


    Parish-Alvers, Elias. Concertino für Harfe (keine Präzisierung möglich)


    Saint-Saëns, Camille. Romance B-Dur, op. 27 für Violine, Harfe und Orgel

    Saint-Saëns, Camille. Fantaisie op. 95 für Harfe solo

    Saint-Saëns, Camille. Fantaisie A-Dur, op. 124 für Violine und Harfe


    Spohr, Louis. Sonate für Violine und Harfe C-Dur, op. 113


    Thomas, John. Grand Duet es-Moll für zwei Harfen

    Quellen

    Literatur


    Laurence, Dan H. (Ed.). Shaw’s Music. The Complete Musical Criticism of Bernard Shaw. 3 Vol. Second revised edition. London: The Bodley Head, 1981.


    Teller Ratner, Sabina. Camille Saint-Saëns 1835-1921. A Thematic Catalogue of his Complete Works. Volume 1: The Instrumental Works. Oxford: University Press, 2002.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 13. März 1884, S. 160.

    Musikalisches Wochenblatt vom 17. September 1885, S. 474.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. Oktober 1886, S. 530.

    Musikalisches Wochenblatt vom 15. November 1888, S. 559.


    The Musical Times vom 1. Juli 1888, S. 430 f.

    The Musical Times vom 1. August 1888, S. 483.

    The Musical Times vom 1. Juni 1889, S. 357.

    The Musical Times vom 1. März 1890, S. 156.

    The Musical Times vom 1. August 1890. S. 486.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1890, S. 743.

    The Musical Times vom 1. Januar 1891, S. 28.

    The Musical Times vom 1. Mai 1891, S. 302.

    The Musical Times vom 1. Januar 1892, S. 25.

    The Musical Times vom 1. März 1892, S. 153.

    The Musical Times vom 1. April 1892, S. 233.

    The Musical Times vom 1. August 1902, S. 550.

    The Musical Times vom 1. Oktober 1902, S. 684.

    The Musical Times vom 1. August 1912, S. 534.


    The Strad, Jg. 1 (1890), S. 160.

    The Strad, Jg. 6 (1895), S. 37.


    The Times London vom 4. Juli 1890, S. 9.

    The Times London vom 24. Mai 1892, S. 8.

    The Times London vom 4. Juli 1907, S. 4.

    The Times London vom 2. Juli 1919, S. 15.

    The Times London vom 23. Februar 1920, S. 18.


    The World vom 8. Juni 1892 (George Bernard Shaw, zit. n.: Laurence 1981, Bd. II, S. 639f.)

    Forschung

    Zu Clara Eissler liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Clara Eissler umfasst ihre Biografie sowie ihre Tätigkeiten. Ihre Biografie und ihre künstlerische Laufbahn könnten dabei besonders im Hinblick auf die Förderung und weitere musikalische Laufbahn von Geschwisterkindern interessant sein. Vgl. hierzu auch den Artikel zu Marianne Eissler sowie zu den Geschwistern Franziska und Ottilie Friese, Beatrice, May und Margaret Harrison, Clara und Jenny Blauhuth oder Eugenie und Sophie Menter.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 10. Juli 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 01.11.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Clara Eissler“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.11.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Clara_Eissler