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  • Clara Blauhuth

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Clara Blauhuth
    Lebensdaten:
    geb. in Leipzig, Deutschland
    gest. unbekannt

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „[...] in dem Vortrage der Improvisation über das französische Volkslied ‚La belle Griseldis‘ für 2 Klaviere von Reinecke [haben wir] eine vorzügliche Leistung zu verzeichnen. Das Stück wurde von Fräul. Clara Blauhuth aus Leipzig und Fräul. Jenny Adler aus Hamburg wirklich ganz vollendet schön zum Vortrag gebracht. Die Damen behandelten eine jede ihre Stimme mit [...] Reinheit und Klarheit“.


    („Musikalisches Centralblatt“ 3 [1883], S. 111)


    Profil

    Clara Blauhuth studierte von 1879 bis 1886 Klavier bei Salomon Jadassohn und Carl Reinecke am Konservatorium der Musik in Leipzig und schloss ihr Studium mit einem Lehrer-Zeugnis ab. Während ihres Studiums konzertierte sie regelmäßig in Leipzig, trat jedoch – soweit bislang nachweisbar – nach dessen Abschluss nicht mehr öffentlich auf. Ein Lied, das 1904 im Leipziger Musikverlag Zimmermann erschien, verweist darauf, dass Clara Blauhuth auch komponierte.

    Orte und Länder

    Clara Blauhuth wurde in Leipzig geboren und besuchte dort von 1881 bis 1887 das Konservatorium der Musik; 1904 wurde in einem Leipziger Musikverlag eine Komposition von ihr verlegt. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Biografie

    Clara Blauhuth wurde am 5. Mai 1865 als Tochter von Ferdinand Blauhuth, einem Leipziger Kaufmann, geboren. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie von 1873 bis 1879 im Fach Klavier am renommierten Zschocherschen Musikinstitut in Leipig und wurde anschließend, am 18. April 1879, in das Leipziger Konservatorium der Musik aufgenommen. Dort studierte sie von Ostern 1879 bis Ostern 1886 Klavier bei Julius Lammers, Salomon Jadassohn und Carl Reinecke und nahm zusätzlich ab ca. 1885 privaten Klavierunterricht bei Johannes Weidenbach. In Musiktheorie und Komposition wurde sie von Julius Lammers unterrichtet, in Ensemblespiel von Henry Schradieck und Carl Reinecke (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse. Matrikelnummer 2968: Clara Blauhuth). Während ihres Studiums erhielt Clara Blauhuth insgesamt drei Lehrer-Zeugnisse, die Einblicke in den Studienverlauf ermöglichen. In ihrem ersten Zeugnis vom 26. März 1881 schrieb Julius Lammers über den Unterricht in Musiktheorie: „eine höchst strebsame Schülerin, welche sich durch stets gewissenhaften Fleiß recht hübsche Kenntniße in der Theorie erworben hat“ und ergänzte für das Fach Klavier: „Auch im Klavierspiel zeigte sich Frl. B. als eine befähigte, von ernstem Streben erfüllte Schülerin, welcher die besten Fortschritte nachzurühmen sind.“ Salomon Jadassohn (ebenfalls Klavier) bemerkte: „Sehr fleißig, auch recht befähigt“. Das zweite Zeugnis vom 30. Juni 1885 zeigt, dass die Lehrenden des Leipziger Konservatoriums Clara Blauhuth als Musikerin anerkannten. Julius Lammers schrieb über Musiktheorie und Komposition: „Frl. B. gehörte zu meinen vorzüglichsten Schülerinnen! Durch stets gewissenhaften Fleiß, unterstützt durch eine hübsche Begabung, hat sich Dieselbe erfreuliche Kenntniße u. Fertigkeiten in den theoretischen Diciplinen erworben. Auch in der Komposition hat sich Frl. B. mit bestem Erfolge versucht.“ Im Fach Klavier hatte Clara Blauhuth bei drei Lehrenden Unterricht. Salomon Jadassohn urteilte: „Treffliche Anlagen, vorzügliche Technik, recht musikalisch“, Carl Reinecke schrieb: „Frl. B. ist eine sehr solide Spielerin, welche auch musikalische Empfindung besitzt und überwindet schon schwere Sachen sehr vortrefflich“ und Julius Lammer bemerkte: „höchst begabt und fleißig, hat sich Frl. B. ein vortreffliches Klavierspiel angeeignet, welches sie befähigt, selbst größere Concerte von Beethoven, Hummel und Mendelssohn etc. in gelungenster Ausführung zu bewältigen.“ Oscar Paul, der Vorlesungen über Musikästhetik und Musikgeschichte hielt, notierte: „kam stets und hat sich sehr tüchtige Kenntnisse erworben“. Das dritte Zeugnis datiert vom 15. Januar 1887 und ist ein nachträgliches Zeugnis; Clara Blauhuth hatte dem Inskriptionsbuch zufolge das Konservatorium Ostern 1886 verlassen und ihr Studium privat bei Johannes Weidenbach fortgesetzt. Ein Herr M. Seifert vermerkte im Zeugnis: „Frl. B. hat nur einige Stunden bei Herrn Zwintscher im Unterricht besucht und wurde alsdann abtrünnig um zu Hr. Weidenbach zu gehen. Da Hr. Zw. den Uebertritt nicht genehmigte, so nahm Frl. Blauhuth Privatunterricht bei Hr. Weidenbach und vernachlässigte das Conservatorium.“


