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  • Anna Mehlig

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Anna Mehlig. Fotografie von A. Michalki, o.D.
    Namen:
    Anna Mehlig
    Ehename: Anna Falk
    Varianten: Anna Falk-Mehlig
    Lebensdaten:
    geb. in Stuttgart, Deutschland
    gest. in Berlin, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Solistin, Kammermusikerin
    Charakterisierender Satz:

    „Miss Mehlig's performance was a thing to be remembered, both for its faultless accuracy and for the excellent appreciation she showed of the spirit of the music; a finer rendering has seldom, if even been heard.“

    „Miss Mehligs Interpretation war etwas, woran man sich erinnern wird und zwar sowohl aufgrund ihrer fehlerfreien Genauigkeit als auch aufgrund ihres herausragenden Verständnisses für den musikalischen Sinn dieser Musik; eine schönere Wiedergabe wurde selten, wenn überhaupt jemals gehört.“

    („The Musical Times” vom 1. Dezember 1876, S. 695)


    Profil

    Anna Mehlig wurde zwischen 1861 und 1864 von Siegmund Lebert am Stuttgarter Konservatorium ausgebildet und galt bereits zu Studienzeiten als „Vorzeigeschülerin“ des Konservatoriums. Nach ihrem Studium konnte sie sich innerhalb kürzester Zeit im internationalen Musikleben als Solistin etablieren und setzte ab 1869 ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort. Anna Mehlig konzertierte vorwiegend in Deutschland, England, den Niederlanden und in den USA. Nach ihrer Heirat mit dem Antwerpener Kaufmann Rudolf Falk im Jahr 1880 zog sie sich zunächst für einige Jahre aus dem öffentlichen Musikleben zurück, kehrte aber 1885 auf die Bühne zurück. Ihre Tätigkeiten in den letzten Lebensjahrzehnten sind weitgehend unbekannt.

    Orte und Länder

    Anna Mehlig wurde in Stuttgart geboren und studierte am dortigen Konservatorium Klavier. Von 1864 bis 1865 verbrachte sie ein Jahr bei Franz Liszt in Weimar und ließ sich anschließend vermutlich in Hannover nieder. Zwischen 1869 und 1873 lebte sie überwiegend in den USA, kehrte dann zurück und konzertierte regelmäßig in verschiedenen europäischen Ländern. Möglicherweise hielt sie sich in dieser Zeit in Stuttgart auf, wo sie im Jahr 1880 den Kaufmann Rudolf Falk heiratete, mit dem sie dann nach Antwerpen zog. Von 1914 bis zu ihrem Tod lebte Anna Mehlig in Berlin.


    Konzertreisen führten Anna Mehlig durch die USA, England, das Baltikum, die Niederlande, nach England sowie nach Österreich-Ungarn.

    Biografie

    Anna Mehlig wurde am 11. Juni 1847 in Stuttgart geboren. Über ihre Herkunft, ihre Eltern und ihre Ausbildung bis zu Beginn des Studiums ist bislang nichts Näheres bekannt.


