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  • Anna Caroline de Belleville

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin und Komponistin Anna Caroline de Belleville. Litografie von August Kneisel, Leipzig.
    Namen:
    Anna Caroline de Belleville
    Ehename: Anna Caroline Oury
    Varianten: Anna Caroline de Oury, Anna Caroline de Belleville-Oury, Anna Caroline Emilie Anna Caroline Belleville, Anna Caroline Emilie Anna Caroline Oury, Anna Caroline Emilie Anna Caroline Belleville-Oury, Anna Emilie de Belleville, Anna Emilie de Oury, Anna Emilie de Belleville-Oury, Anna Emilie Emilie Anna Emilie Belleville, Anna Emilie Emilie Anna Emilie Oury, Anna Emilie Emilie Anna Emilie Belleville-Oury
    Lebensdaten:
    geb. in Landshut, Deutschland
    gest. in München, Deutschland

    In der deutschen Lexikografie wird Anna Caroline de Belleville meist unter ihrem Mädchennamen verzeichnet, in der englischen Lexikografie unter ihrem Ehenamen „Anna Caroline Oury“.

    Ihr Geburtsjahr wird überwiegend mit 1808 angegeben. Wie aus Quellen hervorgeht, kam sie jedoch 1816 zehnjährig zu Carl Czerny nach Wien, so dass ein Geburtsjahr 1806 wahrscheinlicher ist.

    Die meisten Lexika geben München als Sterbeort an, der Lexikograf Robert Músiol und einige wenige andere verzeichnen Paris (vgl. Músiol 1888, S. 28).
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Den Reigen musikalischer Ausstellungen in der Adventszeit eröffnete Dem. Belleville, eine bisher noch unbekannt gewesene Virtuosin auf dem Pianoforte, und wir waren recht sehr erfreut, in einem so jugendlichen Alter von einem Frauenzimmer einen so präcisen, kraftvollen und gerundeten Vortrag zu hören. Wenn wir sagen, dass sie das Concert in Es dur von Ries nach allen Kunstforderungen mit dem einstimmigsten Beyfall ausgeführt hat, so lassen wir ihr nur strenge Gerechtigkeit widerfahren. In Variationen von ihrer eigenen Erfindung, welche in bescheidenem modernen Geschmack verfasst sind, und besonders auf ihre Individualität berechnet zu seyn scheinen, zeigte sie hoffnungsvolle Anlagen zur Composition, welche unter einer guten Leitung ganz sicher zur Entwicklung und Ausbildung gedeihen werden, und so dürfte wohl die Meinung aufs neue bekräftigt werden, dass das weibliche Geschlecht eben sowohl zur schaffenden als zur ausübenden Tonkunst geeignet sey.“


    (Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ über einen Auftritt von Anna Caroline de Belleville in Prag; Januar 1821, Sp. 73f.)


    Profil

    Anna Caroline de Belleville galt als so genanntes „Wunderkind“. Ab dem Alter von zehn Jahren erhielt sie ihre musikalische Ausbildung bei Carl Czerny in Wien und konzertierte bereits zu dieser Zeit regelmäßig. Von 1820 bis 1846 lebte Anna Caroline de Belleville vorwiegend als reisende Pianistin und trat u. a. in Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich, Ungarn und Deutschland auf, ab 1831 gemeinsam mit ihrem Mann, dem englischen Geiger Antonio James Oury. Sie galt als brillante Pianistin, die in französisch geprägten Kompositionen z. B. von Henri Herz, Ignaz Moscheles und Friedrich Kalkbrenner einen hohen Grad an Kraft und Virtuosität zeigte. Sie überzeugte Presse und Publikum jedoch auch mit Werken von Ludwig van Beethoven, Johann Nepomuk Hummel und Felix Mendelssohn Bartholdy. Nach mehreren Auftritten im Leipziger Gewandhaus 1830/31 verglich Robert Schumann sie mit der Pianistin Clara Wieck ( Clara Schumann ).


    Von klein auf trat Anna Caroline de Belleville mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit, die ebenfalls begeistert aufgenommen wurden. Darunter finden sich – wie zu dieser Zeit für Virtuosen üblich – zahlreiche Variationen über bekannte Opernthemen und -melodien sowie „Impromptus“, „Nocturnes“, „Mazurkes“, „Valses“, „Sérenades“ und weitere Formen zeitgenössischer Klaviermusik. Mit ihrem zunehmenden Rückzug aus der Öffentlichkeit um 1846 widmete Anna Caroline de Belleville ihre Zeit verstärkt der Komposition. Ihre Werke und Bearbeitungen erschienen in zahlreichen Londoner Verlagen, u. a. bei Williams, Ashbury, Boosey & Sons und Brooks & Co.

    Orte und Länder

    Anna Caroline de Belleville wurde in Landshut geboren und wuchs zunächst in Augsburg auf. Im Alter von zehn Jahren kam sie für ihre weitere musikalische Ausbildung zu Carl Czerny nach Wien und wurde dort im Haus seiner Eltern untergebracht. In den Jahren 1820/21 unternahm sie in Begleitung ihres Vaters eine größere Tournee, die sie u. a. durch Österreich, Ungarn, Deutschland und Frankreich führte, und lebte in den folgenden Jahren vorwiegend als reisende Musikerin. Im Jahr 1831 heiratete Anna Caroline de Belleville den britischen Geiger Antonio James Oury und bereiste bis 1839 gemeinsam mit ihm u. a. Deutschland, Österreich, Russland und Frankreich. Im April 1839 ließ sich das Ehepaar in England nieder und lebte teils in London, teils in Brighton; eine größere gemeinsame Reise führte das Ehepaar 1846/47 nach Italien. Anna Caroline de Belleville starb 1880 entweder in München oder Paris.

    Biografie

    Anna Caroline de Belleville wurde am 24. Juni 1808 (bzw. 1806) in Landshut geboren. Ihre Herkunft ist bislang nicht näher zubestimmen. Mehreren Lexikonartikeln zufolge war Anna Caroline de Belleville die Tochter eines Münchner Operndirektors (Grove 1879f.), in einer Primärquelle wird der Vater als „Bayerischer Kriegssekretär“ bezeichnet (Branberger 1911).


