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  • Bertha Schadewaldt

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Bertha Schadewaldt
    Lebensdaten:
    geb. um
    gest. nach

    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    Fräulein Bertha Schadewaldt, die dritte im Bunde der trefflichen Instrumental Künstlerinnen, spielte mit [...] musterhafter Vollkommenheit das Cello und wußte namentlich in dem Vortrag des Bach-Gounod’schen Ave-Maria für Gesang, Cello und Klavier ihrem Instrument eine große Wirkung zu verschaffen.“


    (Beilage zu Nr. 41 des „Teltower Kreisblattes“ vom 5. April 1892)


    Profil

    Die Violoncellistin Bertha Schadewaldt gehörte neben Lucy Campbell und Ada Webster zu den ersten Violoncello-Studentinnen der Berliner Königlichen Hochschule für Musik und wurde dort von Robert Hausmann ausgebildet. Nach ihrem Studium trat sie vor allem als Kammermusikerin in verschiedenen, überwiegend mit Musikerinnen besetzten Ensembles auf. Im Jahr 1900 zählte sie zu den Gründungsmitgliedern des „Streichorchesters Berliner Tonkünstlerinnen“, das am 3. April 1900 im Saal der Berliner Singakademie unter der Leitung von Willy Benda sein erstes Konzert gab. Der weitere Lebensweg von Bertha Schadewaldt ist unbekannt.

    Orte und Länder

    Bertha Schadewaldt stammte aus Berlin und studierte von 1884 bis 1887 an der dortigen Königlichen Hochschule für Musik. Anschließend ließ sie sich vermutlich in Berlin-Zehlendorf nieder. Bis 1900 trat sie dort sowie in Berlin regelmäßig auf.

    Biografie

    Die Herkunft Bertha Schadewaldts ist ebenso unbekannt wie ihre erste musikalische Ausbildung. Vermutlich wurde sie um 1865 geboren. Von 1884 bis 1887 studierte sie das Fach Violoncello bei Robert Hausmann an der Berliner Königlichen Hochschule für Musik; in den Jahresberichten der Hochschule wird Berlin als Herkunftsort benannt. Zeitgleich mit ihr studierte Linda Schadewaldt, möglicherweise ihre Schwester, das Fach Violine (vgl. Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik 1884/85 bis 1886/87).


    Nach ihrem Studium wandte sich Bertha Schadewaldt der Kammermusik zu. Ab 1892 spielte sie mehrere Jahre lang in verschiedenen Ensembles, die von der Geigerin Else Thomas geführt wurden. In der Besetzung als (Damen-)Klavier- bzw. Streichquartett traten die beiden Musikerinnen regelmäßig in Berlin und Umgebung auf. Überliefert sind lediglich die Rezensionen der Konzerte in Berlin-Zehlendorf, denen jedoch auch Hinweise auf ein weitergehendes Konzertieren zu entnehmen sind.