    Spätestens ab 1861 studierte Anna Mehlig am Stuttgarter Konservatorium Klavier bei Sigmund Lebert und trat bereits zu Studienzeiten als Solistin an die Öffentlichkeit. In den begeisterten Presse-Rezensionen ihrer frühen Konzerte wurde dabei außergewöhnlich häufig auf ihre Ausbildungsstätte verwiesen. Als sie im Juni 1861 in Stuttgart das Klavierkonzert g-Moll op. 60 von Ignaz Moscheles spielte, berichtete die „Monatsschrift für Musik und Theater“: „Im Vortrage des Moscheles’schen G-moll-Klavierkonzerts überraschte eine junge Stuttgarterin, Anna Mehlig, Schülerin der Musikschule, durch eine in Anbetracht ihrer Jugend fast fabelhafte Technik, wie überhaupt dieses Institut berufen sein dürfte, der musikalischen Bedeutung unserer Stadt viel Vorschub zu leisten“. (Monatsschrift 1861, S. 344). Ähnlich lautete die Kritik eines Konzertes im März 1863 in Darmstadt, wo Anna Mehlig im Rahmen der philharmonischen Konzerte mit dem Klavierkonzert h-Moll op. 89 von Johann Nepomuk Hummel auftrat: „Besonderes Interesse erhielt auch noch das Concert durch die Mitwirkung einer jungen Clavierspielerin, Fräulein Anna Mehlig aus Stuttgart, Schülerin der Stuttgarter Musikschule, mit dem Vortrage der drei Sätze des H-moll-Concerts von Hummel. Bei ihrer unverkennbaren Begabung ist es eine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde der jungen Dame zuzuwenden.“ („Niederrheinische Musik-Zeitung“ vom 18. April 1863, S. 127). Im Jahr 1864 verließ Anna Mehlig das Stuttgarter Konservatorium, ob mit einem Abschluss ist bislang nicht bekannt. Die Institution berief sich nach wie vor auf ihren Namen, so z. B. in einer Werbeanzeige in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ vom September 1870, in der es heißt: „Mit dem Anfang des Wintersemesters [...] können in diese [...] Anstalt, welche für vollständige Ausbildung sowohl von Künstlern, als auch insbesondere von Lehrern und Lehrerinnen bestimmt ist und in welcher z. B. die berühmte Pianistin Fräulein Anna Mehlig ihre vollständige Ausbildung erhalten hat, neue Schüler und Schülerinnen eintreten“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 28. September 1870, S. 312). Anna Mehlig galt demnach bereits zu Studienzeiten als herausragende Pianistin und wurde zudem als „Vorzeigeschülerin“ des neu gegründeten Stuttgarter Konservatoriums präsentiert.


    Zwischen 1864 und 1869 ließ sich Anna Mehlig aus unbekannten Gründen in Hannover nieder und trat regelmäßig in Deutschland, den Niederlanden und in Großbritannien auf. Im Mai 1864 gab sie ein eigenes Konzert in München, spielte im Frühjahr 1865 Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Es-Dur op. 73 in den Frankfurter Museumskonzerten, trat in Leipzig in den Gewandhauskonzerten und dem Euterpe-Verein auf und konzertierte 1867 in den Kölner Gürzenich-Konzerten. In den Jahren 1866 und 1868 spielte sie zudem in mehreren Konzerten in den Niederlanden, u. a. in Rotterdam das Klavierkonzert Es-Dur op. 73 von Ludwig van Beethoven.

    Mit der Sommer-Saison 1866 konnte sich Anna Mehlig auch in London etablieren. Sie debütierte am 30. April 1866 in den Londoner philharmonischen Konzerten mit dem Klavierkonzert h-Moll op. 89 von Johann Nepomuk Hummel unter der Leitung von Sterndale Bennett. Von Beginn an begeisterte sie dabei Publikum und Presse. „The Times London“ schrieb über das Konzert: „The soloplayer, Mdlle. Mehlig, from Hanover, is an artist in the strictest sense of the word. [...] It is a pleasure in itself to listen to such unerring accuracy of manipulation, such crispness of touch, such fullness of tone, and accentuation so marked and satisfying. Mdlle. Mehlig’s success was as legitimately obtained as it was unequivocal.” („Die Solistin, Mdlle. Mehlig aus Hannover, ist eine Künstlerin im eigentlichen Sinne des Wortes. [...] Es ist eine Freude für sich, einer so unbestechlichen Genauigkeit im künstlerischen Handwerk, einem so präzisen Anschlag, einer solchen Klangfülle und einer derart betonten und befriedigenden Akzentsetzung zuzuhören. Mdlle. Mehligs Erfolg war ebenso verdient wie eindeutig.“; „The Times London“ vom 7. Mai 1866, S. 12). Wenige Tage später spielte Anna Mehlig im dritten Konzert der „Musical Society“ Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert d-Moll op. 40. Die Pressereaktionen waren nicht weniger enthusiastisch: „Madlle. Mehlig performed Mendelssohn's Pianoforte Concerto in D minor with so perfect an appreciation of the intention of the composer, and so faultless a mechanism, as to place her at once in the foremost rank of Concerto players. She has not only neat execution, but power and energy when they are required“. („Mdlle. Mehlig interpretierte Mendelssohns Klavierkonzert d-Moll mit einem derart vollkommenen Sinn für die Intention des Komponisten und einer derart fehlerfreien Technik, dass sie sich damit mit einem Mal in die allerersten Ränge der Konzertsolisten gespielt hat. Sie hat nicht nur eine saubere Ausführung, sondern auch Kraft und Energie, dort, wo sie gefordert werden“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1866, S. 312). Im Juli 1866 trat Anna Mehlig in der St. James Hall in einem Konzert des Komponisten Arthur S. Sullivan mit dem Konzert c-Moll für zwei Klaviere (Cembali) BWV 1060 von Johann Sebastian Bach (gemeinsam mit Franklin Taylor) sowie mit Ignaz Moscheles' „Collections of Ireland“ op. 69 auf. Bis 1869 konzertierte Anna Mehlig jeden Sommer in London, so z. B. im Mai 1867 mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert d-Moll op. 40, im Juni 1868 mit Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert E-Dur op. 110 und 1869 – im Rahmen der Popular Concerts im Crystal Palace – mit Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll op. 79.


