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  • Anna Magdalena Bach

    von Ingeborg Allihn
    Namen:
    Anna Magdalena Bach
    Geburtsname: Anna Magdalena Wilcke
    Lebensdaten:
    geb. in Zeitz,
    gest. in Leipzig,
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Mitglied der Hofkapelle in Köthen; Cembalistin; Notenkopistin
    Charakterisierender Satz:

    „…zumahln da meine itzige Frau gar einen sauberen Soprano singet…“


    Brief von Johann Sebastian Bach vom 28. Oktober 1730 an seinen Jugendfreund Georg Erdmann in Danzig. (Quelle: Zentrales historisches Staatsarchiv Moskau; Bach-Dokumente I, Nr. 23).


    Profil

    Aus dem Leben Anna Magdalena Bachs sind nur wenige Fakten überliefert. Ihr noch 1790 nachgewiesenes Porträt, gemalt vom Künstler Cristofori, ist genauso wie die Familienkorrespondenz verschollen. Als überhaupt erste Frau wurde sie im Sommer 1721 am Hof zu Köthen als Fürstliche Sängerin angestellt. Auch nachdem sie am 3. Dezember 1721 den verwitweten Hofkapellmeister Johann Sebastian Bach geheiratet hatte und so mit zwanzig Jahren Mutter der vier Kinder aus dessen erster Ehe geworden war, übte sie bis zur Übersiedlung nach Leipzig am 22. Mai 1723 ihren Beruf weiter aus. In Leipzig betätigte sie sich neben ihren Aufgaben als Mutter von vier Stiefkindern und 13 eigenen, in den Jahren 1723 bis 1742 geborenen Kindern (von denen sieben unmittelbar nach der Geburt oder im frühkindlichen Alter starben) als Vorsteherin eines großen Hausstandes und als Kopistin von Werken ihres Mannes. Als Sängerin trat sie in privatem Rahmen und auf Gastspielreisen auf. Dass Johann Sebastian Bach trotz seiner Verpflichtungen als Thomaskantor und Lehrer von Privatschülern sowie trotz der zahlreichen Zusammenkünfte mit durchreisenden Musikern „noch Zeit und Konzentration für seine kompositorische Arbeit aufbrachte, ist vielfach bewundert und bedacht worden. Über die Belastungen, denen Anna Magdalena Bach ausgesetzt war, schweigen Historie und Historiker.“ (zitiert nach Hans-Joachim Schulze, Zumahln da meine itzige Frau gar einen sauberen Soprano singet…, in: Anna Magdalena Bach. Ein Leben in Dokumenten und Bildern, Leipzig 2004, S. 13) Sowohl das fragmentarisch überlieferte „Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin Anno 1722“ als besonders auch das 1725 angelegte Notenbuch – beide dokumentieren die Zuneigung zwischen Johann Sebastian und Anna Magdalena Bach – zeigen, dass Anna Magdalena im Instrumentalspiel nicht ungeübt war. Zu ihrem persönlichen Leben und Erleben gibt es nur wenige Zeugnisse. So berichtet Johann Elias Bach, der Neffe und Privatsekretär Johann Sebastian Bachs, in einigen Briefen, dass sie „eine große Liebhaberin von der Gärtnerey ist“ und „gelbe Nelken“ bevorzugt. Auch sei sie „eine große Freundin von dergleichen Vögeln“ (gemeint sind abgerichtete Hänflinge). (zitiert nach Evelin Odrich/Peter Wollny, Die Briefentwürfe des Johann Elias Bach, Hildesheim 2000, S. 92 und 140). Nach Bachs Tod 1750 besorgte sie bis zum Dienstantritt des Nachfolgers die Sonn- und Festtagsmusiken in den Leipziger Hauptkirchen. Auch übertrug sie, da kein Testament vorlag, einem Kurator die Rechtsvertretung für ihre Person u.a. bei der Erbteilung des Nachlasses von Johann Sebastian Bach. In der Leipziger Hainstraße verbrachte Anna Magdalena Bach zusammen mit ihren beiden jüngsten Töchtern und wahrscheinlich der 42jährigen Stieftochter Catharina Dorothea ihre letzten Lebensjahre. Am 27. Februar 1760 starb sie als „Almosenfrau“. Der Begriff suggeriert ärmste Verhältnisse, was aber so wohl nicht stimmt. Möglicherweise wurde Anna Magdalena in Johann Sebastian Bachs Grab beigesetzt. Die wenigen Zeugnisse ihres Daseins, ein Ring, ein Fingerhut und eine Schuhschnalle, befanden sich in der Johanniskirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

