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  • Charlotte von Bülow

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Charlotte von Bülow
    Geburtsname: Charlotte von Bronikowski
    Varianten: Charlotte von Bronikowska, Charlotte von Oppeln-Bronikowski, Charlotte Bülow, Charlotte Bronikowski, Charlotte Bronikowska, Charlotte Oppeln-Bronikowski
    Lebensdaten:
    geb. in Erfurt, Deutschland
    gest. in Berlin, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Komponistin

    Profil

    Charlotte von Bülow wurde von Karl Friedrich Rungenhagen an der Berliner Singakademie ausgebildet und gehörte 1847 zu den Gründer/innen des Sternschen Gesangvereins, in dem sie bis mindestens 1893 wirkte. Bekannt wurde Charlotte von Bülow durch ihre Liedkompositionen, die ab Mitte der 1850er Jahre in verschiedenen Musikverlagen erschienen, darunter André in Offenbach, Schott in Mainz, Heinrichshofen in Magdeburg, Breitkopf & Härtel in Leipzig und Trautwein in Berlin.

    Orte und Länder

    Charlotte von Bülow wurde in Erfurt geboren und lebte spätestens ab 1832 in Berlin, wo sie ihr Leben verbrachte.

    Biografie

    Charlotte von Bülow wurde am 4. August 1817 in Erfurt als Charlotte Friederike von Bronikowski geboren. Ihre Eltern waren der Königlich-Preußische General-Lieutenant Karl Ludwig von Oppeln-Bronikowski (1766-1842) und seine zweite Frau Agnes Therese, geb. Stephany (1794-1868). Charlotte von Bülow war die älteste Tochter von insgesamt drei Kindern. Ihr folgten der Sohn Karl Ludwig (1822-1894) sowie eine weitere Tochter Agnes Therese Johanna (1832-1846) (vgl. Gothaisches genealogisches Taschenbuch 1915, S. 525).


    Ab 1832 wurde Charlotte von Bülow von Karl Friedrich Rungenhagen an der Berliner Singakademie ausgebildet, deren Mitglied sie bis 1847 blieb. Als 1847 der Sternsche Gesangverein gegründet wurde, dessen Leitung Julius Stern übernahm, gehörte Charlotte von Bülow, noch unter ihrem Mädchennamen Charlotte von Bronikowska, zu den Gründungsmitgliedern, wie Richard Stern in den „Erinnerungsblättern an Julius Stern“ berichtete: „Es wurde nun ein Aufruf zur weiteren Betheiligung [am Verein] erlassen, der von den Begründern des Vereins: Iabella Behr, Charlotte von Bronikowska, Bertha Friedheim, Natalie Jähnigen, Marie Jüngken, Henriette von Merckel, Caroline Seidler-Wranitzky, Theodor Leo und Julius Stern unterzeichnet war.“ (Stern 1886, S. 120) Am 3. Dezember 1872 unterschrieb Charlotte von Bülow eine Grußadresse an Julius Stern zum 25-jährigen Bestehen des Sternschen Gesangvereins, die mehrere Mitglieder des Vereins entworfen hatten (vgl. Stern 1886, S. 235), und noch 1893 wirkte sie im Vorstand des Vereins (vgl. Morsch 1893, S. 54).


    Am 10. August 1854 heiratete Charlotte von Bülow in Berlin den „Preußischen Wirklichen Geheimen Legationsrat“ Ernst Carl Leopold von Bülow (1803-1885). Vermittelt durch ihren Bruder Karl Ludwig und dessen Kinder bestanden in Berlin zudem Beziehungen zum preußischen Hof. So berichtete Kaiser Wilhelm II. in seinem Buch „Aus meinem Leben 1859-1888“ über dessen Söhne: „ihr Vater [Karl Ludwig] war ein großer Sänger und musizierte viel mit meiner Mutter zusammen (vgl. Wilhelm II. 1927, S. 38).


