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    von Silke Wenzel
    Adelina de Lara (1900)
    Namen:
    Adelina de Lara
    Geburtsname: Adelina Tilbury
    Lebensdaten:
    geb. in Carlisle, England
    gest. in Woking, England

    Der Name Adelina de Lara wurde bereits in ihrer Kindheit als Künstlername verwendet. Er greift auf den Mädchennamen ihrer Mutter zurück. Die Zusammensetzung der verschiedenen Vor- und Nachnamen von Adelina de Lara wird in Publikationen unterschiedlich angegeben.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Komponistin, Konzertorganisatorin
    Charakterisierender Satz:

    „There is so much to do – and life is very full.“ („Es gibt so viel zu tun – und das Leben ist so erfüllt.“; Adelina de Lara 1955, S. 218)


    Profil

    Adelina de Lara trat bereits als Kind bei verschiedenen Konzerten und Wettbewerben auf und half den Eltern, den Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie täglich in einem Wachsfigurenkabinett spielte. Früh verwaist, wurde sie durch die Vermittlung von Musikliebhabern der englischen Pianistin Fanny Davies vorgestellt, die sie daraufhin ein Jahr lang auf ein Studium bei Clara Schumann in Frankfurt am Main vorbereitete.

    Nach ihrem erfolgreichen Studium am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main kehrte Adelina de Lara nach England zurück und konnte sich – u. a. dank der Empfehlungen von Clara Schumann – relativ rasch im englischen Konzertleben als Pianistin und Klavierbegleiterin etablieren. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schauspieler Tommy Kingston, bereiste sie die USA, Australien und Ägypten und fand auch in diesen Ländern jeweils Auftrittsmöglichkeiten.

    Ab dem Jahr 1902 ließ sie sich dauerhaft in der Umgebung von London nieder. Neben ihrer Tätigkeit als Pianistin organisierte sie Konzerte, unterrichtete und komponierte. Ein Teil ihrer Kompositionen wurde bei verschiedenen englischen Verlagen herausgegeben. Ferner begann sie relativ früh – der genaue Zeitpunkt lässt sich bislang nicht bestimmen – Radiokonzerte bei der BBC zu geben.

    Bis ins hohe Alter hinein blieb Adelina de Lara aktiv; erst mit 82 Jahren zog sie sich 1954 mit einem Abschiedskonzert in der Wigmore Hall aus dem Konzertleben zurück, um mehr Zeit für ihre Kompositionen zu haben – und um ihre Autobiografie zu schreiben, die 1955 unter dem Titel „Finale“ erschien.

    Orte und Länder

    Adelina de Lara wurde in Carlisle, Nordengland, geboren. Mit 14 Jahren kam sie nach London, um bei Fanny Davies Klavier zu studieren. Von 1886 bis 1891 setzte sie ihr Studium bei Clara Schumann in Frankfurt am Main fort. Anschließend kehrte sie nach England zurück und lebte die meiste Zeit bis zu ihrem Tod in London und der näheren Umgebung. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen ihres Mannes bereiste Adelina de Lara die USA (1896/97), Australien (1899/1900) und Ägypten (1901/1902) und gab in den jeweiligen Ländern auch eigene Konzerte.

    Biografie

    Adelina de Lara, wie sie sich selbst nach dem Mädchennamen ihrer Mutter nannte, wurde am 23. Januar 1872 in Carlisle, England, geboren. Der Vater, George Matthew Tilbury (mit Künstlernamen George Matthew Preston) war von Beruf Kupferstecher und Maler, zudem aber auch ein herausragender Laienmusiker. Die Mutter Anna Laurent de Lara war Sängerin. Von den Eltern schon früh zum Klavierspielen angehalten und vom Vater unterrichtet, gab Adelina de Lara mit sechseinhalb Jahren ihr erstes Konzert und trat anschließend in ihrer Heimatstadt und der Umgebung – in Newcastle-upon-Tyne, Liverpool und anderen kleineren Städten – auf. Zusätzlich spielte sie schon als Kind täglich im Wachsfigurenkabinett von Liverpool, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.