    Orte und Länder

    Als Sängerin wirkte Anna Magdalena Bach von 1721 bis 1723 am Hof zu Köthen. In Leipzig, wo sie von 1723 bis 1760 lebte, beschränkte sich ihre Gesangsausübung weitgehend auf private Kreise.

    Biografie

    Anna Magdalena Bach wurde am 22. September 1701 als Anna Magdalena Wilcke in Zeitz geboren. Sie war die jüngste Tochter des Johann Kaspar Wilcke (um 1660-1731) und seiner Ehefrau Margarethe Elisabeth, geb. Liebe (um 1666-1746) und gehörte einer Musiker-Dynastie an: Der Großvater mütterlicherseits, Andreas Liebe, war Organist und Schulmeister, der Großvater väterlicherseits, Stephan Wilcke, war ebenfalls Musiker; ihr Onkel, Johann Siegmund Liebe, übte das Amt des Hoftrompeters sowie des Hof- und Stadtorganisten in Zeitz aus; ihr Vater, Johann Caspar Wilcke wirkte als Hof- und Feldtrompeter in Zeitz. Nach der Übersiedlung der Familie Wilcke nach Weißenfels erhielt Anna Magdalena bei der Sängerin Christiane Pauline Kellner eine Gesangsausbildung, die möglicherweise schon in Zeitz begonnen hatte. 1720 oder im ersten Halbjahr 1721 gastierte sie zusammen mit ihrem Vater am Hof zu Zerbst. Im Sommer 1721 wurde Anna Magdalena Bach als Fürstliche Sängerin am Hof in Köthen angestellt. Am 3. Dezember 1721 heiratete sie den verwitweten Johann Sebastian Bach und wurde Mutter von dessen vier Kindern aus erster Ehe: Catharina Dorothea (13 Jahre), Wilhelm Friedemann (11 Jahre), Carl Philipp Emanuel (7 Jahre) und Johann Gottfried Bernhard (6 Jahre). Ihren Beruf als Hofsängerin übte sie weiter aus. So wirkte sie z. Bsp. am 10. Dezember 1722 im Schloss zu Köthen bei der Aufführung von J. S. Bachs „Serenada“ zum Geburtstag von Fürst Leopold, „Durchlauchtster Leopold“ BWV 173a, mit. Auch scheint sie eine versierte Cembalo-Spielerin gewesen zu sein, denn schon bald nach der Hochzeit legte Johann Sebastian Bach das nur fragmentarisch überlieferte „Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin Anno 1722“ an. 1725 widmete er ihr ein zweites Noten-Büchlein. Noch in Köthen wurde im Frühjahr 1723 ihr erstes Kind geboren, das jedoch bereits 1726 starb. Zwölf weitere Kinder kamen in Leipzig zur Welt. Von ihnen erreichten nur sechs das Erwachsenenalter. Am 22. Mai 1723 siedelte die Familie nach Leipzig über, wo Bach das Amt des Thomaskantors übernommen hatte. Sie bewohnten den südlichen Flügel der Thomasschule direkt neben der Thomaskirche, der ab 1731 grundlegend umgebaut wurde. Carl Philipp Emanuel Bach berichtete 1775, dass die Wohnung, in der nicht nur die Privatschüler sondern zahlreiche durchreisende Musiker ein- und ausgingen, „einem Taubenhause u. dessen Lebhaftigkeit vollkommen“ geglichen habe. (zitiert nach Bach-Dok. III, Nr. 803) Neben ihren Verpflichtungen als Mutter und Hausfrau des sehr großen Hausstandes betätigte sich Anna Magdalena Bach in Leipzig nur noch in häuslichem Rahmen und zu privaten Anlässen als Sängerin. Zu Gastspielen allerdings kamen sie und ihr Mann im Juli 1724, im Dezember 1725 und im Januar 1728 nach Köthen zurück. Auch begleitete sie ihren Mann zu einer Orgelprüfung am 21. September 1732 nach Kassel. Zum Besuch ihrer Verwandten weilte sie mehrfach (dokumentiert sind der 7. und 14. November 1739) in Weißenfels.