    Anna Caroline de Belleville verbrachte ihre Kindheit in Augsburg und erhielt von einem der Domorganisten ihre erste musikalische Ausbildung. Mit zehn Jahren wurde sie an Carl Czerny nach Wien empfohlen und dort von 1816 bis 1820 von ihm in Klavier und (vermutlich) Musiktheorie und Komposition unterrichtet. Während dieser Zeit lebte sie im Haus der Eltern Carl Czernys, wie dieser in seinen Erinnerungen erzählte: „Im Jahr 1816 nahmen meine Eltern die kleine, damals zehnjährige Ninette [d. i. Anna Caroline de] Belleville in Kost und Wohnung und ich zur musikalischen Ausbildung. Es war eines der seltensten musikalischen Talente, und da sie sich nach dem Willen ihres Vaters der Musik widmen sollte, so hatte ich nun eine Schülerin, welche auch durch zahlreiches öffentliches Produzieren meinen schon ohnehin bedeutenden Lehrerruf vermehrte.“ (Czerny [1968], S. 25) Einige dieser Auftritte wurden auch in Musikzeitschriften besprochen. So berichtete z. B. die „Allgemeine musikalische Zeitung“ im September 1818, dass das „11 jährige Fräulein von Belleville“ am 16. August bei einem Konzert der Sängerin Angelica Catalani im Wiener Redoutensaal mit einem „Rondo brillant“ von Johann Nepomuk Hummel aufgetreten sei („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom September 1818, Sp. 626). Ein halbes Jahr später, am 24. Februar 1819, spielte sie bei einem Benefizkonzert im Theater am Kärntnertor Klaviervariationen von Ignaz Moscheles und „erregte durch ihr ausgezeichnetes Talent allgemeines Erstaunen“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom März 1819, Sp. 199). Ebenfalls 1819 spielte Anna Caroline de Belleville Ludwig van Beethoven dessen Klaviersonate As-Dur (op. 26) vor und Beethoven saß – einem Bericht William Gardiners zufolge – „by the hour, with his long trumpet to his ears, listening to her inimitable touch of his divine adagios” (... „stundenweise mit seinem langen Hörrohr an seinem Ohr und hörte ihrer unnachahmlichen Ausführung seiner göttlichen Adagios zu“; William Gardiner 1832, zit. n. Lockwood 2003, S. 134). Zum Ende ihrer Wiener Studienzeit gab Anna Caroline de Belleville am 1. Dezember 1820 im kleinen Redoutensaal ein Abschiedskonzert und spielte dabei das Klavierkonzert cis-Moll (op. 55) von Ferdinand Ries sowie Klaviervariationen eigener Komposition (vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Januar 1821, Sp. 9).


    Gemeinsam mit ihrem Vater unternahm Anna Caroline de Belleville 1820/21 eine größere Konzertreise, deren erste Station Prag war. Dort spielte sie am 5. Dezember 1820 das Klavierkonzert Es-Dur von Ferdinand Ries sowie wiederum eigene Kompositionen. Ein Rezensent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ urteilte: „Den Reigen musikalischer Ausstellungen in der Adventszeit eröffnete Dem. Belleville, eine bisher noch unbekannt gewesene Virtuosin auf dem Pianoforte, und wir waren recht sehr erfreut, in einem so jugendlichen Alter von einem Frauenzimmer einen so präcisen, kraftvollen und gerundeten Vortrag zu hören. Wenn wir sagen, dass sie das Concert in Es dur von Ries nach allen Kunstforderungen mit dem einstimmigsten Beyfall ausgeführt hat, so lassen wir ihr nur strenge Gerechtigkeit widerfahren. In Variationen von ihrer eigenen Erfindung, welche in bescheidenem modernen Geschmack verfasst sind, und besonders auf ihre Individualität berechnet zu seyn scheinen, zeigte sie hoffnungsvolle Anlagen zur Composition, welche unter einer guten Leitung ganz sicher zur Entwicklung und Ausbildung gedeihen werden, und so dürfte wohl die Meinung aufs neue bekräftigt werden, dass das weibliche Geschlecht eben sowohl zur schaffenden als zur ausübenden Tonkunst geeignet sey.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Januar 1821, Sp. 73f.) In Prag bemühte sich ihr Vater zudem, einen Platz am Konservatorium für seine Tochter zu erhalten. So wurde in einer Generalversammlung des Konservatoriums 1821 „das Einschreiten des k. bayerischen Kriegssekretärs von Belleville“ diskutiert, „welcher seine dreizehnjährige Tochter Anna (die nachmalige berühmte Pianistin Anna Belleville-Oury) dem Konservatorium einverleibt wünschte.“ (Branberger 1911, zit. n. Hoffmann 1991, S. 439) Die Diskussion stand in Zusammenhang mit der Frage, inwieweit das Konservatorium ausländische Studierende aufnehmen solle; vermutlich wurde Anna Caroline de Belleville abgelehnt. Anna Caroline de Belleville setzte daraufhin ihr Klavierstudium in Paris fort, möglicherweise bei Friedrich Kalkbrenner, dessen Kompositionen sie in der Folgezeit häufig aufführte, und kehrte anschließend nach Wien zurück, um dort ihr Klavierstudium bei Andreas Streicher abzuschließen.


    Parallel zu ihrem Studium sowie in den folgenden Jahren bereiste Anna Caroline de Belleville als Pianistin Österreich, Ungarn, Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande. So gab sie z. B. im Sommer 1821 zwei eigene Konzerte in München, das eine im großen neuen Theater, das zweite im Museumssaal: „Auch Dem. Belleville, eine geschickte, geschmackvolle Klavierspielerin, von hier gebürtig, wie der Correspondent vermuthet, aber im Auslande zur Kunst erzogen, gab ein Concert in dem eben benannten Theater [das grosse neue Theater], ein zweytes im Museumssaal. Es ist rühmlich, auf einem hier wenig geachteten, an sich undankbaren Instrumente, wenn nicht ein grosser Ruf vorhergehet, oder grosse Erfindungsgabe in Composition und Fantasie verbunden ist, das zweytemal Zuhörer zu haben.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom September 1821, Sp. 619) Über ein Konzert, das sie im Winter 1821/22 in Frankfurt a. M. gab, schrieb die „Allgemeine musikalische Zeitung“ begeistert: „Die vierzehnjährige Klavierspielerin, Fräulein von Belleville, setzte alles in Erstaunen durch ihr meisterhaftes Spiel. Eine solche Vollendung in diesem zarten Alter gehört zu den seltensten Erscheinungen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Januar 1822, Sp. 23) In dieser Zeit konzertierte Anna Caroline de Belleville auch mit Maria Malibran und Charles de Bériot in Brüssel (vgl. Lahee 1929, S. 282f.) sowie am Hof Louis XVIII in Paris (vgl. „The London Times“ vom 20. Juni 1843, S. 5).


    Im Jahr 1829 kehrte Anna Caroline de Belleville von ihren Reisen nach Wien zurück und gab dort am 29. September ein eigenes Konzert im Theater am Kärntnertor, bei dem sie mit einem von Friedrich Kalkbrenners Klavierkonzerten sowie mit Klaviervariationen von Henri Herz auftrat: „Am 29sten, im Kärnthnerthor-Theater: musikalische Akademie des Fräuleins von Belleville [...], worin sie Pianoforte-Concert von Kalkbrenner und grosse Bravour-Variationen von Heinrich [Henri] Herz vortrug. Die Concertgeberin, hier unter unseren Augen für ihre Kunst gebildet, kehrte nun, nach einer siebenjährigen Abwesenheit, während welcher sie in Deutschland, Frankreich, England und in den Niederlanden belohnende Früchte ihres schönes Talents erntete, wie in ihre zweyte Vaterstadt zurück, und gab uns heute die erfreulichsten Beweise ihrer Riesen-Fortschritte auf der so ruhmvoll begonnenen Laufbahn. Ihr Spiel hat an Kraft, Bravour und Ausdruck noch ungemein gewonnen; ihr Vortrag ist feuriger, präciser, männlich gediegener noch geworden, ohne der Lieblichkeit, Anmuth, Zartheit und all jener feineren Tinten zu entbehren, welche über jedes Tongemälde erst den so überaus reizenden Wechsel von Licht und Schatten verbreiten.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom September 1829, Sp. 618) Im Frühjahr 1830 konzertierte sie – ebenfalls in Wien – mit dem Klavierkonzert C-Dur (op. 100) von Johann Peter Pixis und spielte wiederum „sehr brillante Variationen von eigener Composition“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom September 1830, Sp. 602). In seiner „Geschichte des Concertwesens in Wien“ schrieb Eduard Hanslick 1869 rückblickend, Anna Caroline de Belleville sei neben Leopoldine Blahetka „die beliebteste junge Pianistin der [18]20er Jahre“ gewesen (Hanslick 1869, S. 224); sie wurde von ihm jedoch auch kritisch als Beispiel für eines der zahlreichen so genannten Wunderkinder herangezogen (vgl. Hanslick 1869, S. 224).