    Als Adelina de Lara elf Jahre alt war verstarben beide Elternteile innerhalb von einer Woche und sie übernahm den Lebensunterhalt für die ältere Schwester. Zwei Jahre lang trat sie regelmäßig in der Kunstgalerie von Newcastle, in der Bildergalerie von York und dem Aquarium in Brighton auf. Mit Hilfe von Musikliebhabern, die sie hörten, wurde Adelina de Lara schließlich an die Clara Schumann-Schülerin Fanny Davies vermittelt, die das Talent der jungen Pianistin sofort erkannte und sie in London, vermutlich privat, ein Jahr lang auf ein Studium bei Clara Schumann vorbereitete. Gleichzeitig kümmerten sich zwei englische Ehepaare – „Mr and Mrs Priestley“ und „Mr and Mrs Johnstones“ – um die Finanzierung des Studiums (de Lara 1955, S. 32). Von 1886 bis 1891 studierte Adelina de Lara bei Clara Schumann am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main und erhielt dort auch Unterricht in Kontrapunkt und Komposition bei Iwan Knorr. Über Clara Schumann lernte sie auch den musikalischen Freundeskreis des Hauses Schumann kennen, darunter Joseph Joachim und Johannes Brahms. In ihrer Autobiografie berichtete sie selbst darüber: „I had not been a student very long before I met Joachim and Brahms – Brahms, whose compositions I was already learning to love. They were the most frequent of all the visitors and I soon learnt that the coming of Brahms made a difference in the home of the Schumanns. Life became gayer, less formal, and it was impossible to keep to strict discipline once he was in the house. [...] Brahms, I soon discovered, took a real interest in Clara Schumann’s pupils, and it was a habit of his to help some of us with his own compositions. After our first encounter he would stand behind me, his hand pressing on my shoulder, to slow or hasten some little phrase. [...] His music had to be played with a full deep tone and this most decidedly in the left hand; he, like Madame Schumann, disliked sentimentality; we must be ‚geistig’, which I can only translate as ‚spiritual’, but never ‚sentimentalisch’, which I personally call ‚sickly’.“(„Ich war noch nicht lange bei Clara Schumann gewesen, als ich Joseph Joachim und Johannes Brahms traf – dessen Kompositionen ich gerade zu lieben begann. Sie besuchten die Schumanns am häufigsten, und ich lernte bald, daß die Ankunft von Brahms das Heim der Schumanns veränderte. Das Leben wurde fröhlicher, weniger formell, und es war unmöglich, eine strenge Disziplin einzuhalten, wenn er da war. [...] Brahms interessierte sich für die Schülerinnen Clara Schumanns, und er pflegte beim Erarbeiten seiner Kompositionen zu helfen. Er stand oft hinter mir, seine Hand auf meiner Schulter, und deutete eine Verlangsamung oder Beschleunigung von Phrasen an. [...] Seine Musik mußte mit einem vollen tiefen Klang gespielt werden, und dies galt besonders für die linke Hand. Wie Madame Schumann mochte er keine Sentimentalität; wir sollten ‚geistig’ spielen, dabei niemals ‚sentimentalisch’.“; de Lara 1955, S. 48ff.; Übersetzung: de Lara 1996, S. 221).


    Nach Abschluss ihres Studiums kehrte Adelina de Lara nach England zurück und debütierte am 21. März 1891 – mit knapp zwanzig Jahren – in den „Saturday Popular Concerts“ in der St. James’s Hall London. Bereits einen Monat später, am 25. April 1891 spielte sie im Crystal Palace Anton Rubinsteins Klavierkonzert d-Moll unter der Leitung von August Manns. Sie trat 1897 mit Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54 auf, gemeinsam mit dem Hallé-Orchester in London unter der Leitung von Charles Hallé und spielte das gleiche Werk fast 50 Jahre später, im Jahr 1945, für die BBC ein. Bereits 1892 hatte sie das Schumann-Konzert bei einem der „Saturday Afternoon Concerts“ im Crystal Palace in Vertretung von Otto Hegner gespielt und die Zeitung „The Queen“ urteilte: „Miss De Lara appeared in his [Otto Hegner’s] stead, and at almost a moment’s notice, and, of course, without previous rehearsal, essayed Schumann’s Pianoforte Concerto, which she played with such facility of execution, breadth of style, and artistic perception, as to call for the heartiest approval. Miss De Lara, in short, has given earnest of a most successful career, and promises soon to become one of our leading pianists.” („Miss De Lara trat anstelle von Otto Hegner auf, nahezu von einem Moment auf den anderen, und versuchte, natürlich ohne vorhergehende Probe, Schumanns Klavierkonzert zu spielen, das sie mit solch einer Leichtigkeit in der Ausführung, stilistischen Breite und künstlerischen Vorstellung darbot, dass sie den herzlichsten Beifall hervorrufen musste. Miss de Lara hat den Auftakt für eine sehr erfolgreiche Karriere gegeben, und scheint bald eine unserer führenden Pianistinnen zu werden.“; „The Queen” 1892, zit. n. de Lara 1955, S. 97; dort ohne nähere Angaben zur Quelle; Übersetzung: Silke Wenzel)

