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  • Arma Senkrah

    von Silke Wenzel
    Die Geigerin Arma Senkrah mit Franz Liszt. Fotografie des Weimarer Hoffotografen Louis Held, Weimar, im Juli 1885.
    Namen:
    Arma Senkrah
    Geburtsname: Arma (Anna) Levretta Harkness
    Ehename: Arma (Anna) Senkrath-Hoffmann
    Varianten: Arma Harkness, Arma Senkrath-Hoffmann, Arma Senkrat, Arma Hoffmann, Arma (Anna) Levretta Senkrah, Arma (Anna) Levretta Senkrath-Hoffmann, Arma (Anna) Levretta Senkrat, Arma (Anna) Levretta Hoffmann, Arma (Anna) Leoretta Senkrah, Arma (Anna) Leoretta Harkness, Arma (Anna) Leoretta Senkrath-Hoffmann, Arma (Anna) Leoretta Senkrat, Arma (Anna) Leoretta Hoffmann, Arma (Anna) Loretta Senkrah, Arma (Anna) Loretta Harkness, Arma (Anna) Loretta Senkrath-Hoffmann, Arma (Anna) Loretta Senkrat, Arma (Anna) Loretta Hoffmann
    Lebensdaten:
    geb. in Williamson, New York, USA
    gest. in Weimar, Deutschland

    Das Geburtsjahr von Arma Senkrah wird teilweise auch mit 1867 angegeben. Der Künstlername „Senkrah“ wurde aus dem Palindrom ihres Nachnamens „Harkness“ gebildet.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „[...] ihr blühender, klanggesättigter Ton, ihre ein tiefes Gemüthsleben widerspiegelnde Cantilene und die Sicherheit und Grazie, mit welcher sie auch die kühnste Schwierigkeit überwindet, erweckten auch diesmal beim Publicum eine hochgradige enthusiastische Stimmung.“


    („Musikalisches Wochenblatt“ vom 14. Januar 1886, S. 38)


    Profil

    Die Geigerin Arma Senkrah kam mit neun Jahren aus den USA nach Europa, um Violine zu studieren. Sie wurde von herausragenden Violinpädagogen ihrer Zeit ausgebildet, darunter Arno Hilf in Leipzig, Henri Wieniawski in Brüssel und Lambert Massart in Paris. Nach ihrem Studium, das sie 1881 mit dem ersten Preis des Pariser Conservatoire abschloss, konnte sie sich international als Solistin etablieren: Sie konzertierte u. a. im Londoner Crystal Palace, in der Berliner Philharmonie, im Leipziger Gewandhaus sowie im Breslauer Orchesterverein und unternahm Konzertreisen, die sie auch durch Lettland, Russland und Österreich-Ungarn führten. Im Jahr 1885 ließ sich Arma Senkrah in Weimar nieder und gehörte dort zum Schülerkreis von Franz Liszt, der sie in seinem letzten Lebensjahr intensiv protegierte und häufig gemeinsam mit ihr musizierte. Gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern gab Arma Senkrah in den folgenden Jahren zahlreiche Konzerte, vorwiegend im mitteldeutschen Raum.


    Arma Senkrah zog sich nach ihrer Heirat 1888 in Weimar vollständig aus dem öffentlichen Musikleben zurück.

    Orte und Länder

    Arma Senkrah wurde in Williamson (NY), USA geboren. Gemeinsam mit ihrer Mutter kam sie im Alter von neun Jahren für ein Violinstudium nach Europa. Von 1873 bis 1875 wurde sie in Leipzig und Brüssel unterrichtet und studierte anschließend bis 1881 am Pariser Conservatoire. Nach ihrem Studium ging sie zunächst nach London, verlegte dann jedoch ab 1883 ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland, vermutlich zunächst nach Berlin. Ab 1885 lebte sie in Weimar, wo sie 1888 einen Rechtsanwalt Hoffmann heiratete. Arma Senkrah starb in Weimar.


    Konzertreisen führten Arma Senkrah durch Deutschland, Belgien, Frankreich und England, nach Österreich, Ungarn, Lettland und Russland.