    Während ihres Studiums trat Clara Blauhuth regelmäßig in den Veranstaltungen des Konservatoriums auf. (Leider sind Auftritte nur teilweise eindeutig zu belegen, da ihre Schwester Jenny Blauhuth zwischen 1882 und 1885 ebenfalls am Leipziger Konservatorium Klavier studierte. Die Benennung „Frl. Blauhuth“ ist daher häufig nicht klar zuzuweisen. Im Folgenden sind nur nachweisbare Auftritte Clara Blauhuths benannt.) Bei einer der öffentlichen Hauptprüfungen des Konservatoriums, die in der Regel im Gewandhaus stattfanden, spielte Clara Blauhuth im Februar 1881 gemeinsam mit dem Violoncellisten Herrn Bieler aus Hamburg die Variationen über ein Händelsches Thema für Klavier und Violoncello G-Dur (WoO 45) von Ludwig van Beethoven, trat bei einem weiteren dieser Konzerte gemeinsam mit der Pianistin Jenny Adler aus Hamburg mit Salomon Jadassohns „Ballettmusik in sechs Kanons“ für Klavier zu vier Händen auf und spielte im August 1881 im Rahmen dieser Prüfungen Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviervariationen Es-Dur, op. 82 (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 17. Februar 1881, S. 96, und vom 1. September 1881, S. 430). Im April 1882 spielte Clara Blauhuth bei den öffentlichen Hauptprüfungen im Leipziger Gewandhaus den ersten Satz des Klavierkonzertes a-Moll (op. 85) von Johann Nepomuk Hummel, und ein Rezensent des „Musikalischen Wochenblatts“ schrieb über ihr Spiel: „Aehnliche Fortschritte, wie bei Hrn. Ansorge, waren auch bei Frl. Blauhuth zu erkennen, die jugendliche Elevin spielte ihr Stück mit einer Sauberkeit und Sicherheit [...], dass man seine aufrichtige Freude haben musste.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 11. Mai 1882, S. 234)


    Auch abseits der üblichen Hauptprüfungen trat Clara Blauhuth während ihres Studiums öffentlich auf und führte dabei häufiger Kompositionen von Lehrenden und Studierenden des Leipziger Konservatoriums auf. So spielte sie z. B. am 16. September 1881 gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Jenny Adler die „12 Walzer für Pianoforte zu 4 Händen“ von Alois Reckendorf in einer der Abendunterhaltungen des Konservatoriums (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. A III. 1.4 Abendunterhaltungen) und gab bei einem der Jubiläumskonzerte, die 1883 zum 40jährigen Bestehen des Leipziger Konservatoriums im Gewandhaus stattfanden, wiederum gemeinsam mit Jenny Adler die „Improvisata für 2 Pianoforte’s über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert“ (über „La belle Griseldis“) von Carl Reinecke (vgl. Kneschke 1893, S. 49). Das „Musicalische Centralblatt“ schrieb über die Ausführung: „in dem Vortrage der Improvisation über das französische Volkslied ‚La belle Griseldis‘ für 2 Klaviere von Reinecke [haben wir] eine vorzügliche Leistung zu verzeichnen. Das Stück wurde von Fräul. Clara Blauhuth aus Leipzig und Fräul. Jenny Adler aus Hamburg wirklich ganz vollendet schön zum Vortrag gebracht. Die Damen behandelten eine jede ihre Stimme mit [...] Reinheit und Klarheit“ („Musikalisches Centralblatt“ 3 [1883], S. 111). Am 25. Mai 1883 spielte Clara Blauhuth in einer der Abendunterhaltungen die Variationen d-Moll (op. 40) ihres Lehrers Salomon Jadassohn (vgl. Hiltner 1995, S. 115) und führte 1884 Kompositionen ihres Kommilitonen Willy Rehberg im Konservatorium auf: „Die zweite Nummer bestand in drei Klavierstücken: Menuett, Liebeslied und Gavotte von Willy Rehberg aus Morges, vorgetragen von Fräul. Clara Blauhuth aus Leipzig, von welchen die Gavotte wohl das Beste und Originellste bietet, während Menuett und Liebeslied wenig Erfindung aufweisen und etwas monoton gehalten sind; jedenfalls steht fest, das Herr Rehberg ein bedeutend besserer Pianist als Componist ist.“ („Musikalisches Centralblatt“ 4 [1884], S. 211)


    Im letzten Zeugnis, das Clara Blauhuth vom Leipziger Konservatorium am 15. Januar 1887 ausgestellt wurde, formulierte Carl Reinecke zusammenfassend und abschließend: „war eine vorzügliche Schülerin, welche bedeutendes erreicht hat“ (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 3. Zeugnisse. Matrikelnummer 2968: Clara Blauhuth). Nach Beendigung ihres Studiums trat Clara Blauhuth nach derzeitigem Forschungsstand nicht mehr öffentlich auf. Allerdings erschien im Jahr 1904 im Leipziger Musikverlag Zimmermann ein Lied für Mezzosopran und Klavier von Clara Blauhuth mit dem Titel „Ich liebe dich. ‚Ich reisse Dich aus meinem Herzen‘„ als op. 6. Es ist die bislang einzige bekannte Komposition Clara Blauhuths. Sie belegt zugleich, dass Clara Blauhuth 1904 immer noch als Musikerin aktiv war (vgl. Hofmeister Bd. 54, 1905, S. 22).


