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  • Charlotte Sporleder

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Charlotte Sporleder
    Geburtsname: Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim
    Varianten: Charlotte Peckelsheim, Charlotte Spiegel-Peckelsheim, Charlotte Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Sporleder, Charlotte Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim, Charlotte Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Spiegel-Peckelsheim, von Sporleder, von Peckelsheim, von Spiegel-Peckelsheim, von Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Sporleder, von Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim, von Wilhelmine Eringarde Freiin Spiegel von und zu Spiegel-Peckelsheim
    Lebensdaten:
    geb. in Kassel, Deutschland
    gest. in Kassel, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin

    Profil

    Charlotte Sporleder wurde von Otto Kraushaar und Friedrich Rühl privat umfassend musikalisch ausgebildet. Ab Ende der 1860er Jahre publizierte sie zahlreiche Kompositionen, die bei verschiedenen Musikverlagen in Kassel, Berlin, Offenbach und Leizpig erschienen. Im Jahr 1893 wurde ein Teil ihrer Werke bei der Weltausstellung in Chicago vorgestellt (vgl. Morsch 1893) und mit einem Preis ausgezeichnet.

    Orte und Länder

    Charlotte Sporleder verbrachte ihr Leben im hessischen Raum. Sie wurde in Kassel geboren und wuchs dort sowie in Frankfurt am Main auf. Nach ihrer Heirat lebte sie in Fulda und Hanau und kehrte 1873 nach Kassel zurück.

    Biografie

    Charlotte Sporleder wurde am 8. November 1836 als Charlotte Spiegel von und zu Peckelsheim in Kassel geboren. Sie war die Tochter eines Generals Spiegel von und zu Peckelsheim und seiner Frau Josepha, geb. von Warnsdorf.


    Ab dem Alter von sechs Jahren wurde Charlotte Sporleder von ihrer Mutter in Klavier unterrichtet und erhielt privat ab 1849 eine umfassende musikalische Ausbildung bei Otto Kraushaar in Kassel, die neben Klavierunterricht auch die Fächer Musiktheorie und Komposition umfasste. Nach dem Umzug der Familie nach Frankfurt a. M. setzte Charlotte Sporleder ihre Ausbildung bei Friedrich Rühl fort, der dort u. a. den Rühlschen Gesangverein gegründet hatte.


    Im Jahr 1855 heiratete Charlotte Sporleder einen Oberstleutnant Sporleder und ließ sich mit ihrem Mann in Fulda nieder. Früh verwitwet zog sie 1865 nach Hanau und setzte ihr Privatstudium in Komposition und Instrumentation bei einem Herrn Luccan fort; im Oktober 1873 kehrte sie nach Kassel zurück.


    Charlotte Sporleder publizierte ab Ende der 1860er Jahre mehrere Kompositionen, darunter Lieder, Kammermusik und Klavierwerke sowie mehrere populare und patriotische Kompositionen, die sie teilweise auch für Militärkapelle arrangierte und die u. a. bei Musikverlagen wie J. J. Scheel in Kassel, Bote & Bock in Berlin, J. André in Offenbach und Paul Behrens in Leipzig erschienen. Hierzu gehörten eine Impromptu-Etüde für Klavier (op. 8, 1869), die Ballade „Der Vater ist am Steuer“ (op. 1, 1870), ein „Preußischer Siegesmarsch“ für Klavier (op. 14, 1871), das Rondo capriccioso für Klavier (op. 16, 1877) und die Serenade „Liebchen, höre mich“ für eine Singstimme, Violine und Klavier (op. 6, 1888). Über das „Rondo capriccioso“ schrieb die „Neue Berliner Musikzeitung“ im November 1877: „Abgesehen von einigen unnützen Wiederholungen und einer gewissen Unbeholfenheit in der Form, erfreut das Stück, welches eher sentimentalen als capriciösen Characters ist, besonders durch ansprechende Melodik, deren Wirkung durch eine gewählte Harmonisierung und effektvolle Vertheilung des Gesanges in verschiedene Octaven noch erhöht wird. [...] Da die Componistin in uneigennütziger Weise den Ertrag dieses Werkchens, welches auch in einem guten Arrangement zu vier Händen vorliegt, zum Besten des Spohr-Denkmals zu Cassel bestimmt hat, so wünschen wir doch dem ‚Rondo’ eine recht grosse Verbreitung, die es ja selbst vom künstlerischen Standpunkt betrachtet mehr als sehr viele der neueren, ein grosses Publikum befriedigende Saloncompositionen, verdient.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 15. November 1877, S. 366) Alfred Michaelis würdigte 1888 die Serenade „Liebchen, höre mich“ nach einem Text der Komponistin mit den Worten: „Anmutiger Text, reiche musikalische Erfindungskraft und die eigenartige instrumentale Besetzung wirken in bester Weise harmonisch zusammen, um das Ganze zu einem charakteristischen Kunstwerke zu erheben, das eine Zugkraft auf den Konzertsaal sowohl wie auf das Haus und Familienkreis stets ausüben wird.“ (Michaelis 1888, S. 50)


