Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (105%)
  • Deutsch
  • Annie Grimson

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Annie Grimson
    Ehename: Annie Maria Haythorne Wallis
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. in 18 Mortlake Road, Kew, Surrey, England

    Profil

    Annie Grimson wurde innerhalb einer Musikerfamilie sowie am Londoner Royal College of Music ausgebildet. Sie studierte Violine, Klavier und Komposition und konnte sich nach ihrem Studium als Pianistin und Bratscherin im Londoner Musikleben etablieren – vorrangig als Kammermusikerin. Über viele Jahre trat sie in verschiedenen kammermusikalischen Ensembles in wechselnden Besetzungen auf – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Familienverbundes – und spielte u. a. regelmäßig in Konzerten der Londoner „Musical Guild“. Darüber hinaus widmete sie sich auch der Komposition und legte im Alter von 17 Jahren eine Symphonie vor. Weitere Werke folgten, darunter ein Nocturne für Violoncello und Klavier, ein Walzer für großes Orchester sowie mehrere Klavierstücke. Ihre Kompositionen, von denen vermutlich etliche verschollen sind, erschienen in renommierten Londoner Musikverlagen wie z. B. Augener, Phillips und Goodwin & Tabb. Im Jahr 1913 war Annie Grimson als Klavierprofessorin an der Londoner Guildhall School of Music angestellt.

    Biografie

    Annie Grimson wurde am 4. September 1870 im Londoner Stadtteil Pimlico als Tochter von Samuel Dean Grimson (1842–1922) und seiner Frau Maria Mary Anne, geb. Bonarius (1848–1896), in eine Musikerfamilie geboren. Der Vater Samuel Dean Grimson war Violinist und u. a. für seine Etüden „A First Book for the Violin“ (London 1881) bekannt. Annie Grimson war die älteste von insgesamt acht Geschwistern, Amy (1872–1935), Jessie (1873–1954), Dean (1875–1875), Ellen Elizabeth (1877–1941), Samuel (1879–1955), Robert Alfred (1881–1953) und Harold (1882–1917) Grimson (vgl. Searl 2012). Drei der Töchter wurden professionelle Musikerinnen: Annie Grimson als Pianistin, Jessie Grimson als Geigerin und Amy Grimson als Violoncellistin und Pianistin.


    Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wurde Annie Grimson vom Vater musikalisch ausgebildet. Einer Notiz in der „Times“ zufolge erhielt sie im April 1883 ein Stipendium für das Fach Klavier am Royal College of Music (vgl. „The Times“ vom 23. April 1883, S. 6), nach Auskunft der Royal College Archives studierte sie von 1883 bis 1889 Violine und Komposition als Schülerin, anschließend von 1889 bis 1890 Klavier und Komposition als Studentin (vgl. Searl 2012). Dabei erhielt sie Unterricht von Franklin Taylor und Tobias Matthay im Fach Klavier, Sir Frank Bridge in Harmonielehre und Hubert Parry im Fach Komposition (vgl. Wyndham 1913). Bereits während ihres Studiums trat sie öffentlich auf und spielte u. a. im Rahmen eines Studierendenkonzertes am Royal College of Music gemeinsam mit einer Geigerin namens Miss Stone Ludwig van Beethovens Violinsonate G-Dur op. 96 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1887, S. 484). Auch eine Symphonie, die sie im Alter von 17 Jahren schrieb, ist belegt (vgl. Warriner 1896). Im Juli 1889 wurde Annie Grimson zur Associate of the Royal College of Music (A.R.C.M.) ernannt und gewann im Dezember desselben Jahres im Rahmen eines Wettbewerbs die „Hopkins Gold Medal for pianoforte playing“, die ihr im Juli 1890 vom Prince of Wales verliehen wurde (vgl. „The Times“ vom 19. Juli 1889, S. 8; vom 23. Dezember 1889, S. 11; vom 10. Juli 1890, S. 6; „The Musical Times“ vom 1. August 1890, S. 476).