    Anna Caroline de Belleville setzte 1829/30 ihre Konzertreise fort. Dabei konzertierte sie u. a. im Sommer 1830 in Warschau, wo sie auch von Frédéric Chopin gehört wurde, sowie in Berlin. In Berlin wurde sie zudem zur königlich-preußischen Hofpianistin ernannt (das Jahr der Ernennung ist derzeit nicht bekannt; zum Titel vgl. Konzertankündigung in „The London Times“ vom 25. Juli 1831, S. 2).


    Am 5. und 15. Oktober 1830 sowie am 13. Januar 1831 konzertierte Anna Caroline de Belleville im Leipziger Gewandhaus (vgl. Dörffel 1884, Anh. S. 88). Sie gab zunächst, am 5. Oktober 1830, ein eigenes Konzert, bei dem sie u. a. das Klavierkonzert C-Dur (op. 100) von Johann Peter Pixis sowie Variationen von Henri Herz spielte. Auch hier zeigte sich die „Allgemeine musikalische Zeitung“ begeistert: „Ihr Spiel ist wahrhaft meisterlich und hat etwas Eigenthümliches. Bravour und Geschmack gehen mit einander Hand in Hand. Wir bewunderten sie in einem Concerte von Pixis, was uns noch ganz neu war, und ergötzten uns an den vortrefflich vorgetragenen Variationen von Herz (Nr. 20), die uns nicht neu waren.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Oktober 1830, Sp. 685) Wenige Tage später, am 15. Oktober 1830, konzertierte sie in den Abonnementkonzerten des Gewandhauses mit dem Klavierkonzert a-Moll (op. 85) von Johann Nepomuk Hummel sowie mit Variationen eigener Komposition (vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom November 1830, Sp. 706) und spielte am 13. Januar 1831, wiederum in den Abonnementkonzerten des Gewandhauses, eines der Klavierkonzerte von Friedrich Kalkbrenner und Klaviervariationen von Johann Peter Pixis: „[...] Alles meisterlich, so dass ihr der verdienteste Beyfall gar nicht entgehen konnte. Wir freuen uns nicht nur ihrer vollendeten Fertigkeit, zu welcher bekanntlich die größte Sicherheit und Präcision gehört, sondern auch einer Frische und Feinheit des Vortrages, die selbst noch im Pianissimo auf das Reizendste zu schattiren weiss.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Februar 1831, Sp. 110) Während ihres Leipziger Aufenthaltes 1830 traf Anna Caroline de Belleville auch die elfjährige Pianistin Clara Wieck ( Clara Schumann ), die zeitgleich, am 8. November 1830, ihr Debüt im Leipziger Gewandhaus gab. Beide Pianistinnen musizierten gemeinsam, und Friedrich Wieck unterzog das Spiel Anna Caroline de Bellevilles in den so genannten „Jugendtagebüchern“ Clara Schumanns einer eingehenden Analyse (Eintrag Friedrich Wiecks vom 5. Oktober 1830; vgl. Köckritz 2007, S. 145). Auch Robert Schumann verglich Anna Caroline de Belleville mit seiner späteren Frau Clara Wieck ( Clara Schumann ), und schrieb in den „Reminiszenzen aus Klara Wiecks letzten Konzerten in Leipzig“: „Sie [Clara Wieck und Anna Caroline de Belleville] sind verschiedene Meister aus verschiedenen Schulen; zueinander gestellt, gehört jene der deutschen, diese der französischen an. Das Spiel der Belleville ist bei weitem technisch-schöner; bei ihr erscheint jede Passage als ein Kunstwerk aus dem Ganzen, bis ins feinste ausgearbeitet, bei Klara als eine verschlungene Arabeske, aber mehr speziell oder charakteristisch. [...] Der Ton der Belleville schmeichelt dem Ohre, ohne mehr in Anspruch zu nehmen, der der Klara senkt sich ins Herz und spricht zum Gemüt. Jene ist dichtend, diese das Gedicht.“ (Schumann [1914], S. 350) In der „Neuen Leipziger Zeitschrift für Musik“ erschien gleich in der zweiten Nummer nach ihrer Gründung anonym („von einem alten Musiker“) ein Beitrag über Anna Caroline de Belleville, den vermutlich Robert Schumann verfasst hatte (vgl. Schumann [1914], Bd. 2, S. 466, Anm. 542). Darin heißt es: „In Wien ward sie namentlich durch Czerny fortgebildet; der alte Andreas Streicher half nach. So trat sie in voller Kunstblüthe in Leipzig auf. [...] Den Kopf ein wenig senkend, woran Kurzsichtigkeit Schuld ist, und die fein gebauten Hände, weiß wie das Elfenbein der Tasten, etwas hoch über die Claviatur haltend, herrscht sie mit Leichtigkeit und Grazie über die spielenden Töne. Ihr Clavierspiel ist, was es sein soll, ein Spielen mit dem Instrument. Die Masse versteht dies Geheimnis nicht. Je krasser die Noten, je heitrer das Gesicht: je toller die Sprünger, je sicherer der Anschlag. Im Ausgearbeiteten, Abgeründeten, vom einfachen Ton an bis zu gegen einander rollenden, blitzesschnellen Doppelgriffen, steht sie anderen Meistern gleich. An Sicherheit der Volubilität übertrifft sie vielleicht alle. Kunstkenner erklären den Vortrag des Cdur-Concertes von Pixis für ihre Meisterleistung, den des Hummel’schen in A moll für die schwächste. Nur das Erste weiß ich.“ („Neue Leipziger Zeitschrift für Musik“ vom 10. April 1834, S. 11)


    Im Sommer 1831 ging Anna Caroline de Belleville nach London. Sie debütierte im Juli 1831 in Her Majesty’s Theatre bei einem Konzert Niccolò Paganinis, beteiligte sich ebenfalls im Juli an einem Wohltätigkeitskonzert im King’s Theatre (vgl. „The London Times“ vom 25. Juli 1831, S. 2) und gab im August 1831 eine eigene Matinée in den Hanover-Square Rooms, bei der sie mit dem Klavierkonzert C-Dur (op. 100) von Johann-Peter Pixis sowie Kompositionen von Henri Herz und Ignaz Moscheles auftrat. Die „London Times“ rezensierte: „This young lady is a pianiste of the very first class, and she possesses a power of hand which is not frequently acquired by female performers. She is a perfect mistress of all the ingenious difficulties which characterize the productions of Pixis, Herz, Moscheles, and other composers of the present German school, and which unquestionably demand more of mere mechanical dexterity than the less glittering, but more solid compositions of Hummel.” („Diese junge Dame ist eine erstklassige Pianistin, und sie besitzt eine Kraft, die bei weiblichen Interpreten nicht häufig anzutreffen ist. Sie ist eine perfekte Meisterin aller genialer Schwierigkeiten, die den Werken Pixis’, Herz, Moscheles und anderer Komponisten der derzeitigen deutschen Schule eigen sind und die zweifelsohne mehr technische Fertigkeiten erfordern als die weniger brillanten, aber solideren Werke von [Johann Nepomuk] Hummel.“; „The London Times“ vom 6. August 1831, S. 2) Auch bei diesem Konzert spielte Anna Caroline de Belleville „some variations of her own composition, remarkable for their elegances and brilliancy.“ („einige Variationen eigener Komposition, die in ihrer Eleganz und Brillanz bemerkenswert sind.”; „The London Times“ vom 6. August 1831, S. 2)


    Im Oktober 1831 heiratete Anna Caroline Belleville den englischen Geiger und Violinpädagogen Antonio James Oury (1800-1883) und nahm den Namen Anna Caroline de Belleville-Oury an.