    Der weitere Lebensweg von Clara Blauhuth ist derzeit nicht bekannt.

    Würdigung

    Clara Blauhuth galt während ihrer Studienzeit am Leipziger Konservatorium als herausragende Pianistin und fand auch in Musiktheorie und Komposition Anerkennung. Nach derzeitigem Forschungsstand zog sie sich jedoch nach ihrem Studium aus der Öffentlichkeit zurück.

    Rezeption

    Die pianistische Laufbahn Clara Blauhuths wird derzeit nicht rezipiert. Lediglich Beate Hiltner erwähnt sie in ihrem Buch über Salomon Jadassohn mehrfach als dessen Schülerin (vgl. Hiltner 1995).

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Ich liebe dich. „Ich reisse Dich aus meinem Herzen“ für Mezzosopran und Klavier, op. 6. Leipzig: Zimmermann, 1904.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Clara Blauhuth kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke, darunter einige von Lehrenden und Studierenden des Leipziger Konservatoriums (Salomon Jadassohn, Carl Reinecke, Alois Reckendorf, Willy Rehberg):


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van. Variationen über ein Händelsches Thema für Klavier und Violoncello G-Dur, WoO 45


    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert a-Moll, op. 85


    Jadassohn, Salomon. Ballettmusik in sechs Kanons für Klavier zu vier Händen

    Jadassohn, Salomon. Variationen für Klavier d-Moll, op. 40


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert (keine Präzisierung möglich)

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klaviervariationen Es-Dur, op. 82


    Reckendorf, Alois. 12 Walzer für Pianoforte zu vier Händen


    Rehberg, Willy. Drei Klavierstücke: Menuett, Liebeslied und Gavotte


    Reinecke, Carl. Improvisata für 2 Pianoforte’s über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert (über „La belle Griseldis“)

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse. Matrikelnummer 2968: Clara Blauhuth.


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. A III. 1.4. Abendunterhaltungen im Königl. Conservatorium der Musik, welche in der Zeit vom: 1ten Januar 1877 – 9. März 1883 abgehalten worden sind.



    Literatur


    Hiltner, Beate. Salomon Jadassohn: Komponist, Musiktheoretiker, Pianist, Pädagoge. Eine Dokumentation über einen vergessenen Leipziger Musiker des 19. Jahrhunderts. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 1995.


    Hofmeister, Friedrich. Verzeichnis der im Jahre 1904 ... erschienenen Musikalien. Bd. 54. Leipzig: Hofmeister, 1905.


    Kneschke, Emil. Das Königliche Konservatorium der Musik zu Leipzig. 1843-1893. Leipzig, New York: Internationale Verlags- und Kunstanstalt, 1893.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 17. Februar 1881, S. 96.

    Musikalisches Wochenblatt vom 1. September 1881, S. 430.

    Musikalisches Wochenblatt vom 11. Mai 1882, S. 234.


    Musikalisches Centralblatt 3 (1883), S. 111.

    Musikalisches Centralblatt 4 (1884), S. 211.

    Forschung

    Clara Blauhuths Schwester Jenny Blauhuth studierte von 1881 bis 1885 ebenfalls am Leipziger Konservatorium Klavier und war anschließend als Musikpädagogin in Karlsruhe und Leipzig tätig.


    Bezüglich des Namens von Clara Blauhuth sind die Unterlagen des Leipziger Konservatoriums verwirrend. Im Inskriptionsbuch wurde zunächst der Vorname mit „Eugenie“ eingetragen und mit anderem Stift in „Clara“ korrigiert. Das erste Zeugnis vom 26. März 1881 wurde auf Eugenie Blauhuth ausgestellt, die beiden folgenden Zeugnisse von 1885 und 1887 auf Clara Blauhuth, wobei die Geburtsdaten jeweils identisch sind (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse. Matrikelnummer 2968: Clara Blauhuth). Die Korrektur im Inskriptionsbuch verweist darauf, dass es sich bei Eugenie Blauhuth und Clara Blauhuth um ein und dieselbe Person handelt.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Clara Blauhuth umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten. Besonders interessant wären weitere Kenntnisse über ihre Biografie im Hinblick auf vergleichende Studien über die Lebenswege von Absolventinnen des Leipziger Konservatoriums im 19. Jahrhundert.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 18. Juni 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 24.06.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Clara Blauhuth“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 24.6.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Clara_Blauhuth