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  • Amalie Felsenthal

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Amalie Felsenthal
    Lebensdaten:
    geb. in Iserlohn, Deutschland
    gest. unbekannt

    Die genauen Lebensdaten von Amalie Felsenthal sind bislang nicht bekannt. Ihr Sterbedatum liegt vermutlich nach 1895.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Musikpädagogin, Gesangspädagogin

    Profil

    Die Musikpädagogin und Komponistin Amalie Felsenthal studierte von 1863 bis 1866 Musik am Kölner Konservatorium und arbeitete anschließend sechs Jahre lang als Lehrerin in England. Mitte der 1870er Jahre ließ sie sich in Leipzig nieder, wo sie eine Anstellung als Gesangslehrerin an der von Henriette Goldschmidt geleiteten Bildungs-Anstalt für Kindergärtnerinnen erhielt. Zahlreiche Werke und Sammlungen, darunter mehrere pädagogische Kompositionen, wurden bei Kahnt in Leipzig verlegt.

    Orte und Länder

    Amalie Felsenthal wurde 1841 in Iserlohn geboren. Sie studierte von 1863 bis 1866 am Konservatorium für Musik in Köln und arbeitete anschließend sechs Jahre lang in England (Stadt unbekannt). Nach ihrer Rückkehr ließ sie sich in Leipzig nieder, wo sie 1893 noch ihren Wohnsitz hatte.

    Biografie

    Amalie Felsenthal wurde 1841 in Iserlohn, Deutschland, geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts bekannt. Ab dem Alter von elf Jahren erhielt sie regelmäßigen Klavierunterricht und studierte von 1863 bis 1866 am Konservatorium für Musik in Köln. Dort erhielt sie u. a. Kompositionsunterricht bei Ferdinand Hiller, der zu dieser Zeit Direktor des Konservatoriums war. Noch während der Studienzeit erschienen einige ihrer Klavierkompositionen im Kölner Musikverlag Weber: ein „Jubel-Marsch“ (1865), eine Polonaise (1865) sowie ein Rondeau (1866) – vermutlich studierte Amalie Felsenthal Klavier.


    Nach Beendigung ihres Studiums verbrachte Amalie Felsenthal zunächst sechs Jahre als Lehrerin in England, kehrte anschließend für kurze Zeit nach Iserlohn zurück und ließ sich Mitte der 1870er Jahre in Leipzig nieder. Dort arbeitete sie u. a. als Gesangslehrerin an der „Leipziger Bildungs-Anstalt für Kindergärtnerinnen“ und war Mitglied im „Verein der Musiklehrer und Lehrerinnen zu Leipzig“ (vgl. der Klavierlehrer 1890, S. 138).


    In diesen Jahren veröffentlichte Amalie Felsenthal neben einzelnen Liedern mehrere Werke für Kinder. Besonders bekannt wurden ihre beiden Kinderlieder-Alben (op. 8 und 9), die der Gründerin und Leiterin der Leipziger Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, Henriette Goldschmidt, gewidmet sind und 1881 und 1883 im Leipziger Verlag Gerhard verlegt wurden. Sie enthalten insgesamt 50 ein- und zweistimmige Kinderlieder nach Texten von Hoffmann von Fallersleben, Agnes Garke, Güll, Reinick, Egenter, Grüss, Dieffenbach, Schults, Neumann und Krüsi (Vornamen unbekannt). Die Alben waren weit verbreitet und wurden als Schulwerke in Leipziger Kindergärten und Schulen verwendet. 1890 erschien in London unter dem Titel „Dorothy Songs“ eine englische Ausgabe beider Sammlungen, in der die Notenschrift nach einem System der englischen Musikpädagogin Annie Jessy Curwen (1845-1932) durch Solmisationssilben ersetzt worden war. Auch in Deutschland wurde die englische Ausgabe beim Monatstreffen des Vereins der Musiklehrer und Lehrerinnen zu Leipzig im April 1890 vorgestellt: „Herr Klesse [legte] der Versammlung die Kinderlieder des Vereinsmitgliedes Fräulein Amalie Felsenthal in einer englischen Ausgabe vor, in welcher an Stelle unserer Notenschrift das Curwen’sche Tonic-Fa-Sol-System zur Anwendung gebracht ist, das sich lediglich der bekannten Sol-Fa-Silben und ihrer Anfangsbuchstaben unter Zuhilfenahme von Punkten, Kommas, Strichen etc. bedient und in England bereits eine grosse Verbreitung erlangt hat.“ (vgl. Der Klavierlehrer 13 [1890], S. 138) Antiquarisch sind die Sammlungen bis heute erhältlich.


