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  • Caroline von Brandenstein

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Caroline von Brandenstein
    Ehename: Caroline von der Lühe
    Varianten: Caroline von Lühe, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Caroline von der Brandenstein, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Caroline von der Lühe, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Karoline Brandenstein, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Karoline Lühe, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von von Brandenstein, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von von Lühe, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von der Brandenstein, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von der Lühe, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Charlotte Brandenstein, Caroline Elisabetha Cordula Carolina von Charlotte Lühe
    Lebensdaten:
    geb. in Engelberg (heute Winterbach) bei Schorndorf,
    gest. nach

    Der Sterbe-Zeitraum zwischen 1805 und 1816 ergibt sich aus den Vorworten zu zwei verschiedenen Auflagen eines Bandes mit Gedichten von Elise von Recke und Charlotte von der Lühe (Recke 1. Aufl. 1805, 2. Aufl. 1816 und 3. Aufl. 1827)
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Schriftstellerin, Briefpartnerin, Salonière

    Profil

    Caroline von Brandenstein publizierte 1780 eine Violinsonate in der Zeitschrift „Betrachtungen der Mannheimer Tonschule“, die von ihrem Lehrer Georg Joseph Vogler herausgegeben wurde. Es ist – soweit bislang bekannt – ihre einzige veröffentlichte Komposition. Als Schriftstellerin blieb Caroline von Brandenstein, verh. Caroline von der Lühe, hingegen ihr gesamtes Leben lang in der Öffentlichkeit präsent und führte zudem nach ihrer Heirat um das Jahr 1780 ein offenes Haus in Gotha, wo sich Künstlerinnen, Künstler und Intellektuelle ihrer Zeit trafen. Mehrere ihrer Gedichte wurden vertont, u. a. von Carl Friedrich Zelter, Friedrich Heinrich Himmel und Hans Georg Nägeli.

    Orte und Länder

    Caroline von Brandenstein wurde im Forsthaus Engelberg bei Schorndorf geboren und erhielt ihre Ausbildung in Ludwigsburg und vermutlich auch in Mannheim. Nach ihrer Heirat um das Jahr 1780 lebte sie in Gotha, wo sie ein „offenes Haus“ führte, und verbrachte die letzten Lebensjahre in Mecklenburg und Berlin. Sie starb vermutlich in Berlin.

    Biografie

    Caroline von Brandenstein wurde im Forsthaus Engelberg bei Schorndorf als Tochter des herzoglichen Oberjägermeisters und Kammerherrn Johann August von Brandenstein und seiner Frau geboren. In den 1770er Jahren lebte sie in Ludwigsburg und möglicherweise auch in Mannheim. Dort erhielt sie ihre musikalische Ausbildung, vermutlich in Komposition, bei Georg Joseph Vogler (1749–1814), der von 1775 bis ca. 1880 sowie nochmals von 1884 bis 1886 als Kapellmeister in Mannheim wirkte. 1780 veröffentlichte Georg Joseph Vogler eine Violinsonate seiner Schülerin in den von ihm herausgegebenen „Betrachtungen der Mannheimer Tonschule“ und begründete damit ihren Ruf als Komponistin (vgl. Notenbeispiele). Auch wenn Caroline von Brandenstein in den folgenden Jahrzehnten keine weiteren Kompositionen veröffentlichte, wurde sie in nahezu alle Musiklexika des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts aufgenommen (vgl. u. a. Gerber 1790; Mendel/Reissman 1872; Fétis 1875; Eitner 1900). Bereits ab Mitte der 1770er Jahre konnte sich Caroline von Brandenstein zudem als Schriftstellerin etablieren und schrieb regelmäßig Gedichte für verschiedene Almanache und Zeitschriften, so z. B. für den „Almanach der deutschen Musen“, den „Deutschen Merkur“, die „Mannheimer Schreibtafel“ und für das „Schwäbische Magazin“ (vgl. Verzeichniß einiger [...] Schriftstellerinnen, S. 140).