    Im Frühjahr 1869 kam Anna Mehlig als Schülerin zu Franz Liszt. Nachdem sie am 1. März 1869 sein Klavierkonzert Es-Dur H 4 im Rahmen der akademischen Konzerte in Jena gespielt hatte, bezeichnete sie Franz Liszt in einem Brief-Bericht über das Konzert an Caroline von Sayn-Wittgenstein als seine „quasi élève“ (vgl. Liszt, Bd. 6, S. 210). Wenige Tage später, am 16. März 1869, schrieb Franz Liszt an Caroline von Sayn-Wittgenstein, Anna Mehlig gehöre nun zu seinen neuen Schülerinnen (vgl. Liszt, Bd. 6, S. 212). Wie lange und in welchem Umfang Anna Mehlig von Franz Liszt unterrichtet wurde, ist bislang unbekannt. Die Verbindung zwischen den beiden blieb jedoch vermutlich bis zu seinem Tod bestehen.


    Zwischen 1869 und 1873 hielt sich Anna Mehlig jeweils in der Winter-Saison in den USA auf, kehrte zwischenzeitlich aber regelmäßig nach Deutschland zurück. Vermutlich debütierte sie im November 1869 in New York und bereits wenige Monate später, im März 1870, schrieb die „New York Times” über die Pianistin, Miss Anna Mehlig sei „an artist whose reputation for intelligence of reading and exceptional correctness and finish of execution has been established after comparatively few hearings“. (Anna Mehlig sei „eine Künstlerin, die bereits nach vergleichsweise wenigen Auftritten für verständnisvolles Erfassen und eine außergewöhnliche Präzision und Vollendung in der Ausführung stünde“; „The New York Times“ vom 5. März 1870, S. 4) In der Winter-Saison 1870/1871 unternahm Anna Mehlig gemeinsam mit dem Theodore Thomas' Orchestra eine Tournee durch Nordamerika und trat dabei z. B. im Oktober 1870 in der New Yorker Steinway Hall mit Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54 unter der Leitung von Theodore Thomas auf („The New York Times“ vom 1. Oktober 1870, S. 5). Im April 1871 spielte sie – immer noch unter der Leitung von Theodore Thomas – in Hagenbuch's Opera House in Allentown (Pennsylvania). Mit einem Konzert in der New Yorker Steinway Hall unter der Leitung von Theodore Thomas beendete Anna Mehlig – sehr zum Bedauern der Öffentlichkeit – diese Saison-Tournee: „Miss Mehlig, whose talent as a pianist of the highest eminence has received a cordial recognition throughout her extended tour in America, will leave here very many warm friends and admirers. These will, no doubt, gladly avail themselves of the opportunity of hearing her for the last time, while hoping to welcome her back at a no distant day.“ („Miss Mehlig, deren Talent als erstrangige Pianistin während ihrer ausgedehnten Tournee durch ganz Amerika herzliche Anerkennung gefunden hat, wird hier viele enge Freunde und Bewunderer zurücklassen. Diese werden ohne Zweifel freudig die Möglichkeit nutzen, sie ein letztes Mal zu hören, in der Hoffnung, dass sie eines nicht zu fernen Tages zurückkehren wird.“; „The New York Times“ vom 16. Mai 1871) Zwei Jahre später, im Mai 1873, beendete Anna Mehlig die Wintersaison in den USA mit einem Konzert – wiederum in der New Yorker Steinway Hall –, bei dem sie gemeinsam mit Anton Rubinstein „Andante und Variationen“ B-Dur op. 46 für zwei Klaviere von Robert Schumann spielte: „It is superfluous to say that this very fine composition was capitally played by both executants, Miss Anna Mehlig, who goes to Europe to-day, proving herself a worthy associate of the eminent artist”. („Es ist überflüssig zu sagen, dass dieses herrliche Werk von beiden Interpreten großartig gespielt wurde. Miss Anna Mehlig, die heute nach Europa zurückkehrt, zeigte sich als eine würdige Partnerin des herausragenden Künstlers”; „The New York Times“ vom 17. Mai 1873, S. 6). Aus unbekannten Gründen trat Anna Mehlig anschließend nicht mehr in den USA auf.