    Als Klavierbegleiterin trat Adelina de Lara mit namhaften Solisten ihrer Zeit auf, darunter der Geiger Joseph Joachim, der Cellist David Popper und die Opernsängerin Emma Albani. Über ein Konzert gemeinsam mit dem Cellisten Edward Howell schrieb der „Daily Telegraph“: „Miss de Lara will produce, for the first time in England, Schumann’s Andante and Variations for two pianofortes, two violoncellos, and horn. This most interesting novelty was printed about a year ago, and thanks are due to the present concert giver for so soon undertaking to make it known. Her more serious efforts, however, were made, with Mr Howell, in Beethoven’s G Minor Sonata for the two instruments, and in the E Minor of Brahms. It was a treat to hear these artists play with absolute unity of purpose and command of all sufficient means.” („Miss de Lara wird – zum ersten Mal in England – Schumanns ‚Andante und Variationen’ für zwei Klaviere, zwei Celli und Horn aufführen. Diese sehr interessante Neuheit wurde erst vor ca. einem Jahr gedruckt und der Dank gilt den Konzertgebern, dass sie es so bald bekannt machen werden. Eine noch beträchtlichere Leistung war das gemeinsame Spiel mit Mr. Howell in Beethovens g-Moll Sonate für die beiden Instrumente und in der e-Moll Sonate von Brahms. Es war ein besonderes Vergnügen, die beiden Künstler in absoluter Einheit hinsichtlich der Zielsetzung und Ausgewogenheit aller Mittel spielen zu hören.“; zit. n. de Lara 1955, S. 92; dort keine näheren Angaben zur Quelle)


    Am 31. Juli 1896 heiratete Adelina de Lara den Schauspieler Tom Kingston und am 10. Mai 1897 wurde ihr Sohn Thomas Alan Kingston geboren, bereits ein Jahr später, am 20. Mai 1898, ihr zweiter Sohn Denis Ewart Kingston. Aufgrund beruflicher Engagements ihres Mannes bereiste Adelina de Lara gemeinsam mit ihm die USA (1896/97), Australien (1899/1900) und Ägypten (1901/1902) und gab in den jeweiligen Ländern auch eigene Konzerte.

    Am 3. Mai 1902 kehrte das Paar nach London zurück. Adelina de Lara konzertierte weiterhin in England und wurde Vizepräsidentin der „Professional Musicians’ Début Society“, die sich um die Förderung junger Talente bemühte und Konzerte vorbereitete. Während des Ersten Weltkrieges organisierte sie zahlreiche Kriegs-Konzerte, in denen sie teilweise selbst auftrat und für die sie patriotische Lieder komponierte. Von Geldsorgen geplagt, trat sie gegen Ende des Krieges auch als Stummfilmpianistin auf.