    Nach ihrem Studium konnte sich Annie Grimson als Pianistin und teils auch als Bratscherin im Londoner Musikleben etablieren. So trat sie z. B. ab 1890 regelmäßig als Pianistin und Klavierbegleiterin in den Kammermusikkonzerten der Londoner „Musical Guild“ auf, die in der Kensington Town-Hall stattfanden. Dort konzertierte sie bis mindestens Ende 1896 in wechselnden Besetzungen und mit unterschiedlichen Kammermusikpartnerinnen bzw. -partnern. Am 11. November 1890 spielte sie gemeinsam mit der Geigerin Winifred Holiday die erste der drei Violinsonaten von Johannes Brahms (G-Dur op. 78), und die „Times“ rezensierte: „The violinist did her part with much grace and feeling, and perfect accuracy at least was attained by the pianist.“ („Die Violinistin spielte ihren Part mit viel Anmut und Gefühl, vollkommene Genauigkeit wurde allerdings durch die Pianistin erlangt.“; vgl. „The Times“ vom 13. November 1890, S. 6) Ein Jahr später gab sie ein weiteres Konzert in demselben Rahmen. Dabei begleitete sie den Geiger Arthur Bent in Emil Kreuz’ „Frühlingsgedanken“ op. 9 für Violine und Klavier, spielte gemeinsam mit dem Klarinettisten W. H. Hall und Emil Kreuz Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettentrio Es-Dur KV 498 und gab gemeinsam mit dem Pianisten Frederick Sewell das erste Buch der „Legendy“ op. 59 für Klavier zu vier Händen von Antonín Dvorák (vgl. „The Times“ vom 2. Dezember 1891, S. 6). Im November 1892 trat sie im Rahmen der „Musical Guild“ gemeinsam mit der Geigerin Winifred Holiday und dem Violoncellisten William Edward Whitehouse mit Ludwig van Beethovens Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3 auf. In ihrer Rezension reagierte die „Times“ allerdings verhalten auf das Konzert: „Beethoven’s early pianoforte trio in C minor, which was played by Misses Annie Grimson and Winifred Holiday and Mr. Whitehouse, was not quite [...] successful; several passages were somewhat roughly played, and there was a general want of finish which seemed to indicate a lack of the necessary rehearsals.“ („Beethovens frühes Klaviertrio c-Moll, das von den Misses Annie Grimson und Winifred Holiday und von Mr. Whitehouse gespielt wurde, war nicht wirklich [...] erfolgreich; mehrere Passagen waren ziemlich hart gespielt, und es fehlte allgemein der letzte Schliff, was auf fehlende notwendige Proben hindeutet.“; „The Times“ vom 4. November 1892, S. 4) Als Solobeitrag spielte Annie Grimson Anfang Mai 1893 in diesem Rahmen Frédéric Chopins Polonaise As-Dur op. 53 (vgl. „The Times“ vom 4. Mai 1893, S. 9) und wenige Wochen später Robert Schumanns Klaviertrio d-Moll gemeinsam mit der Geigerin Winifred Holiday und dem Violoncellisten Paul Ludwig (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1893, S. 410). Im Juni 1894 gab sie mit dem Klarinettisten Charles Draper und Paul Ludwig das Klarinettentrio a-Moll op. 114 von Johannes Brahms sowie mit Paul Ludwig die Violoncellosonate g-Moll op. 5 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven. Die „Musical Times“ rezensierte: „The third Concert, on the 12th ult. [...] closed with Brahms’s Clarinet Trio. The latter work was played by Mr. Charles Draper [...], Miss Annie Grimson (pianoforte), and Mr. Paul Ludwig (violoncello). Miss Grimson and Mr. Ludwig were also heard in Beethoven’s Violoncello Sonata (Op. 5, No. 2), in which the vigorous style and full tone of the violoncellist stood in marked contrast to the technically correct but somewhat timid performance of the pianist.“ („Das dritte Konzert am 12. des vergangenen Monats [...] endete mit Brahms’ Klarinettentrio. Letzteres Werk wurde von Mr. Charles Draper, [...] Miss Annie Grimson (Klavier) und Mr. Paul Ludwig (Violoncello) gespielt. Miss Grimson und Mr. Ludwig führten zudem Beethovens Violoncellosonate (op. 5 Nr. 2) auf, in der der energische Stil und der volle Ton des Violoncellisten in markantem Gegensatz zu dem technisch korrekten, aber in gewisser Weise ängstlichen Spiel der Pianistin stand.“: „The Musical Times“ vom 1. Juli 1894, S. 464) Ende des Jahres 1896 spielte Annie Grimson im Rahmen der „Musical Guild“ mit dem Geiger Wallace Sutcliffe und dem Violoncellisten Arthur Williams das Klaviertrio A-Dur von A. Davidson Arnott (vgl. „The Times“ vom 26. November 1896, S. 6; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1897, S. 21).