    Um das Jahr 1780 heiratete Caroline von Brandenstein den Juristen und Militär Joachim Friedrich Ernst von der Lühe, der seit 1779 als Kammerherr und Hofmeister der Prinzen in Gotha diente. Sie führte in Gotha ein offenes Haus, das den Ideen der Aufklärung verpflichtet war – J. F. E. von der Lühe war Freimaurer und Mitglied der Illuminaten –, und stand mit zahlreichen Künstlerinnen, Künstlern und Intellektuellen in Kontakt. Zu ihnen gehörten die Schriftstellerinnen Sophie de la Roche und Elise von der Recke, der Theologe Johann Caspar Lavater, Johann Wolfgang von Goethe, der Verleger Friedrich Nicolai, der Musiker und Musikverleger Johann Joachim Christoph Bode und der Gelehrte Wilhelm von Humboldt. Ihre großen Abendgesellschaften waren legendär. So notierte z. B. Wilhelm von Humboldt, der sich Anfang November 1789 auf der Durchreise nach Paris in Gotha aufhielt, in seinem Tagebuch über einen Abend bei Caroline von Brandenstein: „Bei Frau von der Lühe war ich einen abend in ziemlich grosser gesellschaft. Sie spricht vortreflich und in ihrer mine, in ihrem auge liegt etwas das den wunsch ihrer näheren bekanntschaft zu einem hohen grade hinaufspannt. Man zeigte mir ein gedicht von ihr, das mir überaus gefiel [...].“ (Humboldt 1916, S. 229) Im Haus wurde zudem regelmäßig musiziert und gelesen. In einem Brief an Friedrich Nicolai vom 18. Juli 1788 schrieb Caroline von Brandenstein z. B.: „Tausend Dank, mein gütiger Freund für ihre Briefe, Musik und litterarische Beylagen, alles Beweise Ihres freundschaftlichen Andenkens.“ (Caroline von der Lühe an Friedrich Nicolai, Gotha 18.7.1788, zit. n. Schütz 2007, S. 46)


    Im Jahr 1805 wurden mehrere Gedichte von Caroline von Brandenstein, verh. von der Lühe, in einem Band mit Gedichten von Elise von der Recke veröffentlicht, den der Schriftsteller Christoph August Tiedge herausgab. Im Vorwort zur ersten Auflage bezog Tiedge auch Stellung zur Rolle Caroline von Brandensteins als Schriftstellerin, Mutter und Ehefrau: „Dieser Sammlung sind drei Gedichte einer Freundinn der Frau von der Recke beigefügt. Die Verfasserinn derselben ist Frau Caroline von der Lühe, eine Frau, deren Talente durchaus ihren Gattinn= und Mutterpflichten dienen, und die das Vorurtheil widerlegt, welches von einigen mißrathenen Bestrebungen abgezogen ist.“ Gewidmet wurde der Band u. a. drei Töchtern Caroline von Brandensteins, Charlotte, Louise und Dorothee von der Lühe.


    Die Gedichte Caroline von Brandensteins wurden mehrfach vertont. Karl Friedrich Zelter veröffentlichte eine Vertonung von „Die unsichtbare Welt“ („Wenn im Hauch der Abendkühle“) im ersten Heft seiner Sammlung „Zelter’s sämmtliche Lieder, Balladen und Romanzen für das Piano-Forte“ (Berlin 1805; s. Materialsammlung), und im September 1811 kündigte Hans Georg Nägeli in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ eine Anthologie mit dem Titel „Gesänge deutscher Frauen in Musik gesetzt von Hans Georg Nägeli“ an, in der sich ebenfalls Vertonungen von Gedichten Caroline von Brandensteins befinden. In der Ankündigung heißt es: „Da die Gedichte unserer deutschen Dichterinnen meistens lyrischen Inhalts sind, und die Zahl dieser Dichterinnen sich seit wenigen Jahren wohl um die Zahl der Musen vermehrt hat, so bietet sich nun dem Componisten hinreichender Stoff zu einigen Sammlungen dar, die an dichterischem Werth neben andern Liedersammlungen um so eher bestehen können, je eigenthümlicher und reiner darin die Schönheit und Gemüthlichkeit weiblicher Natur und Cultur sich offenbart.“ („Intelligenz-Blatt zur Allgemeinen musikalischen Zeitung“ vom Oktober 1811, o. P.)


    Als Christoph August Tiedge 1816 die 2. Auflage des Bandes mit Gedichten von Elise von der Recke und Caroline von der Lühe vorbereitete, war Caroline von Brandenstein, verh. von der Lühe, bereits verstorben (vgl. ebd. Vorwort zur 2. Auflage von 1816).

    Rezeption

    Caroline von Brandenstein wurde ab 1790 regelmäßig in Lexika verschiedener Ausrichtungen verzeichnet: als Gelehrte Baden Württembergs bzw. Deutschlands, als Dichterin und als Komponistin; ihr Name wurde über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg tradiert. Auffallend ist dabei die lexikographische Spaltung zwischen Musik und Literatur, die jeweils eigene Tätigkeitsbereiche behandeln: Die Einträge in Musiklexika verweisen ebenso wenig auf die Dichterin wie die Einträge in Literaturlexika auf die Komponistin.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Clavier-Sonate einer Voglerischen Schülerin der Reichsfrei-Fräulen Caroline von Brandenstein in Ludwigsbourg. In: Georg Joseph Vogler: Betrachtungen der Mannheimer Tonschule, 1778–81, Reprint: Hildesheim 1974, Bd. 3 (1780), S. 469–476.