    Von 1831 bis 1839 unternahmen Anna Caroline de Belleville und ihr Mann gemeinsam mehrere große Konzertreisen u. a. durch Russland, Deutschland, Österreich, Ungarn, Belgien, Holland und Frankreich. Am 5. Juli 1832 spielte Anna Caroline de Belleville im Berliner Königlichen Schauspielhaus als Intermezzo den ersten Satz von Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert a-Moll (op. 85) sowie Klaviervariationen von Henri Herz, und die „Allgemeine musikalische Zeitung“ berichtete: „Frau von Belleville-Oury bewährte ihren Ruf als ungemein fertige Pianoforte-Virtuosin durch den Vortrag des ersten Satzes von Hummel’s A moll-Concert und brillanter Variationen von Herz. Beyde Musikstücke wurden am 5ten July im Königl. Schauspielhause als Zwischenact ausgeführt, und erhielten lebhaften Beyfall.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom August 1832, Sp. 530) Von Deutschland aus reiste das Ehepaar weiter nach St. Petersburg. Einem biografischen Artikel der „London Times“ zufolge, hielten sich Anna Caroline de Belleville und James Oury in den folgenden beiden Jahren in Russland auf (vgl. „The London Times“ vom 20. Juni 1843, S. 5). Im Sommer 1834 konzertierten die beiden wieder in Berlin: „Sonst hörten wir noch die fertige Pianistin Mad. Belleville-Oury und ihren Gatten, einen Violinspieler der französischen Schule von schönem Ton und vorzüglicher Bogenführung, auch bedeutender Technik des Spiels.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Juni 1834, Sp. 381). Anschließend traten sie in Wien auf, wo Anna Caroline de Belleville begeistert empfangen wurde. Auf den Programmen ihrer beiden Konzerte standen u. a. Friedrich Kalkbrenners Klavierkonzert a-Moll (op. 107) und die Klaviervariationen von Henri Herz über den Marsch aus Gioacchino Rossinis „Otello“ sowie mehrere von ihrem Mann gespielte Solostücke: „Mad. de Belleville, die uns schon früher bekannte und geschätzte Pianistin, welche während einer mehrjährigen Kunstreise mit Hrn. Oury [...] sich vermählte, und nun unter diesem Doppelnamen wiederkehrt, veranstaltete im Hofoperntheater zwey Akademieen, worin beyde Gatten ihr schönes Talent entfalteten. Sie trug das Kalkbrenner’sche Concert in A moll und die Variationen von Herz über den Marsch aus Otello, ihr Gemahl aber einen Capriccio-Satz von Bériot, nach Paganini’s Lieblingsmanier gestaltet, vor, mit einer Virtuosität, die nur wünschen liess, dass das eminente Künstlerpaar zur wiederholten Production, um dem Verdachte beschränkter Einseitigkeit zu entgehen, andere, verschiedenartigere Stoffe gewählt haben möchte.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom September 1834, Sp. 600; vgl. auch Hanslick 1869, S. 224) Im Mai 1835 konzertierte das Ehepaar im Theater in Königsberg. Anna Caroline de Belleville spielte dabei Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (op. 73) sowie nochmals die Klaviervariationen über den Marsch aus Gioacchino Rossinis „Otello“ von Henri Herz: „Frau v. Belleville-Oury trug in ihrem Concerte im Theater [...] das grosse Concert von Beethoven aus Es-dur und Variat. brill. von Herz über den Marsch aus Otello wahrhaft vortrefflich vor. Ihr Spiel ist meisterhaft zu nennen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Juni 1835, Sp. 394) Zwei weitere gemeinsame Konzerte fanden im Mai/Juni 1836 in Mannheim statt (vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom Juni 1836, Sp. 360).


    Vermutlich ab Ende 1836/Anfang 1837 hielten sich Anna Caroline de Belleville und ihr Mann vorwiegend in Paris auf. Einen kleinen Einblick in die Pariser Zeit gibt ein Brief Frédéric Chopins, der ihr im Dezember 1842 seine „Valse“ op. 70 Nr. 2 widmete und ihr aus Paris begleitend schrieb: „Quant à la petite Valse que j’ai eu le plaisir de vous écrire, gardez-la, je vous supplie, pour vous. Je ne voudrais pas qu’elle vit le grand jour. Mais ce que je voudrais, ce serait de vous l’entendre jouer, Madame, et assister à une de vos élégantes réunions dans lesquelles vous interprétez si merveilleusement nos maîtres à tous, les grands auteurs comme Mozart, Beethoven et Hummel. L’Adagio de Hummel que je vous ai entendu jouer il y a quelques années à Paris chez M. Erard me sonne encore à l’oreille et je vous assure qu’il y a peu de piano, malgré les grands concerts d’ici, qui puisse me faire oublier le plaisir de vous avoir entendue ce soir-là.” („Was die kleine Valse angeht, die für Sie zu schreiben ich das Vergnügen hatte, behalten Sie sie, ich flehe Sie an, für sich. Ich möchte nicht, dass sie an die Öffentlichkeit gelangt. Aber was ich gerne wollte, das ist zuzuhören, wenn Sie sie spielen, Madame, und einer Ihrer eleganten Versammlungen beizuwohnen, in denen Sie unserer aller Meister so wunderbar interpretieren, die großen Komponisten wie Mozart, Beethoven und Hummel. Das Adagio von Hummel, das ich Sie vor einigen Jahren in Paris bei M. Erard spielen hörte, klingt mir immer noch in den Ohren und ich versichere Ihnen, dass es nur wenige Pianisten gibt, trotz der hiesigen großen Konzerte, die mich die Freude vergessen lassen könnten, dass ich Sie an jenem Abend hörte.“; Brief von Frédéric Chopin an Anna Caroline de Belleville vom 10. Dezember 1842, in: Chopin 1953, S. 125).