    Im Jahr 1895 gründete der Vater Samuel Dean Grimson mit seinen Kindern das Ensemble „Grimson Family“, das in der großen Besetzung eines Oktetts ca. fünf Jahre lang in London und in weiteren britischen Städten konzertierte (vgl. u. a. die Anzeige in „Musical Times“ vom 1. Juli 1895, S. 433). Am Familienensemble war Annie Grimson nicht nur als Pianistin, sondern auch als Bratscherin beteiligt. (Zu den Konzerten der „Grimson Family“ vgl. auch die Artikel zu Amy Grimson und Jessie Grimson.) Das erste öffentliche Konzert der Familie Grimson fand im Januar 1896 in der Londoner kleinen Queen’s-Hall statt. Auf dem Programm standen Johannes Brahms’ Klavierquintett f-Moll op. 34, gespielt von Annie, Jessie, Amy, Dean und Samuel Dean Grimson, sowie Felix Mendelssohn Bartholdys Oktett für Streicher op. 20, in dem Annie Grimson möglicherweise eine Violin- oder Violastimme übernahm. Überdies gab sie – wie auch ihre Schwester, die Geigerin Jessie Grimson, – Solostücke für Klavier. Die „Times“ rezensierte: „A really earnest and thoroughly artistic performance of Brahms’s fine pianoforte quintet in F minor by the Misses Annie, J. [Jessie], and Amy and Messrs. S. [Samuel] and S. D. [Samuel Dean] Grimson opened the concert, which closed with Mendelssohn’s octet, in which others of the family joined those already mentioned. Their ensemble is excellent and the quality of tone is singularly refined, while the quantity is ample. [...] Miss Jessie and Miss Annie Grimson also played violin and pianoforte solos respectively. The experiment was an emphatic success.“ („Das Konzert begann mit einer wirklich verdienstvollen und künstlerisch durchdachten Aufführung von Brahms schönem Klavierquintett in f-Moll, das von den Misses Annie, J.[essie] und Amy sowie den Herren S. [Samuel] und S. D. [Samuel Dean] Grimson gespielt wurde, und endete mit Mendelssohns Oktett, bei dem weitere Familienmitglieder zu den bereits erwähnten hinzutraten. Ihr Zusammenspiel ist hervorragend und die Klangqualität einzigartig ausgefeilt, während gleichzeitig die Fähigkeiten weit gesteckt sind. [...] Miss Jessie und Miss Annie Grimson spielten jeweils Violin- und Klaviersoli. Das Experiment war in jeder Hinsicht ein Erfolg.“; „The Times“ vom 23. Januar 1896, S. 15).