    Biografie

    Arma Senkrah wurde als Anna Harkness am 6. Juni 1864 in Williamson, New York, geboren. Ihr Vater war Deutsch-Amerikaner, die Mutter Schottin. Ihren ersten musikalischen Unterricht erhielt Arma Senkrah in Klavier und Violine von der Mutter. Im Alter von neun Jahren kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Europa, um Violine zu studieren. Zwischen 1873 und 1875 wurde Arma Senkrah privat von Arno Hilf in Leipzig und Henri Wieniawski in Brüssel unterrichtet. Sie bestand im Jahr 1875 die Aufnahmeprüfung am Pariser Conservatoire, studierte dort von 1875 bis 1881 Violine bei Lambert Massart und erhielt bei den Abschlussprüfungen 1881 den ersten Preis (vgl. Biographisches. In: „Musikalisches Wochenblatt“ vom 5. November 1885, S. 558f.).


    Nach Beendigung ihres Studiums konzertierte Arma Senkrah – noch unter ihrem Geburtsnamen Arma Harkness – zunächst in mehreren europäischen Ländern. Am 25. November 1882 debütierte sie in einem der Londoner Crystal Palace Concerts unter der Leitung von August Manns mit dem Violinkonzert d-Moll (op. 31) von Henri Vieuxtemps und einer Habanera von Pablo de Sarasate. Die „London Times” berichtete: „At Saturday’s concert Miss Arma Harkness, a young violinist of considerable promise, made her first appearance at the Crystal Palace. The lady, although an American by birth, owes her musical education to the Conservatoire of Paris, where she gained the first prize of violin playing in 1881. Her style distinctly shows French training; as indeed, did the choice of her chief piece, the Concerto in D by Vieuxtemps, which she played in admirable style [...]. Her tone, although not very powerful, is pure and sympathetic, and her command of the technical resources of her instrument leaves nothing to be desired. Miss Harkness was very favourably received.” („Im Samstagskonzert debütierte Miss Arma Senkrah, eine junge Violinistin mit bemerkenswertem Talent, im Crystal Palace. Die Dame ist zwar Amerikanerin, verdankt ihre musikalische Ausbildung jedoch dem Pariser Konservatorium, wo sie 1881 den ersten Preis in Violine erhielt. Ihr Stil zeigt deutlich die französische Schule, ebenso die Wahl ihres zentralen Stückes, des Violinkonzerts in d-Moll von Vieuxtemps, das sie wunderbar interpretierte [...]. Ihr Ton ist zwar nicht sehr kräftig, aber klar und gefühlvoll, und ihre Beherrschung der technischen Möglichkeiten ihres Instruments lässt nichts zu wünschen übrig. Miss Harkness wurde sehr positiv aufgenommen.“; „The Times London“ vom 27. November 1882, S. 10). Selbst in Deutschland wurde das Londoner Debüt Arma Senkrahs registriert; ein Korrespondent des „Musikalischen Wochenblattes“ schrieb: „Im 7. Concert (25. Nov.) machte eine junge talentvolle Amerikanerin, Miss Arma Harkness, durch ihr künstlerisches Violinspiel Aufsehen. Sie trug das Dmoll-Violinconcert von Vieuxtemps (No. 4) und die ‚Habanera‘ von Sarasate mit viel Fertigkeit und gutem Geschmack vor. Nur an dem etwas gar zu dünnen Ton bleibt noch Etwas auszusetzen; möglicherweise trug hierbei ihre Geige einen Theil der Schuld.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 15. Februar 1883, S. 95)