    Ab Mitte der 1850er Jahre erschienen zahlreiche Liedkompositionen Charlotte von Bülows bei verschiedenen Musikverlagen, darunter André (Offenbach), Trautwein, Bahn (beide Berlin), Breitkopf & Härtel (Leipzig), Heinrichshofen (Magedeburg) und Schott (Mainz) (vgl. „Werke“). Im Jahr 1893 nahm Anna Morsch Charlotte von Bülow als Komponistin in ihr Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ auf, dessen „biographische Skizzen“ für die Weltausstellung in Chicago 1893 entstanden waren.


    Charlotte von Bülow starb am 29. Oktober 1908 in Berlin (vgl. Gothaisches genealogisches Taschenbuch 1915, S. 525).


    Noch 1914 wurden mehrere ihrer Kompositionen während der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig ausgestellt, darunter die Lieder opp. 3, 4 und 5 (vgl. Die Frau in Buchgewerbe und Graphik, S. 42).

    Würdigung

    Die Tätigkeiten Charlotte von Bülows können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Charlotte von Bülows werden derzeit nicht rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Das vorläufige Verzeichnis der Kompositionen Charlotte von Bülows wurde nach der Datenbank Hofmeister XIX, die die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts enthält, nach dem Katalog der Musiksammlung der Staatsbibliothek Berlin sowie nach Michaelis 1888, Morsch 1893 und Pazdírek 1904ff. erstellt.



    Bronikowska, Charlotte von: Mein Herz: „Ich bin so trüb“ für eine Singstimme mit Klavier, op. 1. Offenbach: André, o. J. (= Lieder-Spende Bd. 3, Nr. 18).


    Bronikowska, Charlotte von. Drei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 2. Mainz: Schott, 1854.

    1. Abendständchen – 2. Valencia’s Rose – 3. Träume


    Bülow, Charlotte von. Zwei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 3 (= Charlotte von Bülow – Lieder und Gesänge Nr. 1 und 2). Berlin: Trautwein, 1868 (auch: Magdeburg: Heinrichshofen, o. J.).

    1. Trost in Tönen – 2. Der Lenz ist da


    Bülow, Charlotte von. Vier Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Klaviers, op. 4. Berlin: Bahn, o. J. (auch: Magdeburg: Heinrichshofen)

    1. Das Orakel: „Wen soll ich fragen?“ – 2. Anklänge: „Ach wie ist es doch gekommen“ – 3. Mein Engel hüte dein: „Und willst Du von mir scheiden“ – 4. Zigeunerleben: „Im Schatten des Waldes“ (= Charlotte von Bülow – Lieder und Gesänge Nr. 4, 5, 6, 16)


    Bülow, Charlotte von. Vier Lieder, op. 5. Berlin: Trautwein, 1871.

    1. Mein Herz ist wie die Sonne: „Daß du mich liebst, das wußt ich“ – 2. Das Ringlein: „Dies Ringlein“– 3. Der alte und der junge Fritz: „Auf erznem Postamente“ – Scheiden, Leiden: „Und bist du fern“.

    Bülow, Charlotte von. Zwei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 6. Berlin: Bahn, 1873 (auch Magdeburg: Heinrichshofen).

    1. Frühlingslied: „Ging unter dichten Zweigen“ – 2. „Ein Wort von deinem Munde“


    Bülow, Charlotte von. Verlorenes Glück: „Wo sind die Zeiten hin“ (Edmund Höfer) für eine Singstimme mit Klavier, op. 7. Leipzig: Breitkopf & Härtel, o. J.


    Bülow, Charlotte von. Die Harfnerin: „Singen muss ich immer singen“ für eine Singstimme mit Klavier, op. 8. Berlin: Bahn, 1875.


    Bülow, Charlotte von. Vier Lieder für Alt mit Klavier, op. 9. Berlin: Paez, 1876.

    1. An den Mond: „Wenn er, Du weisst ja, wen ich meine“ – 2. Rose im Thal: „Einsame Rose, blühst so verlassen“ – 3. Gespungene Saiten: „Gesprung’ne Saiten klingen nicht“ – 4. „Du weisst es nicht,wie teuer du mir bist“.