    Literatur


    Zahlreiche Gedichte in Zeitschriften und Almanachen, so z. B. im „Almanach der deutschen Musen“, im „Deutschen Merkur“, in der „Mannheimer Schreibtafel“ und im „Schwäbischen Magazin“, darunter: „An meine Freundin“, in: „Der teutsche Merkur“ aus dem Jahr 1774, 8. Bd., Carl Ludolf Hoffmanns Verlag, Weimar, S. 212ff.; „Morgenlied“, in: „Der teutsche Merkur“ aus dem Jahr 1774, 8. Bd., Carl Ludolf Hoffmanns Verlag, Weimar, S. 214f.


    „Bei Übersendung eines kleinen Herzens“, „Die unsichtbare Welt“, „Muttergefühle bei dem Grabe meiner Betty“. In: Recke, Elise von/Lühe, Charlotte von. Gedichte. Beide mit Vorreden begleitet und herausgegeben von Christoph August Tiedge, 3. Auflage, Grätz: Greiner, 1827.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „von der Lühe (Karoline,) geb. von Brandenstein“. In: Balthasar Haug: Das gelehrte Wirtemberg, 1790 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Brandenstein (Caroline von)“. In: Ernst Ludwig Gerber: Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, Teil 1, 1790 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „von der Lühe (Karoline)“. In: Georg Christoph Hamberger/Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, 5. Aufl., Bd. 4, 1797; Ergänzungen in 5. Aufl. Bd. 10, 1803 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „von der Lühe, Karoline“. In: Johann Jacob Gradmann: Das gelehrte Schwaben, 1802 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „von der Lühe (Karoline)“. In: C. W. O. A. Schindel: Die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, Bd. 3, 1825 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Brandenstein, Charlotte von“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Hermann Mendel; August Reissman (Hg.). Bd. 2. Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1872, S. 168f.


    Artikel „Brandenstein, Charlotte de“. In: Fétis, François-Joseph. Biographie universelle des musiciens. 8 Bde. Paris 1875.


    Artikel „Brandenstein, Karoline von“. In: Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon der Musik und Musikgelehrten, Bd. 2, 1900 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Joachim Friedrich Ernst von der Lühe“. In: Wikipedia Deutschland, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Friedrich_Ernst_von_der_Lühe (Stand: 10. Juli 2012)

    Bode, Johann Joachim Christoph. Journal von einer Reise von Weimar nach Frankreich im Jahr 1787, hg. v. Hermann Schüttler, München: Ars Una 1994.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Heuser, Magdalena (Hg.). „Ich wünschte so gar gelehrt zu werden“: Drei Autobiographien von Frauen des 18. Jahrhunderts, Göttingen: Wallstein-Verlag, 1994.


    Humboldt, Wilhelm von. Tagebuch der Reise nach Paris und der Schweiz 1789. In: Wilhelm von Humboldts gesammelte Schriften, abt. 3: Tagebücher, Bd. 1: 1788–1798, Berlin: de Gruyter, 1916, Reprint 1968, S. 76-236.


    Recke, Elise von/Lühe, Charlotte von. Gedichte. Beide mit Vorreden begleitet und herausgegeben von Christoph August Tiedge, 3. Auflage, Grätz: Greiner, 1827.


    Schütz, Gudula. Vor dem Richterstuhl der Kritik: die Musik in Friedrich Nicolais „Allgemeiner deutscher Bibliothek“ 1765–1806, Tübingen: Niemeyer, 2007.


    Verzeichniß einiger jetztlebenden Deutschen Schriftstellerinnen und ihrer Schriften. In: Journal von und für Deutschland, 5. Jg. (1788), S. 138–142.



    Links


    http://ngiyaw-ebooks.org/index.htm, Stand: 10. Juni 2012

    Die Website „ngiyaw eBooks. littera scripta manet“ stellt mehrere Gedichte Karoline von Brandensteins im Volltext zur Verfügung.

    Forschung

    Caroline von Brandenstein, verh. von der Lühe, führte eine umfassende Korrespondenz mit Künstlerinnen, Künstlern und Intellektuellen ihrer Zeit, die bislang noch nicht systematisch erfasst wurde. Briefe von ihr und an sie befinden sich u. a. im Goethe- und Schiller-Archiv der Stiftung Weimarer Klassik (Sophie de la Roche), in der Zentralbibliothek Zürich (Johann Caspar Lavater) und im Landesarchiv Baden Württemberg/Staatsarchiv Ludwigsburg (Israel Hartmann).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Caroline von Brandenstein umfasst ihre Biografie und ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 31857807
    Library of Congress (LCCN): nr92007874

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 23.07.2012
    Zuletzt bearbeitet am 09.09.2013


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Caroline von Brandenstein“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 9.9.2013
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Caroline_von_Brandenstein