    Im April 1839 kehrte das Ehepaar nach England zurück und lebte in den folgenden Jahrzehnten teils in London, teils in Brighton. Anna Caroline de Belleville trat weiterhin regelmäßig als Solistin und Kammermusikerin auf und spielte neben öffentlichen Konzerten auch in den Londoner Salons. So gab sie z. B. im Mai 1840 eine Matinée musicale im Rahmen des Salons von Mr. and Mrs. Perkins, bei der sie Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert g-Moll (op. 25) und Solostücke von Sigismund Thalberg, Frédéric Chopin und Franz Liszt spielte, sowie – gemeinsam mit Franz Liszt (ebenfalls ein Schüler Carl Czernys) – ein Klavierduo von Henri Bertini: „Madame Oury’s talents as a pianiste have been for several years well known and appreciated in the musical circles of London; and her performances yesterday must in no inconsiderable degree enhance the high estimation in which she is held. She gave evidence of her excellence in the highest class of the pianoforte school by the manner in which she played Mendelssohn’s concerto in G minor. But, besides being an elegant and tasteful performer in the truly pure style of pianoforte composition, she possesses in a remarkable degree the manual power and the energy of spirit requisite for giving the effects to compositions replete with those miracles of mechanical execution [...]. The numerous attractions of this concert were heightened by the performance of Liszt, who took part in a pianoforte duet with Madame Oury. The duet was a splendid composition by Bertini [...]. Liszt took the lower part in the duet, and his playing of course imparted a vivid colouring to the piece, though it did not call forth any of his peculiar powers of executions.” („Madame Ourys Fähigkeiten als Pianistin sind seit vielen Jahren den musikalischen Kreisen Londons gut bekannt und werden sehr geschätzt. Und ihr gestriger Auftritt wird die hohe Wertschätzung, die man ihr entgegenbringt, noch beträchtlich steigern. Sie bezeugte ihre herausragende Stellung unter den erstrangigen Pianisten mit ihrem Spiel von Mendelssohns Konzert in g-Moll. Dabei ist sie nicht nur eine elegante und geschmackvolle Interpretin der wahren und reinen Klaviermusik, sondern sie besitzt auch in einem bemerkenswerten Grad physische Kraft und intellektuellen Geist, die notwendig sind, um Kompositionen, die mit jenen Wundern mechanischer Ausführung reichlich versehen sind, den Effekt zu geben. [...] Die zahlreichen Attraktionen des Konzertes wurden noch vergrößert durch den Auftritt von Liszt, der gemeinsam mit Madame Oury ein Klavierduett spielte. Das Duett war eine herrliche Komposition von Bertini [...]. Liszt übernahm den zweiten Part, und sein Spiel verlieh dem Stück natürlich eine lebendige Farbigkeit, auch wenn dieses in keiner Weise seine pianistischen Fähigkeiten weckte.“; „The London Times” vom 28. Mai 1840, S. 5) Am 19. Juni 1843 konzertierte Anna Caroline de Belleville in der Londoner Philharmonic Society unter der Leitung eines Mr. Lucas mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert g-Moll (op. 25) und wurde auch im öffentlichen Konzert begeistert empfangen: „Madame Oury was loudly welcomed on her appearance in the orchestra, and it was impossible for a musical talent to be more completely acknowledged. [...] The best and the most just praise, too, that we could bestow upon her performance of Mendelssohn’s concerto is, that it had all the characteristics of the playing of Mendelssohn himself – firm, equal, brilliant, expressive, and full of mesuing.” („Madame Oury wurde laut empfangen, als sie im Orchester erschien, und bislang wurde keinem musikalischen Talent mehr Anerkennung zu Teil. [...] Das größte und zugleich am meisten gerechtfertigte Lob, das wir ihrem Spiel von Mendelssohns Konzert zukommen lassen können, ist, dass es alle Charakteristika des Spiels von Mendelssohn selbst hatte: souverän, gleichmäßig, brillant, ausdrucksstark und maßvoll.“; „The London Times“ vom 20. Juni 1843, S. 5) Bei einer Matinée musicale am 7. Juli 1845 in den Privaträumen eines Mr. T. Fitzherbert traten Anna Caroline de Belleville, ihr Mann Antonio James Oury und der Violoncellist Hausmann (Vorname unbekannt) als Klaviertrio auf, und Anna Caroline de Belleville spielte Solostücke von Frédéric Chopin und Sigismund Thalberg („The Times London” vom 8. Juli 1845, S. 5).


    Ab 1846 zog sich Anna Caroline de Belleville als Pianistin weitgehend aus dem öffentlichen Konzertleben zurück, gab jedoch weiterhin gemeinsam mit ihrem Mann jährlich eine eigene kammermusikalische Matinée in London, bei der befreundete Musikerinnen und Musiker mitwirkten. Bei einer dieser Matinéen im Juli 1850 standen z. B. Felix Mendelssohn Bartholdys ursprünglich „Andante con variazioni“ betitelten „Variations concertantes“ D-Dur (op. 17) für Klavier und Violoncello (gemeinsam mit Alessandro Piatti), ein Klaviertrio von Charles de Bériot sowie Nocturne und Valse eigener Komposition auf dem Programm, und die „London Times“ berichtete: „Madame Oury, a pianist of high reputation, provided an agreeable programme of vocal and instrumental music for her friends and admirers at her annual matinée musicale. She was assisted by artists of eminence in every department, including Mesdemoiselles Parodi and Ida Bertrand, Madame Giuliani, Signors Gardoni, Brignoli, Ciabatta, Belletti, and M. Jules Lefort (vocalists), M. Godefroid (harp), Signor Piatti (violoncello), M. Oury (violin), and M. Vivier (horn). Madame Oury performed Mendelssohn’s Andante con variazioni, for piano and violoncello, with Signor Piatti; the adagio and finale from a trio of De Beriot with M. Oury (violin) and Signor Piatti (violoncello); a duo concertante, for piano and violin, with M. Oury, and a nocturne and valse of her own composition, in all of which she exhibited the brilliant execution and energetic style which have placed her among the best lady-pianists of the day, and in all of which she elicited the warmest applause.” („Madame Oury, eine hochangesehene Pianistin, bot bei ihrer jährlichen Matinee ein angenehmes Programm vokaler und instrumentaler Musik für ihre Freunde und Bewunderer. Ihr zur Seite standen bedeutende Künstler aus jedem Bereich, darunter Mesdemoiselles Parodi und Ida Bertrand, Madame Giuliani, Signors Gardoni, Brignoli, Ciabatta, Belletti und M. Jules Lefort (Sängerinnen und Sänger), M. Godefroid (Harfe), Signor Piatti (Violoncello), M. Oury (Violine), and M. Vivier (Horn). Madame Oury spielte Mendelssohns Andante con variazioni für Klavier und Violoncello gemeinam mit Signor Piatti (Violoncello), das Adagio und Finale aus einem Trio von De Beriot mit M. Oury (Violine) und Signor Piatti (Violoncello); ein Duo concertante für Klavier und Violine mit M. Oury und eine Nocturne und Valse eigener Komposition; in allem zeigte sie jene brillante Ausführung und jenen dynamischen Stil, die sie unter die besten der heutigen Pianistinnen brachten, und mit allem rief sie den warmherzigsten Applaus hervor.“; „The Times London” vom 3. Juli 1850, S. 5)