    Anfang April 1892 wirkte Bertha Schadewaldt in Zehlendorf in einem Wohltätigkeitskonzert für das Kinderheim mit und spielte dabei gemeinsam mit der Pianistin Hedwig Doebel, der genannten Geigerin Else Thomas, die das Konzert veranstaltete, und dem Bratscher Paul Dornbrack das Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann. Als Solostück gab sie gemeinsam mit der Sängerin Antonie Deutsch und Hedwig Doebel das „Ave Maria“ von Charles Gounod, eine Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs erstem Präludium C-Dur aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Das „Teltower Kreisblatt“ rezensierte: „Das Konzert zum Besten des Kinderheims am Sonnabend war äußerst zahlreich besucht und entsprach in seinem künstlerischen Verlauf vollkommen den gehegten Erwartungen. Gleich in der ersten Programmnummer stellte sich das ausübende Künstlerquartett in seiner Gesammtheit vor und lieferte in der Wiedergabe des Es-dur-Quartetts von Schumann einen vollgültigen Beweis von künstlerischer Vollendung. Fräulein Else Thomas, die Konzertgeberin, bewährte sich auch diesmal wieder als die ausgezeichnete Violinvirtuosin, als welche sie die kunstliebende Gesellschaft hierorts kennt. [...] In Fräulein Hedwig Doebel lernten wir eine sehr tüchtige Pianistin kennen, deren Anschlag von großer Fertigkeit zeugt. [...] Fräulein Bertha Schadewaldt, die dritte im Bunde der trefflichen Instrumental Künstlerinnen, spielte mit ebenso musterhafter Vollkommenheit das Cello und wußte namentlich in dem Vortrag des Bach-Gounod’schen Ave-Maria für Gesang, Cello und Klavier ihrem Instrument eine große Wirkung zu verschaffen. Auch Herr Paul Dornbrack, der im Schumann’schen Quartett die Bratsche spielte, vervollständigte das Künstler-Ensemble in bester Weise.“ (Beilage zu Nr. 41 des „Teltower Kreisblattes“ vom 5. April 1892) Am 5. November 1892 beteiligte sich Bertha Schadewaldt an einem von Else Thomas und Antoine Deutsch veranstalteten Konzert im Zehlendorfer „Kaiserhof“. Dabei übernahm sie – in derselben, eben genannten Besetzung – den Violoncellopart in Carl Maria von Webers Klavierquartett B-Dur J 76 (vgl. „Teltower Kreisblatt“ vom 29. Oktober 1892, S. 10).


    Im Oktober 1893 hatte sich ein Damenstreichquartett bestehend aus Else Thomas (Violine 1), Hedwig Strache (Violine 2), Jenny Pettersson (Viola) und Bertha Schadewaldt (Violoncello) gegründet und bestritt – mit der Sängerin Clementine Engelmann – das Jahreskonzert im Zehlendorfer „Kaiserhof“. Die Ankündigung des „Teltower Kreisblattes“ verwies auch auf ein Konzert, das das Ensemble im sachsen-anhaltinischen Blankenburg (Harz) gegeben hatte: „Die vier Instrumental-Künstlerinnen sind bereits mehrfach, so auch außerhalb, zusammen aufgetreten und haben in ihren Quartettvorträgen klassischer Kompositionen überall das größte Lob des Publikums und der Kritik gefunden. So lesen wir in einer diesbezüglichen Recension aus Blankenburg a. H.: ‚Ein Quartett solcher Weiblichkeit, das von vollster Harmonie erfüllt ist, gehört nicht zu den alltäglichen Erscheinungen; hier löste es seine schwierige Aufgabe in fester Form und anmuthiger Weise, wofür ihm vollste Anerkennung gebührt.’“ (Beilage zu Nr. 119 des „Teltower Kreisblattes“ vom 5. Oktober 1893) Auf dem Programm des Zehlendorfer Konzertes standen Ludwig van Beethovens Streichquartett c-Moll op. 18 Nr. 4, Felix Mendelssohn Bartholdys „Canzonetta“ aus dessen Streichquartett Es-Dur op. 12 sowie Joseph Haydns „Kaiserquartett“ C-Dur op. 76 Nr. 3: „ Das Künstler-Konzert, welches Fräulein Else Thomas am Dienstag Abend im Saale des Kaiserhofes veranstaltete, hatte sich eines ansehnlichen Besuches zu erfreuen [...]. Für den Kenner klassischer Musik war das Programm glücklich gewählt und wurde exakt durchgeführt. [...] Anmutig in der Erscheinung, künstlerisch-vollendet im Vortrag war das Damenquartett, das das Konzert mit dem Beethovenschen Tonstück op. 18 Nr. 4 eröffnete. [...] Noch schöner kam das vollendete Zusammenspiel der Damen bei dem Vortrag der Mendelssohnschen ‚Canzonetta’ und der Haydnschen ‚Kaiser-Variationen’ zur Geltung, die wir als die beiden Hauptnummern des Konzerts bezeichnen möchten.“ (Beilage zu Nr. 125 des „Teltower Kreisblattes“ vom 19. Oktober 1893) Eineinhalb Jahre später, im Frühjahr 1895, setzte sich das Ensemble aus Else Thomas (Violine 1), Minna Bruck (Violine 2), Paul Dornbrack (Viola) und Bertha Schadewaldt zusammen. Das Konzert in Zehlendorf umfasste diesmal – neben der Wiederholung von Joseph Haydns „Kaiserquartett“ – eines von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartetten op. 44: „Zehlendorf, 8. April. Das Konzert, welches Fräulein Else Thomas, unsere geschätzte Violinistin, am Sonnabend Abend im ‚Kaiserhof’ veranstaltete, bot für Musikfreunde und Kenner wieder einen großen Genuß. Mit einem Streichquartett, wie es in den ersten Konzertsälen Berlins vollkommener nicht geboten wird, führte sich die Künstlerschaar glücklich ein. Es kam das Mendelssohn’sche op. 44 für zwei Violinen, Bratsche und Cello zum Vortrag. [...] Es war ein vorzügliches Zusammenspiel und echtes Künstlertalent offenbarte sich sowohl hier wie gelegentlich der auf besonderes Verlangen zum Schluß erfolgten Wiedergabe des Haydn’schen Themas mit Variationen ‚Gott erhalte Franz den Kaiser’. [...] Man darf sagen, das Konzert reiht sich würdig den vorangegangenen Veranstaltungen des Fräulein Thomas an.“ („Teltower Kreisblatt“ vom 9. April 1895, S. 334)