    In den folgenden Jahren wählte Arma Senkrah Deutschland als Lebensmittelpunkt. Sie nahm den Künstlernamen Arma Senkrah an, ein Palindrom ihres Geburtsnamens Arma Harkness, und ließ sich von der renommierten Berliner Konzertagentur Hermann Wolff vertreten. Ab Herbst 1883 trat Arma Senkrah regelmäßig in Deutschland auf. So konzertierte sie z. B. im Dezember 1883 und im Januar 1884 mehrfach in Leipzig: Sie gab am 22. Dezember 1883 ein eigenes Konzert im alten Theater, spielte am 28. Dezember 1883 im neuen Theater Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64) und debütierte am 3. Januar 1884 im Leipziger Gewandhaus (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 2. Januar 1884, S. 5). Es folgten weitere Konzerte im Januar und Februar 1884 in Dresden und Berlin. Von Seiten der Musikkritik wurde Arma Senkrah in dieser Zeit häufig mit der italienischen Geigerin Teresina Tua verglichen, die zu dieser Zeit in Deutschland äußerst erfolgreich auftrat. So kommentierte z. B. das „Musikalische Wochenblatt“ die Berliner Konzerte Arma Senkrahs: „Das erste hiesige Auftreten der jugendlichen Violinistin Frl. Senkrah gestaltete sich zu einem grossen Erfolg für das anmuthige Mädchen, wenn man auch nicht sagen kann, dass die Künstlerin dieselben bestechenden Spieleigenschaften wie Frl T. Tua, mit der man sie allgemein in Parallele zieht, besitzt. Jedenfalls ist sie aber trotzdem eine Violinistin mit bedeutenden natürlichen Anlagen, künstlerischem Geschmack und bedeutender Technik, der wie dem Frl. Tua, eine reizvolle äussere Erscheinung die Wege ebnen hilft.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. Januar 1884, S. 64, und vom 21. Februar 1884, S. 112)


    Innerhalb kürzester Zeit konnte sich Arma Senkrah im deutschen Musikleben als Solistin etablieren. Zudem bemühte sie sich um die weitere Ausbildung als Meisterschülerin. So schrieb sie z. B. am 19. Mai 1884 aus Trier an den Geiger Joseph Joachim: „Permettez-moi de vous demander, si vous voudriez bien me faire l’honneur de me donner quelques conseils dans le courant de cet été. En ce moment je travaille très sérieusement les vieux Maitres. Si vous étiez à Berlin, et vous aviez le temps – et la bonté de vouloir me permettre de devenir votre élève – nous viendrions pour le mois de Juin à Berlin – si cela vous convient.” („Erlauben Sie mir zu fragen, ob Sie bereit wären, mich während des Sommers zu unterrichten. Zur Zeit arbeite ich sehr ernsthaft an Werken der alten Meister. Falls Sie in Berlin sein sollten und die Zeit hätten – und die Güte, mich als Ihre Schülerin anzunehmen –, kämen wir im Juni nach Berlin, sofern es Ihnen recht ist.“; Brief von Arma Senkrah an Joseph Joachim vom 19. Mai 1884, Archiv der Universität der Künste Berlin, Doc. orig. Arma Senkrat [sic] 1) Die Antwort Joseph Joachims ist bislang nicht bekannt.


    Am 30. September 1884 debütierte Arma Senkrah in den Solistenkonzerten des Berliner Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Georg Rauchenecker mit Henri Vieuxtemps’ Violinkonzert d-Moll; es handelte sich dabei um das Eröffnungskonzert der umgebauten Philharmonie. Bereits wenige Wochen später, am 13. November 1884, spielte sie wiederum mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Georg Rauchenecker, diesmal das Violinkonzert d-Moll (op. 22) von Henri Wieniawski (Muck 1982, S. 11). In der folgenden Zeit konzertierte Arma Senkrah regelmäßig. Sie gab im Herbst 1884 zwei Konzerte in Metz (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 30. Oktober 1884, S. 551), trat am 5. und 7. Dezember 1884 gemeinsam mit dem Pianisten Felix Dreyschock im Rigaer Gewerbeverein auf (vgl. Rudolph 1890) und beteiligte sich am 12. April 1885 an einem „Extraconcert“ im Leipziger Gewandhaus, bei dem sie mit Kompositionen von Henri Vieuxtemps, Louis Spohr, Henri Wieniawski, Pablo de Sarasate und Franz Ries auftrat: „Einen wahren Beifallssturm erregte Fräul. Anna Senkrah mit ihren virtuosen Leistungen auf der Violine. Ein edler Ton steht ihr zu Gebote und jede Schwierigkeit überwindet sie mit der größten Leichtigkeit.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 8. Mai 1885, S. 208). Im Sommer 1885 unternahm Arma Senkrah eine größere Tournee durch Österreich-Ungarn, bei der sie u. a. im österreich-ungarischen Kurbad Töplitz (heute Toplice, Kroatien) auftrat.