    Im Jahr 1893 wurde Charlotte Sporleder von der Musikwissenschaftlerin Anna Morsch in ihren Band über „Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart“ aufgenommen (vgl. Morsch 1893). Musikerinnen und Komponistinnen wurden in diesem Band und teilweise auch mit eigenen Kompositionen 1893 auf der Weltausstellung in Chicago präsentiert. Dabei wurden die Kompositionen Charlotte Sporleders mit einer „großen Medaille“ ausgezeichnet, wie die Zeitschrift „Der Klavierlehrer“ im September 1896 berichtete: „Kassel. Frau Charlotte Sporleder hierselbst ist für ihre auf der Chicagoer Weltausstellung ausgestellten Kompositionen die grosse Medaille nebst Zertifikat zuerkannt und vom Reichskommissar übersandt worden. Ausserdem erhielt Frau Sporleder noch ein besonderes Diplom von dem Chicagoer Frauenkomité, worin dasselbe seinen Dank und seine Anerkennung ausspricht, sowie erklärt: ‚dass Frau Sporleder durch Einsendung ihrer schönen und zahlreichen Kompositionen wesentlich zu dem guten Gelingen der Ausstellung beigetragen’ hätte.“ („Der Klavierlehrer“ vom 15. September 1896, S. 264f.)


    Charlotte Sporleder starb am 9. Januar 1915 in Kassel.

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Charlotte Sporleders ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Charlotte Sporleders werden derzeit nicht rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Das vorläufige Verzeichnis der Kompositionen Charlotte Sporleders wurde nach der Datenbank Hofmeister XIX, die die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts enthält, sowie nach Michaelis 1888, Morsch 1893 und Pazdírek 1904ff. erstellt.



    Der Vater ist am Steuer. Ballade für eine Singstimme und Klavier, op. 1. Berlin: Bote & Bock, 1870.


    Ballade für eine Singstimme und Klavier, op. 2. Berlin: Bote & Bock, o. J.


    Serenade „Liebchen, höre mich“ für eine Singstimme, Violine und Klavier, op. 6. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Glöckchen-Polka-Mazurka für Klavier, op. 8. Kassel: J. J. Scheel, 1869.


    Zwei Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 11. Kassel: J. J. Scheel, o. J.

    „Ich hab’ im Traum geweinet“ – „Ich will meine Seele tauchen“

    Instrumentierte Fassung für Piston und Militärkapelle als Manuskript.


    Impromptu-Etüde für Klavier, op. 12. Kassel: J. J. Scheel, o. J.


    Preußischer Siegesmarsch (zur Erinnerung an die Schlacht von Wörth 1870) für Klavier, op. 14. Offenbach: J. André, 1871.

    Instrumentierte Fassung für Militärkapelle als Manuskript.


    Rondo capriccioso für Klavier, op. 16 (zweihändige und vierhändige Fassung). Kassel: Selbstverlag, 1877.


    Impromptu für Klavier, op. 18. Leipzig: Behrens, o. J.


    Die Cascaden von Wilhelmshöhe: Idylle für die linke Hand allein, op. 19. Leipzig: Behrens, o. J.


    Im Jahr 1888 verwies Alfred Michalis auf folgende Kompositionen, die damals als Manuskript vorlagen (vgl. Michaelis 1888, S. 40). Die Manuskripte sind derzeit nicht bekannt:


    Grande Sonate für Klavier

    Hexentanz. Konzertsatz für Klavier

    Märsche

    Valse brillante für Klavier

    Nocturno für Klavier

    Konzertante für Violine und Klavier

    Lieder für eine Singstimme und Klavier

    Lieder für drei Frauenstimmen mit Klavier


    Bis 1906 erschienen 23 weitere Kompositionen von Charlotte Sporleder im Musikverlag Paul Behrens in Leipzig, zu denen derzeit keine weiteren Angaben zu eruieren sind (vgl. Stadtarchiv Kassel, Bestand S 1 Nr. 3360, Zeitungsausschnitt vom 9. November 1906).

    Quellen

    Quellen


    Stadtarchiv Kassel. Bestand S 1 Nr. 3360: Personenmappe Charlotte Sporleder. Enthält: Zeitungsausschnitt vom 9. November 1906, ohne weitere Angaben: „Charlotte Sporleder. Zu ihrem 70. Geburtstag“; Meldekarte der Stadt Kassel mit Geburts- und Sterbedaten.



    Literatur


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Zeitungsartikel


    Der Klavierlehrer vom 15. September 1896, S. 264f.

    Neue Berliner Musikzeitung vom 15. Nov. 1877, S. 366.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Drucke von Kompositionen Charlotte Sporleders.

    Forschung

    Zu Charlotte Sporleder liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Charlotte Sporleder umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 11. Februar 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 18.03.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Charlotte Sporleder“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 18.3.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Charlotte_Sporleder