    Anna Mehlig ließ sich vermutlich zunächst in Stuttgart nieder und konzertierte wieder in Deutschland und den europäischen Musikzentren. Im Winter 1873/1874 unternahm sie eine größere Konzertreise durch Russland und das Baltikum (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ 1874, S. 109) und trat dabei z. B. am 13., 17. und 26. Januar 1874 in Riga sowie in Königsberg auf. Auch im Januar 1876 und im Oktober 1878 war sie im Rigaer Gewerbeverein sowie im dortigen Theater zu hören. Näheres über diese Konzertreisen ist bislang nicht bekannt. Gleichzeitig wandte sich Anna Mehlig wieder London zu. Zwischen 1875 und 1879 trat sie regelmäßig in den Popular Concerts und dem Crystal Palace auf, wirkte als Solistin in den Konzerten der „London Philharmonic Society“, gab eigene Klavierabende in der St. James's Hall und konzertierte nun auch verstärkt als Kammermusikerin. Im Crystal Palace spielte sie im Oktober 1875 das Klavierkonzert e-Moll op. 11 von Frédéric Chopin und ein Jahr später, am 18. November 1876 das Klavierkonzert f-Moll op. 16 von Adolf Henselt unter der Leitung von August Manns. Die Musical Times schrieb darüber: „Miss Mehlig's performance was a thing to be remembered, both for its faultless accuracy and for the excellent appreciation she showed of the spirit of the music; a finer rendering has seldom, if even been heard.“ („Miss Mehligs Interpretation war etwas, woran man sich erinnern wird und zwar sowohl aufgrund ihrer fehlerfreien Genauigkeit als auch aufgrund ihres herausragenden Verständnisses für den musikalischen Sinn dieser Musik; eine schönere Wiedergabe wurde selten, wenn überhaupt jemals gehört.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1876, S. 695). Im November 1877 konzertierte sie dort mit Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert h-Moll op. 89 („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1877. S. 591f.) und wiederum ein Jahr später mit Ferdinand Hillers Klavierkonzert fis-Moll op. 69 („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1879, S. 645f.).

    Lediglich ein einziges Kammermusikkonzert ist in dieser Zeit nachweisbar, auch wenn dessen Besetzung vermuten lässt, dass Anna Mehlig regelmäßig in kammermusikalischen Besetzungen auftrat. Im November 1877 spielte Anna Mehlig in den Monday Popular Concerts in der St. James’s Hall gemeinsam mit der Geigerin Wilma Neruda und dem Cellisten Alfredo Piatti das Trio c-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy („The Times London“ vom 15. November 1877, S. 4; MT vom 1. Dezember 1877, S. 591f.).