    In dieser Zeit machte Arma Senkrah die Bekanntschaft von Franz Liszt und wurde von ihm innerhalb kürzester Zeit in sein unmittelbares Umfeld aufgenommen. Möglicherweise hatte er ihr auch bereits bei der Organisation der Österreich-Ungarn-Tournee geholfen. So schrieb er z. B. am 24. Juli 1885 aus Weimar an Kardinal Lajos Haynald: „La brillante et sympathique artiste, Mademoiselle Senkrah est encore toute heureuse du gracieux accueil de Votre Éminence, à Töplitz.“ („Die hervorragende und sympathische Künstlerin, Mademoiselle Senkrah, ist noch ganz glücklich über den freundlichen Empfang Ihrer Eminenz in Töplitz“; zit. n. Prahács 1966, S. 283). Kurze Zeit später berichtete das „Musikalische Wochenblatt“: „Die Violinvirtuosin Frl. Arma Senkrah hat ihren Aufenthalt seit einiger Zeit in Weimar und erfreut sich der ganz besonderen Gunst des Altmeisters Liszt. Dass das reiche Talent der jungen Künstlerin in dem regen künstlerischen Verkehr mit dem unerreichten Vortragsmeister sich von Tage zu Tage herrlicher entfaltet, bestätigen alle, die dem Spiel der anmuthigen Violinistin lauschen dürfen.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 13. August 1885, S. 412) Das Zusammenspiel von Arma Senkrah und Franz Liszt blieb tatsächlich vielen im Gedächtnis. So ist z. B. den Aufzeichnungen von Alexander W. Gottschalg zu entnehmen, dass Arma Senkrah und Franz Liszt am 20. Juli 1885 gemeinsam musizierten und dabei Ludwig van Beethovens Violinsonate A-Dur (op. 47, „Kreutzer-Sonate“) sowie die zweite Elegie As-Dur von Franz Liszt und eine Violinbearbeitung seiner Ungarischen Rhapsodien – „unvergleichlich ohne Probe“ – spielten (Gottschalg 1910, S. 153, zit. n. Prahács 1966, S. 446). Ein anderer Liszt-Schüler, August Göllerich, erinnerte sich: „Einen unvergeßlichen Genuß bot der 20. Juli 1885, da Liszt mit der [...] Geigenspielerin Arma Senkrah die ‚Kreutzer-Sonate‘ Beethovens fast auswendig spielte, einen noch intimeren der Vormittag des 31. Juli, als er mit derselben Künstlerin beim Hofphotographen Held die F dur-Sonate vortrug.“ (Göllerich 1908, S. 113) Ein Teil der dabei entstandenen Fotoserie von Louis Held ist erhalten (vgl. Material).


    Am 2. September 1885 trat Arma Senkrah im Rahmen eines Konzertes auf, das Franz Liszt zu Ehren im alten Gewandhaus ausgerichtet wurde. Gemeinsam mit dem Pianisten Alexander Siloti spielte sie wiederum die Elegie von Franz Liszt sowie dessen 12. Ungarische Rhapsodie in einer Bearbeitung für Violine von Joseph Joachim; dabei trat sie nach der Sängerin Magdalena Jahns auf: „Es gehörte ein Talent von der Attractionskraft der jugendlichen Violinistin Frl. Arma Senkrah dazu, die durch die Lieder erregte enthusiastische Stimmung nicht wesentlich zurückgehen zu lassen. Die junge Künstlerin spielte, von Hrn. Siloti am Clavier accompagnirt, eine Elegie und die vor Zeiten (lang ist es her!) von J. Joachim für ihr Instrument bearbeitete 12. Ungarische Rhapsodie, und nach jedem der beiden Vorträge durchbrauste stärkster, einhelligster Beifall den Saal. Frl. Senkrah hat trotzdem, dass die vorgetragene Rhapsodie nicht blos über ihre, sondern überhaupt über die physischen Kräfte einer Frau hinausgeht, auch bei dieser Gelegenheit wieder gezeigt, dass sie nach Technik, Tonerzeugung und Empfindung keine Concurrenz unter ihren Violine spielenden Kunstschwestern zu scheuen braucht.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 10. September 1885, S. 462). Auch in den folgenden Monaten setzte sich Franz Liszt für sie ein. So berichtete z. B. das „Musikalisches Wochenblatt“ im Oktober 1885 aus Erfurt: „In dem Eröffnungsconcerte des [...] Soller’schen Musikvereins enthusiasmirte Frl. Arma Senkrah das Publicum mit ihrem herrlichen Violinspiel. Eine grössere Auszeichnung, als der Beifall des Publicums der reizenden Solistin bereitete, dürfte Letztere in dem Umstand ersehen, dass Altmeister Liszt sie von Weimar aus zu unserem Concert begleitet hatte.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 22. Oktober 1885, S. 539)