    Im Jahr 1900 beteiligte sich Bertha Schadewaldt – neben den Violoncellistinnen Elisabeth Gordon Bell, Elisabeth Ganz, Adelina Metzdorff und Marie Rodemann-Nielsen – am Gründungskonzert des „Streichorchesters Berliner Tonkünstlerinnen“, das am 3. April 1900 im Saal der Berliner Singakademie unter der Leitung von Willy Benda stattfand. Auf dem Programm standen u. a. Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048), Felix Weingartners „Serenade“ sowie Robert Schumanns Adagio op. 59 Nr. 6 in einer Bearbeitung für Streichorchester von Franz Blos (vgl. Prante 1999, S. 23). Das Orchester bestand vermutlich bis 1903 (vgl. ebd.).


    Der weitere Lebensweg von Bertha Schadewaldt ist unbekannt.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Bertha Schadewaldt kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Brandenburgisches Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048)


    Beethoven, Ludwig van. Streichquartett c-Moll op. 18 Nr. 4


    Gounod, Charles/Bach, Johann Sebastian. Ave Maria für Gesang, Klavier und Violoncello


    Haydn, Joseph. Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3 („Kaiserquartett“)


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. „Canzonetta“ aus dem Streichquartett Es-Dur op. 12

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Eines der Streichquartette aus op. 44


    Schumann, Robert. Klavierquartett Es-Dur op. 47

    Schumann, Robert. Adagio op. 59 Nr. 6, für Streichorchester arrangiert von Franz Blos


    Weber, Carl Maria von. Klavierquartett B-Dur J 76


    Weingartner, Felix. Serenade

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik 1884/85 bis 1886/87.



    Literatur


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Teltower Kreisblatt vom 5. April 1892 (Beilage zu Nr. 41).

    Teltower Kreisblatt vom 29. Oktober 1892, S. 10.

    Teltower Kreisblatt vom 5. Oktober 1893 (Beilage zu Nr. 119).

    Teltower Kreisblatt vom 19. Oktober 1893 (Beilage zu Nr. 125).

    Teltower Kreisblatt vom 9. April 1895, S. 334.

    Forschung

    Zu Bertha Schadewaldt liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Bertha Schadewaldt umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre privaten und beruflichen Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Bertha Schadewaldt“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Bertha_Schadewaldt