    Beim Kopieren von Noten unterstützte sie ihren Mann aktiv. In Leipzig besaß sie einen engen Freundeskreis, zu dem u. a. ihre „Herzens Freündin“ und Nachbarin Christiana Sybilla Bose gehörte. Anna Magdalena Bachs Patenschaften sind ein Spiegel ihrer persönlichen Kontakte, aber auch ihrer gesellschaftlichen Verbindungen. Belegt ist sie als Patin bei Johann Christian Hahn, dem Sohn des fürstlichen Kellerknechtes, in Köthen am 25. September 1721; bei der Tochter (der Vorname ist nicht überliefert) des fürstlichen Bediensteten Andreas Palmarius, in Köthen am 29. September 1721; bei Anna Christina Birckenhahn, der Tochter des Stadtsoldaten Johann Tobias Birckenhahn, in Leipzig am 11. November 1731; bei dem Sohn (Vorname nicht überliefert) des Leipziger Feldtrompeters Johann George Berlich, in Leipzig am 9. August 1739; bei der Tochter (Vorname nicht überliefert) des Leipziger Glockengießers Georg Leonhardt, in Leipzig am 18. August 1739: bei einer Tochter (Vorname nicht überliefert) des Leipziger Damastwirkers Johann David Lauterwaßer, in Leipzig am 16. März 1740; bei ihrer in Berlin am 11. September 1747 getauften Enkelin Anna Carolina Philippina, der Tochter Carl Philipp Emanuels (möglicherweise war Anna Magdalena hier anwesend); bei Johann Jacob Kleinpaul als Patenvertretung für die Frau des Leipziger Bürgermeisters, Christina Elisabeth Küstner, in Leipzig am 3. November 1752.

    Ab April 1738 bemühte sich Johann Elias Bach, der Neffe und Privatsekretär Johann Sebastian Bachs, um „gelbe Nelken“ für Anna Magdalena Bach, die er „eine große Liebhaberin von der Gärtnerey“ nannte (zitiert nach: s.o.). Am 14. Juni 1740 versuchte er, ihr einen abgerichteten Hänfling zu beschaffen, denn sie sei „eine große Freundin von dergleichen Vögeln“ (zitiert nach: s.o.). Im August 1741 erkrankte Anna Magdalena Bach so schwer, dass „wir nicht anders meynten, wir würden sie zu unserem größten Leidwesen gar verliehren“, schreibt Johann Elias Bach an den in Berlin weilenden Johann Sebastian Bach (zitiert nach Oldrich/Wollny, a.a.O., S. 165).