    Im Jahr 1880 heiratete Anna Mehlig den Kaufmann Rudolf Falk und ließ sich mit ihm in Antwerpen nieder. Ihre enorme Popularität, die sie in den USA bis 1974 aufgebaut hatte, lässt sich u. a. daran ablesen, dass ihre Hochzeit auch in der „New York Times“ vermerkt wurde (vgl. „The New York Times“ vom 11. Juli 1880, S. 7). Wie es scheint, pausierte Anna Mehlig daraufhin einige Jahre lang – Konzerte sind in dieser Zeit nicht nachweisbar –, kehrte dann aber auf das Podium zurück. In der Winter-Saison 1885/86 hielt sie sich erstmals wieder in London auf und spielte dort im Dezember 1885 im „Union Concert” (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1886, S. 34). Im Februar 1887 trat sie als Solistin im Crystal Palace auf (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1887. S. 151f.). Auch zwei Jahre später war sie in der Winter-Saison in London zu hören. Im November 1889 spielte sie bei einem Konzert im Crystal Palace Beethovens Klavierkonzert Es-Dur op. 73 sowie Franz Liszts „Campanella”. Dass sie zu dieser Zeit nichts von ihren pianistischen Fähigkeiten verloren hatte, zeigt die Rezension des Konzerts in der „Musical Times“: „Madame Anna Falk-Mehlig was the pianist at this Concert, and gave a delicate and refined performance of Beethoven's Concerto in E flat (No. 5) for pianoforte and orchestra.“ („Madame Anna Falk-Mehlig war die Solistin des Konzerts und gab eine feinfühlige und ausgezeichnete Interpretation von Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (Nr. 5).“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1889, S. 724) Im gleichen Jahr, 1889, trat Anna Mehlig auch als Klavierbegleiterin des Cellisten Friedrich Grützmacher bei einem Konzert in Riga auf.


    Über das weitere Leben von Anna Mehlig ist kaum etwas bekannt. Bis 1914 lebte sie in Antwerpen, wo sie und ihr Mann nach wie vor Kontakt zu Franz Liszt hatten. Ihre Weimarer Kommilitonin Amy Fay berichtete über die Aufführung einer Messe von Franz Liszt während der Weltausstellung in Antwerpen im Sommer 1885: „there were such a crowd that the people fairly fought to get a look at him. He was hurried into a carriage by Mehlig and her husband and wheeled off to luncheon” („es war dort eine solche Menschenmenge, dass die Leute ordentlich kämpften, um einen Blick auf ihn werfen zu können. Er wurde von Mehlig und ihrem Mann in einen Wagen gedrängt und rollte zum Mittagessen davon“.; Amy Fay, zit. n. McCarthy 1995, S. 104) Aus unbekannten Gründen – möglicherweise nach dem Tod ihres Mannes – zog Anna Mehlig 1914 nach Berlin. Ob sie in Antwerpen und Berlin Schülerinnen bzw. Schüler unterrichtete und inwieweit sie im allgemeinen wie im gesellschaftlichen Leben verankert war, ist bislang unerforscht. Anna Mehlig starb am 16. Juli 1928 in Berlin.


    Während ihrer Zeit als Pianistin erhielt Anna Mehlig mehrere Auszeichnungen: sie wurde in New York zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Konzerte ernannt und trug den Titel einer Königlich-Württembergischen Hofpianistin.

    Würdigung

    Anna Mehlig zählte zu den herausragenden Pianistinnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und konnte sich sowohl im deutschen wie im anglo-amerikanischen Konzertleben als Solistin etablieren. Sie stand in Kontakt mit dem englischen Komponisten Arthur S. Sullivan, trat als Kammermusikpartnerin der Geigerin Wilma Neruda sowie der Cellisten Alfredo Piatti und Friedrich Grützmacher auf und konzertierte gemeinsam mit dem Pianisten Anton Rubinstein. Anna Mehlig trug den Titel einer Königlich-Württembergischen Hofpianistin und wurde von der New York Philharmonic Society zu deren Ehrenmitglied ernannt.

    Rezeption

    Zur Zeit werden die Tätigkeiten von Anna Mehlig kaum rezipiert. Lediglich in Zusammenhang mit Forschungen über Franz Liszt wird ihr Name hin und wieder erwähnt.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste lässt sich aufgrund fehlender Informationen zur Zeit nicht erstellen. Nachgewiesen sind bislang die Aufführungen folgender Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Konzert c-Moll für zwei Klaviere (Cembali) BWV 1060.

    Beethoven, Ludwig van. Choralfantasie c-Moll op. 80.

    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert e-Moll op. 11.

    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll op. 21.

    Henselt, Adolf. Klavierkonzert f-Moll op. 16.

    Hiller, Ferdinand. Klavierkonzert fis-Moll op. 69.

    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert h-Moll op. 89.

    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert E-Dur op. 110.

    Liszt, Franz. Klavierkonzert Es-Dur H 4.

    Liszt, Franz. Klavierkonzert a-Moll H 6.