    Arma Senkrah blieb in Weimar wohnen, unternahm aber ab September 1885 wieder mehrere Konzertreisen, meistens gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern von Franz Liszt. So trat sie z. B. im November 1885 in Breslau auf, und auch der dortige Korrespondent des „Musikalischen Wochenblatts“ war begeistert: „Eine herzerfreuende Erscheinung im Concertsaal ist Frl. Arma Senkrah. Wie überall, so hat sie auch hier im Sturm alle Herzen mit ihrem seelenvollen Violinspiel sich erobert, welches sie im 2. Concert des Breslauer Orchestervereins erklingen liess.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 12. November 1885, S. 574). Am 5. Januar 1886 gab Arma Senkrah im Leipziger Krystallpalast ein Konzert, bei dem sie zwei Sätze aus Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64) und einige Stücke von Frédéric Chopin und Pablo de Sarasate spielte, begleitet von Friedrich Stade am Klavier: „[...] ihr blühender, klanggesättigter Ton, ihre ein tiefes Gemüthsleben widerspiegelnde Cantilene und die Sicherheit und Grazie, mit welcher sie auch die kühnste Schwierigkeit überwindet, erweckten auch diesmal beim Publicum eine hochgradige enthusiastische Stimmung.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 14. Januar 1886, S. 38) Im Frühjahr 1886 spielte sie gemeinsam mit der Liszt-Schülerin Mathis (Vorname unbekannt) Ludwig van Beethovens „Kreutzer-Sonate“ in Glogau („Musikalisches Wochenblatt“ vom 25. Februar 1886, S. 119) und trat am 1. März 1886 gemeinsam mit dem Liszt-Schüler August Stradal in Budapest auf (vgl. Prahács 1966, S. 446).


    In dieser Zeit erweiterte Arma Senkrah zudem ihr öffentlich gespieltes Repertoire. So standen z. B. bei ihrem nächsten Auftritt mit dem Berliner Philharmonischen Orchester am 4. Oktober 1886 die folgenden Werke auf dem Programm: Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64)‚ „Le rouet d’Omphale“ von Camille Saint-Saëns (op. 31), die „Sérénade mélancolique“ b-Moll von Peter I. Tschaikowsky (op. 26) sowie das Intermezzo aus dem Violinkonzert Nr. 4 von Edouard Lalo (op. 29). Franz Mannstaedt dirigierte das Konzert (vgl. Muck 1982, S. 18). Die Repertoireveränderung wurde auch von der Presse bemerkt: „Frl. Arma Senkrah gab hier unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters [...] ein eigenes Concert, in welchem sie sich durch ihr ausgezeichnetes Spiel stürmische Erfolge errang. Dass die junge Künstlerin nebenbei auch für ein interessantes Programm gesorgt hatte, verdient besondere Anerkennung.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 14. Oktober 1886, S. 516). Am 1. November 1886 konzertierte Arma Senkrah gemeinsam mit dem Pianisten und Liszt-Schüler Georg Liebling im Rigaer Gewerbeverein und reiste anschließend nach Moskau weiter. Dort wohnte sie vermutlich im Haus des damaligen Konzertdirektors der Russischen Musikgesellschaft Moskau, Max von Erdmannsdörfer, und dessen Frau, der Pianistin Pauline von Erdmannsdörfer-Fichtner . Sie traf mehrfach mit russischen Komponisten und Interpreten zusammen, darunter auch Peter I. Tschaikowsky, und gab am 3. Dezember 1886 ein Solokonzert im Moskauer Restaurant „Patrie“ (vgl. Tschaikowsky Tagebuch, S. 135-144, Einträge zwischen 5. November und 11. Dezember 1886).