    Am 28. Juli 1750 starb Bach. Spätestens im Februar 1751 zog Anna Magdalena Bach mit ihren beiden jüngsten Töchtern Johanna Carolina (13 Jahre) und Regina Susanna (8 Jahre) sowie möglicherweise ihrer Stieftochter Catharina Dorothea in die Hainstraße. Sie bat am 15. August 1750 die Leipziger Ratsherren um das Gnadenhalbjahr, bei dem das Kantorengehalt ein halbes Jahr lang weiter gezahlt wurde. Der Rat äußerte Bedenken: Bach habe vor Beginn seiner Amtszeit bereits einen Vorschuss erhalten, der jetzt verrechnet werden müsse. Sie bekam dennoch zwei Quartale. Darüber hinaus war ihre Versorgung durch eine Unterstützung von der Stadt Leipzig und von der Universität abgesichert, ferner durch etliche Legate, besonders das Graffsche Legat, und durch gelegentliche Spenden. Da sie auf eine Wiederverheiratung verzichtet hatte, wurde ihr am 21. Oktober 1750 die Vormundschaft über ihre vier noch unmündigen Kinder (Johann Christoph Friedrich, 18 Jahre; Johann Christian, 15 Jahre; Johanna Carolina, 12 Jahre; Regina Susanna (9 Jahre) übertragen. Vor der offiziellen Erbteilung am 11. November 1750 wurde Bachs musikalischer Nachlass verteilt. Anna Magdalena bekam die Stimmen des Choralkantatenjahrgangs neben weiteren Musikalien. Bei der Erbteilung erhielt sie ein Drittel des Nachlasses. Am 19. Februar 1752 wurde „Frau Capellmeisterin Bachin“ als Kollektorin für Carl Philipp Emanuel Bachs „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“ (Berlin 1753) genannt (zitiert nach Bach-Dok. III, Nachtrag zu Nr. 654, S. 622). Am 27. Februar 1760 starb Anna Magdalena Bach im Alter von 58 Jahren in Leipzig. Sie wurde am 29. Februar auf dem Johannisfriedhof wahrscheinlich im Grab ihres Mannes beerdigt.

    Würdigung

    Erst in den letzten Jahrzehnten hat das Bild von Anna Magdalena Bach erkennbar realistische Konturen erhalten. Dank etlicher Publikationen ist sie aus dem Schatten ihres Mannes herausgetreten. Erkennbar wird eine außergewöhnliche Frau, eine Künstlerin, Weggefährtin und Mitarbeiterin ihres Mannes, zudem eine Mutter vieler Kinder und Vorsteherin eines großen Haushaltes.

    Rezeption

    Als 1903 Richard Batka im Münchner Kunstwart-Verlag das „Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach“ in einer dem handschriftlichen Original angenäherten Ausgabe herausbrachte, wurde die deutsche musikinteressierte Öffentlichkeit zum ersten Mal auf Anna Magdalena, Bachs zweite Ehefrau aufmerksam. 1930 folgte die deutsche Ausgabe der „Kleinen Chronik der Anna Magdalena Bach“, ohne allerdings den Namen der englischen Verfasserin Esther Meynell und den originalen englischsprachigen Titel ihres bereits 1925 in London erschienen Buches zu erwähnen. Die deutschen Leser glaubten daher, sie würden eine tatsächliche und nicht eine fiktive Biografie lesen. Und sie lasen mit Begeisterung und verinnerlichten ein überaus rührseliges Bild der Anna Magdalena Bach. Das Gegenbild hierzu lieferte 1967 der deutsch-italienische Film „Chronik der Anna Magdalena Bach“ (Regie: Danielle Huillet und Jean-Marie Straub) mit Christine Lang-Drewanz als Anna Magdalena und Gustav Leonhardt als Johann Sebastian Bach. Seither haben sich immer wieder MusikwissenschaftlerInnen mit Bachs zweiter Frau beschäftigt - vornehmlich im Zusammenhang auch mit anderen Themen. Erst Anna Magdalena Bachs 300. Geburtstag im Jahr 2001 beförderte das öffentliche und wissenschaftliche Interesse deutlich und sichtbar. So brachte die Stadt Leipzig, initiiert von einer Leipziger Frauengruppe, am 22. September 2001 an der Hauswand Thomaskirchhof 18 eine Gedenktafel an: „An diesem Ort lebte Anna Magdalena Bach von 1723 bis 1750. Die ehemals fürstliche Hofsängerin war die zweite Ehefrau von Johann Sebastian Bach und Mutter einer großen Kinderschar. Ihre Handschrift findet sich in einer Vielzahl von Notenmanuskripten Bachscher Kompositionen. Johann Sebastian Bach hat seiner Frau die Notenbüchlein von 1722 und 1725 gewidmet.“ Zur gleichen Zeit konnte man im Bachmuseum im Bose-Haus (Thomaskirchhof 16) eine Ausstellung mit Dokumenten und Bildern zum Leben von Anna Magdalena Bach besuchen, zusammengestellt und kommentiert von Maria Hübner. In ihrem Buch „Anna Magdalena Bach. Ein Leben in Dokumenten und Bildern“ (siehe Quellen) wurde dann zum ersten Mal alles nachweisbare biografische Material (Dokumente, anderweitige Quellen usw.) zusammengetragen und veröffentlicht. „Damit“, schreibt Christoph Wolff im Vorwort, „soll einer ungewöhnlichen und allzu wenig gewürdigten Frauengestalt der Musikgeschichte endlich Gerechtigkeit widerfahren.“