    Ende des Jahres 1896 trat die Familie Grimson bei einem Konzert auf, das von Alfred J. Dye in der Woodside Hall in North Finchley, einem Vorort von London, veranstaltet wurde. Das Programm umfasste Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 und Johan Severin Svendsens Oktett für Streicher A-Dur op. 3, und wiederum ist zu vermuten, dass Annie Grimson sowohl als Pianistin als auch als Bratscherin auftrat: „Mr. Alfred J. Dye gave an enjoyable and greatly appreciated evening Concert [...]. It was virtually a ‚Grimson Family’ Concert, for the members of that clever company were responsible for the whole programme except the songs, which were contributed by Madame Marie Hoton and Mr. Edward Branscombe. Schumann’s Pianoforte Quintet opened the Concert and was finely played, while the Andante and Finale from Svendsen’s String Octet brought the evening to an effective and exhilarating conclusion. Solos were contributed by Misses Annie, Jessie, and Amy Grimson [...].“ („Mr. Alfred J. Dye gab ein erfreuliches und sehr geschätztes Abendkonzert [...]. Es war eigentlich ein ‚Grimson Family’ Konzert, denn die Mitglieder dieses geschickten Ensembles waren für das gesamte Programm verantwortlich, ausgenommen die Lieder, die von Madame Marie Hoton und Mr. Edward Branscombe beigesteuert wurden. Schumanns Klavierquintett eröffnete das Konzert und wurde gut gespielt, das Andante und Finale aus Svendsens Streichoktett brachte den Abend zu einem wirkungsvollen und erhebenden Abschluss. Solos wurden von den Damen Annie, Jessie und Amy Grimson gegeben [...].“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1896, S. 830) Bei einem Konzert Anfang Februar 1897 in der Londoner kleinen Queen’s-Hall standen u. a. Nils Gades Oktett für Streicher F-Dur op. 17 und Antonín Dvoráks Klavierquintett A-Dur op. 81 auf dem Programm (vgl. „The Times“ vom 6. Februar 1897, S. 15; „The Musical Times“ vom 1. März 1897, S. 193), und im November 1898 trat die Grimson Familie in den Londoner Leighton Rooms mit Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquintett B-Dur op. 87 und Robert Schumanns Streichquartett a-Moll op. 41 Nr. 1 auf (vgl. „The Times“ vom 15. November 1898, S. 10). Nach und nach öffnete sich das Ensemble auch für Gäste. Zudem übernahmen die drei Schwestern Jessie, Annie und Amy Grimson immer mehr die führenden Rollen und traten auch gemeinsam als Trio auf. So gab das Schwestern-Trio z. B. Mitte Januar 1898 ein Konzert in den Edgbaston Assembly Rooms in Birmingham mit Ludwig van Beethovens Streichtrio D-Dur op. 8 und Edward Griegs Violinsonate G-Dur op. 13 sowie mit Solobeiträgen der drei Schwestern (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Februar 1898, S. 113).

    Im Januar und Februar 1900 konzertierte die Grimson Familie mit mehreren Gästen im Rahmen der Londoner „South-Place Sunday Concerts“. Eines der Konzerte am 22. Januar 1900 war Werken Franz Schuberts gewidmet, darunter das Divertissement à la Hongroise g-Moll op. 54 zu vier Händen, gespielt von Amy Grimson und Nellie (möglicherweise Annie) Grimson, das Oktett F-Dur op. 166 und das Streichquartett c-Moll (D 703) (vgl. „The Times“ vom 23. Januar 1900, S. 14). Bei einem weiteren Konzert Mitte Februar 1900 trat Edward Mason als Violoncellist hinzu. Gespielt wurden Werke von Johannes Brahms, darunter das Streichsextett G-Dur op. 36, in dem Annie Grimson einen Violapart übernahm: „An admirable selection from the music of Brahms was given at the Ethical Society’s Institute in South-place last evening. The programme opened with the magnificent string sextet in G, to which full justice was done by Miss Jessie, Miss Annie, and Miss Amy Grimson, Messrs. Harold and S. Dean Grimson, and Mr. Edward Mason. The ensemble throughout was quite perfect, and the most noticeable features of the performance were the firmness and excellent phrasing with which they played the first movement, and the exquisite artistic finish of the adagio.“ („Eine wunderbare Auswahl von Brahms-Werken wurde gestern Abend im Ethical Society’s Institute in South-Place gegeben. Das Programm wurde mit dem herrlichen Streichsextett in G-Dur eröffnet, dem Miss Jessie, Miss Annie und Miss Amy Grimson sowie die Herren Harold und S. Dean Grimson und Mr. Edward Mason absolut gerecht wurden. Das Ensemble war durchgängig nahezu perfekt, und am bemerkenswertesten waren die Geschlossenheit und die exzellente Phrasierung, mit der sie den ersten Satz spielten, und der künstlerisch hervorragende Schluss des Adagio; „The Times vom 12. Februar 1900, S. 9) Weitere Konzerte der Grimson Family sind derzeit nicht zu belegen.