    Amalie Felsenthal lebte 1893 nach wie vor als Musikpädagogin und Komponistin in Leipzig (vgl. Morsch 1893, S. 48). Im Jahr 1895 erschien ein weiteres Kinderlieder-Album op. 14 im Leipziger Verlag Kahnt. Der weitere Lebensweg von Amalie Felsenthal ist bislang unbekannt.

    Würdigung

    Amalie Felsenthal war ab ca. 1875 vorwiegend als Musikpädagogin und Komponistin sowohl im Leipziger Musikleben als auch überregional präsent: Alfred Michaelis nahm sie 1888 in sein Lexikon „Frauen als schaffende Tonkünstler“ auf, Anna Morsch widmete ihr 1893 in ihrem Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ einen eigenen Artikel, und Franz Pazdírek verzeichnete ihre gedruckten Kompositionen in dem von ihm herausgegebenen „Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker“ (Wien 1904-1910).

    Die Tätigkeiten von Amalie Felsenthal können jedoch erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten von Amalie Felsenthal findet derzeit (Dezember 2008) nicht statt.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Jubel-Marsch für Klavier. Köln: Weber, 1865.


    Polonaise für Klavier. Köln: Weber, 1865.


    Rondeau für Klavier. Köln: Weber, 1866.


    Preussischer Siegesmarsch für das Pianoforte. London, [1871].

    Die Northbourne-Quadrille für Klavier, op. 5. Leipzig: Kahnt, 1882.


    „Mir träumte von einem Königskind“ für eine Singstimme mit Klavier, op. 6. Leipzig: Kahnt, 1882.


    „Das gelbe Laub erzittert“ für eine Singstimme mit Klavier (deutsch u. engl.), op. 7, Leipzig: Kahnt, 1881.


    Kinderlieder-Album. 25 Kinderlieder mit leichter Klavierbegleitung, op. 8. Leipzig: Gerhard, 1881. In englischer Ausgabe: Dorothy's Songs. A Collection of Songs for use in Kindergartens. The words, original and translated by K. T. Sizer. Op. 8 & 9. London: J. Curwen & Sons, 1890.


    Kinderlieder-Album mit leichter Klavierbegleitung. Neue Folge, op. 9, Leipzig: Gerhard, 1883. In englischer Ausgabe: Dorothy's Songs. A Collection of Songs for use in Kindergartens. The words, original and translated by K. T. Sizer. Op. 8 & 9. London: J. Curwen & Sons, 1890.


    Drei kleine Rondos für Klavier: Nr. 1 (G-Dur), Nr. 2 (C-Dur), Nr. 3 (F-Dur), op. 10. Leipzig: Kahnt, 1885.


    Im fröhlichen Kinderkreise. Acht Lieder für eine Singstimme mit Klavier, op. 14. Leipzig: Kahnt Nachf., 1895.

    Quellen

    Literatur


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Der Klavierlehrer 13 (1890), S. 138.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Kompositionen Amalie Felsenthals.

    Forschung

    Von einem Teil der veröffentlichten Kompositionen Amalie Felsenthals befinden sich Exemplare in der British Library London. Ihre pädagogischen Kompositionen sind nach wie vor antiquarisch zu erhalten. Weitere Forschungsinformationen zu Amalie Felsenthal liegen derzeit (Januar 2009) nicht vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Amalie Felsenthal umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche. Eine nähere Betrachtung ihrer Kompositionen sowie Forschungen zu ihrer institutionellen Einbindung in Leipzig könnten dabei sicherlich auch Aufschluss über die Vorstellungen von einer kindgerechten Musikpädagogik im 19. Jahrhundert geben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 50010502
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117737054

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 30. April 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 21.05.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Amalie Felsenthal“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 21.5.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Amalie_Felsenthal