    Werkverzeichnis

    Verzeichnis der von Anna Magdalena Bach kopierten Musikalien

    (nach: Anna Magdalena Bach. Ein Leben in Dokumenten und Bildern, a.a.O., S. 137-140)


    Werke von Johann Sebastian Bach


    „Es ist das Heil uns kommen her“ BWV 9, Bassus (Continuo, Dublette, ab Rezit. „Doch musste das Gesetz erfüllet werden“).

    Quelle: Pierpont Morgan Library New York, Cary Collection.


    „Meine Seufzer, meine Tränen“ BWV 13, Violino I, Violino II.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 69.


    „Wär Gott nicht mit uns diese Zeit“ BWV 14, Continuo (älterer Stimmensatz).

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 398.


    „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ BWV 26, Mitwirkung bei den Vokalstimmen (Sopran, Alt, Tenor, Bass).

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig (in Verwahrung), aus dem Besitz der Thomasschule St Thom 26.


    „Liebster Jesu, mein Verlangen“ BWV 32, Violino I.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 67.


    „Jesu, nun sei gepreiset“ BWV 41, Violino I (Dublette, Satz 1-3).

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig (in Verwahrung), aus dem Besitz der Thomasschule, St Thom 41.


    „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ BWV 58, Violino I (Satz 1 und 5).

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig (in Verwahrung), aus dem Besitz der Thomasschule, St Thom 58.


    „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 62, Violone (Satz 3-6).

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig (in Verwahrung), aus dem Besitz der Thomasschule, St Thom 62.


    „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ BWV 111, Violino I und II (jeweils teilweise).

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 399.


    „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ BWV 151, Violino II.

    Quelle: Kunstsammlung auf der Veste Coburg, Sign. V. 1109,2.


    „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ BWV 226, Sopran (Chor II) ab „Der aber die Herzen forschet“.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 121.


    Messe in h-Moll (Missa) BWV 232, Violoncello.

    Quelle: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Mus. 2405 D 21, Aut. 2.


    Matthäus-Passion BWV 244, Violino I (Chor I, außer Arie „Erbarme dich, mein Gott“), Continuo (Chor I und II, jeweils Dublette).

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 110.


    Orgelsonaten C-Dur BWV 529 und G-Dur BWV 530.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 272.


    Ouverture c-Moll BWV 831a.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 226.


    Wohltemperiertes Clavier, Teil I (Müllersches Autograph), ab Fuge cis-Moll BWV 849 (Takt 50, ;2. Hälfte) bis Fuge a-Moll BWV 865 (Takt 68), mit Korrekturen von Wilhelm Friedemann Bach.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 202.


    Wohltemperiertes Clavier Teil I, Präludium C-Dur BWV 872a, Präludium und Fuge d-Moll BWV 875.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 226.


    Wohltemperiertes Clavier Teil II (Londoner Autograph),

    Präludium und Fuge c-Moll BWV 871, d-Moll BWV 875, E-Dur BWV 878 (außer letzte sechs Viertel des Präludiums), G-Dur, BWV 884, Präludium F-Dur BWV 880 (nur erste Seite).