    Kurz nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Adelina de Lara erste Engagements für Radiokonzerte bei der BBC, wo sie bis 1951 arbeitete. In ihrer Autobiografie schrieb sie selbst 1955 über ihre Tätigkeit bei der BBC: „Nothing has given me such satisfaction and pleasure as my recitals for the BBC, which does so much to help artists, both young and established, besides giving pleasure to millions. People often imagine the lack of an audience and applause must worry me. This is not so. There is no audience in one’s own music-room and one just plays for the love of music. The greater the silence the better one can concentrate. […] Give me the peace and seclusion of the BBC! It does not matter there if one frowns, or smiles, or hardens one’s mouth in a stupendous octave passage. If one’s dress is unbecoming or hair untidy it still does not matter. And one can relax and straighten one’s back during brief intervals. On the concert platform one must be gracious and conventional from beginning to end.” („Es gibt kaum etwas, das mir solche Freude bereitet und mich so befriedigt wie diese Arbeit, die so sehr dazu beiträgt, Künstlern zu helfen – sowohl jungen wie etablierten – und die außerdem Millionen Menschen Freude bereitet. Oft glauben die Menschen, daß das abwesende Publikum und der ausbleibende Applaus mich irritieren. Dies ist nicht der Fall. Man hat ja auch im eigenen Musikraum zu Hause kein Publikum und spielt dort einfach der Musik wegen. Je größer die Ruhe ist, um so besser kann man sich konzentrieren. [...] Gebt mir die Ruhe und Abgeschiedenheit der BBC! Dort spielt es keine Rolle, ob man die Stirn runzelt, lächelt oder den Mund während einer schwierigen Oktavpassage verzieht. Es macht nichts aus, wenn man ein unpassendes Kleid trägt oder die Haare unordentlich sind. Und man kann sich auch während der kurzen Pausen entspannen und den Rücken strecken. Auf der Bühne muß man sich konventionell und vornehm verhalten von Anfang bis Ende.“; de Lara 1955, S. 181; deutsche Übersetzung: de Lara 1996, S. 232f.)


    Gleichzeitig etablierte sich Adelina de Lara als Klavierpädagogin. Von 1918 bis ca. 1920 unterrichtete sie am Londoner „Mathilde Verne College of Music“ das Fach Klavier und gab dort auch Kurse für Harmonielehre. Anschließend nahm sie eine Stelle als Klavierpädagogin an der „Guildford School of Music“ in Woking bei London an. Über den Kreis ihrer Schülerinnen und Schüler ist nahezu nichts bekannt; zu ihren erfolgreichsten Schülerinnen zählte die Pianistin Eileen Joyce (1912-1991).


    Ca. um das Jahr 1902 begann Adelina de Lara zu komponieren, darunter den Liederzyklus „Rose of the World“, der u. a. von Enrico Caruso aufgeführt wurde. Ob sie sich dabei ausschließlich auf ihre Frankfurter Studien bei Iwan Knorr stützte oder nochmals Unterricht in Komposition nahm ist nicht bekannt.


    Bis ins hohe Alter konzertierte Adelina de Lara; sie unterrichtete, komponierte, spielte, schrieb Radiosendungen und organisierte Konzerte zu verschiedenen Anlässen. Im Alter von 82 Jahren und nach über 60 Jahren als erfolgreiche Pianistin, gab sie am 15. Juni 1954 in der Wigmore Hall ihr Abschiedskonzert mit einem Robert Schumann-Abend. Auf dem Programm standen u. a. die „Noveletta“ D-Dur op. 21 Nr. 8, die Sonate fis-Moll op. 11, „Träumerei“ op. 15 und der „Carnaval“ op. 9 (vgl. Programmzettel in de Lara 1955, nach S. 192): „When I appeared upon the platform I was met by a warmth of response which came to me as a wave. I threw my heart, mind and physical energy into my playing that evening. I forgot it was my last recital; I just played for the love of playing Schumann’s music. [...] I am no pianist; I never consider myself a pianist. I see things in music which I want to express, and to pass on. I heard again Clara Schumann’s constant cry: ‚Vision – vision!’ Well, I like to think I have at last acquired it, and I hope I have passed it on to those who listened.“ („Als ich die Bühne betrat, brandete mir die Wärme des Publikums wie eine Welle entgegen. Alles an Herz, Kopf und physischer Energie legte ich in mein Spiel. Ich vergaß, daß es mein letzter Auftritt war, und spielte einfach aus Liebe zu der Musik von Schumann. [...] Ich bin keine Pianistin; ich begreife mich auch nicht als Pianistin. Ich sehe Dinge in der Musik, die ich gerne ausdrücken und weitergeben möchte. Ich hörte noch einmal, wie Clara Schumann so oft gerufen hatte: ‚Vision – Vision!’ Ich möchte gerne glauben, daß ich dies geschafft habe, und ich hoffe, daß ich es auch den Zuhörern und Zuhörerinnen vermitteln konnte.“ (de Lara 1955, S. 216f.; Übersetzung: de Lara 1996, S. 242)


    Adelina de Lara starb am 25. November 1961 in Woking (Südengland, Grafschaft Surrey) im Alter von 89 Jahren.