    In den Jahren 1846/47 hielt sich Anna Caroline de Belleville in Italien auf (vgl. Artikel „Oury, James“ 2001). Nach ihrer Rückkehr wandte sie sich intensiv der Komposition zu. Wie bereits erwähnt, war sie bereits während ihrer Studienzeit bei Carl Czerny mit eigenen Werken an die Öffentlichkeit getreten, darunter überwiegend Variationswerke für ihre eigenen Konzerte. Nach ihrem Rückzug aus der Öffentlichkeit erschienen zahlreiche dieser Kompositionen sowie weitere Werke in Londoner Verlagen, u. a. bei Boosey & Sons; Brewer & Co und Brooks & Co. Ihr ungefähr 200 Kompositionen und Transkriptionen umfassendes Gesamtwerk besteht im Wesentlichen aus Klaviermusik, wie sie für komponierende Virtuosen der Zeit üblich war: „Grandes Fantaisies“ und „Fantaisies brillantes“ über Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, Vincenzo Bellini, Otto Nicolai, William Balfe, François-Esprit-Daniel Auber, Charles Gounod und Jacques Offenbach, Klaviertranskriptionen und -bearbeitungen bekannter Lieder und Chöre, Sammlungen von Volksliedern und -melodien in Klavierbearbeitungen sowie Impromptus, Nocturnes, Mazurkes, Valses, Sérénades, Souvenirs, Rêveries und weitere Formen zeitgenössischer Klaviermusik. Die meisten ihrer Werke waren dabei für ausgebildete Pianistinnen bzw. Pianisten gedacht. So schrieb z. B. „The Musical Times” 1877 in einer Rezension ihrer Klavierkomposition „Consolation. Rêverie mélodieuse“: „As Madame Oury, although always writing gracefully, does not usually appeal to those gifted only with moderate executive ability, we predict that ‘Consolation’ will prove one of her most popular pianoforte Sketches. The themes are graceful, and the passages with which they are ornamented invariably refined and appropriate.” („Weil sich Madame Oury, auch wenn sie immer galant schreibt, üblicherweise nicht an jene richtet, die nur über mäßige Fähigkeiten verfügen, prophezeien wir, dass ‚Consolation‘ sich als eines ihrer populärsten Klavierstücke erweisen wird. Die Themen sind graziös und die sie verzierenden Passagen ausnahmslos raffiniert und geschmackvoll.“; „The Musical Times” vom 1. September 1877, S. 439) Näheres über die Kompositionen Anna Caroline de Belleville ist jedoch bislang nicht bekannt, obwohl ein größerer Teil von Drucken erhalten ist.


    Anna Caroline de Belleville starb am 22. Juli 1880. Die meisten Lexika geben München als Sterbeort an, Robert Músiol und einige wenige andere verzeichnen Paris (vgl. Músiol 1888, S. 28).

    Würdigung

    Anna Caroline de Belleville galt zwischen ca. 1820 und 1845 als eine herausragende Pianistin, die international konzertierte. Dabei bewegte sie sich am Beginn der ästhetischen Kontroversen des 19. Jahrhunderts genau auf der Grenze zwischen einer österreichisch-deutschen pianistischen Tradition und dem Virtuosentum französischer Prägung. Zeitgenossen wie Robert Schumann und Frédéric Chopin beeindruckte sie mit ihrem virtuosen Spiel so genannter Bravourwerke. So schrieb z. B. Hermann Mendel 1870 in seinem „Conversations-Lexikon“ über Anna Caroline de Belleville: „Die Vorzüge der Belleville-Oury bestanden in einem technisch ausserordentlich entwickelten, fertigen Spiele, zu welchem eine erstaunliche Sicherheit und Präcision im Anschlage und eine Grazie im Vortrag traten, wie sie bei überwiegendem Bravourspiel selten angetroffen wird.“ (Mendel 1870, S. 533) Entsprechend gehörten zum Repertoire Anna Caroline de Bellevilles sowohl Klavierkonzerte von Ferdinand Ries, Johann Nepomuk Hummel und – in späteren Jahren – Felix Mendelssohn Bartholdy wie Variationswerke von Henri Herz und Johann Peter Pixis.

    Ihre kompositorische Arbeit kann erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden. Als gesichert kann jedoch gelten, dass ihre Kompositionen beim zeitgenössischen Publikum überaus beliebt waren und auch von Musikkritikern anerkannt wurden.

    Rezeption

    Der Name der Pianistin Anna Caroline de Belleville ist – nicht zuletzt aufgrund der Begeisterung Robert Schumanns – bis heute in der Musikgeschichtsschreibung präsent. Dennoch geht bislang das Wissen über sie und ihre Tätigkeiten nicht wesentlich über einige wenige, in Lexika erwähnte Fakten hinaus. Von den Kompositionen Anna Caroline de Bellevilles sind, abgesehen von wenigen Rezensionen, bislang kaum mehr als die Titel bekannt (vgl. Biografie), und auch ihre Entwicklung in England ab 1831 ist nahezu unerforscht.

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Verzeichnis der bekannten Kompositionen von Anna Caroline de Belleville (bzw. Anna Caroline Oury) wurde anhand von Publikationen des 19. Jahrhunderts (Hofmeister XIX, Michaelis 1888, Pazdírek 1904ff.) sowie des britischen Verbundkatalogs Copac erstellt. Zahlreiche Drucke ihrer Werke sind in britischen Bibliotheken erhalten. Nur wenige Kompositionen sind mit Opuszahlen versehen, die höchste ist die Zahl op. 185. Verlage und Jahreszahlen der Drucke fehlen häufig in den Bibliotheksangaben. Etliche ihrer Werke gelten derzeit als verschollen. Eine exakte Systematik der Werke – z. B. in der Trennung zwischen eigenständiger Komposition, Fantasie, Bearbeitung und Transkription – ist erst nach weiteren Forschungen möglich. Das hier erstellte vorläufige Werkverzeichnis ist chronologisch nach Druckdaten geordnet. Derzeit nicht zu datierende Werke sind an den Schluss des Verzeichnisses gestellt.



    Introduction et variation, für Klavier, op. 2 (frühe Lithografie, Bayerische Staatsbibliothek München).


    The Douglas polka. London, 1845.


    Souvenirs de Paris. Introduction et Valse. Mailand: Ricordi, 1847.


    The Devonshire Polka. London: Cramer, Beale & Co, 1848.


    Polonaise. London: Cramer, Beale & Co, 1850.


    Grande fantaisie sur des motifs de „Rigoletto“ (Giuseppe Verdi). London: Boosey & Sons, 1854.


    Partant pour la Syrie. Chant national français. Klaviertranskription. London, 1854.


    Home, sweet home. Polka. Klavierbearbeitung. London: Cramer.


    Grande fantaisie brillante sur l’opéra de „Martha“ (Friedrich von Flotow), op. 46. London: Boosey, 1855.


    Adam, Adolphe. Rondo dans l’opéra „Le Bijou Perdu“. Klaviertranskription. London, 1855.


    Alary, G. E. Abramo. Polka et Variations de l’Opéra „Le 3 Nozze“. Klaviertranskription. London 1851, Dresden: Meser, 1852.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Menuett und Trio aus der Symphonie Es-Dur. Klavierbearbeitung. London, 1855.


    Venzano, Luigi. La Gassier valse. Klaviertranskription. London, 1855.


    Le rêve du passée. Romance sans paroles. London, 1855.


    Mazurka brillante. London, 1855.


    Le Rossignol. Valse brillante. London, 1856.


    Fantaisie brillante sur „La Traviata“ de Giuseppe Verdi. London, 1856.

    Verdi, Giuseppe. „La Sicilienne” aus „Les vêpres siciliennes“. Klaviertranskription. London, 1856.


    Balfe, Michael William. The laughing Trio aus „The Rose of Castille“. Klaviertranskription. London, 1857.


    Verdi, Giuseppe. „La mia Letizia”. Cavatina aus „I Lombardi“. Klaviertranskription. London, 1857, 1872.


    Polka de salon „Oberon“, pour le pianoforte. London, 1858.


    Balfe, Michael William. „The convent cell“ aus einer Oper von Balfe. Klaviertranskription. London, 1858.


    Meyerbeer, Giacomo. „Robert toi que j’aime“. Klaviertranskription. London, 1858.


    Grand martial fantaisie on Prussian national airs. London, 1858.


    Grande fantaisie dramatique sur l’opéra „Luisa Miller“ (Giuseppe Verdi), op. 50. London, 1859.