    Quelle: British Museum, London, Add. Ms. 35021.


    Sonaten und Partiten für Violine solo BWV 1001–1006.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 268.


    Suiten für Violoncello solo BWV 1007-1012.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 269.


    Sonate für Violine G-Dur, BWV 1021.

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig, Gorke Slg. 3.


    Konzert für zwei Cembali C-Dur BWV 161a, Cembalo I und II.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 139.


    Clavierbüchlein für Anna Magdalena Bach, begonnen 1722, daraus möglicherweise Menuette aus der Suite c-Moll BWV 813 und G-Dur BWV 841.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 224.


    Clavier- oder Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, begonnen 1725, daraus (Werke verschiedener Komponisten, Zählung wie bei NBA): 3-11 (BWV 691), 14, 15, 20b (BWV 515, Bass von J. S. Bach geschrieben), 22-26 (BWV 988/1, 27-29 (BWV 846/1), 30 (BWV 812), 31 (BWV 813, unvollständig), 33 (BWV 516), 34 (nach BWV 82), 35 (BWV 514), 36, 38 (nach BWV 82), 39b (BWV 452), 40-42 (nach BWV 513), das Gedicht „Ihr Diener, werte Jungfer Braut“, die zweiten Generalbassregeln „Einige Reguln vom General Baß“.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 225.


    Fragment einer Violoncellostimme (Violoncello oblig.) aus einem bislang nicht identifizierten Concerto in A-Dur, auf der Rückseite der von J. S. Bach geschriebenen Partitur zur Kantate „Ich geh und such mit Verlangen“ BWV 49.

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach P 111.



    Werke anderer Komponisten


    Johann Ludwig Bach

    „Mache dich auf“, Violino II (S. 2 und 3).

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 314.


    Johann Bernhard Bach

    Ouverture, Viola (S. 1 unten bis S. 2).

    Quelle: Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin PK, Mus. ms. Bach St 320.

    Quellen

    Dokumente


    1. Eintrag der Taufe von Anna Magdalena Wilcke am 23. September 1701 in der Schlosskirche zu Zeitz.

    Quelle: Evangelische Kirche St. Michael Zeitz.


    2. Eintrag zur Trauung von Anna Magdalena und Johann Sebastian Bach Köthen, 3. Dezember 1721.

    Quelle: Evangelische Kirchengemeinde St. Jakob Köthen.


    3. „Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin Anno 1722“. Johann Sebastian Bach hat unter den von Anna Magdalena Bach geschriebenen Titel die Titel von drei Büchern aus seinem Bestand geschrieben.

    Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin PK, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv, Mus. ms. Bach P 224.


    4. Kammerrechnung, aus der das Gastspiel von Anna Magdalena und Johann Sebastian Bachs in Köthen am 18. Juli 1724 und ihre Besoldung hervorgehen: „Dem Director Musices Bachen und seiner Ehefrauen, so sich höhren lassen zu ihrer abfertigung rthl 64“.

    Quelle: Dessau Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Kammerrechnungen 1724/25 (Ausgabe), S. 26.


    5. Eine Musette unbekannter Herkunft aus dem zweiten Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach in ihrer späten Handschrift.

    Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin PK Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv, Mus. ms. Bach P 225.


    6. Der Anfang der in den frühen 1730er Jahre entstandenen Handschrift der Violinsonate G-Dur BWV 1021 zeigt, dass es sich um eine Gemeinschaftsarbeit zwischen Anna Magdalena (Notenschrift) und Johann Sebastian Bach (Titel, Satzbezeichnungen und Bezifferung) handelt.

    Quelle: Bach-Archiv Leipzig,


    7. Ende Dezember 1741, 1742 oder 1743 schenkt Anna Magdalena Bach ihrer „Herzens Freündin“ Christiana Sybilla Bose eine Bibel. Auf der rechten Innenseite hat Anna Magdalena Bach ihren Besitzvermerk geschrieben, auf der linken steht der Widmungstext.

