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  • Amalie Birnbaum

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Amalie Birnbaum
    Ehename: Amalie Radwaner
    Varianten: Amalie Radwaner-Birnbaum
    Lebensdaten:
    geb. in Osterode, Ostpreußen (heute: Ostróda, Polen)
    gest. unbekannt

    Das Geburtsjahr folgt den Unterlagen zum Mendelssohn-Preis von 1902 (Prante 1999, S. 29). Spätere Lexikonartikel geben meist 1884 oder 1885 als Geburtsjahre an. Sterbedatum, -jahr und -ort konnten bislang nicht ermittelt werden. Zuletzt wurde Amalie Birnbaum 1945 im „Violins and Violinists Magazine“ (Chicago) erwähnt.
    Tätigkeitsfelder:
    Geigerin, Violinpädagogin, Orchestermusikerin
    Charakterisierender Satz:

    „Frl. Birnbaum spielt mit grossem, kernigem Ton, führt den Bogen schwungvoll und elegant und lässt in allem, was sie vorträgt, lebendiges Musikgefühl erkennen.“


    („Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. Januar 1906, S. 53)


    Profil

    Amalie Birnbaum studierte bei Hugo Olk, Karl Markees und Joseph Joachim an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und erhielt 1903 eine Zuwendung im Rahmen des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatstipendiums. In den folgenden Jahren konnte sie sich im Berliner Musikleben etablieren, konzertierte u. a. mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und spielte in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen. Im Jahr 1912 wanderte sie gemeinsam mit ihrem Mann, Arthur Radwaner, in die USA aus, wo sich das Ehepaar in Chicago niederließ. Dort war Amalie Birnbaum Mitglied mehrerer Orchester, unterrichtete u. a. am Chicago Musical College und der Block School of Music und war auch in den USA als Violinistin überregional bekannt. Um das Jahr 1945 erhielt sie einen Ruf als Violinlehrerin nach Boise, Idaho.

    Orte und Länder

    Amalie Birnbaum wurde in Osterode, damals Ostpreußen (heute Ostróda in Polen), geboren. Im Jahr 1895 kam sie nach Berlin, studierte dort an der Königlichen Hochschule für Musik und konnte sich anschließend im Berliner Musikleben als Geigerin etablieren. Gemeinsam mit ihrem Mann, Arthur Radwaner, wanderte sie 1912 in die USA aus und ließ sich in Chicago nieder; 1945 zog sie aus beruflichen Gründen nach Boise in Idaho.


    Amalie Birnbaum unternahm mehrere Konzerttourneen durch Europa und die USA.

    Biografie

    Amalie Birnbaum wurde am 24. August 1879 in Osterode im damaligen Ostpreußen (heute Ostróda in Polen) als Kind von Gustav und Eva Birnbaum (geb. Levi) geboren. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie von ihrem Vater ab dem Alter von vier Jahren.


    Im Jahr 1895 bestand Amalie Birnbaum die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und begann dort ein Violinstudium. Sie wurde zunächst von Hugo Olk unterrichtet, konnte jedoch bereits ein Jahr später zu Karl Markees wechseln und studierte von 1897 bis 1899 bei Joseph Joachim (vgl. Prante 1999, S. 29). Ostern 1899 verließ Amalie Birnbaum zwar die Berliner Musikhochschule, setzte aber vermutlich ihr Studium privat fort. Dabei bewarb sie sich in den Jahren 1902 bis 1904 um das begehrte Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium, das jährlich für alle Instrumente an den Musikhochschulen Deutschlands ausgeschrieben und jeweils im Oktober vergeben wurde. Im Jahr 1902 spielte sie in diesem Rahmen das Violinkonzert D-Dur (op. 77) von Johannes Brahms, ein Jahr später die Variationen e-Moll von Joseph Joachim und 1904 das Violinkonzert D-Dur (op. 61) von Ludwig van Beethoven. Lediglich im Jahr 1903 erhielt sie eine Zuwendung von 200 Mark. Joseph Joachim urteilte als Mitglied der Jury: „Rein und sauber; gute Bogenführung; sorgfältig, aber ohne Feuer und Schwung. Die technische Bewältigung des schweren Stückes sehr anerkennenswerth. 200 Mark“ (Archiv der Universität der Künste Berlin, Bestand 1, Nr. 5157; zit. n. Prante 1999, S. 30; dort auch die näheren Angaben zum Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium).