    Liszt, Franz. „La Campanella“ (Six Grandes Etudes de Paganini Nr. 3).

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert g-Moll op. 25.

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert d-Moll op. 40.

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klaviertrio c-Moll op. 66.

    Moscheles, Ignaz. „Recollections of Ireland“ op. 69.

    Moscheles, Ignaz. Klavierkonzert g-Moll op. 60.

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert d-Moll KV 466.

    Rubinstein, Anton. Klavierkonzert d-Moll op. 70.

    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll op. 54.

    Schumann, Robert. Andante und Variationen B-Dur für 2 Klaviere op. 46.

    Weber, Carl Maria von. Konzertstück f-Moll op. 79.

    Quellen

    Literatur

    Artikel „Mehlig, Anna”. In: Musikalisches Konversations-Lexikon. Hermann Mendel, August Reissmann (Hg.). Bd. 7. Berlin: Verlag Robert Oppenheim, 1877.


    Artikel „Mehlig, Anna”. A Dictionary of Music and Musicians. George Grove (Ed.). London: Macmillan, mehrere Auflagen 1879-1890.


    Artikel „Mehlig, Frl. Anna“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon: nebst Geschichte des Rigaer Theaters und der Musikalischen Gesellschaft. Moritz Rudolph (Hg.). Riga: Kymmel, 1890.


    Artikel „Mehlig, Anna (verh. Falk)“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon. Paul Frank, Wilhelm Altmann (Hg.). 12., sehr erw. Aufl. Leipzig: Merseburger, 1926.


    Artikel „Mehlig, Anna“. In: Hugo Riemanns Musiklexikon. Alfred Einstein (Hg.). 11. Aufl. Berlin, 1929.


    Artikel „Falk=Mehlig, Anna“. In: Deutsches Zeitgenossenlexikon: biographisches Handbuch deutscher Männer und Frauen der Gegenwart. Franz Neubert (Hg.). Leipzig: Schulze, 1905.


    Artikel „Falk-Mehlig, Anna“. In: Lexikon der Frau. Bd. 1. Zürich: Encyclios Verlag AG, 1954.


    Ehrlich, Albert Payne (Hg.). Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 116 Biographien und 114 Portraits. Leipzig: Verlag von A. H. Payne, 1893.


    Jung, Franz Rudolf (Hg.). Franz Liszt in seinen Briefen. Frankfurt am Main: Athenäum 1988.


    Liszt, Franz. Briefe. Gesammelt und herausgegeben von La Mara. 8 Bände. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1893-1905.


    McCarthy, Margaret William. Amy Fay. America’s Notable Woman of Music. Michigan: Harmonie Park Press, 1995.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikalische Zeitung. Neue Folge II (1864). Nr. 21 vom 25. Mai 1864. S. 370-374.

    Allgemeine Musikalische Zeitung V (1870), Nr. 39 vom 28. September 1870. S. 312

    Allgemeine Musikalische Zeitung XIII (1878). Nr. 48 vom 27. November 1878. S. 762-766.


    Dwight's journal of music. Vol. XXIX. Nr. 18 vom 20. November 1869. S. 142.

    Dwight's journal of music. Vol XXXI. Nr. 21 vom 13. Januar 1872. S. 163-164.

    Dwight's journal of music. Vol XXXIV. Nr. 26 vom 3. April 1875. S. 413.

    Dwight's journal of music. Vol XXXVI. Nr. 19 vom 23. Dezember 1876. S. 357.

    Dwight's journal of music. Vol. XXXVI. Nr. 20 vom 6. Januar 1877. S. 368.

    Dwight's journal of music. Vol. XXXIX. Nr. 997 vom 5. Juli 1879, S. 112.

    Dwight's journal of music. Vol. XL. Nr. 1019 vom 8. Mai 1880, S. 76.


    Monatschrift für Theater und Musik VII (1861). Nr. 22 vom 2. Juni 1861. S. 341-344.

    Monatschrift für Theater und Musik X (1864). Nr. 23 vom 4. Juni 1864. S. 361-363.

    Monatschrift für Theater und Musik XI (1865). Nr. 16 vom 22. April 1865. S. 254.

    Monatschrift für Theater und Musik XI (1865). Nr. 22 vom 3. Juni 1865. S. 347.