    Quelle: Leipzig Bach-Archiv Rara I.2.


    8. Als Anna Magdalena Bachs Sohn Johann Christoph Friedrich zum Jahreswechsel 1749 das Elternhaus verlässt, um nach Bückeburg zu gehen, schenkt sie ihm zum Weihnachtsfest 1749 eine Luther-Bibel mit einer Widmung. Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin PK, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv, ohne Signatur.


    9. Eigenhändig von Anna Magdalena Bach am 7. Oktober 1752 geschriebene Quittung über 5 erhaltene Taler aus dem Graffschen Legat.

    Quelle: Leipzig Stadt-Archiv, Stift XII. G 4b (Acta, Das Graffsche Legatum betr. De Anno 1738 [bis 1754], Vol II), Bl. 223r.


    10. Im Ratsleichenbuch ist für den 29. Februar 1760 das Begräbnis von Anna Magdalena Bach eingetragen. (Zeile 4 und 5) Es wird vermutet, dass sie in der Grabstätte ihres Mannes auf dem Kirchhof der Johanneskirche ihre letzte Ruhestätte fand.

    Quelle: Leipzig Stadt-Archiv, Leichenbücher, Leipzig SGM, Des allergnädigst privilegierten Annalisten Zehntes Stück. Den 6. März 1760, S. 149, 151, in: Des mit denen neuesten Stadt- Land- und Weltgeschichten beschäftigten Annalisten Vierzehnter Theil. Erst Helffte des Jahres 1760… (Chronik von Heinrich Engelbert Schwartze). Bach-Dokumente III, Nr. 706, 707.




    Gedruckte Quellen und Literatur


    Bach-Dokumente

    (zitiert als Bach-Dok.)


    Band I, Schriftstücke von der Hand Johann Sebastian Bachs, vorgelegt und erläutert von Werner Neumann und Hans-Joachim Schulze, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1963.

    Band II, Fremdschriftliche und gedruckte Dokumente … 1685-1750, vorgelegt und erläutert von Werner Neumann und Hans-Joachim Schulze, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1969.

    Band III, Dokumente zum Nachwirken Johann Sebastian Bachs 1750-1800, vorgelegt und erläutert von Hans-Joachim Schulze, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1972.



    Johann Sebastian Bach, Neue Ausgabe sämtlicher Werke (NBA)


    Serie V, Band 4: Das Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach, Kritischer Bericht von Georg von Dadelsen, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1957.

    Serie VI, Band I: Werke für Violine, Kritischer Bericht von Günter Hauswald und Rudolf Gerber, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1958.

    Weitere Kritische Berichte zu den von A. M. Bach kopierten Werken, siehe oben das Verzeichnis.



    Bach Compendium

    Analytisch-bibliographisches Repertorium der Werke Johann Sebastian Bachs, von Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff


    Bd. I (BC I), Leipzig/Dresden: Edition Peters, 1985.

    Bd. II ( BC II), Leipzig: Edition Peters, 1987.

    Bd. III (BC III), Leipzig: Edition Peters, 1988.

    Bd. IV (BC IV), Leipzig: Edition Peters, 1989.



    Die Musik in Geschichte und Gegenwart

    Allgemeine Enzyklopädie der Musik, 2. neubearbeitete Ausgabe, hg. von Ludwig Finscher, Kassel usw.: Bärenreiter und J. B. Metzler, 1994ff., Sachteil

    Artikel Köthen, Artikel Leipzig, Artikel Weißenfels, Artikel Zeitz, Artikel Zerbst.




    Weitere Sekundärliteratur


    Abend, Barbara: Das Herz kann nicht vergessen. Die fiktive Biografie der Anna Magdalena Bach. Leipzig: Verlag für die Frau, 2004.