    In den folgenden Jahren, bis ca. 1915, konzertierte Annie Grimson regelmäßig in London. So trat sie z. B. mehrfach im Rahmen der „Gresham Lectures“ auf, die Sir Frederick Bridge am Gresham College veranstaltete. Am 8. März 1898 spielte sie dort im Rahmen der Vorlesungen über Johannes Brahms dessen Klaviertrio Es-Dur op. 40 gemeinsam mit ihrer Schwester Jessie Grimson und dem Hornisten Thomas Busby (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1897, S. 822) Auch im Frühjahr 1898 trat Annie Grimson im Rahmen der Vorlesungen von Sir Frederick Bridge auf und illustrierte seine Vorlesung zu Frédéric Chopin, wie die „Musical Times“ berichtete (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1898, S. 255). Im Dezember 1908 konzertierte sie mit den Geigern Josef Ludwig, Arthur Stothert und Stanley Blagrove, dem Bratscher Alfred Hobday und dem Violoncellisten William Edward Whitehouse in Bath. Das Ensemble spielte Peter I. Tschaikowskys Streichquartett D-Dur op. 11, Charles Villiers Stanfords Klavierquintett d-Moll op. 25 und Ludwig van Beethovens Streichquartett B-Dur op. 18 Nr. 6 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1909, S. 41). Wie es scheint, etablierte sich das Ensemble in ungefähr dieser Besetzung als Streichquartett, mit dem Annie Grimson in den folgenden Jahren regelmäßig konzertierte. So schrieb die „Musical Times“ über ein Konzert, das der Geiger Stanley Blagrove im März 1915 in der Wimbledon Hill School veranstaltete: „At Mr. Stanley Blagrove’s concert at Wimbledon Hill School on march 27 the programme included Schumann’s Quartet No. 1, and Dvorák’s Quintet for pianoforte and strings, played by the Blagrove Quartet, with Miss Annie Grimson at the pianoforte.“ („Bei Mr. Stanley Blagroves Konzert in der Wimbledon Hill School am 27. März stand Schumanns Quartett Nr. 1 und Dvoráks Klavierquintett, gespielt vom Blagrove Quartet mit Miss Annie Grimson am Klavier, auf dem Programm.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1915, S. 299).


    Im Jahr 1913 war Annie Grimson als Klavierprofessorin an der Guildhall School of Music angestellt (vgl. Wyndham 1913). Über ihre Schülerinnen und Schüler ist derzeit nichts bekannt.


    Als einzige der drei Schwestern Annie Grimson, Amy Grimson und Jessie Grimson, widmete sich Annie Grimson auch der Komposition. Im Alter von 17 Jahren legte sie erstmals eine Symphonie vor, die – so der Lexikograph J. Warriner 1896 – „exhibits great promise“ (Warriner 1896). Dem Titel nach bekannt sind ferner ein Nocturne für Violoncello und Klavier (London: Augener), ein Walzer für großes Orchester mit dem Titel „Fidelité“ (London: Phillips), sowie Klavierstücke, die bei Goodwin & Tabb erschienen (vgl. Hull 1924), darunter „Consolation“ aus dem Jahr 1910 (vgl. Copac). Zu vermuten ist, dass etliche Werke Annie Grimsons verschollen sind.