    Zurück in Deutschland konzertierte Arma Senkrah im Frühjahr 1887 in Kassel mit der Liszt-Schülerin Emma Grosscurth und spielte dabei u. a. die Violinsonate F-Dur von Edward Grieg, und am 8. Oktober 1887 trat sie gemeinsam mit R. Bergelt in Kiel auf (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 3. März 1887, S. 124; vom 19. August 1888, S. 396).


    Im Herbst 1888 heiratete Arma Senkrah den Weimarer Rechtsanwalt Hoffmann (Vorname unbekannt), ließ sich mit ihm in Weimar nieder und zog sich vollständig aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Ob sie weiterhin in privatem Rahmen auftrat, ist bislang nicht bekannt.


    Arma Senkrah nahm sich am 3. September 1900 in Weimar das Leben.


    Während ihrer künstlerischen Laufbahn wurde Arma Senkrah mehrfach ausgezeichnet. So erhielt sie Anfang 1884 vom Herzog von Altenburg die Medaille für Kunst und Wissenschaft (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 7. Februar 1884, S. 93) und wurde

    in Weimar zur großherzoglich-sächsischen Kammervirtuosin ernannt.


    Die beiden Geigen von Arma Senkrah, eine „amatisierte Stradivari“ sowie eine Guadagnini von 1750 (nach ihr benannt), gingen später in den Besitz der Geigerin Frida Scotta (vgl. Moser/Moser 1923, S. 41) und des Geigers Isaac Stern über.

    Würdigung

    Die Geigerin Arma Senkrah war nur über wenige Jahre, von 1882 bis 1888, im öffentlichen Musikleben präsent. In dieser kurzen Zeit konnte sie sich international als Solistin wie als Kammermusikerin etablieren und galt als herausragende Musikerin.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Arma Senkrah werden derzeit (Februar 2009) nur in Zusammenhang mit Forschungen zu Franz Liszt rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. die Rubrik „Biografie“).

    Repertoire

    Eine vollständige Repertoireliste von Arma Senkrah kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu ihrem Repertoire gehörten u. a.:


    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violine und Klavier F-Dur, op. 24 („Frühlings-Sonate“).

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violine und Klavier A-Dur, op. 47 („Kreutzer-Sonate“).

    Grieg, Edvard. Sonate für Violine und Klavier F-Dur, op. 8

    Lalo, Edouard. Violinkonzert Nr. 4, op. 29 („Concert russe”)

    Liszt, Franz/Joachim, Joseph. Ungarische Rhapsodie Nr. 12 (bearbeitet für Violine)

    Liszt, Franz. Elegie Nr. 2, As-Dur, für Violine und Klavier

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Violinkonzert e-Moll, op. 64

    Saint-Saëns, Camille. Le Rouet d’Omphale, op. 31

    Sarasate, Pablo de. Habanera (keine Präzisierung möglich)

    Sarasate, Pablo de. Zigeunerweisen, op. 20

    Spohr, Louis. Barcarole für Violine und Klavier, op. 135 Nr. 1

    Tschaikowsky, Peter I. Sérénade mélancolique b-Moll, op. 26

    Vieuxtemps, Henri. Violinkonzert d-Moll, op. 31

    Vieuxtemps, Henri. Ballade et Polonaise de concert op. 38

    Wieniawski, Henri. Violinkonzert d-Moll, op. 22

    Wieniawski, Henri. Legende für Violine und Klavier, op. 17

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Brief von Arma Senkrah an Joseph Joachim vom 19. Mai 1884. Signatur: Doc. orig. Arma Senkrat [sic] 1.


    Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt a. M. Visitenkarte und eigenhändiges Albumblatt mit Unterschrift, Dresden, 24. September 1883.



    Literatur


    Ammer, Christine. The Lady Violinists and Other String players. In: Unsung: A history of Women in American Music. Portland (Oregon): Amadeus Press, 2001.