    Bülow, Charlotte von. Vier Lieder für eine Singstimme mit Klavier aus „Der wilde Jäger“, op. 10. Berlin: Bahn, o. J.

    1. Jägerlied des Ludolf: „Ein Jäger ging zu birschen“ – 2. Lied der Waldtraut: „Im Grase taut’s“ – 3. Lied der Waldtraut: „Ich ging im Wald“ – 4. Lied der Waldtraut: „Glockenblumen, was läutet ihr“.


    Bülow, Charlotte von. Nenuphar, die weiße Blume: „Mondbeglänzt im stillen Walde“. Aus: Dreizehnlinden v. Weber. Duett für zwei Singstimmen mit Klavier, op. 11. Berlin: Bote & Bock, o. J.


    Bülow, Charlotte von. Festlied: „Alle Glöcklein im Garten“ für drei Frauenstimmen mit Klavier, op. 12. Berlin: Bote & Bock, o. J.


    Bülow, Charlotte von. Vier Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 13. Berlin: Trautwein, 1882.

    1. Kaiser Weissbart: „Von Rothbart, seinem Kaiser“ – 2. O möge ein Engel dich schützen: „Wir saßen im kühlen Schatten“ – 3. Auf Wiedersehn: „Wiedersehn, süße Hoffnung der Getrennten“ – 4. Herzensreichthum: „Wie ist so reich an Thränen“.


    Bülow, Charlotte von. Drei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 14. Berlin: Trautwein, o. J.

    1. Das Mädchen und der Schmetterling: „Lustwandelnd schritt ein Mädchen“ – 2. Singe kleiner Vogel – 3. Ich wollt‘, ich wär ein Vöglein.


    Bülow, Charlotte von. Liebeslied für Violoncello (oder: Viole) und Klavier, o. op. Berlin: W. Sulzbach, o. J.


    Bülow, Charlotte von. Zwei Lieder für eine Singstimme und Klavier, o. op. Berlin: Bote & Bock, o. J.

    1. Röslein im Winter: „Die Blumen vergehn“ – 2. Am leuchtenden Sommermorgen.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Bronikowska, (Charlotte), von“. In: Tonkünstler-Lexicon Berlin’s von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Carl von Ledebur (Hg.). Berlin: Ludwig Rauh, 1861, S. 51.


    Brand, Bettina u. a. (Hg.): Komponistinnen in Berlin. Berlin: Musikfrauen e. V. Berlin, 1987.


    Bülow, Hans von. Briefe. 2. Band 1853-1855. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1895.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig, 1914, S.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Gothaisches genealogisches Taschenbuch der uradeligen Häuser: der in Deutschland eingeborene Adel, Bd. 16, Berlin 1915.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Stern, Richard. Erinnerungsblätter an Julius Stern. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1886.


    Tappert, Wilhelm. Die Frauen und die musikalische Composition. Teil 2. In: Musikalisches Wochenblatt 2 (1871), S. 825-831.


    Wilhelm II.: Aus meinem Leben: 1859-1888. 2. Auflage. Berlin: Koehler, 1927.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Drucke von Kompositionen Charlotte von Bülows.

    Forschung

    Friedrich-W. von Oppeln-Bronikowski verdanke ich genealogische Informationen zu Herkunft und Familie Charlotte von Bülows sowie den Hinweis auf eine private Familiengeschichte, die Julius von Oppeln-Bronikowski (1831-1916) verfasst hat (vgl. Mail von Friedrich-W. von Oppeln-Bronikowski an Regina Back vom 2. Juli 2010).


    Zahlreiche Drucke der Kompositionen Charlotte von Bülows sind in der Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz, erhalten.


    Im Goethe- und Schillerarchiv der Stiftung Weimarer Klassik in Weimar werden zwei Briefe von Charlotte von Bülow an Ottilie von Pogwisch, die Schwiegertochter Johann Wolfgang von Goethes, aufbewahrt.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Charlotte von Bülow umfasst ihre Biografie sowie ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 305103330
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 121793265

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 11. Februar 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 18.03.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Charlotte von Bülow“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 18.3.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Charlotte_von_Bülow