    Annie Grimson war seit 1912 mit Joseph Haythorne Wallis verheiratet. Sie starb am 9. Oktober 1949 im Londoner Vorort Kew, in der Grafschaft Surrey.

    Würdigung

    Annie Grimson blieb zwar als Kammermusikerin über viele Jahre dem Familienensemble verbunden, ging aber dennoch eigene Wege. So zeigte sie als einzige der Geschwister bereits früh ein Interesse an dem Fach Komposition, das sie parallel zu Violine und Klavier als Studienfach am Royal College wählte. Auch ihre Auftritte als Kammermusikerin im Rahmen der „Musical Guild“ waren unabhängig vom Familienverband. Über die gesamte Zeit ihrer öffentlichen Konzerttätigkeit trat Annie Grimson sowohl als Pianistin als auch als Bratscherin auf. In späteren Jahren ließ sie sich als Klavierprofessorin an der Guildhall School of Music nieder und war damit, ebenfalls als einzige der professionellen Musiker/innen unter den Geschwistern, institutionell eingebunden.

    Werkverzeichnis

    Nur wenige Kompositionen von Annie Grimson sind derzeit bekannt, die meisten von ihnen wurden im lexikalischen Artikel von Hull 1924 verzeichnet. Der britische Verbundkatalog Copac weist eine einzige Komposition aus dem Jahr 1910 nach, die „Consolation“ für Klavier. Zu vermuten ist jedoch, dass zahlreiche Kompositionen von Annie Grimson verschollen sind.


    Symphonie (ca. 1887) (vgl. Warriner 1896)

    Nocturne für Violoncello und Klavier (London: Augener) (vgl. Hull 1924)

    Walzer für großes Orchester (London: Phillips) (vgl. Hull 1924)

    Klavierstücke (London: Goodwin & Tabb) (vgl. Hull 1924)

    Consolation für Klavier (London: Goodwin & Tabb 1910) (vgl. Copac)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Annie Grimson kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Während der gesamten Zeit ihrer öffentlichen Konzerttätigkeit als Kammermusikerin trat Annie Grimson sowohl als Pianistin als auch als Bratscherin auf. Nachgewiesen sind Aufführungen folgender Werke:


    Arnott, A. Davidson. Klaviertrio A-Dur (Klavier)


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3 (Klavier)

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier und Violine G-Dur op. 96 (Klavier)

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier und Violoncello g-Moll op. 5 Nr. 2 (Klavier)

    Beethoven, Ludwig van. Streichtrio D-Dur op. 8 (Viola)


    Brahms, Johannes. Klarinettentrio a-Moll op. 114 (Klavier)

    Brahms, Johannes. Klavierquintett f-Moll op. 34 (Klavier)

    Brahms, Johannes. Klaviertrio Es-Dur op. 40 (Klavier)

    Brahms, Johannes. Sonate für Klavier und Violine G-Dur op. 78 (Klavier)

    Brahms, Johannes. Streichsextett G-Dur op. 36 (Viola)


    Chopin, Frédéric. Polonaise As-Dur op. 53 (Klavier)


    Dvorák, Antonín. Klavierquintett (keine Präzisierung möglich; Klavier)

    Dvorák, Antonín. Legendy op. 59 für Klavier zu vier Händen (Klavier)

    Dvoráks, Antonín. Klavierquintett A-Dur op. 81 (Klavier?)