    Altner, Stefan: „Wiedergefundene Legat-Quittungsbücher und Matrikelverzeichnisse der Leipziger Thomasschule, die auch die Bach-Zeit berühren“. In: Bach-Jahrbuch 2000. Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff (Hg.). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2000, S. 119-137.


    Dadelsen, Georg von: „Bemerkungen zur Handschrift Johann Sebastian Bachs, seiner Familie und seines Kreises“. In: Tübinger Bach-Studien H. 1. Walter Gerstenberg (Hg.), Trossingen: Hohner-Verlag, 1957.


    Dehnerdt, Eleonore: Die Sängerin: Anna Magdalena Bach. Ein biografischer Roman. Giessen: Brunnen-Verlag, 2011.


    Fröde, Christine: „Die Wohnung Johann Sebastian Bachs in der Thomasschule in Leipzig“. In: Johann Sebastian Bach. Lebendiges Erbe. H. 10. Leipzig: Veröffentlichung der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten J. S. Bach der DDR, 1982.


    Hoppe, Günther: „Musikalisches Leben am Köthener Hof“. In: Christoph Wolff und Ton Koopman (Hg.): Die Welt der Bach-Kantaten, Bd. 2. Stuttgart/Weimar, Kassel: J.B. Metzler u. Bärenreiter, 1997, S. 64-81.


    Ders.: Zur Haustrauung Johann Sebastians und Anna Magdalena und zur „Nottaufe“ Christiana Sophia Henriette Bachs. In: Cöthener Bach-Hefte 12 (2004). Köthen, 2004.


    Hübner, Maria: Anna Magdalena Bach. Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Zusammengestellt und erläutert von Maria Hübner. Mit einem biographischen Essay von Hans-Joachim Schulze. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2004.


    Hübner, Maria: „Eine große Liebhaberin von der Gärtnerey“. Anna Magdalena zum 300. Geburtstag“. In: Bach-Jahrbuch 2001, Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff (Hg.). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2001. S. 173-177.


    Hübner, Maria: Zur finanziellen Situation der Witwe Anna Magdalena Bach und ihrer Töchter. In: Bach-Jahrbuch 2002, Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff (Hg.). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2002, S. 245-255.


    Meynell, Esther: Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach. Leipzig: Koehler & Amelang, 1930.


    Odrich, Evelin/Wollny, Peter (hg. und kommentiert): Die Briefentwürfe des Johann Elias Bach (1705-1755). Hildesheim usw.: Georg Olms, 2000 (=Leipziger Beiträge zur Bach-Forschung 3).


    Schulze, Hans-Joachim: Anna Magdalena Bachs „Herzens Freündin“. Neues über die Beziehungen zwischen den Familien Bach und Bose. In: Bach-Jahrbuch 1997, Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff (Hg.). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 1997. S. 151-153.


    Wolff, Christoph: Johann Sebastian Bach. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2000.


    Wollny, Peter: Tennstädt, Leipzig, Naumburg, Halle – Neuerkenntnisse zur Bach-Überlieferung in Mitteldeutschland. In: Bach-Jahrbuch 2002, Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff (Hg.). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2002. S. 29-60.

    Forschung

    Im Zusammenhang mit Forschungen zu Johann Sebastian Bach erhalten auch Leben und Wirken von Anna Magdalena Bach zunehmend mehr Beachtung. Vorhandene Quellen sind im Wesentlichen ausgewertet worden.

    Forschungsbedarf

    Erst in jüngster Zeit tritt Anna Magdalena Bach aus dem Schatten ihres Mannes. Das Bild einer außergewöhnlichen Frau und Mutter zahlreicher Kinder, einer Künstlerin und aktiven Mitarbeiterin ihres Mannes hat durch intensive Quellenarbeit deutliche Konturen erhalten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 5033042
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    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Ingeborg Allihn


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 03.06.2013


    Empfohlene Zitierweise

    Ingeborg Allihn, Artikel „Anna Magdalena Bach“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 3.6.2013.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Anna_Magdalena_Bach