    Grande fantaisie brillante sur des motifs de l’opéra „Les diamants de la couronne“ (François-Esprit-Daniel Auber), op. 55. London, 1859.


    Grande Fantaisie sur des motifs de l’opéra „Les Vêpres Siciliennes“ (Giuseppe Verdi). London, 1859.


    Annie Laurie. Scotch ballad. Klaviertranskription. London: Boosey, 1859.


    Balfe, Michael William. „The power of love“ aus „Satanella“. Klaviertranskription. London, 1859.


    Balfe, Michael William. Romance et Valse aus „Satanella“. Klaviertranskription. London, 1859.


    Balfe, Michael William. „The Pirate’s Song“ from „Satanella“ as a Valse for the pianoforte. London: Boosey & Sons, 1859.


    Donizetti, Gaetano. „Spirto gentil“. Romance aus „La Favorita“. Klaviertranskription. London: Addison, Hollier & Lucas, 1859.


    Meyerbeer, Giacomo. „Air de l’Ombre“ aus der Oper „Dinorah“. Klaviertranskription. London, 1859.


    The Rule Britannia Polka. London: J. B. Cramer & Co, 1860.


    Plaintes de l’Absence. Ballade sans paroles, op. 66. London: Chappell, 1860.


    Grand Galop di Bravura, on the Christy Minstrel Melodies. London: Brewer & Co, 1860.


    Fantaisie brillante. „Il trovatore“ (Giuseppe Verdi). London: Boosey, 1860.


    Santa Lucia. Chanson néapolitaine (Cottrau). Klaviertranskription. London: Boosey & Sons, 1860.


    Fantasia on Jacobite airs. London, 1861.


    Mes Souvenirs d’Écosse. Morceau de Salon. London, 1861; Edinburgh: Paterson & Sons, ca. 1861.


    Fantaisie brillante sur „Un Ballo in Maschera“ (Giuseppe Verdi). London, 1861.


    Fantasia on subjects from George Macfarren’s opera „Robin Hood“. London, 1861.


    Grande Fantaisie sur des motifs de „Faust“ (Charles Gounod). London, 1861.


    Grande Fantaisie sur des motifs de l’opéra „Il Barbiere di Siviglia“ (Gioacchino Rossini), op. 72. London, 1861.


    Haydn, Joseph. Sacred Melodies. „With verdure clad“ und „The Heavens are telling“. Klaviertranskription. London, 1861.


    Verdi, Giuseppe. „E scherzo“ Quintetto aus „Un Ballo in Maschera“. Klaviertranskription. London, ca. 1861.


    Fantaisie de Salon sur des motifs du „Domino Noir“ (François-Esprit-Daniel Auber). London, 1862.


    Fantasia on Julius Benedict’s opera „The Lily of Killarney“. London, 1862.


    Grande Fantaisie sur „Guillaume Tell“ (Gioacchino Rossini). London, 1862.


    Impromptu sur des motifs de „Ruy Blas“ (Howard Glover). London, 1862.


    La Perle de l’exposition. Fantaisie on airs from François-Esprit-Daniel Auber’s Exhibition March. London: Boosey & Sons, 1862.


    Impromptu for the Pianoforte on G. Wurzel’s song „Rosalie, the Prairie Flower“, op. 83. London: Williams, 1862.


    La Chasse de Compiègne, composée sur des Fanfares du XVième siècle. London, 1862.


    The King of Italy’s grand March. Klaviertranskription. London, 1862.


    Benedict, Julius. „I’m alone“, from the opera „The Lily of Killarney“. Klaviertranskription. London: Chappell, 1862.


    Favorite American Melodies. Klaviertranskription, op. 89. London, 1862.


    Blangini, Felice. „Per valli e per boschi“, arrangé en forme de Nocturne pour le Piano, op. 80. London: Chappell, 1862.


    Verdi, Giuseppe. „Oscar“. Mazurka from the opera „Un Ballo in Maschera“. Klaviertranskription. London, 1862.


    Six popular transcriptions for the Piano forte. London, 1863.


    Schira, Francesco. „La Bella Mea“. Canzone aus der Oper „Niccolò de’ Lapi“. Klaviertranskription. London, 1863.


    Fantasia on Otto Nicolai’s opera „The Merry Wives of Windsor“. London, 1864.


    Grand Fantaisie on Charles Gounod’s opera „Mirella“. London, 1864.


    Grand Fantaisie on Giacomo Meyerbeer’s opera „L’Africaine“. London, 1865.


    Sweet Marguerite. „At early ray“. Romance für Singstimme und Klavier. London: Boosey & Co., 1865.


    Souvenir d’Edinburgh. Fantaisie on Scotch airs, op. 118. London, 1865.


    The Brighton Gallop. London, 1865.


    Fantasia on Aimé Maillart’s opera „Lara“. London, 1866.


    Marche Écossaise. London, 1866.


    Spanish Airs. Klaviertranskriptionen. London, 1866.


    Welsh Melodies. Klaviertranskriptionen. London, 1866.


    Grand fantasia on François-Esprit-Daniel Auber’s opera „Masaniello“. London, 1866.


    Fantasia from Jacques Offenbach’s opera „Orphée aux Enfers“. London, 1866.


    Rossi, F. „Ah! rendimi quel cuore“. Arie von F. Rossi (1686). Klaviertranskription. London, 1866.


    Danish Airs. Et Bondebryllup. Klaviertranskription. London, 1866.


    Le Chant du Cygne. Idylle, op. 143. London, 1867.


    Crook, John. Memory and hope. Romance „I’ll sing a song”. Klaviertranskription. London: C. Lonsdale, 1868.


    Scotch Melodies. Klaviertranskriptionen. London, 1868.


    Crown Point. Valse champêtre. London, ca. 1869.


    Fantaisie de Salon sur l'opéra „Norma“ (Vincenzo Bellini), op. 156. London, 1869.


    Bellini, Vincenzo. „Sonnambula“. Klaviertranskription. London, 1870.


    L’Étoile. Nocturne. London, 1871.


    Souvenir de Kellogg. Valse chantante. London, 1871.


    Grand galop from „Rigoletto“ (Giuseppe Verdi). London, 1874.


    Consolation. Rêverie mélodieuse, op. 185. Edinburgh: Paterson & Sons, 1877.


    Carolina. Serenade-valse. London, 1877.


    The Royal Court March. London, 1877.


    Rome et Naples. Mélodies nationales. Klaviertranskription. London, 1878.


    Haydn, Joseph. Rondo all’ Ongarese. Klaviertranskriptionen. London, 1878.


    Pensée d’Amitié. Romance. London: Ascherberg, 1878.


    The Prussian Imperial Bride’s grand polonaise. London: Boosey, 1879.


    Grande valse caprice, op. 182. London: Boosey, 1879.


    Odds & Ends. Quadrilles. London: F. Brooks & Co, 1889.


    Sigh of the South Wind. London: F. Brooks & Co, 1889.


    Laudate Dominum. Fantasia on Sacred Airs. London: F. Brooks & Co, 1890.



    Undatierte Kompositionen, Transkriptionen und Bearbeitungen


    Adeste Fideles („O come, all ye Faithful”). Klavierbearbeitung. London: Williams.


    Andante capriccioso. London: Williams.


    Auld Robin Gray. Klavierbearbeitung. London: Boosey.


    Bluebells of Scotland. London: Boosey.


    Bohemian Girl. London: Boosey.


    Bridal. Polka. London: Cramer.