    Würdigung

    „There is so much to do – and life is very full.“ („Es gibt so viel zu tun – und das Leben ist so erfüllt.“; Adelina de Lara 1955, S. 218)

    – so endet die Autobiografie „Finale“ von Adelina de Lara, die sie mit 83 Jahren schrieb und veröffentlichte. Adelina de Lara war von klein auf daran gewöhnt, Musik als Erwerbsberuf auszuüben und blieb bis ins hohe Alter als Pianistin, Klavierbegleiterin, Klavierpädagogin, als Komponistin und Konzertorganisatorin im öffentlichen Leben präsent. In einem Artikel für die „Surrey Press“ hat die Komponistin Ethel Smyth einmal Adelina de Lara mit den folgenden Worten gewürdigt: „Whatever my opinion may be worth, this is, word for word, what I said to myself about Madame de Lara’s playing: there is a bigness, a simplicity, a mastery, an utterly musical reading that only a combination of two things can bring about – a superb schooling and what in religion is called ‘vocation’. The blessed respect for her art that reveals itself at every turn, and which impresses me even more than the pianistic qualities she possesses in such large measure; the fine rich touch, the knack of welding into one the various regions of the piano, the beauty, the ease, the smoothness, the command of style.” („Wieviel auch immer meine Meinung wert ist, dieses ist Wort für Wort das, was ich mir selbst über das Spiel von Adelina de Lara sagte: da ist eine Größe, eine Einfachheit, eine Meisterschaft, eine vollkommene musikalische Lesart, die nur eine Kombination von zwei Eigenschaften hervorbringen kann – eine hervorragende Ausbildung und etwas, das in der Religion ‘Berufung’ genannt wird. Der begnadete Respekt gegenüber ihrer Kunst, der sich in jeder Bewegung zeigt, beeindruckt mich sogar mehr als die pianistischen Fähigkeiten, die sie in so großem Ausmaß besitzt: der feine, reichhaltige Anschlag, das Legato in den verschiedenen Regionen des Klaviers, die Schönheit, die Leichtigkeit, die Sanftheit, die Stilsicherheit.”; Dame Ethel Smyth in der „Surrey Press”, zit. n. de Lara 1955, S. 187, Übersetzung Silke Wenzel)

    Rezeption

    Eine Rezeption von Adelina de Lara findet bislang kaum statt. Lediglich im Umfeld der Forschungen zu Clara Schumann wird die Pianistin hin und wieder erwähnt. Seit kürzerer Zeit beschäftigt sich ihr Urenkel mit ihren Kompositionen und hat eine eigene offizielle Website für Adelina de Lara eingerichtet (vgl. „Links“).

    Werkverzeichnis

    Veröffentlichte Kompositionen

    Ein großer Teil der veröffentlichten Kompositionen befindet sich in der British Library London.



    a) Liederzyklen und einzelne Lieder


    „Rose of the World”. Cycle of five Songs, the poems by Mrs. T. Kelly. 1. Her Garden glows, 2. The Birds at their Matins, 3. Love's Elysium, 4. Now thou art gone, 5. The Splendour of Love's Dream. London: Enoch & Sons, 1907.


    „Love's Waking”. Song, the words by E. Clifford. London: Enoch & Sons, 1907.


    „Songs of Two Lives”, the words by H. Simpson. 1. There was a Song, 2. Into my Life, 3. Through Life there runs a Chain, 4. Across the Void. London: Enoch & Sons, 1908.


    „Light of my Heart”. Song, words by F. A. Joseph. London: Enoch & Sons, 1911.


    „Night and Day”. Song, words by F. G. Bowles. London: Ascherberg, Hopwood & Crew, 1911.