    Gade, Nils. Oktett für Streicher F-Dur op. 17 (Viola)


    Grieg, Edward. Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 13 (Klavier)


    Kreuz, Emil. Frühlingsgedanken op. 9 für Violine und Klavier (Klavier)


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Oktett für Streicher op. 20 (Viola)


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klarinettentrio Es-Dur KV 498 (Klavier)


    Schubert, Franz. Divertissement à la Hongroise g-Moll op. 54 für Klavier zu vier Händen (Klavier)

    Schubert, Franz. Oktett F-Dur op. 166 (Viola)


    Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur op. 44 (Klavier)

    Schumann, Robert. Klaviertrio d-Moll op. 63 (Klavier)


    Stanford, Charles Villiers. Klavierquintett d-Moll op. 25 (Klavier)


    Svendsens, Johan Severin. Oktett für Streicher A-Dur op. 3 (Viola)

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Grimson, Annie“. In: National portrait gallery of British Musicians, hg. v. J. Warriner, 1896 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Grimson, Samuel Dean“. In: British Musical Biography, hg. v. J. D. Brown/S. S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Grimson, Annie“. In: Who’s who in music, hg. v. H. S. Wyndham, 1913 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Grimson, Annie“. In: A dictionary of modern music and musicians, hg. v. A. E. Hull, 1924 (vorh. in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Grimson, Annie“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag, 1954, Bd. 1, Sp. 1284



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. August 1887, S. 484.

    The Musical Times vom 1. August 1890, S. 476.

    The Musical Times vom 1. Juli 1893, S. 410.

    The Musical Times vom 1. Juli 1894, S. 464.

    The Musical Times vom 1. Juli 1895, S. 433.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1896, S. 830.

    The Musical Times vom 1. Januar 1897, S. 21.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1897, S. 822.

    The Musical Times vom 1. Februar 1898, S. 113.

    The Musical Times vom 1. April 1898, S. 255.

    The Musical Times vom 1. Januar 1909, S. 41.

    The Musical Times vom 1. Mai 1915, S. 299.


    The Times vom 19. Juli 1889, S. 8.

    The Times vom 23. Dezember 1889, S. 11.

    The Times vom 10. Juli 1890, S. 6.

    The Times vom 13. November 1890, S. 6.

    The Times vom 2. Dezember 1891, S. 6.

    The Times vom 4. November 1892, S. 4.

    The Times vom 4. Mai 1893, S. 9.

    The Times vom 23. Januar 1896, S. 15.

    The Times vom 26. November 1896, S. 6.

    The Times vom 6. Februar 1897, S. 15.

    The Times vom 15. November 1898, S. 10.

    The Times vom 23. Januar 1900, S. 14.

    The Times vom 12. Februar 1900, S. 9.



    Links


    http://www.mocavo.com/family-tree/Chris-Searl/Searl-Family/Annie-Maria-Grimson, Stand: 25. Juni 2012

    Die von Chris Searl erstellte Website „Genealogy and Biography of Annie Maria Grimson“ bietet detaillierte genealogische Informationen zur Familie Grimson allgemein sowie zu Annie Grimson im Besonderen.


    http://www.concertprogrammes.org.uk, Stand: 10. Juli 2012

    Die britische Concert Programmes Database verzeichnet mehrere Programme von Konzerten, an denen Annie Grimson beteiligt war.

    Forschung

    Den genealogischen Forschungen von Chris Searl sind genaue Geburts-, Heirats- und Sterbedaten von Annie Grimson zu verdanken. Darüber hinaus hat er im Zuge seiner dessen auch eine Anfrage an das Royal College of Music gestellt, dessen Antwort die genauen Studienzeiten von Annie Grimson zu entnehmen sind. (vgl. http://www.mocavo.com/family-tree/Chris-Searl/Searl-Family/Annie-Maria-Grimson, Stand: 25. Juni 2012)

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Annie Grimson umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten und ihre Kontakte im Londoner Musikleben.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 05.11.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Annie Grimson“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.11.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Annie_Grimson