    Artikel „Senkrah, Frl. Arma“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.). 1890 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Senkrah, Arma“. In: Dictionary of musicians. W. J. Baltzell (Hg.). 1911 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Senkrah, Arma Leorette”. In: Music lover’s encyclopedia. R. Hughes (Hg.). 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Senkrah, Arma Leoretta Hoffmann“. In: Grove’s dictionary of music and musicians. American Supplement. 1920 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Senkrah, Arma Loretta Hoffmann“. In: The new encyclopedia of music and musicians. W. S. Pratt (Hg.). 1924 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Senkrah, Arma Leoretta“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon für Musiker und Freunde der Tonkunst. Paul Frank, Wilhelm Altmann (Hg.). 12. Aufl. Leipzig: Merseburger, 1926 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Biographisches. Arma Senkrah. In: Musikalisches Wochenblatt vom 5. November 1885, S. 558f.


    Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog 5 (1903). Totenliste für 1900 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Ehrlich, Albert. Berühmte Geiger der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 88 Biographien und Portraits. Leipzig: Payne, 1893.


    Göllerich, August. Franz Liszt. Berlin: Marquardt & Co, 1908.


    Gottschalg, Alexander W. Franz Liszt in Weimar und seine letzten Lebensjahre: Erinnerungen und Tagebuchnotizen, nebst Briefen des Meisters. Carl Alfred René (Hg.). Berlin: Glaue, 1910.


    Lahee, Henry C. Famous Violinists of To-day and Yesterday. Boston: The Page Company Publishers, 1899, 10. Auflage, 1916.


    Liszt, Franz. Briefe aus ungarischen Sammlungen 1833-1886. Margit Prahács (Hg.). Kassel, Basel etc.: Bärenreiter, 1966.


    Liszt, Franz. Franz Liszt in seinen Briefen. Franz Rudolf Jung (Hg.). Frankfurt a. M.: Athenäum, 1988.


    Liszt, Franz/Bülow, Hans von. Briefwechsel. La Mara (Hg.). Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1898.


    Moser Andreas/Moser Hans Joachim. Geschichte des Violinspiels. Berlin: Hess, 1923.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Tschaikowski, Petr. Die Tagebücher. Ernst Kuhn (Hg.). Berlin: Verlag Ernst Kuhn, 1992.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 15. Februar 1883, S. 95.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. Januar 1884, S. 64.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. Februar 1884, S. 112.

    Musikalisches Wochenblatt vom 30. Oktober 1884, S. 551.

    Musikalisches Wochenblatt vom 13. August 1885, S. 412.

    Musikalisches Wochenblatt vom 10. September 1885, S. 462.

    Musikalisches Wochenblatt vom 22. Oktober 1885, S. 539.

    Musikalisches Wochenblatt vom 5. November 1885, S. 558f.

    Musikalisches Wochenblatt vom 12. November 1885, S. 574.

    Musikalisches Wochenblatt vom 14. Januar 1886, S. 38

    Musikalisches Wochenblatt vom 25. Februar 1886, S. 119.

    Musikalisches Wochenblatt vom 14. Oktober 1886, S. 516.

    Musikalisches Wochenblatt vom 3. März 1887, S. 124.

    Musikalisches Wochenblatt vom 19. August 1888, S. 396.

    Musikalisches Wochenblatt vom 13. September 1888, S.447.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 2. Januar 1884, S. 5.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 18. Januar 1884, S. 40.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Mai 1885, S. 208.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 12. September 1900, S. 432.


    The Times London vom 27. November 1882, S. 10.



    Links


    www.kalliope-portal.de (Stand: 10. Februar 2009)

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographe „Kalliope-Portal“ verzeichnet mehrere Briefe von Arma Senkrah.


    http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/manskopf/apersonen.htm (Stand: 10. Februar 2009)

    Die Sammlung Manskopf in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt a. M. enthält mehrere Fotografien von Arma Senkrah, darunter auch eine Fotoserie mit Franz Liszt, die der Weimar Hoffotograf Louis Held im Juli 1885 erstellte.


    http://www.cozio.com/Owner.aspx?id=802 (Stand: 10. Februar 2009)

    Die Website zeigt die Instrumente von Arma Senkrah und deren weitere Besitzer.

    Forschung

    Zu Arma Senkrah liegen derzeit (Februar 2009) keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Arma Senkrah umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 77094496
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117477834

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 2. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 24.11.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Arma Senkrah“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 24.11.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Arma_Senkrah