    „A Red Rose of June”. Song, words by W. B. Baldry. London: Leonard & Co, 1912.


    „Love's Dream”. [Song.] Words by W. B. Baldry. London: J. Ouseley Music Co, [1912].


    „In the Light of your Eyes”. Song, words by F. E. Weatherly. London: J. B. Cramer & Co, 1913.


    „Red Lips, farewell”. Song, words by F. E. Weatherly. London: J. B. Cramer & Co, 1913.


    „Fight on, brave Sons”. Song, words by F. A. Joseph. London: J. B. Cramer & Co, 1914.


    „Look up from the Darkness”. Song, with organ or harmm. accpt. ad lib., the words by E. Lockton. London: Enoch & Sons, 1916.



    b) Instrumentalmusik


    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1, vermutlich publiziert bei Stainer and Bell (vgl. de Lara 1955, S. 193).


    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2, vermutlich publiziert bei Stainer and Bell (vgl. de Lara 1955, S. 194).


    Symphonic Dance Fantasy for Piano and Strings, vermutlich publiziert bei Stainer and Bell (vgl. de Lara 1955, S. 194).


    „In the Forest”. Suite for strings. 1. Daybreak. 2. The Storm King rides through the Forest. 3. Glory of the Bluebells (Noon). 4. As the Sun sets. 5. The March of the Gnomes (Moonlight). Score. London: Stainer & Bell, [1949].


    Nocturne pour piano. London & Leipzig: Stanley Lucas & Co, 1896.


    Nocturne pour Piano. London: A. M. Heller & Co, [1903].


    Valse joyeuse [für Klavier]. London: Chappell & Co, 1904.


    Six Small Pieces for Christmas. A Children's Party. London: J. B. Cramer & Co, 1913.


    „The Kitzie dance” [für Klavier]. London: Keith Prowse & Co., ca. 1921.



    Bearbeitungen


    „A Children's Party”. A series of easy original pieces for the pianoforte. London: J. B. Cramer & Co, 1913.


    „Schumann Suite“, vermutlich publiziert bei Stainer and Bell (vgl. de Lara 1955, S. 194).



    Unveröffentlichte Kompositionen


    Über ihre unveröffentlichten Kompositionen ist bislang nichts bekannt, nicht einmal deren Verbleib. Darunter sollen sich zahlreiche Ballads befinden (vgl. www.adelinadelara.co.uk).



    Schriften


    Adelina de Lara: Clara Schumann’s Teaching. In: Music and Letters XXVI (1945) S. 143-147.


    Adelina de Lara: Finale [Memoiren]. In collaboration with Clare H-Abrahall. London: Burke Publishing Co Ltd, 1955.


    Lara, Adelina de. „Gebt mir die Ruhe und Abgeschiedenheit der BBC”. In: Monica Stegmann/Eva Rieger. Frauen mit Flügel. Lebensberichte berühmter Pianistinnen von Clara Schumann bis Clara Haskil. Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1996, S. 195-243 [Auswahl aus den Memoiren „Finale“ in deutscher Übersetzung].

    Repertoire

    Von Kind an war Adelina de Lara – auch aufgrund ihrer Erfahrung als Unterhaltungspianistin in Kunstgalerien, im Wachsfigurenkabinett und anderen Einrichtungen – an ein umfangreiches Repertoire gewöhnt. Sie trat als Solistin mit Klavierkonzerten auf, darunter das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schumann, das Klavierkonzert c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven und das Klavierkonzert d-Moll op. 70 von Anton Rubinstein. Darüber hinaus war sie vor allem für ihre Interpretationen der Klavierwerke von Frédéric Chopin und Robert Schumann bekannt. Sie begleitete häufig InstrumentalistInnen und SängerInnen am Klavier und erarbeitete auf diese Weise den Klavierpart zahlreicher Violin- und Violoncellowerke sowie von Liedern.