    Musical world. Vol. 45. Nr. 21 vom 25. Mai 1867. S. 336-337.

    Musical world. Vol. 45. Nr. 48 vom 30. November 1867. S. 809.

    Musical world. Vol. 46. Nr. 15 vom 11. April 1868. S. 252.

    Musical world. Vol. 47. Nr. 5 vom 30. Januar 1869. S. 70.

    Musical world. Vol. 48. Nr. 50 vom 10. Dezember 1870. S. 822.

    Musical world. Vol. 49. Nr. 44 vom 4. November 1871. S. 712.

    Musical world. Vol. 49. Nr. 47 vom 25. November 1871. S. 759.


    Neue Zeitschrift für Musik 70 (1874) vom 23. Januar 1874, S. 40.

    Neue Zeitschrift für Musik 70 (1874) vom 13. März 1874, S. 109.

    Neue Zeitschrift für Musik 70 (1874) vom 26. Juni 1874, S. 262.


    Niederrheinische Musik-Zeitung. XI (1863). Nr. 16 vom 18. April 1863. S. 127.


    The Musical Times 13 (1866). Nr. 280 vom 1. Juni 1866. S. 312.

    The Musical Times 14 (1869). Nr. 316 vom 1. Juni 1869. S. 115.

    The Musical Times 14 (1869). Nr. 317 vom 1. Juli 1869. S. 142.

    The Musical Times 17 (1875). Nr. 393 vom 1. November 1875. S. 266.

    The Musical Times 17 (1876). Nr. 406 vom 1. Dezember 1876. S. 695.

    The Musical Times 18 (1877). Nr. 418 vom 1. Dezember 1877. S. 591f.

    The Musical Times 20 (1879). Nr. 442 vom 1. Dezember 1879. S. 645f.

    The Musical Times 21 (1880). Nr. 448 vom 1. Juni 1880. S. 298.

    The Musical Times 27 (1886). Nr. 515 vom 1. Januar 1886. S. 34.

    The Musical Times 28 (1887). Nr. 529 vom 1. März 1887. S. 151f.


    The New York Times vom 10. Mai 1871.

    The New York Times vom 16. Mai 1871.


    The Times London vom 7. Mai 1866, S. 12

    The Times London vom 20. Mai 1867, S. 12.

    The Times London vom 15. November 1877, S. 4.

    The Times London vom 7. Mai 1879, S. 6.

    Forschung

    Mehrere frühe Briefe von Anna Mehlig befinden sich im Nachlass des Komponisten und Pianisten Gustav Barth in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a. M., zwei Briefe von ihr an Joseph Joachim sind im Staatlichen Institut für Musikforschung in Berlin erhalten. Ferner befinden sich Briefe von ihr an bislang unbekannte Adressaten in der Theatersammlung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Die vergleichsweise gut dokumentierte Konzerttätigkeit in London und New York, wie sie in diesem Artikel hervorsticht, stellt aller Wahrscheinlichkeit nach keinen geografischen Schwerpunkt der Konzerttätigkeit von Anna Mehlig dar, sondern liegt an der digitalen Verfügbarkeit entsprechender Tageszeitungen wie „The New York Times“ und „The Times London“.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Anna Mehlig umfasst sowohl die gesamte biografische Forschung zu ihrer Person sowie alle ihre Tätigkeitsbereiche. Über ihr Studium am Stuttgarter Konservatorium und bei Franz Liszt in Weimar ist nahezu nichts bekannt. Konzerte von ihr sind zwar im anglo-amerikanischen Bereich vergleichsweise zahlreich nachzuweisen, Studien zu Programmen, Repertoire und Rezeption fehlen allerdings überwiegend. Ihre Konzertätigkeit außerhalb dieser Länder ist bislang nur rudimentär erfasst. Über ihre künstlerischen und privaten Kontakte ist ebenso wenig bekannt, wie über eine mögliche Unterrichtstätigkeit und eventuelle Anstellungen. Die Jahre nach ihrer Heirat in Antwerpen sowie die Berliner Jahre ab 1914 liegen völlig im Dunkeln.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 47528459
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116993715

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Januar 2008 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 18.01.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Anna Mehlig“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 18.1.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Anna_Mehlig