    Brighton Galop. London: Boosey.


    Brittania. Polka. London: Cramer.


    Chant du patriot. Garibaldi’s hymn. Klavierbearbeitung. London: Williams.


    Corelli, Arcangelo. Gigue et Gavotte. Klaviertranskription. London: Williams.


    Devonshire. Polka. London: Williams (auch für Klavier zu vier Händen).


    Dites-lui (Grand Duchesse). Klavierbearbeitung. London: Boosey.


    Don Giovanni (Wolfgang Amadeus Mozart). Fantaisie de salon. London: Ashdown.


    Duke of York’s March. London: Williams.


    Ernani (Giuseppe Verdi). Fantaisie. London: Boosey.


    Galop de bravura. London: Williams.


    Highland Echoes. Melody. London: Ashdown.


    Jessie, the flower of Dumblane. Fantasia für Klavier.


    Nozze de Figaro (Wolfgang Amadeus Mozart). Fantasia. London: Williams.


    Power of Love. London: Boosey.


    Puritani (Vincenzo Bellini). Fantaisie de salon. London: Ashdown.


    Sunshine. Valse de salon. London: Ashdown.


    Valse brillante. London: Ashdown.


    Valse sympathique sur une pensée de Gioacchino Rossini, op. 59. London: Boosey.


    Rossini, Gioacchino. Prière et Romance d’Otello. Klaviertranskription. London: Ashdown.



    Edition


    Beethoven, Ludwig van. Beethoven’s funeral march. Edited by Made. Oury. London, 1858.

    Repertoire

    Anna Caroline de Belleville wurde häufiger aufgrund ihres – nach Einschätzung zeitgenössischer Rezensenten – eher beschränkten Repertoires kritisiert. Tatsächlich hat es nach derzeitigem Stand der Forschungen den Anschein, dass sie vergleichsweise wenige Kompositionen öffentlich aufführte. Ihr tatsächliches Repertoire war vermutlich jedoch weitaus umfangreicher, wie nicht zuletzt ihre zahlreichen Kompositionen und Bearbeitungen belegen. Eine vollständige Repertoireliste von Anna Caroline de Belleville kann jedoch aufgrund fehlender Forschungen derzeit nicht erstellt werden. Neben ihren eigenen Kompositionen sind Aufführungen folgender Werke zu belegen:



    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Es-Dur, op. 73

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate As-Dur, op. 26


    Bériot, Charles de. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)

    Chopin, Frédéric. Klavierstücke


    Herz, Henri. Klaviervariationen


    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert a-Moll, op. 85

    Hummel, Johann Nepomuk. Rondo brillant

    Kalkbrenner, Friedrich. Klavierkonzert a-Moll, op. 107


    Liszt, Franz. Klavierstücke


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Variations concertantes D-Dur, op. 17 für Klavier und Violoncello

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert g-Moll, op. 25


    Moscheles, Ignaz. Klaviervariationen


    Pixis, Johann Peter. Klavierkonzert C-Dur, op. 100

    Pixis, Johann Peter. Klaviervariationen


    Ries, Ferdinand. Klavierkonzert cis-Moll, op. 55

    Ries, Ferdinand. Klavierkonzert Es-Dur


    Thalberg, Sigismund. Klavierstücke

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Oury, Anna Caroline“. In: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Gustav Schilling (Hg.). 2. Aufl. Stuttgart: Köhler, 1840.


    Artikel „Belleville-Oury, Emilie“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Hermann Mendel; August Reissman (Hg.). Bd. 1. Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1870.


    Artikel „Oury (Madame)“. In: A dictionary of music and musicians. Sir George Grove (Hg.). 4 Bde., 1879 (und folgende Auflagen) (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Oury (Mad.)”. In: A handbook of musical biography. D. Baptie (Hg.). zweite Aufl., 1887 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Belleville-Oury”. In: Conversations-Lexikon der Tonkunst. Robert Músiol (Hg.). Stuttgart: Grüninger, 1888, S. 28.


    Artikel „Belleville (-Oury), Anna Caroline“. In: Musik-Lexikon. Hugo Riemann, Alfred Einstein (Hg.). 9. Auflage. Berlin: Max Hesses Verlag, 1919.


    Artikel „Belleville, Anna Karoline von“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon für Musiker und Freunde der Tonkunst. Paul Frank, Wilhelm Altmann (Hg.). 12. Aufl. Leipzig: Merseburger, 1926 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Belleville-Oury, Anna Caroline de“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.), bearb. v. Alfred Einstein. 1929 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Belleville-Oury, Anna Caroline de“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag, Bd. 1, 1954, Sp. 385.


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    Schumann, Robert. Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. Eine Auswahl. Leipzig: Philipp Reclam jun., o. J.


    Schumann, Robert. Reminiszenzen aus Klara Wiecks letzten Konzerten in Leipzig. In: Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. Martin Kreisig (Hg.). 2 Bände. 5. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1914, 2. Bd., S. 349ff.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine musikalische Zeitung vom September 1818, Sp. 626.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom März 1819, Sp. 199.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Januar 1821, Sp. 9; Sp. 73f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom September 1821, Sp. 619.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Januar 1822, Sp. 23.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom September 1829, Sp. 618.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom September 1830, Sp. 602.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Oktober 1830, Sp. 685.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom November 1830, Sp. 706.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Februar 1831, Sp. 110.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom August 1832, Sp. 530.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Juni 1834, Sp. 381.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom September 1834, Sp. 600.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Juni 1835, Sp. 394.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom Juni 1836, Sp. 360.


    Neue Leipziger Zeitschrift für Musik vom 10. April 1834, S. 11.


    The Musical Times vom 1. September 1877, S. 439.


    The Times London vom 25. Juli 1831, S. 2.

    The Times London vom 6. August 1831, S. 2.

    The Times London vom 28. Mai 1840, S. 5.

    The Times London vom 20. Juni 1843, S. 5.

    The Times London vom 8. Juli 1845, S. 5.

    The Times London vom 3. Juli 1850, S. 5.



    Links


    www.kalliope-portal.de

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographe verzeichnet zwei Briefe von Anna Caroline de Belleville an Andreas Streicher aus dem Jahr 1821 in der Bayerischen Staatsbibliothek München (dort verzeichnet unter dem Namen Ninette de Belleville) sowie einen Brief an Unbekannt vom 12. Oktober 1830 in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden.

    Forschung

    Von den veröffentlichten Kompositionen Anna Caroline de Bellevilles befindet sich ein größerer Teil in britischen Bibliotheken. Zwei Briefe von Anna Caroline de Belleville an Andreas Streicher aus dem Jahr 1821 befinden sich in der Bayerischen Staatsbibliothek München (dort verzeichnet unter dem Namen Ninette de Belleville). Ein Brief an Unbekannt vom 12. Oktober 1830, also aus der Zeit ihrer ersten Auftritte im Leipziger Gewandhaus, wird in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden aufbewahrt.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Anna Caroline de Belleville umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeitsbereiche. Dabei wären als erstes verlässliche Quellen zu eruieren. Forschungen zu ihren Kompositionen, deren Drucken, Aufführungen und Rezeption, könnten den Blick auf das Virtuosentum im 19. Jahrhundert und dessen Bedeutung für das Musikleben erweitern.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 2892091
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 103868615
    Library of Congress (LCCN): nb2007007064
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 8. Juni 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.06.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Anna Caroline de Belleville“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.6.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Anna_Caroline_de_Belleville