    Bereits während ihres Studiums trat Amalie Birnbaum mehrfach auf. So spielte sie z. B. am 13. Oktober 1899 bei einem Konzert der Sängerin Lucie Janzer im Berliner Hôtel de Rome Ludwig van Beethovens Violinromanze F-Dur (op. 50) (vgl. „Vossische Zeitung“ vom 15. Oktober 1899, zit. n. Prante 1999, S. 30). In den folgenden Jahren konnte sie sich vermutlich im Berliner Musikleben als Solistin und Kammermusikerin etablieren, auch wenn ihre Konzerte bislang nur vereinzelt nachzuweisen sind. Sie debütierte am 7. März 1903 mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und konzertierte am 22. Dezember 1903 in einem weiteren Konzert mit dem Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Josef Rebiček im Berliner Beethovensaal. Dabei spielte sie das Violinkonzert D-Dur (op. 77) von Johannes Brahms, den 1. Satz aus dem Violinkonzert d-Moll (op. 44) von Max Bruch sowie das Violinkonzert h-Moll (op. 61) von Camille Saint-Saëns (vgl. Prante 1999, S. 31). Die „Allgemeine Musikzeitung“ rezensierte verhalten: „Frl. Amalie Birnbaums Spiel zeugt von gediegener Schule. Sie ist eine begabte Geigerin und hat ganz Beträchtliches gelernt. Hübscher, voller Ton und gut entwickelte Technik sind ihr eigen. Mit dem Brahms-Konzert hat sie sich an eine schwierige Aufgabe gewagt, der ihre Kräfte zur Zeit noch nicht gewachsen sind. Ausgezeichnet spielte sie dagegen das zweite Konzert (D moll) von Bruch, in dem sie alle ihre Vorzüge zur Geltung brachte.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 8. Januar 1904, S. 26, zit. n. Prante 1999, S. 32) Am 9. Januar 1906 gab Amalie Birnbaum gemeinsam mit der Sängerin Else Vetter im Berliner Beethovensaal ein eigenes Konzert, bei dem sie u. a. das „Rondo capriccioso“ (op. 28) von Camille Saint-Saëns interpretierte: „In einem gemeinsamen Konzert traten am folgenden Abend im gleichen Saale die Geigerin Amalie Birnbaum und die Sängerin Else Vetter auf. Frl. Birnbaum spielt mit grossem, kernigem Ton, führt den Bogen schwungvoll und elegant und lässt in allem, was sie vorträgt, lebendiges Musikgefühl erkennen. Ihre Fingerfertigkeit bedarf noch weiterer Kultur, für die schwierigen Stellen des Saint-Saëns’schen Rondo capriccioso z. B. reicht sie noch nicht aus.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. Januar 1906, S. 53) Die Mitwirkung von Amalie Birnbaum in weiteren Berliner Konzerten ist bis Ende 1910 zu belegen (vgl. Prante 1999, S. 32).


    Im Jahr 1906 hatte Amalie Birnbaum geheiratet. Gemeinsam mit ihrem Mann, Arthur Radwaner wanderte sie 1912 in die USA aus und ließ sich in Chicago nieder. In den folgenden Jahrzehnten lebte sie dort als Geigerin und Violinpädagogin, häufig in Festanstellungen. Über ihr Leben in den USA ist bislang lediglich ein Faktengerüst bekannt: Von 1912 bis 1915 war Amalie Birnbaum Leiterin der Violinklasse am Chicago Musical College (1st teacher) und unterrichtete von 1926 bis 1931 als Violinlehrerin an der Block School of Music. Ab 1934 war sie Mitglied des Chicago Women’s Symphony Orchestra, und ab 1936 Geigerin im Chicago Philharmonic Orchestra. Im Jahr 1938 lebte Amalie Birnbaum in der 5220 Harper Avenue, Chicago III (vgl. Who’s who in American Jewry, S. 98). Das „Violins and Violinists Magazine“ berichtete 1945, dass Amalie Birnbaum eine Stelle als Violinpädagogin in Boise, Idaho, angenommen habe. Zugleich geht daraus hervor, dass sie zu diesem Zeitpunkt überregional als Violinistin anerkannt war (vgl. „Violins and Violinists Magazine“ 1945, S. 269).


    Über den weiteren Lebensweg von Amalie Birnbaum ist bislang nichts bekannt.


    Im Artikel des „Who’s who in American Jewry“ von 1938 wird eine Tochter, Ilse Gerda, nachgewiesen.

    Würdigung

    Die Tätigkeiten von Amalie Birnbaum können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Amalie Birnbaum werden bislang nicht rezipiert.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste kann aufgrund fehlender Forschungen derzeit nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen folgender Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Violinkonzert D-Dur, op. 61

    Beethoven, Ludwig van. Violinromanze F-Dur, op. 50

    Brahms, Johannes. Violinkonzert D-Dur, op. 77

    Bruch, Max. Violinkonzert d-Moll, op. 44

    Joachim, Joseph. Variationen e-Moll

    Saint-Saëns, Camille. Violinkonzert h-Moll, op. 61

    Saint-Saëns, Camille. Rondo capriccioso, op. 28

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Bestand 1: Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, Specialia Nr. 5156-5158 (1902-1904).



    Literatur


    Artikel „Birnbaum, Amalie“. In: Who’s Who in American Jewry: A Biographical Dictionary of Living Jews of the United States and Canada. New York: National News Association, 1938, S. 98.


    Artikel „Birnbaum, Amalie“. In: The Concise Dictionary of American Jewish Biography. Jacob Rader, Judith M. Daniels (Hgg.). 2 Bde. Brooklyn: Carlson, 1994, Bd. 1, S. 57.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 8. Januar 1904, S. 26.

    Allgemeine Musikzeitung vom 4. Dezember 1908, S. 888.


    Musikalisches Wochenblatt vom 18. Januar 1906, S. 53


    Violins and Violinists’ Magazine. Jg. 7/8 (1945-1947), S. 269.


    Vossische Zeitung vom 15. Oktober 1899.



    Links


    http://www.chicagotribune.com/features/photostore/chi-080402womhistorychi-photogallery%2C0%2C3306001.photogallery?index=12

    Die Website der „Chicago Tribune“ enthält ein Probenfoto des „Chicago Women’s Symphony Orchestera“ von 1938 unter dem Gastdirigenten Erno Rapee.

    Forschung

    Inka Prante hat im Rahmen ihrer Staatsexamensarbeit über „Die Schülerinnen Joseph Joachims“ auf Amalie Birnbaum aufmerksam gemacht und die Quellen im Archiv der Universität der Künste Berlin ausgewertet. Darüber hinaus liegen derzeit keine Forschungsinformationen zu Amalie Birnbaum vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Amalie Birnbaum umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten, darunter ihre Konzerte und Konzertreisen, ihre musikpädagogische Tätigkeiten und ihre Arbeit als Orchestermusikerin.



    Autor/innen

    Silke Wenzel, 23. März 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 02.04.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Amalie Birnbaum“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 2.4.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Amalie_Birnbaum