    Eine verlässliche Repertoireliste ließe sich erst anhand von Konzertprogrammen und Zeitungskritiken erstellen. Beides wurde bislang jedoch nicht systematisch zusammengetragen und untersucht. Einen ersten Einblick in ihr Repertoire gibt ihre Autobiografie von 1955.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Lara, Adelina de”. In: E. Pauer: A Dictionary of Pianists. Ca. 1896 [verfügbar in wbis: world biographical information system]


    Artikel „Lara, Adelina de”. In: J. D. Brown, S. S. Stratton (Ed.). British Music Biography. 1897 [verfügbar in wbis: world biographical information system]


    Artikel „Lara, Adelina de”. In: H. S. Wyndham (Ed.). Who’s who in music. 1913 [verfügbar in wbis: world biographical information system]

    Lara, Adelina de. Clara Schumann’s Teaching. In: Music and Letters XXVI (1945) S. 143-147.


    Lara, Adelina de. Finale [Memoiren]. In collaboration with Clare H-Abrahall. London: Burke Publishing Co Ltd, 1955.


    Lara, Adelina de. „Gebt mir die Ruhe und Abgeschiedenheit der BBC”. In: Monica Stegmann/Eva Rieger. Frauen mit Flügel. Lebensberichte berühmter Pianistinnen von Clara Schumann bis Clara Haskil. Frankfurt a. M. Insel-Verlag, 1996, S. 195-243. [Auswahl aus ihren Memoiren „Finale“ in deutscher Übersetzung.]


    Laurence, Dan H. (Ed.). Shaw’s Music. The Complete Musical Criticism of Bernard Shaw. 3 Vol. Second revised edition. London: The Bodley Head, 1981.


    Oesch, Stella. Die Pianistinnen Fanny Davies und Adelina de Lara und ihre Verbindung zur musikalischen Tradition Clara Schumanns. Wien, Univ., Dipl.-Arb., 2009.



    Tonträger


    Adelina de Lara (1872-1961): Anthology. Archiv Documents 1996 [Aufnahmen von Werken Robert Schumanns].


    Pupils of Clara Schumann. Pearl 1991.



    Links

    http://www.adelinadelara.co.uk/index.htm

    Die offizielle Website von Adelina de Lara enthält einige wenige Informationen, darunter aber vor allem den Kontakt zu ihrem Urenkel, der sich jüngst um eine Aufführung und Einspielung der Suite für Streichorchester „In the Forest“ bemüht hat.


    http://koelnklavier.de/texte/klavier/schumann-schueler.html

    Der Link stellt ein Sendemanuskript von Wolfgang Lempfrid über die Schülerinnen von Clara Schumann zur Verfügung (Sendemanuskript für den Deutschlandfunk Köln [„Historische Aufnahmen“]. Sendung vom 12. Mai 1990).

    Forschung

    Informationen über ihren Nachlass liegen bislang nicht vor, obwohl anhand ihrer Autobiografie zu vermuten ist, dass dieser erhalten geblieben ist. Weitere Hinweise hierzu könnte möglicherweise ihr Urenkel geben, der sich seit kurzem um Aufführungen ihrer Werke kümmert und eine eigene Website für sie eingerichtet hat (vgl. „Links“). Da Adelina de Lara zudem zu zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern in Kontakt stand, könnte auch die Untersuchung von deren Nachlässen Näheres über sie zu Tage fördern.

    Forschungsbedarf

    Obwohl von Adelina de Lara eine Autobiografie vorliegt, ist über ihr künstlerisches Leben kaum etwas zu erfahren; die Autobiografie beschäftigt sich zu großen Teilen mit familiären Zusammenhängen sowie mit den Kontakten zu anderen Künstlerinnen und Künstlern, gibt jedoch nur wenig konkrete Hinweise zu ihrem eigenen Arbeitsalltag. Den dort gelegten Spuren wäre allerdings in Forschungen weiter nachzugehen. Eine systematische Sichtung von Zeitungen und Musikzeitschriften gäbe sicherlich ein genaueres Bild der künstlerischen Tätigkeiten von Adelina de Lara, eine Untersuchung ihres Schülerkreises könnte Aufschluss über ihre Klavierpädagogik geben.

    Über ihre Kompositionen ist außer der Tatsache, dass sie geschrieben und teilweise aufgeführt wurden, nichts bekannt.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 25408166
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 119233673
    Library of Congress (LCCN): n88626634
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Juni 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 27.06.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Adelina de Lara“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 27.6.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Adelina_de_Lara